Ausgabe 
1.12.1895 Zweites Blatt
 
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hinruS ihre treue, stetig im Wachse» begriffene Gemeinde Ze-uadeo haben. ES ist daS Eharacterlftischc des Schnee- s^/uhß und des ReunmolfS, daß fie sowohl als Sportgeräthe 2« hervsrragenden echt sportlichen Leistungen benutzt werden können, als daß fie auch dem weniger gewandten Durch­schnittsmenschen za Statten kommen. Das Rennwolffahren insbesondere ist sofort ohne jede Vorkenntnisse möglich und von Damen und Kindern wie gebrechlichen Personen ohne weitere- ausführbar. Da- Schneeschuhlaufen erfordert freilich bis zur völligen Beherrschung etwas mehr Ucbunq, immerhin ist das Erlernen leichter wie z. B. daS Zweiradfahren. Schneeschuh und Rennwolf find eben von HauS aus keine eomp teilten Tportmaschinen, sondern volkSthümliche Geräthe, au« den Bedürsnisien der klimatischen Verhältnisse hcrvor- gegangen. Freilich hat erst die Jahrhunderte alte Uebung der Scandiaavier daSGleitholz" zu einem kunstgerechten Schneeschuh entwickelt, und mit der Vervollkommnung der Technik ist auch die Fertigkeit im Laufen gewachsen. Ent­sprechend den verschiedenen örtlichen Verhältnissen, nach denen die Schneeart und da- Terrain sich differencirt, haben sich verschiedene Schneeschuhtypen hecausgebildet. Es leuchtet ein, daß die fortgeschrittene deutsche Technck, die von einer

genauen Kenntniß der Eigenart der nordischen Typen ge­leitet wurde, noch besseres leistet, wie auch zu beachten ist, daß die spezifischen Verhältnisse Deutschlands eS erfordern, e nen eigenen deutschen Typus zu schaffen. Daß eS den Trägern der wiutersportlichen Bewegung gelungen ist, über die bloße Anregung hinauS' durch practische, ernste, technische Arbeit die Wrntersportgeräthe in einer für Deutschland brauchbaren Gestalt herzustellen, wicht nicht nur ihren be­sonderen Ruhmestitel aus, sondern hat überhaupt erst den glänzenden Erfolg ermöglicht. Für daS Rennwolffahren sei an die Erfiadung zerlegbarer Rennwölfe erinnert, welche den Sport auch den inmitten der Großstadt wohnenden zugänglich gemacht hat. Wer sich für diese Entwicklung und bte dabet in Betracht kommenden Sportgeräthe näher iuteresfirt, dem empfehlen wir, sich an den Wintersportverlag (S. M.Tourist") in Berlin W., Köthenerstraße 26, zu wenden, der jede nähere Auskunft bereitwillig und unentgeltlich ertheilt.

Fast wie mit einem Zauberschlage blühte nun, nachdem die beiden in ihrer Gemein'chaft als universell zu bezeichnen­den Wiuterspongeräthe, Schneeschuh und Rtnnwolf, in Deutsch land in vollkommener Gestalt zur Verfügung standen, die winterliche Touristik auf. Winterliche- Leben kannte man

bis dahin nur im Riesengebirge, wo die Hörnerschlitteusahrtue nicht allein eia oielbeltebte-, weil außerordentlich reizvolles Vergnügen waren, sondern auch den Gastwirthen und i* Zusammenhang damit der Bevölkerung lohnenden Verdienst schufen. Jetzt wurden die übrigen deutschen Mittelgebirge und namentlich durch den Reanwols- auch da- Flach­land in die Wlntertouristik einbezogen. Der Harz z. B. bat im Winter 1894/95 eineFremdeosaison gehabt, die manchem Gaftwirth in angenehmstem Gedächtniß bleiben wird. Und erfreulicher Weise ist diese Entwickelung in stetem Wachsen begrffen- höher aber, al- die rein sportliche Seite de» Schnee'chuhlausens und RennwolffahrenS, ja selbst höher al» die volkswirthschaftlich so bedeutende Erschließung de« minier« lichen Fremdenverkehrs ist die Thatsache zu schätzen, daß durch den W ntersport ein gutes Drittel dcS Jahres tn de« Bereich de- NaturgenusseS gezogen worden ist und daß sich von hier auS nicht allem körperlich hyzirnifche und durch die Errichtung von Winterkurorten therapeutische Wir­kungen erstrecken, sondern daß der männlich-frische Geist de» Wintersports daS dumpfe Stubenhockerthum in die Flucht schlägt und für die Hebung der Volksgesundheit und der Volkskraft nicht genug zu würdigende Dienste leistet.

Bekanntmachung.

Vorkehrungen

gegen vas Einfrieren der Wasserleitungen.

Unter Hinweis auf dieBestimmungen über Anlage der Hauswasserleitun gen iu Gi'ßev" machen wir daraus aufmerksam, daß, um dem Einfrieren des WafferS in den HauSwafferleitnuge« bei eintretender Kälte vorzubeugen cs er­forderlich ist, die Hanswosserleitungen deS Abends für die Dauer der Nacht zu entleeren. Dies geschieht dadurch, daß zuerst der vor dem Wassermesier befindliche Hauptabsperrhabn geschlossen und bann das seitlich desselben befindliche EntleerungS- bäbrchrn, nachdem ein passendes Gefäß untergeftellt, aeSffnei wird und dies so lange geöffnet gebalien wird, bi8 das in der Hausleitung stehende Wasser vollständig ab gelaufen ist, worauf bezeichn tes Hähnchen wieder geschlossen wird-

Um eine vollständige Entleerung zu erwirken ist es geboten, während der- Mben das in dem obersten Stockwerk deS Hanse» befindliche Zapfventil der fau§Iettung offen iu halten, damit die Lust Zutritt in die Leitung erhalte. ®'n größerer Theil Des Wassers kann auch schon durch das Zap^ventil der untersten Küche entleert werden, woburch die Entleerung im Keller vereinfacht wird. Nach sta'tgebabter Entleerung sind die beiden Zapfoentile, welche dem Eintritt der Luft und der Entleerung des Wassers dienten, wieder zu schließen.

Das Schließen de» Hanptabsperrhahn» erfolgt durch Aufsetzen des beigege^enen SchlüssilS auf den vierkantigenH lhnzapfen und Drehung in der Richtung von links nid) rechts im Sinne eines Uarz ig<rs bis Widerstand erfolgt. Das Veffne« de» Hauptabsperrhahne» geschieht durch Drehung in entgegenge-etztem Sinne, bis Gtd.rstand erfolgt.

Behufs Wasserentnahme muß des Morgens der Hauptabsperrhahn wieder vollständig geöffnet werd n.

Abzweigleitungen nach Waschküchen, Badezimmern, Hofräumen, Gärten u. s. w flnb während d-s Winters mittelst ihrer besonderen Vorrichtungen a if ähn- Inbe Weise zu entleeren und ertheilt hierüber im Beso deren am Besten derjenige Installateur Auskunft, welcher die bett. Leitungen gefertigt hat-

Bei anhaltender außerordentlicher Kälte empfiehlt es sich, die Wasser­entnahme auch während de» Tage» auf kürzere festgesetzte Zeit zu de« schränke« und während der übrigen Tageszeit die Hauswass:rleuungen gleichfalls in oben ar gegebener Weise abzustellen.

Dem Einfrieren solcher Wasserleitungen, welche durch ftüdj-n unbenutzter Wohnungen geführt sind, kann man durch Unterhalten eine? kleinen H-erdfeuers no beugen. Auch empfiehlt es sich, in kalten Etoset ober sonstigen ungeheizten Räumen, durch welch die Wasserleitung führt, sofern ba-elbft bte ßettu-ig nicht schon burch eine Umhüllung gegen Kälte geschützt ist, die Temperatur durch ein Oefcken ober geeigneten Falls etwa durch eine Gasflamme auf genügender Höhe zu erhalten.

Die Waffermeffer nebst dem nächstanschlietzende« Theil der Rohr­leitung sind wahrend des Winters mit Stroh, Säcken oder ähnlichen Schutzmitteln gegen Kälte zu umkleiden, auch namentlich die betr. Kellerfenster geschlossen ,u halten

Di« Herstellung aller Waffecmeffee. die i« Folge ungenügenden Schutze» gegen Kälte Schaden erleide«, erfolgt a«f Rechnung der Haudvifitzer.

Durch die empfohlenen Vorkehrungen wird dem Wasserabnehmer die Lieferung deS Wassers möglichst gewährleistet, d-m Hausbesitzer aber werden Beschädigungen au Leitung und «Seväude fern gehalten Wie empfehlen daher vorstehende Vorsichtsmaßregeln allen Betheiligte« zur ganz besondere« Beachtung.

{Reparaturen und Ansitz men von HauSwasserleilungen w rden am sch irllsten von denjenigen J istall stionS-Geichäften besorgt, welche die betreffenden Hauswasser - leitungen s. Z auegelührt haben

Gießen, den 26. November 1895.

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