Donnerstag den 1. August
1895
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An»ts- und Anzeigeblntt für den "Kreis Gieszen
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Viertrljähriger AvounemeutspretB r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.
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FruiUeton.
Freundestreue.
Eine Erzählung von K. Wagemann.
(4. Fortsetzung.)
Weiterzusprechen war unmöglich, denn die Mutter kam erreitS fertig zum Aufbruche aus der Laube heraus und suhle sie.
„Auf Wiedersehen da drüben," flüsterte er ihr noch zu.
Sie nickte zustimmend, dann schieden sie und er kehrte 4u den Seintgen zurück.
Diese, begreiflicherweise in Folge des frühen Aufstehens, irr langen Eisenbahnfahrt, der Anstrengung des Bergsteigens, ter drückenden Hitze, sehr ermüdet, begehrten zu ruhen. Sie suchten sich also im Walde einen paffenden Platz und legten sich nieder. Das war eine günstige Gelegenheit für Carl. Bald hatte er sich im Gebüsch verloren,- man vermißte ihn nicht. Eilfertig strebte er dem abwärts führenden Wege zu. Der Zickzack deffelben führte ihn nicht früh genug ans Ziel. Eia kürzerer Weg bot sich dar, steil ging er den Geröll- abhang hinunter. Diesen Weg schlug er ein, seine Sehnsucht trieb ihn. Der Weg hörte auf, Carl sprang durchs Geröll weiter. Da hakte der eine Absatz hinter einen Stein- Carl schwankte, vergeblich suchte er sich zu halten, er schlug der Länge nach zwischen den Steinen hin. Zum Schutze hatte er die Hände vorgestreckt- nun schnitt eine scharfe Steinkante gerade in seine linke Hand und daS warme Blut lief über den Stein hinab.
Er raffte sich auf, band sein Taschentuch um die wunde Hand und wollte seinen Weg fortsetzen. Aber sein rechter Fuß schmerzte ungemein, er mußte ihn beim Fallen verrenkt haben, er konnte nicht vorwärts. Er drehte und streckte, er strich und rieb, stellte das Bein so und anders- wohl sprang .der ausgesetzte Knochen wieder ein, — aber die Schmerzen
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Vorm. 10 Uhr.
Äelhtoplen.
Berlin, 30. Juli. Die Untersuchung gegen den Ab- stnder der Höllenmaschine an den Polizeiobersten Lrause hat auch bisher noch kein Resultat gehabt. Eine Localcorrespondenz meldet, alle auf Grund irgendwelcher Verdachtsmomente in dieser Sache verhaftet gewesenen Personen seien wieder entlasten worden, und die Beamten der politischen Polizei, die für alle Fälle der Criminalpolizei zur Mitwirkung an der Eruirung des Verbrechers beigegeben waren, find am Dienstag zurückgezogen worden, da fich ab- folitt kein Anhalt dafür ergeben hat, daß das Attentat auf anarchistische Umtriebe zurückzuführen sei.
Hamburg, 30. Juli. Dem „Hamburgischen Corresp. zufolge pachtete die Mannheimer Firma Philipp Poth dom Hamburger Staate ein Areal am Südufer des Petroleumhafens, um dort eine selbstständige Anlage für ihr Pe- troleumgeschäft zu errichten. Die Anlage soll bis zum Spätherbst fertig werden. m r
Wien, 30.Juli. DieWiener Thiergarten-Gesell- schrft hat mit Passiven im Betrage von anderthalb Millionen tzulden gestern den Coucurs angemeldet. Der Betrieb wird nicht unterbrochen.
Rom, 30. Juli. Der Senat berieth heute das Marinebudget und genehmigte dasselbe. Caoalleto brachte im Namen des Senats der italienischen Flotte einen Gruß, die sich in England und Deutschland Bewunderung errungen habe. (Beifall.) Marinemtnister Moccnnt dankte im Namen itr Marine und sagte, der Gruß des Senats werde der Flotte in der Erfüllung ihrer Aufgaben ein Ansporn sein.
Florenz, 30. Juli. Heute früh wurde hier ein leichter
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Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 3O.Jult. Die gestrige Junungs-Conferenz Mete Geheimerath Sichert mit einer Ansprache ein, in velcher er anführte, daß die Regierung nach wie vor be- -strebt sei, die Reorganisation des Handwerks zu besrie- ligendem Abschluß zu bringen. Es müsse aber berücksichtigt werden, daß wettergehende Jnteresten keine Gefährdung erfahren. Der HandelSmtnister habe die gemachten Vorschläge eingehend erwogen, eine endgiltige Erledigung sei jedoch für die Regierung sehr schwierig. Auch sei es erforderlich, die Wirkung etwaiger gesetzlicher Bestimmungen so weit als möglich vorher gewistenhaft zu erwägen.
Berlin, 30. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung vom 27. dsS. Mts., betreffend tak Verbot der Ausfuhr von Waffen und Schteßbebarf über sämmtliche Grenzen deS Reiches nach
erste Torpedo-Flottille, bestehend aus dem Aviso „Blitz", zwei Divisionsbooten und 12 Torpedobooten, hier eintreffen.
München, 30. Juli. Wie die „Neue Freie Volkszeitung meldet, soll ein hiesiger Geschäftsmann und Reserve-Offizier wegen verschiedener, bei Submissionslteferungen begangener Betrügereien von einem hiesigen Gericht, wahrscheinlich dem MilitärbezirkSgericht, zu 2‘/a Jahren Gefänguiß, 16 000 Mark Geldbuße, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre, sowie Entfernung aus dem Heere verurtheilt worden sein. Derselbe soll fich durch Lieferungen von Sand allein 36000 Mark rechtswidrig angeeignet haben.
München, 30. Juli. Nach heute hier eingelaufenen Meldungen ging gestern ein orkanartiger Sturm über Unterbahern nieder. In Geiselhoering wurden zwei riesige Bäume gleich Zündhölzchen abgebrochen und auf daS Gottes- Haus geschleudert. Dieselben durchschlugen das Dach und zertrümmerten die Decke. Eine Menge Kamine wurden herabgeschleudert und eine Schieferdachung abgehoben. In Hadersbach wurde eine Scheuer vollständig zertrümmert. Ein Bauernsohn wurde unter den Trümmern begraben.
Wien, 30. Juli. Die „Neue Freie Preffe" veröffentlicht neuerdings ein Interview eines ihrer Redacteure mit dem Metropoliten Clement. Derselbe erklärte, mit dem Erfolge, den er in Petersburg erzielt habe, sei er sehr zufrieden. Die Aussöhnung Rußlands mit Bulgarien könne als vollzogene Thatsache betrachtet werden. Die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Rußland den Fürsten Ferdinand anerkennen werde, ließ Clement unbeantwortet. Aus seinen Auslastungen war jedoch zu ersehen, daß dies nur unter der Voraussetzung geschehen könne, daß Fürst Ferdinand den orthodoxen Glauben annehme. Die Deputation fährt noch heute nach Sofia und wird dort vom Fürsten Ferdinand erwartet. , , ..
Lemberg, 30. Juli. Polnische Blätter bringen die Meldung, Kaiser Wilhelm habe durch den Gesandten v. Bülow beim Vatican dem Cardinal LedochowSki zu besten fünfzigjährigem Priesterjubiläum seine Glückwünsche übermitteln lasten.
Zürich, 30. Juli. Im September wird Hierselbst em internationaler Congreß von Fachmännern für die Untersuchung von Baumaterialien abgehalten werden. Professor Fettmayer vom Züricher Polytechnikum ist Präsident des Congresses.
Rom, 30. Juli. Sämmtliche einflußreiche Blätter find über die energische Erklärung Crispis in der gestrigen Kammersitzung sehr befriedigt. Der europäische Friede, sagen
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2- B-rsW« Vorstand,^ GMszim l Äi dolph.
Alle Annoncen-Bureaux beS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
das Essig- und das Rumfläschchen aus dem Ttschaufsatz, eilte hastig davon und rief fast athemloS zurück:
„Bitte, bringt ein GlaS Master!"
Alle Anwesenden folgten ihr nach und sahen, wie sie im eifrigen Samariterdienst neben dem Ohnmächtigen niederkniete, ihm Stirn, Schläfe und die Pulse mit Essig benetzte und ihm das mit Essig durchtränkte Taschentuch vor den Mund hielt.
Jetzt holte er tief Athem, jetzt schlug er die Augen auf, jetzt erblickte er fie, sah ihr besorgtes Gesicht, ihre angstvoll auf ihn gerichteten Augen und es war, als wenn ein Sonnenschein über sein bleiches Antlitz flog. Er wollte die Lippen zu einem Freudenworte öffnen — er konnte nur abgebrochene Laute hervorbrtngen.
„Er wünscht Master," meinte der Vater, stützte ihm den Oberkörper etwas empor und die Mutter reichte den erfrischenden Trunk dar. ‘ Nachdenklich aber schaute der Vater in die Züge des zum Bewußsein Erwachenden. Wie war ihm denn, hatte er dieselben Züge nicht schon einmal gesehen, — oder rief die Lage deffelben da unter der Kiefer gewisse Erinnerungen in ihm wach? . . ,
Nun richtete sich Carl mit Hilfe des VaterS und eines anderen Herrn auf. m .
„Hier ist es noch zu schwül," sagte der Vater, „wir müssen ihn ins Hotel, in ein kühles Zimmer bringen.
Dort legte man ihn auf ein Sopha nieder und Mutter und Elise bemühten sich um die Wunde an der linken Hand. Der von Carl selbst angelegte Nothverband war gerissen, das Blut quoll hervor und war kaum zu stillen- Carl war wieder einer Ohnmacht nahe. Endlich ließ der Strom des Blutes nach, ein regelrechter und sicherer Verband wurde angelegt, eine kräftige Taffe Kaffee wachte den Pflegling wieder vernehmungsfähig und mit innigem Mitleid horten sie den Bericht von seinem Unfall.
(Fortsetzung folgt).
Der
Hietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS
MontagS.
Die Gießener -«mtkieuStätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
blieben. Eine ohnmachtähuliche Schwäche überkam ihn- er mußte fich auf einen Stein niedersetzen. — Wenn er nun zu spät kam! Wenn sie glauben mußte, er habe sein Wort gebrochen! Sollte er auch diesmal ihre Spur verlieren? Nein, das durfte nicht sein! Er mußte weiter, mochte es kosten, was es wollte.
Mühsam hob er sich empor, kroch den Geröllabhang herunter, hinkte auf dem Zickzackpfade der in der Tiefe rauschenden Bode zu und hielt dann den schmerzenden und brennenden Fuß in ihr kühles Wasser. Nach dieser wohl- thätigen Rast stieg er mit Aufbietung aller Kraft die Schurre hinauf. Mehr als einmal schienen ihm die Sinne zu schwinden und er mußte sich auf einer der Bänke niederlassen. Aber die Liebe gab Kraft- er kam endlich doch oben an.
Elise hatte schon längere Zeit unter der Halle neben dem Gasthause erwartungsvoll geseffen. Wird er wirklich kommen? — Sie fühlte, ihre Liebe zu ihm war unbesiegbar. Werden aber die Verhältniffe und der Eltern Wille eine dauernde Vereinigung mit ihm gestatten?
Mehrmals verließ sie den Platz und schaute den Weg entlang, den er kommen mußte. — Nun endlich kam er! Aber wie langsam und schwerfällig ging er und wie blaß sah er aus! Und seine linke Hand war ja verbunden.
„Um Gotteswillen, was ist Ihnen geschehen?"
„Ach, Fräulein Elise — ich--ich —"
Er schwankte, er taumelte, er sank um.
Doch schon hatte sie ihn mit ihren Armen aufgefangen, und ihn vor jähem Sturze bewahrend, ließ sie ihn tn bem Schatten einer niedrigen Kiefer zur Erde gleiten. Aber zur Erquickung und zur Wiederbelebung hatte sie nichts bet sich. Mit augstbeflügelten Füßen eilte sie zu ihren Eltern zurück.
„Vater, er ist ohnmächtig geworden!
„Wer denn, Kind, wer denn?" ,
„Ja, zum Antworten hatte sie keine Zeit. Sie hob
und zahlreiche Verwundete.
Depeschen deS Bureau »Herold*.
Berliu, 30. Juli. Die „Vosfische Zeitung" meldet aus Sofia: Die Anhänger Stambulows beschloffen, fich mit den Anhängern RadoslawowS, unter Führung desselben, zu vereinigen. Eine Kundgebung in diesem Sinne ist bald zu erwarten. Die Anhänger ZankowS veranstalten eine Sammlung zur feierlichen Einholung der Petersburger Deputation und zu einer großen, politischen Ehrung für den Metropoliten Clement.
Berlin. 30. Juli. Die Former und Metallarbeiter Berlins haben gestern beschloffen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Sie fordern 25pCt. Lohnerhöhung, 50 Pfennig für die Ueberstunde, zehnstündige Arbeitszeit, Bezahlung der Nebenarbeiten, 21 Mark Minimal- Wochenlohn für die Hilfsarbeiter. 90pCt. aller Former sind organifirt.
Köln, 30. Juli. Der Constantiuopeler Correspondent der „Köln. Ztg." versichert gleichfalls, die Pforte stehe im Begriffe, wegen der macedontschen Wirren außerordentliche Maßregeln zu treffen. Bei dem heutigen bulgarischen Cabinet glaube man nicht an ein Eingreifen der bulgarischen Armee - sollte dasselbe aber einem russenfreundlichen Ministerium Platz machen, so stehe man, das ist der Eindruck in maßgebenden türkischen Kreisen, vor einer ernsten Krisis. Der russische Einfluß in Bulgarien sei stets gleichbedeutend mit der Beunruhigung Macedoniens gewesen.
Köln. 30. Juli. Die „Köln. Ztg." meldet von unterrichteter Seite, daß gegenüber anderweitigen Berichten der Justizminister eine Wiedervorlegung deS Gesetzentwurfes betreffend die Aeuderung der Strafproceßordnung als unbedingt nothwendig erachtet. Voraussichtlich wird der Entwurf wieder in unveränderter Gestalt in den Reichstag gelangen. ,
Kiel. 30. Juli. Am Freitag Morgen tritt die „Hohen- zollern" und die „Gefione" die Fahrt durch den Canal nach Brunsbüttel an. Dort begibt sich der Kaiser Abends an Bord der „Hohenzollern, um nach Cowes zu fahren.
Wilhelmshaven. 30. Juli. In dieser Nacht wird die
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I Erdstoß beobachtet. In dem benachbarten, bereits durch Erdbeben heimgesnchten Landstrich wurde ein sehr heftiger Erdstoß verspürt, dem ein unterirdisches Getöse vorausging. Die Bewohner sind in äußerster Unruhe.
Havanna, 30. Juli. Die Spanier schlugen und zerstreuten eine Bande der Rebellen im District Baracea. Die Spanier hatten 31 Verwundete, die Insurgenten 16 Tobte


