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Nr. 203
Freitag den 31. August
1894
Der Hielfener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener AxmitienvlLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt.
Gießener Anzeig er
General-Anzeiger.
Vierteljähriger AVonnementsprelsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
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Gratisbeilage: Gießener Kamitienökätter.
Alle Annoncen-Burcaux dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
2lmtlid?er Theil.
Bekanntmachung,
betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Rüddingshausen.
Bei Prüfung des Grundbuchs rubr. Gemarkung hat sich ergeben, daß ein großer Theil der Grundstücke auf die Namen der jetzigen Eigenthümer noch nicht überschrieben ist.
Ich fordere deshalb die Grundbesitzer in der Gemarkung Rüddingshausen auf, spätestens innerhalb 3 Monaten dafür Sorge zu tragen, daß ihre Grundstücke auch im Grundbuche auf ihre Namen überschrieben werden, da die Ersatzgrundstücke nur dem im Grundbuche eingetragenen Besitzer zugetheilt werden und keine Rücksicht auf Zusammenlegung der auf verschiedenen Namen stehenden, jedoch einem Besitzer gehörenden Grundstücke genommen werden kann.
Gießen, den 15. August 1894.
Der VollzugS-Commiffär Dr. Wallau. Grobherzoglicher Kreisamtmann.
Bekanntmachung,
betreffend : Die Benutzung der städtischen Quellwafferleitung und der öffentlichen Brunnen.
Die untern 11. Juli l. I. angeordnete Sperre wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 28. August 1894.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Deutsche» Reich.
Berlin, 29. August. Zum selben Zeitpunkt, da der preußische Finanzminister vr. Miquel von seinem sommerlichen Urlaube nach der Reichshauptstadt zurückkehrte, hat der Reichskanzler Graf Caprivi Berlin verlassen, um eine mehrwöchige Cur in Karlsbad zu gebrauchen. Es braucht wohl kaum versichert zu werden, daß der Tag der Rückkehr Dr. Miquels nach Berlin wie deS Antrittes der Badereise des Reichskanzlers längst seststanden, trotzdem wird es nicht an Bemühungen fehlen, auS jenem Umstand abermals das Bestehen der behaupteten Differenzen zwischen den beiden Staatsmännern zu beweisen. ES wäre indeffen vollkommen müssig, Betrachtungen über diesen delicaten Punkt im jetzigen Moment anzustellen. Wenn wirklich eine Krisis in den maßgebenden Berliner Kreisen in dem angedeuteten Sinne vorhanden ist — worauf ja allerdings manche Anzeichen hinzuweisen scheinen — so wird wohl die bevorstehende Wintersession im Reiche und in Preußen hierüber näheren
Aufschluß bringen. Was die Mittheilung des „Berl. Localanzeiger" anbetrifft, wonach sich Reichskanzler Graf Caprivi in einem Privatgespräche dahin geäußert haben soll, er wünsche den Finanzminister Miquel, dessen Genialität und Arbeitskraft dem Vaterlande noch große Dienste leisten könne, durchaus im Amte erhalten zu sehen, so sei sie hier nur mit allem Vorbehalt wiedergegeben.
— Die Mittheilungen über eine angebliche Meuterei der Sudanesentruppe in Kamerun stellen sich laut einer amtlichen Aufklärung in der „Nordd. Allg. Ztg." als äußerst übertrieben dar. ES haben wohl Exceffe unter den Mannschaften stattgefunden, aber diese Vorgänge besitzen keinen ernsteren Hintergrund. Dagegen wird zugegeben, daß ein Theil der für Kamerun angeworbenen Sudanesen sich aus verschiedenen Gründen nicht wohl daselbst fühle, indessen habe es sich vorläufig nur um einen Versuch mit den Sudanesen in Deulsch-Westafrtka gehandelt. Sollte derselbe in der That ergeben, daß die Sudanesen für diesen Theil Afrikas ungeeignet seien, so würden sie nach Ostasrika zurück- geschickt werden.
Neueste Nachrichten.
Wolff« telegraphisch-« Korrespondenz-Bureau.
Berlin, 29. August. Nach den Veröffentlichungen des kaiserlichen Gesundheitsamts sind vom 20. bis 27. August Mittags in Deutschland 32 Todesfälle und 78 Erkrankungen an Cholera vorgekommen. Davon entfallen auf Ostpreußen 8 Tobte, 16 Erkrankte, auf das Weichselgebiet 12/34, auf daS Netze- und Warlhegebtel 9/24, auf Oberschlesten 1/2, auf den Regierungsbezirk PvtSdam 1/0, auf Las Rhein- gebiet 1/2. Letztere beide Fälle eingeschleppt.
London, 29. August. Das Bureau Reuter erfährt bezüglich der Entsendung britischer Truppen von Cypern nach Malta, daß sie keinerlei politische Bedeutung habe. Die Truppen gehen nach Malta als Ersatz in die durch Truppen- sendungen nach Egypten entstandenen Lücken. Eine kleine Abtheilung verbleibt in Cypern.
London, 29. August. Nach einem Telegramm auS Glasgow geben die Führer der Bergarbeiter zu, daß der AuSstand seinem Ende nahe ist.
Shanghai, 29. August. Reutermeldung. Das chinesische Blatt „Hupao" berichtet, die chinesische Vorhut in Stärke von 5000 Mann traf am 13. August die japanischen Truppen bei Ping-Uang und vertrieb sie. Die Chinesen gingen am folgenden Tage, um 4000 Mann verstärkt, gegen die japanischen Linien bei Chungho vor, die von den Japanern geräumt wurden. Am 16. August fand ein erbitterter Kampf statt. Die Japaner verloren 4000 Mann und vieles Gepäck. Die Chinesen rückten nach Huangchow
vor, wurden aber, als sie dem Tatungfluffe zu nahe kamen, von den dort ankernden dreizehn japanischen Schiffen beschoffen, wobei mehrere hundert Chinesen getvdtet wurden. Bei Eintritt der Ebbe griff die chinesische Artillerie die japanischen Schiffe an und beschädigte drei erheblich. Schließlich zog sich die japanische Armee, von der chinesischen Cavallerte bedrängt, südwärts zurück.
WB. Paris, 30. August. Einem Privattelegramm zufolge ist der Zustand des Grasen von Parts ernst. Die Aerzte befürchten das Schlimmste.
WB. Laval, 30. August. Abb6 Brun eau, welcher den Pfarrer von Entrames ermordete, ist heute früh 5 Uhr hingertchtet worden. Eine große Menschenmenge wohnte der Hinrichtung bei. _____
Depeschen de» Bureau „Herold".
Berlin, 29. August. Anläßlich der gestrigen Besichtigung der 5. Division durch den Kaiser sind der „Post" zufolge zahlreiche Beförderungen und Ordensauszeichnungen erfolgt. U. A. wurde der comman- dirende General des 3. Armeecorps, Prinz Friedrich von Hohenzollern, zum General der Cavallerte ernannt.
Berlin, 29. August. Die „Kreuzzeitung" erfährt aus Petersburg bezüglich des Gesundheitszustandes des Kaisers von Rußland, die Reise nach Kopenhagen scheine vorläufig aufgegeben zu sein. In Petersburger Hof- kreisen heiße es, eS sei noch nicht endgiltig darüber entschieden. Wenn der ländliche Aufenthalt deS Czaren in Rußland ein günstiges Ergebntß liefere, soll Ende September die Reise nach Kopenhagen erfolgen.
Berlin, 29. August. Die „Kreuzzeitung" erfährt gegenüber der Meldung eines Petersburger Blattes, über eine angeblich geplante Zusamm enkunft des österreichischen mit dem russischen Kaiser sei an den unterrichteten Stellen in Wien und Petersburg nichts bekannt.
Berlin, 29. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, der Kaffernhäuptling Malaboy habe sich nach hartnäckigem Widerstand endlich ergeben; der Krieg gegen die Koffern sei sonack in der Hauptsache beendet.
Berlin, 29. August. Fräulein Wabnitz, die sich, wie bereits mitgetheilt, dem Antritt einer zehnmonatlichen Gefäng- nißstrafe durch Selbstmord entzogen hat, vollzog die That auf dem Friedhöfe der Märzgefallenen.
Köln, 29. August. In der heute Vormittag abgehaltenen dritten Generalversammlung des Katholikentages wurde dem Anträge des Grasen Conrad Preysing gemäß beschlossen, den nächstjährigen Katholikentag in München abzuhalten. Weiter wurde ein neuer, die sociale Frage behandelnder Antrag eingebracht, worin ein Gesetz gegen Mißbrauch der
Feuilleton.
Selbst gerichtet.
Von Meta v. Kolbe.
lNachdruck verboten.)
Es war Frühling! Goldig fluthete der Sonnenschein durch die Bäume des Waldes, erweckte mit seinen Strahlen tausend und abertausend Pflänzchen aus dem feuchten Boden und belebte alle Insassen der Natur, daß sie schmetternd und pfeifend, flötend, surrend und summend ihre Freude am Dasein kundgaben.
Mitten in diesem harmonischen, fröhlichen Concerte ließ sich die laute Stimme eines Menschen vernehmen, der, überwältigt von dem schönen Frühlingstage, seine Gefühle kundgab.
ES war ein junger Holzhauer, der singend und suchend durch den Wald schritt.
Plötzlich blieb er vor einer hohen, mächtigen Eiche stehen, auf deren Zweigen er einen Vogel sah, der seine junge Brut mit zärtlichen Lauten in den Schlaf sang.
Sei es, daß dieser Anblick in dem jungen Manne liebliche Empfindungen erweckte, ober daß etwas an dem Baume ihm merkwürdig erschien, er schaute nachdenklich zu dem kleinen, hoch in der Spitze schwebenden Nestchen hinauf.
„Ob ich wohl das Nest erreiche?" sagte er leise zu sich selbst, „ich glaube, Anne-Marie freut sich, wenn ich ihr die niedlichen kleinen Dinger bringe."
Und der Gedanke, seinem Mädchen ein Lächeln abzulocken, einen freundlichen Blick aus ihren Augen zu erlangen, besiegte alle seine Bedenken.
Rasch sind die schweren Holzschuhe, die dicke Jacke und der breite Strohhut abgeworfen und Michael schwingt sich
gewandt auf die untersten Aeste des Baumes, von denen er leicht zur Spitze gelangen konnte. Da ertönte unten am Fuße des Baumes plötzlich eine Stimme:
„Was machst Du da oben?"
Er neigte sich nach unten, theilte die Blätter auseinander und erkennt Karl, den Feldhüter des Dorfes.
„Ich möchte das Nest haben," antwortete er ihm.
„Machst Du es ebenso wie die bösen Jungen? Was willst Du damit,?"
„Ich will eS verschenken!"
„Wem denn?"
„Was geht es Dich an?"
„Sollte es vielleicht Anne-Marie sein, für die Du Deinen HalS wagst?"
„Nun und wenn?" Der Holzhauer schaut spöttisch auf seinen Gegner herab.
„Dann erlaube ich es nicht, daß Du ihr ein Geschenk machst!" ruft Karl heftig.
„Nicht? Ich möchte ihr freilich lieber ein schönes, seidenes Tüchlein ober eine Schürze mitbringen, aber ba ich bieseS nicht kann, muß ich meinen Hals aufS Spiel setzen."
„Du darfst es nicht, es wird Dich gereuen!" schrie der Andere, roth vor Zorn.
Der junge Bursche lachte erst leise auf, dann sich be« sinnend, kletterte er rasch auf die unteren Zweige, von wo aus er bester reden konnte, und sagte ernst und fest zu dem Untenstehenden:
„Du bist mein Jugendgefährte, Karl, und wir haben viele Jahre in Freundschaft miteinander gelebt. Laß nicht Feindschaft zwischen uns treten um deS Mädchens willen. Wir lieben sie wohl beide, Du weißt aber auch, daß ich der Glückliche bin, der seine heiße Liebe erwidert sieht. Ich fühle Deinen Schmerz mit und begreife, baß Du Deine
i Gefühle nicht ändern, nicht einmal verbergen kannst, ober | laß Dich nicht zum Haß hinreißen gegen mich, gieb mir bie Hanb unb gönne mir mein Glück!"
Der Felbhüter schüttelte zornig ben Kopf unb erwiberte mit heiserer Stimme:
„Nein, ich will nicht, baß Du Anne-Marie baS Nest schenkst."^
„Du bist unvernünftig; baS kleine Geschenk änbert doch nichts an unseren Gesinnungen, warum sollte ich eS ihr also nicht geben?"
„Weil ich Dich zwingen werde, eS nicht zu thun!"
Jetzt lachte Michael laut auf, reckte sich in die Höhe und hatte bald wieder seinen vorigen Standpunkt in der Spitze des Baumes erreicht.
„Komm doch herauf und verhindere mich daran!" rief er herunter; „übrigens beruhige Dich nur, ich bringe das Nestchen heute Abend wieder zurück, wenn Anne-Marie die kleinen Dinger genug angesehen hat."
Die letzten Worte galten auch dem alten Vogel, der ängstlich pfeifend um den Baum flatterte.
Da schaute Michael nach unten und wurde bleich. Er sah den Feldhüter mit bösem Blick jeder seiner Bewegungen beobachten, in der Hand einen schweren Stein.
Nichtsdestoweniger faßte er behutsam das Nestchen unb stieg vorsichtig bamit von Zweig zu Zweig.
„Ich zerbreche eS in Deiner Hanb, wenn Du nicht hörst!" schallte eS von unten herauf.
„DaS läßt Du wohl bleiben, bann gibt eS ein Unglück !" warnte Michael.
(Schluß folgt.)


