Hamburg, 29. Januar. Die „Hamb. Nachr." schreiben in einem Leitartikel, sie müßten darauf verzichten, auch nur eine kurze Analyse über die Erörterungen zu geben, welche über die Bedeutung der Anwesenheit des Fürsten Bismarck in Berlin angebracht wären, wozu der Stoff viel zu umfangreich sei. Es müsse nur conftatirt werden, daß der Besuch überall als wichtiges Ereigniß betrachtet wird, auch selbst von solchen Blättern, die an politische Consequenzen nicht glauben wollen.
Brussel, 29. Januar. Nachdem heute wiederum mehrere Studenten relegrrt wurden, ist die Universität geschlossen und von Polizisten besetzt worden.
Paris, 29. Januar. Wie verlautet, beabsichtigt die Re« gierung, eine Vorlage auf Erhöhung des Getreidezolls von 5 auf 7 Mk. einzubringen.
Zurich, 29. Januar. Die „Neue Züricher Zeitung" schreibt anläßlich der,gestrigen Krawalle: „Die Anarchisten haben bei uns einen Anfang damit gemacht, ihre Theorien aus den Versammlungssälen auf die Straße zu tragen und das Wort in die Thar umzusetzen. Damit dürfte die Geduld der Bürgerschaft und der Behörden erschöpft sein, und es wird hoffentlich mit den Ruhestörern kurzer Proceß gemacht werden. Wir vertrauen auf die Energie der cantonalen und eidgenössischen Behörden, daß sie diesen ersten Versuch, den Frieden unserer Straßen zu stören, unnachsichtlich ahnden."
Bern, 29. Januar. Behufs Untersuchung der in Zürich stattgesundenen Excesse hat sich der Bundesrath Scherb nach dorr begeben. Mehrere in Zürich ansässige Ausländer, unter diesen Binder, von Gog, Nonnemann, sollen vom Bundesrath ausgewiesen werden.
Coealcs rrir- ^provinzielles.
Gieße«, 30. Januar 1894.
* * Se. Königliche Hoheit der Großherzog passirte heute Morgen mit dem fahrplanmäßigen Schnellzuge 8Uhr2OMtn. von Berlin kommend die hiesige Station.
* * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 1. Februar 1894, Nachmittags 4 Uhr. 1. Vorlage der Rechnung und des Verwaltungsberichts pro 1892/93. 2. Die Errichtung einer Desinfections-Anstalt- hier: Vertrag mit der Direction der neuen Kliniken wegen Benützung des DesinsectionS- Apparales. 3. Gesuch des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde Gießen um Ueberlasiung eines Schulsaales im Schulhause in der Westanlage für den israelitischen Religionsunterricht. 4. Herstellung von Anlagen im Hofe der Stadtmädchenschule.
* * Coucert Raoul Koczalski. Unserem gestrigen Bericht können wir heute mit Genugthuung hinzufügen, daß die Unterhandlungen des Concert-Vereins von Erfolg gekrönt sind- der kleine Virtuose Raoul Koczalski ist für Sonntag den 11. Februar gewonnen worden. Selbstverständlich war die,er, wohl von Allen mit Freuden begrüßte Abschluß nur durch pecuniäre Opfer zu erlangen, der Vorstand hielt es aber für angebracht, eine solche phänomenale Erscheinung auf dem Gebiete der Kunst für seine Abonnenten zu gewinnen. Kunstfreunden, welche nicht Mitglieder des Concert-Vereins sind, empfehlen wir, sich recht bald Plätze vormerken zu wollen, da die Zahl der zu vergebenden sehr gering ist. Bezüglich der Preise rc. verweisen wir auf den heutigen Jnseratentheil.
* * Z. Neues Theater. „Der Widerspenstigen Zähmung-, „Die Zähmung der Zänkisch en", „Die gezähmte Keiferin", „Die gezähmte Widerbel- lerin", „Der gebrochene Trotz köpf" — lauter Ueber- setzungsversuche vergangener Zeiten für das gestern Abend aufgeführte Shakespeare'sche Lustspiel „the Taming of the Shrey.“ Ueber den Stoff unserer Comödie und die Art ihrer Composition ist bereits an anderer Stelle unseres Blattes eingehend gehandelt, wir können uns deshalb hier darauf beschränken, nur über die Wiedergabe des Stückes einige Bemerkungen zu machen. Die beiden Hauptrollen lagen in Händen der Frau Director Reiners und des Herrn Reiff. Erstere zählt die „Katharina" zu ihren besten Leistungen. Scharf abwägend zwischen Erlaubtem und Zuviel weiß die Dame der Figur in allen Lagen ein sympathisches und ansprechendes Gepräge zu erhalten, das im letzten Acte natürlich am vollendetsten wird. Auch der „Petruchio" des Herrn Reiff zeichnete sich durch jene feine Maßhaltung recht Vortheilhaft aus. Gerade diese Rolle reizt sehr zur Ueber- treibung, wirkt dann aber auf unseren heutigen Geschmack geradezu unangenehm. Es verdient deshalb von der Kritik besonders anerkannt zu werden, daß der Künstler hier die richtige Mitte fand, so daß weder der derben, rücksichtslosen Natur des Shakespeare'schen Edelmanns allzuviel genommen ward, noch auch unser Gefühl und Empfinden in irgend einer Weise beleidigt wurde. Das andere Paar des Stückes „Bianca" und „Lucentio" war weniger glücklich vertreten. Frl. Geigler hätte gerade die Seiten des Characters ihrer Rolle, die sie von der Schwester unterscheiden, erheblich schärfer betonen müssen, und ihr Partner Herr Stückel würde gut daran gethan haben, wenn er seiner Figur nicht das ganze Stück hindurch den süßlichen Beigeschmack des Lehrers, sondern in den Theilen, wo er als Student auftritt, etwas von der jugendlichen Frische jenes Standes hätte angedeihen lassen. Herrn Niemeiers „Vicentio" war ohne Tadel und auch Herr Gohr („Tranio") fand sich in seine Doppelrolle sehr gut. Herrn Raschigs („Branio") Maske war etwas zu jugendlich, was besonders im 5. Acte, wo er Vicentio gegenübersteht, unangenehm auffiel. — Die Ausstattung des Stückes, das mit einigen Kürzungen gegeben ward, war sehr glänzend. Auch das Zusammenspiel befriedigte allgemein, sodaß der Beifall des Publikums recht wohl am Platze war.
* * Militärdieustuachrichteu. Die Unterärzte der Reserve Dr. Zinßer und Dr. Lipp vom Landwehrbezirk Gießen, Dr. Fischer vom Landwehrbezirk I. Darmstadt, Wieder
vom Landwehrbezirk Gießen- Eil er, Unterarzt der Landwehr ersten Aufgebots vom Landwehrbezirk I. Darmstadt wurden zu Assistenzärzten zweiter Klasse- Süffert, Sec.» Lieut. von der Res. des Jnf.-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 (Friedberg), zum Pr.-Lieutenant befördert.
* * Militärpflicht der Volksschullehrer. Zur Neuregelung der Militärpflicht der Volksschullehrer schweben jetzt Verhandlungen zwischen dem preußischen Cultus- und dem Kriegsministerium. Der Kriegsminister soll nicht abgeneigt sein, den Lehrern allgemein die einjährige Dienstzeit zu gewähren. Obgleich Minister Dr. Bosse geneigt ist, auf die Wünsche der Lehrer einzugehen, werden wohl eine Reihe practischer Schwierigkeiten Hinwegzuräumen sein, so daß bis zur Erledigung der Frage noch längere Zeit vergehen wird.
* * Eine Erleichterung des Jufauteriegepacks wird durch folgende Cabinetsordre des Kaisers an den Kriegsmtnifter angeordnet: Ich bin auf Grund Meiner eigenen Wahrnehmungen, sowie der Berichte, welche die Generalcommandos über die letzten Herbstübungen erstattet haben, zu der Ueber- zeugung gelangt, daß die feldmarschmäßige Belastung der Infanterie dringend einer wesentlichen Erleichterung bedarf. Ich halte das, was bisher in dieser Hinsicht geschehen, nicht für genügend, um die Marsch- und Gefechtskrast Meiner Infanterie in dem Maße zu steigern, wie dies die heute an dieselbe zu stellenden Aufgaben fordern, und beauftrage Sie daher, Mir schleunigst noch weitere, auf die Erleichterung der Infanterie abzielende Vorschläge zu unterbreiten.
* * Neue Schützeuabzeichen für die Armee. Der Kaiser hat durch Cabinetsordre bestimmt, daß die Schützenabzeichen der Infanterie, der Jäger und'Schiitzen, wie der Pioniere und Eisenbahntruppen fortan die Form von Fangschnüren haben. Gleiche Abzeichen sind auch bei den anderen Waffen zur Einführung zu bringen. In dem Erlaß heißt es u. A.: „Es gereicht Mir zur Freude, in dem neuen Abzeichen der Armee ein sichtbares Zeichen Meiner Anerkennung für die Leistungen im Schießdienste zu gewähren. Ich halte Mich überzeugt, daß diese Bethätigung Meines Interesses an dem genannten, für die kriegsmäßige Ausbildung befonders wichtigen Dienstzwetge stets ein erhöhter Ansporn für die weitere Förderung desselben sein wird. (Schützenabzeichen in Form von Fangschnüren, die von der linken Schulter nach der Mitte der Brust reichten, wurden bis 1876 in der sächsischen Armee, ähnlich auch in Bayern getragen).
* * Die Prüfung im Husbefchlag haben im Bereiche der Provinz Oberhessen folgende Personen bestanden: August Bernges aus Selters, Kreis Büdingen, Johann Karl Dörr aus Groß-Eichen, Kreis Schotten, Philipp Christian Henkel aus Schlitz, Kreis Lauterbach, Karl Jung aus Freienseen, Kreis Schotten, Konrad Jung aus Münzenberg, Kreis Friedberg, August Kehr aus Hainbach, Kreis Alsfeld, Heinrich Peppel aus Mittel-Seemen, Kreis Schotten, Johannes Jäger aus Leihgestern, Kreis Gießen, Louis Trebert aus Romrod, Kreis Alsfeld, August Kaiser aus Berstadt, Kreis Büdingen, Heinrich Philipp Dinding aus Echzell, Kreis Büdingen, Karl Zimmer aus Brauerschwend, Kreis Alsfeld, Karl Theiß aus Altenstadt, Kreis Büdingen, Philipp Kühn aus Wetterfeld, Kreis Schotten, Hugo Fatum aus Wohnbach, Kreis Friedberg, Ludwig Becker aus Rödgen, Kreis Gießen.
* * Nach dem eben veröffentlichten Jahresabschluß der Kaiser WUhelm-Spende, Allgemeinen Deutschen Stiftung für Alters-Renten- und Capital-Versicherung, belief sich das am 31. März 1892 vorhandene Deckungscapital auf 5 887 677,72 M., welches sich bis 31. März 1893 auf 6 182916,24 Mk. erhöhte. Die Einlagen beziffern sich auf 71 616 Stück mit 358080 Mk. Der Gewinn des Geschäftsjahres 1892/93 belief sich auf 66 663,09 Mk., an Zinsen gingen ein 351757,79 Mark. Ausgegeben wurden anRenten und Capitalspitzen 201248,29 M., an Verwaltungskosten 45 122,96 Mark. Angelegt waren 170 630 Mk. an Werthpapieren, 8175350 Mk. an Hypotheken, 132322,50 Mark Darlehen an Communen, der Garantiefonds beziffert sich auf 1 984 000 Mk., der Sicherheits- Fonds auf 425484,21 Mark.
* * Schlägerei. Gestern Abend fand zwischen zwei Knechten in der Hofraithe ihres Dienstherrn in der Neustadt eine Schläg ere»i statt, wobei einer derart verletzt wurde, daß er ärztliche Hilfe in der Klinik nachsuchen mußte.
- n-. Lollar, 28. Januar. Auch hier wurde Kaisers - geburt stag besonders feierlich begangen. Früh und Abends grüßten die auf dem Schlackensturze des Hüttenwerks aufgestellten Böller weithin vernehmbar in das Lahnthal hinab und gemahnten an die Bedeutung des Tages. Bahn, Werk und eine größere Anzahl Privathäuser hatten festlichen Flaggenschmuck angelegt. Am Vorabend hatte der Kriegerverein Zapfenstreich durch das jugendliche Trommler- und Pfeifercorps ftattfinden lassen. Die Hauptfeier war für den 27. Januar, Abends, im Vrreinslocale arrangirt, bei welcher — nach dem Dankgebet aus den niederländischen Liedern und nach der längeren Festrede des ersten Vorsitzenden, Chorlieder, Solis, Duetts, Terzetts, Quartetts, in denen die Soldaten die wohlgelungenen durchgeführten Hauptrollen spielten, abwechselten und sich des reichen Beifalls der Anwesenden erfreuten, die die beiden Säle füllten. Freude und Feststimmung erfüllten Mitwirkende und Zuhörer und erreichten ihre Gipfelpunkte bei dem Gedenken und Hurrahs auf Kaiser, Großherzog und Bismarck. Herr Bürgermeister Geißler sprach dem Vorsitzenden, den Mitwirkenden und speziell den sangeskundigen Vereinsmitgliedern, die mit großer Hingebung und Eifer, unter der Leitung des Herrn Lehrers Jacobi gelernt hatten, vortrugen, den Dank der Versammlung aus. Das Fest darf als ein wohlgelungenes und ohne den geringsten Mißton verlaufenes bezeichnet werden, wie es dem nationalen Festtage entsprach.
0. N. Aus dem oberen Niddathale, 28. Jannar. Unterm 15. d. Mts. sandte ich Ihnen einen kleinen Aufsatz über den 1
Holzreichthum des Vogelsberges, über die Jm- prägniranstalt zu Eichelsdorf, die Verwendung der verschiedenen Holzsortimente, wies darauf hin, daß eine Darmstädter Firma besondere Verwendung von Birnbaumholz habe, welches sich liefschwarz beizen lasse, und deutete kurz die Verwendung der Vogelsberger Basalte an. Der Aufsatz erschien in Nr. 16 des „Gießener Anzeiger". — Nun kommt mir die Nr. 44 (Nachmittagsblatt) der „Darmstädter Zeitung" zur Hand, worin ein Herr mit dem Zeichen § den Artikel in Nr. 16 des „Gießener Anzeiger" fast wörtlich abschreibt und ihn als Originalarbeit und -Weisheit verzapft. Es ist ja recht erfreulich, daß man diese Nachrichten auch anderweit beachtet, aber wenn es so geschieht, wie hier geliefert wird, nennt man dieses schon „Plagiat" und die Aufmerksamkeit und die Freundschaft des Herrn §-Correspondenten ist ein Bischen gar zu weit getrieben. Es wird daher für die Zukunft um gefällige Mäßigung des Abschreibeeifers höflichst ersucht.
Lauterbach, 26. Januar. Ein recht grober Unfugs das Werfen von irdenen Gefäßen wider die Hausthüre gelegentlich des Schlachtens in Bürgerhäusern macht sich in diesem Winter hier immer mehr fühlbar. Es ist keine Seltenheit, wenn dem betreffenden Hausbesitzer 10 bis 20 Töpfe, ja sogar Dachziegel, die man von den tiefgelegenen Dächern abdeckt, an einem solchen Tage oder vielmehr Abend von jungen Leuten, mitunter auch recht spät von Erwachsenen auf besagte Art und Weise gebracht werden. Es wäre wirklich sehr am Platze, wenn auf die Urheber dieser Vergehen, die doch nur mit Vorsatz zur Schädigung des Mitmenschen geschehen, viel mehr gefahndet würde und eine ordentliche Bestrafung derselben nicht ausbliebe. L. Anz.
§ Udeuhauseu (Kreis Alsfeld), 27. Januar. Heute wurde dahier der 60jährige Holzmacher Dahm er, welcher drei Tage vorher — wie schon kurz mitgetheilt — im Walde beim Holzfällen verunglückt war, zu Grabe getragen. Derselbe hatte mit seinem Sohne und einem anderen jungen Manne eine Tonne losgegraben und wollte, ehe dieselbe zu Fall kam, eine andere im Wege liegende Tonne entästeln. Plötzlich stürzt der stark entwurzelte Baum um und trifft den älteren, während die beiden jüngeren Holzmacher durch Seitwärtsspringen sich noch retten konnten. Den erhaltenen schweren Verletzungen erlag der Verunglückte noch am selbigen Nachmittage.
nn. Darmstadt, 27. Januar. Die vierte evangelische Landessynode trat am Freitag Morgen nochmals zu einer geheimen Sitzung zusammen um, die Antwort des Ober- consistoriums bezüglich der Interpellation des Abg. Dr. Rieger wegen der in letzter Zeit durch die Presse gegen das Ober- consistorium verübten Angriffe enigegenzunehmeu. Die Interpellation selbst lautet: „In der Presse sind seit einiger Zeit Angriffe gegen Großh. Oberconsistorium geschehen, die auf eine starke Verstimmung eines Thetles der Geistlichkeit gegen daffelbe schließen lassen. Die Synode ist nach der Kirchen- Verfassung nicht befugt, bezüglich der in jenen Artikeln enthaltenen Vorwürfe Rechenschaft zu fordern. Eine Mittheilung darüber in zulässig erscheinenden Grenzen dürfte doch umsomehr im kirchlichen Interesse liegen, als Großh. Oberconsistorium nicht in der Lage ist, in der Oeffentlichkeit, wo es angegriffen ist, mit actenmäßig das Persönliche nothwendig berührendem Material hervorzutreten. Ich richte daher an diese hohe Behörde die Anfrage, ob dieselbe nicht geneigt ist, über die einschlagenden Verhältnisse der Synode noch während gegenwärtiger Tagung eine Mittheilung zu machen." Dem Ver- nehmen nach hat das hohe Kirchen-Regiment diesem Wunsche in der geheimen Sitzung in der weitgehendsten Weise entsprochen und dadurch eine Reihe von gemachten Ausstellungen in gebührender Weise auf ihren wahren Standpunkt zurückgeführt.
nn. Darmstadt, 28. Januar. An die evang. Landessynode hat der Synodalabgeordnete Prof. Dr. Wetffenbach- Gießen folgenden Antrag eingebracht: „Hohe Synode wolle gegenüber der mehrfach öffentlich kundgegebenen Absicht der Großherzoglichen Centralstelle für die Gewerbe gegen die vom Bundesrath geplante Verlegung der Sonntags-Zeichenschulen auf einen Werktag mit allen Kräften aufzukommen, ebenso nachdrücklich für diese im kirchlichen Interesse liegende Verlegung eintreten und an Großh. Oberconsistorium das Ersuchen richten, die im Sinne dieser Resolution erforderlichen Schritte bei Großh. Staatsregierung zu thun." Falls die Großh. Regierung diesem Anträge stattgeben würde, müßten eine Reihe auf dem Lande befindlicher Handwerkerschulen ihren seither für den Gewerbestand mit Erfolg und Segen geleiteten Unterricht gänzlich einstellen, da es denselben an Wochentagen aus verschiedenen und naheliegenden Gründen unmöglich wäre, einen Zeichenunterricht in der seitherigen Weise einzurichten. Es würde diese neue Maßregel wiederum ein Schlag für unfern ohnehin schon schwer geschädigten Gewerbestand bedeuten und ist von dem wohlwollenden Sinne unserer Staatsregierung zu erwarten, daß sie zu einer solchen Maßregel nicht die Hand bietet.
Kleiu-Welzheim, 26. Januar. Der bürgerliche Nutzen unserer Gemeinde besteht im laufenden Rechnungsjahre aus 20 Mark Baargeld, 5 cbm Waldstreu, 2 Raummeter Kiefern- Scheitholz und 6 Grundstücken. Communalsteuern werden nur ganz wenig erhoben. Um dem auswärtigen Zudrang zur Erwerbung des hiesigen Bürgerrechtes vorzubeugen, wird gegenwärtig eine Erhöhung des Einkaufsgeldes auf 400 Mk. angestrebt.
Seligenstadt, 26. Januar. Während verwichener Nacht ist hier Herr Amtsrichter Dr. Karl Koch im Alter von 37 Jahren nach langem Leiden einem chronischen Lungenübel erlegen. Vor etwa 15 Monaten wurde der schon damals etwas leidende Herr auf seinen Wunsch von Alsfeld nach Seligenstadt versetzt, woselbst er in dem milderen Klima Genesung zu finden hoffte. Leider konnte er hier weder seinen Dienst aufnehmen, noch die ersehnte Heilung erlangen. Der Verlebte stammte aus Maulbach in Oberhessen, wo sein Vater


