Ausgabe 
30.11.1894 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Kitsch. Demnächst wird in ganz Rußland der allgemeine obligatorische Schulzwang eingesührt werden.

Petersburg. 28. November. Der Czar soll über die anfängliche Eidesverweigerung von einigen finländischen Gemeindebehörden verstimmt gewesen sein. Er ließ den Fin- ländern mittheilen, daß jede Opposition gegen die Verfüg­ungen der Regierung unnachsichtlich unterdrückt wird. Gerüchtweise verlautet, der Czar beabsichtige die Einführung des Parlaments in Rußlands.

Petersburg. 28. November. Heute erfolgte die Beer­digung Rubinsteins. An derselben betheiligten sich die gesammte Künstlerschaft, viele Deputationen, sowie die Ver­treter der Presse.

Coeofc* ttltö j-rovkitzLeUe»

Gießen, ben 29. November 1894,

** Au unserer Laubes Universität sind für das Winter- Semester immatriculirt: theologische Facultät 61, juristische Facultät 134, medicinische Facultät 142, philosophische Facultät 191; nicht tmmatriculirte Hörer 28, zusammen 556 Studirende gegen 517 des vorigen Winter-Semesters. Unter den Studirenden sind 133 Nichthesien.

** Auszeichnung. Se. Majestät der Kaiser hat dem ReichSgerichtsrath Dr. Buff, welcher am 1. December nach »ahezu zwanzigjähriger Thätigkeit am höchsten Gerichtshof des Deutschen Reiches in den wohlverdienten Ruhestand tritt, den Rothen Adler-Orden zweiter Klaffe mit Eichenlaub ver­liehen. Herr ReichSgerichtsrath Dr. Buff wird nach seiner Pensionirung seinen Wohnsitz wieder in der hessischen Heimath nehmen.

* Beileidsadresse au Fürst Bismarck. Der National­liberale Verein hier hat gestern folgendes Telegramm abgesandt: Fürst Bismarck, Varzin!

In aufrichtigster Theilnahme an dem schweren Schicksals- schlage, den Eure Durchlaucht bei dem Heimgange der treuen Lebensgefährtin betroffen, bitten wir den Ausdruck innigsten Mitgefühls entgegennehmen zu wollen.

Gott schütze, stärke und tröste Eure Durchlaucht!

Nationalliberaler Verein Gießen: Jean Kirch, Dr. Fuhr,

I. Vorsitzender. I. Schriftführer.

* Kranzspende. Die von Frauen und Jungfrauen Gießens der verstorbenen Frau Fürstin Bismarck ge­widmete Kranzspende ist im Erker der Blumenhandlung des Herrn Berger, Kirchenplatz, heute ausgestellt.

** Hebet das Silbergescheuk der hessischen Städte erfährt dieDarmst. Ztg." noch Folgendes: Das im Vietor'schen Schaufenster in der Wilhelminenstraße ausgestellte Silber- Hochzeits-Geschenk der fünf größeren hessischen Städte für das Allerhöchste Großherzogliche Paar ist gegenwärtig der Gegenstand allgemeiner Bewunderung. Die Art der Ausführung und das Gesammtbild sind th'atsächlich auch ganz bervorragender Natur. Die vereinigten hessischen Goldschmiede E. L. Victor in Darmstadt, I. Knewitz, Jos. Lutz, M. I. Rückert, W. Sauerwein in Mainz, H. Zimmer in Gießen und I. Bohlander in Worms dürften das Vertrauen, das ihnen von dem Städte Consortium durch diesen Auftrag ent­gegengebracht wurde, in ehrenvollster Weise gerechtfertigt haben. Das Geschenk besteht aus einer Tafel-Garnitur von drei riesigen, in massivem Silber von sehr hohem Feingehalt getriebenen Terrinen mit dazu gehörigen Schüsseln und sockel. Das Mittelstück hat z. B. eine Höhe von 1 Meter, das verwendete Silber ein Gewicht von nahe 2 Gentner. Die General-Idee wurde von Allerhöchster Stelle selbst ge- j geben. Die neu geschaffenen Kunstwerke reihen sich einer in z der Großherzoglichen Silberkammer befindlichen, aus der \ Hanau-Lichtenbergischen Zeit stammenden Terrinen Garnitur ein und werden wohl eine nicht zu unterschätzende Bereiche­rung des bekanntlich durch seltene Stücke berühmten Groß- herzoglichen Silberschatzes bilden.

** Kunstverein Gießen. Die unlängst bereits avisirte Eröffnung der Gemäldeausstellung im Thurmhaus am Brand ist nunmehr für kommende Woche in Aussicht ge­nommen. Unter den angemeldeten ca. 50 Gemälden werden besonderes Jntereffe beanspruchen eine größere Landschaft unseres hessischen Landsmannes, Professor Eugen Bracht in BerlinVor Sonnenaufgang am Matterhorn", sowie ein Historiengemälde von WarthmüllerFriedrich der Große nach der Schlacht bei Torgau".

** Theater-Verein. S tr akosch-Abend. ES läßt sich Mancherlei gegen die Recitatton dramatischer Bruchstücke einwenden: daß es eben nur Bruchstücke sind, die als solche die Stimmung der Zuhörer nicht so siegreich an sich zwingen können wie ein Ganzes; daß man nicht nur Einen hören wolle, wo man die Fülle der Gestalten auf der Bühne sich gegenüber sehen kann. Nun was das Letzte angeht, so dürfte trotz der Anstrengungen des Theater-Vereins noch einiges Wasser unter der Lahnbrücke entlang fließen, bisJulius Cäsar" oberDie Räuber" über die Gießener weltbedeu­tenden Bretter wandeln werden, und deßhalb mußte uns auch Herr Strakosch willkommen fein; und was das Fesseln der Stimmung betrifft, so hat dieser Vortrags-Meister gezeigt, was einem echten Künstler alles möglich ist. Herr Strakosch besitzt ein umfangreiches, geschmeidiges, edles Organ, virtuos in allen Tonlagen durchgebildet, und in hoch pathetischem Stile ebenso ergreifend wie im leisesten Geflüster. Und dieses Instrument wird von einem feinfühligen, den Intentionen des Dichters folgenden, scharf nuancirenden Geiste beherrscht, und von ausdrucksvollem Mienenspiel und sprechenden Gesten begleitet. Was Herr Strakosch am gestrigen Abende bot, war in seiner Art vollkommen. Am mächtigsten ergriffen uns die dramatischen Vorträge; Marc Antons feingedrech­selte und Karl Moors himmelstürmende Phrasen, heraus­gehoben aus der niederen Umgebung des römischen PöbelS und der deutschen Räuber, riffen die Zuhörer zu lauten Bei- fallsbezeugungen hin. Ob bei lyrischen Schöpfungen die Bortragskunst in genau derselben Weise sich geltend machen

i soll, wie bei dramatischen, mag dahin gestellt bleiben;Die Wallfahrt nach Kevelaar" wird wohl auch den denkbar schlichtesten Ton vertragen, wenn nicht gar ihn fordern. Gibt man aber Herrn Strakosch seine Behandlungsart zu, dann kann die Bewunderung der Durchführung ihm nicht fehlen. Francois Coppe hat Besseres geschrieben als das larmoyanteStrandgut". Was daraus zu machen war, wurde gemacht; aber warum daran solche Kunst verschwenden?

"** Neues Theater. Seitdem Herr Reiners seine Stücke tm Leib'schen Saale, dem alten Gießener Theaterlocale, zur Aufführung bringt, scheint sich ihm die Gunst des Gießener I Publikums mit einem Schlage zugewandt zu haben. Bis jetzt hat Herr Reiners dort noch jedesmal ein volles Haus erzielt. Auch am letzten Dienstag hatte sich die hiesige gute Gesellschaft im Theater ein Stelldichein gegeben und sich voll­zählig eingefunden. Herr Reiners bemüht sich aber auch fortwährend das muß billigerweife anerkannt werden dem Publikum Gediegenes zu bieten. Abgesehen davon, daß sich eine ganze Anzahl guter neuerer und älterer Stücke in Vorbereitung befinden, hat die Direction mit auswärtigen Künstlern Gastspielverträge abgeschloffen. So wird u. A. der bekannte Schau pieler Dr. Pohl aus Berlin im Januar hier in drei Vorstellungen auftreten. Außerdem ist es Herrn ReinerS gelungen, für die ersten Tage des Januar das ü|beratl mit großem Erfolge auftretende Schlier- seeer Bauerntheater für ein fünfmaliges Gastspiel zu gewinnen. Die Schlierseeer haben in der Spielzeit 1893/94 an 37 deutschen Bühnen gastirt und allerorts das größte Aussehen hervorgerufen. Von ben Bühnen, die sich ihnen geöffnet haben, nennen mir nur das Münchener Gärtner- theater, in dem sie 26 mal aufgetreten sind, des Berliner Wallnertheater mit 30, das Lobetheater in Breslau mit 17 Aufführungen, die Hoftheater zu Braunschweig, Hannover, Darmstadt, Stuttgart, Mannheim, Gera und Gotha, die Stadttheater zu Nürnberg, Magdeburg, Düsseldorf, Würz­burg, Göttingen, Halle, Bremen und Hamburg, das Stadt­gartentheater zu Karlsruhe, das kgl. deutsche LandeStheater zu Prag u. s. w. u. s. w. Und wer sind die Leute, die diese vornehmen Bühnen betreten durften? Kinder des Volks einfache Bauern aus den bayrischen Alpen, die in ihren Rollen sich selber spielen! Wir behalten uns vor, demnächst in einem besonderen Artikel auf dasSchlierseeer Bauern­theater" und seine Bedeutung zurückzukommen; für heute mögen diese vorläufigen Angaben genügen.

** Wann leistet die ReichSpost Schadenersatz? Es ist dies eine Frage, welche das öffentliche Leben auf das Innigste berührt, über welche jedoch noch sehr große Unklarheit herrscht, j wie aus den vielen Schadenersatzansprüchen, welche an die 1 Postbehörde gestellt, von dieser aber zurückgewiesen werden, i zu ersehen ist. Danach leistet die Reichspost Ersatz in folgenden Fällen: 1. für verloren gegangene Einschreide-Sendungen und Postauftragbriefe werden vergütet je 42 Mark; 2. für verlorene ober beschädigte Geldbriefe ober Werthpapiere der angegebene (versicherte) Betrag; 3. für gewöhnliche Packete j im Fall eines Verlustes ober einer Beschäbigung ber wirkliche ; Schaben, jeboch höchstens 3 Mark für bas Kilogramm; für \ ben Verlust ober bie Beschädigung vonPostpacketen ohne j Werthangabe" wird im Weltpostverkehr ein dem Betrage ' entsprechender Ersatz, höchstens jedoch 12 Mark für ein Packet ! bis drei Kilogramm und dezw. 20 Mark für ein Sechs-Kilo- \ Packet geleistet; 4. für bie auf Postanweisungen eingezahlten Gelbbeträge wirb voller Ersatz gewährt; 5. für einen burch verzögerte Beförberung ober Bestellung von Senbungen unter 2 unb 3 entftanbenen Schaben leistet bie Poft Garantie, wenn bie Sache infolge der Verzögerung verdorben ober ihren Werth ganz ober theilweise verloren hat. In allen Fällen wird außerdem das etwa bezahlte Porto erstattet. Die Erfatzansprüche sind innerhalb sechs Monaten, vom Tage der Einlieferung ber Senbung an, bei derjenigen Postanstalt anzubringen, bei der die Sendung aufgegeben wurde. Für gewöhnliche Briespostfendungen wird weder im Falle eines Verlustes oder einer Beschädigung, noch im Falle einer verzögerten Beförderung ober Bestellung Ersatz geleistet.

Butzbach, 27. November. Ein allgemein geachtetes Ehe­paar, Herr und Frau Jakob Bellos dahier, feierte am 24. November im Kreise seiner Angehörigen das seltene Fest der g o lde n e r^Ho chzeit.

Friedberg, 27. November. Der Gründer ber hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, Herr Friedr. Roßbach, ist am Sonntag Nachmittag im Alter von 73 Jahren verstorben. Der Verlebte war seit langen Jahren Ehrenmitglieb bes Vereins.

DieleSheim, 27. November. Der am 17. Januar 1876 geborene Peter Leopolb Kaiser hier ist seit Mittwoch vor acht Tagen spurlos verschwunben, unb es lassen bie Umflänbe darauf schließen, daß an demselben ein Verbrechen verübt, ober baß ihm ein Unfall zugestoßen fei. Der Verschwundene ist mittelgroß, von gesetzter Statur unb hat schwarze Haare. Etwaige Anhaltspunkte über ben Verbleib des jungen Mannes können ber nächsten Polizeibehörde mitgetheilt werben.

Lampertheim, 27. November. Die Bo xb eim er Höfe in ber Bürstadter Gemarkung wurden vom hessischen Staat um ben Preis von 245 000 Mk. angekauft.

E. Echzell, 28. November. Gestern waren es fünf­undzwanzig Jahre, daß Herrn Lehrer Hof eine Schul- stelle in hiesiger Gemeinde übertragen wurde. Von Seiten der Gemeinde war dem Jubilare das Anerbieten gemacht worden', der Tag sollte festlich begangen werden, Herr Hof ; lehnte jeboch ab, benn er wünschte ihn in seiner Familie unb in ber Stille zu verleben. Trotzbem würbe das Jubiläum : in recht schöner Weise gefeiert und zwar folgendermaßen: j Um 11 Uhr Vormittags begaben sich ber Vorsitzenbe bes SchnlvorftanbeS, Herr Pfarrer H., mit ben beiden anderen Lehrern und einer Deputation von sechs Schulkindern, drei Knaben und drei Mädchen tu die Wohnung des Jubilars, brachten ihre Glückwünsche dar, hielten der Bedeutung des Tages entsprechende Reden unb Überbrachten Geschenke. Die

, drei Schulen hatten gestern frei. Am Abend wurde von- . den beiden hiesigen Gesangvereinen und dem Kriegervereine ein Ständchen gebracht, wobei die betreffenden Vorsitzenden schöne Ansprachen hielten, auf die Herr Hof in bewegten Worten feinen Dank aussprach. Er ist fett 22 Jahren Dirigent des einen VereinsFrohsinn". Auch von den Vereinen wurden Geschenke dargebracht, die ersprießliche Wirksamkeit des Jubilars rühmend hervorgehoben unb ber Wunsch ausgesprochen: es möchte ihm vergönnt sein, dereinst sein goldenes Jubiläum zu feiern.

G. Grebenhain, 28. November. Vor einiger Zeit brachte derGieß. Anzeiger" dieMttheilung, daß der Holzreichthum des Vogelsberges bis weithinaus nach Nord- und Sübdeutsch- land versandt würde. Wir können auch aus unserer Gegend mittheilen, daß jetzt wieder acht bedeutende Firmen, darunter eine bei Gießen, große Quantitäten Bau- und Gruben­hölzer beziehen unb nach allen Himmelsgegenben versenben werben.

A Mainz, 28. November. In Anbetracht ber einge­tretenen kälteren Witterung, burch welche eine nennenswerthe Zahl im Freien beschäftigter Arbeiter verbtenstlos wird, hat die hiesige städtische Verwaltung bereits Nothstands- ar beiten vorgesehen. Mit denselben soll die nächste Woche begonnen unb bie Arbeitslosen zunächst mit Steinschlagen in stäbtischen Magazinen unb Vorarbeiten zu bem neuen Viehhofsbau beschäftigt werben. Der Beschluß bes großen CarnevalvereinsNarrhalla", in Anbetracht ber gedrückten Geschäftsverhältnisse das kommende Jahr den Mainzer Garn eb a 1 einmal ruhen zu lassen, be­ziehungsweise keine regelmäßigen Sitzungen, Zug rc. zu ver­anstalten, hat zur Folge, daß die kleineren Garnevalsvereine wieder wie Pilze aus der Erde schießen. Während in den letzten 10 Jahren durch die ständige Ausdehnung derNarr­halla" die kleineren Vereine fast ganz verschwunden waren, scheint sich jetzt in jedem Wirthshaus wieder ein solcher etabliren zu wollen ein Zeichen, daß trotz ber gebrückten Geschäfts- und Zeitverhältniffe der Mainzer Humor und die Earnevalslust noch nicht abhanden gekommen ist.

* Magdeburg. 26. November, lieber ben schweren Unglücksfall am Eifenbahn-Uebergang auf bem Breiten Wege ber Subenburg meldet bieM. Ztg.": Ein Wagen ber Magbeburger Straßenbahn, ber von ber Subenburg nach ber Altstadt fuhr, wollte die Geleise überfahren. Die Schranken standen offen. Ein vom Subenburger Bahnhof kommender Güterzug erfaßte den auf den Geleisen befind­lichen Pferbebahtiwagen und zertrümmerte ihn. In dem Pferbebahnwagen befanben sich sieben Fahrgäste, ber Kutscher unb der Schaffner. Der Pferdebahnwagen wurde durch ben gewaltigen Stoß ber Maschine vollstänbig gehoben unb über­schlug sich. Das Ganze vollzog sich tn so rascher Weise, baß nach dem Krachen des in Trümmer gehenden Wagens erst bas Geschrei ber Verwundeten bte Größe des Unglücks klar machte. Eine ältere Dame, Wittwe Dorenborf, Mutter eines hiesigen Rechtsanwalts, bie von einem Besuch bei ihren Kinbern aus der Sudenburg zurückkehrte, wurde aus dem Wagen geschleudert und ihr von den Eisenbahn­wagen der Kopf vom Rumpfe getrennt; der Körper hatte sich unter einem Wagen festgesetzt und mußte erst hervor­gezogen werden. Ein zweiter Fahrgast, Regierungsbau- Jnspector Bergmann, der am Samstag erst nach über­standener Krankheit aus der Krankenanstalt entlassen worden war, wurde an Armen und Beinen tödtlich verwundet. Er wurde durch einen Krankenwagen nach der Krankenanstalt übergeführt, starb aber unterwegs. Magistrats-Assistent Ku sian hat einen Bruch des Oberarms im Schultergelenk erlitten. Die Frau des letzteren ist ebenfalls, aber leichter verwundet. Die Übrigen drei Fahrgäste, darunter ein Artillerie Unterosfizier, sind ebenfalls nicht schwer verletzt. Der Kutscher unb ber Schaffner bes Wagens retteten sich burch Abspringen. DaS Pferb vor dem Wagen erhielt der­artige Verwundungen, baß es getöbtet werden mußte. ES soll feststehen, daß der Pferdebahn keine Schuld beizumessen ist. Der Bahnwärter am Uebergang behauptet, daß kein Zeichen zum Schließen der Schranken gegeben worden sei.

* Lieguitz, 27. November. Der Anstreicher Teichert, der wegen Raubmordversuchs an dem Gelbbriefträger Hübner in Breslau verhaftet würbe, ist verheirathet. Seine Familie, Frau und bret Kinder, wohnt am hiesigen Orte. Heute Morgen versuchte nun bie arbeitsame unb ehrliche Frau Tcicherts, nachbem sie eine Abkochung von Schwefelhölzern getrunken, sich unb ihre Ktnber durch Einathmen von Kohlen­gas zu töbten. Sie stellte einen mit Kohlen gefüllten eisernen Behälter in der festverfchloffenen Stube auf und entzündete die Kohlen. Aus das Geschrei der Kinder eilten bie Nachbarn herbei unb vereitelten das Vorhaben. Die Frau war schon sehr schwach unb bas eine der Kinder hatte bereits daS Bewußtsein verloren. Den ärztlichen Bemühungen gelang es, die ganze Familie zu retten.

* Lüchow, 26. November. Im hiesigen Kreise ist ein Braunkohlenlager entdeckt, baß sich auf einen Flächen­inhalt von 2,189,000 Quabratmeter vertheilt. Das Ober- bergamt zu Klausthal hat ben Z'mmermeistern Pijgs-Trabahn, Kreuzlin-Seehausen unb Kruse Schweskau bereits bas Berg- werkseigenthurn zur Gewinnung von Braunkohlen verliehen.

* Stieg, 28. November. Die alleinstehende Wittwe Werst wurde in ihrer Wohnung auf grauenhafte Weise ermordet aufgefunben. Es liegt ein Raubmorb vor; Geld- betröge unb Sachen fehlen. Als Mörderin wurde bie Dienst- magb Heiber verhaftet.

* Zabrze, 28. November. Im nahen Waide ist ein lljähriges Schulmädchen Namens Nittka ermordet aus- gesunden worden. Daß Kind ist daß Opfer eines unbekannten Lu st Mörders geworden.

* Stuttgart, 28. November. Ein tragisches Ende nahm eine gestern in Ennentach abgehaltene Hochzeit. Die