WB. Berlin, 28. October. Sicherem Vernehmen nach
Ausland
Berlin, 27. October. Die „Börsenzeitung" hört, daß Fürst Hohenlohe das Reichskanzleramt übernommen hat und daß Unterstaatssecretär v. Köller zum Minister er-
Wien, 27. October. Die gesammte hiesige Presse bespricht den Rücktritt Caprivis und Eulenburgs und gibt dem Bedauern Ausdruck, daß jede Aufklärung bisher darüber fehlt, was die Demission herbeigesührt habe. Man ist der Ansicht, daß die äußere Politik Deutschlands keine Aenderung erfahren werde und bereitet aber auf große Ueberraschungen vor, welche sich bei der Neubesetzung des Kanzlerpostens und bezüglich der Wiedervereinigung desselben mit dem preußischen Ministerpräsidenten-Posten ergeben sollen.
Paris, 27. October. Die Morgenblätter meinen im Allgemeinen, die Mi nisterkrisis in Deutschland bedeute, trotzdem sie mit der Krankheit des Kaisers von Rußland zusammenfalle, keine Aenderung in der auswärtigen Politik Deutschlands.
trauen in die Stetigkeit des politischen Curses in bedenklicher Weise erschüttert.
Berlin, 27. October. Es verlautet, falls Fürst Hohenlohe das Amt des Reichskanzlers und Ministerpräsidenten definitiv übernehmen sollte, würde Graf Waldersee zum Statthalter der Reichslande ernannt werden. Bezüglich des RücktrittSgefuches des StaatSsecretärS des Auswärtigen, v. Marschall, wird versichert, daß, wenn dessen Rücktritt Thatsache werden sollte, der deutsche Botschafter in Madrid, von Rado Witz, auf den Posten deS StaatSsecretärS berufen wird.
Von den angenommenen Anträgen nennen wir noch denjenigen, der die Accordarbeit in den Parteigeschäften untersagt, einen anderen, der eine bessere Organisation der Seeleute verlangt (bet dessen Begründung das Elend und die schlechte Behandlung der Seeleute auf dem „Bremer Lloyd" u. s. w. in den grellsten Farben geschildert wird), und eine Resolution, durch welche eine straffere Organisation der Frauen und intensivere Agitation unter denselben angeregt werden soll. Ganz besonders soll der Anschluß der Frauen an die Organisation der Männer beschleunigt werden. Wo es irgend geht, sollen auch weibliche Vertrauenspersonen gewählt werden. Die Begründerin des Antrags, Frl. Johanna Löwe nherz, ist die erste weibliche Vertrauensperson in ihrem Wahlkreise. Als Ort für den nächsten Parteitag wurde Breslau gewählt. Als Parteivorstand wurden einstimmig wiedergewählt: Bebel und Singer zu Vorsitzenden, G e r i s ch zum Cassier, A u e r und P f a n n k u ch zu Secretären. Singer hielt die Schlußrede, in der er darauf hinwies, daß die Socialdemokratie den „alten" wie den „neuen" Kurs überdauert habe, sie werde auch den allerneuesten überdauern. Die Hoffnung der Gegner, es werde auf dem Parteitag zu einer Spaltung innerhalb der Partei kommen, sei einmal wieder zu Essig geworden. Singer schloß mit einem Hoch auf die Socialdemokratie, worauf stehend die Arbetter- marseillatse gesungen wurde. Um 31/t Uhr ging die Versammlung auseinander. Vorher wurde noch beschlossen, den italienischen Socialdemokraten durch Telegramm das Beileid auszudrücken bet dem Schlag, den ihnen der „Renegat" Crispi versetzt habe.
tritt Caprivis. Die Partei würde von dem Kanzlerwechsel nicht berührt, da nur die Person, nicht das System sich verändere. Der Curs bleibt sicherlich derselbe.
Wien, 27. October. Die „Neue Freie Presse" bespricht den Rücktritt Caprivis und drückt den Wunsch auS, der Nachfolger Caprivis möge mehr Caprivi als Eulenburg verwandt sein. Die Weltstellung Deutschlands erfordere, daß der zukünftige Reichskanzler nicht durch specifisch preußische Interessen gehemmt werde.
Loyales rrnd jprwinjtieHes
Steßeu, den 29. October 1894.
** Empfang. Seine Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 27. October u. A. den Landgerichtsdirector Jöckel vom Landgericht der Provinz Oberhessen, den ersten Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhessen Dr. Günge- rich, den Amtsrichter Wiener von Butzbach.
** Militärdieustuachrichteu. Dr. Hirsch, Unterarzt vom Inf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 116, unter gleichzeitiger Versetzung zum 3. Großherzogl. Hess. Inf. Regt. (Leib Regt.) Nr. 117, zum Assistenz-Arzt 2. Kl., Dr. Koepp e, Assistenz-Arzt 2 Kl. der Res. vom Landwehrbezirk Gießen zum Assistenz-Arzt 1. Kl. befördert.
** Concert Lamborg. Soeben erhalten wir die Nachricht, daß gestern Herr Lamborg, nachdem er in Darmstadt vor ausverkauftem Hause concertirt, von Seiner Königl. Hoheit dem Großherzog zu einer Soiree befohlen wurde. — Der heute (Montag) Abend dahier in Steins Garten zu erwartende musikalisch humoristische Kunstgenuß sei deshalb bestens in Erinnerung gebracht.
** Neues Theater. Herr Director Reiners theilt uns mit, daß die nächste Aufführung nicht Dienstag, wie ursprünglich festgesetzt, sondern erst Donnerstag den 1. November stattfinden kann. Zur Aufführung kommt der so überaus beliebte und allgemein gewünschte Schwank „CharleyS Tante". Freitag folgt alsdann das sehr beliebte Lustspiel „Feenhände" mit Herrn Alex. Otto in der Rolle des Richard von Korbriand.
H. Neues Theater. Der vieractige Schwank von Carl Laufs „Ein toller Ei ns all" ist selbst ein toller Einfall, des Verfassers nämlich. Ein Student, der von einem Onkel für die Dauer einer mit Familie unternommenen Reise a(- Hüter der Wohnung angestellt wird, braucht Geld, was fft nichts Ungewöhnliches ist. Auf den Rath seines WichsierS
Neueste Nachrichten.
Depeschen deS Bureim »Herold^.
Berlin, 28. October. In der gestrigen antisemitischen Volksversammlung äußerte sich Böckel auch über den Rück-
i Die Einweihung der Gießener Starkenburg.
. (Originalbericht des „Gießener Anzeiger".)
w- Die Einweihung des Corpshauses der Starkenburgia ist vrogrammmaßig und zur Zufriedenheit aller Festthellnehmer verlaufen. Am Samstag um 3 Uhr nahm der Festzug im Hofe der Pulvermühle Aufstellung. Herr Rechtsanwalt Metz nahm das Wort, um dem in dem das Corps über 40 Jahre sich versammelt, den Abschied-gruß zuzurufen. Mit gesenkter Standarte und gesenkten ^^^rn, entblößten Hauptes, stimmten die versammelten Männer und Jungtinge das alte Bundeslied an, welchen feierlichen Moment §.err ?hotograph Uhl benutzte, um ihn tm Bilde festzuhalten. Hierauf setzte sich der Zug durch die Stadt in Bewegung. Die das Banner führende und begleitende Cavalkade waren jüngere „Alte Herren." In den beflaggten Straßen, welche der Zug passirte, waren die Trottoirs mit schaulustigen Menschen besetzt. Draußen am | Corpshaus, auf dessen äußerer Gallerte viele Damen Platz genommen, I f.ruppirte sich der angekommene Zug auf der vor dem Hause befindlichen Bodenerhöhung und übergab nunmehr Herr Architect Stein den Schlüssel an den Vorsitzenden des Comttäs, Herrn Landgerichts- Präsident Freiherrn v. Ricou, welcher denselben dem ersten Chargirten, Herrn stud. med. Schroeder, mit einer kurzen Ansprache überreichte, womit Namens der alten Herren die Gießener Starkenburg dem actioen Corps zur Benutzung übergeben war. Herr stud. med. Schroeder dankte Namens des actioen Corps den alten Herren, worauf Freiherr v. Ricou ein Hoch auf das Corps ausbrachte. Es erfolgte nunmehr die Besichtigung des Hauses und seiner inneren Einrichtung, wobei die in einem Raume des Souterrains untergebrachten Geschenke der Frauen desCorpS allseitig Verwunderung und Anerkennung heroorriefen. Abends um ‘/28 Uhr fand im Corpshaus feierlicher Convent statt, bet welchem die Herren Freiherr v. Ricou-Gteßen, Dr. A. Hartman »--Langen, Dr. A. Scharfenberg-Michelstadt und Rechtsanwalt A. Metz-Gießen in Anerkennung ihrer Verdienste zu Ehrenmitgliedern des Cprps ernannt wurden. Dem Convent folgte um 7, 9 Uhr großer Festcowmers in beiden Räumen, an denen über 100 Personen Theit nahmen. Zahlreiche Damen verschönten durch ihre Gegenwart die festliche Versammlung.
Freiherr von Ricou brachte in schwungvoller Rede den ersten Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Königl. Hoheit den Großherzog aus und begeistert tönten die Hochs durch das Haus. Der erste Chargirte der Starkenburgia toastete auf die erschienenen Vertreter der Cartell- und befreundeten Corps, auf die Vertreter der Corps Teutonia und Hassia, sowie auf die Vertreter der staatlichen, städtischen und militärischen Behörden, aus die als Ehrengäste erschtenenen Herren Provtnztaldirector Freiherr v. Gagern, Oberbürgermeister Gnauth und Oberst v. Rosen- berg, während Seine Magntficenz der Herr Rector der Universität leider verhindert war, der an ihn ergangenen Einladung Folge zu leisten. Derselbe beehrte jedoch die am 28. Abends ftattgefundene Tanzunterhaltung mit seiner Gegenwart." Nunmehr hielt Herr Rechtsanwalt Metz die eigentliche Festrede, worin er bedauerte, daß der Vorsitzende des Alt-Herren-Vereins, Dr. Werte vom Hospital- Hofhetm, leider durch Krankheit behindert sei, am Feste Thetl zu nehmen und wurde auf des Redners Vorschlag an denselben ein Glückwunsch-Telegramm mit dem Wunsche seiner baldigen Genesung abgejandt. Herr Metz gedachte mit warmen Worten der in dem letzten Monaren leider verstorbenen Corpsbrüdern, Dr. Wetl-Zwingen- berg, Dr. Breltel.Offenbach, Domänenrath Welker-Darmstadt und Dr. Schrimpf-Erlangen. Redner rechtfertigt sein großes Interesse, welches er für die Erbauung des eigenen Corpsbauses bei- thatigt haben, welche er darin auch zu finden glaubte, daß die freiwilligen Gaben zu diesem Zwecke, welche so überaus reichlich geflossen seien, die allseitig vorhandene Einsicht der Nothwendigkell dieses Baues bethätigt hätten, er suchte die gegen die Errichtung eigener Corpshäuser mehrfach geäußerten allgemeinen Bedenken zu widerlegen, bestritt namentlich die Ansicht, daß hiermit dem LuxuS gefrohnt würde, er betonte, wie bei richtiger Verwaltung wesentliche Vorthetle für die Mitglieder des Corps zu erzielen und zu erreichen seien. Redner dankte den Spendern der Mittel, welche den Bau und dessen Einrichtung überhaupt ermöglicht haben. Auch für die vielen Dedicationen, welche das Heim zu einem vornehmen und behaglichen machen, dankte der Redner, besonders den Frauen, Freundinnen und Schwestern, er schloß mit dem Wunsche, daß sich das Corpsstudententbum weiter entwickeln möge zur Ehre der deutschen Jugend, zum Nutzen des gemeinsamen Vaterlandes mit einem kräftigen Salamander auf das Corps Starkenburgia. Hierauf sprach noch der Vertreter der Saxo-Borussta-Heidelberg Namens der erschienenen Vertreter der von denselben repräsentirten Corps, womit der osficielle Theil des Commerses seinen Abschluß fand.
Beim Frühschoppen, welcher am Sonntag Morgen im Corpshause stattfand, wurde ein Giuppenbild der Thetlnehmer mit dem Gebäude im Hintergründe ausgenommen. Um 1 Uhr fand ein gemeinsames Mehl, woran sich auch die Damen betheiligten, im Ge- sellschastshause statt. Abends vereinigte sich eine große Festgesellschaft zu einem Festball, durch welchen die Feierlichkeit einen auch für die junge Welt würdigen Abschluß fand.
Die alten Herren der Starkenburgia haben unsere Stadt heute zum größten Theil verlassen, mögen sie, in die Heimath zurück- gekehrt, sich gern der in den Mauern unserer Stadt verlebten fröhlichen Tage erinnern.
Reichsgebiets hat, wie ein meist gut unterrichteter Bericht- . Ulv erftalter meldet, der König von Serbien von Bodenbach I gerufen, auß ein Telegramm an den Kaiser gerichtet, um 1 Dank für die überaus freundliche Aufnahme auszusprechen, welche ihm der Kaiser und die Kaiserin gewährt haben.
Köln, 27. October. Die „Köln. Ztg." s ......
des Rücktritts Caprivis, es sei sehr fraglich, ob'die Vereinfachung der politischen Lage nicht zu theuer erkauft sei. Es wäre lebhaft zu bedauern, wenn sich in der öffent- lidjen Meinung der Eindruck feftsetzte, daß Caprivi, nachdem während des ganzen Sommers der wildeste Lärm der Vertreter der extremsten, reactionärsten Parteirichtungen ihn umtobt,« diesem Ansturm gewichen sei. Es werde dieser nächst- liegende Eindruck nicht durch die weitere Entwickelung nachdrücklich beseitigt,- in der deutschen Volksseele sei das Ver-
Loudoo, 27. October. Die Morgenblätter geben alle ihrer Ueberraschung über die plötzliche Krise in Deutschland Ausdruck. Die „Times" sagt, was auch der Grund sein möge, so glaube sie doch hoffen zu dürfen, daß die Krisis uicht die gänzliche Aufgabe der bisherigen kaiserlichen Politik bedeute. Die „Daily News" meinen, die Krise werde keine Wirkung auf die auswärtige Politik haben, sie sei eine rein deutsche Angelegenheit. Der „Standard" sagt, die Ausbreitung der Socialdemokratie sei zweifellos eine ernste Sache, es sei aber doch bedauerlich, daß man die Krise habe soweit gehen lassen.
Athen, 27. October. Die Blätter melden, der Czar treffe demnächst auf Corfu ein. Daselbst werden alle Vorbereitungen getroffen.
Petersburg, 27. October. Der Uebertritt der Prinzessin Alix zum orthodoxen Glauben wird morgen erfolgen. —- Im Winterpalast müssen bis zum 15. November 24 Zimmer für den Empfang des Thronfolgers fertiggestellt sein. Tag und Nacht wird an der Restaurirung gearbeitet.
Odessa, 27. October. Das Befinden des Czaren ist noch unverändert- an eine Übersiedelung nach Corfu wird ledoch nicht gedacht. Die Trauung des Thronfolgers soll im Krankenzimmer des Czaren stattfinden.
nahm Statthalter Hohenlohe heute Vormittag die kaiserliche Berufung als Reichskanzler und Ministerpräsident an. Der bisherige Ünterstaatssecretär Köller übernahm das Ministerium des Innern. Die osficielle Ernennung erfolgt voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages. Hohenlohe und Köller kamen Vormittags mit den Majestäten nach Berlin, fahren um 6 Uhr Abends wieder nach dem Neuen Palais, nannt worden ist. | biniren und übernachten daselbst und begeben sich morgen
Berlin, 27. October. Der „Post" zufolge soll bis I Vormittag nach Berlin. Köller übernimmt vermuthlich morgen heute Mittag 2 Uhr auf der Reichsbank von der Aufhebung i bereits die Geschäfte.
der Maßregel in Betreff der russischen Werthe noch I WB. Potsdam, 29. October. Fürst Hohenlohe nichts bekannt gewesen fein. | meldete sich um lP/2 Uhr beim Kaiser als Reichskanzler und
Berlin, 27. October. Graf Caprivi verläßt bereits I Ministerpräsident- er begibt sich sogleich nach Berlin, lieber hfute Abend die Hauptstadt und begibt sich, wie eS heißt, zu I seinen Nachfolger als Statthalter von Elsaß Lothringen ist längerem Aufenthalt nach der Schweiz. I noch nichts entschieden. Köller ist als Minister des Innern
Berlin, 27. October. Im Sitzungssaale des Herren- I um 10 Uhr nach Berlin gefahren, die osficielle Publikation Hauses trat heute die dritte Generalsynode zu außer- I erfolgt vermuthlich im Laufe des Nachmittags, ordentlicher Sitzung zusammen. Der Präsident des Ober- I ' ' kirchenraths Barkhausen begrüßte die Syndde im Namen des I Sorialdernokratiicker
Kaisers und des Oberkirchenraths. Er theilte mit, außer I ^oziaioemorrarifcyer -Parteitag*
i>cr neuen Agende würden der Synode zwei Gesetzentwürfe | Frankfurt a. M, 27. October.
b" tiltd|li‘Vn ®e,i6‘ I Nachdem in der gestrigen Ab-ndsitzung nach allerlei
ttrlwurf über Erhebung einer and-Skirchlich-n Umlage zur I kleinliche, th-ilw-ls- persönliche Srreitigk-ittn aus- Tapet ge- B schaffung van Mitteln für HilsSg-lstliche und -in Gesetz- kämmen waren, wurden in der heutigen °°n 9-3</4 Uhr W°ll°n °nb«°» r ®et®aI‘Un3 "°s Ps°r-°r-Wittwen. und i dauernden Sitzung zunächst di- zu den Punktens Programm, M 9 a ® -r\ ? k"f 9 I Organisation, Presse, Agitation und Taktik gestellten Anträge
drasidenten wurde gewählt Graf oorgenommew Ueber di- zu dem Programmsatz-: „Religion Zi-t-n.Schw-riu Nächst- Sitzung Montag. jst Prioatsach-« g-stellt-n Anträge, die tdeilweise aus -in-
finhTn h ° . Di- Nachrichten über das B°- gänzliche Streichung, theilweise aus eine Umänderung in dem
®*“tCn ""^--ch-nd. Aus Peters- Sinne, baß sich die Socraldemokratie über ihr-Stellung zur „nh o4» f,nCr[ ? Gerung gemeldet, Religion deutlicher ausdrücken möge, hinausgingen, wurde
« ¥» MnJ&penStjen dagegen sind ungünstige Nachrichten I nach einer Rede der Genossin Zetkin gegen die Anträge 97 ~ . , TJ . m ( rr . o . _ I 8ur Tagesordnung übergegangen. Frau Zetkin erklärte, die
- - "/ 271 O^ober. Beim Verlassen des deutschen | gestellten Anträge seien nur durch die Zwistigkeiten, welche
aeist gut unterrichteter Bericht- J die „Freidenker" in die Partei getragen hätten, hervor-
. Es sei Zeit, den Freidenkern den Weg zu weisen.
UlT Clnen | Ebenso wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt der Antrag, welcher unentgeltliche thierärztliche Hilfe ver-
- langte. Abgelehnt wurde der Antrag, daß Reichßtagsabge- sagt bezüglich S ordnete, die nicht als Delegirte zu den Parteitagen gewählt nF> | werden, wenn sie die Parteitage besuchen wollen, dies auf
eigene Kosten thun sollen, angenommen dagegen der Antrag,
' daß Reichstagsabgeordnete überhaupt nicht mehr zu Dele- girten für die Parteitage gewählt, sondern künftig vom Parteivorstand dazu eingeladen werden sollen. Ein Antrag, den Parteitag künftig zwischen Weihnachten und Neujahr abzuhalten, wurde abgelehnt. Begründet wurde der Antrag damit, daß im Sommer oder Herbst die meisten Arbeiter nicht abkommen könnten und dadurch das „wissenschaftliche" Element zu sehr überwiege auf den Parteitagen. Eine Menge Anträge fand nicht die genügende Unterstützung, darunter auch einer, der Zelte auf dem Lande zur Abhaltung von Versammlungen errichtet wissen wollte. Mehrere Anträge wollten, daß in Frauenversammlungen gewählte Delegirtinnen zu den Parteitagen mit denselben Rechten an den Partei tagen theilnehmen sollten, wie die Delegirten der Wahlkreise. Die Anträge wurden abgelehnt, dagegen beschlossen, in das Organisationsstatut den Passus aufzunehmen: Insoweit in den gewöhnlichen Versammlungen Frauen nicht gewählt sind, können in besonderen Frauenversammlungen Frauen als Delegirtinnen gewählt werden. Ein Antrag, ein Wochenblatt in französischer und deutscher Sprache für die Genossen in Lothringen herauszugeben, wurde dem Parteivorstand zur Erwägung überwiesen. Dasselbe geschah mit den Anträgen, die auf die Neugründung eines Parteiorgans für Elsaß- Lothrmgen, fei es nun, daß es in den Reichslanden selbst oder in Baden erscheine, abzielten. Von den abgelehnten Anträgen heben wir noch hervor: „Die Parteigelder sind möglichst der am Orte vorhandenen Bertrauensperson zu übergeben" und „Bei Stichwahlen zwischen gegnerischen Parteien die Genossen nicht aufzufordern, für eine der in Frage kommenden Parteien zu stimmen."


