Ausgabe 
30.6.1894 Erstes Blatt
 
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Ruhe. Noch hier und da versuchte Kundgebungen 'gegen Frankreich werden von der Bevölkerung selbst im Keime erstickt, da allgemein die Ueberzeugung Platz gegriffen hat, daß die in Frankreich vorgekommenen Exceffe gegen ldie Italiener nur vom Janhagel ausgegangen sind und die Re­gierung und die Behörden Alles gethan haben, um denselben zu steuern.

Paris, 28. Juni. Die Commission für das Begräbniß Carnots hat beschlossen, daß der Letchenzug bereits um 7 Uhr früh gebildet, um 10 Uhr in Bewegung gesetzt werde und durch die Avenue Morigny, die Champs Elysees, über den Concordienplatz und durch die Rivolistraße gegen Mittag in der Notre - Dame - Kirche eintreffen soll. Der Zug wird nach der Kirchenfeier über den Pontj Neuf und den Boulevard St. Michel sich nach dem Pantheon begeben. Nur vier Reden sollen gehalten werden.

Paris, 28. Juni.Gaulois" schreibt: Mit Carnot ist nicht nur ein Mann, sondern ein ganzes System getödtet worden. Sofern Perier den Kampf aufnehme, solle derselbe die politische Amnestie und Abschaffung des Verbannungs­gesetzes decretiren. DerFigaro" sagt, alle Jntriguen in letzter Stunde, alle politischen Händel und Treulosigkeiten, wodurch man Perier bei der Demokratie gehässig machte, könnten seine Wahl nicht beeinflussen- dieselbe bedeutet Autorität im Innern und Ansehen im Auslande. Die Autoritö" sagt: Es ist der Anfang vom Ende. Frankreich geht in eine neue Periode von Ereigniffen größter und ent­scheidendster Tragweite. Die monarchische Sache wird sich zum großen Glücke Frankreichs bald erheben. DieLibre Parole" schreibt: Wir sehen nicht, wohin der Sohn der Bourgeoisie Frankreich führen wird. DiePetite Republique" veröffentlicht ein obn 45 Abgeordneten unterzeichnetes Mani­fest, welches sagt: Bourgeoisie und capitalisttscher Einfluß des Parlaments haben den Mann der orleanistischen Reaction zum Präsidenten gewählt. Die Republik ist selbst in Schach und Gefahr gestellt. Das Land wird dem Präsidenten gegen­über seinen republikanischen Glauben aufs energischste be­tonen, die Arbeiterklaffen ihren soctalistischen Glauben.

Paris, 28. Juni. Der Ministerrath verlangt einen Credit von 50000 Frs. für die Beerdigung Carnots.

Paris, 28. Juni. Der Ministerrath trat heute unter Vorsitz Periers zusammen. Die Erledigung der Minifterfrage wird bis nach Carnots Beisetzung vertagt. Dupuy wird jedenfalls zum Kammerpräsidium zurückkehren; Burdeau dürfte den Cabinetsvorsitz und das Innere nehmen, da er die Finanzen ablehnen will.

Lyon, 28. Juni. Allmählich wird wieder in ruhigere Bahnen eingelenkt. Die von den Truppen blockirten Stadt­viertel sind dem Verkehr wieder übergeben und die Truppen wieder in ihre Kasernements abgerückt- nur das italienische Konsulat wird noch besetzt gehalten. Die Arbeit ist allgemein wieder ausgenommen. Die Verhafteten werden nach und nach entlaffen. Gegenwärtig dürste sich die Zahl derselben noch auf 1000 belaufen.

London, 28. Juni. Gestern fand auf dem Pontyprid- kirchhof die Beerdigung der meisten Opfer des Grubenunglücks unter Betheiligung ungeheurer Volks­mengen statt. An den Gräbern kam es zu herzzerreißenden Scenen. Bisher sind zweihundertachtundsechzig Leichen heraus­geschafft worden.

Belgrad, 28. Juni. In voriger Nacht wurden mehrere reisende Kaufleute in einem Gasthofe bei Kragujevac von einer Bande Haiducken überfallen und vollständig aus­geplündert.

Petersburg, 28. Juni. Vom Jahre 1895 ab müssen auch für Reisen im Inland Pässe und Reise-Docu- mente gelöst werden. Ferner ist auch die Einführung von obligaten Aufenthaltskarten und selbst für Ansässige solcher Ortschaften in Aussicht genommen, wo diese Maßregel von den Behörden für nothwendig erachtet wird.

Paris, 29. Juni. Die Cabinetsbilduug erfolgt erst am Montag- außer Burdeau dürfte auch Loubet in Frage kommen.

Krakau, 29. Juni. Im russischen Grenzorte Slomnik nimmt die Cholera bedenkliche Dimensionen an. Es kommen täglich mehrere Choleratodesfälle vor.

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Gießen, den 29. Juni 1894.

* * Ernannt wurden: der Verwalter am Landeszuchthaus Marienschloß Jakob Ulrich zum Oeconomen an dieser Anstalt - Franz Andres in Gießen zum Hilfsdiener bet dem Land­gericht der Provinz Oberhessen.

* * Feuer. In einem Hause der Franksurterstraße ent­stand gestern Abend 7 Uhr ein Kaminbrand. Die Entstehungs« Ursache desselben ist bis jetzt nicht festgestellt.

* * Sachbeschädigung. Heute Morgen 4*/2 Uhr wurden an einem Hause in der Dtezstraße drei Fensterscheiben ein­geschlagen. Der Thäter, welcher gesehen wurde und wegen Sachbeschädigung zur Anzeige gebracht ist, war, um zu den Fenstern zu gelangen, erst über die Einfriedigung gestiegen. Der Schaden beträgt 9 Mk.

* * MeisterfchaftSrudern für Deutschland. Es verlautet, daß der derzeitige Meisterschaftsruderer von Deutschland, Emil Döring, seinen Titel bet dem nächsten Rudern nicht vertheidigt. Als Bewerber um den Meistertitel sollen sich die Herren Schopmann-Hamburg, Rübsamen-Gießen und Klebahn-Bremen gemeldet haben.

* Ernte-Urlaub. Wie alljährlich, so sind auch in diesem Jahre die Regiments- und Bataillonscommandeure angewiesen worden, Soldaten zur Unterstützung ihrer Angehörigen bei der Ernte, soweit die dienstlichen Interessen dies gestatten, in die Heimath zu beurlaube».

* Wegbezeichuuugen. Dem Verfasser der Bemerkungen über Wegbezeichnung in gestriger Nummer können wir mit- theilen, daß die hiesige Section des Deutschen und Oester-

reichifchen Alpenvereins dieser Aufgabe schon nähergetreten ist, da sich kein anderer Verein ihr widmete. Sie beabsichtigt zunächst eine Anzahl Touren lahnauf- und abwärts, wie beispielsweise auf den Frauenberg, über den Stoppelberg nach Braunfels und Weilburg, durch den Krofdorser Wald nach Frohnhausen zu markiren. Der Weg über Krofdorf, Fellingshausen auf den DünSberg, von da über die Kronen- i mühle und Bubenrod nach Wetzlar ist schon mit rothen Strichen bezeichnet. Der Verein wird für jede vielleicht verwerthbare Mittheilung dankbar sein, mag sie Vorschläge zu Markirungen ober wahrgcnommene Mängel betreffen. Sollte hier und da ein Grundeigenthümer nicht vorher um seine Erlaubniß zur Anbringung eines Farbzeichens gefragt werden, so glaubt der Verein sicher sein zu können, daß der Uebergangene sein gemeinnütziges Unternehmen dies nicht entgelten läßt, sondern das Versehen gütigst damit entschuldigt, daß hier und da die Erwirkung der Erlaubniß zur Anbringung eines einzigen Farbstriches, der sich oft erst bei der Arbeit als nothwendig erweist, die an der Markirung arbeitenden Herren einen ganzen Tag kosten würde. Im Uebrigen würde es den Verein freuen, den offenbar touristisch erfahrenen Verfaffer der gestrigen Notiz zur Mitarbeit zu gewinnen.

* * Kuustuotiz. Man schreibt uns aus Weimar, 28. Juni: Mit dem Schluffe der Saison hat unser Hof- theater eines seiner tüchtigsten und beliebtesten Mitglieder verloren, den ersten Tenoristen Herrn Kammersänger Hans Buff, gen. Gießen, welcher einem ehrenvollen Rufe an das königl. Theater in Wiesbaden folgt. Volle sieben Jahre ge­hörte der Genannte dem Verbände unseres Kunstinstituts an und hat in dieser langen Zeit das gesammte lyrische Fach ausgefüllt, gleichzeitig aber auch zahlreiche in das Gebiet des Heldentenors fallende Rollen gegeben, hier wie dort seine Meisterschaft als Sänger und Darsteller bewährend. Seine Glanzparthten waren:Raoul",Arnold",Stolzing", Postillon",Georg Brown",Cellini",Werther" (Herr Gießen stammt aus der Familie der Charlotte Buff) in Goethes Werther",Tamino" u. a. m., deren Wiedergabe auf Classicität Anspruch erheben darf. Gleich ausgezeichnet als Künstler wie als Mensch, der stets bereitwillig seine Kraft in den Dienst der Wohlthätigkeit wie des öffentlichen Jn- tereffes stellte, erfreute sich Herr Gießen allgemeinster Achtung und Anerkennung, was sich beim letzten Auftreten alsRaoul" recht deutlich offenbarte. Viele Dutzende prachtvoller Kränze, Widmungen 2C. ließen erkennen, wie unser kunstsinniges Publikum das Wirken des Scheidenden würdigt und dessen Verlust beklagte. Auch der Großherzog hat dem Künstler sein Bedauern über den Weggang von Weimars Bühne aus­gesprochen, ihn seines Dankes für die gebotenen, stets treff­lichen Leistungen versichert und diesen Dank mit einem werth- vollen Geschenke begleitet. Möge Herr Gießen in seinem neuen Wirkungskreise die gleiche Anerkennung erfahren, die er hier in reichem Maße verdient und gefunden hat.

* * Restaurant Kaiserhof. Wie wir erfahren, wird morgen (Samstag) das neueingerichtete Restaurant, verbunden mit Wiener Cafe, in dem Neubau der Herren Seuling und Preisag, Ecke Sonnen- und Schulstraße, eröffnet. (Siehe Inserat.) Die dem gesammten Geschäftsbetriebe dienenden Localitäten mit Einrichtung sind geschmackvoll und der Neu­zeit entsprechend- die Einrichtung wurde von der Möbelfabrik C. Stückrath geliefert. Das Etablissement besteht aus drei Abtheilungen, welche durch niedrige verzierte Holzwände getrennt sind, nämlich: aus dem Wiener Cafs, dem Speise­saal und der Restauration - sie haben von außen besondere Eingänge, sind aber auch im Innern durch Zugänge ver­bunden. Das neue Local, welches vom seitherigen Pächter der Pfungstädter Bierhalle imEinhorn", Herrn Reinhold, geleitet wird, kann sich jedem anderen Locale einer Groß­stadt zur Seite stellen. Geleitet wurde der Neubau von dem Mitunternehmer Herrn Architect L. Seuling.

* * Nach dem genehmigten Staatsbudget für 1894/95 sind mit Wirkung vom 1. April 1894 ab die Pflegegeldsätze der LandeS-Waiseuaustalteu in den Städten Darmstadt, Offen­bach, Gießen, Mainz und Worms auf 150 Mk., in den Städten Bensheim, Friedberg, Alzey und Bingen auf 125 Mk. und in den übrigen Gemeinden des Großherzogthums auf 100 Mk. per Jahr erhöht worden. Außerdem ist auch eine Erhöhung der Unterstützungen für Waisen - Lehrlinge von 120 Mk. auf 150 Mk. für die Dauer der Lehrzeit ein­getreten.

* * Zur Beachtung für VerguugungSreiseude. In ver- verschiedenen, im Sommer mit Vorliebe besuchten Ländern, insbesondere in Italien und der Schweiz, werden nur im inneren Verkehr zulässige Postkarten hergestellt und verkauft, welche auf der Auf sch r istss e i te Abbildungen von Aus­sichtspunkten, Hotels und dergleichen tragen. Wie von zu­ständiger Seite mitgetheilt wird, werden derartige Postkarten von Reisenden auch vielfach zur Uebermittelung von Nach­richten an Empfänger in Deutschland benutzt und nach der Taxe für Postkarten im Vereinsverkehr frankirt. Hierdurch entstehen aber den Empfängern Portokosten, weil solche Post­karten nach den Vorschriften des WeltpostvSrtrags wegen der auf der Vorderseite befindlichen Abbildungen u. f. w. im Weltpostvereinsverkehr zur Beförderung als Postkarten nicht zuläjsig sind und in Folge dessen mit dem Porto für un­zureichend franktrte Briefe belegt werden müssen. Es empfiehlt sich daher, im Weltpostvereinsverkehr ausschließ­lich die eigens dasür hergestellten, mit dem Frankostempel versehenen Postkarten zu verwenden, deren Vorderseite nur für die Angabe der Adresse des Empfängers bestimmt ist, auf der aber auch noch der Name des Absenders angegeben werden kann. Auf der Rückseite solcher Postkarten können Abbildungen, Reclamen rc. jeder Art enthalten sein.

* * lieber die Beförderung der Unteroffiziere im Frieden hat das Kriegsministerium neue Bestimmungen erlassen, deren wesentlichste ist, daß bei Beförderungen zu Vicefeldwebeln über die Etats die bisher nothwendige geringste Dienstzeit wesentlich herabgesetzt ist. Etatsmäßige Schreiber, Zeichner, Regiments- und Bataillonstambours, Leiter der Musik von

Jnfanteriebataillonen, Lazarethrechnungsführer, Schirrmeiste in Traindepots, zur Leibgendarmerie commandtrte Sergeanten, zur Fortification commandirte Pionierunteroffiziere, zu Militär­telegraphen commandirte Unteroffiziere und Unteroffiziere der Schloßgardecompagnie sollen schon nach zurückgelegter neun­jähriger Dienstzeit zu Vicefeldwebeln oder Vicewachtmeistern über den Etat ohne Gebührnisse befördert werden dürfen, während bisher eine zwölfjährige Dienstzeit erforderlich war. Andere Sergeanten, die hierzu in Anerkennung besonders guter und treu geleisteter Dienste empfohlen werden, sollen in der Regel nicht vor zurückgelegter achtzehnjähriger (bisher zwanzigjähriger) Dienstzeit zu Vicefeldwebeln rc. aufrücken. Bei den Bezirkscommandos sollen auch bei eintretender Bacanz Unteroffiziere erst nach mehrjährigem Verbleib in ihrer Stellung zu Sergeanten befördert werden dürfen. Die Feldwebel, Wachtmeister, Stabshautboisten, Stabshornisten und Stabs­trompeter der Garde werden wie bisher durch den Kaiser ernannt. Die Bezirksfeldwebel werden durch die Brigade- commandeure oder den Landwehrinspector ernannt.

Friedberg, 27. Juni. Der in weiteren Kreisen bekannte und beliebte Stationsvorsteher erster Klaffe, Herr Johannes Landau, welcher Jahrzehnte lang das hiesige Bahnamt ver­waltete, ist hochbetagt gestorben.

K. Reichelsheim i. W., 27. Juni. Für den kürzlich hier verstorbenen Bürgermeister Schmidt wurde heute der Bei­geordnete Stedte einstimmig als Bürgermeister gewählt.

H. Au8 dem Horlofflhale, 28. Juni. Die Heuernte ist zum größten Theile als beendet anzusehen. Die abge- lausene Woche brachte sehr günstiges Wetter, welches die Arbeit bedeutend förderte. Die Qualität hat dadurch etwas gelitten, daß die Gräser wegen des Regenwetters etwas zu lange standen und verholzten. Die Quantität ist befriedigend bis mittelgut, die Preise sind ebenfalls befriedigend, weil man mit dem Bieten, im Hinblick auf die in Aussicht stehende Gersten- und Haferstrohernte, welche gute Futterersatzmittel liefert, zurückhaltend gewesen ist. Ihre Meldung über den Bau der Bahn NiddaEchzellFriedberg können wir dahin vervollständigen, daß zwei Beamte auf den verschiedenen Bürgermeistereien eifrig die Grundbuchskarten durchstudiren und diejenigen Grundbesitzer ausziehen, deren Gelände von der neuen Bahn durchschnitten wird. Mit diesen Grund­besitzern beginnen die Verhandlungen demnächst wegen Ab­tretung des Geländes und man hofft allgemein, daß ein Zwangsenteignungsverfahren nirgends erforderlich sein wird, weil Jeder von dem Gedanken erfüllt ist: er müsse sein Theil dazu beitragen, daß die Bahn so schnell wie möglich fertig wird.

* Gaffel, 28. Juni. Heute Mittag wurden durch einen Canaleinsturz in der Frankfurter Straße mehrere Arbeiter verschüttet. Einer davon ist tobt, brei schwer verletzt.

* Gelsenkirchen, 27. Juni. In brei Tagen haben hier vier Menschenleben ein gewaltsames Enbe gefunben. In Braubauerschaft würbe am Sonntag ein Mann erstochen unb in Schalke am selben Tage eine Frau von einem polnischen Bergmann erschlagen. Montag Abenb erstachen junge Burschen auf bem Moltkeplatze einen Arbeiter unb in ber Nacht auf Dienstag ermorbete ein Bergmann in der Heinrichstraße seine Frau, aus Eifersucht.

* Dresden, 27. Juni. Dem leidigen Kartenlegen ist dieser Tage hier wiederum ein junges, blühendes Menschen­leben zum Opfer gefallen. Die einzige Tochter einer dortigen Wittwe war mit einem rechtschaffenen jungen Manne verlobt. Eines Tages ließ das Mädchen sich verleiten, zu einer Karten­schlägerin zu gehen, umeinen Blick in die Zukunft zu thun".. In eindringlichster Weise verkündete ihr diese Person die Untreue ihres Geliebten, sowie einen frühen Tod. Ganz, überzeugt von diesen Aussagen, nahm das junge Mädchen plötzlich dem jungen Manne gegenüber, an dem sie bisher mit einer schwärmerischen Liebe gehangen hatte, eine sehr kühle Haltung ein; die Folge war die Aufhebung des Ver- löbniffes. Hierdurch noch mehr von der Untrüglichkeit der Karten überzeugt, suchte das Mädchen den Tod in der Elbe, aus der es vor einigen Tagen als Leiche herausgezogen wurde.

* Attentate im 19. Jahrhundert. Die Ermordung des Präsidenten Carnot ist in den bekannteren Kulturstaaten das siebente mit Erfolg durchgesührte Attentat, dem ein Staatsoberhaupt oder ein Familienangehöriger eines solchen im Laufe dieses Jahrhunderts zum Opfer fiel. Die Reihe eröffnet die Ermordung des Sohnes des Königs Karl X. von Frankreich, Herzogs Karl Ferdinand von Berry, welcher am 13. Februar 1820 mitten in der Lustbarkeit des Carnevals von einem Sattler Lonvel erstochen wurde. Das Motiv des Mordes war, bei der Kinderlosigkeit des übrigen Stammes die Fortpflanzung der Dynastie Bourbon zu vernichten. Am 9. October 1831 wurde sodann der Präsident des griechischen Staates, Gras Johann Anton Kapobistrias, beim Eintritt in die Kirche Spiridion von Constantin unb Georg Mauro- michalis, bereu Vater und Oheim er als angebliche Hochver­räter eingekerkert hatte, ermordet. Georg verstellte ihm den Weg mit vorgehobenem Fuße, während der andere gegen ihn einen Schuß abfeuerte, der fehlging. Dann stieß Constantin ihm den Dolch in den Unterleib, und Georg schoß ihm zwei Kugeln von hinten in den Kopf. Während in den beiden bisherigen Fällen die Attentäter die Strafe ereilte, entkam derjenige, welcher am 26. März 1854 den Herzog Karl III. von Parma durch einen Dolchstich so schwer verwundete, daß der Fürst am folgenden Tag der Wunde erlag. DaS Attentat erfolgte am hellen Tage in der Nähe des Residenzschloffes inmitten vieler Zuschauer. Der mit der Untersuchung des Mordes beauftragte Richter wurde fünf Tage später gleichfalls erdolcht. Der Mörder blieb unentdeckt. Am 13. August 1860