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29/07/1894 Erstes Blatt
 
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Depeschen beS Bureau »Herold^.

Berlin, 27. Juli. Die Hu ldtgungsfahrt von Männern aus der Provinz Posen nach Varzin findet voraus­sichtlich im ersten Drittel deS September statt. Fürst Bis­marck soll eine Huldigungsadresse überreicht werden. Die HuldigungSfahrt soll keine Demonstration irgend einer Partei sein.

Berlin, 27. Juli. Die heutigen Morgenblätter wußten von einer Explosion zu erzählen, die in der Nähe des Brandenburger Thores stattgefunden haben sollte. Die Sache hat sich dahin aufgeklärt, daß zwei junge Burschen mit einer Flasche, welche Schießpulver enthielt, spielten und dabei das I Schießpulver explodtrte. Der eine der beiden Burschen wurde ! durch Glassplitter an beiden Händen und Oberschenkeln, so- I wie am rechten Arme schwer "verletzt und liegt vernehmungs- j unfähig darnieder. Der andere ist noch nicht ermittelt.

Berlin, 27. Juli. Die Commission zur Berathung der I Maßregeln gegen die Cholera ist nicht heute zu- I sammengetreten, sondern gedenkt erst am 1. August Vormittags I ihre diesjährige Thätigkeit wieder aufzunehmen.

Hamburg, 27. Juli. Die Verbreiter eines in den letzten Tagen von Anarchisten herausgegebenen Flugblattes sind zum Theil verhaftet worden, während auf die übrigen die Polizei noch fahndet- es soll gegen dieselben die Anklage auf Hochoerrath erhoben werden.

Hamburg, 27. Juli. DerHamburger Börsenhalle" wird aus Hongkong telegraphirt, daß der Krieg zwischen China und Japan thatsächlich ausgebrochen ist.

Wien, 27. Juli. DerPoltt. Corresp." wird in einer offiziösen Zuschrift aus Sofia gemeldet, daß die bulgarische Regierung zwar einer Aussöhnung mit Rußland ge­neigt sei, daß die Initiative aber von Rußland ausgehen müsse. Zu irgend welchen Concessionen sei Bulgarien nicht bereit.

Wien, 27. Juli. Nach der furchtbaren Hitze der letzten Tage ist heute Nacht ein vollständiger Umschwung eingetreten. Nach einem heftigen Gewitter ist die Temperatur von 35 auf 12 Grad gesunken.

Paris, 27. Juli. Die Publication der Verhandlungen des Prozesses Ca serio ist den Blättern verboten worden. Nar die Anklageschrift und das Urtheilsverdict dürfen ver- vstentlicht werden.

Paris, 27. Juli.Gaulois" meldet, der Vertheidiger Caserios, Dubreutl, werde nachweisen, daß Caserio an Fallsucht und Hysterie leidet und daß mehrere Mit­glieder seiner Familie im Jrrenhause gestorben sind.

Paris, 27. Juli. Der Anarchist Meunier wurde vom Schwurgericht in allen Fragen schuldig befunden und zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und Deportation nach Neu- Caledonien verurtheilt.

Paris, 27. Juli. Bezüglich der Annahme des An ar- | chiftenges.etzes sagt derFigaro": Vielleicht wird das Gesetz ein gutes Mittel gegen die Anarchisten, aber wir bezweifeln es. Die Anarchie hat tiefere Wurzeln, als ober­flächliche Politiker glauben. Wir Journalisten müssen Privi­legien auf dem Altar des Vaterlandes niederlegen; aber dieses Opfer wird uns das Recht geben, von der Regierung Direc- tiven zu verlangen, woran wir bisher nicht gewöhnt waren.

Paris, 27. Juli. Das Anarchistengesetz hofft man im Senat rasch durchzudrücken. Heute begann die Berathung mit einer Rede Floquets gegen dasselbe.

Paris, 27. Juli. In Lepuy sind sechs Glasarbeiter, welche öffentlich die Mordthat Caserios verherrlicht hatten, verhaftet worden.

Loudon, 27. Juli. Der in Manchester tagende Arbeiter-Congreß der Textilbranche beschloß, an die Regierungen aller Länder das Ersuchen zu richten, den Achtstundentag einzusühren. An die Arbeiter aller Nationen ergeht die Aufforderung, zur Erreichung dieses Zieles mit allen Mitteln und Kräften zusammenzuwirken.

Petersburg, 27. Juli. Die Cholera nimmt ungeheure Dimensionen an. In den Kirchen werden zur Abwendung der Epidemie Gebete abgehalten.

Die Einweihung des Schwan-Denkmals auf dem Gießener Friedhöfe.

2 7. Juli 1 89 4.

E. M. Gerade ein Jahr ist verflossen, daß sich über der sterblichen Hülle des jungen Forschers, den Geburt, Heimathseindrücke und erste Jugendjahre fest mit der Stadt Gießen verknüpfen, der Hügel wölbte und die Zeichen letzter Ehrung auf ihn niedersanken. Und gestern hatte die erst­malige Wiederkehr des Todestages abermals eine kleine Trauergemeinde um seine stille Gruft versammelt, die in andächtig - wehmuthsvoller Stimmung der Errichtung eines Denksteins beiwohnen wollte, den treue Freundesliebe dem Verstorbenen gewidmet. Zu Häupten des Grabes erhebt sich jetzt ein Obelisk aus Granit mit einer eingelassenn Bronce- tasel, die, gehalten von Lorbeer- und Palmenornamenten, den Namen, Geburts- und Todesjahr des Verblichenen trägt mit dem Zusatz: Gewidmet von seinen Gießener, Berliner und Jenaer Freunden.

Das Denkmal macht einen schlichten, vornehmen Eindruck und legt beredtes Zeugniß ab von dem Geschmack und der Pietät Derer, die sich bei Entwurf und Herstellung betheiligt haben. Ausgegangen ist die Denkmalsidee von dem Kreis der Freunde Schwans und hat dann imBerliner Hessen- Abend", in welchem sich ein Comite für die Angelegenheit bildete, sehr bald seine Aussicht auf Verwirklichung ge­wonnen.

Eduard Schwan schließt sich im Leben wie im Tode der kleinen Zahl jener Männer an, deren Verdienste auf dem Gebiet der Sprachforschung gerade dem Hessenlande Ruhm und Beachtung eingetragen haben. Die Gebrüder Grimm und Friedrich Diez, die Schöpfer der Germanistik und Romanistik, sie waren Hessen. Und der junge Mann, der so

erfolgreich an dem von Friedrich Diez begonnenen Riesenwerk der romanischen Philologie weiter zu arbeiten berufen war, ; Eduard Schwan, ist von Gießen ausgegangen und hat hier jene belebende und befruchtende Geistesatmosphäre, wie sie sich unter der Nachwirkung großer Vorbilder zu erzeugen pflegt, zuerst eingesogen. Es ist hier nicht der Ort, einen kritischen Rückblick auf die philologischen Arbeiten Eduard Schwans, mit welchen er sich aufs Ehrenvollste in den Kreis der Fachgcnossen einführte, zu werfen, aber es darf wohl noch betont werden, daß sich in seinen größeren, umfassenden Studien sowie in den durch momentane Anlässe hervorgerufenen Gelegenheitsarbeiten das Bild eines rüstig vorwärts strebenden, lernbegierigen und mittheilungsfähigen deutschen Gelehrten offenbart, der auch die Gabe zur Popularisirung seiner Wissen­schaft besaß, wie solches hervorgeht aus der kleinen Portrait- skizzeBertram de Born" und dem einst auf dem Gießener Phrlologentage gehaltenen Vortrag überDie Geschichte des mehrstimmigen Gesangs und seiner Formen in der fran­zösischen Poesie des 12. und 13. Jahrhunderts."

Die kleine anspruchslose Feier, die sich in der vierten Nachmiitagsftunde des 27. Juli um das einfache Denkmal und die mir Lorbeerbäumen und Tannenzweigen geschmückte Ruhestätte herum vollzog, trug, obwohl etwa 50 Personen sich eingefunden haben mochten, einen durchaus intimen Charakter.

Niemand war von Amtswegen irgend welcher osficiellen Verpflichtungen halber erschienen, alle hatte ein persönliches Bedürfniß hergeführt. Das gerade verlich dem Augenblick seine besondere Weihe.

Den Vormittag über hatte es In Strömen geregnet, gegen drei Uhr aber fing es an, sich aufzuhellen, und die Theiluehmer am ernsten Actus standen unter einem leicht verschleierten Himmel, dessen müdes Grau besser als grelles, prickelndes Sonnenlicht zu der Stimmung des Ganzen paßte.

Am Arm eines Freundes des verstorbenen Professors erschien die tiefgebeugte Mutter, die selbstredend nicht fehlen wollte bei der den Manen ihres Sohnes veranstalteten wür­digen Gedächtnißfeier. Alsbald setzte ein aus den Freunden des Verewigten gebildetes Männerquartett klar und voll ein und gab die Weihe der Töne zu dem ernsten Wort.

Sodann trat Herr Prof. Wilh. Will aus Berlin an den Denkstein heran und entwickelte in kurzer, aus dem Herzen gehenden und zum Herzen dringenden Ansprache die hervortretendsten Züge im Charakterbilde des Verstorbenen. Ausgehend von dem Gedanken, daß hier die Sichel des Todes ein Leben hinweggeschnitten habe, dem die Frucht des Herbstes nicht mehr beschieden sein sollte, verweilte der Redner zunächst bei dem Glück der Jugend, das dem früh Dahingeschiedenen gelacht, bei seinem gedeihlichen Studien­gange auf der Straßburger Universität, seiner Habilitirung in Berlin, seiner ehrenvollen Berufung nach Jena. Da die Beurtheilung der wissenschaftlichen Thätigkeit Schwan's nicht in des Sprechers Fach schlägt, ging derselbe auf die Eigen­schaften des Menschen über, in diesem den guten, liebe­vollen Sohn, den tüchtigen Patrioten, der sich die Förderung gemeinnütziger Zwecke (so z. B. die Einrichtung der freiwilligen Krankenpflege im Kriege) allzeit angelegen sein ließ, und den treuen Kameraden betonend und schloß mit den Worten, daß der Denkstein, der an diesem Tage Eduard Schwan errichtet worden sei, nur ein Sinnbild des Denkmals sei, das der Verstorbene sich längst selbst im Herzen seiner Freunde gesetzt habe.

Herr Professor Will sprach anfangs leise, mit leicht vlbrirender, aber doch gut vernehmbarer Stimme, dann aber erstarkte seine Rede unter dem Eindruck des Augenblicks und hob sich zu kräftigeren Accenten. Es war der Freund, der dem Freunde einen Nachruf widmete!

Als Professor Will geendet, trat ein junger Mann herzu und legte einen prachtvollen Lorbeerkranz im Namen der GesellschaftKloster" am Sockel des Denkmals nieder. Weitere Kranz- und Blumenspenden schlossen sich an.

Zum Schluß trug noch das Männerquartett ein Lied gehaltener, sanfter Trauer vor, und dann löste sich allmählich die Versammlung auf. Wir nahmen Abschied von dem fried­lichen, stillen Ort, ganz erfüllt von der Wahrheit des Dichterausspruchs:

Begrab' Dein eigen Leben Zn Andrer Herz hinein, L>o wirst Du und wärst Du ein Todter Ein ewig Lebender sein!"

Localer Provinzieller

Gießen, den 28. Juli 1894.

* * Ans dem Justizdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, die Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Dr. Heinrich Schmidt, Richard Stephan, Wilhelm Bücking und Karl Pfannmülller zu Landgerichtsräthen bei diesem Gericht, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein Ludwig Bötticher zum Oberamtsrichter bet diesem Gericht zu ernennen.

* * Ernannt wurden: Heinrich Keller in Gießen zum Hausbeschließer am Justizgebäude daselbst, ter Kanzleidiener bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Jonas Becker zum Hausbeschließer am Justizgebäude in Mainz.

* * Platzgebühr betr. Von Großh. Handelskammer ging uns nachstehende erfreuliche Mittheilung zu: Die bei den Durchgangzügen (sogenannten D.-Zügen) zu entrichtenden Platzgebühren werden, wie der Großh. Handelskammer auf die Eingabe vom 29. August v. I. eröffnet wird, vom 1. September d. I. ab im Falle der Benutzung dieser Züge auf Strecken von nicht mehr als 150 km auf die Hälfte der heutigen Gebühren, d. i. 0,50 Mk. für die 3. Klasse

und 1 Mk. für die 2. und 1. Klasse, herabgesetzt. Den

weitergehenden Wünschen kann nicht entsprochen werden.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten.

* * Refidenzbrief. Wegen Verhinderung unseres Corre-

spondenten muß der dieswöchentliche Residenzbrief ausfallen.

** Militärisches. Mit der heurigen Reservistenentlassung' wird die seit dem Vorjahre für alle Waffen, mit Ausnahme der Cavallerie und reitenden Artillerie, zur Einführung ge­langte zweijährige Dienstzeit vollständig zur Durchführung gelangt sein. Mit der nach den Manövern stattsindenden Reserve - Entlassung werden die Mannschaften des Jahr­gangs 1892 und auch der Rest des Jahrganges 1891,. welcher wegen des Uebergangsstadiums noch präsent war, zur Reserve übertreten.

** Der Getreidemarkt. Bis Ende voriger Woche wurde in Europa der Getreidemarkt meistens noch von den Zweifeln an der diesjährigen vom Wetter wenig begünstigten Ernte beherrscht. Infolge des feit acht Tagen vorzüglichen Ernte­wetters unterliegt es aber keinem Bedenken mehr, daß auch die neue Ernte mindestens mittelgut, zum Theil sogar sehr gut sein wird. Dazu kommt, daß die amerikanischen Märkte wegen Mangel an Absatz große Flauheit zeigen, weshalb der Getreidemarkt wieder niedrigere Preise zeigte. Weizen kostete 130 bis 140 Mk. pro 1000 Kilo (20 Centner), Roggen 110 bis 118 Mk., Gerste 100 bis 170 Mk., Hafer 130 bis 160 Mk. je nach Qualität.

M. W. Aus der mittleren Wetterau, 26. Juli. Die erste Hälfte der vierten Juliwoche brachte uns eine so außer­ordentliche Hitze, daß sämmtliche Getreidearten mit Gewalt der Reife entgegengetrieben wurden. Man hat bei uns nicht blos Korn, Gerste und Weizen, sondern sogar schon Früh­hafer geschnitten. Die Hitze trieb alle Spelzen und Hülsen der Getreidekörner auseinander, so daß es knisterte und platzte, wohin man sich auch wandte. Die ganz abnorme Hitze brachte Ohnmächten und UebelEeiten, also leichte Fälle von Sonnenstich, unter den Feldarbeitern hervor. Wir erlauben uns auf ein äußerst einfaches, billiges und leicht erreichbares Mittel hinzuweisen, welches die höchst nachtheiligen Wirkungen der übermäßigen Hitze besonders vom Kopfe ab­hält. Man lege sich von Zeit zu Zeit das Blatt von einer Dickwurzel, Zuckerrübe oder Weißkraut in die Kopfbedeckung und wird alsbald den kühlenden, sehr wohlthätigen Einfluß des Blattes finden. In der vergangenen Nacht (vom 25. bis 26.) tobten zahlreiche Gewitter bei uns. Zwei Stunden lang, von 10 bis 12 Uhr Nachts rollte der Donner unaufhörlich so heftig, daß mitunter Wände, Thüren und Fenster erzitterten. Eine gewaltige electrische Entladung war die Folge, der Himmel schien zuweilen ein grünes, gelbes und blaues Feuermeer zu sein. Schwere Gewitter­regen und Sturm, der Schaden an beladenen Obstbäumen an- richtete, folgten sich bis zum Tagesanbruch. Heute ist es erträglich kühl, aber die menschlichen Wohnungen sind noch durchglüht, wie die Backstuben. Die Gewitterregen der ver­gangenen Nacht scheinen sich zu einem Landregen znsammen- zu ziehen, die dem liegenden Getreide großen Nachtheil bringen würden. In den drei heißen Tagen vom 23. bis 25. Juli wurde eine Masse Halmgetrei de gebunden und aufgekegelt. Das Binden in kleinen Garben, wie es derGießener Anzeiger" in einem früheren Jahrgänge beschrieb, gewinnt immer mehr Boden. Man hat das Ge­treide dieses Jahr gar nicht lagern lassen, sondern band cs nach dem Abschneiden sogleich in Garben. Dies empfiehlt sich aber nur dann, wenn das Getreide vollständig unkraut- rein ist. Das Frühobst: Pflaumen, Mirabellen, Früh­birnen und Aprikosen ist zum Theil ganz reif und wird in den Handel gebracht. Auch die Haustrauben sind sehr vorangegangen; bei ihnen zeigt es sich, daß die rauhe Witterung zur Blüthezeit vielfaches Durchfallen zur Folge hatte, die Gehänge sind mitunter recht zahnlückig geworden.

N. Aus dem Decauate Nidda, 26. Juli. Obgleich am gestrigen (25 er.) Tage die Hitze ihre größte Höhe erreicht hatte, war unsere D ecanatscon f er en z doch sehr zahlreich besucht, denn die Amtsbrüder erschienen aus allen Gegenden, meistentheils zu Fuß, wo keine Eisenbahn ober Poft zu benutzen war weil die Landleute ihre Fuhr­werke bei den Erntearbeiten nicht entbehren konnten. Nach­dem die Gegenstände der Tagesordnung erledigt waren, fand ein gemeinschaftliches Mittagessen statt, das durch interessante Unterhaltung gewürzt war. Gegen Abend, nachdem es kühler geworben, sollte der angenehme Tag durch eine Kegelparthie beschlossen werden, sie kam aber aus einem wichtigen Grunde nicht zu Stande, nämlich : der Kegelbub strikte, was allgemeine Heiterkeit erregte.

§ Bermuthshain, 26. Juli. Ein Geschäftsmann aus Gießen war dieser Tage hier und erkundigte sich nach dem Erfinder des Holz-Fahrrades, Sebastian Volz. Nachdem er sich über dessen Familien - Verhältnisse erkundigt und von seinen Talenten überzeugt hatte, schenkte er ihm 100 Mk., welchen Betrag er zu nützlichen Zwecken verwenden soll- er versprach auch noch dafür besorgt zu sein, daß die Talente dieses jungen, sehr fleißigen, aber mittellosen Mannes zur Geltung gebracht werden.

Aus dem Kreis Alsfeld, 27. Juli. Die afrikanische Hitze am verflossenen Montag und Dienstag das Thermo­meter zeigte schon morgens 8 Uhr 20 Grad R. hatte vorgestern ungemein heftige Gewitter im Gefolge. Be­sonders stark und fast ununterbrochen folgten die electrischen Entladungen in der Nacht auf gestern. Mehrfach fanden, wie schon anderseits gemeldet, Blitzschläge statt. Dem Ge­witter ist seit gestern ein fast ununterbrochen niedergehender Landregen gefolgt, welcher der im Anfang stehenden Kornernte schweren Schaden zu bringen droht.

§ Vom höheren Vogelsberg, 26. Juli. Die Heu-Ernte hier ist in der Hauptsache beendet worden, dagegen steht noch meistens das von den Landwirthen ersteigerte Heugras aus. Im Allgemeinen ist es eine gute Mittel - Ernte zu nennen. Der Ertrag der besseren Wiesen war meistens sehr gut, derjenige der geringeren einmütigen Wiesen dagegen nicht befriedigend, obwohl man Anfangs auf eine sehr gute Heu- Ernte gehofft hatte. Die Witterung ist seit letzter Zeit eine sehr ausgezeichnete. Das Korn geht seiner Reise entgegen, < da die seitherige Witterung dieselbe sehr beschleunigt hat.