ftd) die Verhältnisse in den Bereinigten Staaten und in einer Reihe südamerikanischer Republiken gebessert haben. Das berühmte Wort der Grobkaufleute, daß sich Nordamerika nach jedem Rückschläge in sechs Monaten zu erholen pflege, ist leider diesmal nicht in Erfüllung gegangen, denn nach den Berichten der amerikanischen HandelSzettungen geht in den Vereinigten Staaten das Geschäft noch sehr flau und die südamertkanischen Republiken stecken erst recht noch in ganz unfertigen Zuständen. Jeder wirthschaftliche KrankheitS- Proceß wird aber schließlich doch einmal überwunden und dies muß man auch von dem gegenwärtigen hoffen.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. December. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Weimar, Geh. Legationörath von Derenthall zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am portugiesischen Hose.
Berlin, 24. December. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: „Gegenüber der Mittheilung einiger Zeitungen, der Präsident deS Reichstages habe sich anheischig gemacht, die sogenannte Umsturzvorlage — soll wohl heißen: deren erste Lesung — vor den Ferien zu erledigen, kann versichert werden, daß von keiner Seite ein derartiges Verlangen an den Präsidenten gestellt und von diesem nach keiner Seite eine derartige Zusage gemacht ist."
Berlin, 24. December. Wie die „Post" hört, dürste die Abreise deö russischen Botschafters Grafen Schuwalow nach Warschau zur Uebernahme seines neuen Postens kaum vor vier Wochen stattfinden.
Berlin, 24. December. Die an der Ausschmückung des Weißen Saales betheiligten Bildhauer versammelten sich auf Einladung des Kaisers am Sonntag Nachmittag 3 Uhr im Capitelsaal des Königlichen Schlosses. Geladen waren u. A. Hvfbaurath Ihne, Prof. Otto Lessing, Prof. Schaper, Calandrellie, Eberletn und Hundwieser. Die Herren wurden vom Chef des Civilcabinets v. Lucanus und dem Grafen Eulenburg empfangen, ersterer sprach im Namen des Kaisers den Künstlern Dank und Anerkennung au-s und überreichte ihnen Ordensauszeichnungen verschiedener Art. Nach der Decorirung erschien das Kaiserpaar in Begleitung von Adjutanten und Hofdamen. Der Kaiser reichte jedem der Künstler die Hand, sprach ihnen dann noch persönlich seinen Dank aus und betonte, wenn Einer die Sache in der Hand habe, könne sie bester und schneller gefördert werden, als wenn zwanzig mitsprächen und zu keiner rechten Einigkeit gelangten.
Berlin, 26. December. Die Bierboycott-Com- mission wird für die nächsten Tage eine Anzahl Volksversammlungen einberufcn, von welchen die gänzliche Aufhebung des Bierboycotts beschlossen werden soll, dagegen soll über diejenigen Saalbesitzer, welche den Socialdemokraten ihre Säle zur Abhaltung von Boycotlversammlungen bisher ver- schlossen hatten, der Poycott weiter verhängt werden. Ausgenommen hiervon sind die Saalbesitzer, welche von Brauereien direct abhängig waren. — Die Soclaldcmokraten wollten während der Weihnachtsfeiertage in verschiedenen Localitäten Theateraufführungen veranstalten. Die Polizei hat dieselben untersagt, angeblich weil die Berliner Theater hierdurch geschädigt würden.
Berlin, 25. December. Das königliche Eisenbahn-Be- triebSamt Paderborn theilt mit: In der Nacht vom 24. zum 25. d. M. gegen IP/2 Uhr stießen auf der eingeleistgen Strecke Carlshafen-Bodenfelde der Bahn Ottbergcn Northeim zwischen beiden erstgenannten Stationen die Güterzüge 825 und 832 im Wahmbecker Tunnel zusammen. Der Packmeister deS Zuges 825 wurde getödtet, der Locomotivführer und der Heizer des gleichen Zuges, sowie der Packmeister des Zuges 832 schwer, 6 andere Beamte leicht verletzt. An Betriebsmitteln wurden beschädigt beide Maschinen und
einem Mal stürzt das ganze Ufer, daS der Mensch für Festland gehalten, unaufhaltsam zur Tiefe.
Solche Umstände mögen bet dem Erdsturz in Zug zusammen gewirkt haben. Im October und November 1886 sind große Regenmassen über Frankreich gekommen- sie stießen wider die Alpen, sie haben im Norden und Süden, in der Schweiz wie in Oberttalien Ueberschwemmung gebracht. Danach fielen große Schneemassen und von December mit geringer Unterbrechung bis zum März trat ein Frost ein, so heftig, wie er außer 1879—80 seit fünfzig Jahren nicht war. Dann kam die langsame Thauung, die mit Regen und Sonnen- Wärme die gelockerten Erdmasten löste. Sie hätte trotz der großen Frostwirkung keine so schlimme Bedeutung erlangt, hätte nicht der Mensch — den LösungS'Proceß der Natur nicht achtend — durch eignes Thun die Gewalt deS Sturzes erhöht.
Aus frühsten Jahrhunderten weiß man nicht, wie dieser Proceß sich hat gestaltet. Erst vom 15. an sagt die Chronik, am 6. März 1435 stürzte ein Stück von der Stadtmauer in Zug, die bis an den Seerand ging, sammt der Nieder-Gasse und 26 Häusern in den See. 60 Menschen sanden ihren Tod, unter ihnen der Landammann und der Stadtschreiber. Es war im Frühjahre- leider hat die Chronik vergessen, über den vorausgehenden Winter zu berichten- wir können also nur auS der Gegenwart ein ähnliches Wetter uns vorstellen. Man baute die Häuser landeinwärts wieder auf und hielt sich gesichert, man glaubte sogar ohne Mauer an der Seefeste, weil die Wachsamkeit und Treue der Bürger die beste Sicherung böte. Es vergingen über 150 Jahre, bis die Bewohner wieder aufgeschreckt wurden. Im Jahre 1594 versanken mit einem Mal 9 Häuser. Sie mahnten die Leute au den trügerischen Grund, auf den sie hatten gebaut.
(Schluß folgt.)
23 Wagen. Der Durchgangsverkehr ist auf voraussichtlich 2 Tage gesperrt und wird über Holzminden-Kreiensen geleitet. Der Unfall ist durch Verstoß gegen die telegraphischen Meldungen zur Sicherung des Zugverkehrs veranlaßt. Die Untersuchung ist sofort eingeleitet.
Berlin, 25. December. Der Schriftsteller Ludwig Pietsch ist anläßlich seines siebzigsten Geburtstages zum Professor ernannt worden.
Frankfurt a. M., 24. December. Die „Franks. Ztg." meldet aus Parts: Im Ministerrath ließ der KrtegSminister ein Gesetz unterzeichnen, welches die ^Todesstrafe festsetzt für den Verrath und zwar für alle Staatsbeamten, Soldaten, Reservisten, Landwehrleute, auch die Strafbestimmungen gegen die Spionage verschärft.
Hamburg, 24. December. Der Orkan, welcher während der letzten 48 Stunden in vielen Ländern Europas, hauptsächlich an den Küsten wüthet, rief auch hier bedeutenden Schaden hervor. Man schätzt den an den Maaren im Freihafen infolge dcS Sturmes entstandenen Wasserschaden auf mehr als 2 Millionen Mark.
Bremen, 24. December. Der Lootsen Schoner „Geestemünde" ist in der Wesermündung gesunken. Vier Lootsen ertranken.
München, 24. December. Die am Samstag im katholischen Casino abgehaltene Parteiversammlung der bayerischen Katholiken beschloß im Einverständniß mit der deutschen Centrumspartei den nächstjährigen allgemeinen ' deutschen Katholikentag in München abzubalten. Graf Conrad | Prehssing ist mit der Bildung eines Localcomitvs beauftragt j worden.j
Ausland.
Nom, 24. December. In der gestrigen Ansprache an die Cardinale stellte der Papst das Wiedererwachen des Glaubens bei den Nationen fest. Die Nationen seien in Folge der Enttäuschungen und Unglücksfälle, welche sie erfuhren, sowie in Folge der wachsenden Gefahren zu der Erkenntniß gelangt, daß die bürgerlichen Tugenden und Gesetze, sowie strenge Maßnahmen allein nicht ausreichen, die Massen im Zaum zu halten. Es erscheine deshalb von höchster Wichtigkeit, daß Alle zusammenwtrken, damit der Glaube das öffentliche und bqß Privatleben durchdringe, der Name Gottes in den gesetzgebenden Versammlungen, in den Vereinen und Familien mit Ehrfurcht genannt werde und die Negierenden die Religion in den Heeren und der Bevölkerung fördern.
Paris, 24. December. Wie verlautet, soll die Degradation des Hauptmanns DrehfuS am Samstag stattfinden.
Paris, 23. December. Das Kriegsgericht zog sich 10 Minuten vor 6 Uhr zurück und erschien im Sitzungssaal um 7 Uhr. Der Saal war mit Zeugen und Journalisten gefüllt. Dec Präsident verlas den Spruch deö Gerichts, wonach Hauptmann Dreyfus einstimmig für schuldigerklärt und zu lebenslänglicher Deportation und zur Degradation verurtheilt wird. Bei den Worten öeS UrtheilS: „Im Namen des französischen Volkes" falutirten die Richter - bei dem Wort „einstimmig" ging eine Bewegung deS Entsetzens durch den Zuschauerraum. Nach Verlesung des Unheils wurde die Sitzung sofort geschlossen. Ein Zuschauer rief: „Es lebe das Vaterland!" Der Angeklagte, welcher der Verlesung nicht beiwohnte, erhält Kenntniß deS Urtheils im Gefängniß vor versammelter Wache. Den ganzen Nachmittag und besonders Abends war starke Menschenansammlung in der Straße vor dem Kriegsgericht, zahlreiche Polizei- Mannschaft versah den Ordnungsdienst. Abends war die Straße ganz abgesperrt. Große Erregung herrschte in der Umgebung des Kriegsgerichts.
Paris, 24. December. Im Quartier Latin veranstalteten gestern Studenten eine Demonstration, welche zu groben Ausschreitungen führte. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor.
Paris, 24. December. Emile Zola theilte in einem Jnterwiev mit, daß der französische Offizier Romani bei seiner Verhaftung durch italienifche Gensdarmen im Besitze von Schriftstücken gewesen sei, welche französische Grenzbefestigungen betrafen und die größte Wichtigkeit befeffen haben sollen.
Paris, 24. December. Der zur Notification der Thronbesteigung des Kaisers von Rußland hier eingetroffene außerordentliche Gesandte General Tscherkoff ist bei feiner Ankunft von der Menge sympathisch begrüßt worden.
Paris, 24. December- In Handelskccisen erwartet man, daß nach der Ankunft des spanischen Gesandten zwischen den Handelskreisen und dem Minister des Aeußern eine Einigung erzielt ober daß wenigstens ber modus vivendi verlängert würde.
Paris, 24. December. In französischen Blättern wirb ungeachtet wieberholter halbamtlicher Berichtigungen noch immer bie deutsche Botschaft mit dem Proceß Dreyfus in Verbindung gebracht - insbesondere wird behauptet, Graf Münster habe auf Ausschluß der Oeffentlichkeit gedrungen, weil-die Anklage auf ein bei der Botschaft entwendetes .Schriftstück gegründet sei. Demgegenüber wird von berufener Seite nochmals auf das Nachdrücklichste erklärt, daß alle diese Behauptungen lediglich tendenziöse Erfindungen sind und einen dreisten Versuch barstellen, ben Thatbestand zu verschleiern. Die deutsche Botschaft hat mit Dreyfus weder direct noch indirect jemals bie geringste Verbindung gehabt und eö kann daher von der Entwendung eines von DrehfuS herrührenden Schriftstückes ebenso wenig bie Rebe fern, wie von einem Eintreten für geheime Verhandlung.
Paris, 24. December. Sömmtliche Blätter besprechen baß Unheil gegen ben Hauptmann Dreyfus. Alle brücken ihren Unwillen herüber aus, baß bas Gesetz nicht gestattet habe, baß der Verräiher zum Tode verurtheilt werden konnte. Sic fordern, daß die Regierung ein derartiges Gesetz in ber
Kammer einbringen möchte, bamit nicht mehr ein derartiger Fall vorkommen könne und führen als krasses Beispiel an, baß ein einfacher Soldat wegen Beleidigung seines Vorgesetzten zum Tode verurtheilt werden könne.
Paris, 24. December. Die von den hiesigen Blättern gebrachte Meldung von einem Angriff der HovaS auf ein französisches Schiff, ist den letzten Nachrichten zufolge, unriqtig.
Paris, 24. December. Dem „Temps" wird aus Auffon gemeldet, daß innerhalb zweier Tage dreimal Versuche gemacht wurden, einen Perfonenzug durch Auflegen schwerer Steine auf baß Schienengeleife zum Entgleisen zu bringen. Der Thäter, ein junger Mensch von 16 Jahren, ist bereits verhaftet.
Lüttich, 24. December. Bei ber Kammer-Wahl, welche daburch nöthig geworben war, baß Defuisseaux bie Wahl in Mons angenommen hat, erhielten Francotte (Katholik) 35284, Smeets (Socialist) 55563 unb Hansens (liberal) 27 258 Stimmen. Somit ist Stichwahl zwischen Francotte und Smeets erforderlich.
London, 24. December. Die „Times" meldet aus Kobe von gestern: Etwa 1000 Tonghaks schlugen am 17. d. M. bie aus 300 Mann bestehenbe koreanische Garnison von Tschollabo. Die Häuser in ber Umgegenb würben geplünbert und niedergebrannt. Die Bevölkerung ist geflohen. — Aus Tokio wird ber „Times" von gestern gemeldet, wahrscheinlich würden in dieser Woche 25000 Mann in Hiroshima eingeschifft.
Petersburg, 24. December. Die Studenten ber hiesigen Universität beabsichtigen, an den Kaiser eine Bittschrift zu richten, in welcher er gebeten wird, ihnen bie Rechte erwachsener Menschen unb acabemischer Bürger zurückzugeben. Die Bittschrift, welche in ben ehrfurchtsvollsten Worten abgefaßt ist, soll bem Zaren bet erster Gelegenheit überreicht werden.
^Petersburg, 24. December. Der Generalgouverneur von Kiew, Graf Jgnatieff, will von seinem Posten zurücktreten.
Petersburg, 24. December. In der Bittschrift der Studenten soll auch die Abschaffung aller Taxen und Collegiengelder, ferner bie Gewährung beß freien Versamm- lungßrecfjtß an die studirende Jugend und die Zulassung der Frauen zum Studium vom Zaren erbeten werden. Die Erlangung dieser Rechte steht schon seit langen Jahren auf dem Programm der studentischen Bestrebungen- ber Unterrichts- Minister ließ jeboch alle Petitionen unberücksichtigt. Wie verlautet, erwartet man bie Demission beß letzteren und eine strenge Maßregelung ber unruhigen Elemente unter ber russischen Studentenschaft.
Petersburg, 25. December. Der Kaiser hat ben Großfürsten Sergius zum Präfibenten' beß Comitvs für Errichtung eines Denkmals für Kaiser Alexander III. ernannt.
Sofia, 24. December. Unter großer Betheiligung ber macebonischen und armenischen Colonie legten gestern hier wohnhafte Macedonier einen Kranz in ber armenischen Kirche nieder, obgleich die Polizei dies zu verhindern gesucht hatte. Der Kranz trägt eine Aufschrift, in welcher ber Tob ber Opfer oon Sassun verherrlicht wirb. Ein macebonischer Abgeorbneter hielt eine Rede. •
Neueste Nachrichten.
Ätolffs telekraphisches Corresvonbenz-Bureru-
Bielefeld, 26. December. Geheimer Commerzienrath Hermann Delius, ehemaliger Abgeordneter beß beutschen Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses, ist gestorben.
Madrid, 26. December. Die Königin-Regentin empfing gestern in feierlicher Audienz den mit der Notification der Thronbesteigung beß Kaisers Nikolaus von Ruß- land beauftragten Fürsten JmeretinS^ky.
Deneschm des Kureatr »Herold".
Berlin, 26. December. Der Kaiser hat für die durch baß kürzliche Erd beben in Sicilien unb Calabrien Verunglückten und Geschädigten 10,000 Mk. bewilligt.
Budapest, 26. December. Die liberale Partei sieht der Hierherkunft des Kaisers mit der größten Spannung entgegen.
Haag, 26. December. Der gestrige Socialisten- Congreß beschloß bie Auflösung beß Socialistenbundkß, weil derselbe den holländischen Gesetzen zuwider sei, dagegen wurde die Gründung eineß neuen Soctalistenvereins beschlossen, dem bereits 52 socialistische Adtheilungen beigetreten sind.
London, 26. December. Die „Times" melden auß Kairo, der Minister Nu'bar Pascha ist gestern bei einem Spaziergange gestürzt unb erlitt einen Beinbruch.
London, 26. December. In ber Schlacht bei Hait- fchang sinb nach japanischen Blättern auf Seiten ber Japaner 2 Offiziere und 52 Solbaten gelobtet, sowie zwölf Offiziere und 356 Solbaten verwundet worden. — Die koreanische Regierung hat beschlossen, bei Japan eine Anleihe von 5 Millionen Dollars aufzunehmen, sowie für 15 Millionen Bankbillets aaßzugeben.
Loyales unb SrovLuzLettes
Sietzen, den 27. December 1894.
> ** Sitzung Grotzh. Handelskammer vom 20. December 1894. Anwesend die Herren Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Hornberger, Katz, Krantz unb Wortmann. Schon seit Jahren ist die Kammer in Gemeinschaft mit andern Schwesterkammern um eine Herabsetzung der Telephongebühren von 150 auf 100 Mark bemüht. Obwohl bie Vortheile, welche eine solche Nebuction im Gefolge haben würde, von den intetefflrten Kreisen rückhaltlos anerkannt worden, waren diese Bemühungen an maßgebender Stelle seither erfolglos. Die Kammer beschließt, nochmals an ben Reichstag


