*» Der Berubeckffche Familienlag. Vorgestern und gestern | wurde in unserer Stadt, und zwar zum zwölften Male, ; der Familientag der Familie Bernbeck abgehallen. Nachdem bereits an dem vorgestrigen Tage eine große Anzahl von Gliedern dieser besonders in Hessen ansässigen, aber über alle Staaten Deutschlands verbreiteten Familie zu einer zahlreich besuchten Vorversammlung im Hotel Victoria erschienen war, in welcher über die verschiedenen Institute der Familie (monatlich erscheinendes Correspondenzblatt, Familienstipendium u. s. w.) wichtige Beschlüsse gefaßt wurden, und eine Neuwahl des Familienraths und der übrigen Familienbeamten stattfand, versammelten sich im Laufe des gestrigen Vormittags auf der Hardt etwa 100 Familienmitglieder und wurden dort von dem derzeitigen Vorsitzenden, Herrn Provinzialschulrath Dr. Carl Leimbach, Breslau, mit einer längeren Ansprache begrüßt, worauf über die vorgestern gefaßten Beschlüsse Bericht erstattet und der in den letzten zwei Jahren verstorbenen Mitglieder der Familie in feierlicher Weise gedacht wurde. Die Hauptversammlung genehmigte alle in der Vorversammlung gefaßten Beschlüsse und vereinigte sich sodann zu einem von den verschiedensten ernsten und launigen Trinksprüchen gewürzten Festessen- Die Feier des nächsten Familientags, welche über zwei Jahre wieder hier stattfinden wird, soll in noch größerem Rahmen ausgeführt werden, weil dann der Familienbund auf eine zwanzigjährige Vergangenheit zurückschauen darf. Da der jetzige Senior der Familie seinen Wohnsitz zu Philadelphia har, so wurde er hier durch den Subsenior, Herrn Pfarrer Carl Bernbeck, Queck, vertreten, doch darf gehofft werden, daß der nächste Familientag zum dritten Male die Freude haben wird, den greisen Senior in seiner Mitte begrüßen zu dürfen.
** Die Eingabe des Vorstandes des deutschen Tabakvereins an das Reichsschatzamt in Sachen der Steuerenquete lautet u. A.: „Wir sind einstimmig der Ansicht, daß der eingeschlagene Weg schlechterdings nicht geeignet ist, die regierungs- seits angestrebten Zwecke zu erreichen. Ist doch u. A. con- statirt worden, daß die Fragestellung selbst in den verschiedenen Theilen Deutschlands nichts weniger als eine gleichartige ist, bezw. gewesen ist, ja daß dies nicht einmal für die verschiedenen Theile eines und desselben Bundesstaates zutrifft - ist es uns doch bekannt, daß in einem Theile des Königreichs Preußen überhaupt nur die Erhebung der Zahl der verschiedenen Arten von Arbeitern gepflogen worden sei. Bei einer solchen Verschiedenheit der Fragestellung ist aber ein befriedigendes Gesammtergebniß um so weniger zu erwarten, wenn wir die Art und Weise in Betracht ziehen, in welcher vereinzelt die Fragestellung selbst besorgt wird. Bezüglich der Organe, die in einzelnen Staaten verwendet wurden, hat man sich nicht nur nicht überall solcher Beamten bedient, welche das nach unserem Erachten erforderliche Sachverständniß besitzen, sondern man hat mannigfach subalterne Polizetorgane dazu herangezogen. Was aber den Inhalt der gestellten Fragen selbst angeht, so ist doch die Anfrage bezüglich der beschäftigten Arbeiter selbst im Wesentlichen bereits durch die Berufsgenossenschaftsregister festgelegt- das genügt aber notorisch nicht, weil kleinere Betriebe sich naturgemäß leicht der polizeilichen Beobachtung entziehen, das ist ja längst die begreifliche Klage der Tabaksberufsgenossenschaft selbst. Wie viel schwerer ist es erst, die Hausarbeiter festzustellen? Wir verweisen auf Westfalen und unsere Hansestädte. Wie kann ein richtiges Ergebniß erwartet werden in einer Branche, in der zahleiche Arbeitgeber nicht bekannt sind? Wir glauben daher allen Grund zu haben, den Ziffern, welche die angestellte Enquete ergeben wird, sehr zweifelnd gegenüberzustehen und bei den naheliegenden Folgerungen speciell soctalpolttischer Natur, die daraus gezogen werden könnten, erachten wir uns für berufen, diese Besorgnisse heute schon auszusprechen. . . Trotz all dieser gewiß beachtenswerthen Bedenken glauben wir nur einer Pflicht der Loyalität zu genügen, wenn wir unseren Mitgliedern empfehlen, den an sie ergehenden Anforderungen voll Genüge zu leisten. Mehr können wir natürlich nicht thun; eine Gewähr dafür, daß die Mitglieder unserer Anregung Folge geben, kann kein Verein, auch der unserige nicht, übernehmen. Unter allen Umständen aber wollen wir heute schon darauf Hinweisen, daß wir nach Lage der Sache nicht zugeben können, daß aus der im Laufe befindlichen Enquete aus den mehrfachen vorstehenden Erwägungen irgendwelche schlüssige Folgerungen gezogen werden können. Dieses hier auszusprechen, erachten wir als eine selbstverständliche Ehrenpflicht unseres Vereins."
* * Bank für Süddeutschlaud. Von den auf Guldenwährung lautenden Noten der Bank für Süddeutschland sind noch immer Stücke im Werthe von 91,658 Mk. 58 Pfg. bis jetzt nicht zur Rückzahlung präsentirt worden. Diese Stücke sind wohl zum größten Theile verbrannt, verloren oder in sonstiger Weise abhanden gekommen.'
* * Zn Amerika verstorbene Hessen. New-York City N. A.: Henry Leonhardt, 46 Jahre alt, aus Offenbach a. M. Salem Township, Carroll Co., Jll.: Georg Dunker aus Flensungen.
* * Warnung, nach auswärts Bestellungen aus Lebensmittel zu machen. Folgende Warnung veröffentlicht der „Badische Schutzverein gegen wucherische Ausbeutung des Volkes": Galizische Händler bieten in Inseraten der Tagesblätter „frische, feine Tafelbutter", sowie „feinsten Blüthen- Honig" zu auffallend billigen Preisen unter Nachnahme an. Bei dem Schutzverein gegen wucherische Ausbeutung des Volkes für das Großherzogthum Baden sind schon mehrfache Beschwerden eingegangen von Solchen, die auf die genannten Inserate hin Bestellungen gemacht hatten. In einem Falle war dem Besteller statt des „feinsten Scheibenblüthenhonigs" eine Waare von total ungenießbarer, ekelhafter Beschaffenheit zugegangen. Ein Besteller von neun Pfund „feiner Tafelbutter" erhielt gegen Nachnahme des Preises von neun Pfund ein Packet, das nur 6*/2 Pfund enthielt, und auch das war keine feinste Tafelbutter, sondern eine ungenießbare Waare, übelriechend und von einer Menge Unrath durchsetzt. Re« clamationen der Geschädigten waren erfolglos. Der Schutz
verein hat die k. k. österreichische Staatsanwaltschaft um strafrechtliche Verfolgung angegangen.
ff Lich, 26. Juli. In dem benachbarten Muschenheim ereignete sich gestern Abend ein gräßliches Unglück. Der 10 jährige Sobn des dortigen Einwohners St. goß nämlich im Beisein der Mutter in die brennende Lampe Petroleum. Hierbei explodlrte die Lampe, und alsbald stand der arme Junge in lichten ^Flammen, sodaß er zwei Stunden später seinen fürchterlichen Brandwunden erlegen ist. Die Kleider der Mutter fingen gleichfalls Feuer, und soll auch diese nicht unbedenklich verletzt sein. Möchten doch alle schon vorgekommenen derartigen Unglücksfälle endlich einmal zur Warnung und Vorsicht dienen.
-b- Bellersheim, 23. Juli. Obgleich man in unserer Provinz vielfach von der Rapscultur abgekommen ist, baut man in hiesiger Gegend immer noch diese Oelfrucht, wenn auch nicht mehr in derselben Menge wie früher. Die diesjährige Rapsernte ist beendigt und es hat auch bereits der Ausdrusch stattgefunden, was gewiß jeden Landwirth inter- essiren muß. Wir haben in diesem Jahre 6% bis 7*/2 Centner Raps pro Morgen geerntet, was ein sehr befriedigendes Resultat ist, wenn man erwägt, daß der Doppelcentner gegenwärtig mit 20 bis 21 Mk. bezahlt wird. In dem schlechten Jahre 1893 ernteten wir z. B. IV2 Centner pro Morgen. Die Rapsfelder werden nicht etwa noch mit Kohlraben, Dickwurzeln oder einer anderen Futterpflanze besetzt, sondern werden umgebrochen und bleiben liegen, was bekanntlich einer halben Brache gleichkommt. Hierdurch kommt der Acker in einen ausgezeichneten Zustand und trägt im folgenden Jahre alles, was man von ihm verlangt. Der Bau von Handelsgewächsen, hier von Oelgewächsen, ist also immer noch zweckmäßiger als von Halmfrüchten, Hafer ausgenommen, welcher auch noch rentirt. In der Gegend von Blofeld wird noch Mohn (Magsamen) gebaut, der ein treffliches Oel — viel feiner als Raps — liefert und ebenfalls gute Erträge liefert.
Darmstadt, 26. Juli. Die hiesige socialdemokratische Partei hatte die Absicht, bei dem von derselben am 29. Juli l. Js. auf dem Herrgottsberg dahier projectirten Waldfeste einen Umzug mit Musik durch die Stadt zu veranstalten und eine rothe Fahne einzuweihen. Das Großh. Polizeiamt har die Einweihung der rothen Fahne und den Umzug verboten. Das Waldseft wurde jedoch, soweit es nur in Con- cert und Tanz besteht, zugelassen.
Sprendlingen (Rheinhessen), 25. Juli. Die Anmeldungen zur Beschickung der im September d. I. hier stattfindenden landwirthschaftlichen Ausstellung lausen zahlreich aus allen Theilen Deutschlands ein. Der über 10,000 Quadratmeter umfassende Hofraum ist bereits fast vollständig vergeben. Firmen allerersten Ranges betheiligen sich in großartiger Weise. Einige bauen eigene Pavillons von 200 bis 350 Quadratmeter Bodenfläche. Andere beanspruchen Räume von 300 und 500 Quadratmeter. So sind bis jetzt schon fünf vollständige Dreschgarnituren angemeldct, die im Be^ triebe gezeigt werden. Dampflocomobilen, electrische Motoren und Petroleummotoren werden ebenfalls im Betriebe zu sehen sein. Die Vorbereitungen zur Ausstellung gehen lebhaft voran. Eine große Terrasse für Gärtnerei-Anlagen ist im Bau fertig. Ein hiesiges Hotel hat sich gezwungen gesehen, eine Dependenz einzurichten, um die Gäste unterzubringen, die jetzt schon für die Zeit der Ausstellung Zimmer bestellt haben. Das Comitv mußte ein^n Wohnungsausschuß bilden, um für die Vertreter auswärtiger Firmen geeignete Wohnungen zu beschaffen.
Verrnischtes.
* Frankfurt a. M., 26. Juli. Die Dinka-Neger im Zoologischen Garten haben Mittwoch ihre Schaustellungen begonnen und sich zunächst vor einer großen Anzahl Eingeladener producirt. Die Truppe besteht aus etwa 40 Personen, worunter 8 bis 10 Weiber und, außer zwei halbwüchsigen Buben, zwei Kindern, einem Mädchen von drei Jahren und einem Baby, das bei den Vorstellungen meist auf dem Rücken seiner Mutter als stummes Anhängsel mitspielt. Die Männer sind langgewachsene Kerle mit dünnen Leibern und noch dünneren Beinen, erscheinen aber doch kräftig und bewegen sich zugleich lebhaft und in gewissem Grade graciös. Die Frauen, meist kleiner, haben gedrungenere Gestalten, ohne gerade sehr corpulent zu sein. Die Heimath der Leute liegt am linken User des weißen Nil, also im nordöstlichen Afrika, etwa unter dem 10. Grad nördlicher Breite - ihre Hautfarbe ist tiefschwarz, wie mattes Ebenholz, das Haar wollig, die Nägel gelblich roth. Die erste Arbeit nach ihrem Einzug in den Zoologischen Garten war die Herrichtung von Kochherden, einfache Löcher mit einem Wall von Backsteinen und Lehm, auf welchen die Gesäße über flackerndem Holzfeuer erwärmt werden. Dann wurden Hütten gebaut, die in ihrer dichten Mattenumkteldung recht guten Schutz gegen die Sommerluft bieten müssen. Daneben stellte man allerhand Geräthe auf (einen Wasserkühler, eine Salzmühle, einen Folterklotz) und die Einrichtung des Dinka-Dorfes in natürlicher Größe war fertig. — Die eigentlichen Vorstellungen bestehen aus Spielen, Tänzen und Gefechten, Alles von Gesängen begleitet, die gar nicht so unmelodisch klingen, wie mau es sonst wohl von wilden Völkern hörte. Dabei spielen ein Brauttanz und eine Huldigungs-Cere- monie eine große Rolle. Die Weiber machen bei Allem mit und auch das kleine Mädchen nimmt immer Theil, es ahmt die Bewegungen der Großen nach, ist dabei schon ganz sicher und wird mit seinem posfirltchen Wesen bald der Liebling der Besucher sein. In ein rothes Sammetkleidchen gesteckt, sieht das Kind sehr nett aus und weiß sich ganz gut zu benehmen- es ist das Einzige von den'Schwarzen, das ein Sacktuch hat, mit welchem es beim Trinken sorgsam sein Kleidchen schützt. — In der ersten Bekanntmachung waren acht Vorstellungen für jeden Tag angekündigt, das hat sich aber bei der unermüdlich lebhaften Weise, in welcher die Leute
ihre Productionen ausführen, als zu anstrengend erwiesen und so hat man jetzt die Zahl auf fünf Vorstellungen reducirt, welche um 10, 111/2, 31 /2, 5 und 6*/2 Uhr beginnen und je 30 bis 40 Minuten dauern. In der übrigen Zeit sitzen, stehen oder liegen die Leute herum, schwatzen, singen, nähen, kochen, rufen sich einander in ihrer Sprache allerlei zu und bieten ein immer interessantes, manchmal sehr lebhaftes Bild von ihrem heimüthlichen Treiben. — Ein großer Theil der Besucher zahlt gerne noch einmal 20 Pfg. extra, um sich die einzelnen Vorgänge ganz in der Nähe anzusehen. An diesem Sonntag ist das Eintrittsgeld für den Zoologischen Garten auf 50 Pfg. (Kinder 25 Pfg.) ermäßigt, was der interessanten Schaustellung gewiß viele Besucher auch aus der Umgebung von Frankfurt zuführen wird.
* Berlin, 25. Juli. Die „Voss. Ztg." enthält heute folgende Verlobungsanzeige: Als Verlobte empfehlen sich: Franz Emberg, Leipzig, Manieh aus Dahomey, Amazone des Königs Behanzin, z. Zt. Berlin, Passage-Panoptikum.
* Berlin, 26. Juli. Ein verhängnißvoller Zusammenstoß zwischen Soldaten und Civilisten hat, wie ein Localberichterftatter meldet, am Sonntag Abend in Rehagen bei Klausdorf stattgefunden. Mehrere Soldaten des zweiten Eisenbahnregiments, das zum Zweck größerer Bahn- und Brückenbau-Uebungen dort gegenwärtig in Quartier liegt,, hatten sich in einen Tanzsaal begeben, in dem sich auch viele Bauernburschen befanden. Mit diesen kamen die Soldaten infolge von Eifersüchteleien wegen der Tänzerinnen in Streits bei dem die Soldaten die Seitengewehre gezogen haben sollen. Dies aber gab den Bauernburschen Veranlaffung, sich auch ihrerseits zu bewaffnen. Sie drangen mit Heu- und Mistgabeln, dicken Knüppeln usw. auf die Soldaten ein. Ein Unteroffizier wurde schwer verletzt- er hatte einen tiefen Stich in die Brust erhalten. Der Schwerverwundete schleppte sich nach seinem etwa 8/< Stunden weit entfernten Quartier, wo er dem Tode nahe anlangte. Er wurde hier zwar sofort in ärztliche Behandlung genommen, jedoch war der inzwischen erlittene Blutverlust ein so starker gewesen, daß er am.kommenden Morgen auf dem Transport nach dem Garnisonlazareth im Tempelhof verstarb.
* Landsberg a. d. W., 23. Juli. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts standen ein Rittergutsbesitzer und Standesbeamter aus dem Kreise Soldin- und sein Rechnungsführer, angeklagt der Urkundenfälschung- und Beihülfe dazu. Der Standesbeamte war beschuldigt, die Eintragungen, die von dem zweiten Angeklagten in die- Standesamtsregister gemacht worden waren, unterzeichnet zu haben, obgleich er bei den Eintragungen selbst nicht zugegew gewesen war. Der Angeklagte gab zu seiner Rechtfertigung, an, daß ein ähnliches Verfahren, wie er es angewandt, im Soldiner Kreise vielfach von den Standesbeamten geübt werde-, er sei sich nicht bewußt gewesen, eine strafbare Handlung zu begehen, auch habe er selbst seinen Rechnungsführer wegen Unregelmäßigkeiten bet den Eintragungen zur Anzeige gebracht. Demgegenüber bekundete der als Zeuge geladene Landrath, daß er den Angeklagten schon früher auf das Gesetzwidrige seiner Handlungsweise aufmerksam gemacht habe. Zur Anklage standen acht Fälle aus dem Jahre 1891. Das Urtheil lautete gegen den Standesbeamten auf ein Jahr drei Tage Gefängniß, gegen den Rechnungsführer auf zehn Tage Ge- fängniß.
* Braunschweig, 22. Juli. Ein interessanter Fall be-- schäftigt gegenwärtig viele Aerzte und Pädagogen. Es Han-- delt sich um ein hier lebendes echtes und rechtes Wunder-- ki.nd, das kaum zweijährige Söhnchen des hiesigen Schlächtermeisters P. Das Kind liest jedes Wort, ob geschrieben oder gedruckt, ob in deutscher oder lateinischer Schrift, wie auch zusammengesetzte Ziffern, schnell und sicher» Am 1. Juni wurde der Kleine drei hiesigen Aerzten vorgeführt. Das Erste, was das Kind in der Wohnung des Sanitätsraths Dr. Berkhan that, war, daß es unbefangen Bücher, die auf dem Tische lagen, nahm und daraus einzelne Worte richtig vorzulesen begann. Die Untersuchung ergab, daß der Knabe im Alter von anderthalb Jahren öfters von der Großmutter spazieren geführt wurde und sich dabei mit lebhaftestem Interesse nach der Inschrift von Firmenschildern^ u. f. w. erkundigte. lieber alles mußte ihm Auskunft er- theilt werden. Aehnllch ging es auch im elterlichen Hause mit Büchern und Zeitungen und so lernte das Kind die Buchstaben und Wortbilder, wie auch zusammengesetzte Ziffern spielend, ohne daß seine Erzieher die Absicht gehabt hätten, ihm dergleichen Kenntnisse beizubringen. Der Knabe zeigt, abgesehen von seiner wunderbaren Lesekunst, völlig die gleiche körperliche und geistige Entwickelung wie andere Kinder seines Alters. Nur fällt in seinem Benehmen öfters eine auffällige nervöse Hast und auch ein wenig Trotz aus.
* Aus Württemberg, 24. Juli. Eine Familien- Tragödie wird aus Heidenheim berichtet: Eine junge Frau ertränkte sich heute Nachmittag mit ihren zwei kleinen Kindern, einem Knaben und einem Mädchen, im Canal bei Neubolheim. Als der Mann um 6 Uhr von der Fabrik helmkam und die That vernahm, schoß er sich eine Kugel in den Kopf. Häusliche Zwistigkeiten sollen dem „S. M." zufolge die Ursache sein. — Gestern Nacht IO1/» Uhr sprang aus dem Zug 239 ein Reisender aus Stuttgart, der, vom Schlafe erwacht, sich im falschen Zuge befindlich wähnte, heraus. Er kam auf die Schiene zu liegen, sodaß die nachfolgenden Räder ihm den Körper über der Brust entzwei schnitten.
* Wien, 26. Juli. Gestern sind hier abermals mehrere Personen vom Hitzschlag betroffen worden. Auch aus den Provinzen wird große Hitze gemeldet.
* Wien, 26. Juli. In Baden vergiftete sich aus Gram über den kürzlich in der Irrenanstalt erfolgten Tod ihres Gatten die beliebte Schauspielerin Helene Horak mit Cyankali.
* Budapest, 26. Juli. Gestern sind 16 Personen auf der Straße vom Hitzschlage betroffen worden. Vor dem Volksbade entstand ein heftiger Tumult, weil zahlreiche


