Ausgabe 
27.6.1894 Erstes Blatt
 
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zu legen. Näher liegt die Vermuihung, daß der Mörder von der unseligen Seuche des Anarchismus ergriffen gewesen ist. Die deutsche Nation spricht ihr tiefstes Mitgefühl aus für den Verlust, welchen Frankreich erlitten.

Berlin, 25. Ium. Die Reisedispositionen des Fürsten Bismarck sind nunmehr dahin abgeändert, daß der Fürst in den ersten Tagen des Juli voraussichtlich über Berlin nach Varzin reist. Vorher besucht der Fürst den Grafen Herbert Bismarck in Schönhausen.

Wien, 25. Juni. Im Hörsale des Professors Nothnagel verursachten die antisemitischen Studenten heute Vor­mittag solchen Tumult, daß die Vorlesung geschlossen werden mußte. Da für morgen bei Professor Albert die gleiche Demonstration beabsichtigt sein soll, hat das Decanat bis auf Weiteres die Aufhebung der medicinischen Vorlesungen verfügt.

Antwerpen, 25. Juni. Der Generalcommissare der fremden Abtheilungen in der Weltausstellung hielten heute zum Zeichen der Trauer ihre Abtheilungen geschloffen und drückten dem französischen General Commiffar ihr Beileid aus.

Brussel, 25. Juni. Der König berief alle auf Reisen befindlichen Mitglieder der Königlichen Familie zum Zeichen der Trauer um den Tod Carnots zurück.

Paris, 25. Juni. Das Amtsblatt publicirt das Decret, nach welchem der National-Congreß auf nächsten Mittwoch berufen wird.

Paris, 25. Juni. In der Preffe herrscht fast vor­wiegend die Ansicht, daß die Neuwahl des Präsidenten ohne bedeutungsvolle Zwischenfälle verlaufen werde.

Paris, 25. Juni. Aus Billette und Jvry werden Zu- sammenstößezwischenJtalienern und Franzosen gemeldet. DerEclair" ermahnt, die italienische Nation die Unthat nicht entgelten zu lassen. Die Leiche Carnots trifft morgen hier ein. Der Mörder, der nunmehr Cesario Hieronymi heißen soll, ist Bäcker und war der Polizei als gefährlicher Anarchist signalisirt.

Paris, 25. Juni. Die Blätter bringen Commentare zur Präsidentenwahl, wobei besonders Casimir Perier, Dupuy, Brisson und Challemel Lacour in Betracht kommen.

Paris, 25. Juni. Die Nachricht von dem Attentat auf Carnot hat hier die größte Aufregung hervorgerufen. Die Blätter veröffentlichen Extraausgaben, welche bei dem die Cafes und Straßen überfüllenden Publikum reißenden Absatz finden.

Paris, 25. Juni. Der deutsche Botschafter Graf Münster drückte der französischen Regierung das Beileid des deutschen Kaisers aus. lieber den Mord erfährt man noch, daß der Mörder den 25 Zentimeter langen Dolch in der für eine Bittschrift gehaltenen Papier-Rolle stecken hatte und, als Carnot, der ihn zu sich herangewinkt hatte, danach griff, blitzschnell zustieß. Als Candidat der Präsidentschaft wurde von hundert Regierungsrepublikanern Casimir Perier aufgestellt. Vierzig unabhängige Republikaner nahmen die Candidatur Perier an, ebenso der Senat einstimmig, sodaß die Wahl Casimir Periers mit 450 bis 500 Stimmen ge­sichert erscheint. Aus Marseille wird gemeldet, daß sämmt- liche italienischen Arbeiter in den dortigen Docks entlassen wurden.

Paris, 25. Juni. Aus Lyon wird gemeldet, daß auf Italiener eine förmliche Jagd gemacht wird. Auch in Marseille hält es sehr schwer, die Menge im Zaum zu halten. Der Mörder Cesario war sicher Anarchist, und man nimmt an, daß er im Auftrag einer Verschwörung für die Vollziehung des Todesurtheils an Ravachol, Vaillant und Henry, hat Rache nehmen wollen. Er verweigerte jede Auskunft und will erst vor dem Schwurgericht sprechen. Bis heute Nach­mittag war es nicht möglich, den Mörder durch die wuth- schnaubende Menge in das Gefängniß abzuführen. Er wird im Keller der Präfectur festgehalten. Von dem von 50000 Menschen umlagerten italienischen Consulat mußten Fahne und Wappen entfernt werden.

Paris, 25. Juni. Der Präsident des Senats, Callemel- Lacour, hat den Congreß aus Mittwoch zusammenberufen. Die Beerdigung Carnots wird auf Staatskosten erfolgen. Der König von Italien und Crispi sandten Beileidstelegramme, worin sie ihr Bedauern aussprechen, daß das Attentat von einem Italiener verübt worden sei. Der deutsche Kaiser richtete von Kiel aus ein herzliches Beileidstelegramm an die Wittwe Carnots, das Gleiche thaten der Kaiser von Oesterreich und Kalnoky.

Lyon, 25. Juni. Mehrere Anarchisten wurden ver­haftet, von denen man annimmt, daß sie Mitschuldige deö Attentäters seien. Die aufs Aeußerste erbitterte Volksmenge hat außer dem italienischen Restaurant Casati noch mehrere kleinere Restaurants in der Republikstraße gestürmt und total zerstört. Nichts blieb ganz, Alles liegt in Scherben wie nach einer Explosion. Die italienischen Häuser und das Consulat werden von Truppen bewacht.

Rom, 25. Juni. Die italienische Kammer über­mittelte dem französischen Parlament telegraphisch ihr Beileid.

Loudon, 25. Juni. Bei der am Samstag in der Albion- Kohlengrube in Südwales stattgefundenen Explosion sind im Ganzen 251 Personen getödtet worden- gerettet wurden 16. 142 Leichen sind bis jetzt geborgen.

Loudon, 25. Juni.Daily Chronicle", welche heute anläßlich der Ermordung Carnots mit einem Trauerrand erschien, schreibt u. A.:Die ganze civilisicte Welt wird den Tod Carnots betrauern. Wenn je ein Mann gegen persön­liche Racheacte gesichert schien, so war es Carnot. Entweder ist das Attentat die That eines Irrsinnigen gewesen, oder sie ist das Werk anarchisttschen Wahnsinns. Die Anarchisten mögen den Umstand als eine Gelegenheit zur Ausübung ihrer Rache benutzt haben, daß Carnot ihre zum Tode verurtheilten Genossen nicht begnadigt hat. Carnot war mehr als nur Staatschef, er war ein Landesvater, denn sein ganzes Bestreben war auf das Wohl des Volkes und das Gedeihen des Landes gerichtet. Die ganze Welt und England voran wird über den Verlust dieses Mannes trauern.Morning-

poft" versichert Frankreich die herzliche Sympathie Englands, nirgends werde es eine größere Antheilnahme finden.

Petersburg, 25. Juni. Unweit der zum Gedächtniß an das Attentat von Borkt erbauten Kirche, welche der Czar demnächst einweihen sollte, entdeckte man eine Mine. Auch sollen in einem beim hiesigen kaiserlichen Palast belegenen Keller viele Bomben und eine Höllenmaschine vorgefunden worden sein. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.

Lyon, 26. Juni. Der Untersuchungsrichter ist ,ber Ansicht, daß die Ermordung Carnots mit den Vor­gängen in Aigue-Mortes zusammenhängt. Der Sarg mit Carnots Leiche wurde auf einer Kanonenlafette zum Bahnhof gebracht. Nach Abgang des Zuges wurde die Menge unruhig. Zahlreiche Trupps verwüsteten die italienischen Läden. Militär und Polizei verhinderten größere Unruhen. Der angerichtete Schaden ist nur ein materieller,- 300 Personen wurden verhaftet, ein Polizeiagent schwer verwundet.

Toulon, 26. Juni. Zwischen französischen Matrosen und italienischen Arbeitern entstand ein Handgemenge. Ein Italiener hatte das Andenken Carnots geschmäht- er erhielt einen Schlag auf den Kopf, zog das Messer, wurde über­wältigt und sterbend ins Hospital gebracht.

Paris, 26. Juni. Die Leiche Carnots ist früh 3 Uhr 15Min. hier eingetroffen; sie wurde alsbald nach dem Elysee übergeführt.

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gebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Festsetzung der Bureaukosten­vergütung des Großherzoglichen Bürgermeisters zu Watzenborn. 2. Gesuch des Heinrich Knöß III. zu Weickartshain um Er- laubniß zum Betriebe einer Schankwirthschaft. 3. Gesuch des Wilhelm Haas zu Gießen um Concession zum Ausschank von Branntwein über die Straße.

* * Neues Staatsanlehen. Die Großh. Regierung ver­öffentlicht ein Gesetz über die Aufbringung der zur Gewäh­rung von Darlehen aus der Landescredilkaffe erforderlichen Mittel. Es soll ein Staatsanlehen im Nennwerlh bis zu 2,500,000 Mark verzinslich zu 3^2 °/o in geeigneten Ab­schnitten ausgenommen werden.

* * Bei dem 41. Feldbergfeste, welches am vorigen Sonn­tag abgehalten wurde, erhielten von Gießener Turnern Preise: den 16. H. Wannen (M.-T.), den 17. C. Wenzel (M.-T.), den 22. W. Ziegler (T.-V.), den 23. C.Häußer (T.-D.), den 26. H. Haubach (T.-V.) und E. Marx (T.-B.)

* * Gleiberg-Fest. Die Freunde des Gleibergs begrüßten es freudig, daß der Gleibergverein am nächsten Sonntag ein Sommerfest abhält und dazu, wie aus dem Jnseratentheil ersichtlich, hervorragende Kräfte gewonnen hat. Der die mitwirkenden Gesangvereine hierbei leitende Grundgedanke, das Interesse an der höchsten landschaftlichen Zierde der Umgebung Gießens durch diese Veranstaltung neu zu beleben und zu fördern, erhöht diese unsere Freude. Bürgen schon die Namen der betheiligten Vereine für vorzügliche Leistungen, wie wir solche nicht minder von der hiesigen Negimentscapelle gewohnt sind, so wird das dieser Tage zur Veröffentlichung kommende Programm keinen Zweifel lassen, daß uns ein höchst seltener Kunstgenuß bevorsteht.

* * Die diesjährige Zusammenkunft Gießener, Göttinger und Marburger Professoren und Doceuteu fand am 23. und 24. Juni in Göttingen statt. Die Theilnahme von Marburg und Gießen war eine besonders große- auch einige Damen hatten die Fahrt mit unternommen. Am Sonnabend den 23. fand Abends von 9 Uhr ab eine zwanglose Zusammenkunft in dem großen Garten des Stadtpark-Etablissements statt. Der Sonntag wurde von einer Anzahl der Teilnehmer mit einem Ausflug nach dem Bismarckthurme begonnen, der bei dem trüben Wetter freilich kein hervorragendes Aussichlsbild bot. Andere Gäste zogen es vor, die Stadt und das eine ober das andere der Universitätsinstitute zu besichtigen. Namentlich die Universitätsbibliothek bot Manchem ein interessames Ziel. Wird sie doch an Größe der Räumlichkeiten wie des Bücher- schatzeS von keiner anderen in Deutschland erreicht. Sie bildet einen völligen Gebäudecomplex für sich- selbst eine frühere Kirche die Paulinerkirche ist in sie einbezvgen. Der Director- ber Bibliothek hatte dafür gesorgt, daß eine Reihe von Raritäten den Gästen vorgezeigt wurde darunter ein in Menschenhaut gebundenes Buch und übernahm selbst in liebenswürdiger Weise deren Erläuterung. Um I N/^UHr versammelten sich alle Theilnehmer zu einem Früh­stück in der hübsch becorirten Rathhaushalle, bie von ber Stadtvertretmig zu diesem Zweck bereitwilligst zur Verfügung gestellt war, und wurden hier im Namen der Stadt seitens des Bürgermeisters begrüßt, der in seiner Rede besonders den Zusammenhalt zwischen Bürgerschaft und Universität betonte. Der Rector ber Universität Gießen erwiderte Namens der Versammelten, während bei dem später in der Union" stattfindenden Mittagessen, mit dem die Zusammen? kunst schloß, der Rector der Marburger Hochschule dem tief­empfundenen Danke der Gäste für die liebenswürdige Auf- i nähme seitens ber Göttinger Collegen Ausdruck gab.

* * Krieger-Kameradschaft Hasfia. Die Vereine, welche . am Einzugstage des hohen Großherzoglichen neuvermählten ; Paares sich an der Spalierbildung mit ihren Fahnen betheiligt \ haben, wollen sich bei Gerichtsvollzieher Engel in Darmstadt anmelben, da derselbe seilens des Empfangscomites mit ber j Vertheilung ber Fahnenschleifen betraut ist. In den i Lanbesverband ist nach Erfüllung der satzungsmäßigen Pflichten : der Kriegerverein Bersrod mit 26 Mitgliedern ausge­nommen und dem Bezirk Gießen zugetheilt worden. Nach

Cocaks provinzielle»

Gießen, den 26. Juni 1894.

** Kreisausschuß Sitzung. Samstag den 30. Juni

I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungs-

der neuesten Beitragsliste find für das Khffhäuser-Denkmat bis jetzt 629 085 Mk. 22 Pfennig eingegangen.

* * Zu Amerika verstorbene Hessen. Albany, N. A.: Maria Lins, verwittwete Nichols, 71 Jahre alt, aus Langd, Oberheffen. Belleville, Jll.: Georg H. E. Pfuhl, 49 Jahre alt, auS Butzbach. Trenton, N. I.: Georg Kleinkauf, 66 Jahre alt, aus Bechtheim bei Worms.

* * Schuldienst - Nachrichten. Am 12. Mai wurde dem Schullehrer Johann Wilhelm Mohr zu Okarben eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober - Eschbach, am 16. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Martin Ger­hard aus Ober-Mörlen eine Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Herbstein, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Carl Krauß aus Schöneberg eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hühnlein, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Hofmann aus Grünberg die Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Reinhardshain übertragen- am 22. Mai wurde der von dem Kreisrath zu Offenbach, sowie dem katholischen Pfarrer und dem Ortsvorstand zu Seligenstadt auf die erste Lehrerstelle an der kathol. Schule zu Seligenstadt präsentirte Schulverwalter Heinrich Rehling zu Froschhausen für diese Stelle bestätigt- an demselben Tage wurde dem Schul­lehrer Jacob Flath zu Vielbrunn die Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zu Haifterbach, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Ludwig Kolb zu Waschenbach eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Dietzenbach, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Ludwig Keilmann aus Gernsheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hamhausen, am 2. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Kitz aus Holzhausen v. d. H. eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Geiß-Nidda übertragen- an dem­selben Tage wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach- Fürstenau auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiten - Gesäß präsentirte Schulamtsaspirant Heinrich Müller aus Bingenheim für diese Stelle bestätigt- am 7. Juni wurde dem Schullehrer Carl Kopp zu Ober-Beer- bach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Egelsbach, am 8. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Carl Bopp aus Leidhecken eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nidda, am 12. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Adolf Backes zu Ober-Eschbach eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Gießen, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Quick aus Bessungen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober Mumbach, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Carl Krauß zu Babenhausen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kostheim, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Johann Heinrich Schäfer zu Kostheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Babenhausen, am 14. Juni wurde der Schulamtsaspiraniin Elisabeth Friedrich aus Darm­stadt eine Lehrerinnenstelle an ber Gemeinbeschule zu Bad Nauheim, an bemselben Tage wurde dem Schullehrer August Feuerbach zu Gießen eine Lehrerstelle an der Ge- meinbeschule zu Bad-Nauheim übertragen.

* * Von hessischen Behörden werden steckbriestich verfolgt: Musiker Johann Ducka aus Ober Roden, zuletzt in Rimbach, vom Amtsgericht Wald-Michelbach wegen Strafvollzugs- Fabrikarbeiter Conrad Eckstein aus Elsa, zuletzt in Fulda, vom Amtsgericht Alsfeld wegen Betrugs - Taglöhner Ludwig Lösch aus Mölsheim von der Stastsanwaltschaft in Mainz wegen Diebstahls und Körperverletzung- Bäcker Karl Mathias aus Sippensfeld, zuletzt in Partenheim, vom Amtsanwalt in Bingen wegen Diebstahls - Elise Weber aus Stuttgart von der Staatsanwaltschaft in Mainz unter dem Verdachte eines dort verübten Broschendiebstahls - Handelsmann Isaac Winter aus Mommenheim vom Amtsgericht Alzey wegen Strafvollzugs- Taglöhner Jakob Winkler aus Neckarau vom Amtsgericht Oppenheim wegen Beleidigung. Der 17jähnge Daniel Daus, welcher der Zwangserziehung überwiesen und entwichen ist, soll im Betretungssalle dem Kreisamt Offenbach zugeführt werden.

* * Dreizehnte Wanderversammlung und Fach Ausstellung des deutschen TapeziererBuudes. Am 29., 30., 31. Juli und 1. August d. I. wird in Berlin, in den prachtvollen Sälen derConcordia", die dreizehnte Wander Versammlung des deutschen Tapezierer - Bundes abgehalten. Gelegentlich derselben wird ebendaselbst auch eine Fach - Ausstellung von Ganz- und Halbfabrikaten, Maschinen und Geräthen der Tapezierer-, Decorateur-, und Polsterer Gewerbe stattfinden. Die Anmeldungen zu dieser Ausstellung laufen überaus zahl­reich ein, so daß dieselbe ihre Vorgänger zu übertreffen ver­spricht. Uebrigens gedenkt die Jury der Ausstellung hervor­ragende Leistungen durch Diplome auszuzeichnen. Interes­senten erhalten Ausstellungsbedingungen u. s. w. auf Wunsch von dem Redacteur der Deutschen Tapezierer - Zeitung, Herrn R. Schoch in Berlin, Kaiserstr. Nr. 41, kostenfrei zugesandt.

* * Gerichtsentscheidung. Ein Fabrikant streifte, als er einen Bahnhof verlassen wollte, einen Laternenpfahl- aus demselben ragte ordnungswidrig ein Nagel hervor, an ihm blieb der Ueberzieher des Fabrikanten hängen und erhielt einen Riß. Der Fabrikant verlangte vom Betriebsamt eine Entschädigung von 45 Mark, ermäßigte seine Forderung, als das Amt die Berechtigung derselben nicht anerkannte, auf 22 Mark und erhielt dann die Antwort, daß das Amt ihm höchstens 6 Mark bewilligen würde, um den Schaden aus­bessern zu lassen. Hierauf erwiderte er, er sei nicht gewohnt, geflickte Kleidungsstücke zu tragen; wenn das Betriebsam! nicht die 22 Mark bewilligen wolle, so werde er sich an den Eisenbahnminister wenden und die Sache der Oeffentlich- keit übergeben. Hierin erblickte das Betriebsamt eine Nöthigung im Sinne des § 114 des Strafgesetzbuchs, und eine Berliner Strafkammer hat sich dieser Auffassung ange­schlossen und den Fabrikanten zu einem Tage Gefängniß > verurtheilt. Die angerufene Entscheidung des Reichsgerichts ! steht noch aus.