enthaltene Mahnung an die polnischen Mitbürger nicht vorbereitet. Der Kaiser habe aus eigenster Initiative das Wort für die Hochhaltung des Deutschthums ergriffen. Unter der hiesigen polnischen Bevölkerung herrscht über die Rede des Kaisers große Aufregung. Die „Gazeta Torunska" meint, der Kaiser muffe über das Verhalten der polnischen Bevölkerung falsch informirt sein- Niemand besitze daS Recht, zu behaupten, die polnischen Mitbürger betrachteten sich nicht als preußische Unterthanen. Wenn der Kaiser wahrheitsgemäße Informationen erhalte, dürften die Polen der Kaiserlichen Gnade sicher sein.
Eisenach, 24. September. Der Parteitag der frei- sinnigen Volkspartei nahm, nachdem das Programm in seinen einzelnen Theilen genehmigt war, das gesammte Programm einstimmig an, ebenso die Resolution gegen Einschränkung der freien Meinungsäußerung.
Karlsruhe, 24. September. Die dritte Hauptversammlung des Verbandes deutscher Gewerbe- Verein e wurde heute von dem Vorsitzenden Berghausen-Kölu eröffnet. Anwesend sind ca. 120 Teilnehmer aus ganz Deutschland. Der Verband schweizerischer Gewerbevereine bat zwei Vertreter entsandt, die Regierungen von Baden, Württemberg und Hessen je einen Vertreter. Der Vertreter der badischen Regierung, Ministerialrath Braun, betonte in seiner Begrüßungsansprache, die badische Regierung habe stets die Ansicht gehabt, daß dem Gewerbe aufgeholfen werden Esse, so gut es ginge, wenn es auch jetzt vielfach eine andere Gestalt angenommen habe gegen früher. Der Verbandstag sprach sich im Princip für die Ausdehnung der Unfallversicherung auf das Handwerk aus und brachte ferner in Anregung, die Unfallversicherung auf die kleinen Gewerbetreibenden auszudehnen.
Rom, 24. September. Bei dem gestrigen internationalen Radrennen wurde der Amerikaner Banker Erster, der Italiener Pontecchi Zweiter und August Lehr- Frankfurt a. M. Dritter.
Paris, 24. September. Der socialisttsche Gemeinderath von Roubaix hat beschloffen, für alle städtischen Arbeiter und Angestellten eine Maximal-Arbeitszeit von acht Stunden ohne Lohnverminderung festzustellen.
Paris, 24. September. Unter dem Titel „Deutsche Spionage in Frankreich" veröffentlicht das Boulevardblatt „Patrie" einen gehässigen Artikel gegen die Art und Weise, wie die elsässische Polizeibehörde diejenigen Elsässer, I welche Verwandte in Frankreich besuchen, ausspionirt und j ihnen bei ihrer Rückkunft die größten Schwierigkeiten bereitet. Das Blatt citirt drei Fälle, woraus hervorgehen soll, daß deutsche Spione in Frankreich beauftragt find, Begegnungen von Elsässern und Franzosen zu überwachen und darüber zu berichten.
Paris, 24. September. Bei der gestrigen Stichwahl in Nogent (zum Ersatz für Casimir Perier) siegte der Radikale Bachemont mit 4986 Stimmen gegen den gemäßigten Republikaner Robert, welcher 4582 Stimmen erhielt. Die Niederlage des von Casimir Perier empfohlenen Candi- daten Robert hatte einen peinlichen Eindruck gemacht. Die Erregung war gestern Abend so groß, daß die Truppen in den Kasernen bereit gehalten wurden.
Madrid, 24. September. Auf der Station Moncada stießen gestern zwei Personenzüge zusammen, wovon einer dicht mit Pilgern zum Muttergottesfest in Barcelona besetzt war. Vierzig Personen wurden getödtet und verwundet.
Loudon, 24. September. 5 000 russische Soldaten befinden sich auf dem Marsche nach dem Norden von Korea, angeblich um 2000 entwichene Sträflinge, welche bei dem Bau der sibirischen Eisenbahn beschäftigt waren, zu verfolgen.
Loudon, 24. September. Wie aus Kairo gemeldet wird, verlautet dort, daß Oberst Colville Befehl erhalten babe, die noch übriggebltebenen Truppen Emin Paschas zu sammeln und mit denselben nach der Mündung des Bhar-el- Gazalflusses an den Nil zu marschtren. Man sieht diesen Befehl als den Ausgangspunkt einer 'englisch-italienisch en Expedition an, die von Suaktm und Kassala ausgehen und Khartum zum Ziele haben soll.
Rewyork, 24. September. Der Wirbelsturm hat in den Städten Winola, Keonka und 12 umliegenden Dörfern sämmtliche Gebäude abgedeckt. Bisher wurden 55 Todte und über 100 Schwerverletzte aufgefunden.
Coeafc» uttt provtnrkelle»
Gießen, den 25. September 1894.
** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Freitag den 28. September 1894, Nachmittags 4 Uhr: 1. Mittheilungen. 2. Ausloosung der zur Rückzahlung kommenden Obligationen des 1893/94« Anlehens. 3. Uebersicht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben der Vorschule des Großh. Gymnasiums Gießen für 1893/94. 4. Einrichtung eines Handfertigkeitsunterrichts. 5. Fortsetzung der Wasserleitung in der Wolfstraße. 6. Gesuch des E. H. Müller um Wasseranschluß in der Göthe- straße. 7. Desgl. des Christoph Bieker in der Mühlgasse. 8. Gesuch der Bewohner in der Wetzsteingasse um Verwehrung der Laternen daselbst. 9. Verlegung eines Feldweges am Braunftetnbergwerk. 10. Den Umbau des Bahn- bofs Gießen; hier: Überlassung von städtischem Gelände zur Anlage einer provisorischen Zufahrt. 11. Den Fluthgraben bom Teufelslustgärtchen nach der Bahnhofstraße. 12. Der- kehrsverhältnisse an der Anatomie. 13 Gesuch des $or» ftanbeö des Concertvereins um Ueberlassung eines Lager- raumS. 14. Einfriedigung längs der Senckenbergstraße; hwr Anlage breiterer Thore. 15. Vornahme von Bauveränderungen im Petri'schen Hause in der Neustadt. 16. Herstellungsarbeiten in der Polizeistation am Seltertsthor. 17. Den Neubau eines Arbeits- und Gerätheschuppens auf
Oswalds Garten. 18. Eröffnung der Schottftraße- hier Entwässerung derselben. 19, Gesuch des Johann Georg Pfaff um Erlaubntß zur Herrichtung einer Einfriedigung. 20. Gesuch des Philipp Schwan um Erlaubnitz zum Bauen an der Rodheimerstraße. 21. Desgl. des Gärtners Johannes Schneider zum Bauen am Schiffenbergerweg. 22. Gesuch des Emil Pistor um Erlaubntß zur Erbauung einer Halle in der Sandgaffe.
** Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu am 25. September 1894. Heute wurden unter Vorsitz des Großherzogl. Landgerichtsraths Müller die Schwurgerichts- sitzungen für das dritte Quartal eröffnet. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Christian Sänger Wittwe von Klein-Karben wegen Kindesmords. Die Anklage vertrat der Großh. Staatsanwalt Koch, vertheidigt wurde die Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Justizrath Dr. Reatz- als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Simon Bieber, Johannes Göbel II., Heinrich Keutzer HI., Jakob Wilhelm Lemp, Johann Heinrich Ortwein, Karl Flach III., Anton Rompf VH., Karl Heil II., Hermann Reitz, Ludwig Friedrich Harth, Wilhelm Schudt und Andreas Lepper III. — Luise Sänger, Wittwe des Christian Sänger von Klein- Karben, 31 Jahre alt, steht unter der Anklage, daß sie Ende Mai 1894 zu Klein-Karben ihr uneheliches Kind gleich nach der Geburt vorsätzlich getödtet habe. — Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Am 6. Juli 1894 entdeckte der Knecht des Mtlchhändlers Jakob Heilmann zu Klein-Karben in dem Pfuhlloch seines Dtenstherrn eine Kindesleiche und zog dieselbe mittels einer Mistgabel heraus. Die Leiche war bereits stark in Verwesung übergegangen. Der Verdacht der Thäterschaft lenkte sich alsbald auf die Christian Sänger Wittwe von Klein-Karben, welche auch gestand, Ende Mat l. I. ein Kind weiblichen Geschlechts geboren und dasselbe eine Stunde nach der Geburt getödtet zu Haben. Ihre Nothlage und Beschämung gab sie als Triebfeder ihrer unseligen That an. Nachdem die Geschworenen (Obmann: Herr Wilhelm Schudt) die ihnen vorgelegte Schuldsrage sowie die Nebenfrage nach mildernden Umständen bejaht hatten, wurde die Angeklagte in eine Gefängnißstrafe von zweiundeinhalb Jahren unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft verurtheilt.
* * Wasserleitung Queckboru. Der Hochbehälter an der Ganseburg, welcher seiner Vollendung entgegengeht, ist nahezu 40 m lang und 40 m breit. Derselbe ist in zwei Kammern eingetheilt, welche durch Quermauern mit Durchgangsöffnungen verbunden sind. Jeder Behälter faßt 1500 cbm. Beide Theile sind so eingerichtet, daß der eine gefüllt und der andere zur Reinigung leer stehen bleiben kann- voraussichtlich werden jedoch größtentheils beide Kammern mit zusammen 3000 cbm Inhalt gefüllt sein. — Das ganze Bauwerk ist 4,58 m hoch; hiervon sind 2,60 m unter Erde und 1,98 m über Erde. Oben auf dem Behälter befindet sich noch ein Durchgang, 1,37 m hoch, von welchem man den Ein- und Auslauf in den Kammern regultren kann. Der Erdaushub, welcher für das ganze Bauwerk rd. 4000 cbm beträgt, bestand größten- theils aus Felsmasse, welche gesprengt werden mußte. Die ausgegrabenen Erd- und Steinmassen werden zum Bei- und Auffüllen des Hochbehälters benutzt. Auf dem Fußboden befindet sich ein 50 cm hoher Beton aus Steinschlag, Traß, Kalk ^ind Lahnkies, zusammen rd. 800 cbm. Zu dem ganzen Mauerwerk sind ca. 700000 Steine erforderlich. Dieselben werden von den Gail'schen Werken geliefert. Auch die Gewölbe sind aus solchen Steinen hergestellt. Die Außenmauern, die Böden und die Decke auf den Gewölben werden mit Cementmörtel geputzt, die Jnnenmauern ausgefugt. Das Material wird nach dem Wärterhaus Nr. 4 an der Grünbergerstraße mittelst Extrazügen Morgens zwischen 10 u. 11 Uhr und von da mittelst Fuhrwerk an die Baustelle befördert. Ebenso wird der erforderliche Sand, Traß und Cement transportirt. — Die erste Abtheilung wird voraussichtlich bis Ende dieser Woche fertig gestellt, die ganze Arbeit wahrscheinlich bis Ende October vollendet.
* * Das Jahresfest des Oberheffischen Vereius für innere Mission wird Dienstag den 30. und Mittwoch den 31. October dahier gefeiert werden. In dem am Dienstag stattfindenden Festgottesdienste wird, wie der „Darmst. Ztg." von hier gemeldet wird, ein alter Gießener, Herr Pastor Simon aus Bielefeld, predigen. Die Verhandlungen des folgenden Tages werden sich mit der wichtigen Frage: „Die Gefahren des modernen Lebens für die Kindererzieknng" beschäftigen. Die Referate dafür haben Herr Professor Stamm hier und Herr Pfarrer Schuster in Glauberg übernommen.
* * Kaiserbesuch in Darmstadt. Die „N. H. Volksbl." melden: Wie in hiesigen Hofkreisen verlautet, wird Seine Majestät der Kaiser voraussichtlich Mitte October zu mehrtägigem Besuche des Großherzoglichen Hofes in Darmstadt eintreffen, zu welcher Zeit der Großfürft-Thronfolger bereits hier anwesend sein dürfte. Zu Ehren des Kaisers werden jedenfalls Hofjagden und eine Festvorstellung im Hoftheater veranstaltet und soll für diesen Fall „Aida" in Aussicht genommen sein.
* * Ministerialrath Dr. Dittmar, bis 1887 Rechtsanwalt in Gieren, ist mch einer der „Franks. Ztg." aus Darmstadt zugegangenen Meldung infolge Nierenleidens gezwungen, in den Ruhestand zu treten. Herr Dittmar, welcher als einer der besten Juristen Hessens gilt, ist Mitglied der Commission für das bürgerliche Gesetzbuch.
* * Freiw. Gail'sche Feuerwehr. Gestern Abend fand auf Oswalds Garten die Schlußübung der Freiwilligen Gail'schen Feuerwehr statt. Es beginnen nunmehr vom nächsten Montag ab die sogen. Montags-Versammlungen, in welchen mehr die Geselligkeit im Corps gepflegt wird.
* * Vom Wagen gefallen. Als gestern ein hiesiges Last' fuhrwerk die Westanlage pasfirte, stürzte der Leiter desselben ' herunter, ohne glücklicher Weise besonderen Schaden zu ■ nehmen.
| ** Falsche Zweimarkstücke sollen gegenwärtig in ver^
schiedeuen Orten ctrculiren. Die aus einer Bleicomposition bestehenden Falfificate find sehr schlecht und leicht von den ächten zu unterscheiden. Die Verbreiter haben dieselben hauptsächlich in Wirthschafren und Detailgeschäften in Verkehr gebracht, in welchen junge, unerfahrene Leute bedienstet.
* Die Bahnsteigsperre tritt am 1. October auch auf der Station Wetzlar in Kraft und wird vom genannten Tage an die Prüfung, Durchlochung und Abnahme der Fahrtausweise an die Ein- und Ausgänge genannter Station verlegt, so daß in den Zügen selbst nur eine sogen. Nachprüfung stattfindet.
* * Ein Lehreriuuen-Turucnrsus wird in diesem Jahre (wahrscheinlich im October) in Darmstadt abgehalten.
** Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evaugel. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ltch, Kreis Gießen, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000 bis 1600 Mk. Dem Herrn Fürsten zu Solms-Lich steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Burkhards, Kr. Schotten, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober - Seibertenrod, Kr. Schotten, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- und Lectorendienft verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Zell, Kr. Alsfeld, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienst verbunden.
** Erledigte Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armeecorps. Frankfurt a. M., Kaiserl. Postamt, Postschaffner, 900 Mk. Gehalt und 240 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Freienwohl (Kreis Arnsberg), Amtsverwaltung, Amtssecretär, 1050 Mk. Hanau, Garnison-Bauamt I, Baubote, 2 Mk. 50 Pfg. täglich. Kaiserl. Ober-Postdirection in Frankfurt (Main), zwei Postschaffner, je 900 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Daselbst, drei Packetträger, bezw. Stadtpoftboten, je 700 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Daselbst, zwei Landbriefträger, je 650 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Nassau, Stadtgemeinde, Traubenschütze, täglich 2 Mk. Untermaßfeld bei Meiningen, Direction des Männer- Zuchthauses, Aufseher, 1000 Mk. jährlich neben freier Dienstkleidung. Ziegenhain (Regierungsbezirk Caffel), Königliche Strafanstalt, Aufseher, 75 Mk. Remuneration und 10 Mk. Miethsentschädigung monatlich. — Im Bezirk der Großh. Heff. (25.) Division. Butzbach, Großh. Ober-Staatsanwalt- schaft Darmstadt, Gefangenwärter an der Zellen-Strafanstalt, eine baare Remuneration von 1100 Mk. jährlich, freie Wohnung und Garten, event. Wohnungsvergütung. Gemarkung Wolfskehlen, Specialdlrection der Hess. LudwigSbahn zu Mainz, Bahnwärter, 640 Mk. Gehalt und ca. 13 Mk. Vergütung für Nachtdienst.
”* Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Händler Josef Amstutz aus Engelberg in der Schweiz vom Amtsgericht Worms wegen Betrugs- die Dienstmagd Agnes Steg wann aus Grünworsbach, zuletzt in Klein-Auheim, von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt- Monteur Albert Bialas aus Kupp, Regierungsbezirk Oppeln, zuletzt in Würzburg, vom Amtsgericht Worms- die ledige Elise Appel von Busenborn vom Amtsgericht Lich, die drei letztgenannten wegen Strafvollzugs- Gärtner Heinrich Frank aus Neu- Isenburg vom Amtsanwalt in Gießen wegen Diebstahls- Maurergeselle Ludwig Keim aus Weisenau von der Staats- anwaltschaft in Mainz wegen Körperverletzung- Dienstknecht Wilhelm Noll aus Elsheim, zuletzt in Hechtsheim, vom Schöffengericht Mainz- Kellner Max Reg en scheid aus Constanz vom Amtsanwalt in Mainz, wegen Diebstahls und Unterschlagung- die Dirne Elisabeth Schäfer, geb. Berg, mann, aus Udenhain bei Gelnhausen von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Diebstahls- Taglöhner Jacob Schmidt aus Rimbach t. £). von derselben Behörde wegen Körperverletzung- Dienstknecht Christian Funk aus Tübingen, zuletzt in Neckarsulm, und Viehtreiber Kaspar Christ aus Castel vom Amtsgericht Mainz wegen Strafvollzugs.
** Die JuvalidilätS- und Altersverficherungsanstalt für das Großherzogthum Hessen vereinnahmte im Rechnungsjahre 1893 3,323,196.44 Mark, die Ausgaben betrugen 1,933,516.94 Mk. Von den verbleibenden 1,389,679 50 Mk. werden 1,379,187.60 Mk. verzinslich angelegt.
** Die Bevölkerung des Deutschen Reiches beträgt gegenwärtig 51,500,000 Seelen. Das soeben erschienene „Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich", herausgegeben im Reichsstatistischen Amt 1894, berechnet die Bevölkerung des heutigen Reichsgebietes seit 1816 wie folgt: 1816 14,833,000 Seelen, 1820 26,294,000 Seelen, 1830 29.250,000 Seelen, 1840 32,787,000 Seelen, 1850 35,397,000 Seelen, 1860 37,740,000 Seelen, 1870 40,818,000 Seelen, 1875 42,729,000 Seelen, 1890 49,428,000 Seelen. Im Jahre 1890 war die letzte Volkszählung und da sich unsere Retchsbevölkerung alljährlich um etwa 500,000 Seelen vermehrt, ist ihr gegenwärtiger Stand rund 51,500,000 Seelen.
** * Lich, 24. September. Mitie October wird der Erbprinz von Ltch sich mit einer Prinzessin Stolberg- Wernigerode, Tochter des ehemaligen Vicekanzlers, vermählen und dann seinen Wohnsitz im Schlosse hier nehmen.
§ Ruppertenrod, 24. September. In der Nacht vom letzten Samstag auf den Sonntag zog ein starkes Gewitter über unsere Gemarkung- es blitzte und donnerte mehrmals heftig, gewiß um diese Zeit eine seltene Erscheinung. Dem Gewitter ist leider wieder ein Umschlag der Witterung gefolgt und wiederum Regen eingetreten. Dadurch ist die Kornsaat, die in vollem Umfange begonnen, wieder unter-


