1894
Mittwoch dm 26 September
Amts- und Anzeigeblatt für den Urcis Gieren.
Hralisöeitage: chießener Jamitienölatter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.
Liertelfähriger Aöo»neme«tsprei«r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mar! 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kchntstratze Ar.7.
Fernsprecher 51.
Arr-land.
Paris, 23. Septbr. General Negrier soll an Stelle des aus dem activen Heeresdienste ausgeschiedenen Generals Gallifet zum künftigen Führer des französischen Heeres im Kriegsfälle bestimmt sein.
Paris, 22. September. Der Ausschuß, der die Stiftung eines Hochzeitsgeschenkes für den Zarewitsch veranlasien will, hat sich endgültig gebildet. Präsident ist General Rabillot, Bicepräfident Graf Billers, viele Senatoren, Deputierte und Gemeinderäthe sind beigetreten. Die Pariser und Prooinzialbanken nehmen Beiträge entgegen.
Petersburg, 23. September. Der l e i d e n d e Z u st a n d des Kaiser Alexanders veranlaßt in Petersburger Hofkreisen große Beunruhigung. Die Reise des Czaren von Spala nach der Krim ist wegen des bedenklichen Besindens verschoben worden, überhaupt kann von einer baldigen Wieder-
Nr. 225 ErAcs Blatt
Deutscher Reich.
Berlin, 23. September. Die Verhandlung gegen den Kanzler Leist vor der Disciplinarkammer in Potsdam wegen der bekannten Kameruner Vorgänge wird aus Gründen der Sittlichkeit und des StaatsinteresfeS unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden. Gegen den Asieffor Wehlau wird' nicht verhandelt, weil er die Entlassung aus dem Reichsdienst unter dem Verzicht auf alle Rechte erhalten hat.
Abonnements^Einla-ung |
Zum Bezug des „Giehener Anzeiger" für das 4. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebens! , em. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Lausenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhesscn bettiebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- wctthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Ersahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Em gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar- ttkeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten UnterhalMngsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als UnterhalMngsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärttge Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen, Neuhinzuttetcnde erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. October den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postftei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbettag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger"
Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch).
Wien, 24. September. Die Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte wurde gestern durch einen Begrüßungsabend im Kursalon unter Theünahme von ca. 1000 Congreßmitgliedern und In Anwesenheit zahlreicher Wiener Gelehrten eröffnet. Nachmittags gab Professor Suß zu Ehren des Vorstandes der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte ein Diner, dem der Unterrichtsminister, der Statthalter und der Bürgermeister beiwohnten.
Rom, 24. September. Nach einer Meldung der „Ag. Stefani" aus Rio de Janeiro sind auf energisches Einschreiten der italienischen Gesandtschaft mehrere unter der Anschuldigung politischer Vergehen im Staatsgesängnisse gehaltenen Italiener in Freiheit gesetzt worden und man hofft, daß demnächst alle wegen des Verdachts politischer Vergehen verhafteten Italiener aus dem Gefängniffe entlassen werden. , . .
London, 24. September. Aus Yokohama wird gemeldet, daß das japanische P a r l a m e n t zum 15. October nach Hiroshima zu einer außerordentlichen siebentägigen Session zusammenberufen sei- es lägen wichtige Angelegenheiten vor, die die Sanction der legislativen Körperschaften er- f0* Athen, 24. September. Gestern früh wurden in Patras und Zante Erderschütterungen verspürt.
Shanghai, 24. September. (Meldung des Bureau Reuter.) Nachrichten aus Tientsin zufolge landeten während der Schlacht am Yalu 7000 Mann chinesische Truppen auf Korea. Als auf den chinesischen Schiffen Munittons- mangel eintrat, befahl Hauptmann Hanneken den Gebrauch des Sporns, worauf die Japaner sich zurückzogen.
Victoria (Britisch-Columbia), 23. September. Ein von China und Japan hier eingetroffener Dampfer meldet: Japan ist entschlossen, des Chinesen die Friedens- bedingungen in Mukden oder Peking zu drktiren, während China auf das Klima bauend, den Japanern in Korea ein Moskau zu bereiten gedenkt. Der Kaiser von China soll in Mukden einen Schatz im Werthe von 1200 Millionen Dollars besitzen. Mukden, wohin große Truppenverstärkungen gesandt werden, wird befestigt. Die Zeitungen in Tokio theilten mit, das Li Hung Tsang neuerdings den Vorschlag des englischen und russischen Gesandten auf Ab- schließung eines Waffenstillstandes und Einleitung von Frte- densverhandlungen, angenommen, Japan aber abgelehnt habe, den Vorschlag in Erwägung zu ziehen.
Deveschen deS Bure« .fceicW-.
Berlin, 24. September. Der Kaiser hat mit feiner Vertretung bei der am 31. October, Vormittags 11 Uhr, statlfindenden Enthüllung des vor der Schloßkirche in Witten- berg ausgestellten Kaiser Friedrich-Denkmal« den Generaladjutanten Generallieutenant v. Winterfeldt beauftragt. Die Kaiserin Friedrich hat auf die Einladung zu der Ent- hüllung dem Denkmalscomitö ihren Dank ausgesprochen uno, da die Kaiserin an dem Tage verhindert ist, ihren späteren Besuch in bestimmte Aussicht gestellt.
Berlin, 24. September. Ans Stockholm wird der „Voss. Ztg." geschrieben: Der bisherige, kürzlich auf seinen Wunsch seines Postens enthobene Gesandte des Deut,chen Reichs hierselbsi, Graf Karl v. Wedel, hat sich nunmehr mit der Gräfin Stephanie v. Platen, geb. Hamilton verlobt. Mitte October wird sich Graf v. Wedel nach Berlin $ Berlin, 24. September. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." verläßt Reichskanzler Graf Caprivi Karlsbad am 25. September und verbringt den Rest seines Urlaubs bis Ansang October auf dem Lande.
Berlin, 24. September. Die Eröffnung des Großschifffahrtsweges durch Berlin ging heute Mtttag Jtm Beisein von Vertretern der königlichen und städtischen Behörden vor sich. Von einer geplanten Feier mußte Abstand genommen werden, da der Kaiser gegenwärtig nicht in Berlin weilt. Nach 11 Uhr trafen der Regierungsdampfer und ein anderer kleinerer Dampfer an der Mühlendammschleuse ein. An Bord b-sanden sich u. A.: Minister Thielen mit dem Oberbau, director Wiebe, Oberbürgermeister Zelle, Regierungspräsident Graf Clairon d'Hauffonvtlle. Wie verlautet, werden nach Fertigstellung der Weidendammer Brücke Elb- und Oder- kähne mit 10 000 Centnern Ladung ihren Weg durch Berlin nehmenlkönnen. Das Schauspiel hatte eine große Zahl von Per- fönen angelockt, welche die Fischer- und Mühlendammbrücke umsäumten. Ein großes Aufgebot von Schutzleuten sorgte dafür, daß die Leute immer in Bewegung blieben.
Thorn, 24. September. Nach der Aussage eines hoch- gestellten Beamten war die in der Rede des Kaisers
Gießener Anzeig er
Kmeral-Mzeiger.
Der -iehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener A»««ilieuvlLt1er werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt.
abreise des Herrschers von seinem augenblicklichen Aufenthalts- I orte keine Rede sein. I
— In Bulgarien find am Sonntag die Neuwahlen zur Sobranje vollzogen worden. Soweit sich die betreffenden Nachrichten übersehen laffen, schemt der Wahlact in der Hauptstadt Sofia wie in der Provinz ruhig verlaufen zu sein- freilich kann in dieser Beziehung der hinkende Bote immer noch Nachkommen. Als selbstverständlich darf es wohl gelten, daß in der neuen Volksvertretung Bulgariens die sogenannte Nationalpartei, die bulgarische Regierungspartei, die Oberhand besitzen wird, denn das Ministerium Stoiloff dürfte nichts versäumt haben, um fich eine genügende Mehrheit in der soeben gewählten Sobranje zu sichern. In Sofia selbst candidirten u. A. die Minister Stoiloff, Radoslawoff, Tontscheff und Geschoff, die natürlich wohl sämmtlich gewählt worden sind. „ ' , rnr,
— Da§ Briganrenthum blüht auf dem classischen Boden Griechenlands üppiger denn je, wie der bekannte Vorfall mit der Bande Papakyritzopulo erst neuerdings wiederum bekundete. Freilich sind die fortwährenden Begebenheiten in dieser Richtung in Griechenland auch nur dadurch möglich, daß das Landvolk mit den Räubern vielfach unter einer Decke steckt und ihnen allen erdenklichen Vorschub leistet Ja, die Beziehungen des Räuberthums reichen bis in die Kreise des Parlaments und des Gerichts selbst hinein- stand doch unlängst ein Mirglied der Deputirten- kammer vor dem Lariffaer Criminalgericht unter der durch Zeugenaussagen erhärteten Anklage, an einem Kirchenraube theilgenommen zu haben — und der ehrenwerthe Deputirte wurde sreigesprochen!
— Die japanische Regierung soll entschlossen sein, den Krieg gegen China trotz der anhebenden winterlichen Jahreszeit mit aller Energie weiterzuführen. 80,000 Mann frischer Truppen werden unverzüglich aus Japan nach dem Kriegsschauplätze abgehen, es ist zwar noch unbekannt, wo dieselben Verwendung finden sollen, vermuthlich sind sie aber zu einem großen Handstreich bestimmt. Der Mikado gedenkt, den größten Theil der Verstärkungen in Htroshina zu besichtigen. Die Transportmittel zur Beförderung der Truppen werden schon bereitgestellt- die japanischen Behörden haben von dem gesammten Eisenbahnnetz Besitze ergriffen. Die Begeisterung der japanischen Bevölkerung ist eine ungeheuere.___________________
Nerieste Nachrichten»
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 24. September. Der „ReichSanzeiger" macht bekannt, daß in den Staaten Belgien, Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Niederlande, Oesterreich-Ungarn, Rumänien, Rußland, Schweden Norwegen, Schweiz, Serbien, Venezuela und den Vereinigten Staaten von Amerika die deutschen Waarenbezeichnungen in gleichem Umfange wie die inländischen zum gesetzlichen Schutz zugelassen sind.
Berlin, 24. September. Reichstagsabgeordneter Paasche erklärt tn der „Nat.-lib. Corr." die Meldung, er beabsichtige sein akademisches Lehramt niederzulegen, als durchaus unbegründet. „ t _
Kiel 24. September. Bei der Enthüllung der Ge- dächtnißtafel für die beij der „Brandenburg"- Katastrophe Getödteten sprach Prinz Heinrich folgende Worte: „Kameraden! Ein ernster, aber auch zugleich ein freudiger Augenblick ist für uns gekommen- ernst, denn er erinnert an den Tod so vieler braver Leute, erfreulich, weil er uns zeigt, wie Se. Majestät, unser allergnädigster Kriegsherr, für seine Marine sorgt und ihre Lebensthätigkeit bis in die genauesten Einzelheiten kennt und gewiffenhaste Pflichttreue zu loben weiß. Ich will hier ausdrücklich die Worte nr. Majestät des Kaisers wiederholen, welche er unmittelbar nach jenem Unglücksfalle auf der „Brandenburg" ausgesprochen hat: „Ich halte dafür, daß die Männer auf der „Brandenburg nicht gestorben sind, sondern auf dem Felde der Ehre den Heldentod gefunden haben." Es möge denn diese Denktafel, welche Se. Majestät der Kaiser, unser allergnädigster Kriegsherr, dem Andenken der auf der „Brandenburg" verunglückten pflichttreuen Männer gewidmet hat, eine Mahnung für alle Zeiten sein zu unentwegter Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue in allerhöchstem Dienste. Im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers und Königs übergebe ich nunmehr die von ihm allergnädigst gestiftete Denktafel der Kirche."
BreSlau, 24. September. Nach einer amtlichen Meldung des Regierungspräsidenten fuhren im Waldenburger Ausstandsgebiet bis auf einen kleinen Theil sammtliche Arbeiter wieder ein. Der Ausstand ist daher beendet.


