-r. Gießener Roder-Gesellschaft. Die günstige Witterung der letzten Wochen hat auch in der hiesigen Rudergesellschaft neues Leben hervorgerufen. Schon seit längerer Zeit sieht man allabendlich bei einem Spaziergange der Lahn entlang Mannschaften in rastlosem Eifer sich wieder der den Winter über zur Ruhe gekommenen Uebung im Rudern hingeben, gilt es doch auch besonders wieder in diesem Jahre auf der Lahn die Flagge siegreich zu Vertheidigen und dem schönen Sporte in edlem Wettkampf zu huldigen. Die Zahl der Boote hat sich um ein prächtiges Gig vergrößert, welches in Frankfurt a. M. von der Firma F. A. Leux erbaut, eine Zierde des Materials der Gesellschaft bildet. Die zahlreichen jugendlichen Mitglieder haben jetzt vermehrte Gelegenheit, den schönen Sport zu treiben, und dürfte das stete Bemühen des Vorstandes nach dieser Richtung hin wohl geeignet sein, der Gesellschaft weitere Kräfte zuzuführen, zumal das Rudern eine außerordentlich gesunde und den Körper kräftigende Bewegung ist. Die Gießener Herb st »Regatta findet am 22. Juli statt, und wird allem Anscheine nach die Betheiligung auswärtiger Vereine auch in diesem Jahre wieder eine rege werden, nachdem die seither veranstalteten Regatten eine sehr günstige Beurtheilung in sportlichen Kreisen gefunden haben. ! Was die einzelnen Mannschaften betrifft, so machen die Anfänger recht erfreuliche Fortschritte und weisen für die kurze Zeit ihrer Zusammenarbeit bei außerordentlich regem Eifer schon ganz befriedigende Leistungen auf. Die im vergangenen Jahre zusammengesetzte Juniormannschaft, der es infolge mißlich wirkender Zwischenfälle noch nicht gelungen, den Sieg an die Fahne zu heften, hat jetzt auch mit den Uebungen ganz ernstlich begonnen und dürfte es derselben, soweit wir die Leistungen bis jetzt beurtheilen können, in dieser Saison beschteden sein, besonders günstig abzuschneiden. Auf die Resultate der Seniormannschaft, welche sich in den beiden vorangegangenen Jahren als wirklich hervorragende gezeigt, sind wir besonders gespannt,- dieselbe wird sich in ihrer alten Zusammensetzung in den ersten Tagen wieder zusammenfinden, um die regelmäßigen Uebungsfahrten zu beginnen. Der bekannte Skuller der Gesellschaft, Herr Albert Rübsamen, befindet sich bereits seit Kurzem im Training und wird, wie in den ver» gangenen Jahren, so auch diesmal wieder die Flagge der Gesellschaft auf den auswärtigen Regatten hochhalten.
** Tafelw'äsche des Corps Teutonia. Der bereits erwähnten Ausstellung des Pracht-Tafelservices für das Eorps Teutonia stellt sich eine weitere Ausstellung von feinster Bielefelder Tafelwäsche mit eingewebten Zirkeln für daffelbe Corps würdig zur Seite. Die Wäsche ist von der Firma C. Röhr u. Co. bezogen und in der Neuenbäue im alten Ricker'schen Hause in geschmackvoller Weise ausgestellt- der Anblick wird namentlich unsere verehrten Leserinnen erfreuen.
** Unfall. Bei der Renovirung der Wartesäle im hiesigen Bahnhofe ereignete sich vorgestern ein Unfall. Ein Maler aus Marburg befand sich auf einem Gerüst, mit Bemalen der Decke beschäftigt, als die noch neue, aber schadhafte Diele, worauf er stand, brach und er herunterftürzte. Der Maler hat hierbei innere Verletzungen erlitten.
** Verletzung. Gestern Nachmittag wollte ein Arbeiter in der oberen Ludwigstraße einen schwer beladenen Wagen auf abschüssiger Stelle etwas vorwärts bewegen, begab sich an die Deichsel und drückte hin und her. Der Wagen kam ins Rollen, der Arbeiter fiel um, es ging ihm das Vorderrad über ein Bein und quetschte es erheblich. Hinzueilende Arbeiter brachten den Wagen noch zur rechten Zeit zum Stehen, sonst wäre dem Mann das Hinterrad über den Kopf gegangen. Als der Wagen stand, lag der Mann mit dem Kopf vor dem Rad.
** Am Liudeuplatz fuhr gestern ein Kutscher einen Gemüsestand um und flogen Kirschen und Gemüse auf das Straßenpflaster. Der Kutscher soll an der fraglichen Stelle die nöthige Vorsicht außer Acht gelaffen haben und muß nun für den entstandenen Schaden aufkommen.
** Wegen Diebstahls im Rücksalle wurde eine Dienstmagd aus Heuchelheim verhaftet.
** Denkmal für Großherzog Ludwig IV. Es wird vielfach die Frage aufgeworfen, warum man gar nichts mehr über die Vorarbeiten zur Errichtung eines Denkmals für Großherzog Ludwig IV. hört? Nachdem die Stände eine hohe Summe für das Denkmal Sr. König!. Hoheit dem Großherzog Ernst Ludwig zur Verfügung gestellt und die allgemeinen Sammlungen im Lande eine stattliche Summe ergeben haben, dürften die Mittel für ein würdiges Denkmal jetzt vorhanden sein und steht zu hoffen, daß nunmehr eifrig an die Lösung der Aufgabe herangetreten wird. Freilich wird dabei zuerst die Platzfrage zu entscheiden sein.
** Wichtig für Mannschaften des Beurlaubtenstaudes. Noch immer sind sich vielfach die Angehörigen von zu Frie- denSübungen eingezogenen Mannschaften des Beurlaubtenstandes nicht völlig klar über die ihnen zustehenden Unterstützungsansprüche. Wir machen deshalb, so schreibt die „Darmst. Ztg.", darauf aufmerksam, daß zwar nur Ehefrauen und Kinder unter 15 Jahren einen unbedingten Anspruch auf Unterstützung haben, daß jedoch auch Kinder über 15 Jahre, sowie Verwandte in aufstetgender Linie und Geschwister der Einberusenen in dem Falle unterstützungsberechtigt sind, wenn sie von dem Letzteren vor dem Dienstantritt schon unterhalten wurden, oder wenn ein Unterstützungs- bedürfniß nach erfolgtem Dienstantritt entsteht. Unter den gleichen Voraussetzungen kann den Verwandten der Ehefrau in aufsteigender Linie und ihren Kindern aus früherer Ehe eine Unterstützung gewährt werden. Alle Ansprüche auf Unterstützung aber erlöschen, wenn sie nicht binnen einer Woche nach Beendigung der Uebung bei den Gemeinde» behörden des Ortes angemeldet sind, an welchem die Familie, nicht der zur Uebung Einberufene, zur Zeit des Beginnens des Unterstützungsanspruches ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort hatte.
** Der Bezirkstag deS Bezirks-Bereius beider Heffen und Rafsau im Deutschen Fleischer-Verbaude findet am 29. und 30. Mai in Marburg statt. Die Tagesordnung für die Verhandlungen begreift folgende Punkte: Jahresbericht des Vorstandes. Kaffenbericht und Entlastung des Kassirers. Errichtung einer Sterbekaffe für den Bezirk (Referent: Herr Pirr-Gießen). Vortrag des Herrn Kreisthierarzt Rievel- Marburg über: „Verschiedene Methoden der Fleischconser- virung". Vervollständigung des Verzeichnisies der Verbands- Innungen vurch Anfügung eines Verzeichnisses der z. Z. bestehenden Schlachthäuser und Kühl-Anlagen. Referat über: „Wie ist dem schlechten Einfluß, welchem unsere Gesellen heutzutage ausgesetzt find, entgegenzuwirken?" Abänderung des § 7 des Verbandsstatuts. Ergänzungswahl des Vorstandes. Sonstige Angelegenheiten. An dem Bezirksvereine sind be- theiligt die Fleischer-Innungen der nachfolgenden 20 Städte: Cassel, Coblenz, Darmstadt, Eschwege, Frankfurt a. M., Fritzlar, Gießen, Hanau, Hersfeld, Hofgeismar, Kreuznach, Mainz, Marburg, Neuwied, Offenbach a. M., Eltville, Trier, Wiesbaden, Wildungen und Worms.
** Spar- und Leihkaffen-Verband. Einer Einladung des Directors des Oberhessischen Verbandes von Spar- und Leihkassen, Herrn Kammerraths Weber in Laubach folgend, versammelten sich am Montag in der Rosenau zu Frankfurt a. M. die Vertreter der Hessischen Spar- und Leihkassen, um einen „Verband von Spar- und Leihkaffen im Großherzogthum Heffen" in das Leben zu rufen. 22 Kaffen aus den drei Provinzen hatten ihre Vertreter gesandt. Die Leitung übernahm auf Wunsch der Versammlung Herr Kammerrath Weber. In längerer Rede führte er aus, wie nöthig eine solche Interessengemeinschaft für unsere Institute sei, besonders gegenüber der Thatsache, daß die Großh. Regierung die Bearbeitung eines Sparkassengesetzes schon längere Zeit betreibe und in wohlwollendster Weise dabei die Wünsche und Vorschläge des Verbandes berücksichtigt würden. Auch in Preußen sei man an diese Gesetzgebung jetzt herangetreten und sei somit Hoffnung auf ein einheitliches Vorgehen in ganz Deutschland vorhanden. Doch gebühre das Verdienst, die Sache in Angriff genommen zu haben, Hessen. Man schritt sodann zur Besprechung eines Entwurfs der Satzungen des Verbandes. Ein sehr lebhafter Austausch der Gedanken fand hierbei statt. U. A. beteiligten sich an der Discussion die Herren Westernacher, Oberamtsrichter Mickel, Bürgermeister Wolz von Seligenstadt, der Dtrector der Sparkasse Langen,»Herr Oppermann und Pfarrer Fuchs aus Arheilgen. Das Ergebntß der Besprechung soll von einem Comitö von 7 Herren redigirt und von einer weiteren Versammlung angenommen werden. In das Comite wurden gewählt aus Oberhessen drei Mitglieder, darunter natürlich auch der verdiente Leiter der Versammlung, ferner aus Starkenburg Herr Wolz von Seligenstadt und Fuchs von Arheilgen, aus Rheinhessen der Vorstand der Sparkassen Bingen und Mainz. — Ein gemeinsames Essen vereinte die Versammlung in sehr vergnügter Stimmung.
** Ehreusold. In Würzburg hat sich ein Comit« gebildet, um den Veteranen, welche den deutsch-französischen Krieg 1870/71 mitgemacht haben, zu einem Ehrensolde zu verhelfen. Kaiser Wilhelm I. hat die Bestimmung getroffen, daß aus der von Frankreich zu zahlenden Kriegscontribmion ein Fonds in der Höhe von 561 Million Mk. entnommen werde, der nur an die Veteranen von 1870/71 vertheilt werden soll. Die Kameraden in Bayern fordern die Kameraden aller Bundesstaaten auf, gemeinschaftlich vorzugehen, und eine Petition, welche jetzt schon 44 000 Unterschriften enthält, an den Reichstag ergehen zu lassen. Da wohl ein großer Theil der Veteranen im Kreise Gießen keine Kenntniß davon erhalten hat, so wird darauf aufmerksam gemacht, daß Unterschrtftsbogen von A. Messerer, Expeditor, Fabrikstraße 40 in Würzburg gegen Portoauslagen zu erhalten sind.
•* VermahluugS.Stipeudium. Die, wie schon gemeldet, von Seiner Königlichen Hoheit dem G r o ß h e r z o g aus Veranlassung Allerhöchstseiner Vermählung an 20 unbemittelte und unbescholtene junge Paare des Landes als Ausstattungs- bechilfe gemachte Stiftung im Betrage von 20 000 Mk. ist in diesen Tagen mit je 1000 Mk. an folgende Personen vertheilt worden: 1) Friedrich Dieter Eheleute zu Nieder- Ramstadt. 2) Philipp Eisinger Eheleute zu Darmstadt. 3) Georg Heinrich Kreis Eheleute zu Urberach. 4) Johann Adam Schmitt Eheleute zu Ebersberg. 5) Jakob Daniel Zimmermann Eheleute zu Biebesheim. 6) Peter Schäfer Eheleute zu Rimbach. 7) Andreas Julius Ritzel Eheleute zu Bieber. 8) Emil Krämer Eheleute zu Gießen. 9) Johann Georg Wilhelm Retbeling Eheleute zu Unter- Sorg. 10) Gustav Scheuermann Eheleute zu Eckartsborn. 11) Friedrich Reichold Eheleute zu Stammheim. 12) Valentin Quanz Eheleute zu Hartershausen. 13) Friedrich Wingefeld Eheleute zu Stumpertenrod. 14) Jakob Buchert Eheleute zu Mainz. 15) Theodor Kilian Eheleute zu Weisenau. 16) Johann Balzer Eheleute zu Sprendlingen. 17) Johann Röder Eheleute zu Ober-Ingelheim. 18) Bonifaz Schüller Eheleute zu Bodenheim. 19) Friedrich Steiner Eheleute zu Weinsheim. 20) (Die Namen können noch nicht angegeben werden, da die diesbezüglichen Ermittelungen noch nicht abgeschlossen sind.) Die Großherzoglichen Kreisämter sind von dem Cabinet ersucht worden, die Allerhöchsten 'Gnadengaben bei einer Sparkasse anzulegen und den Beschenkten die Einlagebücher zu übermitteln. Am meisten würden, wie verlautet, die Beschenkten im Sinne Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs handeln, wenn sie diese Gnadengabe als eine Beihilfe zur Erwerbung eines Häuschens benutzen wollten.
** Turuerzug nach Breslau. Die Königliche Eisenbahn- direction in Frankfurt ist erbötig, die Turner des Mittelrheinkreises zum 8. deutschen Turnfest mittelst Sonderzug Frankfurt- Breslau unter der Bedingung zu befördern, wenn für denselben etwa 300 Fahrkarten gelöst werden. Bei neuntägiger Gültigkeit betragen die Fahrkosten — eS ist der einfache Fahrpreis gerechnet — für die Hin- und Rückfahrt in zweiter Klaffe
50 Mark, in dritter Klaffe 35 Mark. Um nun erfahren yr können, ob ein Sonderzug zu Stande kommt oder nicht, sollen die Vereinsvorftände bis zum 30. d. M. an den Kreisvertreter Rothermel nach Darmstadt Mittheilung machen, wie viele ihrer Mitglieder das Turnfest in Breslau besuchen.
** 3n Amerika verstorbene Heffen. New-York. Elisa- betha Pilger geb. Krämer, aus Klein-Bieberau, Wittwe von Philipp Pilger aus Neustadt i. O. Arlington, O. Anna Catharina Tracht geb. Schaller, 92 Jahre alt, aus Lautern. Cincinnati, O. Margaretha Kramer geb. Eppelmann, 65 Jahre alt, aus Engelstadt. Quincy, Jll. Johann I. Noll, 74 Jahre alt, aus Goddelau. Waterloo Township, Ontario, Canada. Anna Maria Decher, geb. Lang, 76 Jahre alt, aus Lehrbach. Wooster, Ohio. Friedrich Schuch, 70Jahre alt, aus Lehrbach. Yonkers,N.Y. Anna Maria Bauer geb. Gorth, 73 Jahre alt, aus Offstein.
B Berstadt, 23. Mai. Unsere Gemeinde, die an und für sich gut steht, hat in diesem Frühjahre dadurch ein treffliches Geschäft gemacht, daß sie die gemeinheitlichen Wiesen, von welchen sonst jedes Jahr der Graswuchs versteigert wurde, auf 12 Jahre in Zeitpacht vergab. Der Mehrerlös beziffert sich im Durchschnitt auf 1800 Mk. jährlich. Obgleich die Pächter viel mehr als früher zahlen, gewinnen sie doch dabei, denn sie können die Wiesen in den 12 Jahren tüchtig düngen, einebnen, von Steinen, Gestrüpp und Unkraut reinigen und viel höhere Erträge erzielen als ehemals. Hier gewinnen also beide Theile, die Pächter und die Gemeinde und das verdient anerkannt zu werden. Nach 12 Jahren sind die Grundstücke noch bedeutend mehr werth als jetzt. — Der Versuchsbrunnen, den unsere Gemeinde wegen Errichtung einer Zuckerfabrik anlegen ließ, wollte nicht recht voran, was einigermaßen deprimirte. Jetzt haben wir aber ein präch- tiges Resultat erhalten, nachdem 43 Meter tief in die Erde gegangen worden ist. Der Brunnen liefert eine außerordent» liche Menge Wasser und steht voll bis nahe zum Rande. Die Angelegenheit mit der Zuckerfabrik wird vorsichtig weiter betrieben, aber die sehr niedrigen Zuckerpreise dämpfen ein wenig. — In unsrer Nachbargemeinde Uthphe ist ein Fall von Genickstarre mit tödtlichem Ausgange vorgekommen. — In Echzell wurde kürzlich ein Handelsmann aus der Synagoge mit fortgenommen, weil allerhand Unzuträglichkeiten beim Handelsgeschäfte vorkamen. Viele Zeugen wurden vernommen, die Untersuchung ist im Gange und es wird Manches zu Tage gefördert, was nicht angenehm ist.
Ober-Rosbach, 22. Mai. Heute wurden einem hiesigen Einwohner, Vater von sechs Kindern, Drillingsmädchen geboren. Mutter und Kinder befinden sich wohl.
Vilbel, 22. Mat. Vorige Woche fand Jacob Vömel von hier beim Ausgraben eines Kellers in der früheren Arndt- schen Hofraithe 18 Kronenthaler aus dem 18. Jahrhundert.
Alsfeld, 20. Mai. Im Jahre 1895 soll hier eine gewerbliche Ausstellung für Oberheffen stattfinden. Der hiesige Gewerbeverein hat sich bereis eingehend mit der Sache befaßt und in einer außerordentlichen Generalversammlung sich einstimmig zur Uebernahme der Jahresversammlung des Landes-Gewerbevereins wie der Ausstellung bereit erklärt. Man hofft hier zuversichtlich darauf, daß Alsfeld als Versammlungsort bestimmt wird, umsomehr da nach der bisher eingehaltenen Reihenfolge diese Versammlung in Oberhessen stattzufinden hat.
A Mainz, 23. Mai. Die Bürgermeisterei des nahegelegenen Gonsenheim ist von dem Kriegsministerium in Berlin benachrichtigt worden, daß der Bau einer neuen Kaserne am dortigen One von den zuständigen Factoren nunmehr definitiv beschlossen sei. Als Terrain ist ein an den Exerzierplatz „zum großen Sande" grenzender Gelände» complex von 16 Morgen bestimmt, dessen Erwerbung einen Kostenaufwand von 12800 Mk. erfordert. Die Kaserne ist für das Feldartillerie-Regiment Nr. 27. bestimmt und sollen in derselben 360 Mann nebst 180 Pferden Aufnahme finden können. — Ueber die Hierherkunst des Großherzoglichen Paares sind nunmehr bestimmte Dispositionen getroffen und erfolgt dieselbe in der Woche vor Beginn des Schützenfestes. Der städtische Finanzausschuß hat für die Empfangsfeierlichkeiten 10000 Mk. bewilligt. Der Mittelpunkt der von der Stadt zu veranstaltenden Festlichkeiten wird eine große Rheinfahrt sein, zu welcher bereits 20 Dampfer gewonnen sind. — Nach den hiesigen Localblättern circuliren gegenwärtig hier zahlreich falsche Zweimarkstücke, welche das Bildniß Kaiser Wilhelm I. und die Jahreszahl 1883 tragen. Die Falsificate sind aus einer Legirung von Zink und Blei durch Guß hergestellt.
Alzey, 22. Mai. Die Stadtverordneten beschlossen, für den Bau einer unmittelbaren Bahnverbindung Darmstadt—Alzey einzutreten. Von der Errichtung eines Neubaues für die landwirthschaftliche Winterschule und die Handwerkerschule wird abgesehen, da die Regierung den geforderten Staatsbeitrag abgelehnt hat.
Vermiete»,
Ms. Kaffel, 24. Mai. Zum dritten Male wiederholten sich gestern Abend am Altmarkt, Fuldabrücke, Marftäller- Platz die Straßencrawalle, indessen in ersichtlich abgeschwächter Weise. Es sei vorauögeschickt, daß es zumeist halbwüchsige Bürschchen sind, welche sich aus Scandalsucht und in der Absicht zu randaliren, sich an den drei Abenden zusammenrotteten. Nicht zum geringen Theile sind es auch Neugierige aus den oberen Sradttheilen, den „feinen Vierteln", welche geschäftig herbeieilen, um doch einmal nachzusehen und dabei gewesen zu sein, was in der Altstadt, Mittelstadt, welche Stadttheile scherzweise im sogenannten „Jacken-Viertel" genannt werden, denn eigentlich los ist. Selbst Frauen und Mädchen der besseren Stände genieren sich nicht, dicht heranzukommen, um den „Crawall" und die „Crawaller" aus eigener


