— Zum Stande der russisch-deutschen Handelsvertrags-Verhandlungen weiß das „Berl. Tagebl." zu melden, daß bis jetzt nur die Verhandlungen über den Tarif abgeschlossen seien. Es erübrige noch der Abschluß der Berathungen über die Festsetzung des Textes, der eine authentische Erklärung deS Tarifs bilde. Es sei daher auch lediglich der vereinbarte Tarif dem deutschen Zollbeirathe bei seiner jüngsten Tagung zur Begutachtung unterbreitet worden.
Ausland.
— Der Prager Omladina-Prozeß ist mit der am Montag stattgefundenen Verhandlung des Gerichtshofes nun schon in die zweite Woche seiner Dauer eingetreten. Die Haltung der Angeklagten ist fortgesetzt eine höchst freche und herausfordernde, wie verschiedene widrige ©eenen auch am genannten Sitzungstage wiederum bekundeten. Auch in anderer Beziehung wirkt das Auftreten der Angeklagten nur abstoßend - selbst diejenigen unter ihnen, welche im polizeilichen Verhör bereits Geständnisse abgelegt hatten, nehmen dieselben jetzt unter den nichtigsten Vorwänden wieder zurück. Bei dieser Tactik der Angeklagten läßt sich das Ende des Omladina- Prozesies noch gar nicht absehen.
Deutscher Reichstag.
33. Sitzung. Dienstag den 23. Januar 1894.
Präsident v. Levetzow wird ermächtigt, dem Kaiser zu seinem bevorstehenden Geburtstage die Glückwünsche des Hauses zu übermitteln.
Die Debatte über die socialdemokratische Nothstand s-Jnter- peNation wird fortgesetzt.
Abg. Kropatscheck (cons.): Liebknecht brachte gestern Worte, nichts als Worte, wie wir sie schon seit 50 Jahren kennen. Bebel, der sonst doch zu denken gibt, erzählte gestern wahre Schauerromane. Er hält Jeden für einen.agent provocateur; es war eine förmliche Gespensterseherei. Daß Anarchisten und Socialdemokraten in ihren Ursprüngen und in ihren letzten Zielen auseinandergehen, bestreite ich nicht- aber in dem, was dazwischen liegt, find sich Beide verzweifelt ähnlich. Beide wollen die bestehende Gesellschaftsordnung beseitigen, Beide bedürfen für ihre neue Welt Menschen, wie es deren nicht gibt und nie geben wird, Menschen ohne Sünde uud Fehl. Wenn wir einmal durch Has Thor der Revolution in den großen Kladderadatsch dntreten sollten, wird es an Blut nicht fehlen. Die Anarchisten sind weiter nichts, als was Sie (die Socialdemokraten) einmal gewesen; Sie werden vielleicht dm vielgeschmähten Staat und die Polizei noch einmal anflehen, um Schutz gegen die Anarchisten zu erhalten. Bezüglich der ArdeitSnoth ist zu unterscheiden zwischen denen, die Arbeit suchen und nicht finden und denen, welche nicht arbeiten wollen. Biele haben nicht recht arbeiten gelernt, das viele Wechseln der Arbeitsstätte ist durch die Förderung der Großindustrie veranlaßt; die Entwickelung der Großindustrie sollte nicht gefördert, sondern gehemmt werden. Wenn wir erstz den russischen Handelsvertrag haben und die Landwirthschast ganz ruinirt ist, wird die Arbeitslosigkeit wachsen. Wenn immer mehr Arbeiter vom Lande nach der Stadt ziehen, wird der Lohn der industriellen Arbeiter gedrückt. Wenn dann der große Kladderadatsch kommt und das Lend entvölkert ist, dann wird freilich fein Halt mehr sein. Durch den Achtstundentag, den ich principtell für gerechtfertigt, zur Zeit ober für undurchführbar halte, erhält auch nicht ein einziger Arbeitsloser Arbeit. Der Arbeiterschutz wird ja damit begründet, daß er die Arbeiter leistungsfähiger mache. Sie verlangen, das Reich solle neue Arbeitsgelegenheit schaffen; aber Sie und Herr Richter sind ja die Letztm, die für neue Ausgaben stimmen. Arbeitsnachweis durch das Reich — schön. Aber wie würden Sie schreien, wenn der heutige Staat Arbeiter nach Osten schickte, weil dort Arbeit sei! Sie haben noch gar nichts für die Arbeiter gethan. Jede barmherzige Schwester, die Suppe ins Haus der Armen bringt, thut mehr. (Lebhafter Beifall rechts, Widerspruch links.) Den Armen geht es am besten in den Monarchien, den Reichen am besten in den Republiken, wie es im Vioar of Wakefield heißt. Die Monarchie ist am besten in der Lage, mit starker Hand zu Gunsten der Armen einzugretfm. Sie kann es aber nur, wenn sie fest hält .an dem Glauben an Jesum .^Christum. (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. Singer (Soc.): Wir theilen die Anschauung der Anarchisten nicht, aber sie ist nun einmal eine Weltanschauung und sie soll deshalb nicht unnöthig mit Polizeimaßregeln bekämpft werden. Der Anarchismus kann wirksam nur bekämpft werden, wenn man unsere socialdemokratischen Einrichtungen schafft. Wir sind nicht Beschützer der anarchistischen Versammlungen, aLer wir wollen solche Brutalitäten nicht, wie sie am Donnerstag die Polizei verübte. Die Verkürzung der Arbeitszeit würde allerdings das beste Mittel gegen die Arbeitslosigkeit fein, da die erhöhte Intensität der Arbeit nicht in dem Momente eintreten würde, in dem die Arbeitszeit verkürzt wird. Ein Arbeitsnachweis ist ohne polizeiliche Zwangsmaßregeln durchführbar. Die Diacontssinnen sind bei Ihnen (auf der Rechten) nur Ausnahmen; in Hamburg haben sich während der Cholera-Epidemie die Socialdemokraten freiwillig in den Dienst der Armenpflege gestellt, während die reichen Bourgeois den Staub von den Füßen schüttelten. Der Staatssecretär, der uns rieth, uns selbst zu bessern, möge in den Reichsämten anfangen und die socialpolitische Gefitz- gebung fördern. Wenn Arbeitgeber auch bet schlechtem Geschäftsgänge einen Theil ihrer Arbeiter behalten, so thun sie es nur, um sich einen Stamm für bessere Zeiten zu sichern, aber nicht aus Opfers Willigkeit. Die Sparkassenbestände sprechen nicht, gegen drn Noth- stand, dafür spricht die Thatsache, daß für die Armenpflege in Berlin 800 000 Mk. mehr gebraucht werden als im Vorjahre. Man kann nicht verlangen, daß der Arbeiter um jeden Preis, auch auf Kosten seiner Gesundheit ober auch seiner Kunstfertigkeit jede Arbeit onnimmt! Daß das Auftreten der Polizei am Donnerstag ein brutales war, war in allen Zeitungen zu lesen. Für die Gummischläuche rc., die verwandt wurden, muß die Bürgerschaft die Kosten aufbrtngen. Unbefangene mußten glauben, daß die Polizei Krawalle zu veranlassen beabsichtigte, um ein anderes Soctaltstengesetz zu rechtfertigen. Redner beschuldigte dann einen Journalisten Reuß, derselbe habe in London gegen 450 Mk. monatliche Bezahlung den Neve ans Messer geliefert. Dieser Reuß, der dem Londoner Anarchistenclub angehörte, aus diesem aber hinausgeworfen worden sei, stehe noch jetzt mit hohen Persönlichkeiten in Verbtndungund sei täglichirn Foyer undauf der Journalistentribüne des Reichstags zu sehen. Wollen Sie sein Porträt sehen, so betrachten Sie das Kissinger Huldigungsbtld, dort befindet er sich neben dem Grafen Herbert Bismarck. Die Polizei ist also kein so unschuldsvoller Engel. Derselbe Reuß hat zuerst das Radieschen-Attentat in die Presse gebracht.
Staatssecretär v. Bötticher verwahrt sich gegen die vom Vorredner beliebten Interpretationen seiner Aeußerungen. Ich habe wie im Vorjahre so auch diesmal eine Nothlage anerkannt und den Arbeiterstand keineswegs der Faulheit bezichtigt. Aber von Berlin können wir nicht allein ausgehen; ich habe nicht bestritten, daß es in Berlin trauriger aussehe als anderwärts. Im Reiche bestehen jedenfalls Anzeichen dafür, daß der Nothstand in der Abnahme be- griffe'n ist. Es kann nickt Pflicht des Reiches sein, überall da einzu- schreiten, wo ein localer Nothstand hervortritt; hier Remedur! zu schaffen, ist Sache der betr. Landesinstanzen. Wenn Singer meinte, bei solchem Vorgehen der Polizei, wie am Donnerstage, würden die Arbeiter ickließlick mit Revolvern auf die Straße gehen müssen, so
Berichte ergiebt sich, daß die Polizei gereizt worden ist; ihre Anordnungen sind nicht befolgt worden und die, welche Widerstand leisteten, haben nur den verdienten Lohn erhalten.
Abg. Fuchs (Ctr.): Bezüglich des Arbeitsnachweises könnten die Gemeinden Ersprießliches leisten. Seine Freunde würden keine Gelegenheit versäumen, die Lage zu verbessern. Gon» beseitigen lasse sich der Nothstand nicht, aber die corporatioe Gestellung der Stände werde beitragen, ihn zu mildern.
Abg. v. Kar dorff (Rp.): An der Arbeitslosigkeit sind Sie ja selber schuld. Mit Ihren Handelsverträgen entvölkern Sie das platte Land und gerade dessen Kaufkraft ist für uns wichtiger, als das Ausland. Wollen Sie die Nothstände beseitigen, so müssen Sie den Schutz der nationalen Arbeit aufrecht erhalten, den Fürst BtSmarck inaugurirt hat, von dem ich zu meiner Freude gehört habe, daß wir demnächst feinen Besuch hier in Berlin zu erwarten haben. (Lebhafter Beifall.) Die jetzigen Zustände sind nur die Folgen des Fehlers, daß man die Politik des Fürsten Bismarck verlassen hat. Auch die Autorität des Gesetzes gegenüber den Socialisten müsse gekräftigt werden. SÜ
Abg. ©aller (Südd. Volksp.) wendet sich gegen den Centrumsantrag betr. den Colportagebuchhandel. Die Annahme dieses Antrags würde neue Kreise brodlos machen.
Nachdem noch Abg. Kühn (Soc.) im Schlußwort den social- demokratischen Standpunkt aufrechterhalten, wird die Debatte geschlossen.
Morgen: Anträge aus dem Hause.
Nesieste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz- Bureau.
Belgrad, 23. Januar. Der Club der Radtcalen beschloß die Entsendung einer Deputation an den König, um den Ernst der Situation ausetnanderzusetzen und zu erklären, daß sie keine Verantwortung für die Folgen übernehmen. Der König gab bekannt, er werde Grutc morgen verständigen, wann er die Deputation empfangen wolle.
Rom, 23. Januar. Die von der „Italic" veröffentlichte Nachricht über ein leichtes Unwohlsein des Papstes ist, wie die „Ag. Stef." meldet, unbegründet- der Papst empfing heute mehrere Prälaten.
Palermo, 23. Januar. Die Ruhe hält auf ganz Si- cilien an.
Mafia, 23. Januar. Die Ruhe dauert an- es werden weitere Verhaftete eingebracht und die Untersuchung fortgesetzt. ________________
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 23. Januar. Kaiser Wilhelm hat aus eigenster Initiative dem Fürsten Bismarck wieder einen Sympathiebeweis gegeben, wodurch voraussichtlich eine vollkommene Versöhnung zu Stande kommen wird. Der Kaiser sandte nämlich durch seinen Flügeladjutanten Grafen Moltke dem Fürsten ein Handschreiben, indem er ihm zur Genesung gratulirt und ließ ihm außerdem eine Flasche alten Weines überreichen. Fürst Bismark hat, wie man sich in parlamentarischen Kreisen erzählt, dem Kaiser melden lassen, er werde sich, sobald es sein Gesundheitszustand gestatte, bei Hose vorstellen. Man glaubt, daß dieser Schritt des Kaisers zur Milderung der Gegensätze zwischen der Regierung und der Kreuzzeitungspartei beitragen wird. Auf die Stellung Caprivis wird dieses geschichtliche Ereigniß der Aussöhnung des Kaisers mit dem Altkanzler nach fast vierjährigem Zwiespalt voraussichtlich keinen Einfluß ausüben.
Berlin, 23. Januar. Nach dem Bericht über die Ergebnisse des Betriebes der Staatsbahnen für 1892/93 stiegen die Gesammteinnahmen von 919 691665 Mark im Jahre 1891/92 auf 920 949231 Mk. im Jahre 1892/93. Auf den Personenverkehr entfielen im Jahre 1892/93 234831 578 Mk. gegen 237 184 755 Mk. im Vorjahre - auf den Güterverkehr 1892/93 632 505 622 Mark gegen 627450910 Mark im Vorjahre. — Von nationaler Seite ist im Abgeordnetenhause wieder ein Antrag auf Aufhebung der Staffeltarife eingebracht worden. In der Motivirung wird ausgeführt, die Landwirthschast und die Mühlenindustrie des Westens halten die Beseitigung des Tarifs für eine Lebensfrage.
Berlin, 23. Januar. In einem Artikel unter dem Titel „Herr von Schele" veröffentlicht Eugen Wolf im „Berl. Tagebl." eine sehr günstige Beurtheilung der Thätigkeit des gegenwärtigen Gouverneurs von Deutsch - Ostafrika. Der Artikel, der außerdem gegen die deutsch-ostafrikanische Gesellschaft gerichtet ist, sagt am Schlüsse, Herr v. Schele sei der richtige Mann am richtigen Fleck.
Wien, 23. Januar. Sämmtliche Morgenblätter besprechen die Krisis in Serbien in gemäßigter, für den König Alexander günstiger Weise. Das „Fremdenblatt" rügt das Vorgehen der radicalen Partei, welche mit ihrer Parteileidenschaft allein die jetzige Lage Serbiens herbeigeführt habe. Das Blatt betont, Oesterreich werde sich in die inneren Angelegenheiten Serbiens niemals mischen und hege den ernsten Wunsch, daß eine den staatlichen Interessen Serbiens und seiner Dynastie entsprechende Lösung herbeigeführt werden möge.
Belgrad, 23. Januar. Die Ruhe ist bis jetzt nicht gestört- man glaubt, daß sich die politische Umwandlung in Ruhe vollziehen werde. Simitsch hat anscheinend abgelehnt, das Cabinet zu bilden. Die Mission dürfte wahrscheinlich Nikolajewitsch übertragen werden.
Belgrad, 23. Januar. König Alexander hat den Führer der Liberalen, Avak«movie, mit der Bildung des Cabinets beauftragt. Es geht das Gerücht, Königin Natalie werde hier eintreffen.
Cocales unö Lroi>irrzrelles.
Gießen, den 24. Januar 1894.
** B. Anläßlich des Geburtstages Sr. Maj. des deutschen Kaisers Wilhelm II. veranstaltet der Evangelische Jünglings- und Manner-Verein Sonntag den 2 8. Januar, Abends 71/2 Uhr, eine Feier in den Sälen der Kleinkinderschule. Gesang und declamatorische Vorträge rc. ernsten und heiteren Inhalts bilden das Programm des betr. sRXpnpn d»s — bd derartigen Festlichkeiten des genannten
20 Pfg. festgesetzt worden (Kinder zahlen 10 Pfg.). Der Verein zählt gegen 60 Mitglieder und steht unter der Leitung des Herrn Pfarrer Dr. Naumann. Vereinslocal: Herberge zur Heimath. Gäste sind jederzeit willkommen.
** Aus der Garnison. Für die Feier des diesjährigen Allerhöchsten Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers und Königs sind folgende Anordnungen getroffen worden: Am 26. Abends zwischen 8 und 9 Uhr großer Zapfenstreich, am 27. zwischen 7 und 8 Uhr Vormittags Wecken. Der Zapfenstreich und das Wecken geht von der neuen Kaserne aus über die Licher-, Grünberger-, Ludwigs-, Alice-, Frankfurter- Straße nach der Wohnung des Herrn Regiments-CommandeurS am Seltersweg- von da durch den Seltersweg über den Kirchenplatz, die Wallthorstraßc, Brandgasse nach der Zeughauskaserne. Am 27. um 830 Ut)r Vormittags Hielt die Regimentsmusik einen Choral vom Thurme der Stadtkirche^ um 10 Uhr wird Festgottesdienst in der evangelischen, um 9^2 Uhr in der katholischen Kirche abgehalten. Um 1130 U^r Parade des Infanterie-Regiments „Kaiser Wilhelm" auf „Oswalds Garten". Nachmittags 2 Uhr findet ein Festessen im Clubgebäude statt. Die Compagnien des Regiments „Kaiser Wilhelm" halten ihre Festlichkeiten am 27. Abends in folgenden Localen ab: Leib-Compagnie „Cafe Leib", 2. Compagnie „Lenz'scher Felsenkeller", 3. Restauration „Zum Löwen", 4. Restauration „Schützenhaus", 5. Turnhalle des Turnvereins, 6. Restauration „Lahnstein", 7. Restauration „Pfau", 8. Lonys Bierkeller, 9. Restauration „Schiffenberger Thal", 10. u. 11. „Steins Garten", 12. Restauration „Post- keller", 13. Restauration „Zum Komet", 14. Compagnie Restauration „Zum Kronprinz". — Die hiesige Einwohnerschaft wird gebeten, zur Feier von Kaisers Geburtstag ihre Häuser mit Fahnen rc. zu schmücken.
** Neues Theater. Heute Donnerstag findet das Benefiz von Fräulein Else Geigler statt. Zur Aufführung gelangt „Die Frau in Weiß", ein selten aufgesührtes Werk, dramatifirt nach dem Roman des Wilkie Collins von Charlotte Birch- Pfeiffer. Die junge Künstlerin besitzt das besondere Talent, die weichen, sanften Seiten des weiblichen Characters darzustellen und hat durch dies Talent vielfach, u. A. in Hannover, schöne Erfolge erzielt. Die Hauptrolle in obigem Drama, eine Gestalt ganz Weib und ganz Seele, wird Fräulein Geigler verkörpern. Es ist also in wohlthuender Abwechselung nach Lustspielen der Kunstgenuß des Dramas zu erwarten und wünschen wir der strebsamen Künstlerin zu ihrem Ehreu-Abend ein recht gut besetztes Haus.
Z. Neues Theater. Gestern Abend ging der bieroctige Schwank „Zwei glückliche Tage" in erster Wiederholung über unsere Bühne. Die Besetzung der einzelnen Rollen war die alte geblieben. Wir können uns deßhalb ein näheres Eingehen auf die Darstellung nach unserer ersten Besprechung des Stückes ersparen und begnügen uns damit zu constatiren, daß die Wiedergabe im Allgemeinen eine ganz befriedigende war. Das Haus war mittelmäßig besetzt. Die Aufführung wurde mit lebhafttm Applaus hingenommen.
** Erueuuuugeu. Ernannt wurden: die Steuerassefforen Wilhelm Flath aus Höchst t. O. und Adolf Abrie aus Bad-Nauheim, sowie der Hauptsteueramtsassistent bei dem Hauptsteueramte Mainz Steuerassessor Christian v. Grolman zu Steuercontrolleuren, die Finanzaccessisten Glässing auS Gießen, Hellwig aus Pfeddersheim, Linden st ruth aus Atzenhain, Mees aus Mainz, Meisinger aus Mainz, Walther aus Offenbach und W e n z e l aus Gießen zu Steuerassefforen. — Zu Forstassessoren wurden ernannt die Forstaccessisten Hugo Kirchner zu Gedern, Wilhem Schaaf zu Gießen und Heinrich Weber zu Londorf.
** Die fast zwei Jahre lang bei den Gerichten anhängige Privatklagesache der Kreistechniker gegen Herrn Oberbürgermeister Küchler in Worms hat nunmehr ihre endliche Erledigung dadurch gefunden, daß Herr Oberbürgermeister Küchler, nachdem er in zwei Instanzen der Beleidigung für schuldig erkannt worden war, sich in dritter Instanz endlich veranlaßt gesehen hat, den Privatklägern vor Gericht eine Ehrenerklärung dahin abzugeben, daß er die bei seinem Vortrag auf dem Städtetag zu Mainz am 16. Februar 1892, namentlich bei der Besprechung des Bauwesens der Städte und Landgemeinden, gegen die Kreistechniker gebrauchten beleidigenden Aeußerungen um so bereitwilliger zurücknehme, da ihm dazu von diesen Herren keinerlei Grund und Veranlassung gegeben worden sei - wogegen , dann die Kläger ihren Strafantrag zurücknehmen. Herr Oberbürgermeister Küchler hat zugleich die entstandenen, nicht unbedeutenden Kosten zu tragen. Es ist somit dargethan, daß die s. Z. von Herrn Oberbürgermeister Küchler erhobenen so schweren Angriffe gegen die Ehre der Kreistechniker völlig ungerechtfertigt waren.
** Erledigte Stellen für Militäranwärter im Bezirk des 11. Armeecorps. Bettenhausen, Direction des Landkrankenhauses, Gärtner, 480 Mk. jährlich baar nebst freier Wohnung und Verpflegung, ferner 22.50 Mk. Kleidergelder. Biebrich, Magistrat, Nachtwächter, 450 Mk. Mainz, Postamt I, ein Packetträger, ein Postschaffner, ersterer 700 Mk., letzterer 900 Mk. Gehalt und je 180 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Saalfeld, Herzogliche Amtseinnahme, Diener und Executor, 1000 Mk. und die 'anfallenden Mahn- und Pfandgebühren. Schmallenberg, Amt Schmallenberg, Förster, Baargehalt 950 Mk. Schotten, Kaiser!. Postamt, Landbriefträger, 650 Mk. Gehalt und 60 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division: Arheilgen, Hechts- Heim und Viernheim, Bau- und Betriebs-Verwaltung der hessischen Nebenbahnen im Privatbetriebe zu Darmstadt, je ein Schaffner, je 764.40 Mk. Direction der Main-Neckar- bahn, Bahnwärter, 994 Mk. Gehalt nebst freier Dienstkleidung.
** Schlagerei. Das im Weidig'schen Locale gestern zum Anstich gelangte „Ale" muß eine außerordentliche Wirkung auf die Gemüthsstimmung ausgeübt haben, denn zwischen einer großen Anzahl Studenten verschiedener Cor-


