Ausgabe 
23.6.1894 Erstes Blatt
 
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gravamtnös für die katholische Kirche. Die Kirchenfürsten würden sich aber trotzdem an der Specialdebatte betheiligen, um das schlechte Gesetz weniger schlecht zu gestalten.

Preßburg, 21. Juni. Im Überschwemmungsgebiete herrscht Mangel an Lebensmitteln. Obwohl das Wasier langsam fällt, sind noch neun Orte gefährdet. In der Komorner Gegend sind die Felder auf dem rechten Waag­user und die Gemeinde Gutakisziget überschwemmt und die Dämme durchbrochen. Auch mehrere Opfer an Menschen- leben sind zu beklagen, einige Häuser sind eingestürzt.

Petersburg, 21. Juni. In der gestrigen Schlußsitzung der Conferenz wegen Herabsetzung der Getreide­ausfuhr-Tarife sprach sich der amtlichenHandels- und Jndustriezeitung" zufolge eine unbedeutende Mehrheit für die Nothwendigkeit der Tarifermäßigung aus. Die Minder­heit gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß durch eine Er­mäßigung die öconomische Lage der Getreideproducenten keineswegs gebessert würde, eine Ermäßigung vielmehr für die Landwirthschaft unerwünschte Folgen haben dürfte. Der Finanzminister erklärte, die Regierung werde sich zur Tarif­ermäßigung nur entschließen, wenn die Ueberzeugung sich durchaus festige, daß die unvermeidliche Herabminderung der Eisenbahn - Einnahmen wirklich der Getreideproducttou nützen werde.

Nom, 21. Juni. Die im Auslande verbreitete Nachricht von angeblichen blutigen Zusammenstößen der Uni­versitätsstudenten [mit dem Militär in Neapel ist un­begründet. In den letzten Tagen wurden in der Uni­versität von Neapel seitens der Studentenschaft unbesonnene Streiche verübt, die Vorfälle sind jedoch belanglos. Die Jahresschluß-Prüfungen dauern fort; die Truppen sind nur vorsichtshalber in Bereitschaft.

Depeschen de» Bureau ,$erolb*.

Berlin, 21. Juni. Es steht jetzt fest, daß der Kaiser auf seiner diesjährigen Nordland reise von der Kaiserin begleitet wird.

Berlin, 21. Juni. DerReichsanzeiger" veröffentlicht den dem Bundesrath vorgelegten Gesetzentwurf betr. die Erweiterung der Unfallversicherung und die Be­gründung des Entwurfs.

Berlin, 21. Juni. Auf die Petition des Deutschen Bundes für Reform des Bodenbesitzes an den Justizminifter Schelling betr. den Schutz der Bauhandwerker ist ein Antwortschreiben eingegangen, worin der Justizminister für die großen Städte der Monarchie statistisches Material ver­langt, aus dem ersichtlich sei, wie groß die Verluste der Lieferanten und Bauhandwerker in neuerer Zeit bei Zwangs­versteigerungen usw. gewesen seien.

Berlin, 21. Juni. DieMil.-Pol. Corr." meldet, neben dem Grafen Zedlitz-Trützschler komme für den durch den Rücktritt des Herrn von Seydewitz frei werdenden Posten eines Oberpräsidenten von Schlesiern auch der Fürst von Hatzfeld-Trachenberg in Betracht.

Berlin, 21. Juni. Eine Abordnung von Offizieren der Eisenbahn-Regimenter wird sich im Laufe des Sommers zu einem längeren Besuche der Weltausstellung nach Antwerpen begeben. Ueber das Ergebniß soll, ebenso wie das nach Rückkunft der zur Chicagoer Weltausstellung ent­sandten Offiziere geschah, ein umfassender Bericht erstattet werden.

Berlin, 21. Juni. Es soll fortan schärfer gegen die Arbeitgeber vorgegangen werden, die entgegen den polizei­lichen Vorschriften schulpflichtige Kinder ohne Erlaubniß der Schulbehörde beschäftigen oder die Beschäftigung solcher Kinder in ihrem Dienste während der Unterrichtsstunden durch ihre Angestellten dulden. Deshalb ist den Guts- und Ge­meindevorstehern aufgetragen worden, ein Verzeichniß aller schulpflichtigen Kinder anzufertigen, die im Dienste stehen, zum Viehhüten oder zu anderen Arbeiten während der Schul­zeit verwendet werden.

Karlsruhe, 21. Juni. Die Zweite Kammer begann heute die Berathung der freisinnigen Anträge auf Ein­führung directer Wahlen zum Landtag. Minister Eisenlohr erklärte, die Regierung werde demnächst dem Landtag einen Gesetzentwurf zur Einführung der directen Wahlen mit Proportionalvertretung vorlegen. Seine Aeußerungen in der Commission seien seine persönliche Meinung gewesen. Der Landtag wird am nächsten Donnerstag vom Großherzog persönlich geschlossen.

Karlsruhe, 21. Juni. Die 34. Jahresversammlung deutscher Gas- und Wasserfachmänner wählte Köln zum nächsten Versammlungsort, zum Vorsitzenden Director Wunder aus Leipzig.

Budapest, 21. Juni. Das Ehegesetz wurde vom Oberhause mit 128 gegen 124 Stimmen angenommen. Es herrscht großer Jubel.

Budapest, 21. Juni. Auf der viele Meilen wett vom Wasser bedeckten Schütt-Insel ist eine große Anzahl Menschen umgekommen. Die ganze Ernte ist vernichtet, sodaß sich der Schaden nach Millionen berechnet.

Paris, 21. Juni. Seit ca. 6 Monaten sind in Graissac 1500 Bergleute ausständig, weil 300 Grubenarbeiter wegen Mangels an Arbeit entlassen worden waren. Die übrigen Arbeiter, welche sich mit den Entlassenen solidarisch erklärten, fordern von den Grubenvorständen eine Reduction der Arbeitszeit auf vier Tage in der Woche. Die Gesellschaft »cceptirte diese Forderung nicht.

Warschau, 21. Juni. Die Weichsel ist wieder in rapidem Steigen begriffen. Die niedrig gelegenen Ländereien stehen vollständig unter Wasser.

Rom, 21. Juni. Crispi machte den Polizei­beamte n, welche zur Verhaftung des Attentäters Lega bet­getragen haben, Geschenke. Der Polizist Collini erhielt 500 Lire, drei andere je 200 Lire. Seinem Kutscher schenkte Crispi eine goldene Uhr.

Rom, 21. Juni. Die Finanzcommission hat beschlossen, die Erhöhung der Salzsteuer abzulehnen. Auch

ist die äußerste Linke darin einig geworden, für heute eine Tagesordnung einzubringen, welche die Salzsteuer-Erhöhung verwirft.

Rom, 21. Juni. Die Errichtung einer italienisch- deutschen Bank wird noch fortgesetzt in der Preffe ab­fällig besprochen. DieTribuna" sagt, die deutschen Capi- talisten würden dasjenige, was in Italien noch zu nehmen sei, sich holen und mit gefüllten Taschen nach Hause zurück­kehren.

Loudon, 21. Juni. DieTimes" meldet aus Phila­delphia, daß nach Berichten der Schifffahrtsgesellschaften Europäer in größerer Zahl aus Amerika aus- als nach dort einwandern. x

Tanger, 21. Juni. Nachdem der Bruder des neuen Sultans, Muleh Mohamed, durch seine Unterschrift den Sultan Abdul Aziz anerkannt und den mächtigen Stämmen im Interesse des Friedens die Anerkennung des Sultans empfohlen hat, ist ein weiterer Widerstand nicht mehr zu befürchten.

Sitzung bcr Stadtverordneten

am 21. Juni 1894.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadt­verordneten die Herren Faber, Flett, Grünewald, Habenicht. Helfrich, Hehligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Dr. Ploch, Scheel, Schmall, Dr. Thaer und Vogt.

Das Gesuch des Herrn Johs. Fink um Erlaubniß zur Errichtung einer Gartenhütte am Leihgesternör Weg, und zwar in einem Abstande von 20 Metern von letzterem, wird aus­nahmsweise und auf Widerruf befürwortet.

Die Errichtung einer Gartenhütte, um welche Herr Jacob Stein nachgesucht hatte, wird auf Antrag der Baudeputation, welche die geplante Hütte besonders für die Südanlage als mißständig bezeichnete, beanstandet.

Dem Gesuch des Herrn Hermann Heß um Erlaubniß zur Erbauung eines Schuppens am Krofdorferweg zur Lagerung von Lumpen wird ebenfalls ausnahmsweise und widerruflich stattgegeben, nachdem dargethan, daß in Bezug auf Entfernung geplanten Schuppens von bewohnten Stadt- theilen den baupolizeilichen Anforderungen genügt ist

Das Gesuch des Herrn Karl Schleenbecker um Erlaubniß zum Bauen in der Ludwigstraße wird widerholt beanstandet, auf Grund des § 5 des Ortsbaustatuts, nach welchem außerhalb der durch den Stadtbauplan festgestellten Bauquartiere Gebäude nicht errichtet werden dürfen. Einer Einbeziehung des Schleenbecker'schen Bauplatzes in den Bau­plan steht nach Mittheilung der Baudeputation noch der Mangel von Nivellements und Fluchtlinen für die obere Ludwigstraße und den Leihgesterner Weg entgegen.

Wegen der Verstärkung der Garnison hat sich nach Mittheilung des Regiments-Commandos die Einrichtung von Räumen zur Unterbringung von Mannschaften nöthig gemacht. Es ist vorgesehen, im Hofe der Zeughauskaserne einen 12 Meter langen und 8 Meter breiten Anbau zu errichten. Derselbe soll in die Front der jetzigen Hofmauer zu stehen kommen. Es wird auf Antrag der Baudeputation beschlossen, der Errichtung fraglichen Neubaues zuzustimmen, doch soll dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, daß dieser Neubau thunlichst mit der Zeughauskaserne harmonirt, bezw. deren äußere architectonische Erscheinung nicht beeinträchtigt.

Ueber die Punkte 7 und 8, Verbesserung des Eingangs zum Verwaltungsgebäude des Schlachthauses und Anlage eines Pissoirs an der Gabelung der Licher- und Grünberger­straße vor dem Friedhof, wurde nicht verhandelt, da diese Gegenstände noch nicht in der Deputation vorberathen werden konnten.

Das am Brandplatz errichtete, zur Aufnahme der Feuerlöschgeräthe im Erdgeschoß und zur Unterbringung der Kunstausstellung im oberen Stock bestimmte Haus erhält auf Vorschlag der Baudeputation die Bezeichnung: ThurmHaus am Brand".

Dem Oberhessischen Bienenzüchter-Verein, welcher am 22. und 23. Juli d. I. hier seine 34. Wander­versammlung hält, werden auf Ersuchen des Vorstandes 25 Mk. für Prämiirungszwecke bewilligt.

Das Gesuch des Herrn Heinrich Keßler um Her­stellung einer Einfriedigung an seinem Grundstück in der Gartenstraße wird beanstandet, weil dieselbe als Mauer auf­geführt werden soll, die einschlägige Polizetverordnung aber vorschreibt, daß Vorgärten mit Metallspalier auf Steinsockel eingefriedigt werden müssen.

Ebenfalls beanstandet wird das Gesuch des Herrn C. W. Nowack um Anbringung einer Veranda an dem an der Ecke der Bahnhof- und Schanzenstraße belegenen Hause. Die Bau­deputation hat den geplanten Anbau als unharmonisch mit dem Hauptbau bezeichnet und darin Verstöße gegen die § 1 und 2 der Localpolizeiverordnung erblickt.

Bezüglich der Concession zum Wirthschaftsbetrieb wird die der Entscheidung des Stadtvorstandes vorgelegte Frage wegen des Bedürfnisses zum Ausschank von Branntwein be­jaht auf die Gesuche von: Joh. Betz für die Wirthschaft im Hause Licherstraße 21, H. Meyer für die Wirthschaft im Hause Caplansgasse 10, Ed. Hildebrandt für die Wirthschaft im Hause Wolfftraße 20, Lina Keßler Ehefrau für die Wirthschaft im Hause Neuenweg 33; vern eint wird die Bedürsntßfrage bezüglich des Gesuches des Herrn Jul. Bräutigam um Erlaubniß zum Klein­verkauf von Branntwein im Hause Neuenbäue 5.

Cocalt* uttö pesvLitzTelles.

Gießen, den 22. Juni 1894.

* * Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog habenAllergnädigst geruht: Am 9. Juni den außerordentlichen Professor bei der philosophischen Facultät

der LandeSuniverfität Dr. Carl Fromme zum ordentlichem Honorarprofessor zu ernennen.

* * Der Oberhesfische Bieuenziichtervereiu hält am 22. und 23. Juli hier in Steins Garten seine 34. Wanderversammlung ab. Auf Ansuchen des Vorstandes sind von Seiten der Stadt folgende Herren zu einem Local - Comitv zusammengetreten: Oberbürgermeister Gnauth, Beigeordneter Grüneberg, Stadtverordneter Vogt, Redacteur Scheyda, Rentner O. Schmidt, Weinhändler G. Patz, Weinhändler A. Saame, Expeditor A. ckl er, Kaufmann Ph. Bauer II., Händler L. Nußbaum, Lehrer Spitz, Fabrikant H. Rau in Wieseck, Lehrer Schneider in Heuchelheim. Mit der Versammlung findet eine Ausstellung von Bienen und allen in die Bienenzucht einschlägigen Geräthen und Erzeug­nissen, ferner eine Prämiirung, Verloosung und am 23. Juli ein Honigmarkt, sowie Concert der hiesigen Regimentsmufik in Steins Garten statt. Nichtmitgliedern ist der Besuch der Ausstellung gegen Entrichtung von 30 Pfg. oder Vorzeigen eines Looses gestattet. Auf je 10 Loose entfällt ein Gewinn. In der Generalversammlung, welcher eine Besichtigung der Ausstellung und Vornahme praktischer Demonstrationen vorauS- geht, werden Vorträge halten: Herr Pfarrer Glock zu Zuzenhausen in Baden über die Ruhrkrankheit der Bienen mit besonderer Rücksicht auf die Erfahrung der letztjährigeu Ueberwinterung und Herr Pfarrer Schrimpf in Butzbach über Königinnenzucht.

* * Verloren. Ein Reisender verlor gestern im Bahnzuge von Lollar nach Gießen ein Portemonnaie mit 550Mk. Inhalt.

* * Eine an Geistesgestörtheit leidende Frau in der Löwen- gasse, welche die Nachbarschaft stets in Aufregung hielt und gemeingefährlich wurde, mußte gestern in Polizeigewahrsam genommen werden.

* * Kanarienvogel und Distelfink. Bei dem Einfahren des Wagens eines Schaubudenbesitzers auf den Festplatz zum Sommerfest auf derPulvermühle" wurde am Dienstag ein Gebüsch gestreift, in welchem ein Distelfinkenpaar mit fünf Jungen sein Heim aufgeschlagen hatte. Die etwa vier Tage alten Thierchen fielen aus dem defect gewordenen Nest in den Wagen, woselbst vier derselben lebend von dem mit Vorarbeiten beschäftigten Vereinsdiener des Fechtverbands Gießen-Lahr gefunden und in Obhut genommen wurden. Derselbe befestigte das Nest mit den jungen Distelfinken in dem Bauer seines Kanarienweibchens, welches sich sofort der armen Stiefkinder freudig annahm und dieselben sorgfältig fütterte. Dasselbe ca. 7 Jahr alte Kanarienweibchen hat bereits im vorigen Jahre verwaiste fremde Kanarienjunge aufgezogen.

Sp. Rasenspielplatz. Wir erhielten folgende Zuschrift: Zur größten Befriedigung aller Interessenten ist aus dem soeben verbreiteten Aufruf derCommission des Vereins zur Förderung der Jugend- und Volksspiele" zu ersehen, daß die Pläne sich im Principe durchaus mit unseren Aus­führungen vom Sonntage decken, ja sogar noch mehr bieten wollen, als wir vorläufig gedacht haben, fordern zu sollen. Und wie kürzlich in einem von gleicher Seite veröffentlichten Artikel stand, soll es ja auch ein Platz gemeinsamer Erholung sein, an welchem nicht sofort einbefrackter Jüngling" nach den Wünschen der Anwesenden sich zu fragen berufen fühlt. Und wir dürfen hinzusetzen: etwa angeboteneGeistige Ge­tränke" beim Spiel wird der Vernünftige gewiß ver­schmähen ! Wozu da also die Bemerkung vom Dienstag Abend nothwendig war, ist nicht zu erkennen. Es wird uns Alle gewiß ungemein befriedigen, die Pläne des Vereins verwirk­licht zu sehen. Gut Spiel!

* * Damit die durch die zweimaligen militärischen Hebungen der VolkSschullehrer entstehenden Störungen für die Schule thunlichst beschränkt werden, soll nach höherer Weisung darauf Bedacht genommen werden, die Schulferien in allen Fällen, in denen eine ordnungsmäßige Vertretung der einberufenen Lehrer nicht zu beschaffen ist,- in die Zeit zu verlegen, während welcher die Lehrer ihrer Dienstpflicht zu genügen haben

* * Falsches Geld. Beschlagnahmt wurden in Frank­furt dieser Tage falsche Th al er stücke mit der Jahres­zahl 1869 und dem Btldniß des Königs Ludwig. Sie sind als gefälscht kenntlich an der etwas matteren Prägung und geringeren Stärke als echte Thaler. Auch falsche Zwei­markstücke mit der Jahreszahl 1884 sind seit einiger Zeit wieder in Umlauf. Sie sind aus englischem Zink, dem etwas Kupfer betgemischt ist, gefertigt, tragen das Münzzeichen A und die Jahreszahl 1884. Ihre Ausführung ist ziemlich schlecht, die Umränderung ist ungleichmäßig. Der Klang dieser Geldstücke ist demjenigen der echten Münzen nicht un­ähnlich, trotzdem sind die Falsificate durch ihre röthliche Färbung, sowie auch durch ihre schlechte Prägung leicht erkenntlich.

* * Die deutschen Erhebungen über die BeschästiguugSzeit im Bäckergewerbe gelten in allen Kreisen von Sachverständigen als das Beste, was in dieser Beziehung bisher geleistet ist. Sehr interessant sind u. A. auch die Zahlen über die Lehr­lingshaltung im Bäckergewerbe. Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß von 4551 befragten gewöhnlichen Bäckereien die Hälfte ohne Lehrlinge arbeitete; von den übrigen Betrieben hatten 10 pCt. nur Lehrlinge, 25,4 pCt. weniger Lehrlinge als Gehilfen, 42,4 pCt. ebensoviel Lehrlinge wie Gesellen; in 22,2 pCt. der Betriebe hat die Zahl der Lehrlinge die Zahl der Gesellen überschritten. In den meisten dieser letztgenannten Betriebe kommen aus einen Gesellen zwei ober mehr Lehrlinge. Dieses Berhältniß findet statt in den Be­trieben von 3 bis 5 Personen, seltener in den größeren Bäckereien, am häufigsten im nordöstlichen Deutschland, am seltensten in Süddeutschland. In den Orten unter 2000 Ein­wohnern haben nicht weniger als 33,9 pCt. der Bäckereien nur Lehrlinge und ein kleiner Theil der Betriebe (12,9 pCt.) mehr Lehrlinge als Gesellen. Es bedürfen die Zahlen wohl einer weiteren Erläuterung nicht, um die Nothwendigkeit einer endlichen Regelung der Arbeitszeit im Bäckergewerbe darzuthun.