Nr 144 Erstes Blatt. Samötag den 23. Juni
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Der Anretger crfdjnnt täglich, mit Ausnahme bei Montag-.
Die Gießener Aamlttenöttller werben bem Anzeiger «Schrntlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeig er
Generat-Wnzeiger.
Bierteljähnger AloanrmretsorcU:
2 «art 90 Plq mtt vringerl»-n.
Durch die Poß bf^m 9 Mark 50 Plg.
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Anrts- und Anzeigeblutt für den Kreis fiterem
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Borm. 10 Uhr.
Gratisbeilage: Gießener Kamilienbtätter. [
Alle Nnnoncen-Bureaur de« In» und Auslände« nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen.
Anrtliche»« Theil.
Bekanntmachung,
AmtStage des Grobherzoglichen Kreisamts Gießen betreffend.
Die unterzeichnete Behörde wird
Samstag den 7. Juli 1894, von Vormittags 9 Uhr an, einen Amtstag im Rathhause zu Grimberg abhalten und wird den Kreis Eingesessenen aus den Amtsgerichts-Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen.
Gießen, den 20. Juni 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 20. Juni 1894.
Betr.: Wie vorher.
DaS Sroßherzogliche Kreisamt Gießen tu die Großh. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen.
Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ^ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen laffen.
v. Gagern. ______________
Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung einer Verloosung gelegentlich der Fachgewerbeausstellung für Hotel, und Wirthschaftswesen zu
Der Ausstellungsvorstand der in der Zeit vom 5. bis 12. August d. Js. im städtischen Saalbau zu Darmstadt stattsindenden Fachgewerbeausstellung für Hotel- und Wirthschaftswesen beabsichtigte mit dieser Ausstellung eine Verloosung von Ausstellungsgegenständen zu verbinden.
Das Grobherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, dab nicht mehr als 10 000 Loose, zu 1 Mark das Stück, aus gegeben werden dürfen und mindestens 60 PCL. des Brutto. Erlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewmn- gegenständen zu verwenden sind.
Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Grobherzogthum gestattet worden.
Gießen, 21. Juni 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Abonnements Einladung
Zum Bezug des „Giehener Anzeiger" für das 3. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben aus dem Lausenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschast wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wisjeus- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar- ttkeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gietzerrer Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff
bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswättige Lescr^ ihre Bestellung bei der Post baldgefl. ausgeben zu wollen. Neuhinzuttetendc erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrci zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersendcn und den Abonnements: betrug durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Ehr. Piel sch).
Neueste riacheichten.
Wolffs telegraphisches fcorrefoonbaty Bureen.
Berlin, 21. Juni. Der „Nordd.^Allg. Ztg." infolge ergaben die Einnahmen der Reichspostverwaltung in den beiden Monaten April und Mai 1894 ein Mehr von 664775 Mk. gegen den gleichen Zeitraum des BoriahreS.
Breslau, 21. Juni. Der Wasserstand der Oder, der seit gestern wieder um 1,5 Meter gestiegen ist, betrSZt in Ratibor heute 5,5 Meter. Das Wetter ist bedeckt. In BreSlau sällt neuerdings starker Regen. Aus der Bahnstrecke Pleß-Dzieditz ist der befürchtete Dammrutsch eingetreten -der Güterverkehr ist in Folge besten eingestellt, der Personenverkehr wird durch Umsteigen ausrechterhaltcn.
Budapest, 21. Juni. In der heutigen Debatte bei Magn atenhause S über die Ctvtlehevorla ge sühne der Justizminister auS, die Debatte beweise, daß die reforni- feindliche Opposition einig in der Negation, jedoch uneinig in den AbändenlngSanträgen sei. Die sacultative Eivilehe werde von der Kirche schärfer angefochten, als die obligatorische. Die Regierung sei unter Aufrechterhaltung über Principien, wozu die obligatorische Form der Eivilehe gehöre, bereit, Alles zur Beruhigung des religiösen GewtstenS zu thun und hoffe von der Vorlage die Entwicklung .neuen Lebens in der Religiosität. Hierauf erfolgte die namentliche Abstimmung. Morgen beginnt die Specialdebatte. Daszary erklärte das Gesetz für ebenso verhängnißvoll für daS Vaterland, wie
Feuilleton.
Dss Morse dlümchkn.
Novellette von Friedrich Bück«r.
(4. Fortsetzung.)
Ich habe mit unserem Experimcntir-Telegraphen doS Telegraphkren in wenigen Togen erlernt. DaS große, un- endlich große Verdienst Morse- besteht darin, durch den Taster beliebig dem electrischen Strom die Leitung zu öffnen und zu schließen und dadurch den fernen El-ctromagn-t-n beliebig zu magnetisiren oder, wenn ich da- große Wort ge- iaff n sp echen darf, ihn zum Schreiben und Sprechen zu »wingeiu Ich brauch- di- D-P-lche nicht m-hr zu I°s°n, ich hör- st- in den Tactschlägen d-S Apparate-; ich empfang sie hörend und gebe st- hörend in di- Ferne. Ja, den Mors möchte ich noch einmal mit Augen schauen, der den Schreib- und Hör-Telegraphen erdacht hat, um zu sehen, ob sich m seinem Bli-k- der große Gedanke widerspiegelt, den er für die toeUÄbÄnm-;ti Seiner Hellen», General Gerhardt, Director der Kaiserlichen Telegraphen inien von Aukland Derselbe theilt uns mit, daß ein Telegraphen uÄriS von St. P-t-r-burg durch Sibirien nach Kiachta und von da nach Peking in der Errichtung begriffen sei. Daran schließe sich eine regelmäßige Postverbindung zwischen den Hauptstädten Rußlands und Chinas. Diebe- deutendste Leistung der nächsten Zeit set iedoch die "le graphische Verbindung zwischen dem europäischen Rußland Mid Turkestan. Proseffor Snde flüstert -«r 4°sOhr^ „N- Rusten sind gut daran, sie brauchen kein Kabel, wenigstens
Wir machen die Bekanntschaft Seiner Hochwürden, des evangelischen Militärpfarrers der ganzen Kaukasischen Armee, des Herrn Burghardt- er ist ein Preuße, geboren in NS- leben, und muß von seinem Stationsorte TlfliS au» jährlich alle Garnisonen und Standorte der Truppen bereisen. Er
i kommt eben auS dem hochgelegenen Daghestan und befindet sich seit einem halben Jahre aus der Reise. In den vier
* Jahren seiner AmtSthätigkeit hat er 20,000 Werst zurück- gelegt. Prosestor Ende sagt ihm die Schmeichelei, er habe den besten Telegraphen in seinen Beinen und seinem Dreigespann ...
Angenehme Bekanntschaft mit Madame Mächinn, Schwiegermutter des Generalmajors Sabutzk'. Sie war vor ungefähr zwanzig Jahren von einem Tscherkeflensürsten geraubt und in eine Gefangenschaft geschleppt worden, die über ein Jahr dauerte. Man hatte sie gezwungen, über acht Tage hinter ihrem Räuber aus dem Pserde sitzend, mit den Tscherkeffen umherzuziehen. Wir trafen sie, als sie mit uns zum Stillstände gezwungen und gleich uni ein merkwürdiges Htnderniß zu überwinden hatten. Dieses Hinderniß bestand in einem Strom von Reitern, Telegen, Handpferdeu und SMbtftcn, die auf einem Reisemarsche begriffen waren. Die Frauen in diesem Zuge, welche inmitten der Reiter und Handpferde plötzlich ihr Fuhrwerk anhielten, Kochgeschirre und Lebensmittel auSpacklen, Feuer anzündeten und für die Ihrigen ein Mahl bereiteten, hatten etwas ungemein Malerisches. AuS der selbst in diesem ChaoS nicht abgelegten Krinoline und einer reizend stehenden, durch einen Gurt zusammengehattenen Zuavenjacke ließ sich schließen, daß dieselben Damen, die hier auf der Landstraße ihren Gatten das Esten bereiteten, bald darauf vielleicht in den elegantesten Gesellschafts-Toiletten prangen würden. Madame Mächinn soll, wie mir Profestor Ende sagte, mit Spiegeln eine optische Telegraphie zum Zwecke ihrer Befreiung hergestellt haben.
Alle Frauen, hoch und niedrig, sollten wenigstens so viel von der electrischen Telegraphie misten, als ich mir selbst in dem Satze zusammengeftellt habe: Geh weiter, sonst wird man Dich stoßen? Die Anfangsbuchstaben der sieben Worte dieses meines Satzes find zugleich die Anfangsbuchstaben der sieben Weisen, welche sich große Verdienste um die Telegraphie erworben haben, und zwar seit dem ersten Versuch im Großen- sie ergeben nämlich die Namen Gauß, Wcber,
Steinheil, Wheatstone, Morse, Davy und Siemens. Jeder Mann sollte seiner Frau die Bedeutung dieser Männer der Wissenschaft für die Telegraphie so klar zu machen wiffen wie die Sonne. Für mich, daS Laienkind, steht Morse obenan. Weßhalb? Das habe ich meinem Tagebuch schon anvertraur. Morse regte auch die Idee der Verbindung von Europa mix Amerika durch ein tranSatlanttscheS Kabel zuerst an. Und führe ich nicht selbst den Namen Morseblümchen? . .
Merkwürdig sind die optischen Telegraphen, welche wir im Gebiet der Kubanischen Kosaken antreffen. Sie bestehe» auS einer Art Kanzel, welche sich aus vier vierkantig roh- behauenen, 50 bis 60 Fuß hohen Baumstämmen erhebt und durch ein Schilsdach geschützt ist. Die Kanzel gewähtt die weiteste Umschau, die man sich nur denken kann und ist zur optischen Zeichengebung wie geschaffen. Ha: doch die russische Sprache ganz besondere Ausdrücke für die noch undeutlichen Ericheinungen am fernsten Horizont, die tnS Deutsche über« tragen etwa durch schwärzeln, bläueln, grüneln ic. wieder» zugeben wären. ... .
Profestor Ende hat seit einigen Tagen fernen Appetit und nimmt jetzt, um diesen zu reizen, eine „SakuSka" ein; diese Mahlzeit besteht auS salzigen und gewürzten kalte» Speisen, Sardellen, Caviar, Schinken, Sardinen, SHfe u. s. w. . .
In der Steppe, durch welche der Weg sonst so einförmig führt, gewähren die zahlreichen Schaf-, Rinder« und Pferdeheerden, ein Geier in der Luft, ein Volk Rebhühner, Fasane» und Trappen Abwechselung. Auch TranSport-Carawanen »•* 60 bis 80 schweren Fuhrwerken beleben die Einöde. An« genehm wirkt die bunte Tracht der Männer und Weiber. Erstere tragen sogar farbige Stiefel, letztere sehen in ihre» kurzen, weißen, blonsenarttg geschürzten Hemden, mit farbiger Stickerei besetzt, und in ihren einfarbigen ober bunten Röcken, mit ihren rochen oder gelben Kopftüchern nicht übel aus.
(Fortsetzung folgt.)


