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Nr. 143 Freitag den 22. Juni
1894
Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die lKießener Aamtlteuötäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
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Deutsche» Reich.
Berlin, 20. Juni. Zur Reichstagsersatzwahl in Elmshorn -Pinneberg hat das Central - Comito der Freisinnigen BolkSpartei den Beschluß gefaßt, zur Stichwahl keine Wahlparole auszugeben, sondern eS den freisinnigen Wählern zu überlassen, nach Ermessen Stellung zu nehmen.
Berlin, 20. Juni. Die Frage der Reform der städtischen Steuern in der Reichshauptstadt hat jetzt eine erstmalige vorläufige Entscheidung erfahren. Von der hierzu ernannten Specialcommifsion sind diejenigen Vorschläge, welche sich auf die städtische GrundstückS-Umsatzsteuer, auf die Besteuerung fremder Biere, auf die Einführung einer höheren Betriebssteuer für die Hotels und größeren Etablisie- ments, sowie einer „Lustbarkeitsteuer" überhaupt bezogen, abgelehnt worden. Fallen gelassen wurden fermer die MiethS- steuer und die städtische HauSsteuer in ihrer jetzigen Gestalt. Dagegen einigte man sich über die Einführung einer neuen städtischen Gemeindegrundsteuer und über die Vereinigung der bisherigen Haussteuer mit der StaatSgebäudesteuer, außerdem wurde die vorgeschlagene Bauplatzfteuer genehmigt. Zunächst handelt cs sich freilich nur um eine vorläufige Entscheidung, eine Beschlußfassung der Plenarversammlungen der beiden städtischen Collegien Berlin« über diese Steuerprojecte steht noch in weitem Felde.
— Die Commission für Arbeiter st ati st ik tritt nächsten Sonnabend in Berlin zu einer neuen Sitzungsperiode zusammen. Es handelt sich bei diesen Berathungen genannter Commission vorwiegend um das an den Reichskanzler in Sachen der angesiellten Erhebungen über die Arbeitszeit in den Bäckereien und Conditoreien zu erstattende Schlußgutachten. Weiter wird sich die Commission mit den Fragen der Arbeitszeit, der Kündigungsfristen und der LehrlingS- verhältnisie im Handelsgewerbe auf Grund der auch hierüber stattgefundenen Ermittelungen beschäftigen.
Ausland.
— König Alexander von Serbien tritt am Samstag seine Reise nach Constantinopel zum Besuche des Sultans an. Von Seiten des Sultans sind fpecielle Befehle zu einer besonders auSzeichnenden Aufnahme des hohen
Feuilleton.
Da» Morseblümchen.
Novellette von Friedrich Bücker.
(3. Fortsetzung.)
„Gehen Sie, mein Freund, der liebe Gott möge Ihnen Trost verleihen/ sprach Baronin v. Taube bewegt. „Doch, a propos“, rief sie noch mit lebhafter Stimme dem sich verabschiedenden Attache nach, „übrigens heißt die Dame nicht von Adlar, sondern einfach Adlar."
„Ich muß Ihnen in diesem Punkte auf das Bestimmteste widersprechen, Frau Baronin," betonte der Attachö, seine Schritte hemmend. Die Stimme hatte plötzlich wieder Klang und fein Antlitz wieder Leben gewonnen.
„Ich habe den Stammbaum Derer von Adlar aus daS Genaueste geprüft und durchaus correct befunden. Außerdem hatte der Vater Annas in den Oftseeprovinzen eine Stellung inne, mit welcher der Adel so wie so verbunden ist. Sie ist also, wenn ich mich so ausdrücken darf, von Doppeladel."
„Ob Sie sich nicht irren, Herr Attache?"
„Ich irre mich bestimmt nicht. Jetzt liegt mir vor Allem die Ausgabe ob, zu untersuchen, ob der Stammbaum des Fräuleins auch eine sittliche Grundlage hat und keine Marksäule der Selbstsucht ist."
„Wie Sie meinen! Ich laste mich nicht so leicht :n btc RückzugSlinie drängen!" rief die Baronin noch dem durch die Thüre verschwindenden Attache nach.
Herr v. Wormstall ging in dieser Nacht nicht zur Ruhe. Er saß angekleidet auf seinem Sopha und grübelte darüber nach, welchen Inhalt wohl daS so sorgfältig gehütete Tagebuch seiner Braut haben möge. Daß es eine Blumenlese zärtlicher Ergüsse für den Professor enthalte, blieb ihm keinen Augenblick zweifelhaft, aber wie weit gingen diese Ergüsse? Mehr aber noch, als diese Frage, beschäftigte ihn der Gedanke, ob und wie er zur Lösung seines Verhältnisses schreiten müsse. Sein Verhältniß scheinbar fortbestehen zu lassen, Anna zu verhehlen, was er über sie vernommen habe, dünkte ihm so unwürdig, so ehrlos, daß er diesen Gedanken, kaum gedacht, auch wieder fallen ließ. Endlich faßte er den Ent-
GafteS von dem Augenblicke an, wo er den türkischen Boden betritt, ergangen. Ungefähr zur selben Zeit, wie den Serbenkönig, erwartet man am Hofe von Stambul noch einen anderen erlauchten Gast, den Vicekönig von Egypten. AbbaS Pascha wird seine Reise nach Constantinopel ebenfalls am SamStag antteten und zwar begleitet vom Obercommissar der Pforte in Kairo, Mukthar Pascha.
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Correfpondenz-Bureiu.
Berlin, 20. Juni. Die HeilandSkirche im Stadt- theil Moabit wurde in Gegenwart der Kaiserin, deS Prinzen Friedrich Leopold als Vertreter deS Kaisers, der Minister Eulenburg, Bosse, Heyden, der Spitzen der kirchlichen und städtischen Behörden durch den Generalsuperintendenten Faber heule Vormittag geweiht.
London, 20. Juni. Die russische Macht „Polarstern" mit dem Czarewitsch ist um 1 Uhr 30 Min. Nachmittags in Gravesend eingetroffen.
London, 20. Juni. Die russische Macht „Polarstern" wurde beim Einlausen mit Salutschüssen vorn Fort Tilbury empfangen. Die Begrüßung des Großfürsten-Thron- folgerS seitens der Mitglieder der russischen Botschaft und deS Stallmeisters der Königin, Obersten Byng, fand an Bord des „Polarstern" statt. Sodann fuhr der Großfürst-Thronfolger nach dem Südbahnhofe, wo eine Ehrenwache ausgestellt war, und begab sich von hier aus' mittelst ExtrazugeS nach Walton on ThameS zum Besuche deS Prinzen Ludwig von Battenberg.
Glasgow, 20. Juni. In der heute Nachmittag stattgehabten Versammlung der schottischen Grubenbesitzer beschloß man mit großer Mehrheit, sich auf keine Vorschläge zur Einigung elnzulassen, sondern Vorbereitungen zum Sr ri ke zu treffen, der am Dienstag beginnen soll.
Bruffel, 20. Juni. Das Comitö für die internationale Ausstellung in Brüssel beschloß, dieselbe wegen der auszusührenden großen Arbeiten bis 1897 zu verschieben.
Petersburg, 20. Juni. Aus der heutigen Schlußrede des Finanzmmisters in der Commission für Herabsetzung der Getreideausfuhr-Tarife geht hervor, daß eine Tarifherabfetzung nach den Exporlplätzen nur für Ssaratow zu erwarten ist. Die anderen Tarife bleiben unverändert.
schluß, die Wohnung der Frau v. Adlar so lange zu meiden, bis er das Tagebuch durchgeseben. Er schrieb an Frau v. Adlar, er fordere daS Tagebuch ihrer Tochter als Preis des Vertrauens,- er könne den Betheuerungen der Tochter nur Glauben schenken, wenn sie mit jeder srüheren Neigung bräche, und zum Zeugniß dessen bitte er um Aushändigung deS Tagebuches.
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Kein Gelehrter konnte eifriger an die Enträthfelung der Hieroglyphen gehen, wie Herr v. Wormstall an die Entzifferung des Tagebuches feiner Braut. Annas Mutter hatte dasselbe der Kassette ihrer Tochter heimlich entnommen, efl war in deutscher Sprache mit Morfe'schen Zeichen verfaßt und er wußte sich erst auf das Studium der Telegraphen- schrift legen, bevor er auch nur eine Zeile lesen konnte. Endlich hatte er das Studium überwunden und laS die Morsezeichen geläufig. Die Ueberschrifft lautete:
Tage b u ch des
M o r f e b l ü m
ch e n 5 !
AlS Motto diente daS schöne Horaz'sche Wort: „Treulich die Wissenschaften erlernt zu haben, sänstigt die Sitten und behütet sie vor Verfall in Rohheit."
Das Tagebuch begann: „Der Professor nennt mich „Morseblümchen". Das Wort paßt gut in Rußland. ES soll etwas Liebes bedeuten. Die Russen haben in ihrer Sprache viel Liebes. Nennen sie doch z. B. ihren größten gewaltigsten Strom: Großmütterchen Wolga. Wir haben einen kleinen Experimentir-Telegraphen bei uns, dessen Drähte um eine Weltkugel laufen. Wir lassen oft ferne Erdtheilc wie Freunde miteinander plaudern. Da fahrt ein Seefahrer mitten auf dem unendlichen Ocean. Der Capitän denkt sehn- suchtSvoll an sein fernes Vaterland. Und gleichzeitig kreist unter ihm im Meeresgründe mit Gedankenschnelle der elcc- trische Strom und bringt heimatliche Kunde. Das alles geht hier ganz glatt auf unserer kleinen Weltkugel, das heißt, in
Rom, 20.Juni. In der Encyklika, deren Veröffettt- lichung unmittelbar bevorsteht, erinnert der Papst an die Kundgebungen zu seinem Jubiläum und erklärt, er wolle gleichwie Christus am Ende seines Lebens alle Menschen ohne Unterschied deS Landes und ter Rasse zur Einheit drö Glaubens aufrufen. Indem der Papst zunächst die nichtchristlichen Völker in Betracht zieht, betont er, die Kirche werde mit steigendem Eifer das Werk der Ausbreitung des wahren Glaubens fortsetzen. Die christlichen Völker erinnert der Papst an die ReligionSeinheit, die ehemals das gemeinsame Datererbe selbst inmitten deS Kampfes um die irdischen Dinge gebildet habe. Die Griechisch-Katholischen weist der Papst daraus hin, daß ihre Vorfahren den römischen Pontifex anerkannten, wie eS die Lateiner und Griechen auf den Conzilen zu Lyon und Florenz thaten. Gegenwärtig seien die Griechisch-Katholischen den Römisch-Katholischen gegenüber freundlicher gesinnt- er lade sie ein zu einer völligen Bereinigung mit der römisch-katholischen Kirche. Er werde die Riten und patriarchalischen Privilegien der Griechisch-Katholischen aufrechterhalten. Besonders gelte seine Einladung den slavischen Völkern. Auch an die protestantischen Völker richtet fich die Encyklika. Den Protestanten fehle die feste Richtschnur für den Glauben und die Autorität. Einige Protestanten seien dahin gelangt, die Gottheit Christi und den göttlichen Ursprung der heiligen Schriften zu leugnen und seien dem Materialismus und Naturalismus verfallen. Das Schriftstück gedenkt sodann der erleuchteten Protestanten, die heilsbegierig wieder zum Katholizismus zurückkehrte», und ermahnt die übrigen ebenfalls zur Rückkchr, damit alle denselben Glauben, dieselbe Hoffnung, dieselbe Liebe hätten, gegründet auf demselben Evangelium. Der Papst ermahnt ferner die Katholiken, an der Gleichgiltigkeit inmitten drohender Gefahren zu rütteln und den kirchlichen Oberen unbedingt zu gehorchen. Beseelt von versöhnlichem Geiste gegenüber den bürgerlichen Gewalten sei die Kirche gerne bereit, mit ihnen Vereinbarungen zu treffen. Die Encyklika beklagt sodann die Falle von Unterdrückung, die neuerdings wieder dem alten, der Kirche feind lieben Geiste entsprungen, sich gezeigt hätten, und wendet sich entschieden gegen die freimaurerische Secte, die Feindin religiöser Einheit, die sich kühn in Rom ausbreite. Italiener und Franzosen möchten den Despotismus dieser Secte von sich abschütteln, damit die Glaubenseinheit aller Völker die Uebel des Krieges und des gegenwärtigen Zustandes in
| der Theorie, aber wie ist eS in Wirklichkeit, daS heißt in der I Praxis? Professor Ende überreicht mir soeben einen Aus- schnitt aus einer englischen Zeitschrift, der ein Protocoll enthält, welches in einer Versammlung englischer Civil-Jngenieure ausgenommen wurde. Man denke sich, durch daS Mißlingen des atlantischen Kabels von Valentia (Irland) nach St. Jean (Neufundland) sind die Ingenieure muihloS geworden. Da heißt eS in dem Protocoll u. A.: Alle langen electrifchen Leitungen haben sich als vollständig verfehlte Spcculationen erwiesen. So das atlantische Kabel, die Rothe-Meer-Leitung, die Verbindung JavaS mit Singapore u. s. w. DaS eine Kabel brach in kurzer Zeit elfmal, fünfmal durch SchiffSanker und sechsmal durch Felsen, Fluthen und Stürme. DaS andere Kabel riß durch die Reibung auf Korallenfelfen in kurzer Zeit wohl zwölfmal und ist, wie alle anderen Kabel, hoffnungslos. DaS drstte Kabel liegt auf einer Kette unzähliger Inseln mit Korallen und Granitspitzen, gar nicht die Temperatur deS Wassers zu erwähnen, die für daS Kabel zu hoch ist. DaS nördlichste Kabel hat nicht nur mit Felsen und Strömungen, sondern auch mit Gletschern und Eisbergen zu kämpfen. Die Elemente zerstören nicht nur den äußersten Schutzdraht, sondern auch die innere Guttapercha. Und wie lautet der Schluß deS Protokolls? Hört, hört, ihr Frauen, den Beschluß von Männern: „Der Ehrgeiz, den Ocean durch eine geistige Brücke zu überspannen, muß aufgegeben werden. Der Stolz der Wissenschaft hat einen harten Schlag erhalten und die Idee, Indien mit dem Pol sprechen zu lassen, kann nur dem Dichter überlassen bleiben. Die Regierung, gedrängt von Projectmachern, ermutigt durch daS Publikum, kann kaum für das viele Geld, daS es vergebens in die Tiefe gesenkt hat, getadelt werden- es hat dazu gedient, die Nation zur Vernunft zu bringen." Professor Ende lächelt über daS Protocoll und ich fühle, daß ich darüber erröthe. Ende sagt: „ES liegt alles nur an einer Kleinigkeit, an dem Schadhaftwerden deS Ueberzuges - als ob man einen zerrissenen leichten Anzug nicht durch einen neuen, haltbaren ersetzen könnte!"
(Fortsetzung folgt.)


