Ausgabe 
22.6.1894
 
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Europa beschwöre. Der Papst bespricht zum Schluffe die sociale Frage, deren Lösung er bereits im Geist des Evangeliums empfohlen habe, ermahnt hinsichtlich der Politik zur Ueber- cinstimmung der Völker mit den herrschenden Gewalten, möge die Form der Regierung sein, welche sie wolle und fordert die Regierungen zur Unterstützung religiöser Einheit mit allen Kräften auf, damit nicht das Ende dieses Jahrhunderts dem stürmischen Ausgange des vorigen Jahrhunderts gleiche.

Depeschen des Bureau .Herold".

Berlin, 20. Juni. Von gutunterrichteter Seite wird gemeldet, der Kaiser werde nach der Nordlandreise Anfangs August auf derHohenzollern" nach England fahren,- die Capelle der 1. Matrosendivision werde den Kaiser begleiten.

Berlin, 20. Juni. DasBerl. Tagebl." erklärt die Nachricht einer hiesigen Correspondenz, daß die Reichsregierung beabsichtige, den Gesetzentwurf wegen Ausdehnung der Unfallversicherung auf das Handwerk amtlich zu veröffentlichen, ehe die Vorlage an den Bundeßrath gebracht werde, für unbegründet. Der Gesetzentwurf sei bereits am Montag dem Bundesrath zugegangen und stehe auf der Tages­ordnung der morgigen Plenarsitzung.

Berlin, 20. Juni. DerReichsanzeiger" meldet zu den Erkrankungen von Zöglingen im Waisenhause zu Bunzlau, bis zum 17. Juni sei die Zahl der an Brechdurchfall mit Fieber Erkrankten auf 56 gestiegen. Trotz eingehender Untersuchung sei die Ursache der Erkrankungen noch nicht sestgestellt. Die Krankheit habe inzwischen wesentlich nach­gelassen.

Berlin, 20. Juni. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Bekanntmachung der Königlichen Akademie der Künste über das Ergebniß der für das laufende Jahr aus dem Gebiete der Bildhauerei und der Architectur ausgeschriebenen Wett­bewerbe um den großen Staatspreis im Betrage von je 3300 Mk. zu einer einjährigen Studienreise, wonach der für Bildhauer bestimmte Preis dem Bildhauer Fritz Klimsch aus Frankfurt a. M., der für Architecten bestimmte dem Regierungsbaumeister Karl Moritz aus Berlin zuerkannt worden ist.

Berlin, 20. Juni. Nach Mittheilung des kaiserlichen Gesundheitsamtes wurden während der letzten Woche im Deutschen Reiche Cholerafälle nicht fest gestellt.

Kiel, 20. Juni. Heute wurde hier die große Mar ine - gemäldeausstellung eröffnet. Auf derselben befinden sich über 200 Werke hervorragender deutscher Künstler.

Ratibor, 20. Juni. Das Grundwasser steht in allen Kellern meterhoch- der Wafferftand beträgt 4 Meter. Mehrere Menschen ertranken, viel Vieh ist umgekommen. In Pleß hat das Wasser in diesem Jahrhundert noch nie so hoch gestanden wie jetzt.

Wien, 20. Juni. Wie diePol. Corr." aus Peters­burg meldet, werden der im Herbst stattfindenden Ver­mählung des Czarewttsch als Gäste der Kronprinz von Dänemark, der Prinz von Wales, der Herzog von Sachsen-Coburg nebst Gemahlin und der Großherzog von Hessen beiwohnen.

Troppau,20.Juni. DerOlsafluß ist ausgetreten und hat weite Länderstrecken verwüstet.

Budapest, 20. Juni. Von Stunde zu Stunde treffen neue Nachrichten von überschwemmten Ortschaften, eingestürzten Häusern usw. ein, namentlich aus der Gegend von Komorn. Komorn selbst ist sehr gefährdet, das Militär arbeitet auf das Angestrengteste, um den dortigen Damm zu erhalten. Der Badeort Pistyan ist völlig überschwemmt, Szered stehl theilweise unter Waffer. Das Comitat Lipto ist fast ganz überschwemmt. Infolge des Dammbruches bet Szimö sind 20000 Joch Ackerfeld mit den besten Saaten vernichtet. Der Bahnverkehr im Waagthal dürfte noch eine Woche gesperrt bleiben. Neuerdings ist auch der Küküllöfluß ausgetreten und hat Feld und Flur überschwemmt. Die Nachrichten aus dem Alföld lauten sehr besorgnißerregend. Es regnet.

Budapest, 20. Juni. Die Spannung wegen der morgen stattfindenden Abstimmung des Magnatenhauses über das E h e g e s e tz ist eine ungeheuere. Die klerikalen Kreise agitiren fortgesetzt energisch, um die Majorität zu erlangen. In sämmtlichen hiesigen Kirchen soll morgen für die Ablehnung der Vorlage gebetet werden.

Preßburg, 20. Juni. Das Wasser der Waag fällt fortwährend; die ärgste Gefahr gilt als beseitigt. Der durch das Hochwasser angerichtete Schaden ist unberechenbar. Die Waag führt Menschen- und Thierleichen, sowie allerhand Hausgeräth mit. Das Elend ist furchtbar.

Preßburg, 20. Juni. Das Hochwasser fällt rapide. Trotzdem ist die Gefahr noch außerordentlich groß. Der seit voriger Nacht wüthende Sturm beeinflußt das Gelingen der nöthigsten Rettungsarbeiten ungemein. Man schätzt den im Waagthale entstandenen Schaden auf 5 Millionen Gulden.

Rom, 20. Juni. Aus Neapel wird von privater Seite nach hier gemeldet, daß, nachdem die oortige Universität geschlossen wurde, die Studenten versucht hätten, dieselbe zu stürmen, sodaß Militär requirirt werden mußte. Zwischen den Truppen und den Studenten kam es zu blutigen Zusammenstößen- die ersteren machten von ihren Waffen Gebrauch. Auf beiden Seiten wurden Viele verwundet.

Brüssel, 20. Juni. Wie die Untersuchung festgestellt hat, ist der durch die letzte Explosion angerichtete Schaden auf 500 000 Franken zu berechnen. Ueber die Ursache und den Thäter ist bis jetzt nichts bekannt.

Kopenhagen, 20. Juni. Der sich augenblicklich in London aushaltende älteste Sohn des ^Kronprinzen, Christian von Dänemark, wird sich mit der Prinzessin Maud von Wales verloben.

London, 20. Juni. In Newyork angekommene englische Schiffe melden, daß die Ueberfahrt mit großen Gefahren ver­bunden gewesen sei, weil immer noch große Eismassen den atlantischen Ocean von Norden nach Süden durch­ziehen.

Madrid, 20. Juni. Die Madrider Presse hat gegen die von Neuem angekündigten Stiergefechte, an welchen zwölf der besten Toreadors theilnehmen sollen, einen energischen Feldzug eingeleitet und bittet die Regierung, diese Kämpfe, in denen noch vor Kurzem ein Toreador getödtet worden, endlich abzuschaffen.

Coctiks rrn- 4)eovLnzLeüer

Gießen, den 21. Juni 1894.

* * Militärdienstnachricht. Dr. Hirsch, einjährig-frei­williger Arzt beim 1. Großh. Hess. Jnfanterie-(Leibgarde-) Regiment Nr. 115, unter Versetzung zum Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zum activen Unter­arzt ernannt.

* * Ernannt wurde am 12. Juni der Werkmeister am Gefängniß in Darmstadt Johann Friedrich D ern zum Werk­meister an der Zellenstrafanstalt Butzbach.

* * Unfall. Gestern Mittag stürzte sich ein Mann in der Bahnhofstraße aus dem Fenster seiner in dem dritten Stockwerk belegenen Wohnung in den Hof. Derselbe wurde in die Klinik verbracht, da aber die Verletzungen unbedeutend befunden wurden, wieder in seine Wohnung befördert. Außer einer Kopfwunde hat derselbe trotz des gefährlichen Sprungs keine Verletzung davongetragcn. Als Motiv zu dem Selbst­mordversuch kann nur momentane Geistesgestörtheit ange­nommen werden. Der Mann war in letzter Zeit sehr nervös und aufgeregt.

* * Turnerisches. Bei dem am Sonntag in Schwein­heim bei Aschaffenburg abgehaltenen Preisturnen des Main­thalturnerbundes erhielt Herr Karl Heuser aus Gießen, derzeitiges Mitglied des Seligenstädter Turnvereins, den ersten Preis.

* * Sommerfest des Fechlverbands Gießen Lahr. Die Vorarbeiten zu dem am nächsten Sonntag auf der Pulver­mühle stattfindenden Sommerfest sind in Angriff genommen. Die Belustigungsbuden auf dem ausgedehnten Festplatze werden längs des Ufers der Lahn Aufstellung finden. Für bequeme und ausreichende Sitzplätze wird Sorge getragen. Den Eingang zum Festplatz ziert eine Ehrenpforte, über welcher das bekannte, einen auf dem Stuhl stehenden Waisen­knaben darstellende Bild, in Form eines Transparents in bunten Farben angebracht ist. Thierfreunden dürfte der ausgedehnte, an den Festplatz grenzende Thierpark des Herrn Schwan recht viel Anziehungskraft bieten. Abgesehen von der sehenswerthen Einrichtung und Eintheilung des Thierparks, findet man in demselben nunmehr einen in Gießen gewiß noch nicht vereinigten Reichthum an selteneren Säugethieren und Geflügel. Jedenfalls wird das Sommerfest auf der Pulvermühle ein wahres Volksfest, auf welchem nicht nur alle Klassen der Gesellschaft angenehme Unterhaltung finden werden, sondern durch die zu erwartende allgemeine Be­theiligung auch für die armen Waisen manch Scherflein abfallen wird.

* * Das nächste deutsche Buudesschießen findet 1897 in Nürnberg statt.

* * Ausstellung für Hotel- und Wirthschaftsweseu in Darmstadt. Es sind bereits alle Vorbereitungen im Gange, um die Ausstellung zu einer nach jeder Richtung hin glänzenden zu gestalten. Wiewohl die Ausstellnng eine fachgewerbliche sein wird, wird sie doch ihrem ganzen Character gemäß nicht nur für den Gastwirthestand, sondern für das ganze große Publikum von hohem Interesse sein. Sie giebt Gelegenheit, Producte, Consum- und Bedarfsartikel der mannigfachsten Art, ebenso practische Einrichtungen und Erfindungen ver­schiedensten Genres vor Augen zu führen, und wird auf diese Weise Anregung bieten für eine große Anzahl Aussteller und zugleich starke Anziehungskraft auf die Besucher ausüben. Da eine so weitumfassende Ausstellung schon seit längerer Zeit in dem^Theile Deutschlands nicht stattgefunden hat, und voraussichtlich gleichmäßig die Landwirthschaft und I n d u st r i e, wie Handel u n d G e w e r b e sich an derselben betheiligen, darf auch ganz besonders eine Förderung all dieser Interessen durch die Ausstellung erwartet werden. An­meldungen zu derselben müssen bis zum 1. Juli d. I. an den Vorsitzenden des Ausstellungs-Hauptvorstandes, Herrn Stadt­verordneten C. Reinemer in Darmstadt, erfolgen.

* * Frühobst- und Frühgemüse - Ausstellung in Erfurt. Vom 5. bis 9. Juli wird in Erfurt im Rahmen der Thüringer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung eine allgemeine deutsche Frühobst- und Frühgemüse-Ausstellung stattfinden, die vorzugsweise bestimmt ist, eine Uebersicht der in Deutsch­land angebauten besten Stein- und Beerenobst- Sorten und damit gleichzeitig eine Unterlage für die Ver­handlungen des Deutschen Pomologen-V ereins zu geben, der am 6. und 7. Juli in Erfurt seine Versammlung abhalten wird. Der Verein wird, nachdem er auf der im Herbst des Jahres 1893 in Breslau stattgefundenen Ver­sammlung mit der Sichtung des zum allgemeinen Anbau zu empfehlenden Kernobst-Sortiments zu einem bestimmten Ab­schlüsse gelangt ist, in Erfurt in die Arbeiten zur Sonderung der Stein- und Beerenobst-Sorten eintreten, um die für die Großculturen, z. B. zum Zwecke der in der Jetzzeit zu großer Bedeutung gelangten Beerenweinbereitung geeignetsten Sorten zu ermitteln und allgemein bekannt zu geben. Es ist deshalb eine recht rege und allgemeine Betheiltguug aus ganz Deutsch­land wünschenspierth, um unter den verschiedenartigsten Ver­hältnissen für bestimmte Verwendungszwecke erprobte Sortimente in recht umfaffender Weise vertreten zu sehen. Ein anderer Zweck der Ausstellung ist die Ermittlung der besten frühen Kernobst- und Frühgemüse-Sorten, also zweier Specialitäten, die für die Culturen unserer Zeit von hervorragender Bedeutung sind. Da nun die Thüringer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung, gleichwie die gärtnerischen Culturen Erfurts so vielerlei Jntereffantes bieten, das an und für sich schon eine Reise nach Erfurt lohnend macht und eine bedeutende Anziehung auf die weitesten Kreise ausübt, so wird es der Frühobst- und Frühgemüse-Ausstellung sicher

nicht an einem zahlreichen Besuche fehlen, sodaß unter Berück­sichtigung der obwaltenden Verhältnisse die Betheiligung an der Ausstellung nur dringend empfohlen werden kann. Pro­gramme sind von dem Stadt'Garteninspector G. B e r g f e l d in Erfurt zu erlangen.

* Reichsgerichtsentscheidung. Die Veröffentlichung eines Räthsels oder eines Rebus in einer Zeitung mit der Ankündigung, daß jeder Einsendung einer Lösung ein be­stimmter Geldbetrag beigefügt: werden müsse, und daß die Einsender verschiedene Gewinne erhalten sollen, fällt, nach einem Unheil des Reichsgerichts unter die Strafbestimmung des § 286 des Strafgesetzbuchs, betr. die Veranstaltung öffent­licher Ausspielungen ohne obrigkeitliche Erlaubniß.

* * Ausbildung von Lehrern für Handwerkerfchnleu. Die Centralstelle für die Gewerbe läßt in der Zeit vom 16. Juli bis 11. August einen Lehrcursus zur Ausbildung von Lehrern an den Handwerkerschulen abhalten. Der Unterricht, welcher in der Landesbaugewerkschule von Lehrern dieser Anstalt ertheilt wird, ist Gruppenunterricht und erstreckt am Vormittag sich auf Freihandzeichnen, resp. darstellende Geometrie und Fachzeichnen, während an den Nachmittagen in den übrigen Fächern des praktischen Zeichnens unterrichtet wird. Der Lehrcurs hat hauptsächlich den Zweck, den Lehrern eine sichere practische Methode des Zeichenunterrichts an die Hand zu geben, welche sie alsdann in den Handwerker- und Gewerbeschulen zur Anwendung bringen sollen. Der vorjährige Lehrcursus war von etwa 20 Teilnehmern, zumeist Volksschullehrern aus allen drei Provinzen, besucht. Den Theilnehmern wird eine entsprechende Unterstützung gewährt.

* * Sommers Anfang. Die Sonne erreichte heute, am 21. Juni, um 12 Uhr Mittags, ihren höchsten nördlichen Stand über dem Aequator- mit dem längsten Tage des Jahres beginnt der Sommer. Dieser längste Tag dauert 16 Stunden 45 Mm., denn die Sonne erhebt sich über dem Horizont um 3 Uhr 45 Min. früh und geht erst um 8 Uhr 30 Min. zur Rüste. Noch ist in diesem Monat die Zeit der Hellen Nächte. Von nun aber geht es dann, zuerst freilich nur langsam, nachher aber bald gar rasch, wieder bergab der weniger erfreulichen Hälfte des Jahres zu.

** Die deutsche überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reich ist in einer ständigen Abnahme be­griffen. Sie betrug im Mai 4908 Personen gegen 12 138 im Mai des Vorjahres. Außerdem wurden noch aus deutschen Häfen 4916 Angehörige fremder Staaten befördert.

y. Lollar, 20. Juni. Unserem Bericht über das Kriegerfest am vergangenen Sonntag ist noch nachzutragen, daß in dem Gedenkgottesdienste Herr Pfarrer Heintze von Kirchberg predigte. Zn Ehren der verstorbenen Mitglieder wurde in der Kirche eine Gedenktafel angebracht. Das dem ersten Vorsitzenden, Herrn Premierlieutenant d. L. Bau­mann, zugegangene Telegramm Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs hat folgenden Wortlaut:Auerbach. Se. Königl. Hoheit der Großherzog lassen allen Betheiligten bestens danken für die übersandten Wünsche, v. Gr auch." Von dem verdienstvollen seitherigen ersten Präsidenten der Hassia", Herrn Oberst Ger lach, lief folgendes Telegramm ein:Herzlichen Glückwunsch zum heutigen Jubiläum. In Treue fest möge der Verein blühen und wachsen immerdar. Ger lach."

fi Lich, 20. Juni. Der VereinMännerquartett" begeht nächsten Sonntag, den 24. d. M., Nachmittags 4 Uhr an» fangend, in den Räumen der Heiland'schen Gastwirthschaft dahier das Fest seiner Fahnenweihe. Mit dieser Feier ist Concert und Abends Festball verbunden. Die Musik wird von einer Abtheilung der Marburger Jägercapelle ausgeführt.

§ Lauterbach, 20. Juni. Gestern fand hier das Ober- Ersatzgeschäft statt. Mehrere Herbsteiner Gestellungs­pflichtige stellten an einen ihnen begegnenden Fuhrmann das An­sinnen, sie mitfahren zu lassen. Der Fuhrmann weigerte sich dessen, da der Wagen bereits überfüllt war. Die Herbsteiner hieben deshalb mit ihren Stöcken auf den Wagenlenker und die übrigen Insassen, so daß mehrere Personen verletzt wurden. Insbesondere trug der Fuhrmann drei stark blutende, gar nicht unerhebliche Verletzungen am Kopfe davon. Die Schuldigen wurden zur Anzeige gebracht.

D. Daueruheim, 20. Juni. Das Gustav-Adolfsfest des Decanats Nidda wurde am Sonntage bei uns gefeiert. Es waren 16 Geistliche ans der Umgegend erschienen. Herr Professor Weiffenbach aus Friedberg hielt die Festpredigt. Die Kirche konnte nicht alle Festtheilnehmer fassen, so zahl­reich waren sie erschienen. Es fand ein Festzug durch den Ort statt, der von dem Kriegerverein, welchem Trommler voranschritten, geführt wurde. Alle Straßen waren mit Fichtenbäumchen geschmückt, an den Häusern hingen Fahnen, Guirlanden, Bilder von Luther, Melanchthon, Gustav Adolf. Der Gesangverein trug mehrere Gesänge in der Kirche vor. An den Eingängen des Dorfes standen Ehrenpforten. Es war ein in jeder Beziehung gelungenes Fest. Wir sahen bei dieser Gelegenheit einen Haus- und Straßenschmuck, der sich ungemein hübsch macht, den wir aber noch nirgends angewandt fanden, der freundliche Leser vielleicht auch nicht. Es waren ausgeblasene Eier, auf Bindkordel aneinander­gereiht, blau, roth, gelb und grün gefärbt. Das gab viel­farbige Guirlanden, die, von einiger Entfernung gesehen, einen allerliebsten Eindruck machten. Wir können diesen zum erstenmale erblickten Schmuck den Landleuten aufs Beste empfehlen- sie können sich die Eier leichtjsammeln und färben und mit den bunten Guirlanden eine prächtige Wirkung erzielen.

0. Orteuberg, 20. Juni. Der stattliche Marktflecken Griesheim bei Darmstadt ist durch die Intelligenz und Geschäftskunde seiner Bewohner bekannt. Sie verstehen sich besonders gut auf den Wald und feine Producte, kennen jede Fährte eines Waldthieres und wissen mit Waldsämereien trefflich umzugehen. Daher kommt es vor, daß Griesheimer Handelsleute im Vogelsberg alle Grassämereien und seltenen