Ausgabe 
20.12.1894 Erstes Blatt
 
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pedition die erstrebte Demüthigung der Wahehe endlich zur Folge haben wird, das muß freilich dahingestellt bleiben.

e Ausland.

Petersburg, 19. December. Der Erfolg der neuen russischen Anleihe ist äußerlich ein ganz besonders glänze.,der. Allein in Paris wurden auf dieselbe 12 Mill­iarden Frcs. gezeichnet, was einer Ueberzeichnung des Be­trages der Anleihe um das dreißigfache gletchkommt. In ganz Frankreich wurde die Russenanleihe 60 mal gedeckt. In Berlin erfolgte eine zehnmalige Ueberzeichnung derselben, in London zeichnete man auf sie insgesammt 25 Millionen Pfd- Sterl., in Rußland selbst wurden auf die 400 Millio­nen der Anleihe 5 Milliarden gezeichnet. Die russische Presie bespricht natürlich voll Stolz diesen gewaltigen Erfolg der jüngsten Anleihe Rußlands, und derWjestntk finanschov" z. B. hat nicht Unrecht, wenn er hierbei meint, die Ergeb­nisse dieser Anleihe überträfen nicht nur alle bisherigen An­leihen Rußlands, sondern ragten auch unter den Anleihen aller anderen Staaten, selbst der creditfesteften, hervor.

Neueste Nachrichten.

Wolff- telegraphisches Torresponderrr-Burea«.

Berlin, 18. December. Die Criminalpolizei hat den Kellner und Comproiristen Joseph Deutsch verhaftet, da es sehr wahrscheinlich ist, daß derselbe die wiederholten raffinirten Diebstähle von mehreren Hundert Mark in den Bureaus der Retchsbank zum Nachtheile der Kassenboten begangen hat.

Straßburg, 18. December. Der frühere langjährige nationalltberale Reichs- und Laudtagsabgeordnete Dr. Jean North, ehemaliger Director der hiesigen Bodencredttbank, ist gestorben.

Budapest, 18. December. WekerleS Reise nach Wien sinder wahrscheinlich schon morgen Nachmittag statt.

Sofia, 18. December. Fürst Ferdinand beschied für heute den Präsidenten der Kammer zu sich, um ein Gut­achten über die Zusammensetzung des künftigen CabtnetS ein­zuholen.

Sofia, 18. December. Fürst Ferdinand empfing heute Nachmittag den Präsidenten der Sobravje, Todorow, und den Vicepräsidenten Danew, die über die Partei- Verhältnisse berichteten. Bis Abends 8 Uhr hatte der Fürst die Cabinetsbildung weder Jemandem angetragen, noch Je- wanden damit betraut.

Petersburg, 18. December. Gestern ist die außer ordentliche türkische Mission unter Fuad Pascha hier eingetroffen.

Depeschen bet Bureau ,5>ctsto"

Berlin, 18. December. DerLocalanzeiger" meldet aus Magdeburg, daß heute die Freilassung der freigesprochenen Oberfeuerwerkerschüler erwartet wird. Im Lazareth des Militärfestungsgefängnisses befinden sich gegenwärtig noch drei Oberfeuerwerkerschüler.

Berlin, 18. December. Die zweite Strafkammer des Landgerichts verurtheilte heute den Anarchisten Tischler- geselle Eicke wegen Aufreizung zur Gewaltthättgkeit, be­gangen durch eine Rede in einer öffentlichen Anarchisten- Versammlung, zu einem Jahre Gefängniß.

Berlin, 18. December. Vor dem Schwurgericht begann heute der Pro ceß gegen mehrere Anarchisten wegen Falschmünzerei. Der Proceß wird voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Köln, 18. December. Der Konstantinopeler Correspondent derKöln. Ztg." schildert in einem längeren Artikel die fort­gesetzt grauenhaften armenischen Zustände. Kein Mensch dürfe aus jener Gegend abreisen, sämmtliche Depeschen und Briefe würden confiscirt. In der Nähe von Saffun flüchteten die Einwohner, darunter Frauen und Kinder, in die Kirche, worauf die Türken die Thüre erbrachen und Alle niedermetzelten. Der Correspondent versichert, eS wäre ein bedauerlicher Beweis von Schwäche der europäischen Diplo­matie, wenn man die armenische Frage als Geringfügigkeit betrachte und sich auf türkische Versprechungen einließe. Von türkischer Seite zeige man das Bestreben, der europäischen Commission möglichst viele Hindernisse zu bereiten und deren Arbeiten derart hinzuziehen, bis in Armenien der harte Winter eintrete.

Leipzig, 18. December. Die Revision des Staats­anwalts im Proceffe des ehemaligen Kanzlers Leist ist nunmehr beim Reichsgericht eingegangen. Der Termin zur Verhandlung ist noch nicht festgesetzt, voraussichtlich dürfte derselbe Mitte Januar stattfinden.

Karlsruhe, 18. December. DerBadische Beobachter" bezeichnet die Meldung des Wolff'schen Bureaus, wonach das Centrum wegen der Umsturzvorlage gespalten sei, als unzutreffend. Diese Mittheilung, welche Herrn v. Buol zu­geschrieben wird, sagt ferner, die Fraction sei einhellig der Ansicht, die Vorlage nicht unbedingt ablehnen zu sollen, sondern eine genaue Fassung der Thatbestände und eine Er­mäßigung der Strafbestimmung anzustreben.

Wien, 18. December. Einer Meldung derPol. Corr." aus Petersburg zufolge haben in letzter Zeit auf der Universität Moskau arge Studentenunruhen statt­gefunden, die durch bewaffnete Macht unterdrückt werden mußten. Der Czar schenkte den Regimentern, deren Chef der verstorbene Czar war, dessen Uniformen. Die Prin­zessin von Wales tritt am 22. d. M. «die Rückreise an.

Budapest, 18. December. Der der rumänischen Monopol- Gesellschaft gehörige DampferLuna" ist in der Nähe des Eisernen Thores gescheitert. Mit der Mannschaft sind auch der Capitän und der Maschinist ertrunken.

Rom, 18. December. Die telegraphisch herbeigerufenen Bataillone zur Verstärkung der Garnison sind hier eingerroffen. Die Ankunst des Militärs hat auf die Be­völkerung sehr verstimmend gewirkt. Die Stimmung, die in fast allen Kreisen herrscht, läßt das Schlimmste befürchten.

Die Regierung hat bekannt gegeben, daß die hier eingetroffenen Bataillone sich nur auf dem Durchmärsche befinden.

Rom, 18. December. Die Abgeordneten der oppositionellen Parteien begeben sich in ihre Wahl­kreise, wo sie die Bevölkerung gegen die Regierung aufreizen wollen. Crispi soll fest entschlossen sein, den Kampf gegen die Opposition mit aller Energie zu führen.

Paris, 18. December. Die heutigen Morgenblätter ver­öffentlichen mit großer Befriedigung die Meldung des fran­zösischen Specialgesandten in Madagascar, betreffend die Unterwerfung der Königin von MadagaScar. Der heutige Ministerrath wird sich mit den Bedingungen be­schäftigen, welche Madagascar auferlegt werden sollen.

Paris, 18. December. Bet der gestern stattgefundenen Besprechung betreffend die Präsidentenwahl in der Kammer scheinen zahlreiche Gruppen sich in der Wahl Briffons geeinigt zu haben. Die Candtdatur Melines, welche ebenfalls in Betracht kommt, hat weniger Aussicht.

Paris, 18. December. Der Proceß gegen den Hauptmann Dreyfus wegen Landesverraths wird morgen Mittag um 1 Uhr seinen Anfang nehmen. Anläßlich dieses Procesies veröffentlicht dieLibre Parole" einen ausführ­lichen Artikel, der die Angelegenheit für Dreyfus ungünstig behandelt. Die Freunde des verhafteten Hauptmanns sollen jetzt seine Rettung angegeben haben. Noch in den letzten Tagen haben sie bet verschiedenen hohen Persönlichkeiten den Versuch gemacht, um die Anklage gegen Dreyfus niederzu- schlagen.

Paris, 18. December. Hiesige Blätter veröffentlichen die sensationelle Nachricht, daß wegen der schlechten Behand­lung der Bevölkerung in Algier ein Aufstand der Araber auszuhrechen drohe. Ein Abgesandter der Araber werde demnächst nach Paris kommen, um über die Behandlung, welche ihnen die Verwaltungsbehörde angedethen läßt, Klage zu führen.

Madrid, 18. December. Gestern Abend fand in der Wohnung des früheren Ministerpräsidenten CanvvaS eine fürchterliche Gasexplosion statt. Niemand wurde verletzt. Der Materialschaden lst enorm.

Loudon, 18. December. Aus Peking wird gemeldet, daß die Japaner bereits in Niutschuang eingetroffen sind und daß der Angriff auf diesen Ort bevorsteht. Ein andere japani'che Truppenabtheilung bedroht Tientsin.

Loudon, 18. Decbr. Nach einer Meldung desStandard" aus Shanghai marschiren die zwei japanischen Armeen gegenwärtig mit zusammen 72000 Mann gege^Tientstn.

Loudon, 18. December. Officiell wird faS Gerücht, der englische Botschafter in Paris verlasse seinen Posten, dementirt.

Loudon, 18. December. Meldungen aus Peking schil­dern die dortige Lage als sehr ernst. Trotz der Ver­sicherung, welche die chinesische Regierung über die Sicherheit und den Schutz der ausländischen Gesandtschaften gegeben hat, befürchtet man Exceffe, weßhalb die Legationen entschlossen sind, trotz des Protestes von Seiten Chinas zu ihrem Schutze Matrosen von Tientsin kommen zu lassen.

Petersburg, 18. December. Durch kaiserlichen Ukas sind sämmtliche Verwaltungschefs Rußlands angewiesen worden, die Versetzungen von Beamten aus confefsionellen oder nationalen Gründen künftighin zu unterlassen.

Sofia, 18. December. In Regierungskreisen wird ver­sichert, das neuzubtldende Cabinet werde unter allen Umständen die alte Richtung in der inneren und äußeren Politik beibehalten.

foeoUf und

Gießen, den 19. December 1894.

* * Goldene Hochzeit. Herr Uhrmacher Chr. Leo beging heute mit seiner Gemahlin, Christiane, geb. Petri, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Wie wir bereits meldeten, wurde dem Jubelpaare gestern Abend von demKron- bauer'schen Qu artettverein" und demSänger­kranz", deren Mitglied Herr Leo seit langen Jahren ist, ein Ständchen gebracht. Dem Jubelpaare gingen gestern und heute einegroßeMengebriefltcherund telegraphischerGlllckwünsche zu. DerS ä n g e r k r a n z" und derU h r m a ch e r v e r e i n für Gießen undUmgebung" überreichten prachtvolle Gedenk­tafeln- Abordnungen der Gewerbe bank, deren Aufsichts­rath Herr Leo angehört, und der LogeL. z. Tr.", sowie anderer Vereinigungen brachten heute Vormittag ihre Glück­wünsche dar. Auch wir können nicht umhin, unseren lieben Mitbürger hiermit herzlichst zu beglückwünschen, wir sind gewiß, daß auch die Einwohnerschaft Gießens mit uns einig ist in dem Wunsche, daß dem Jubelpaare noch manches Jahr freudvollen Daseins beschteden sein möge.

* * Feuer. In dem Mansardenstock eines Hauses am Marktplatz emstand gestern Nachmittag gegen 2i/2 Uhr Feuer, welches aber, ohne weitere Dimensionen anzunehmen, von den Hausbewohnern gelöscht werden konnte. Die Ent­stehungsursache ist noch nicht aufgeklärt- in einem Verschlag, worin die Kutscher ihre Kleidungsstücke aufbewahren, soll es zuerst gebrannt haben.

* * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Schmied Eduard Becker aus Haiger, zuletzt in Gießen, vom Amtsanwalt in Gießen wegen Diebstahls- Kellner Florian Elting aus Lebenhan, seither in Darmstadt, von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Unterschlagung- Taglöhner Vitus Glaser und Jacob Glaser aus Klein- Steinheim vom Amtsanwalt in Offenbach wegen Körper­verletzung- Handarbeiter Peter Knobloch aus Osthofen, zuletzt in Guntersblum, vom Amtsgericht Osthofen wegen Strafvollzugs- Häfner Johann Meyer aus Heusenstamm vom Amtsgericht Offenbach wegen Strafvollzugs- Metzger Heinrich Scheider aus Runkel a. d. Lahn vom Amts­anwalt in Mainz wegen Unterschlagung - Eltsab. Anna Maria Schuhmann aus Fulda von demselben- HandlungS- reisender Heinrich Conrad Süßmuth aus Ober-Widders«

heim von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Urkunden» fälschung.

** 3« Amerika verstorbene Hessen. New-York City, N.-Y.: Charles Böswald, 56 Jahre alt, aus Heubach. Cincinnati, O.: Margaretha Wüst, geb. Becker, 70 Jahre alt, aus Meiches. Emden, Jll.: Maria Scholz, Ehefrau von Carl Heinrich Scholz, 64 Jahre alt, auS Darmstadt. Findlay, Hancock Co., O.: Heinrich Wolf, 63 Jahre alt, aus Gadernheim. Yel lowsprtn g s Pike bei Wilkesbarre, Clark County, Jnd.: Eltsabetha Steinmann, geb. Klinger, 75 Jahre alt, aus Lörzenbach.

*' Rückfahrkarten betreffend. Von der Königlichen Etsen- bahn-Direction zu Hannover wird uns mitgetheilt, daß mit Rücksicht auf die diesjährige Lage des Weihnachtsfestes die am 22. December und an den folgenden Tagen gelösten Rückfahrkarten noch am 27. December und die am 29. und 30. December gelösten Rückfahrkarten noch am 2. Januar k. I. zum Antritt der Rückfahrt zugelaffen werden sollen, auch wenn nach den allgemeinen Bestimmungen die gewöhnliche Gültigkeitsdauer alsdann abgelaufen ist.

A Ruppertenrod, 18. December. Ein originelles Nacht­lager hatte sich ein hier durchreisender Handwerks­bursche auSerwählt, nämlich den in einer Wagenhalle be­findlichen Postwagen. Die in letzterem liegen gelaffenen Papiere, wonach der Logirgast dem Schreinergewerbe an­gehört, verrtethen die Sache. Wie alljährlich um die Weihnachtszeit, so sieht man auch jetzt fast alltäglich ganze Trupps Handwerksburschen auf den Straßen wandern. Die­selben gehören ihrem Aeußeren nach aber nicht zu den be­kannten Vaganten, sondern einem ehrsamen Handwerke an. Wo ein solcher Handwerksbursche zur nassen, kalten Winters­zeit nach oft meilenlangem, beschwerlichem Wege an die Thüre klopft und um einen Teller warme Suppe oder etwas Warmes zu essen bittet, da befürchte man nicht, das Vaganten- thum zu unterstützen, sondern gebe herzlich gern.

8. Bellersheim, 17. December. Hier ereignete sich in vergangener Nacht ein bedauerlicher Unglücksfall. Während die zwei erwachsenen Töchter eines hiesigen Ein­wohners schliefen, brach die Zimmerdecke der im zweiten Stockwerke des Hauses befindlichen Schlafstube herunter und verschüttete beide Mädchen. Das eine derselben kam, ohne Schaden genommen zu haben, davon, während leider daS andere 20jährige Mädchen so schwere Verletzungen erlitt, daß es alsbald verschied.

§ Bernsfeld, 18. December. Drei Wochen lang eine lange Stecknadel, deren Kopf die Größe einer Erbse hat, im Leibe zu haben, ist ein ebenso seltenes Vorkommniß als lebensgefährlicher Zustand. Und doch hat ein hiesiges Kind eine solche so lange Zeit bei sich getragen. Dasselbe hatte vor drei Wochen bei einer Spielerei mit der Stecknadel die­selbe plötzlich verschluckt. Ein operativer Eingriff erschien nicht möglich. Jetzt ist die Nadel auf natürlichem Wege ab­gegangen und das Kind aus drohender Lebensgefahr errettet.

Nieder-Moos, 14. December. Wenigen Einwohnern unseres Vogelsberges wird es wohl vergönnt sein, eine so große Reise auszusühren, wie eine hiesige alte Frau. Die­selbe hat zwei Töchter in Bukarest (Rumänien), die ihr fortwährend schrieben, sie sollte zu ihnen kommen und alles Verlockende versprachen. Schließlich gab die Mutter nach, veräußerte ihre wenigen Sachen und begab sich Ende Mai d. I. auf die Reise, um den Rest ihres Lebens bei ihren Töchtern zu verleben. Als einige gute Freunde ihr zuredeten, hier im Vogelsberg zu bleiben, wurde sie fuchs­wild und meinte:Ich komme mein Lebtag nicht wieder, ich bin froh, wenn ich erst aus Nieder-Moos heraus bin." Ende November kam nun an den hiesigen Bürgermeister von einer dieser Töchter ein Brief mit der Meldung, daß ihre Mutter in nächster Zeit dort wieder eintrrffen werde und mit der Bitte an den Bürgermeister, für dieselbe eine Woh­nung zu besorgen. Dieser Tage ist nun diealte Lies" glücklich wieder in ihrem Heimathsorte angekommen. Es soll ihr jetzt im rauhen Vogelsberg besser gefallen und will sie nie wieder in eine südliche Großstadt. (L. A.)

Lanterbach, 18. December. Der obere Vogelsberg ist mit Schnee bedeckt, so daß dort bereits Schlitten verkehren können.

Ober-Olm, 14. December. Nächster Tage feiert die Hebamme I. Louis Wittwe ihr '50jährtges Dienst- jubiläum- dieselbe ist im 76. Lebensjahre, jedoch noch sehr rüstig und versieht ihren Dienst mit großem Pflichteifer.

Klein Krotzenburg, 16. December. Die seit einigen Wochen hier herrschende Maserneptdemte hat leider bis heute unter der Kinderwelt über ein Dutzend Opfer gefordert. Seit letztem Montag sind die Schulklaffen auf behördliche Anordnung bis auf Weiteres geschloffen. Die Epidemie hat sich inzwischen auch auf die Nachbargemetnde Hatnstadt aus­gedehnt. Von den dortigen Schulkindern ist eine sehr große Zahl von der Seuche ergriffen. D. Ztg.

Vermischtes.

* W. Wetzlar, 18. December. Heute wurde ein achtzehn­jähriges Mädchen wegen Kindesmord verhaftet. Sie hat ihr Kind gleich nach der Geburt erdroffelt.

* Frankfurt a. M., 17. December. Freifrau Luise v. Rothschild war, was ihrem Wunsch entsprechend erst jetzt, nach ihrem Tode, bekanntgegeben werden sollte, die anonyme Spenderin, die durch Schenkung des CapitalS von 100,000 Mk. für das städtischen Schwimmbad seinerzeit die Inangriffnahme des Werkes ermöglichte, dessen Vollendung zu schauen ihr nicht mehr vergönnt sein sollte.

* Biebrich, 10. December. Dieser Tage starb hier eine ältere Wittwe, die trotz ihrer Pension recht ärmlich lebte und aus übertriebener Sparsamkeit weder ihre schöne Wohnungs­einrichtung in Anspruch nahm, noch sich genügende Nahrung gönnte. Sie brannte zum Beispiel niemals Licht. Ihr einziges und gewiß recht schönes Vergnügen (!) bestand barte