Ausgabe 
20.6.1894
 
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sind weder Erkrankungen an Cholera, noch verdächtige Fälle -I vorgekommen.

Pofen, 18. Juni. DerKuryer Poznanski" meldet aus Krakau, daß der Cardinal-Fürstbischof Dunajewski heute Vormittag gestorben ist.

Rom, 18. Juni. Crispi gingen 18 000 Glück­wunschdepeschen aus dem In-und Auslande zu. Sämmt- liche Mitglieder des italienischen Königshauses, die Konigin- Wittwe Maria Pia und der König von Portugal sandten Telegramme. Die Minister des Auswärtigen der Haupt­staaten Europas übermittelten die Glückwünsche ihrer Re­gierungen.

Budapest, 18. Juni. Das Magnatenhaus beschloß, das Renuntium des Abgeordnetenhauses betreffend die Ehe- vorlag e mit Umgehung der Ausschußberathung am 21. Juni zu verhandeln.

Prag, 18. Juni. Privatnachrichten aus Reichenberg zufolge ist daselbst in einem Gasthause im Rosenthal von Kindern ein Sack mit 29 Kilogramm Dynamit gefunden worden.

Krakau, 18. Juni. Die untere Weichsel hat sechs Dörfer überschwemmt- zwischen Krakau und Niepolomice sind fünf Dörfer theilweise überschwemmt, theils bedroht. Das Wasser steigt fortwährend. Die Straße von Zwierzymec nach Bielanh steht 70 bis 80 Zentimeter unter Wasser. Es ist eine energische, auch von Militär unterstützte Hilfsaction eingeleitet.

Petersburg, 18. Juni. Der Plan, eine Getreide­börse in Petersburg zu schaffen, hat die Billigung des Finanzministeriums gefunden, jedoch spricht sich dasselbe gegen jede Besteuerung des ein- und ausgehenden Getreides aus, durch welche die Mittel zum Bau des Börsengebäudes beschafft werden sollten.

Tanger, 18. Juni. Meldungen aus Fez zufolge wurde die Proclamirung von Abdul-Aziz günstig ausgenommen, letzterer formell auch von den Brüdern des verstorbenen Sultans und dem eigenen Bruder, welcher Vicekönig von Fez ist, anerkannt- es herrsche vollkommene Ruhe.

Washington, 18. Juni. DiePost" veröffentlicht Einzel­heiten über eine jüngst entdeckte Verschwörung, deren Zweck gewesen sei, die Regierungsgebäude und das Weiße Haus in die Luft zu sprengen.

Depeschen des Bureau£ero£b*.

Berlin, 18. Juni. Der Kaiser hat durch einen Erlaß an die Regierungspräsidenten bestimmt, daß bei Veranstaltungen anläßlich der kaiserlichen Reisen in den Provinzen die durch die verfügbaren Mittel gezogenen Grenzen innezuhalten sind, insbesondere soll vermieden werden, den allerhöchsten Dis­positionsfonds in Anspruch zu nehmen.

Berlin, 18. Juni. Das neue Reichstagsgebäude soll, falls die nächste Tagung im November eröffnet wird, gleich zum Beginn der Tagung vom Reichstag bezogen werden- es wird bis dahin vollständig fertiggestellt sein.

Berlin, 18. Juni. Unter derUeberschristSch le mm er und Prasser" bringt dieCorrespondeuz des Bundes der Landwirthe" vom 16. Juni einen Artikel, worin zu beweisen versucht wird, daß die theueren Wirthschaften in Berlin nicht von den Gutsbesitzern, als vielmehr von den Großen der Börsen, den Börsenmännern, leben. In dem Artikel wird ferner auf die reichen Mahlzeiten des Inhabers des Bank­hauses Hirschfeld u. Wolff hingewiesen, bei dessen Zusammen­bruch auch Caprivi 400,000 Mk. verloren habe. DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet nunmehr die letztere Behauptung als eine dreiste Erfindung, Caprivi habe weder je Vermögen be­sessen, noch mit dem Bankier Wolff in Verbindung gestanden.

Caub, 18. Juni. Das Blücher denkrnal wurde heute Mittag 12 Uhr enthüllt. Das Standbild, das an die Stelle kam, wo 1813 der berühmte Rheinübergang stattsand, erhebt sich ungemein wirkungsvoll am Rhein. Die Festrede hielt der Regierungspräsident v. Tepper-Laski. Als Vertreter des Kaisers war Generaloberst v. Los anwesend. Viele hohe Persönlichkeiten, Generäle, Corpsstudenten, Kriegervereine und Deputationen der Blücherhusaren waren erschienen. Die Stadt ist herrlich geschmückt. Abends findet die Feier mit einem Feuerwerk und einem Volksfest ihren Abschluß.

Troppau, 18. Juni. Es sind bisher als Opfer der Karwiner Katastrophe 231 Vermißte conftatirt worden. 19 derselben konnten erst geborgen werden- die Leichen wurden gestern auf dem Karwiner Friedhöfe bestatter, wobei es zu herzzerreißenden ©eenen kam. Die Zahl der Wittwen beträgt 139 mit etwa 400 Kindern. Nach dem Begräbniß versammelten sich die Angehörigen der Opfer und brachen in entsetzliches Jammergeschrei aus. Graf Larisch, welcher in­mitten der Menge stand, war auf das Tiefste erschüttert. Es hat sich herausgestellt, daß der große Umfang der Kata­strophe auf die schlechte Anlage der Gruben zurückzuführen ist- zahlreiche Mißstände im Innern der Schächte wurden aufgedeckt. Ob eine Bergung der Leichen aus den brennenden Gruben überhaupt möglich fein wird, steht sehr in Zweifel. Die Schachte sind vor 14 Tagen nicht zu öffnen.

Prag, 18. Juni. Der akademische Senat der hiesigen Universität macht bekannt, daß den Studenten jede Theil- nahme an den Versammlungen der Arbeitervereine streng ver­boten ist.

Brüssel, 18. Juni. Heute früh fand in einem in der Rue Royal gelegenen Hutgeschäft eine Explosion statt. Die Hausbewohner, sowie die Gäste des naheliegenden Hotels flüchteten halb angekleidet auf die Straße. Im Hause selbst find fast alle Möbel zerstört. Die Fensterscheiben der um­liegenden Häuser wurden alle zertrümmert. Die Haus­bewohner wurden aus den Betten geschleudert. Eine große Menschenmenge umsteht das Haus. Die Explosionsursache ist noch unbekannt- die Annahme einer Gasexplosion findet keinen Glauben, da die Art und Weise der Katastrophe eher auf Dynamit schließen läßt. Der Ladenbesitzer nebst Familie ist verreist. Die Verheerung, welche durch die Explosion ange­richtet wurde, ist schrecklich. Der dritte Stock ist soeben in

das Erdgeschoß gestürzt. Die eingeleitcte Untersuchung ergab, daß ein Dynamitattentat vorliegt und wenigstens 25 Kilo Dynamit erforderlich waren, um solche Verheerungen anzurichten. Die Explosion hat im ersten Stock stattgefunden.

Rom, 18. Juni. Crispi erhält aus allen Ländern fortgesetzt Glückwunschtelegramme. Kaiser Wilhelm ließ seine Glückwünsche durch den deutschen Botschafter dem Minister­präsidenten ausdrücken.

Loudon, 18. Juni. Ein neuer Kutscher ft rike steht bevor, wenn die Wagenbesitzer den schiedsgerichtlichen Bescheid ablehnen sollten.

Loudon, 18. Juni. Die Bergleute von Midlothian beschlossen, nächsten Montag in einen Strike einzutreten.

Madrid, 18. Juni. Die Morgenblätter versichern, in politischen Kreisen herrsche die Ansicht, daß der Handels­vertrag mit Deutschland von den Cortes angenommen werde, weil die Kammer jedenfalls die von Sagasta ange­kündigte Auflösung der Cortes vermeiden wolle.

Petersburg, 18. Juni. In dem Befinden des Herrn v. Giers ist wieder eine ernste Verschlechterung eingetreten, so daß das Schlimmste befürchtet wird. Wie gerüchtweise verlautet, soll der derzeitige Gesandte in Stockholm, Sinowjew, bereits zum Nachfolger desselben ausersehen fein.

Kopenhagen, 18. Juni. Ueber die Ausweifung der dänifchen Schauspieler aus Hadersleben herrscht hier immer noch hochgradige Erregung. Die Eigenthümer der dänischen Jachten, welche sich an der Regatta in Kiel betheiligen wollten, beschlossen gestern, sich in diesem Jahre den Regatten des kaiserlichen Aachtclubs nicht anzuschließen. Als Grund dieses Beschlusses bezeichnet man die Ausweisung der dänischen Untertanen.

Von dem elften deutschen Bundesschietzen*).

(Nachdruck verboten.)

A Mainz, 17. Juni 1894.

Obgleich der osficielle Anfang des Schützenfestes erst heute ist, hat dasselbe tatsächlich schon gestern seinen Anfang genommen, denn jeder hier und in Kastel ankommende Bahn­zug brachte Schauren fremder Schützen, deren Empfang jedes Mal eine besondere Feier war, indem fortgesetzt Willkomm- und Begrüßungsreden gewechselt wurden und man bei heiteren Weisen verschiedener Musikcapellen und dem Klange der Becher herzliche Worte austauschte und alte Freund- schafton erneuerte und neue schloß. Selbstredend nahm die ganze Bevölkerung an diesem Empfang der fremden Schützen Theil und jede Abtheilung der Ankommenden wurde mit einem großen Zug nach derStadthalle" begleitet, wo die Begrüßung von Neuem begann.

Ein geradezu jubelnder Empfang wurde den Oesterreichern zu Theil, bei deren unter den Klängen eines österreichischen Marsches am Nachmittag erfolgten Ankunft sozusagen halb Mainz an dem Bahnhof war. Da gab cs in Erinnerung an die Zeiten vor dem Jahre 1866, wo Oesterreicher noch hier in Garnison lagen, warme Händedrucke, Umarmungen, Küsse und sogar Thränen über die Freude des Wiedersehens. Diesen überaus herzlichen, ja rührenden Empfang wird Jeder begreiflich finden, der erfährt, daß unter den angekommenen ergrauten österreichischen Schützen gar Mancher war, der als Jüngling hier seiner Militärpflicht genügte, oder dessen Wiege vielleicht gar in Mainz gestanden hat!

Nach dem Empfang ging es auf den Festplatz, wo den ganzen Tag über schon das regste Leben herrschte, und von da am Abend zu dem Fest- und Empsangscommers in die Stadthalle", an welchem 3 bis 4000 Personen darunter die Spitzen der Militär- und Civilbehörden theilnahmen und bei welchem man es sich bei Reden, Musik und Gesang in begeisterter Stimmung bis zur späten Stunde wohl sein ließ. Den ersten Toast brachte der Präsident 'des Centralaus- schusses, Herr Büdingen aus, dessen Willkomm und Hoch den fremden Gästen galt. Den Dank hierauf stattete Bundes­präsident D i er f ch von Berlin ab, der den Mainzern für die Theilnahme und die Art des Arrangements des Schützen­festes großes Lob spendete und auf das fernere Gedeihen von Mainz sein Glas leerte. Nach Präsident Diersch sprach zunächst noch Oberbürgermeister Dr. ©a feuer von hier, der mit zündenden Worten die deutschen Schützen hoch leben ließ und dem Feste den besten Verlauf wünschte.

Der heutige Haupttag begann unter dem herrlichsten Wetter mit dem üblichenWeckruf", worauf man sich allmählig zur Aufstellung des Zuges rüstete eine Arbeit, die doppelt schwer zu bewältigen war, da einmal der Fremdenzudrang ein so großer, daß die Circulation in der Nähe des Central­bahnhofes kaum möglich und zum zweiten die Ausdehnung des Zuges selbst für die hiesigen Platzverhältniffe eine fast zu große war. Dank der großen Umsicht der Zugscommission und der musterhaften Haltung der Allgemeinheit wurde indeß auch diese Schwierigkeit überwunden, so daß sich der Zug mit ziemlicher Pünklichkeit in Bewegung setzen konnte, indeß wegen dem großen Andrang des Publikums und besonders der in den hiesigen Straßen weniger kundigen Fremden ab und zu ins Stocken gerathend.

Der schier endlose Zug bestand aus zwei Abtheilungen, nämlich aus einem historischen Festzug und den verschiedenen Gruppen Schützen mit den Musikchören und war der Zug in der Art anangirt, daß in entsprechenden Abständen die historischen Gruppen zwischen Schützen und Musik vertheilt waren, wodurch der Zug sehr abwechselungsreich wurde. Dadurch, daß 17 Musikcorps in dem Zug waren, fehlte in demselben neben der Abwechselung auch nicht das nöthige heitere Leben. Den Anfang des Zuges machte ein Trommler- und ein Musikcorps, die Mainzer Feuerwehr und Turnerschaft, berittene Fanfarenbläser und Herolde. Mit der Unterbrechung

*) Vorstehender, für die gestrige Nr. bestimmter Festbericht ging uns erst gestern Abend zu. Unter dem Durcheinander, welches an den Bahnhöfen in Mainz am Sonntag Abend herrschte, hat wahrscheinlich auch der Postverkehr gelitten, so daß unser Bericht wer weiß wohin, nur nicht rechtzeitig nach Gießen gelangte.

durch die unten beschriebenen historischen Gruppen gingen die Schützen in nachstehender Reihenfolge: Zuerst die Ausländer: Oesterreich-Ungarn, Italien, Schweiz, Belgien, Luxemburg und Amerika. Dann folgte die Rheinprovinz mit Köln an der Spitze, Brandenburg (ohne Berlin), Pommern, Ost- und Westpreußen, Nordwestdeutscher Schützenbund, Lübeck und Provinz Sachsen, Bayerischer Schützenbund mit München und Fürth, Mitteldeutscher Schützenbund mit Leipzig an der Spitze, Württemberger Landesschützenverband, Elsaß-Lothringen, Badischer Landesschützenverein, Pfälzer Schützenbund, Mittel- rheinischer Schützenbund (Frankfurt, Bockenheim, Niederrad, Höchst), Wiesbadener Schützenverein, Homburg v. d. Höhe, Gießen, Darmstadt, Großgerau, Niederramstadt, Worms, Alzey, Bingen, Rüsselsheim und Offenbach mit den übrigen Vereinen des Mittelrhein.

Den Schluß des Zuges bildeten die verschiedenen Aus­schüsse, der Vorstand des deutschen Schützenbundes und des Gesarnrntausschuffes, ein Zugsmarschall mit Herolden, Wagen mit dem Bundesbanner und Fahnendeputationen der früheren Feststädte, die Jubilare des Schützenbundes, Berliner Schützen­gilde, Berliner Schützenverein und Mainzer Schützengesellschaft mit der Feuerwehr im Rücken. Der Wagen mit dem Bundes­banner war ein bekrönter prachtvoller Prunkwagen, auf welchem zehn junge Damen die zehn Städte darstellten, in denen bis jetzt Bundesschießen stattfanden.

Der an Farben und Costümen überaus reiche historische Theil des Festzuges bot in 10 Gruppen einen kurzen Einblick in die zweitausendjährige Geschichte der Stadt Mainz, und stellt dar, wie Mainz als römisches Feldlager, als Ver­sammlungsort wichtiger Reichstage, als Sitz eines arbeits­frohen Bürgerthums, als Heimstätte von Wissen und Kunst unter hervorragenden Kirchenfürsten in früheren Jahrhunderten an dem Werdegang unseres Volksthums steten Antheil hatte.

Die erste Gruppe:Aus römischer Zeit" stellte in prachtvoll coftümirten, schönen und kraftvollen Gestalten die Heimkehr des Feldherrn Drusus aus dem Chattenland dar, umgeben von römischen und germanischen Kriegern, zu Fuß und zu Pferd mit Frauen und Kindern rc. rc. Die zweite Gruppe:Karl der Große am Rhein" verbildlichte das Wirken Karls des Großen am Rhein. Der Kaiser mit Hermelin, Scepter und Krone ritt unter einem Thronhimmel, umgeben von glänzenden Frauenstalten, darunter Herodond, Bertha und Gisela. Als männliches Gefolge erscheint Pipin, der König von Italien, mit vielen Würdenträgern, Winzerinnen mit Rebengehängen und Handwerker, das Modell zu einer Rheinbrücke tragend, schlossen sich dem Zuge des Kaisers an. Arnold Walpod und der rheinischeStädtebund" bildete die dritte Gruppe, in welcher neben Walpod, Graf Waldeck, Pfalzgraf Ludwig, Marquard von Oppenheim, Eberhard von Worms und Schenk von Erbach die Wehrkraft der rheinischen Städte darstellen. Die vierte Gruppe:Blüt he von Kunst undHandwerk immittelalterlichenMainz" veran­schaulichte die Blüthezeit von Kunst und Handwerk in Mainz, characlerisirt durch Frauenlob, Barthel, Regenbogen, Guten­berg, Fust und Schöffer, umgeben von den Zünften mit prachtvoll ausgeführten Emblemen und Werkstücken. Hieran reihte sich als fünfte Gruppe:Erzbischof Berthold von Henneberg als Schützer des Landfriedens", durch welche die friedfchützende Thätigkeit genannten Erz­bischofs durch einen Kaufmannszug versinnbildlicht wurde, welcher von Raubrittern aus dem Taunus am Rhein abgefangen, aber von dem Erzbischof und feinen Leuten befreit worden ist und summt dem Raubgesindel in Mainz eingebracht wurde. Ein farbenheiteres Bild war die sechste Gruppe:Schütz en fest vor 300 Jahren", welche einen Mainzer Schützenzug vom Jahre 1590, mit Dietrich Gretffenklau zu Vollrath nebst Gemahlin an der Spitze darstellte.

Die siebente Gruppe:Abzug der Schweden au& Mainz", zeigte neben dem vorhergegangenen heiteren Bild ein kriegerisches Drama, indem er nach den erbitterten Zer­störungskämpfen der damaligen Zeit den Abmarsch einer schwedischen Colonne vor das Auge geführt hatte. Den leb­haftesten, farbenreichsten und mit seinen stolzen Reitergruppen auch den elegantesten Theil des Zuges bot die folgende Gruppe Ein Jagdzug aus der Zeit Emmrich Josephs", welche ein treues, lebenswarmes Bild der damaligen Jagd­sitte bei den kurfürstlichen Höfen vor dem Zuschauer entrollte. An diese Bilder längst vergangener Zeiten schloß sich mit der nächsten, zehnten Gruppe ein Geschichtsbild unserer Tage an, nämlich:Im neuen Reich der Dreibund". Letzteres ist durch einen hochaufgebauten, bekrönten Prunk­wagen dargestellt, auf welchem die Germania, Austria und Italia durch drei reizende Frauenerscheinungen Wiedergabe fanden. Die letzte zehnte Gruppe endlich:Winzerzug Volksleben am Rhein" zeigte in einem reben- urnkränzten Winzerwagen Main, Rhein, Neckar, Mosel, Lahn und Nahe, vor welchen die Loreley sitzt und ihr goldenes Haar kämmt. Winzer und Winzerinnen bildeten in bunten Trachten eine anmuthige Staffage zu dem Wagen.

Der Gesammteindruck des Zuges war ein gradezu über­wältigender und bot derselbe in der That ein treues Bild der Idee, die dem Ganzen zu Grunde lag. In den langen Reihen der Straßen, die der Zug passirte, herrschte ein fort­gesetzter Jubel, der lauten Widerhall in den begeisterten Reihen der Schützen fand. Vor dem Gutenbergsmonumente, dem gegenüber eine große Tribüne für die osficielle Ver­tretung von Mainz aufgeschlagen war, machte der Zug Halt und übergab Bundespräsident Diersch von Berlin das Bundes­banner an die Stadt Mainz, von welchem Oberbürgermeister Dr. Gaßner mit folgender Ansprache Besitz ergriff:

Mit Freude und Stolz übernehme ich Namens der Stadt Mainz das Bundesbanner ein Erinnerungszeichen und zugleich ein Wahr­zeichen. Ein Erinnerungszeichen an jene Zeiten, in denen die deutschen Schützen, gemeinsam mit den Sängern und Turnern der deutschen Länder zusammentraten und geheim und öffentlich, hier verfolgt und dort nur geduldet, die Einheit und Einigkeit des deutschen Vaterlandes durch Wort und Thal erstrebten, den nationalen Gedanken erweckten und wach hielten, ein Wahrzeichen der Ver­wirklichung ihres vaterländischen Sehnens und mühsamen Schaffens, ein Wahrzeichen des geeinigten deutschen Vaterlandes, der Gleichheit