Ausgabe 
18.9.1894 Erstes Blatt
 
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Depeschen de» Bureau .Herold".

Berlin, 16. September. DieDeutsche Tageszeitung" erfährt von angeblich gut unterrichteter Sette, daß der hiesige russische Militärattache in Pillau bei mili­tärischen Erhebungen und Zeichnungen gefaßt worden sei. Man soll ihn schon längst beobachtet haben. Seine Ab­berufung werde, falls sie noch nicht erfolgt fei, wohl dem­nächst stattfinden.

Allevsteiu, 16. September. In GrieSlienen kamen 3neue Choleraerkrankungen vor. Zusammen sind es bis jetzt 22, wovon 6 tödtlich.

Gießen, den 17. September 1894.

** Empfang. Seine König! Hoheit der Großherzog empfingen am 15. September u. A. den Gymnasiallehrer Or. Blase von Gießen, den Landgerichtsrath Dr. Güngerich von Gießen, den Gymnasiallehrer Dr. Schmitt von Gießen, den Reallehrer Dr. Siebert von Butzbach, die Reallehrer Hüffel und Reitz von Friedberg, den Professor Dr. Buchner von Gießen.

** Tod auf den Schienen. Heute Morgen gegen 4!/2 Uhr fanb der Bahnwärter Harbusch hinter der Badenburg, etwa 60 Meter vom Wärterhause nach ^Lollar zu, die kopflosen Leichen eines Mannes und einer Frau. Letztere war von dem Manne mit dem rechten Arme umschlungen und lagen beide quer über den Schienen. Die Köpfe lagen etwa 8 Meter von den Rümpfen entfernt nach Lollar zu neben den Schienen, sodaß man annehmen muß, daß die Lebens­müden von einem in der Richtung Gießen-Marburg fahrenden Nachtzuge überfahren worden sind. Der Kopf der weiblichen Leiche war durch den Hals vom Rumpfe getrennt, wogegen der des Mannes vom Kinn aus schräg nach dem Hinterkopf zu ab­gefahren wurde. Der Hut des Mannes, sowie derjenige der Frau und deren Sonnenschirm lagen neben den Schienen, dabei noch ein Brief, welcher nach Heidelberg adressirt war. Beide Lebensmüden hielten sich am Abend vorher in Lollar imLöwen" auf, woselbst der Brief von der Frau geschrieben wurde. Gegen 9 Uhr Abends verließen sie das Local. Allem Anscheine nach waren beide taubstumm. Sie stammen aus Gießen/ die Frau scheint in den zwanziger Jahren gestanden zu haben, hat hellblonde Haare und ist bekleidet mit einem schwarzen Jaquett, ebensolchem Kleid, röthlichen Strümpfen und Zugstiefeln. Das Alter des Mannes kann wegen des zerfetzten Gesichts nicht festgestellt werden. Die männliche Leiche ist bekleidet mit dunkelblauem Jaquet, brauner Hose, grauem weichem Filzhut, grauwollenen Strümpfen, Klappkragen und ebenfalls Zugstteseln. An der Rückseite der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger sind die Buchstaben G. H. eintätowirt. Eine gerichtliche Aufnahme der Leichen hat zur Zeit (Mittags 12 Uhr) noch nicht stattgefunden. (Nachschrift. Wie wir eben erfahren, hat gestern die junge taubstumme Frau eines hier beschäf­tigten taubstummen Schreiners mit einem anderen Taub­stummen ihren Gatten verlasien und sprechen alle Anzeichen dafür, daß die beiden Lebensmüden mit dem verschwundenen Paare identisch sind.)

** Außerordentliche Generalversammlung des fteifiuuigeu Vereins im ersten hessischen Reichstagswahlkreise. In der am Samstag Abend abgehaltenen Sitzung des freisinnigen Ver­eins stand der Entwurf eines Programms für die freisinnige Volkspartei auf der Tagesordnung. Die sehr eingehenden Berathungen hatten das Ergebniß, daß man den Entwurf allseitig und einstimmig für eine durchaus geeignete Grund- läge für die Programmberathungen in Eisenach erklärte. Von der Formulirung und Einreichung eigener Abänderungs­anträge glaubte der Verein absehen zu sollen, dagegen wurde ein Eintreten der Delegirten für Anträge von anderer Seite hinsichtlich einiger Programmpunkte von einem Thetle der Versammlung als wttnschenswerth angesehen. In Bezug auf die innerhalb der Partei hauptsächlich strittigen Fragen des MaximalarbeitStageS und der Einheitsschule ergab sich volle Einmüthigkeit darüber, daß hier die tolerante, den voneinander abweichenden Meinungen in der Partei freien Spielraum ge­währende Fassung der Programmcommisfion durchausf das Richtige treffe. Die schließlich angenommene Resolution hat folgenden Wortlaut:Der freisinnige Verein des 1. hessischen RetchstagSwahlkreiseS beschließt die Annahme des Programm­entwurfes unbeschadet einzelner Wünsche und spricht den Dank den. Männern aus, denen es gelungen ist, eine solch glückliche Fassung desselben zu finden." Nach Beendigung der Pro- Lrammberathung sand die Delegirtenwahl statt. Danach wird auf dem Parteitage zu Eisenach der Verein und Wahlkreis durch die Herren Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Metz, Dr. Gutfleisch, Grünewald und Georgi ver­treten sein.

* * Fernfprech Verbindung FrankfurtBerlin. Wie das B. T." meldet, wird die Eröffnung der Telephon-Verbindung zwischen Berlin und Frankfurt a. M. über Kassel in wenigen Wochen erfolgen können, da eS gelungen sei, die im Kasseler Bezirk vorgelegenen mannigfachen Differenzen zu beseitigen.

* Bleivergiftung. Im benachbarten Langgöns erkrankten, wie derDarmft. Ztg." von hier geschrieben wird, im vorigen Winter eine Anzahl von Personen unter Erscheinungen, die man als Bleivergiftung deuten mußte. Man hatte Ver­dacht auf daS verwendete Mehl und untersuchte deshalb die verdächtigen Mehl- und Brotproben. In der That sanden sich in 7 Mehlproben und 3 Brotmustern ein mehr oder weniger hoher Bleigehalt. Die Mühle, die das fragliche Mehl geliefert hatte, wurde inspiciert und fanden sich denn auch Mühlsteine vor, deren einzelne Thetle mit Gtps ver­kittet waren und ferner Theile einer Masse, mit welcher ver­schiedene Vertiefungen des Steines angefüllt waren. Die Gips- und Füllmasse sollte nach Angabe des Müllers aus Alaun bestehen, indeß erwies sie sich bei der Prüfung des Untersuchungsamtes zu Gießen fast aus reinem, bekanntlich sehr giftigem Bleizucker bestehend.

* * Militardieustnachrichte«. v. Bismarck, Oberst ä la suite des 3. Garde-Regiments z. F., (beauftragt mitL der Führung der 50. Infanterie-Brigade (2. Großh. Hess.) unter Ernennung zum Commandeur dieser Brigade, zum General­major befördert. Retzlaff, Major und Bals.-Commandeur vom 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Prinz Karl) Nr. 118, unter Stellung zur Disp. mit Pension zum Commandeur des Landw.-Bezirks Wetzlar ernannt, v. Klipstein, Sec.- Lt. vom Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Pr.-Lt. befördert. Fliess, Pr.-Lt. vom Jnf.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Groß. Hess.) Nr. 116, zum über­zähl. Hauptmann befördert. Halfmann, Sek.-Lt. von der Reserve des Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 (Bitterfeld), zum Pr.-Lt. befördert.

** Aus dem Manöver wird demD. T. A." unterm 14. September geschrieben: Durch den anhaltenden Regen hatten unsere Truppen am Anfang dss. MtS. schwere Tage. Durchnäßt und bis zum Kopf mit Lehm bespritzt so sah man täglich die Leute in die Quartiere einziehen. Bon einer Batterie blieben einmal zugleich drei Geschütze in dem grund­losen Boden stecken. Die reitende Batterie des Lrtillerie- regiments Nr. 25 mußte wegen Erkrankung der Pferde das Manöverseld ganz verlassen. Im oberen Gersprenzthal brach ein Offizier vom Infanterieregiment Nr. 117 auf einer sumpfigen Wiese mit dem Pferde so ein, daß man letzteres förmlich ouS dem Morast graben mußte. Ueberall wünschte man sich: baldige Heimkehr in die Garnison oder besseren Himmel! Jetzt ist alles wieder gm. Gestern rückten in fröhlicher Stimmung die Truppen in die Dtvisionsmanöver. Beim Beginn derselben wurde leider Herr Generalmajor v. Oppen, Commandeur der 49. Brigade, von seinem Pferde so gefährlich am Knie verwundet, daß er nach Darmstadt zurückkehren mußte. Der Großherzog wohnte nebst Ge­folge d?n Hebungen der Truppen auf der Höhe zwischen Groß-Bieberau und Ober-Klingen bis etwa 12 Uhr bei. Sehr interessant war der Hebergang von einigen Compagnien des Infanterieregiments Nr. 117 über die Gersprenz bei Groß-Bieberau. Am Nachmittag bezog die 49. Brigade großes Biwak hier. Bald herrschte die fröhlichste Stimmung, die Mannschaften sangen hübsche Lieder, die Regimentscapellen säumten nicht, und bald strömten viele Zuschauer aus der Hmgegend in dieses ausgedehnte Biwak, wie man es nicht immer im Manöver zu sehen Gelegenheit hat. Heute ziehen sich die Truppen mehr nach Süden in die Gegend zwischen Wersau und Reichelsheim.

** Schießauszeichuuug für Offiziere. Auf Grund einer kaiserlichen Cabmetsordre sind jetzt beim 1. Garde-Regiment z- F. zunächst nur bei diesem auch für die Offiziere Schützenfangschnüre eingesührr worden. Dieselben gleichen den breiten Generalfangschnüren, sind jedoch von Silber und werden auf der linken Brustseite befestigt. Diese Schieß­auszeichnung ist definitiv eingeführt.

** Eine für Schüler und Eltern wichtige Entscheidung hat das Reichsgericht gefällt, indem es in einem Hrtheile die so­genannten Entschuldigungszettel, d. h. die Schriftstücke, in welchen Eltern die Schulversäumnisse ihrer Kinder bescheinigen und entschuldigen, für Hrkunden im Sinne des § 267 des St. G.°B. und deren fälschliche Anfertigung als Hrkunden- älschung erklärt.

W Ans dem Bundesamt für das Heimathweseu. Durch Hrtheil des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen war auf die Klage des Ortsarmenverbandes Ilbenstadt der Ortsarmenverband Klein-Karben zur Zahlung von 427,25 Mk. verurtheilt worden, welche in der Zeit vom März 1891 bis zum Frühjahr 1893 für die Familie des Müllerknechts Herbert unterstützungsweise verausgabt sind. H. hat etwa 18 Jahre, während seine Familie in Ilbenstadt wohnte, auf der Mühle in Klein-Karben gedient. Im April 1890 erkrankte er und kehrte zu den Seinen zurück/ im Juli 1890 wurde auch die Frau krank, und nun trat Hilfsbedürftigkeit ein. Die gezahlten Hnterstützungen mit wöchentlich 3 Mk., später 4 Mark, wurden bet dem Armenverband Klein-Karben zur Erstattung liquidirt und von diesem auch bezahlt. Nachdem >ann im März 1891 H. verstorben war, wurde die Hnter- tützung der Familie fortgesetzt. Jetzt lehnte aber Klein- Karbeu die Bezahlung ab und ließ es auf den Prozeß au- kommen. Der Provinzialausschuß begründete seine ver- urtheilende Entscheidung dahin: Mit Hnrecht bestreite der Beklagte jetzt, daß H. bet ihm seinen Hnterstützungswohnsitz gehabt habe. Während seines langjährigen Dienstverhältnisses n Klein-Karben habe H. dort seinen regelmäßigen Aufenthalt gehabt, seine Familie in Ilbenstadt aber nur gelegentlich besucht. Lediglich auf den Aufenthalt aber komme es hier an, nicht aus den Wohnsitz im rechtlichen Sinne. Verfehlt ei auch der Einwand, daß es an einer ordnungsmäßigen Anmeldung des Anspruchs mangele. Hnterstützt sei vom Anfang an nicht nur der Ehemann H., sondern die ganze Familie sei unterstützt worden / die Hilfsbedürftigkeit sei erst durch die gleichzeitige Erkrankung beider Eheleute eingetreten. In der Hnterstützung der Familie nach dem Tode des Ehe­mannes sei daher lediglich eine Fortsetzung der Hilfsbedürftig­keit, nicht aber ein neuer Pflegefall zu erblicken, der einer besonderen Anmeldung bedurft hätte. Endlich habe der Gerichtshof auch die fortdauernde Hilfsbedürftigkeit der Familie H. als festgestellt angesehen. Die Wittwe sei meist erwerbsunfähig/ von den acht Kindern seien zwei noch schul­pflichtig, zwei in der Lehre gewesen. Als miterwerbend komme nur ein Sohn und eine verheirathete Tochter in Betracht, von deren Beihilfe aber der Lebensunterhalt der im gemeinschaftlichen Haushalt lebenden fünf Personen ohne Zuschuß aus Armenfonds nicht bestritten werden könne. Gegen dieses Hrtheil legte der Beklagte unter Wiederholung seiner Einwendungen Berufung ein. Das Bundesamt für das Heimathweseu erkannte am 15. September er. abändernd dahin, daß der Beklagte zur Zahlung von 218,86 Mark zu verurtheilen, Kläger mit der Mehrforderung aber abzuweisen sei. Der Gerichtshof trat dem Vorderrichter darin bei, daß

der Hnterstützungswohnsitz in Klein-Karben begründet, rmd> daß eine neue Anmeldung nicht erforderlich gewesen fei. Dagegen gelangte er zu einer abweichenden Beurtheilung be­züglich der Hilfsbedürftigkeit, indem er nach den feftgestellien Thatumständen eine solche an sich zwar für vorliegend, eine Hnterstützung von wöchentlich 2 Mark aber für ausreichend erachtete.

** Weber die Spielkarlen.Fabriken und de« Verkehr mit Spielkarten bringt die Statistik des Deutschen Reichs eine Hebersicht, die im Ganzen 39 Spielkarten-Fabriken nachweist (gegen 47 in 1892/93). Davon kommen 10 aus Preußen und ebensoviel auf Sachsen, 8 auf Bayern, je 2 auf Hessen, Mecklenburg, Thüringen und Braunschweig und je 1 auf Württemberg, Baden und Hamburg. Der in den Spiel- karten-Fabriken vorhandene Bestand betrug am Schluffe des Vorjahres 1,024,243 Spiele von 36 oder weniger Blättern und 252,787 Spiele von mehr als 36 Blättern, der Zu­gang während des Jahres 1893/94 5,116,207 und 1,104,247 Spiele, der Abgang in dieser Zeit 5,017,594-unb 1,015,469 Spiele, so daß am Schluffe des Jahres 1893/94 vorhanden waren 1,122,856 und 341,565 Spiele. Versteuert wurden vom inländischen Fabrikat 4,279,051 Spiele von 36 oder weniger Blättern (zum Steuersätze von 0,30 Mk. für 1 Spiel 1892/93 4,244,304) und 161,867 Spiele von mehr al- 36 Blättern (zum Steuersätze von 0,50 Mk. 1892/9A 167,414) und vom Auslande eingeführt (zum Zollsätze von 60 Mk. 100 Ktlogr. neben der inländischen Abgabe) 23,328 und 11,410 (1892/93 18,902 und 6472) Spiele. Nach dem Auslände ausgeführl wurden überwiegend Kartenspiele von mehr als 36 Blättern, deren Zahl 1893/94 850,642 betragen hat gegen nur 687,290 Spiele von 36 und weniger Blättern/ 1892/93 war das Verhältniß umgekehrt, da von den kleineren Spielen in diesem Jahre 877,061 und von den größeren 783,301 nach dem Auslande ausgeführt worden waren.

** Wetlerkundige Leute wollen wissen, daß ein strenger Winter bevorstehe. Sie entnehmen dies daraus, daß die Waldheide sehr reichlich blüht und ihre kleinen rosafarbenen Blüthen selbst bis zu den äußersten Spitzen ihrer Zweige angesetzt hat. Auch das Verhalten der Zugvögel, die sich Heuer früher als sonst zur Abreise rüsten, soll darauf hin- beuten, baß ber Winter ein hartes Regiment führen werde. Wenn man aber bedenkt, daß im Frühjahre dieses Jahre- dieselben Wetterbeobachter einen trockenen Sommer vorauS- gesagt und die Zeichen der Natur sicher falsch verstanden hatten, so wird man den verkündigten strengen Winter nicht zu fürchten brauchen.

Butzbach, 15. September. Eine Seltenheit zur jetzigen Jahreszeit, wo man schon mit dem Einernten der Zwetschen, Birnen und theilweise auch der Aepfel beschäftigt ist, dürfte das Vorhandensein von voll mit reifen Früchten behangenen Kirschbäumen sein. An der Staatsstraße zwischen Ober- Hörgern und Eberstadt sind eben noch einige derartige Bäume zu sehen, welche zahlreiche Früchte der mittelgroßen, dunkel- rothen, sauren Kirsche tragen.

Lauterbach, 15. September. Vom 1. bis 10. October wird in der hiesigen Genoffenschaftsmolkerei ein CursuS für Vorstände von GenoffenschaftSmolkereien, bezw. Land- Wirthen abgehalten, die eine Verbesserung ihrer Milchwirthschaft anstreben oder sich einen Einblick in die Führung und Rentabilität einer ländlichen GenoffenschaftSmolkeret ver­schaffen wollen.

§ Sicheuhaufeu, 16. September. Der hiefige Gastwirth und ehemalige Bürgermeister Thomas Scholtes feiert am 29. September mit seiner Familie daS Fest der goldenen Hochzeit. Möge es dem Jubelpaar, welche- noch sehr rüstig und gesund ist, vergönnt sein, noch lange Jahre zusammen zu sein.

§ Ober-Moos, 15. September. Heute wurde der hiesige großeTeich ausgefischt: es befanden sich darin etwa 3300 Stück Karpfen im Gesammtgewicht von ca. 90 bis 100 Gentner. Die Fische find verkauft an verschiedene Händler in Hanau, Frankfurt a. M. u. s. w., der Centner zu 52 Mk. Nur wenige Schleie, Hechte und Aale befanden sich in dem Teich. Der Preis der Karpfen ist seit einigen Jahren gestiegen und wurde früher der Centner stets zu 50 Mark verkauft. Der Fischteich ist durch seine gute Karpfenzucht berühmt und ge­hört dem Freiherrn von Riedesel zu Eisenbach.

§ Vom höhere» Vogelsberg, 16. September. Die Sommer fruchternte ist hier beendet, auch das noch seither auf Haufen gestandene Korn ist nach Haus gefahren. Mit dem Ausfall der Ernte ist man allgemein sehr zufrieden, auch ist dieselbe mit Ausnahme des Kornes ziemlich gut heim­gebracht worden. Seit gestern ist auch mit der Grummet- Ernte begonnen worden, die Wiesen sind jedoch von dem letzten Regenwetter noch sehr naß, sodaß das Abfahren sehr vorsichtig geschehen muß.

nn. Darmstadt, 16. September. Samstag Nachmittag gegen 4 Hhr durcheilte die Kunde von einem fünffachen Mord unsere Stadt und versetzte die Gemüther in eine ungeheuere Aufregung. Seit Menschengedenken kann man hier sich einer solchen That nicht erinnern. Der Sachverhalt ist folgender: Der in der Liebfrauenstraße Nr. 58 in ber Mansarbe in bescheibenen Verhältnissen wohnhafte ExpebitionS- Gehülfe an ber Main-Neckbar-Bahn, Georg Wölfelschneiber, war um 12 Hhr von seinem Dienst in gewohnter Weise nach Hause gekommen unb Hütte baS Mittagessen mit seiner Familie, welche außer ihm unb seiner Frau noch an- 5 Kinbern bestaub, eingenommen, ohne daß man auch nur daS geringste von seinem schauerlichen Vorhaben an ihm gemerkt hätte. Kurz nach 2 Hhr schickte nun Wölfelschneiber seine Frau und seinen ältesten Knaben im Alter von 8 Jahre» in die innere Stadt, um Einkäufe zu machen, da die Familie beabsichtigte, am Samstag zu Groß-Hmstadt bei Verwandten einen Besuch abzustatten. Während nun die Frau in sorg­loser Weise vom Hause fortging,nahmWölfelscheider einensechS- läufigen Revolver und erschoß vier von seinen Kindern