Rr. 218 Erstes Blatt. Dienstag den 18. Seytember
1894
Aints- und Anzeigeblatt süv den Ureis Gieren.
Hratisöykage: chießener Kamirienökätter.
Aintlichcr Theil
Demission dieses befähigten Diplomaten vorlag. Jetzt meldet I nun ein angesehenes norwegisches Blatt, daß sich Graf Wedel mit einer hochstehenden schwedischen Dame zu vermählen gedenke, und diese Miltheilung würde allerdings die Ursache der überraschenden Demission des genannten Herrn erkennen lassen, denn es ist Regel, daß sich ein Diplomat nicht durch Hetrath an ein fremdes Land bindet, was also durch die angekündigte Vermählung des Grasen Wedel mit einer Schwedin geschehen würde. Wie erinnerlich, nahm auS gleichem Anlaß seinerzeit auch der frühere verdiente deutsche Gesandte in Peking, Herr v. Brandt, seinen Abschied- bekanntlich ist Herr v. Brandt mit einer Amerikanerin vermählt.
__ Auf dem am 23. September in Eisenach statt- findendenParteitage der freisinnigen VolkSpartei dürfte es jedenfalls sehr lebhaft zugehen. Nicht weniger als 78 Abänderungsanträge zum Entwürfe des neuen Partei- Programms sind bis jetzt beim Centralbureau genannter Partei angemeldet worden, es wird Herrn Eugen Richter und seinem speciellen Anhang sicherlich nicht leicht werden, den Programm- Entwurf in seiner ursprünglichen Gestalt gegenüber diesen massenhaften Abänderungsanträgen erfolgreich zu Vertheidigen.
— Die Eingabe mehrerer Handelskammern, betreffend die gesetzliche Regelung des Apotheken- wesensl, an das preußische Cultusministerium ist abschlägig beschieden worden. Wie es heißt, ist den Absendern der Eingabe der Bescheid zugegangen, es müsse der Cultusminister eine nähere Prüfung der Sache ablehnen.
Berlin, 15. September. Das St aatsmintstertum trat heule Nachmittag 2 Uhr im Di-nstg-baude unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grafen zu Eulenburg zu einer
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer- bi- Borm. 10 Uhr.
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Zum Bezug des „Giefzener Anzeiger" für das 4. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur'Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben aus dem Lausenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so fürhzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffeutlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besonoere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen m Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhalwngsstoff bringen, namentlich im Kreise bei Familien eine
Bekanntmachung.
Die Kreisstraße von Lumda nach der Staatsstraße Gründern — Londorf ist von Mittwoch, den 19. ds. Mts. ab behufs Vornahme von Bauarbetten aus 3 Tage für den Fuhrwerksoerkehr gesperrt.
Gießen, am 16. September 1894.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
| 17. September von Chefoo nach Chemnlpo (Korea) in Dee । z 8 Saßnitz, 15. September. Heute Vormittag fand auf hoher See ein großes Seegefecht der gefammten Flotte statt Am Nachmittag wurden Bootsmanöver und eine Ruderregatta im Prorer Wick veranstaltet. Abends ging die Flotte
Sitzung zusammen.
Berlin, 15. September. Die „B. N. N. melden von I unterrichteter Sette: Am Tage der Anwesenheit des Kaisers in Marienburg wurden an verschiedenen Stellen der Stadt I anarchistische Plakate angeheftet. Dieselben waren aus Packpapier (in Quartformat) in anscheinend verstellter, aber | unverkennbar gewandter Schrift mit Rothstift geschrieben. I Ihren Inhalt auch nur anzudeuten, wäre unzulässig. Im Zusammenhang mit diesem Vorsalle erfolgte die Verhaftung sämmtlicher den Namen Kowalski tragenden Soldaten des 17. Armeecorps. Jeder einzelne derselben wurde mit starker Bedeckung — sechs bis zehn Mann mit scharf geladenen Gewehren — in die militärische Haft eingeliesert. Ueber die Ergebniffe der militärgerichtlichen Untersuchung verlautet noch nichts.
Berlin, 15. September. Behufs Aufhebung des Brauereiboykotts wurde heute Vormittag von der Saalcommission der Gastwirthe Berlins und Umgegend einerseits, sowie der Bierboykottcommission der Arbeiterpartei andererseits und den Reichstagsabgeordneten Singer und Auer eine gemeinschaftliche Sitzung abgehalten, welche zwar refultatlos verlief, in welcher der Abgeordnete Auer indeß erklärte, daß die socialdemokrarische Partei bereit sei, einen ehrlichen Frieden zu 15 September. Die großen Mißstände, welche
der Richt er mangel in Berlin mit sich bringt, haben das Justizministerium veranlaßt, an das Finanz-Ministerium mit dem Ersuchen heranzutreten, sür die Schaffung von 20 bis 30 neuen Richterstellen in Berlin die erforderlichen Mittel bereit iU ^Berlin, 15. September. Dem Volksschullehrer Otto in Charlottenburg, der als Delegirter zum Parteitag der Freisinnigen Volkspartei in Eisenach gewählt war, wurde vom Charlottenburger Magistrat der erbetene fünftägige Urlaub verweigert, da sich der Magistrat sonst, wre er m seiner Begründung angibt, gezwungen sehen würde, auch den Angehörigen anderer Parteien Urlaub zum Besuch politischer Con-
Gießener Anzeiger
Keneral-Mzeiger.
6re’,C8erlinmi5re®eptember. Dai „D-uiste Soionialblatt" jdjttibl: Die Höhe der Zoll- und (onfttgen @tn. nahmen in Deulsch-Ostasrika betrug IM Rechnung-. iahre 1892/93 in den sieben Hauptzollämtern: Tanga, Pangani, Bagamoyo, Dar-es-SalLm, Kilwa, Lindt, Mikindam zusammen 856 011 Rupinen 3 Annas 3 Pies, umgerechnet nach dem in den einzelnen Monaten verschiedenen Rupten-Curse — 1 105 456.95 Mark — und im Rechnungsjahre 1893/94 . 870013 Rupien 6 Annas 1 P'v — 1 130 256.36 Mark.
Berlin, 15. September. Nach einer beim Ober-Corn- mando der Marine eingegangenen telegraphischen Meldung ist S M S Hyäne", Commandanr Corvetten-Caprtan Reincke, am '14. d. Mts. in Sao Thome eingetroffen und wird am 22. d. Mts. nach Kamerun tn See geden. Laut telegraphischer Meldung an daS Ober Commando der Marine beabsichtigt S- M. Kanonenboot „Iltis", stellvertretender Commandant Lieutenant zur See Schmidt v. Schw.nd, am
Nerieste Nachrichten.
GolffS lelcgr»phtfcheS Correfpondenz-rvure^u.
Banin, 16. September. Die Posener Deputation traf mittels Sonderzuges um 11 Uhr 22 Minuten in Hammermühle ein, marschirte in langem Zuge nach Darzrn und holte die Genehmigung des Fürsten zum Aufmärsche ein, welcher dann vor dem Schlosse erfolgte. Major Tiede- rnann-Seeheim brachte beim Erscheinen des Fürsten Bismarck ein dreimaliges Hurrah aus, welches begeisterte Zustimmung fand. Der Sprecher der Posener Gäste, LaudeSöconomierath Kennemann, hob in längerer Ansprache die Verdienste deS Fürsten um die deutsche Einigung hervor und betonte ins besondere das Bewußtsein der Posener, in einem deutschen, unlösbar mit Preußen verbundenen Landestheile %u leben. Er sprach die feste Zuversicht aus, daß die der Provinz Posen herrschenden nationalen Gegensätze mir der Zeit ver- schwinden würden und schloß mit dreisachem Hoch auf ben Fürsten Bismarck. Fürst Bismarck dankte in längerer Rede für die ihm bereitete Ovatton und die kundgegebene treue Gesinnung der Posener. Schließlich brachte der.Gy°m°si°l. director Kiel aus Bromberg etn Hoch auf die Fürstin BiS- marck aus, welches begeistert ausgenommen wurde. Nachdem hierauf der Vers: „Deutsche Frauen, deutsche Treue rc. gesungen war, zog der Fürst verschiedene Mitglieder der Deputation in ein Gespräch und entbot die Counwmitglteder zum Frühstück in das Schloß. Die übrigen Mitglieder der Deputation marschirten unter den Klängen der von zwei Militärmusikcorps ausgesührten „Wacht am Rhein bet dem Schloß vorüber vor den neuen Gasthof. Um 3 Uhr soll der Rückmarsch nach Hammermühle erfolgen und von dort um 4i/2 Uhr die Rückfahrt nach Posen.
beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. October den Anzeiger kostenfrei zu- aesteüt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonuemeuts- betrag durch Quittung erheben lassen, sallv nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch).
Deutsches Reich.
Berlin, 15. September. Ueber den Verlaus der Kaisermanöver der deutschen Flotte liegen bis jetzt nur spärliche Meldungen vor: am Freitag manövrirte die Flotte in den Gewässern von Rügen zwischen Stubbenkammer und Adlergrund. , r c .
__ Der Kaiser hat in je einem besonderen Erlaß den Bewohnern der Provinzen Ost- und Weftp reußen seinen Dank für die ihm und der Kaiserin bereitete Aufnahme ausgesprochen. — Anläßlich der Kaisermanöoer des 1. und des 17. Armeecorps sind bei beiden Armeecorps zahlreiche Beförderungen und Auszeichnungen erfolgt.
— Die Nachricht vom Rücktritte des deutschen Gesandten in Stockholm, Grafen Wedel, hatte vielfach Befremden erregt, weil kein sichtlicher Grund für die
wieder in See.____
Ausland.
Wien, 15. September. Zur Sicherung des Nachrichten- diensteS während des Krieges beabsichtigt die Kriegsverwaltung, ein eigenes Gesetz zum Schutze der Brieftauben ein- zubringen.September. Der beabsichtigte Congreß der aus Sibirien zurückgekehrten Polen wurde behördlich
15. September. Der Agent des Londoner Bank- Hauses Rothschild aus Alexandrien wurde auf der Reise nach Mailand von zwei Individuen um 70,000|2t« bestohlen.
Paris, 15. September. Der Director des //Gaulots , Arthur Meyer, publicirt in seinem sBlatte einen Artikel, worin er prophezeit, daß der Herzog von Orleans al Philipp VIII. bald wieder den Königsthron in Frankreich errichten werde.
Paris, 15. September. Das „Memor. diplom. be- | richtet aus Petersburg, Admiral Avellane, der Commandant des russischen Mittelmeergeschwaders, habe dem türkischen Sultan noch immer keinen Besuch abgestattet, trotzdem sich der Admiral mit seiner Flotte schon seit mehreren Monaten in den türkischen Gewäffern befinde. Die Verzögerung des Besuches man nun dem Wunsche der Pforte zuschreiben, den Dreibund nicht zu verletzen, wahrend man andererseits den Umstand in Betracht zieht, daß der Sultan erst den Admiral des englischen Geschwaders empfangen wolle. Er soll deßhalb die russische Regierung ersucht haben, I den Besuch des Admirals Avellane noch um einige Zett I hinauszufchieben.
Warschau, 15. September. Directem Befehl des Czaren zufolge finden wegen der Cholera die diesjährigen Herbst. I Übungen der Reservemannschaften im Militärbezirk Warschau I n Newyork, 15. September. Alle Fabriken der „Kautschuk- Compagnie der Vereinigten Staaten" wurden geschlossen.
I 14 000 Arbeiter verlieren dadurch ihre Beschäftigung. Man meint, die Schließung der Fabriken werde nur vier Wochen
I dauern. v_ ..
_ Im südlichen Korea haben dte Japaner durch koreanische Truppen eine empfindliche Schlappe erlitten. Em von Fusan nach Seul marschirendes Corps der Japaner m Stärke von 2000 Mann wurde von den Koreanern angegriffen und beinahe vernichtet. Von den Japanern sollen nur 800 Mann nach Fusan zurückgekommen sein.


