Referent in seinem tiefgehenden, mit einer Fülle dogmatischen Materials ausgestattelen Vortrag aus, steht im Widerspruch mit dem christlichen Glauben, nicht nur nach seiner formalen Seile, sondern auch mit der Substanz des Glaubens- sie ist vom Standpunkt der Kirche als unchristlich und unkirchlich zu verwerfen und zu bekämpfen. Der Correferent, Herr Pfarrer Wahl von Kirtorf, erklärte sich zwar mit den Resultaten, zu denen der Referent gekommen, einverstanden, aber nicht in allen Punkten mit der Art seiner Beweisführung- für ihn ist die Feuerbestattung besonders deshalb unannehmbar, weil sie ohne zwingende Roth sich gegen eine g heiligte christliche Sitte, wie sie die Erdbestattung darstellt, richtet. In der Discussion, woran sich besonders die Herren Decan Müller von Alsfeld, Professor Dr. Weiffenbach von Friedberg und die Referenten betheiligten, kam zum Vorschein, daß die Mehrheit der Versammlung sich der durch den Korreferenten gegebenen Begründung zuneigte, wonach durch die Einführung der Feuerbestattung in der Gegenwart eine gute christliche Sitte ohne Roth zerstört werde. Da in den practischen Zielen Einigkeit herrschte, so bat Herr Decan Kalbhenn, dem Antrag Ausdruck zu geben, daß die Versammlung der dritten der durch den Referenten aufgestellten Tyesen zustimme, wonach die christliche Kirche bei dem Feuerbestattungsact durch ihre Organe nichts mehr zu sagen und zu thun habe. -Dies geschah, doch wurde ausdrücklich bemerkt, daß mit dieser grundsätzlich ablehnenden Stellung der seelsorgerliche Beistand des Geistlichen bei den Hinterbliebenen (eventuell auch Trauerfeier im Hause) sehr wohl vereinbar sei. — Ein gemeinsames Mittagsmahl hielt die Theilnehmer der Conferenz noch einige Stunden zusammen.
* * Omnibus Fahrt. An der Einhaltung seiner planmäßigen Fahrzeit wurde heute Mittag 1 Uhr einer der Wagen verhindert, indem in der Schulstraße ein Vorderrad abging. Nack viertelstündigem Aufenthalt konnte die Fahrt fortgesetzt werden.
* * Zechprellerei. Ein Bürstenmacher aus Harbach sand sich gestern Nachmittag in einer jWirthschaft in der Bahnhofstraße ein und ließ sich Speisen und Getränke gut schmecken. Er trank nicht weniger als 7 Glas Bier und verschwand dann heimlich, ohne zu bezahlen und zwar auf dem ungewöhnlichen Wege durch das Abortfenster. Auf erstattete Anzeige hin wurde derselbe noch in hiesiger Stadt ermittelt und verhaftet. Derselbe war ohne Mittel und hatte mit der Absicht zu betrügen die Wirthschaft betreten.
* * Touristen und Solchen, welchen es Vergnügen macht, schöne Fußtouren in nächster Umgebung unserer Stadt zu machen, diene zur Nachricht, daß die von mehreren Mitgliedern der Section Gießen des Deutschen und Oesterreich. Alpenvereins vorläufig ausgesührten Wegebezetchnungen folgende sehr schöne Touren bedeuten. Vom Neustädter Viaduct anfangend: Rothe Striche: Gleiberg, Krofdorf, Fellingshausen, Dünsberg, Rehmühle, Hof Bubenrod, Wetzlar. Weiße Striche: Heuchelheimer Mühle, Kinzenbach, Grube Morgenstern, Schwalbenbachthal, Dicke Eiche, Schwarzbachthal, Hof Bubenrod. Die Stadt hat sich in liebenswürdigster Weise bereit erklärt, die betreffenden Bezeichnungen im rechtsseitigen Neustädter-ThorhauS anbringen zu lassen. (Wiederholt, weil in voriger Nummer unvollständig wiedergegeben. Red.)
* * Stiftungen und Vermächtnisse. Die tm Laufe des zweiten Quartals bestätigten Stiftungen und Vermächtnisse haben einen Gesammtbetrag von 123 019 Mk. Hiervon kommen 91360 Mark auf die katholische Kirche, die evang. Kirche erhält 3630 Mark und die israelitische Reltgionsgemeinde 1023 Mk., der Rest ist für wohlthäüge Zibecke bestimmt.
* * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Der Geschäftsreisende Paul Danker aus Magdeburg von der Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen Unterschlagung- Korbmacher Franz Geißler aus Ober-Seemen von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Körperverletzung - Schreinergeselle Johann Kuhmünch aus Frankfurt a. M. vom Amtsgericht Nieder-Olm wegen Diebstahls- Schiffstaglöhner Georg Siegl aus Neckar-Steinach vom Amtsgericht Hirschhorn wegen Strafvollzugs- Bäckergeselle Jakob Sohns aus Geisenheim, zuletzt in Kelsterbach, von der Staatsanwalt in Darmstadt wegen Diebstahls und Betrugs- Handarbeiter Philipp Staudt aus Groß-Umstadt von derselben wegen Betrugs- Taglöhner Karl Meisinger aus Mainz vom dortigen Amtsgericht wegen Strafvollzugs.
* * Laudwirthschaftliche Bodeubeuutzung in Hessen. Die 1893er Erhebungen über die landwirthschaftliche Bodenbenutzung zeigen nach der amtlichen Zusammenstellung durch die Centralstelle für die Landesstatistik, daß 378 502,4 ha Acker- und Gartenländereien zur Hauptnutzung vorhanden find. Auf Nebennutzung entfallen 20 791,3 ha. An Wiesen sind 93146,7 ha, an Weiden und Hutungen 8375,5 ha, an Weinbergen 12 441,5 ha, an Forsten und Holzungen 240 706 ha vorhanden. Die Haus- und Hofräume umfassen 5300,5 ha, Oed- und Unland giebt es 6255,7 ha, Wegeland, Gewässer rc. 25065,1 ha. Die Gesammtfläche beträgt an Hauptnutzung 769 792,8 ha, an Nebennutzung 21288,1 ha.
** Reiche Gnrkenernte. Daß die Zeit der sauren Gurken wieder herangekommen, ist wohl allen Zeitungslesern bekannt- wie groß aber die Erträgnisse aus der Anpflanzung der Gurken in manchen Gegenden sind, davon macht sich nur Derjenige einen Begriff, der an den Eisenbahnen und an den Dampfbooten am Rhein die Unmassen dieser Frucht verladen sieht. Deshalb ist die so oft abfällig und spöttisch besprochene saure Gurkenzeit für unsere Landbewohner nicht zu verachten und wird von diesen jedenfalls beffer gewürdigt.
* * Die Veteranen Vereine schmelzen nach den Kriegsjahren infolge Ablebens der Mitglieder von Jahr zu Jahr mehr zusammen, da die statutarischen Bestimmungen nur die Aufnahme von solchen ehemaligen Soldaten gestatten, die einen Feldzug mitgemacht haben. Eine originelle Bestimmung hat nun ein Verein in V. bezüglich seiner Fahne getroffen.
Die zur Universalerbin des Vereins eingesetzte Gemeinde wird nämlich testamentarisch verpachtet, dem letzten mit Tod abgehenden Mitgliede die reich mit Gold gestickte Fahne als Todtenkleid mit ins Grab zu geben.
* * Gewöhnliche Postkarten dürfen vom 1. ds. Mts. ab nicht mehr wie bisher nach Beklebung einer 10 Pfg.-Marke für den Weltpostverkehr, also für Versendung ins Ausland, benutzt werden, was den Postämtern durch eine erneute Verfügung in Erinnerung gebracht zu sein scheint, denn aus verschiedenen Orten wird gemeldet, daß in den letzten Tagen solche Karten mit dem Vermerk: „Unzulässig, zurück" den Absendern wiedergegeben worden sind.
* * Zur Warnung! lieber einen neuen Schwindel ckird berichtet: In einem Berliner Blatt war annoncirt: „Ein seidenes Kleid für 3 Mark zu erhalten bei N. N." Eine Frau dachte mit 3 Mark billig zu einem seidenen Kleide zu kommen und sandte die 3 Mark per Posteinzahlung ein. Was erhielt sie? — Einen Roman, deffen Titel „Ein seidenes Kleid" war. Derartige Annoncen sollten vom Publikum immer mit der nöthigen Vorsicht ausgenommen werden, da auch die einfachste Berechnung ergibt, daß für den angegebenen Preis kein seidenes Kleid erhältlich ist.
* * Das Wesen mancher Stellenvermittelungsinstitute ist schon oft genug in unserer Zeit gebrandmarkt worden. Das Wunderbarste ist, wie die „Deutsche Warte" schreibt, daß derartige Institute sogar über AnerkennungS- und Dankschreiben für ihre Thätigkeit verfügen. Wie diese aber erworben werden, lehrt folgender Vorfall: Ein Brennerciverwalter wandte sich an ein derartiges Institut, das sich gleichzeitig mit der Ausbildung von Leuten für landwirthschaftliche Fabrik betriebe befaßt. Er mußte eine vorläufige Vermittelungsgebühr von 150 Mk. erlegen. Es vergingen 7—8 Monate, ohne daß der Mann etwas zu hören bekam. Als er dann persönlich vorfprach, empfing er zwar Vertröstungen, aber keine Stelle. Dagegen wurde dem armen Teufel eröffnet, er könne sein Geld wieder haben, wenn er dem Institute ein Anerkennungsschreiben ausstelle. Da er sein Geld sehr nöthig brauchte, so verstand er sich dazu und das Institut hatte seine — Anerkennung.
** Wanderlager und Schleuderbazare. Dem Vorgänge der Gewerbevereine in Weimar und Jena folgend, hat sich nunmehr auch der Gothaer Gewerbeverein, und zwar nicht, wie die beiden ersteren, an den Stadtmagistrat, sondern an den Landtag mit einer Eingabe gewandt, die um ergiebigen Schutz gegen die überhandnehmende Concurrenz der Wanderlager, Schleuderbazare und Wanderauctionen ersucht. In Weimar ist dem auf Ansinnen des dortigen Gewerbevereins gefaßten Beschluffe des Stadtmagistrats, Wanderlager wöchentlich mit 100 Mk., und Wanderauctionen täglich mit 30 Mk. oder den Umständen entsprechend mit 40 Mk. zu besteuern, die Genehmigung der Großh. Regierung ertheilt worden. Jena hatte wöchentlich 300 Mk. und 70 Mk. täglich beantragt.
Bad Nauheim, 15. August. Beim gestrigen Nachmittags- concerte auf der Curhausterrasse wurde dem verdienstvollen Mitgliede der Curcapelle, Herrn Weitz, zur Feier seines 25jährigen Jubiläums ein Loorbeerkranz feierlich überreicht. Von der Großh. Badedirection war dem Jubilar eine Gratification von 50 M., von den Mitgliedern der Capelle ein prachtvoller Regulator überreicht worden.
§ Vom höheren Vogelsberg, 15. August. Durch einen unreellen Viehhandel wurden in hiesiger Gegend drei Metzger geschädigt. Ein Landwirth verkaufte nämlich an einen Händler einen in thierärztlicher Behandlung gewesenen Stier zum Preise von 56 Mk. Statt nun, wie versprochen, den Stier an den Zoologischen Garten in Frankfurt zum Schlachten für die Raubthiere abzuliefern, bot der betreffende Händler denselben drei Steinauer Metzgern zum Kaufe an und der Stier ging zum Preise von 211 Mk. an diese über. Das Fleisch des Stieres wurde zum größten Theil confiscirt und verscharrt, auch Strafantrag gegen die Schuldigen gestellt. Die Metzger beabsichtigen eine Privatklage gegen den Schuldigen anzustrengen, weil sie durch den Verkauf des (angeblich vom Fleischbeschauer für gesund erklärten) Fleisches von ihrer Kundschaft eingebüßt haben.
Darmstadt, 16. August. Der Verein für Vogel- und Geflügelzucht zu Darmstadt hält in den Tagen vom 25. bis 28. August I. I. wiederum eine große Geflügel- und Vogelausstellung ab und ist demselben als Ausstellungslocal von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog das Orangeriehaus im Bessunger Herrngarten in huldvollster Weise zur Verfügung gestellt worden. Der Umstand, daß der rührige Verein mehrere hervorragende Züchter, die in weiten Kreisen als solche bekannt sind, zu seinen Mitgliedern zählt, mag mit dazu beigetragen haben, daß die bevorstehende Ausstellung sich zu einem Wettbewerb unter den ersten und besten Züchtern Deutschlands zu gestalten verspricht. Programme und An- meldebogen sind in großer Zahl von den bekanntesten und bewährtesten Züchtern aus allen Theilen Deutschlands bezogen und liegen die Anmeldungen schon jetzt so zahlreich vor, daß das Unternehmen völlig gesichert erscheint und die äußerst großen Räume des Großh. Orangeriehauses wohl gänzlich gefüllt werden. Ein Besuch ter Ausstellung wird sonach äußerst lohnend sein und ist dem Liebhaber und Interessenten Gelegenheit geboten, das Hervorragendste und Beste in Augenschein zu nehmen, was auf dem Gebiete der Geflügelzucht zur Zeit geleistet wird. Der Ausstellung selbst steht eine stattliche Reihe von Ehrenpreisen zur Verfügung, die theils von Vereinsmitgliedern, theils von den landwirthschaft- lichen Bezirksvereinen und den benachbarten Geflügelvereinen gestiftet sind. Eine weitere Reihe von Ehrenpreisen steht noch in sicherer Aussicht. Mit der Ausstellung ist eine große Verloosung — 10000 Loose ä 50 Pfg. — verbunden, zu welcher die Gewinne im Gesammtwerthe von 3000 Mark, worunter ein Hauptgewinn int Werthe von 200 Mark, ein solcher von 100 Mark rc., soweit möglich auf der Ausstellung angekauft werden. Durch die getroffene Einrichtung einer
Derkaufs-Abtheilung ist dem Liebhaber sowohl Gelegenheit geboten, preiswürdig anzukaufen, wie dem Züchter entbehrliches Zuchtmaterial auf bequeme Weife und ohne großen Kostenaufwand abzufetzen.
A Mainz, 16. August. Die am 25. ds. Mts. ins Leben tretende Neuerung, daß die Fahrscheine der Köln- Düsseldorfer Schiffe zur Rückfahrt auch aus der Eisenbahn benutzt werden können, wird von dem Publikum ziemlich allgemein dahin aufgefaßt, als ob jedes Retourbillet der Schiffe zur Rückfahrt auf derselben Strecke auf der Eisenbahn Gültigkeit habe. Dem ist aber nicht so: Zunächst ist die Ludwigsbahn dieser Vereinbarung gar nicht beigetreten imd kann man also mit einem Retourbillet von hier nach Köln auf dem linken Rheinufer höchsten« von Köln bis Bingerbrück fahren. Weiter müssen aber diese zur Eisenbahnrückfahrt gültigen Billette fpectell verlangt werden und kosten dieselben wesentlich mehr als die gewöhnlichen Retourbillette. Es wird bezweifelt, daß die Neuerung für das Reifepublikum einen großen practischen Werth hat. — Der Selb st mord eines Schülers des hiesigen Gymnasiums — der dritte innerhalb neun Monaten — erregt hier in Elternkreisen wieder große Aufregung. Der junge Mann, Unterprimaner Ganber aus kleinem Orte unfern von hier, hat sich ertränkt und wurde gestern dessen Leiche in dem hiesigen Floßhafen geländet. Der Grund zu dem Selbstmord war wiederum ein ungenügendes Schulzeugniß.
* Frankfurt a. M, 16. August. Ein schweres Eisenbahn-Unglück hat sich gestern Abend gegen 10 Uhr auf der der Hessischen Ludwigseisenbahn-Gesellschaft gehörenden Bahnstrecke Frankfurt—Limburg ereignet. Der Locomotiv- führer Zuckwil aus Niederrad sollte eine leere Maschine nach Niedernhausen bringen und in der Station Lorsbach mit dem von Niedernhausen kommenden Personenzuge kreuzen. Zuck- wil fuhr aber aus bisher noch unbekannten Gründen mit vollem Dampfe durch Lorsbach durch und stieß auf den Personenzug, der eben die Station Eppstein verlassen hatte, mit voller Wucht auf. Beide Maschinen wurden sofort total demolirt, ebenso der erste Personenwagen des Personenzuges, während der direct hinter der Maschine folgende Packwagen unversehrt blieb. Der zweite Personenwagen mit Coupes 1. und 2. Klasse ist ebenfalls beinahe unversehrt geblieben, trotzdem er aus den Schienen gehoben und in den vorhergehenden (zertrümmerten) Wagen, der nur CoupeS 3. Klasse hatte, hineingerannt wurde. Schwer verletzt wurden 4 Personen: der Führer der leeren Maschine, sowie der Heizer derselben (beide innere Verletzungen und der Letztere einen Armbruch) und aus dem Wagen 3. Klasse eine Frau Kramer und der Kunstschüler Schneider aus Frankfurt. Leicht verletzt sind 5 Mann vom Personal des Personenzuges. Aerztliche Hilfe war alsbald zur Stelle. Um 12</4 Uhr traf der von Frankfurt telegraphisch herbeigerufene Httfszug ein, der die Verletzten nach Frankfurt beförderte, wo sie ins Krankenhaus gebracht wurden. Der schuldige Locomotivsührer ist noch bewußtlos, so daß eine Vernehmung noch nicht erfolgen konnte.
* Kassel, 16.August. Der deutsche Apothekertag wurde, nachdem er eine Reihe von Fachfragen und Geschäfts- angelegenheiten erledigt hatte, geschlossen. Die nächstjährige Tagung wird tn Augsburg stattfinden.
* Düsseldorf, 16. August. Einen merkwürdigen Aus gang nahm in der Sitzung der hiesigen Strafkammer eine Verhandlung gegen einen rückfälligen Verbrecher, welcher des Diebstahls angeklagt war. Da die Beweisaufnahme die Schuld des Angeklagten im Zweifel ließ, beantragte der Staatsanwalt die Feisprechung. Die hierauf erfolgende übliche Frage des Vorsitzenden an den Angeklagten, ob er noch etwas zu bemerken habe, beantwortete der letztere dahin, daß er um eine milde Strafe bitte. Der Staatsanwalt, der diese Worte als Geständniß der Schuld auffaßte, beantragte nunmehr sofort eine Gefängnißstrafe von einem Jahre: die Strafkammer erkannte auf neun Monate.
* Dortmund, 15. August. Der Möbelhändler Kaufmann H. schoß heute aus Unvorsichtigkeit seinem einzigen Kinde, einem achtjährigen Knaben, eine Kugel in den Kopf. Das tödtlich getroffene Kind wurde ins Krankenhaus gebracht. Angeblich ist der Knabe an dem Vater vorbeigelaufen, als dieser einem Bekannten den Mechanismus einer Schußwaffe erklären wollte.
* Dresden, 16. August. Heute Mittag ist hier ein schweres Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag niedergegangen. Auf der Falkenbrücke wurde ein Mann durch den Blitz erschlagen.
* Wien, 16. August. Das „Wiener Extrablatt" meldet aus Petersburg, im kaiserlichen Garten zu Woerontsow in der Krim sei die kopflose Leiche des kaiserlichen Waldhüters VoitsekowSky gefunden worden. Raubmord ist ausgeschloffen.
* Von unseren braven deutschen Seeleuten. Ein von einem alten britischen Schiffscapitän an die englische Zeitschrift „Fairplay" gerichteter Brief stellt den Führern deutscher Dampfer bezüglich ihrer Bereitwilligkeit, die Signale von Segelschiffen zu beachten und zu erwidern, ein sehr ehrenvolles Zeugniß aus. Der „Eine alte Theerjacke" unterzeichnete Schreiber des Briefes bedauert, daß die heutigen Dampfschiffe sich so wenig um die Signale der Segelschiffe kümmern, und weist gleichzeitig daraus hin, wie viel Schadcn und Verlust an Gut und Menschenleben verhütet werden könnte, wenn die Führer von Dampfern in dieser Beziehung mehr Rücksicht nehmen würden. „Ich habe bemerkt," so fährt der Schreiber fort, „daß es hauptsächlich Dampfer, welche die deutsche Flagge führen, sind, die unsere Signale beantworten. Während dieser Reise fiel einer meiner Steuerleute aus dem Takelwerk aufs Deck und brach den Oberschenkel. Ich verband ihn, so gut ich es vermochte. Zwei Tage später kam ein deutscher Dampfer tn Sicht, mit dem


