Ausgabe 
18.2.1894 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die Commission beantragt Streichung der von der Regierung für den Bolschafter in Rom gewiderten Zulage von 20 000 Mk.

Aus Anfrage des Abg. Dr. Hammacher (natl.) erwidert Director Reich ar d t, daß seit August die unbehinderte Durch­führung des Transttgepäcks durch Italien, falls nur die Anmeldung ordnungsgemäß erfolge, auch ohne stete Anwesenheit des Reisenden erfolgen kann.

Die Zulage wird abgelehnt.

BeimGeneralconsulat Shanghai" beschwert sich Abg. Jebsen über die Schwierigkeiten, die dem deutschen Dampferverkehr nach dort durch die Engländer gemacht werden.

BelmConsulat Athen" bejaht der Reichskanzler Graf Caprivi die Anfrage des Abg. Schmidt-Warburg, ob Seitens der Regierung Schritte zur Wahrung der Interessen der Bcfitzer von griechischen Papieren erfolgt feien.

BeimKonsulat in Porto-Allegre" wünscht Abg. Hasse Er­höhung der Zahl der BerufSconsulate, besonders in Brasilien, weil sich die Wahlconsuln dort als nicht energisch genug erwiesen hätten.

Abg. Richter bemerkt, die von der Geschäftswelt an die BerufSconsulate geknüpften Erwartungen hätten sich vielfach nicht erfüllt, weshalb sich an einigen Plätzen die Einziehung derselben empfehlen dürfte.

Der TitelGeheime Fonds" wird nach kurzer Motivirung seines ablehnenden Volums durch den Abg. Richter bewilligt.

Beim TitelUnterstützung deutscher Schulen im Auslande" wünscht Abg. Hasse Bewilligung des dafür ausgeworfenen Betrags (100000 Mk.). Aermere Staaten, wie Italien, verwendeten mehr für diesen Zweck. Namentlich müsse für die deutschen Schulen in der Levante mehr geschehen, sowohl zu Nutz unserer materiellen Interessen, wie im Interesse unseres nationalen Ansehens.

Zum Colonialetat beantragt die Commission folgende Reso­lution: a) die verbündeten Regierungen um Beseitigung derjenigen Hindernisse zu ersuchen, welche der Ausbildung der in den Colonien wirkenden Väter vom heiligen Geist entgegenstehen; b) die verbündeten Regierungen um Vorlegung eines Gesetzentwurfs betr. Bestrafung von Sklavenraub und Sklavenhandel.

Die Berathung erstreckt sich zunächst auf den Etat für Ostafrika und die beiden Resolutionen. Bet dem Etat für Ostafrika bat die Commission den Reichszuschuß von 3'/, Millionen auf 3 370 000 Mk. herabgesetzt.

Abg. Bebel (Soc.): Die Budgetcommtssion ist diesmal mög­lichst sparsam gewesen, hat sogar, was bisher unerhört war, Abstriche beim Mtlttäretat gemacht; nur am Colonialetat habe sie diese Sparsam­keit nicht geübt, obschon unsere Colonialpolittk den von uns voraus­gesagten Gang genommen hat. Im Vorjahr sind für Ostasrika mehr Mille! aufgewendet worden. Diesmal sollen wir sogar den Retchs- zuschuß von 2/i Millionen auf 3Ve Millionen erhöhen und außer­dem Nachtragsforderungen für militärische Zwecke bewilligen. Diese Ausgaben stehen in keinem Verhältniß zu den wtrthschaftltchen Vor­theilen, die Deutschland von Ostasrika hat. Der ganze Handel der Colonie beträgt 18 Millionen Mk. Dem gegenüber stehen diese 3Va Millionen Retchszuschuß, 900 000 Mk. Dampfersubventton und Ausgaben für Kabel und dergl. Wir besitzen auch nicht das nöthtge Menschenmaterial, um die Colonien nutzbringend zu verwalten; das beweisen die bekannten Erlasse des Ctotlgouverneurs v. Wrochm. Wie waren solche Erlasse überhaupt möglich! Man hat gefragt, ob ein vernünftiger Mensch so etwas anordnen könne, und man bat vom Tropenkoller gesprochen. Jetzt wird der Erlaß über das Grüßen auch auf Europäer angewendet. Ein Herr Klemm, früher Photograph, sitzt im Zimmer der deutschen Firma Hofmann. Da ruft eine Stentorstimme: Hofmann, kommen Sie mal raus. Der junge Mann geht heraus und wird wieder mit Stentorstimme angerufen:Wes­halb grüßen Sie mich nicht? Ich bin der Vicegouverneur und stehe hier im Namen des Kaisers." Der junge Mann wurde mit Schweine­hund, Flegel und dergl. überhäust und dann durch Schwarze abge­führt. Derartige Uebergriffe sind häufig. Der Mann kann unmög­lich länger auf seinem Poften bleiben- Die Peitsche ist überall im Schwünge, und zwar die Nilpferd-Peitsche. Ich werde Ihnen morgen so ein Ding vorlegen. Ein Schlag bannt genügt! Mit einem solchen System kommen wir zu keinem Erfolg. Ausstände bald hier, bald dort. Durch die Missionen, um derentwillen das Centrum für die Colonialpolittk ist, wird die Cultur nicht gehoben. Das Chrtstenthum ist hier nur Finsterntß.

Reichskanzler Graf Caprivi: Ich hin wohl eben so human wie der Vorredner, kann aber nicht verurthetlen, ehe ich nicht den anderen Theil gehört habe. Was er über die Prügelstrafe getagt, wird geprüft und eoent. Abhülfe geschafft werden. Ueber den Fall in Kamerun ist Untersuchung im Gange. Das segensreiche Wirken der Missionen erk nne ich an und ich werde Alles thun, um den Vätern im helligen Geiste ihre Thätigkeit zu erleichtern. (Beifall im Centrum). Und nun Ostasrika. Ich habe lange nach einem geeig­neten Mann gesucht. Herr v. Wrochen wurde mir empfohlen und ich glaube nicht, daß es richtig ist, ihn in solcher Weise lächerlich zu machen. Was hat er denn verbrochen? Er hat militärische Honneurs vorgeschrieben. Das hat sich doch sonst bewährt. Die Verordnung gegen die Hunde rechtfertigte sich dadurch, daß die frei umherlaufeuden Hunde Träger von Krankheiten und Ungeziefer sind. Ueber den Fall Klemm muß ich erst Bericht abwarten. Die dortigen Beamten haben bei dem Deutschen nickt auf Wohlwollen zu rechnen. Dieser kommt mit übertriebenen Erwartungen hin; geht nun nicht Alles gut, so schimpft er wie alle Deutschen auf die Behörden. (Heiterkeit.) Ich übernehme für die Beamten die volle Verantwortung und werde Ungehörigkeiten, wenn erwiesen, abstellen.

Abg. Graf Arnim (Rp.) tritt den Uebertreibungen Bebels entgegen und empfiehlt das System mehr kaufmännischer Beamten.

Weiterberathung morgen.

Nerreste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Dresden, 16. Februar. Da die Besserung im Befinden des Königs stetig fortschreitet, werden weitere Bulletins vorläufig nicht ausgegeben.

Helfiugfors, 16. Februar. Die Zahl der Frauen und Kinder, die sich auf der losgelösten, ungefähr 100 Werst großen Eisscholle befinden, wird auf 500 geschätzt, meistens find es Jngermanländer. Die Finländer, welche die Gefahr bemerkten, retteten sich rechtzeitig. Die Küstenbevölkerung ist bedacht, den Unglücklichen Brod, Kleidung und Holz zuzuführen, was insofern mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist, als das offene Meer zwischen der Küste und dem Etsfelde Nachts zugesroren tst. Trotzdem hofft man die Unglücklichen zu retten.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 16. Februar. Am nächsten Mittwoch beginnen im Abgeordnetenhause die Debatten über die Staffel- tarife. Nach derVoss.Ztg." nahmen heute die Verhand­lungen über die Wirkung der Staffeltarife wieder ihren Anfang. Eine Aenderung des Systems der Staffeltarife liegt gutem Vernehmen nach nicht in der Absicht der preußi­schen Regierung. Außer Bayern haben auch Württemberg, Baden und Hessen Bedenken gegen die Fortdauer der preußischen Staffeltarife für Getreide und Mühlenfabrikate geltend ge­macht. Die commissarischen Verhandlungen mit diesen Staaten beginnen am nächsten Mittwoch.

Köln, 16. Februar. Die durch den letzten Sturm.ver­

ursachte Betriebsstörung der Telephonlinie Köln-Berlin ist wieder beseitigt.

Karlsruhe, 16. Februar. Die Handelskammer für die Kreise Karlsruhe und Baden erklärte sich für die An­nahme des russischen Handelsvertrags unter Beibehaltung der Goldwährung.,

Paris, 16. Februar. Wie aus den Aussagen der Mutter des Dynamitattentäters Emile Henry hervorgeht, hat sich letzterer in jüngster Zeit auch in Deutschland aufgehalten.

Paris, 16. Februar. Durch Zufall ist es der Polizei gelungen, die Wohnung und das Laboratorium des Attentäters Henry zu entdecken. Unbekannt gebliebene Ge­nossen des Anarchisten versuchten nämlich in das Zimmer Henrys etnzubrechen, um die Papiere und Correspondenzen zu vernichten. Die Polizei überraschte die Einbrecher bei der Arbeit und machte dabei die erwähnte sensationelle Ent­deckung.

Saint Etienne, 16. Februar. Die Polizei entfernte heute früh Plakate, welche an verschiedenen Mauerecken angebracht waren und Drohungen gegen Beamte und Capi- talisten enthielten.

Brüssel, 16. Februar. LautJndepedance beige" werden heute zwei französische Polizei-Jnspectoren er­wartet, um bei den Brüsseler Anarchisten, welche mit dem Bombenaltentäter Henry verkehrten, Nachforschungen anzu- ftellen. Die französischen Eisenbahnzüge werden auf dem Bahnhofe in Mons streng bewacht.

Rom, 16. Februar. Am 18. d. Mts. findet die Schluß- feier des Bischofsjubiläums des Pap st es statt. Leo XIII. wird in der Basilika eine feierliche Messe abhalten, an welcher auch der italienische Pilgerzug theilnehmen wird. Derselbe trifft am 17. ds. Mts. in Rom ein. Am 18. wird der Festausschuß Almosen unter die Armen Roms vertheilen. Privataudienzen wird der Papst nicht ertheilen.

Loudon, 14. Februar. Ein Anarchist, der gestern zur Ausführung eines Attentats nach Greenwich gefahren war, hatte das Unglück, in der Nähe der Sternwarte zu straucheln und hinzufallen. Hierbei explodirte die Bombe, die er in der Tasche trug," und riß ihn in Stücke. Nach Ent­deckung der anarchistischen Verschwörung werden die bekannten Anarchisten von den Schutzleuten streng bewacht. Der Anarchist heißt MartialBourdin. Er stand im dreißigsten Jahre. Der Sprengstoff, der offenbar Nitroglycerin war und sich in einer Flasche befand, scheint für die Propagandisten der That auf dem Continent bestimmt gewcsen zu sein.

Odeffa, 16. Februar. Das Asowsche Meer ist zu- gefroren. Das Eis hat einen Meter Dicke.

Washington, 16. Februar. Die republikanische Ver­einigung des Ohiostaatrs hat in ihrer gestrigen Versammlung den bekannten Schutzzöllner Mac Kinley als Candidat zur nächsten Präsidentenwahl ausgerufen.

Kiel, 16. Februar. (Privatdepesche.) Auf dem neuen PanzerschiffBrandenburg" fand eine Dampf­rohr-Explosion statt, wodurch es zahlreiche Todte und Verwundete sowie Demolirungen gab. Die Explosion fand bei der Vormittags Dorgenommenen forcirten Probefahrt des PanzerschiffesBrandenburg" statt. Bisher wurden außer zahlreichen Verletzten 46 Todte ermittelt. Vier Werftdampfer wurden zu sofortiger Hülfeleistung abgesandt. DieFrkf. Zrg." veröffentlicht folgende Privatdepeschen:

Kiel, 16. Februar. Ein fürchterliches Unglück ist auf dem PanzerschiffBrandenburg" durch Platzen des Haupt­dampfrohrs heute Mittag in der Wiker Bucht geschehen. Die gesummte Maschinenwache ist theils getöbtet, theils verwundet. Alle Marineärzte und Krankenträger haben sich an Bord der Brandenburg" begeben.

Kiel, 16. Februar. Der TransportdampferPelikan" soll das manöverirunfähige PanzerschiffBrandenburg" aus der Außenföhrde hereinschleppen. Gezählt werden etwa 40 Todte, darunter Marine-Baumeister Öfters, Marine-Inge­nieur Schulz (von der Firma Heuer in Gaarden), ferner die Ingenieure Mielke und Jvnsen vom Vulkan, von denen der Letztere, gänzlich vermißt wird. Das Unglück fand bei forcirter Probefahrt statt.

Kiel, 16. Februar. Der Unglücksfall desBranden-,, bürg" ereignete sich um 11 Uhr beim Stollergrund. Gerücht­weise verlautet, daß der Kaiser hierher kommt.

Das Wolff'sche Correspondenz-Bureau meldet:

Kiel, 16. Februar. Der Unfall auf dem Panzerschiff Brandenburg" erfolgte heute Vormittag bei einer Probe­fahrt. Nach amtlicher Mittheilung ist auf bis jetzt noch un­aufgeklärte Weise das Hauptdampsrohr der Steuerbord­maschine geplatzt. Das Unglück ereignete sich hinter dem Stollergrund, etwa drei Meilen von Bülk. Als die Nach­richt der Explosion hier gemeldet wurde, erhielt das Wacht- schiffPelikans den Befehl, zur Hülfeleistung zurBranden­burg" abzugehen. An Bord desPelikan" befand sich Prinz Heinrich. Die Tobten, bcren Zahl 39 beträgt, sind bereits hierher geschafft. Die in bet Todtenliste aufgesührten Hand- werker sinb Arbeiter ber kaiserlichen Werft. Es scheint sicher, baß bie Zahl ber Verwunbeten, wovon inzwischen zwei gestorben sind, nicht mehr als neun beträgt.

Kiel, 16. Febr. Das Unglück geschah um 11 Uhr. Als bie Explosion erfolgte, würben sofort alle Mannschaften auf Deck beorbert unb bie Pumpen klär gemacht. Zur Zeit bes Unglücks befanben sich 41 Personen im Maschinenraum, barunter viele Arbeiter. Von biefen hat sich nur ein einziger gerettet, ber an ber Treppe stanb, um nach oben zu steigen. DieBrandenburg" ist noch nicht (spät Abends) hier ein­getroffen unb liegt angeblich noch in ber Stranber Bucht.

Kiel, 16. Februar. Bei ber Explosion auf berBran­benburg" sinb getöbtet: Maschineningenieur Merks, Reserve- Unteringenieur Schulz, Obermaschinist Kirsch, Obermaschinen­maat Bank, Klstenfeger, Linderhaus, Maschinistenmaat Meyer V., Hampel, Jansen II., Obermaschinistenapplikant Petri, Oberhetzer Glauthier, Heizer Blankenbach, Batz, Reiche, Schröder, Ullrich, Oft, Witte, Sell, die Matrosen

Heuser, Ziegenmeher, Trewes, Maschinenbaumeister Dfcr», bie Maschinenbauer Dietrich, Schüler und Müller, Werk­meister Stuetzer, Werksührer Pernol, die Vorarbeiter Jung, Musfeldt, Hansohm, die Maschinensckloffer Bollhof I, Schreck, Kupferschmied Freiberg, die Arbeiter Weigandt, Oppermann, Lebus, Ingenieur Mielke vomVulkan"- Maschinen-Ober- ingenieur Janßen wird vermißt.

FriedrichSruh, 17. Februar. (Privatdepesche.) Der Kaiser reist am Montag um 2 Uhr von Berlin ab und trifft hier um 6 Uhr Abenbs ein; er spoupirt bet der Familie Bismarcks unb reift Nachts nach Olbenburg, bezw. Wilhelms­haven weiter.

totales rrnd Provinzielles.

Gießen, ben 17. Februar 1894.

** Verzeichuiß der Geschworene« für bie am 5. Marz beginnenden Sitzungen des Schwurgerichts ber Provinz Ober- Hessen. 1. Gerbig, Heinrich in Eifa, 2. Schmidt, Heinrich VII. in Romrob, 3. Reitz, Wilhelm I. in Echzell, 4. Jäger, Karl in Schlitz, 5. Holzapfel, Ebnarb, Rechtsanwalt in Gießen, 6. Feller, Franz Wilhelm in Lollar, 7. Küchel, Hermann in Butzbach, 8. Geißler, Heinrich I. in Ruttershausen, 9. Bär, Löb in Gießen, 10. Jochem, August in Laubach, ll.Hormann, Johannes In Nieber-Ofleiben, 12. Sonbermann, Philipp III. in AlSfelb, 13. Riebesel, Friebrich, Frhrr. zu Eifenbach in Lauterbach, 14. Loth, Heinrich in Kirschgarten, 15. Meinert, Karl in Konrabsborf, 16. Frank, Johannes I. in Kestrich, 17. Bücking, Rubolf in Alsfelb, 18. Klingelhöfer, Friebrich in Alsfeld, 19. Lein, Heinrich in Klein-Eichen, 20. Klein, Wilhelm in SBurggräfenrobe, 21. Flemming, Otto in Bübingen, 22. Boreen, Heinrich II in Lauterbach, 23. Köhler, Heinrich X. in Langsborf, 24. Euler, Heinrich in Ober - Breibenbach, 25. Kirch, Jean in Gießen, 26. Hoffmann, Karl in Hofgüll, 27. Schmibt, Heinrich, Konrab in Lonborf, 28. Keller, Karl Friebr. Wilhelm in Offenheim, 29. Wenzel, Johann Ernst in Alsfelb, 30. Schmibt, Otto in Gießen.

Z. Neues Theater. Auch die gestrige Aufführung bes brelactigen SchwankesDer ungläubige Thomas" von Laufs unb Jakobi hatte sich, wie die vorhergegangenen, eines recht zahlreichen Besuches des Publikums zu erfreuen, bas ber trefflichen Wiebergabe bes Stückes ben gebührenben Beifall spenbete. Mit biefer Vorstellung hat die heurige Theatersaifon ihr Ende erreicht. Es ziemt sich deshalb wohl an dieser Stelle der rührigen Direciion Dank dafür zu sagen, daß sie trotz ber engen Verhältnisse unb Schwierigkeiten, bie am hiesigen Platze bestehen, verhältnißrnäßig recht günstige Resultate erzielt hat. Besonders gilt bies vom künstlerischen Stanbpunkte aus. Ist bie Rentabilität bes Unternehmens bis jetzt auch noch keine bebeutenbe, nun so hoffen wir von ber Zukunft, daß sie bringen möge, was bie Gegenwart mehr ober minber versagte. Möge Herr Director Reiners emsig weiterftreben, bann wirb ber Erfolg nicht ausbleiben!

** Damhoser Coucert. Morgen Sonntsg finbet im(Safe Leib" bas erste Concert ber Oberbayrischen Sänger­gesellschaft Darnh of er statt, welche unur Protection bes burch seine frischen gernüthvollen Lieder-Compositionen bekannten K. K. Kammersängers Thomas Koschat ihre Concertreisen giebt und specicll die Wiedergabe der Koschatschen Chöre pflegt. Der Gesellschaft wurden zahlreiche Anerkennungen zu Theil und dürste ein Besuch der Concerte empfehlenswerth erscheinen. (Siehe Ins.)

** ConcerthauS Lahnstein. Die Concerte der Oberinn- thaler Tyrolergesellschaft Ploner erfreuen sich größten Beifalls, der gerechtfertigt erscheint durch die harmonische Durchbildung bes Chors, ber mit Verstänbniß borgetragenen Solls unb ben sehr ansprechenben Zithervorträgen. Wir machen auf bie morgen Sonntag ftatifinbenben Adschieds- concerte hierburch aufmerksam. (Siehe Ins.)

** Geistesgestörtheit? Als gestern Mittag bie Sträf­linge bes Filial-Arbeitshauses von ber Arbeit zurückkehrten, verfiel einer derselben in ben Neuen-Bäuen in einen Zustand von Geistesgestörtheit unb belästigte bie Passanten, wobei ein Menschenauflauf entstaub. Der Mann hat schon einigemal berartige Anfälle gezeigt; man glaubt, baß er Geistesgestört­heit siwulirt, um entlassen zu werben.

* * Verhaftet würbe gestern ein Dienstrnäbchen wegen Diebstahls.

* * Da8 unbefugte AuSlöfcheu der Straßeulaterne« hat in letzter Zeit Nachts wieder überhand genommen. Es wurden fast in jeder Nacht freiwillige Laternenwärter abgefaßt. Unter diesen befanden sich Studenten, Postgehülsen rc.

* Sachbeschädigung. In verflossener Nacht wurden einem Wirth in der Bahnhofstraße Fensterscheiben eingeschlagen. Der Beschädigte stellte gegen die bekannten Thäter keinen Strafantrag.

* * Ordens Verleihung. Dem Bürgermeister Johannes Schwarz zu Garbenteich wurde das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste" verliehen.

* * Ueber die größeren Truppenübungen im Jahre 1894 ist bestimmt worden, daß das 1. und 17. Armeecorps Kaifer- manover halten. Jedes Armeecorps hat für sich große Parade und Corpsmanöver gegen marfirten Feind. Demnächst folgen dreitägige Manöver der beiden Corps gegen einander. Den beiden Corps wird je eine Luftschifferabtheilu.ig zugetheik. Beim 1. und 17., sowie beim 14. Armeecorps wird je eine Cavalleriedivision aufgestellt. Die Herbstübungen derjenigen Armeecorps, welche nicht vor dem Kaiser Manöver abhalten, finden in Gemäßheit ber Bestimmungen ber Felbbienstorbnung unb unter möglichster Berücksichtigung ber Ernteverhältnifse statt. Bei ber Auswahl bes Uebungsgelünbes sowohl als ber Ausführung aller Hebungen ist auf Verringerung der Flurschäden Bedacht zu nehmen. Bei dem Garbecorps, bem 3., 4., 5., 6., 7., 8., 9., 10. unb 11. Armeecorps finden Generalstabsreisen, bei bem 14. Armeecorps eine Festungs-