Ausgabe 
17.11.1894 Erstes Blatt
 
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günstiges Ergebnis auf insofern, als der Zuschuß aus stad» tischen Mitteln sich wesentlich niedriger (um über 4000 Mk.) stellt, als im Voranschlag vorgesehen. Es gingen u. A. ältere Vorlagen von Landarmenverbänden für auf Kosten derselben verpflegte Hilfsbedürftige, sowie größere Rückersatz­posten von Privaten ein. Für Lebensmittel im Hospital konnten auf Grund früher beschlossener Maßnahmen 1439 Mk. erspart werden. Im Allgemeinen ist auS der Rechnung zu constatiren, daß sich die Armenkasse in Bezug auf die aus Pflege der hiesigen Armen an sie gestellten Anforderungen im Beharrungszustande befindet, eine Steigerung der Hilfs­bedürftigkeit demnach nicht zu beobachten ist. Die Rechnung wurde genehmigt.

Im Voranschläge der Armenkasse für 1895/96 find erhöhte Aufwendungen vorgesehen. Die Ausgaben in der geschlossenen Armenpflege werden sich insbesondere er­höhen durch die verbefierte Verpflegung armer Siecher. Die Erhöhung des Zuschusses um 3000 Mk. wird ferner ver­anlaßt durch den Umbau der alten Hospttalktrche in ein Siechenhaus und dessen innere Einrichtung, durch Erneuerung des Verputzes am Hospital, Unterhaltung einer Diaconissin und eines Dienstboten im Siechenhaus,- erhöhte Ansprüche stellt ferner die Unterbringung Epileptischer in auswärtigen Anstalten, die Unterbringung verwahrloster Kinder (26) in Besserungsanstalten usw. Der Voranschlag gleicht sich aus mit 74,500 Mk. Für den seit einigen Jahren als Anhang zur Armenkaffe gebildeten Dtßpositionsfond werden in Ein­nahme und Ausgabe 550 Mk. vorgesehen. Dieser Dis­positionsfond, welcher im letzten Rechnungsjahre günstig ab­schloß, ist errichtet worden, um Hülfsbedürstige, denen ge­setzlich Ansprüche nicht oder nur in beschränktem Maße zu- ftehen, auch sogen, verschämte Arme, je nach Gutdünken der Armendeputation unterstützen zu können- seine Einnahmen bestehen aus SühnegLldern und sonstigen Zuwendungen.

ZurOrganisation der Armendeputation" lag ein Antrag der Armen- und juristischen Deputation vor, dahin gehend, daß den 6 Bezirksvorstehern, bezw. deren Stellvertretern, wie sie auf Grund der nach dem sog. Elber­felder System f. Z. neu organisirten offenen Armenpflege ernannt wurden, auch Stimmrecht in der Armendeputation eingeräumt werden möge. Die Bezirksvorsteher hatten bisher in der Armendeputation nur das Recht zur Stellung und Be­gründung von Anträgen, wie solche aus den Bezirksversamm­lungen hervorgingen. Man war aber in der Deputation der Ansicht, daß den Organen der Bezirksversammlungen auf Grund ihrer besonderen Mühewaltung das Recht der Ab­stimmung eingeräumt werden müsse- auch würde es deren Arbeitsfreudigkeit steigern, wenn man ihnen einen entscheiden­den Einfluß sichere. Es wird im Sinne des Deputations­antrags beschlossen und den demnach erforderlich werdenden Aenderungen der Statuten zugestimmt. Danach wird die Armendeputation in Zukunft auS 18 Mitgliedern (12 als Armendeputattonsmitglieder bestellten Personen und den 6 Vorstehern der Bezirke, bezw. deren Stellvertretern) bestehen. Zur Fassung bündiger Beschlüsse ist die Anwesenheit von 10 Mitgliedern (beantragt waren 9) nöthig.

UnterDecretur von Kostenrechnungen" er­folgt die Genehmigung einiger Rechnungen über Arbeiten der Feldgeschworenen, sowie über die Neuanfertigung eines Hof- raithe-Verzeichniffes.

Zur Abgabe von Fichten-Deckreisern aus dem Stadtwalde im Jahre 1893/94 und 1894/95, für welche 84 bzw. 379 Mk. gelöst wurden, wird die Genehmigung ertheilt.

Die Verbesferung des Hardtweges, welche Herrn Brauereibesitzer Btchler unter Bewilligung eines städ­tischen Zuschuffes bis zur Hälfte der Kosten gestattet worden, hat die veranschlagten Kosten um 100 Mk. überschritten. Es wird beschlossen, Herrn Bichler auch von diesem Betrag die Hälfte (50 Mk.) zu vergüten.

Zu dem Gesuch des Herrn Carl Lenz um Conces- fionsertheilung zum Wirthsctzastsbetrieb für das Haus Grün­bergerstraße 47 wird beschlossen, die Bedürfnißfrage zu bejahen.

CoeaUs nnb protjhtjicöo

Sießeu, ben 16. November 1894.

** Oeffeutliche Anerkennung edler Thaten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Maurer­gesellen Joseph Hoffmann von Kostheim und dem Müller Carl August Sziel von Amöneburg, ersterem in An­erkennung des von demselben bei der Rettung des Taglöhners Ambros Stitzenberger vom Tode des Ertrinkens, letzterem inIAnerkennung des von demselben bet der Rettung der Elisabeth Seidel von dort vom Tode des Ertrinkens be­wiesenen besonnenen und muthvollen Verhaltens eine Geld­prämie zu verleihen geruht.

** Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht, der Gemeindehebamme Margarethe Weitz zu Bönstadt die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens, dem Oberlehrer Adam Adam zu Ar- heiligen, dem Oberlehrer Johannes Uihlein zu Kostheim, sowie dem Obersteiger auf der Grube Ludwigshoffnung Friedrich Knoche die Krone zum Silbernen Kreuz, dem Schullehrer Johannes Bönsel zu Kaichen das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

** Ernannt wurden: am 7. November der Gefangen- aufseher am Gesängniß in Mainz Karl Gerhard zum Gefangenaufseher an der Zellenstrafanstalt Butzbach, am 10. November der Lehrer an der landwirthschaftlichen Winter­schule in Friedberg Ludwig Fel sing zum Lehrer an der Zellenstrafanstalt Butzbach.

** Kirchliche Dienstnachrichteu. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem zweiten Pfarrer Wilhelm Trautwein zu Alsfeld die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Wixhausen im Decanat Darmstadt,

dem Pfarrverwalter Heinrich Koller zu Herchenhain im Decanat Schotten die erledigte evangelische Pfarrstelle daselbst, dem Pfarrer Johannes Eßlinger zu Ober«Rosbach die erledigte evangel.Pfarrstelle zu Dexheim im Decanat Oppenheim zu übertragen. Dem Pfarrer Stumpf zu Bechtolsheim wurde die kath. Pfarrstelle zu Mainflingen, Decanat Seligen­stadt übertragen. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 27. September ist die Erhebung der selbständigen Filialgemeinde Seckmauern zur Pfarrcuratie genehmigt worden.

** Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Udenhausen, Kr. Alsfeld, mit einem jähr­lichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiften- dienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Freien­seen, Kr. Schotten, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienst verbunden. Dem Herrn Grafen zu Solms-Laubach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu.

** Oeffenlliche Sitzung des Großherzoglichen Landgerichts. In der gestrigen öffentlichen Sitzung des Großh. Landgerichts wurden für die am 5. December beginnenden Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen folgende Personen | als Geschworene ausgeloost: 1. Heinrich Moscherosch in ' Burggräfenrode, 2. Heinrich Rahn VII. in Altenhain, i 3. Constantin Brumhardt in Gedern, 4. Georg Adam Kißner ! in Schotten, 5. Leonbord Lang in Odenhausen, 6. Wilhelm Vogt VII. in Reichelsheim, 7. Reinhard Kreutz in Ober- Mockstadt, 8. Heinrich Appel I. in Kaulstos, 9. Martin Schüßler in Groß-Felda, 10. Peter Kröll in Büches, 11. Wilhelm Becker II. in Lauterbach, 12. Conrad Haub XVII. in Nieder-Wesel, 13. Wilhelm Lang in Vilbel, 14. Georg Dietz in Nieder-Weisel, 15. Heinrich Bausch III. in Nieder- Wöllstadt, 16. Georg Falk in Friedberg, 17. Adolf Stock in Aulendiebach, 18. Ludwig Deuber in Londorf, 19. Heinrich Stichler in Stumpertenrod, 20. Ludwig von Buchenröder in Butzbach, 21. Bernhard Hofmann in Ranstadt, 22. Heinrich Lenz II. in Atzenhain, 23. Karl Karl II. in Heegheim, 24. Johannes Wagner III. in Bönstadt, 25 Heinrich Becker IV. in Gambach, 26. Karl Jost in Gießen, 27. Karl Wilhelm Wallenfels in Gießen, 28. Friedrich von Röder in Gießen, 29. Balthasar Schwalb in Beuern, 30. Hermann Küchel in Butzbach.

** Der Theater-Verein eröffnete gestern das fünfte Jahr seiner Thätigkeit. Wo sind doch die Unglücksraben geblieben, die ihm prophezeihten, er würde an schleichender Auszehrung baldigst zu Grunde gehen? Gestern Abend spielte er sich imFestsaale" recht behaglich und wohlcondionirt auf. Neben der rührigen Leitung hat der Verein dies in der Hauptsache dem Umstande zu danken, daß hervorragende und wechselnde Gastspiele dem hiesigen Publikum stets neue künstlerische Genüsse und Anregungen verschaffen. In alter Treue und in alter Vollkommenheit boten Mitglieder des Stadttheaters in Frankfurt bei dieser ersten Vorstellung zwei Lustspiele, ein modernes von natürlich zwei Autoren: Lab ich e und Legouve und ein klassisches, den Tariüffe, von Moliöre. Das erste Stückchen mit geschicktem Anfang, hübschem Schluß und etwas gedehntem Mittelsatze zeigt, wie der liebenswürdige Verschwender, Millionär a. D. und hochanständige Charakter, die Ameisen lehrt, Grillen zu sein und nebenbei, um in der Zoologie zu bleiben, das Goldfischchen Tochter fängt. Vier Rollen, brillant besetzt, flott gespielt, versetzten das zahlreiche Publikum in die vorzüglichste Laune. Dann kam eines der Werke, die da herrlich sind wie am ersten Tage- zweihundert Jahre alt und unvergänglich jugend­frisch, ging Molisres Charactercomödie über die Bretter. Die Darstellung war eine meisterhafte: Herr Hermann hatte seine Aufgabe in höchster Weise aufgesaßt und führte sie bis in alle Einzelheiten, in jedem Blick, -in jedem Wechsel der Stimme vollkommen durch. Neben den Haupthelden pflegt Moliöre meist nur Nebenpersonen zu stellen- das un­vermeidliche Liebespaar, von Herrn Porth recht tüchtig, von Fräulein Legrenzi (um mit einem anderen Recensenten unseres Blattes zu sprechen)einfach goldig" gespielt- das Kammermädchen des Fräulein Sophie König mit prikelnder Pikanterie, mit schalkhafter Unverfrorenheit, mit hinreißender Verve dargestellt- den Hutssier Loyal, ein Cabinetsstückchen des Herrn Szika und seinem Chameroy durchaus eben­bürtig- die Madame Pernelle der Frau Ernst, die den Ton der Rolle vortrefflich traf- doch was soll die weitere Aufführung aller dieser Einzelheiten? Wir können dem Publikum nur beistimmen, welches seinen Beifall nach jedem Actschluffe reichlich spendete, und wollen zum Schluffe nur noch Eins erwähnen, daß die Damen sämmtlich ihre Rollen bis ins Kleinste hinein beherrschten. Den Frankfurtern rufen wir ein herzliches: Auf Wiedersehen! zu.

** Das gestrige Concert der Leipziger in Steins Garten war wieder gut besucht und fanden sämmtliche Vor­träge großen Beifall. Herrn Müller-Lippart, dem Trompeten« künstler, wurde ein Lorbeerkranz gespendet.

** Raubaufall. An der Staatsstraße zwischen Rainrod und Schotten im sog. Spießwald fand am vergangenen Dienstag Nachmittags ein Briefträger und ein Arbeiter einen vollständig entkleideten Mann in bewußtlosem Zustande auf dem Boden liegend vor. Um den Hals des Mannes war ein Peitschenriemen geschlungen, mit welchem der Uebelthäter ohne Zweifel sein Opfer erwürgen wollte. Am Unterleib befand sich eine unerhebliche Verletzung, von einem scharfen Instrument herrührend. Der Bewußtlose, ein Taglöhner, wurde nach Schotten verbracht, woselbst der herbeigerufene Arzt constatirte, daß die Verletzungen ungefährlich und der Ueberfallene bald wieder hergestellt sein dürfte. Der Thäter, ein mehrfach bestraftes Individuum, Namens Andreas Klüber wurde alsbald, nachdem er mit den Kleidungsstücken und der Baarschaft des Ueberfallenen geflohen, verhaftet und die Voruntersuchung gegen denselben bereits eingeleitet. DasAnzeigeblatt für den Kreis Schotten" berichtet über die

Unthat wie folgt: Am vergangenen Dienstag wurde in hm, eine halbe Stunde von hier gelegenen Spießwalde ein scheuß­liches Verbrechen verübt. Ein Vorübergehender gewahrte unweit der Staatsstraße im Walde einen vollständig ent­kleideten, scheinbar leblosen Mann, derselbe lag in sitzender Stellung, hatte Stichwunden im Unterleib und um den Hals war ihm ein Lederriemen fest zugezogen. Man brachte den Mann, der nach Angabe Bender heißen und von Altenschlirf sein soll, in das hiesige Krankenhaus. Nach und nach kam wieder Leben in den Körper und der schwer Verwundete konnte Angaben machen. Der Verdacht der Thäterschaft lenkte sich auf einen, am Dienstag Nach­mittag hier durchkommenden Handwerksburschen, der große Eile zu haben schien, sich nach dem Wege nach Lauterbach erkundigte und eine vollgepfropfte Reisetasche trug. Am Dienstag Abend machte sich die hiesige Gendarmerie zur Recherche auf den Weg und ein glücklicher Zufall wollte es, daß sie den muthmaßlichen Verbrecher in der Nacht zum Mittwoch zwischen Rebgeshain und Engelrod erwischte. Der­selbe wurde in das Arrestlocal nach Schotten geführt und am Mittwoch Morgen mit dem, an dem er das Verbrechen verübt haben soll, confrontirt. Wie verlautet, hätte der Missethäter bereits seine Schuld eingestanden- auch soll er schon mehrfach vorbestraft sein, als sein Geburtsort wird Gießen angegeben. Man glaubt, den ca. 60jährigen Beraubten, an dem, wie es scheint, ein Lustmord versucht wurde, am Leben zu erhalten. Von einem Augenzeugen erfahren wir noch nachträglich Folgendes: Der Ueberfallene befand sich bereits am Montag in Butzbach in Gesellschaft deS Klüber, welcher von ihm dort freigehalten wurde. Beide gingen am selbigen Tage nach Ober-WtdderSheim, wo sie übernachteten und woselbst abermals der Ueberfallene den Bösewicht freihielt und auch das NachtlogiS bezahlte. Endlich am Dienstag Nachmittag, als die Beiden abermals gemeinschaftlich aufbrachen, um nach Altenschlirf, dem Heimathsort des Beraubten zu wandern, faßte der Strolch den Plan, seinen Wohlthäter, der nur noch im Besitz eines unbedeutenden Betrages war, zu berauben.

** Schlägerei. Ein gestern Vormittag aus einer Fabrik in der Marburgerstraße entlassener Arbeiter begab sich Abends nochmals in dieselbe unter dem Vorwande, seinen Stock, den er vergessen, abholen zu wollen, brachte sich aber einen anderen Arbeiter zur Bedeckung mit. Es kam nun zwischen diesem und dem Werkführer zu Auseinandersetzungen, die in eine Keilerei ausarteten, wobei ein Arbeiter Verletzungen am Kopf davontrug und sich bet einem Heilgehülfen verbinden lassen mußte.

* * Wegen Zechprellerei wurde gestern Abend ein Techniker in Haft genommen.

* * Die Schornsteinfeger-Jnn--- e~* u ..." Hessen hat in ihrer vorgestern Jahresversammlung die Einführu Prüfung beschlossen.

- d- Rüddingshausen, 14. November. In dem benach­barten Wermertshausen wollte gestern ein noch junger Mann, auf dem Gerüste seiner Scheuer stehend, ihm von einem Mädchen entgegen gezogenes Stroh abnehmen, stürzte dabei in die Tenne und war sofort eine Leiche. Ein weiterer Unglücksfall ereignete sich dieser Tage in Bernsfeld, indem ein kleines Kind mit einer Stecknadel spielte, dieselbe in den Mund brachte und verschluckte. Wieder eine Mahnung zur größten Achtsamkeit bei kleinen Kindern.

Odenhausen, 14. November. Mit der Erbauung der dahier projectirten Pulver-Fabrik wird es nun voran gehen. Sofort sollen auch achtzehn kleinere Arbeiterhäuser und ein größeres Wohnhaüs auf demHeßler", dem für die Fabrik erwählten Standort, errichtet werden.

Bad Salzhaufen, 12. November. Beim Ausfischen des- fiskalischen Teiches in der nahe unserem Bade gelegenen Harb" wurden über 6 Centner Fische, meist Karpfen, darunter zahlreiche Spiegelkarpfen, auch etwas Hechte gefischt. Dieselben wurden unter Submission en bloc vergeben und> für das Pfund 50 Pf. bezahlt. D. Z.

H. Aus dem Horloffthale, 14. November. Die Jagd- Verhältnisse sind dieses Jahr auch bei uns sehr be­friedigend, denn in dem sogen. Markwalde, der zwischen Bisses, Echzell, Blofeld und Geiß Nidda liegt und an welchem mehrere Gemeinden der Umgegend Theil haben, wurden bereits 64 Rehe, eine Parthie Hasen, einige Füchse und Hauskatzen, die sich aufs Wildern verlegt hatten, zur Streckt gebracht. Unter den Rehen befanden sich auch einige Kitzchen von 12 bis 15 Pfund. Der waidgerechte Schütze nennt die Erlegung solchen Wildes einenKindeSmord". Rehe und Hasen thaten im Laufe dieses Jahres empfindlichen Schaden an Getreide, Gemüse und sonstigen landwirthschaftlichen Culturpflanzen, weil das Wild sich zu stark vermehrt hatte und im vorigen Jahre keine Treibjagden abgehalten worden waren. Unterm 9. ds. Mts. schreibt ein Correspoudent in Nr. 265 (erstes Blatt) desGieß. Anz.", daß das Wild- pret auf dem Lande, wo doch häufig Gelegenheit zum Kaufen geboten sei, ganz außer Acht gelassen würde. Diese Be­merkung ist sehr richtig, aber der Grund für die Vernach­lässigung des billigen, nahrhaften und wohlschmeckenden Fleisches wird nicht mitgetheilt, obgleich er ein sehr einfacher ist, nämlich: die Bauersfrauen verstehen keinen richtigen Rehbraten in die Reihe zu machen, oder wenn doch, ist ihnen die Arbeit zu viel und darum lassen sie sich das werthvolle Wildpret entgehen. Der Herr § Correspondent soll einmal eine Probe machen und Umfrage in seinem Orte halten, er wird sich bald von der Richtigkeit unserer Ansicht überzeugen. Vor einigen Jahren brachte derGieß. Anz." einen Aufsatz überDie Verwerthung von Gemüse, Fleisch usw. in den Haushaltungen, über einfache bäuerliche Kochkunst" rc. und wies nach, daß in Bezug auf daö Kochen noch Vieles auf dem Lande zu bessern ist und daß darum viel Werthvclles verloren geht, weil die Bürger- und Bauerstöchter nicht genügend in der Kochkunst unterrichtet