II. Gr.Gr. HH. die Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen geleiten S. K. Hoheit den Großherzog-Bräutigam vor den Altar auf die rechte Seite der Kniebank, S. K. H. der Herzog Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin-Braut auf die linke Seite derselben.
Seine Königliche Hoheit der Herzog nehmen links von der Prinzessin-Braut, II. Gr.Gr. HH. die Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen rechts vom Großherzog Bräutigam, die übrigen Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften zu beiden Seiten des Mittelganges, das Gefolge dahinter Platz.
Beim Eintritt der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften beginnt das Geläute sämmtlicher Glocken der Stadt.
Die Trauung wird durch den Generalsuperintendenten D. Müller unter Assistenz des Oberhofpredigers Dr. Bender und des Hofpredigers Dr. Hansen vollzogen.
Beim Ringwechsel werden 21 Kanonenschüsse abgegeben.
Nach Schluß der Feier begeben sich die hohen Neuvermählten mit den Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften und Gefolge nach den Versammlungsräumen zurück.
Für die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften findet hierauf Familiendtner im Thronsaal, für die Vertreter fremder Höfe, das Gefolge und die geladenen Gäste Festtafel im Riesensaal statt.
Während des Diners Tafelmusik des Regiments-Musik- corps des 95. Infanterie-Regiments im Schloßhof, des Regi- ments-Musikcorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments von der östlichen Seite des Schlosses.
Nach dem Diner begeben Ihre Majestät die Königin Allerhöchstfich nach Ihren Gemächern, die anderen Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften nach den Versammlungsräumen, woselbst Cercle stattfindet.
Berlin, 14. April. Zu der Notiz einiger Zeitungen, daß im preußischen Cultusministerium ein Verbot des aus- ländischen Doctortitels vorbereitet werde, sofern er den an preußischen Universitäten üblichen Anforderungen nicht entspreche, schreibt die „Nordd. Allgem. Ztg.": „An dieser Nachricht ist nur so viel richtig, daß die neulichen Erörterungen im Abgeordnetenhause über die Doctortitelfrage selbstverständlich zu weiteren Erwägungen bei den betheiligten Behörden geführt haben, daß diese Erwägungen aber noch nicht abge» schlossen sind und sich daher auch noch nicht übersehen läßt, zu welchen Ergebnissen dieselben führen werden."
Berlin, 14. April. Am 18. April findet beim Ftnanz- minister Dr. Miquel ein größeres parlamentarisches Diner statt, zu welchem an den Reichskanzler, die Minister und zahlreiche Abgeordnete Einladungen ergangen sind.
Ausland.
Abbazia, 14. April. Die Curcommission hat infolge der Zusage des deutschen Kaisers, Abbazia im nächsten Jahre wieder aufzusuchen, beschlossen, eine große Villa zu erbauen, welche nur für fürstliche Gäste bestimmt sein soll.
Rom, 14. April. Die Polizei hat heute Nacht eine ganze Anzahl Anarchisten in einem Vorstadt-Cafe festgenommen, unter ihnen den Metzgergesellen Arie, der seine Theilnahme an dem Bombenattentat vor dem Parlament eingestand. Als Arie gestern bemerkte, daß er von Polizeiagenten verfolgt wurde, versteckte er eine große Dynamitbombe in den Trümmern des Colosseums, wo die Polizei sie fand. Die Bombe war nach der Aussage des Attentäters für den Senat bestimmt. In der Wohnung Aries wurde eine ganze Werkstätte zur Herstellung von Bomben gefunden.
Alexandrien, 14. April. Die Polizei fand eine große geladene Bombe in Cylinderform mit Zünder, mit der beabsichtigt war, das Stadthaus in die Luft zu sprengen. Sieben Anarchisten wurden verhaftet.
Wien, 14. April. Kaiser Wilhelm verblieb heute Vormittag in seinen Gemächern. Gegen 1^/z Uhr Mittags fuhren der deutsche und der österreichische Monarch in einer offenen Hofequtpage direct zum Westbahnhof, wo der deutsche Botschafter, Prinz Reuß, mit den Herren der Botschaft, sowie eine große Anzahl hochgestellter Personen in der festlich geschmückten Halle bereits anwesend waren. Die Menge, welche auf den Straßen Aufstellung genommen hatte, brachte den beiden Herrschern lebhafteste Ovationen dar. Aus dem Wartesalon begaben sich die Monarchen bald nach dem Perron, woselbst sich Kaiser Wilhelm vom Prinzen Reuß und den Herren der Botschaft durch Handschlag verabschiedete. Hierauf fand zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef noch ein kurzes Gespräch statt, nach welchem sich die beiden Herrscher zweimal umarmten und küßten. Kaiser Wilhelm bestieg alsdann den Salonwagen, von dessen Fenster aus er dem österreichischen Kaiser noch herzliche Grüße zuwinkte. Kaiser Franz Josef erwiderte dieselben und salutirte. Dann fuhr der Zug langsam aus der Halle.
Wien, 14. April. Der französische Geschäftsträger, Marquis Marchand, hat heute dem Kaiser von Oesterreich ein eigenhändiges Schreiben des Präsidenten Carnot überreicht, worin derselbe seinem lebhaften Dank für die Verleihung des Stephanordens Ausdruck gibt.
Budapest, 14. April. Der durch den Abgeordneten Elgron im Abgeordnetenhause eingebrachte Mißbilligungsantrag gegen das Ministerium Weckerle wegen des Verhaltens desselben während der Kossuthfeier ist in der heutigen Sitzung mit 218 gegen 114 Stimmen abgelehnt worden.
Deutscher Reichstag.
82. Sitzung. Samstag den 14. April 1894.
Die Berathung des vom Abg. Graf Kanitz beantragten Gesetzentwurfs betr. Ein- und Verkauf des ausländischen Getreides für Rechnung des Reiches wird fortgesetzt.
Abg. Wild (cons.) führt aus, daß der Antrag durchführbar sei, dies habe auch der Abg. Barth nicht widerlegen können. Die Regierung habe zwar Wohlwollen für die Landwtrtbschaft, aber bloßes Wohlwollen helfe den Laodwirthen nichts. Niemand könne verlangen, daß die Bauern für die Consumenten umsonst arbeiten. Man möge vorliegenden Antrag im Interesse der Landwtrthschaft wohlwollend prüfen.
Abg. Bachem (Ctr.): Es handelt sich hier darum, ob der Weg des Antrages durchführbar und überhaupt möglich ist. Ich bin der Ansicht, daß dieser Weg des Grafen Kanitz durchaus ungangbar ist, sofern wir unsere christlich-germanische Eultur nach ihrer wirthschaft- lichen und ethischen Sette hin in Frage stellen wollen. (Beifall.) Es ist unmöglich, den Preis des Jnlandsgetreides dauernd auf die Höhe des ausländischen zu heben. Wollen Sie den Preis nach unten fairen, müssen Sie ihm auch nach oben eine Grenze ziehen. Das wäre nur dadurch möglich, daß der Staat in guten Jahren Getreide ausspeichert, um in schlechten Jahren den Preis zu drücken, worüber natürlich eine internationale Vereinbarung bestehen müßte. Andernfalls könnten Sic die Preise nur regeln durch Verstaatlichung des gesammten Getretdehandels und der Production. Bei Annahme Ihres Antrages müßte der Staat colossale Betriebsfonds aufwenden, schon der Speicher für die Masse der Borräthe halber. Und wer soll diese bedeutenden Kosten tragen ? Redner spricht sich deS Wetteren dahin aus, daß der Antrag ein focialdemokrattscheS Gepräge trage. Im Uebrigen seien der Landwtrthschaft In den letzten 30 Jahren vielfache Unterstützungen zu Theil geworden, neuerdings durch Aufhebung des Identitätsnachweises und der Staffeltarife, sowie durch die stete Förderung des landwirthschaftlichen Eredttwesens. Sie können sich also nicht über mangelnde Fürsorge beklagen.
Abg.Graf Bernstorff (R.-P.) spricht sich gegen den Antrag aus.
Abg. v. Bennigsen erklärt, daß seine Freunde einschließlich der Mitglieder des Bundes der Landwirthe, den vorliegenden Antrag für die Interessen der Landwtrthschaft für verderblich und für gefährlich für die berechtigten Forderungen der Landwirthe halten. Die Wirkung des Antrages würde eine den Erwartungen der Agrarier entgegengesetzte sein. Redner thetlt die Ansicht des Abg. Bachem hinsichtlich der socialdemokrattschen Tendenz des Antrages. Letzterer unterscheide sich in höchst unvorthellhafter Weise von dem Anträge des französischen Socialisten JaurSs. Den Anspruch auf die Mindestrente, wie ihn die Landwtrthschaft stelle, könne ebensogut Handel und Industrie und auch das Handwerk stellen. Wenn den Land- wirthen das gewährt werde, was sie hier verlangen, und die Arbeiter kämen mit denselben Forderungen, so müßten auch diese berücksichtigt werden, namentlich, da sie größere Berechtigung hätten. Auf Grund dieses Antrages würden auch die Industriearbeiter den Minimallohn fordern; bet diesem Verlangen würde es aber nicht bleiben. Es würde zu Aufständen kommen, die mit Waffengewalt würden niedergeschlagenwerdenmüssen. Das find die Wege, zu denen dieser Antrag führt; zu einer solchen Höhe der Gemeingefährlichkett hat sich bisher noch kein Antrag aufgeschwungen. Der Antrag wird mit überwältigender Majorität ab gelehnt werden!
Abg. v. d. Gröben (cons.) wendet sich gegen den Vorredner, der sich schändliche Uebertretbungen habe zu Schulden kommen lassen. (Präsident v. Levetzow rügt diesen Ausdruck.)
Abg. Richter (frs. Vp.) äußert sich in scharfen Worten gegen die Bestrebungen der conservativen Partei. Er wünsche, daß con- servativ identisch mit diesem Antrag wäre; dann wäre es mit den Conservativen zu Ende. Graf Kanitz habe immerfort neue Gedanken; für die Lösung der Einzelheiten lasse er aber die Commission sorgen. Die Pächter, die die eigentliche Intelligenz der Landwirthschast bilden, hätten von diesem Anträge gar keinen Nutzen, überhaupt habe die Landwirthschast nichts mit der Grundrente zu thun. Wenn dieser Antrag angenommen würde, werde Redner der Erste sein, der den Arbeitern dann nicht nur einen achtstündigen Arbeitstag, sondern auch einen Mtnimallohn gewähre. Es werde überhaupt eine allgemeine Ertragsverthetlung durch den Staat stattfinden müssen. Redner wendet sich dann weiter gegen die conservative Partei. Die Regierung müsse jetzt sehen, daß sich die Begehrlichkeit der Conser- vatioen seit dem Abschlüsse des deutsch-russischen Handelsvertrages gesteigert habe und das muffe die Regierung veranlassen, die Com- pensationspolitik aufzugeben und eine andere Politik einzuschlagen, als eine solche mit den Conservativen. Herr v. Bennigsen habe den Antrag mit Recht gemeingefährlich genannt. Mit viel größerer Berechtigung als gegen die Socialdemokraten müßte gegen die Confer- vatioen ein Ausnahmegesetz mit allen Verschärfungen erlasfen werden. (Großer Lärm rechts; H.iterkeit links.) Und an die Spitze der Aus- gewiesenen müßten die Regierungspräsidenten und Landräthe kommen! (Stürmische Heiterkeit.)
Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) spricht sich für den Antrag aus. Man müsse dafür sorgen, daß die Wurzel des staatlichen Lebens, die Landwtrthschaft, gesund bleibe. Redner findet es kaum glaublich, daß Abg. Bachem der Ansicht des ganzen.Centrums Ausdruck gegeben habe. Der Fall Lieber habe ja wieder die große Spaltung in dieser Partei gezeigt.
Abg. Schippet (Soc.): Dieser Antrag ist vor allen Dingen ein Vertrauensbruch gegenüber unseren Vertragsstaaten und ein solcher Treubruch wäre unerhört. Der Antrag trägt einen Grundsatz, wie er noch niemals dergestalt in diesem Hause ausgesprochen wurde, nämlich den, daß ein paar tausend Ritter von der traurigen Oeconomie aus den Taschen von Millionen armer Consumenten ein Mindest- Einkommen zugesichert erhalten sollen.
Reichskanzler Graf v. Caprivi: Der Antrag trat ganz un- vermuthet und überrafchend hervor. Bei der Berathung der Verträge widersprachen die Herren rechts wtderholt der von Herrn v. Marschall ausgesprochenen Vermuthung, daß sie einen Mindestpreis für Getreide fordern wollten. Und jetzt bezeichnen die Herren den Mtntmalprets als das Einzige, was ihnen helfen könne. Warum fordern Sie denn nicht auch Minimalpreise für andere Objecte, als nur für Getreide? Für die verbündeten Regierungen würde die Annahme dieses Antrages — wie ich mit Sicherheit behaupten zu dürfen glaube — sehr unerwünscht sein. Bet dm Regierungen, mit denen wir Verträge geschlossen haben, würden wir in den Ruf einer mala fides kommen. I ch würde alles Vertrauen im Auslande verlieren und nicht mehr in der Lage fein, die auswärtige Politik weiter zu führen. Durch die entstehenden Schwierigkeiten im In-und Auslande würde das Reich sehr geschädigt werden. Bisher waren wir immer bestrebt, die Lasten auf leistungsfähigere Schultern zu legen; hier handelt es sich um eine Brodsteuer für arme Leute. Ich perfönlich muß die Stellung des Antrages bedauern. Die Antragsteller schädigten damit die Jntereffen der Conservativen. Was Sie jetzt treiben, trennt Sie viel mehr von Allem, als Ihre bisherigen Bestrebungen, nicht nur von der Industrie, sondern überhaupt von Allem, was staatserhaltend ist. Ich trage die Besorgntß, daß die Landwirthschast bet Annahme dieses Antrages die erste sein wird, welche die Kosten tragen muß. Leider haben Sie schon Erregung im Lande verbreitet! (Beifall links.)
Ein Antrag v. Manteuffel auf Vertagung wirb abgelehnt.
Abg. Werner (d. Ref.-P.) hält eine nähere Berathung des Antrages für noch erforderlich. Der nothleidenden Landwirthschast zu Hilfe zu kommen, sei aber die höchste Zett.
Abg. Gras Bernstorff (Welfe) erklärt nochmals seine Gegen- stellung zum Anträge. Derselbe ziehe eine zu große Belastung ganzer Volksschichten nach sich.
Abg. Graf Ltmburg-Sttrum (cons.): Wir sehen die Land- wirthschaft in dm einzelnen Zweigen bedroht; neuerdings auch die Schafzucht. Der vorliegende Antrag gehört zu denjenigen, die immer wiederkehren, bis die Annahme erfolgt.
Reichskanzler Graf v. Caprivi äußert sich nochmals dem Standpunkt der Conservativen und.dem des Abg. Gras Limburg gegenüber.
Ein Schlußantrag wird abermals abgelehnt.
Abg. o. Plötz (cons.) kommt auf einzelne Ausführungen des Reichskanzlers zurück.
Nunmehr wird der Schluß der Debatte angmommm.
Abg. Dr. Hammacher (natl.) hat namentliche Abstimmung über den Antrag Kanitz beantragt.
Nach weiteren kurzen Bemerkungen des Abg. Graf Kanitz zu Gunsten seines Antrages, sowie der Abgg. Sachse (cons.), Fürst Radziwtll (Pole), Hilpert (Bauernbd.) erfolgt namentliche Abstimmung.
Bei derselben ergeben sich 46 Stimmen (cons. und antis.) für„ 159 gegen den Antrag.
Der Antrag Kanitz ist somit abgelehnt.
Hierauf vertagt sich das HauS.
Nächste Sitzung Montag den 16. April, 12 Uhr. Jesniten- Antrag, Waarenbezeichnung, Handelsgesetzbuchs-Novelle; FortbUdungS- unterrtcht; Helmstätten-Gesetz.
Schluß 68/4 Uhr.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau.
Coburg, 15. April. Der Großherzog von Hessen ist mit der Prinzessin Alix, sowie dem Prinzen und der Prinzessin Ludwig von Battenberg heute Nachmittag hier ein- getroffen. Am Bahnhofe fand großer Empfang statt, zu welchem der Herzog, die Hofchargen, das Ministerium und das Offiziercorps erschienen war. Ferner war eine Ehren- compagnie aufgestellt. Auf der Fahrt in die Stadt wurde der Großherzog an der ersten Ehrenpforte von dem Oberbürgermeister Muther in einer Ansprache begrüßt.
Karlsruhe, 15. April. Seine Majestät der Kaiser fuhr um 6 Uhr Nachmittags mit dem Erbgroßherzog, von der auf den Straßen und dem Eisenbahnperron versammelten zahlreichen Volksmenge mit Hochrufen begrüßt, nach Gernsbach ab und begibt sich von dort mittels Wagen nach Kaltenbronn zur Auerhahnjagd.
Rom, 15. April. Hier verlautet, daß die Kaiserin Auguste Victoria auf der Reise nach Venedig von den kaiserlichen Prinzen begleitet sein werde. Die Reise erfolge incognito und zwar an Bord des Schiffes „Moltke", welchem sich die Jacht „Christabel" anschließen werde.
CmoIm Uitö provinzielle».
Gießen, den 16. April 1894.
** Oeffeutliche Sitzung des Provinzial-Ausschuffes der Provinz Oberheffen vom 14. April 1894. 1. Antrag der Stadt Alsfeld auf Geländeenteignung zum Zwecke der Erbauung einer Kreis st raße von Alsfeld nach M ü n ch l e u s e l. Gegen vier Einwohner von Reibertenrod, mit welchen die Stadt Alsfeld eine gütliche Abtretung deS be- nöthigten Geländes nicht erzielt, wurde das Enteignungs- Verfahren eingeleitet. Die Stadt Alsfeld hatte als Entschädigung Hie gleiche Summe angeboten, um welche die Mehrzahl der betheiligten Grundbesitzer das nöthige Gelände , freiwillig verkauft hat (2 Mk. pro Quadratklafter). In einem Falle wird ein Acker durchschnitten, weshalb 3 Mk. pro Quadratklafter als' Entschädigung geboten wurden. Die Sachverständigen sowohl, als auch die Local Commission haben diese Vergütungen für vollkommen ausreichend erachtet. Aus den vorliegenden Verkaufsacten wurde heute constatirt, daß seit einer Reihe von Jahren bei Verkäufen in den beiden in Betracht kommenden Fluren mit wenigen Ausnahmen weit geringere Preise, in keinem Falle aber höher, bezahlt worden sind. Die Expropriaien, von welchen einer sich noch vor dem heutigen Termin mit der Stadt verständigte, halten die gebotene Entschädigung für zu gering, während der Sachverständige dieselbe für reichlich erklärt. Der Provinzialausschuß setzte die Entschädigung für die Gelände-Abschnitte auf 2 Mk. pro Quadratklafter und für den Durchschnitt eines Grundstückes auf 3 Mk. pro Quadratklafter fest. Die Kosten des Verfahrens wurden nach gesetzlicher Bestimmung der Stadt Alsfeld auferlegt, welche den Ausspruch der Enteignung binnen 2 Monaten nach Rechtskraft des Urtheils zu beantragen hat. — 2. lieber die Sache „Beanstandung der Beigeordnetenwahl zu Breungeshain" wird in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt und das Urtheil dahin verkündet, daß die Entscheidung des Kreisausschusses Schotten bestätigt und der Recurs des gewählten I. C. Appel ab- gewiesen, letzterer auch in die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung eines Aversionalbetrags von 25 Mk. verurtheilt wird. — 3. Das Gesuch des Jacob Adler zu Lindheim um Ausstellung eines Wandergewerbescheines war vom Kreisausschusse Büdingen abschlägig beschieden worden, weil nach den stattgehabten Erhebungen der Gesuchsteller wegen Arbeitsscheu und Bettelei übel berüchtigt erscheine. Unter Vorlage eines Zeugnisses verschiedener Frankfurter Firmen, mit denen Gesuchsteller in geschäftlicher Verbindung stehen will, erhob derselbe Recurs gegen diese Entscheidung. Die heute vernommenen Zeugen, Bürgermeister Lipp sowie der Schwiegervater des p. Adler stellen dem letzteren ein ungünstiges Zeugniß aus. Jacob Adler erklärte, daß sein Schwiegervater und der israelitische Vorstand zu Lindheim ihm aufsässig seien. Das Kreisausschußerkcnntniß wurde bestätigt und der Recurs des p. Adler abgewiesen, demselben auch die Kosten des Verfahrens auferlegt.
** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordueteu.Ber- fammluug Mittwoch d en 18. April 1894, Nachmittags 4 Uhr pünktlich: 1. Gesuch des H. Hof wegen Aufstellung ein?r Bretterhütte am Launsbacher Weg. 2. Desgl. des W. Lange am Wismarer Weg. 3. Desgl. des Hrch. Schomber am Erdkauterweg. 4. Desgl. des Hrch. Winn im Neustädter Feld. 5. Anbringung eines Briefkastens in der Gartenstraße. 6. Gesuch des Theodor Schmidt um Erlaubniß zur Herstellung einer Ueberfahrt an der Frankfurterstraße. 7. Gesuch deS Jacob Stein wegen Herstellung einer Thüre und Anlegung einiger TrHpentritte nach dem Schoorgraben. 8. Gesuch des Ludwig Leib von Krofdorf um Erlaubniß zum Abheben eines Grabenrandes. 9. Desgl. des Wilhelm Reuschling von Heuchelheim. 10. Gesuch des Jacob Hildebrand von Heuchelheim um käufliche Ueberlassung eines überflüssigen Grabens im Neustädter Feld. 11. Desgl. des Chr. Duill dahier um käufliche Ueberlassung von städtischem Gelände an der Grün- bergerstraße. 12. Ausbau der Wilhelmstraße - hier: von der Ludwigstraße bis zur Wingolskneipe. 13. Ausbau der Löber- straße- hier: specieller Plan und Voranschlag. 14. Benennung der Straßen - hier: der oberen Stephanstraße und der Straße im Teufelslustgärtchen. 15. Die am 2. April d. I. abgehaltene Holzverstetgerung. 16. Theilung der ersten Klasse


