Ausgabe 
16.10.1894 Erstes Blatt
 
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Mons, Charleroi, Gent, Lüttich und VervierS. In diesen Städten find die Truppen consignirt. Die Resultate werden erst während der Nacht bekannt werden. Die Zahl der Stichwahlen wird eine außerordentlich große sein. Die­selben werden am 21. October stattfinden. Exminister Beernaert und fünf andere klerikale Abgeordnete, sowie 17 klerikale Senatoren find bereits als gewählt erklärt worden. Die Socialisten haben 80 Candidaten ausgestellt und hoffen vier Sitze zu erobern. Die Ruhe ist bisher un> gestört. In den Industriegebieten befürchtet man jedoch Ruhestörungen, wenn morgen die Resultate verkündet werden.

- nn. Darmstadt, 15. October. (Privatdepesche.) Seine Majestät der Kaiser ist heute Vormittag 10 Uhr 50 Mtn. hier eingetroffen und von Seiner König!. Hoheit dem Groß­herzog und dem Prinzen Wilhelm, sowie der Generalität und den Spitzen der Behörden am Bahnhofe empfangen worden. Die Stadt ist festlich geschmückt.

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Gießen, den 13. October 1894.

* * Der Landesausschuß für Errichtung eines Denkmals für Seine Königliche Hoheit den höchstseligeu Großherzog Ludwig IV. hatte beschlossen, zum Zwecke der Erlangung von Modellskizzen für dieses Denkmal einen Wett­bewerb unter einer beschränkten Anzahl namhafter Bild­hauer zu eröffnen. Aufgefordert wurden die Profefforen Donndorf in Stuttgart, Eberletn in Berlin, Heer in Karls­ruhe, v. Riemann in München und Schaper in Berlin. Bedingt wurde das Denkmal in Form eines Reiterstandbildes aus Bronce, das nicht unter 3,75 Meter hoch ist und auf einen paffend gestalteten Granit-Unterbau zu stehen kommt. Die Kosten des ganzen Denkmals mit Ausnahme der Funda­mente und der Einfriedigung dürfen 140 000 Mark nicht überschreiten. Die Modellskizzen find nunmehr in Darmstadt eingetroffen und haben ihre Aufstellung in der von Herrn Major von Hehl bereitwilligst zur Verfügung gestellten Reit­bahn in der Annastraße gefunden. Wie dieDarmst. Zig." hört, werden dieselben in der Kürze zur öffentlichen Aus­stellung kommen; die Tage werden noch bekannt gemacht.

* * Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog empfingen am 13. October u. A. den Professor I)r. Gaff ky, Rector der Landes-Universität Gießen, den Realgymnasiallehrer Block von Gießen, den Oberbibliothekar Haupt vou der Landes-Universität Gießen, den Gerichts­schreiber Jöckel von Ortenberg- den Premierlieutenant der Landwehrcavallerie Wind eck er.

* * Oeffentliche Sitzung des Proviuzial-Ausschuffes der Provinz Oberheffeu vom 13. Oktober 1894. Zur Verhand­lung gelangt die Sache: Reclamation gegen die Wahl eines Bürgermeisters zu Ulfa. Von Seiten des Johs. Gott­wald I und des Philipp Fleischer I zu Ulfa war gegen die am 12. Mai 1893 stattgehabte Wahl eines Bürger­meisters reclamirt worden, weil eine Reihe von rechtswidrigen Wahlbeeinflussungen stattgefunden haben sollte.

Nach zweimaliger Verhandlung und Beweiserhebung entschied der Kreisausschuß zu Schotten unterm 10. Mai d. I. dahin, daß * * der Reclamation Folge zu geben und die ge­dachte Wahl für ungültig zu erklären sei. Gegen diese Ent­scheidung ist nunmehr seitens des höchstbestimmten I. Lenz Recurs an den Provinzialausschuß verfolgt worden. Nachdem noch verschiedene! Zeugen vernommen und die beiden Ver­treter der Parteien mit ihren Ausführungen und Anträgen gehört worden waren, erkannte der Provinzialausschuß dahin, daß der von I. Lenz gegen das Urtheil des Kreisausschusses Schotten verfolgte Recurs als unbegründet zurückzuweisen sei, unter gleichzeitiger Verurtheilung deS Recurrenten in die Kosten des Verfahrens sowie zur Zahlung eines Aversional- beitrags von 30 Mark zur Provinzialkaffe.

H. Neues Theater. Die gestrige Aufführung des Lust­spielsDer Veilchensreffer", eines der besten, die Moser geschrieben hat, verschaffte uns einen höchst genußreichen Abend. Sie zeichnete sich durch flottes Zusammenspiel und treffliche Einzelleiftungen aus. Die Damen sind sämmtlich nur zu loben; man sah, daß jede der Darstellerinnen an ihrem Platze war, und sich in ihrer Rolle wohlsühlte. Wenn wir hier Fräulein Emma Müller ganz besonders erwähnen, so geschieht dies, weil wir bis jetzt noch nicht Gelegenheit hatten, die Dame in einer größeren Rolle zu sehen. Ihre frische Wiedergabe der Kammerjungfer fand unseren vollen Beifall. Von Frau Reiners könnten wir nur oft Gesagtes wiederholen. Fräulein Hamm hat eine hübsche, deutliche Aussprache und zeichnet sich ebenso wie Fräulein Wohl- brück durch sicheres Auftreten aus. Von den Herren ist in erster Linie Herr Hacker zu nennen, der uns bet jedem Auftreten besser gefällt. Wir sind gespannt, ihn auch einmal in anderen Rollen, als nur in der des schüchternen Liebhabers zu sehen. Herr Otto spielte mit großer Sicherheit, aber für unseren Geschmack war sein Husarenlieurenant nicht schneidig genug, er war allzusüß". Der Bursche des Herrn König war recht gelungen, Herr Reiners entfeffelte durch das Vorexerciren seiner Recruten wahre Lachstürme und last not least Herr Heyne gab in Haltung und Spiel einen präch­tigen Oberst ab. Die Nebenrollen genügten. Der Saal war gut besetzt, so daß wir hoffen dürfen, es werde sich auch künftighin der Besuch des Theaters bessern. Die tüchtigen Leistungen der Truppe verdienen es wirklich.

** Das Kaiferpauorama hat zur Eröffnung der dies­jährigen Saison eine sehr dankbare Serie erwählt. Hamburg in vielen Ansichten, darunter auch das Concert- baus Ludwig, in welchem unsere Regimentsmusik wiederholt Lorbeeren errang, verschiedene Ansichten der Inseln Helgo­land, Norderney rc., alle in prächtiger Beleuchtung und vor­züglichen Ausnahmen vom Laufe des letzten Sommers.

** Unterschlagung und Widerstand. Em Bauersmann batte am vorigen Samstag auf dem Markt einen hiesigen Taglöhner beauftragt, einen Sack Kartoffeln einem in der

Bahnhofstraße wohnenden Käufer zu bringen. Derselbe , lieferte die Kartoffeln ab, ließ sich auch das Geld geben, j nicht aber um es seinem Auftraggeber zu übermitteln, son­dern sich ins Wirthshaus zu setzen und dasselbe zu verzehren. Nach erstatteter Anzeige sollte der Taglöhner von einem Schutz­mann nach der Wache sistirt werden, wobei er sich aber wider­setzte und nach dem Schutzmann schlug. Der Taglöhner, ein schon vielfach bestraftes Individuum, wurde verhaftet. Vom Gelde fanden sich noch 2 Mk. bei ihm vor, für einen Theil hatte er sich einen Kittel gekauft und den Rest vertrunken.

* Uebersahren. Gestern wurde am Seltersweg ein 10 jähriges Mädchen von einem Milchkutscher überfahren, ohne jedoch Verletzungen ernsterer Art erlittten zu haben. Den Kutscher soll keinerlei Schuld treffen, das Kind sei rück­wärts gegangen und unter den Wagen gekommen.

* * Durchgänger. Ein von der Arbeiterabtheilung zu Mainz am 12 d. Mts. flüchtig gegangener Arbeitssoldat wurde gestern dahier verhaftet und an die hiesige Militär­behörde abgeliefert.

* * Unfall. Gestern beim Läuten zur Kirche flog aus einer Glocke der Stadtkirche der Schlägel heraus und be­schädigte die Thurmuhr.

* * Verhaftet wurden ein Arbeiter wegen Diebstahl, einer wegen Ruhestörung und eine dem Trünke ergebene Frau. Außerdem mußte der stadrbekannte Arbeiter Kann, welcher als geisteskrank erklärt worden ist, wegen Gemein­gefährlichkeit inhastirt werden. Derselbe hatte seinem Quartiergeber alles zerschlagen und ihn mir Todtschlagen bedroht.

R. Wiese», 15. October. Das auf gestern festgesetzte Preiswettfahren des hiesigen Radfahrvereins fand trotz der schlechten Witterung statt. Die Strecke Wieseck DaubringenAltenbuseckWieseck wurde von dem jungenFahrer Karl Dorfeld mit einem Rennrade von der Firma Giese in Offenbach in der Zeit von 4115 Minuten gefahren und er­rang hiermit den ersten (von Herrn Günther, Mitinhaber der Firma Meyer und Günther, gestifteten) Preis. Als zweiter ging Gustav Christ, als dritter Phil. Möser durchs Ziel, welche die von Herrn Meyer und Herrn Rau gestifteten Preise erhielten. Die weiteren vom Vereine aus gestifteten Preise erhielten Heinrich Kreiling, Heinrich Wagner, W. Römer und Karl Scherer.

- p Lich, den 14. October. Von Seiten der Stadt werden dem hiesigen Erbprinzenpaar, dessen Vermählung bekanntlich nächsten Dienstag in Wernigerode stattfindet, zwei prächtige silberne Kandelaber als Hochzeitsgeschenk überreicht werden. Die bereits begonnenen Vorbereitungen zu den Einzugsfestlichkeiten lassen darauf schließen, daß dieselben großartige Dimensionen annehmen werden. Dem bereits mirgetheilten Programm fügen wir heute noch hinzu, daß die Festmusik von der gesummten Gießener Regimentskapelle aus­geführt wird.

- a- Lich, 14. October. In dem benachbarten Langs­dorf wurde in letzter Woche eine Frau beerdigt, welche auf eine elende Weise umgekommen ist. Dieselbe wollte wahrscheinlich einen gewissen Ort aufsuchen, brach dabei in die Pfuhlgrube ein und ertrank. Erst nach längerem Suchen wurde die Leiche der Vermißten an diesem Orte entdeckt.

- r. Laubach, den 13. October. Zu Ehren des neuver­mählten Erbprinzenpaares in Lich findet nächsten Samstag tm hiesigen Schlöffe große Hoftafel statt.

x Ober-Besfiugeu, den 14. October. Der hiesige Lehrer Walz ist nach einer mehr denn 50jährigen reich ge­segneten Wirksamkeit in den Ruhestand getreten. Zu seinem Nachfolger ist Schulverwalter Erb in Ilbeshausen ernannt worden. Die Verdienste des Herrn Walz wurden von Seiten der Regierung durch Verleihung des Philippordens besonders geehrt.

A Aus dem Kreise Alsfeld, 12. October. Das Er­gebnis der Kartoffelernte, mit de. man eben vollauf beschäftigt ist, ist ein über Erwarten günstiges. Nach dem ungemein nassen Jahrgange befürchtete man allseits ein schlechtes Resultat der Kartoffelernte, namentlich eine starke Fäulniß der Knollen. Nur in ganz nassen Lagen mag diese Befürchtung eingetroffen sein, im Allgemeinen jedoch ist die Kartoffelernte eine recht gute zu nennen. Es wurden hoch aufgefüllte Wagen nach Hause gefahren und reiche Vorräthe in die Keller gebracht. Wer da weiß, welchen wichtigen Factor die Kartoffel im landwirthschastlichen Haushalt für Menschen wie Vieh bildet, der weiß auch den Segen einer guten Kartoffelernte wohl zu schätzen. Das Wetter, das lange das Ausmachen der Kartoffeln vereitelte, hat nun doch noch eine Wendung erfahren, die es ermöglicht, die Knollen aus dem naffen Erdboden verhältnißmäßig gut zu dieser späten Zeit in die Keller zu bringen. Augenscheinlich beweist wieder der Ausfall der Kartoffelernte, wie wichtig es ist, im Frühjahr für frische Setzkartoffeln Sorge zu tragen. Der doppelte Ertrag steht hier mit richtiger Sortenwahl dem­jenigen des Nichtwechsels gegenüber. Von den Arten, die sich in diesem Jahre, das immerhin seiner Näffe wegen ein besonderes bleibt, am besten bewährt, nennen wir blaue Riesen, gelbe Rosen, Weltwunder und Reichskanzler. Die früher so beliebten Imperator haben sich als zu wenig wider- standsfähig gegen die Näffe erwiesen, sie zeigen die meiste Fäulniß. Ganz vortrefflich gediehen und trotz der Nässe sehr mehlreiche Exemplare haben dagegen die blauen Riesen geliefert. Bemerkenswerth ist es, daß auf vorher gehackten Aeckern die Kartoffeln sehr gering sind und hierdurch leicht in Fäulniß übergehen. Da die Knollen aus der nassen Erde nicht so reinlich und so zweifelsohne wie in trockenen Jahr­gängen in den Keller kommen, so ist eine erhöhte Aufmerk­samkeit für gutes Lagern und gutes Sortiren dringend geboten.

A Mainz, 14. October. Die allgemeine deutsche Gartenbauausstellung, die in der zweiten Hälfte des verflossenen Monats hier stattsand, hat ein über Erwarten günstiges finanzielles Resultat ergeben. Nach der nunmehrigen

Fertigstellung der Rechnung verbleibt nämlich ein Uebersckuß von 3000 Mk., die dem Vermögen des Hainzer Gartenbau­vereins zu Gute kommen. Aus Letzterem waren für die Ausstellung 6000 Mk. bereitgestellt, welche aber nicht in An­spruch genommen wurden, sondern noch den Zuschuß von den 3000 Mk. erfuhren. Vor einigen Wochen trieben sich hier und in den Nachbarstädten angebliche Marokkaner herum, welche auf den Straßen und in Wirthschasten Teppiche, bunte Tischdecken, Kurzwaaren u. s. w. zum Kauf anboten. Wie jetzt aus Hamburg gemeldet wird, sind diese Marokkaner biedere Deutsche gewesen, die von Hamburger Speculanten in die arabische Tracht gesteckt wurden, um minderwerrhige deutsche Fabrikate sür dortige Maaren zu hohen Preisen an den Mann zu bringen.

A AuS Rheinhessen, 14. October. Mit Beginn deS kommenden Jahres wird in Oppenheim die auf Antrag der Regierung von den Kammern beschlossene hessische Wein- und Obstbauschule ins Leben treten. Bei der hervor­ragenden Stellung, die die Producte des rheinhessischen Weinbaues in der deutschen Weinproduction einnehmen, er­achtete man es bei Gründung der Schule für geboten, den breiten Mafien der ländlichen Bevölkerung des Großherzog- thums eine größere Kenntniß der technischen und wirthschaft- lichen Grundlage des Weinbaues zu verschaffen. In An­betracht der Wichtigkeit der Schule hat die Gemeinde Oppen­heim das städtische Weingut am Schloßberg sowie ein ge­räumiges Haus auf dem Zuckerberg für die Anstalt zur Verfügung gestellt.

* Berlin, 13. October. Ueber die Wirkung des Diptherie-Heilserums äußert sich Prof. Virchow zu einem Mitarbeiter derBerl. Ztg.", daß der Werth des Mittels vorläufig in seiner stark schützenden Wirkung bestehe, welche Wochen, ja Monate vorhalten könne, ob eine dauernde Heilung möglich sei, müsse abgewartet werden. Der Berliner Magistrat hat 6000 Mark zur Beschaffung des Mittels bewilligt.

* Berlin, 13. October. .Ueber die Wirksamkeit des Heilserums gegen die Diphtheritis hat Professor Rudolph Virchow einem Mitarbeiter derBerl. Ztg." gegenüber folgendes Urtheil abgegeben:Ich kann meine Ansicht über das Serum dahin zusammenfassen, daß es eine starke schützende Wirkung auf Wochen, vielleicht auf Monate, sagen wir drei, vier Monate, ausübt. Ob diese Wirkung von immerwährender Dauer ist, muß ebenso abgewartet werden, wie die Lösung der Cardinalsrage, ob es wirklch möglich ist, die Diphtherie mit diesem Mittel zu heilen. Aber es ist schon viel erreicht, wenn es z. B. gelingt, in einer Familie, wo drei oder vier Kinder an der Diphtherie erkrankt sind, auch nur eines mit dem Serum immun zu machen, d. h. zu schützen. Für diese Wirkung des Mittels spricht alle Wahr­scheinlichkeit."

* Paris, 13. October. Der Minister der öffentlichen Bauten hat dem Gemeinderath von Parts eine Vorlage unterbreitet, wonach die Stadt Paris von einerMetropolitan­bahn" von Norden nach Süden und vou Osten nach Westen durchzogen werden soll. Diese Bahnen werden an die Gürtelbahn anschließen. Ein großer Theil der Bahn, die etwa 15 Kilometer lang wäre, würde unterirdisch gebaut werden. Die ganze Vorlage würde-100 Millionen Franken zur Ausführung kosten.

Eine Warnung vor Berlin. Der Verein zur Für­sorge für die weibliche Jugend in Berlin hat folgende Bekanntmachung erlassen: Auf einen dringenden Nothstand unserer Zeit weist die Thatsache hin, daß jährlich Hunderte von jungen, unerfahrenen Mädchen, die aus den Provinzen nach größeren Städten, insbesondere nach Berlin kommen, in die Hände gewissenloser Betrüger fallen, von diesen auögebeutet und oft elend zu Grunde gerichtet werden. Der Verein hat zur Abhilfe beschlofien: 1) alle Mädchen, deren Ankunftszeit ihm rechtzeitig gemeldet wird, an dem betreffenden Bahnhof abzuholen, und 2) schon eingewanderte, deren Adressen ihm angegeben werden, aufzusuchen und ihnen die etwa nöthige Hilfe anzubieten. Das Bureau des Vereins befindet sich in Berlin N, Borsigstraße 5. Im Uebrigen warnt der Verein vor dem übergroßen, oft thörichten und, verderblichen Zuzug nach Berlin.

* Die verhältnißmäßig stärkste Garnison des Deutschen Reiches hat das lothringische Städtchen Mörchingen. Die Civilbevölkerung betrug bei der Zählung am 1. Dezember 1890 nur 1109 Seelen, ist seitdem aber auf 2000 ge­stiegen. Ihr steht eine Garnison gegenüber, die aus zwei Regimentern Infanterie, einer Abtheilung Feldartillerie und einer Schwadron Ulanen im ganzen rund 5000 Mann, be­steht. Die Garnison bezieht den höchsten Servissatz und außerdem jeder Stabsoffizier täglich 5 Mk., jeder Haupt­mann 3 Mk., jeder Lieutenant 2 Mk. und jeder verheirathete Unteroffizier 0,80 Mk. Commando-Zulage. Also scheint Mörchingen auch die theuerste Stadt Deutschlands zu sein.

Nicht zuviel Heizen! Das ist eine Warnung, die nicht- zeitig und nicht dringend genug erhoben werden kann. Wir haben schon rauhere Tage gehabt, in welchen mit dem Heizen hier und da begonnen worden ist, wir erhalten nun auf die Periode der recht kühlen Abende auch noch mitunter sehr angenehme Tage, an welchen man wohl ein Wörtchen den guten Gevatter Ofen mitsprechen läßt. Aber man soll es nur nicht zu arg machen. Schnupfen, Kopfschmerzen, be­fangener Kopf und dergleichen sind weit häufiger die Folgen einer Erkältung nach gar zu starkem Heizen im Zimmer, als die Folgen der Witterungsunbilden. Man soll den Ofen nicht heizen, daß es kracht und der Schweiß den Anwesenden vom Rücken herunterläust, eine Temperatur von 15 Grad ist reichlich genügend zum Wohlbefinden eines normal ver­anlagten Menschen, und sind einmal ein oder zwei Grad weniger, so schadet das auch nichts. Man friert nur da, wo man den Gegensatz zwischen Witterung und Stubenluft.