1894
Dienstag den 16 Oktober
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Gießener Anzeiger
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2lmHicbcr Theil.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat September für ben Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg betragen:
Hafer Mk. 14,90, Heu Mk. 6,00, Stroh Mk. 5,00.
Gießen, den 12. October 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. __________________v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend Die Maul- und Klauenseuche.
Die zu Büdingen ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen und die Gehöftsperre aufgehoben.
Gießen, den 10. October 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Betreffend: Oberhessischer Obstbauveretn.
Herr Obstbautechniker Metz auS Friedberg wird nach- dezeichnete Orte deS Kreises Gießen besuchen und Vorträge über Obstbau, sowie in Klein-Linden, Ltch und Grünberg mehrtägige Obstbaucurse abhalten. Die letzteren sollen hauptsächlich dazu dienen, die Arbeiten an den Obstbäumen zu erläutern, wozu alle Jntereffenten etngeladen werden. Dieselben finden statt am 18. und 19. October in Klein-Linden, Beginn Vormittags 10 Uhr- Zusammenkunft am Hause deS Herrn Küfer Lenz. Abends 8 Uhr Versammlung in der Burg.
Am 20. October in Großen-Linden, Nachmittags 2 Uhr: Praktische Unterweisung- Zusammenkunft an der Bürgermeisterei, Abends 8 Uhr Vortrag.
Am 21. October in Lang-Göns - Nachmittags 3 Uhr Vortrag über Obstbau.
Am 22. bis 24. October in Ltch, dreitägiger Cursus, Beginn am 22. October, Vormittags 8 Uhr- Zusammenkunft am Hause des Herrn Bürgermeisters.
Am 28. October, Nachmittags 3 Uhr, in Grünberg: Vortrag über Obstbau, am 29. und 30. October, practische Unterweisungen an Obstbäumen- Beginn Vormittags 8 Uhr.
Der Vorsitzende des Bezirksvereins Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins:
Dr. Wal lau.
Deutsche- Reich.
Darmstadt, 13. Octobcr. Das Programm für den Besuch Seiner Majestät des Kaisers und Königs am Großherzoglichen Hofe vom 15. bis 16. October ist wie folgt festgestellt:
Montag den 15. October:
10 Uhr 50 Min. Vormittags mit Extrazug: Ankunft Seiner Majestät des Kaisers und Königs in dem Matn- Neckar-Bahnhof.
Großer militärischer Empfang.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Seine Großherzogiiche Hoheit der Prinz Wilhelm werden im Bahnhofe anwesend sein.
Die Fahrt zum Großherzoglichen Residenzschloß erfolgt durch die Rheinstraße über den Marktplatz nach dem Haupteingang an der Hauplwache.
Die Escorte-Escadron biegt nicht in das Thor, sondern schwenkt auf dem Marktplatz mit der Front nach dem Schloß ein.
Im Großherzoglichen Residenzschloß wird Seine Majestät von dem Obersthofmarschall und dem Ober- ceremonienmeister empfangen.
Nach 12 Uhr: Luncheon der Allerhöchsten Herrschaften im Neuen Palais.
12 Uhr 30 Min.: Luncheon für die Herren vom Gefolge im Refidenzschloß.
5 Uhr: Galatafel im Kaisersaal.
7 Uhr Abends: Festvorstellung im Großherzoglichen Hof- theattr.
Dienstag den 16. October:
1 Uhr: Luncheon der Allerhöchsten Herrschaften im Neuen Palais.
1 Uhr: Luncheon für die Herren vom Gefolge im Residenzschloß.
3 Uhr: Abreise Seiner Majestät des Kaisers und Königs vom Main-Neckar-Bahnhof.
Berlin, 13. October. Es wird der „Köln. Ztg." mehrseitig bestätigt, daß der Vorschlag, die europäischen Mächte sollten schon jetzt ein Eingreifen zwischen Japan und China wegen der koreanischen Frage eintreten laffen, von der deutschen Reichsregicrung abgelehnt worden ist und daß ein solches Vorgehen infolge dessen von der diplomatischen Tagesordnung der Mächte für jetzt abgesetzt ist.
Berlin, 13. October. Heute fand die angesagte Versammlung der Brauereien, Gastwirthe und Socialdemokraten über die Beendigung des Boycotts statt. Die Boycott Commission hatte eine Liste der wieder aufzunehmenden Arbeiter gestellt. Von derselben hatten die Brauereien 33 unter 300 gestrichen. Singer und Auer erklärten Namens der Berliner Arbeiterschaft, unter diesen Umständen auf eine gütliche Auseinandersetzung verzichten und die Verhandlungen abbrechen zu müffen.
Berlin, 13. October. Nachdem die Bemühungen der deutschen, englischen und französischen Schutz-Comitvs für die Gläubiger erfolglos geblieben sind, hat der Ausschuß der Freien Vereinigung der Inhaber griechischer Werthpapiere an den Kaiser ein Immediatgesuch mit der Bitte gerichtet, den vergewaltigten Gläubigern zu ihrem Rechte zu verhelfen.
— Bet der Fahnenverleihung an die vierten Batai llo ne erhalten die Garde-Regimenter zu Fuß und das Garde-Füsilier-Regiment Gardefahnen, welche das Fahnentuch von weißer Seide haben, die Garde-Grenadier- und die Grenadier-Regimenter Grenadierfahnen, bet denen das wetßseidene Fahnentuch schwarze nach dem Mittelschild keilförmig verlaufende Ecken hat- beide Fahnenarten haben weiße Stangen. Die übrigen Infanterie Regimenter und die drei neuen Pionier-Bataillone erhalten Ltntenfahnen, welche ein schwarzsetdenes Fahnentuch mit weißen keilförmigen Ecken und schwarze Stangen haben. Die vierten Bataillone der badischen und hessischen Regimenter, sowie des oldenburgischen, braunschweigischen und anhaltischen Infanterie - Regiments erhalten die Fahnen nicht vom König von Preußen, sondern von dem betreffenden Landesherrn, zu dessen Rechten die Fahnenverleihung nach den abgeschlossenen Militärconventionen gehört.
Friesack (Mark), 13. October. Heute Mittag wurde das Denkmal des Kurfürsten Friedrich I. in Gegenwart des Kaisers enthüllt. Bei der Annahme des Ehrentrunks sprach der Kaiser: Ich trinke den Pocal, gefüllt mit deutschem Wein, auf das Wohl Brandenburgs mit dem Wunsche, daß, so lange Gott mir Leben und Kraft verleiht und so lange das Hohenzollernhaus besteht, es niemals an der alten hergebrachten Treue der Märker fehlen möge, wenn es darauf ankommt und der Markgraf ruft.
Ausland.
Wien, 13. October. Der Leibarzt des Czaren Dr. Hirsch, welcher aus Meran hier eingetroffen ist, erhielt die Weisung, mit möglichster Beschleunigung in Livadia einzutreffen, da er dazu bestimmt ist, den Czaren nach Corfu zu begleiten und daselbst in seiner Nähe zu bleiben. Dr. Hirsch reist heute Abend nach Odessa ob. lieber den Zeitpunkt der Abreise des Czaren nach Corfu ist der Leibarzt noch nicht unterrichtet, er nimmt aber an, daß eine Entscheidung hierüber schon getroffen ist. Dr. Hirsch erklärte, daß die Hoffnung auf einen günstigen Ausgang der Krankheit solange nicht aufgegeben werden dürfe, als der Zustand des Czaren eine Wendung zum Besseren möglich erscheinen lasse. — Der Flügeladjutant des russischen Kaisers, Graf Benkendorff ist bereits über Triest nach Corfu abgereist.
(Franks. Ztg.)
Lemberg, 13. October. In G alizien ist die Ch olera wieder in bedenklicher Zunahme begriffen.
Paris, 13. Oktober. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat es abgelehnt, sich den europäischen Mächten bei einem etwaigen gemeinsamen Vorgehen in Ostasien an» zuschlteßen, da ihre Politik darauf ausgehe, jede Vereinigung zu vermeiden, die Verwicklungen herbeiführen könne.
London, 13. October. Aus Tokio wird berichtet: Nach einer telegraphischen Meldung aus Söul sind die japanischen Truppen eifrig dabei, Korea von Bettlern, Vagabunden und Räubern zu säubern. — Feststehende That- sachc ist es, daß England nach Kräften an der Beilegung deS Krieges arbeitet. Ferner wird versichert, Rußland
werde keinesfalls Japan gestatten, von Korea Besitz z« ergreifen. ______________________________
Neueste Nachrichten.
WolssS telegraphisches Eorresponderrz-Bure«
Crouberg, 14. October. Se. Majestät der Kaiser ist heute früh 8 Uhr 35 Min. hier angekommen. Seine Majestät ist von Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich empfangen worden und hat sich direcr nach Schloß FriedrichShos begeben. DaS Wetter ist regnerisch.
Mannheim, 14. October. Heute Vormittag wurde das Denkmal von Kaiser Wilhelm I. in Gegenwart deS Großherzogs und der Großherzogin von Baden, des Erb- großherzogs und seiner Gemahlin, des Kronprinzen von Schweden, sowie des commandirenden Generals deS 13. Armeecorps, General der Infanterie v. Albedyll als Vertreter deS Kaisers, enthüllt. Das Denkmal, eine Reiterstatue, ist von Professor Eberlein-Berlin gearbeitet. Die Feier sand unter allgemeiner Betheiligung des Publikums statt.
München, 14. Oktober. Im Hinblick auf eine Meldung der „Augsburger Abendzeitung" vom 13. ds. Mts., wonach der Prinzregent in Berchtesgaten von einem leichten Unwohlsein befallen sei, wird amtlich mitgetheilt, daß der Prinzregent sich infolge Ausgleitens auf der Jagd am 4. Oktober eine leichte Contusion des rechten Kniegelenkes zugezogen hat. Die Verletzung war jedoch so unbedeutend, daß der Prinz- regent bereits in den nächsten Tagen sich wieder an den Jagden betheiligen konnte und hierbei mehrere Hirsche erlegte. Das Allgemeinbefinden des Prinzregenren ist die ganze Zeit über ein vorzügliches gewesen.
Wien, 14. Oktober. Das Hofoperntheater feierte gestern daS Jubiläum von Johann Strauß mit der ersten Aufführung des Ballets „Rund um Wien". Im dritten Bilde des Ballets wurde Strauß eine großartige Huldigung bereitet.
Havre, 14. Oktober. Die ganze Stadt ist in Aufregung infolge der Entdeckung einer großen Anzahl Bomben an Bord eines am Donnerstag von Southampton hier ein* getroffenen Dampfers. Etwa 75 Kolli, enthaltend Bombcn und Kästchen mit Explosivstoffen, Kugeln, Kartuschen, alte Waffen und Etnbruchmaterial wurden beschlagnahmt. Die ganze Ladung war nach Auvers für Oise in der Nähe von Paris bestimmt. Zunächst weiß man noch nichts Bestimmtes über den Urheber des Attentats.
Barcelona, 14. October. In Berga explodirte eine Dhnamitpatrone, welche auf ein Fenster der Wohnung deS Bergwerksverwalters gelegt worden war. Eine Person wurde leicht verletzt. Drei Bergleute find verhaftet worden.
Shanghai, 14. October. DaS Gerücht, daß Tschifu von der japanischen Flotte genommen worden sei, ist unbegründet. Ein Angriff auf Tschifu hat nicht ftattgefunden.
WB. Berlin, 15. October. Major L e u t w e i n telegraphirt aus Werft Witbois den 14. September, daß Hendrik Witboi sich, nachdem er wiederholt geschlagen, der deutschen Schutzherrschaft bedingungslos unterworfen habe.
WB. Brüssel, 15. October. Das Resultat her ersten Wahl nach dem allgemeinen Stimmrecht brachte einen beträchtlichen Verlust dem gemäßigten Liberalismus. Die Socialisten eroberten einen Theil von den liberalen Sitzen. Die Katholiken behalten die Majorität und bleiben Regierungspartei. Die osficiellen Resultate werden Nachmittags bekannt. Wenn der Ministerpräses in NivelleS gegen den dortigen Liberalen gewählt wird, kann das Cabinet vollzählig vor der Kammer erscheinen. Seine Wahl hängt von den Stimmen der Socialisten ab.
WB. Brüssel, 15. October. Bis jetzt verlieren die gemäßigt Liberalen 31 Kammersitze, davon die meisten an Socialisten. Die Katholiken verlieren sieben Kammersitze, fünf an Liberale, zwei an Socialisten. Zahlreiche Stichwahlen werden die Ziffern noch abändern. Eine Zusammenstellung der Kammer ist noch nicht möglich.
D weichen bei Bure« .Herold*.
Brüssel, 14. October. Das allgemeine Stimm' recht wtrd heute in Belgien zum ersten Male ausgeübt werden bet der Neuwahl sämmtlicher Kammer- (152) und Senatsmitglieder (76). Wahlberechtigt sind nach dem neuen Wahlrechte 1,370,000 Bürger, abzugebende Stimmen sind laut dem System des Pluralvotums 2,100,000. Am heftigsten wird die Agitation noch heute in Brüssel und Lüttich betrieben, wo bisher liberale Vertreter gewählt worden sind, die Socialisten kämpfen mit der größten Energie in Brüssel,


