künstlich wehr als gut erweitert. Nicht die Hitze im Zimmer behagt, sondern reine, erwärmte Luft, kein Dunst, als münde der Ofen direct in den Vesuv. Die Kinder haben unter dieser Ueberheizung besonder- scharf zu leiden,- fie erkälten fich im Nu, erhalten einen schweren Kopf, machen in der Schule dem Lehrer Elend und kommen seufzend und jammernd nach Hause. Man laste hübsch die Abhärtungsgeschichten, denn damit ist nicht zu spähen, wenn man nicht genau die Körperconstitution dessen kennt, der da abgehärtet werden soll, aber man mache es mit der Verzärtelung auch nicht zu arg. Die Winterkleidung der Kinder soll warm sein und darum thut man gut, auf modischen Zuschnitt möglichst zu verzichten, den man früher nicht kannte, wo die Kinder fich doch weit wohler befanden, als heute. Fest und knappanltegend am Körper, ohne natürlich zu preffen oder zu schnüren, daS ist für kindliche Kleidung die Hauptsache. DaS Aussehen machtS nicht, sondern die Zweckmähigkeit und bei der wird auf Kosten der Gesundheit und zu Gunsten der Mode oft fcrwer gesündigt. Mancher dicke Shawl und dicke Decke und t icker Uebcrzieher könnte bei richtiger Kleidung gespart werden. Das Kind hätte Erleichterungen an Stelle der schweren Hülle dec Einmummung und wäre weitaus gesünder dabei. fefocj
• Rewyorker Polizeiweseu. In Newyork hat kürzlich eine amtliche Untersuchung über baß dortige Polizeiwesen stattgefunden. Die Newyorker wußten im Voraus, daß da. bei heillose Sachen an den Tag kommen würden, aber vielleicht ist das Ergebniß doch noch schlimmer, als Eingeweihte befürchten mochten. Die Zeitung „Leslies Weekly" gibt eine Übersicht über die Ergebniste der Untersuchung, der wir folgendes entnehmen: Es kostet 300 Dollar, um Polizist in Newyork zu werden. DaS Geld geräth irgendwohin. Es kostet 1000 Dollar, um ein Patrolmann zu werden. Das Geld geräth irgendwo hin. ES kostet 10—20,000 Dollar, um Polizeikapitän zu werden. Auch das Geld geräth irgendwo hin. Die Polizeicommistäre ernennen und befördern Polizeibeamte und das Alles kostet Geld. Aber es wäre falsch anzunehmen, daß die Polizisten selbst das Geld dafür bezahlen. O nein! Beschütztes Laster und gemeinste Er» prestung bringen das Geld auf! Ein Haus des Lasters zu halten, kostet in Newyork 50 Dollar den Monat, 500 Dollar jährlich und 500 Dollar Einschreibungsgebübr, sobald ein neuer Kapitän in den betr. District kommt. Und die Polizei- commiffäre wechseln die Kapitäne „zum Besten des Dienstes", wie der Ausdruck lautet, häufig. Es kostet 20 bis 30 Dollar monatlich, Spirituosen ohne eine Schanklicenz zu verkaufen. Es kostet 50 Dollar monatlich, um Maaren auf dem Bürgersteig stehen zu haben. Ein Bauunternehmer thut gut, der Polizei gelegentlich 20 Dollar zu zahlen, damit seine Arbeiter nicht verhaftet werden, wenn sie in Straßengehemmt haben. Einem armen Jungen, der vom Stiefelputzen lebt, wird es nicht schaden, wenn er der Polizei monatlich 5 Doll, entrichtet und dem dienstthuenden Schutzmann gelegentlich die Stiefel umsonst putzt. Verkauft Jemand Früchte auf der Straße, so muß er im eigenen Interesse ja dem Polizisten erlauben, so viel von seinem Obst zu esten, bis er genug hat. Und so geht das weiter. Das System, Fremde in Spielhöllen oder sonstwohin zur Beraubung zu locken, hat Jahre lang unter dem directen Schutz der Polizei New'AorkS gestanden. Die Polizei fordert nur eine Ausnahme: New-Aorker Bürger und Geistliche sollten nicht belästigt werden. Die Ausbeutung der Prostitution jederlei Gestalt ist ein Capitel in den Annalen der Newyorker Polizei, daß sich die Feder sträubt, es zu schildern. Es ist ein Geistlicher Namens Dr. Parkhurst, welcher durch seinen Heldenmuth diese Untersuchung zu Wege gebracht hat. An den gemeinsten Angriffen der Presse hat es ihm alS Lohn nicht gefehlt. Jetzt freilich wagt kein Blatt mehr angesichts der staunenswerthen Enthüllungen dem Ehrenmann etwas anzuthun. Aber wird es mit allem bester werden? Haben'S doch die Sperlinge auf den Dächern so lange gezwitschert! Kann nur eine gewaltsame Umwälzung diesen heillosen Zuständen ein Ende machen? In Amerika glauben's viele.
Schiff-nachrichten.
Hamburg, 13. October. Der Hamburger Doppelschrauben- Schnelldampser „Augusta V ctorta", Eapitän Kaempff, der Hamburg- Amerikanischen Packelfahrt-Actien-Gesellschaft, welcher am 5. October von Southampton abgegangen, ist am 12. October, 3 )Uhr Nachmittag-, wohlbehalten in Newyork angekommen. Reisedauer von Hamburg bis Newyork 8 Tage 4 Stunden 5 SD?In., Oceanfahrt von Southampton 7 Tage 4 Stunden 10 Mtn., von QueenStown aus gerechnet nur 6 Tage 13 Stunden 10 Min.
Hamburg, 12. October. Der Hamburger Dampfer „Scandia", Capitän Reuter, von der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrt- Aclien Gesellfcbaft, ist am 11. October, 8 Uhr Abends, von Hamburg in Newyork angekommen.
Literatur und Aunsr.
— HebelS Nhei«lL«discher Hausfreund 1895. Preis 30 Pfg. Vertag von I. Lang in Karlsruhe und Taubervtschofsheim. Einer der ersterschtenenen Kalender für das Jahr 1895 ist der soeben eingetroffene „Hebels Rheinländischer Hausfreund". Derselbe reiht sich würdig den srühenn Jahrgängen, sowohl bezüglich des Inhalts, als der Ausstattung an.
— »Deutscher Soldaterrhort", illustriite Zeitschrift für das deutsche Heer und dir Marine. Hrrausgeber: General-Lieutenant z. D. H. v. Below. Preis pro Quartal 1.80 Mk. Verlag von Karl Siegismund. Berlin^., Mauerstraße 68. VI. Jahrgang Heft 1 erschien soeben.
— Grundriß der vergleichende« Pflauzeumorphologte von Dr. E. Dennert. Mit über 600 Abbildungen. In Original- Letnenband 5 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Die Morphologie (Gestalllehre) gehöit zu den Gebieten der Naturwissenschaft, welche mit wenig technischen Hilfsmitteln betrieben werden können. Dennerts Grundriß der vergleichenden Morphologie ist nicht nur für Fachgenossen, sondern auch für ein weiteres, dte Pflanzen liebendes Publikum geschrieben. Der Verfasser bemüht sich durch klare, leicht verständliche Sprache auch Fernerstehenden dieses Gebiet nahe zu bringen und den Gegenstand durch stete Hinweise auf biologische Fragen lebendig vorzuführen. Dte zahlreichen Abbildungen, mit denen das Werk ausgestattet ist, kommen dem Verständniß des Gesagten zu Hilfe und erlangen dadurch einen besonderen Werth, daß sie fast lalle vom Verfasser selbst nach der Natur gezeichnet sind. So weit es anging, sind den Abbildungen Pflanzen aus der heimischen Flora zu Grunde gelegt, so daß ein eigenes Vergleichen möglich ist. Das Buch bildet den VII. Band von Webers Natur- wtstenschailltcher Bibliothek und ist gleich seinen Vorgängern gut ausgestat^et. Der Preis kann in Hinsicht auf die zahlreichen Abbildungen ein sehr mäßiger genannt werden.
— Katechismus der Malerei von K. Raupp. Zweite, vermehrte und verbefierte Auflage. Mit 50 in den Text gedruckten und 4 Tafeln Abbildungen. In Origtnal-Letnenband 3 Mk. Verlag von I. I. Weber Leipzig. Mit außerordentlicher Gründlichkeit und Sachlichkeit, der ein überaus reiches Jllustrattonsmaterial noch besonders zu statten kommt, behandelt das inffliche Büchlein das Technische der Malerei im weitesten Sinne. Die Technik und das Material des Zeichners, des Oelmalers, des Aquarellisten und Pastelltsten, die Grundsätze der Perspective, des Photographieren- für künstlerische Zwecke sind von dem bekannten Künstler und Lehrer faßlich und ausführlich behandelt, so daß das kleine Werk dem wißbegierigen Laten, wie dem Dillettanten und dem angehenden Fachmann gleich gute Dienste leisten wird.
— Mein Ki«derkale«der. Vätern und Müttern gewidmet. (Verlag von Karl Fr. Pfau tnLeipzig.) Preis elegant geb. 75Pf.
Technische Fortschritte.
— Kitt zum AuSfüllen von Leckstelle« in Röhren, wie Gußblasen u. dgl. 5 Theile Pariser Weiß, 5 Theile gelben Ocker, 10 Theile Bleiglätte, 5 Theile Mennige und 4 Theile schwarzes Manganoxyd. Dte Bestandthetle werden gut miteinander vermischt, worauf noch eine kleine Menge Asbest und gekochtes Oel zugegeben wird. Der so zuberettete Kitt soll in ein bis fünf Stunden nack dem Ausfüllen der Leckstellen erhärten und nicht schwinden. Es können daher beim Trocknen des Kittes keine neuen Leckstellen entstehen. Da es nicht nöthtg ist, die auszubessernden Theile von ihrer Stelle zu entfernen, so eignet sich der Kitt besonders gut für schwer zugängliche Rohrleitungen usw.
— Eine neue Art der Berwendung von Glasscherbe«. Einem findigen Geiste ist es jetzt gelungen, auch alte Glasscherben noch nutzbringend zu verwerthen. Die Glasstücke, auch wenn sie von verschiedener Färbung sind, werden auf eine bestimmte Größe zerkleinert, gemischt und in Formen gebracht, die mit Kieselerde oder einem anderen widerstandsfähigen Material ausgestrichen sind. In diesen werden sie dann erhitzt, die dadurch entstehende zusammenhängende Masse kann in Blöcke zerschnitten werden, die unregelmäßig gefärbt sind und fich zur Aufführung von Mauern eignen, wobei schöne decorative Effecte erzielt werden können. Die Erfinder dieses Verfahre-, Rostaing und Gaille in Paris, gedenken sogar durch Pressung der noch plastischen Masse auch Reliefmuster zu erzeugen.
— Aufteimen von Marmorplatie«. Daß Verfahren erfordert schnelles Ai beiten. Von dem Kitt, der au8 Leim und Gips besteht, ist nur soviel zu bereiten, als man braucht, denn, obwohl der Kitt erst nach V/s Tagen seine völlige Härte erlangt, ist er doch, sobald er ansängt, zu erstarren, werthlos. Die Marmorplatte ist leicht, gleichmäßig durchzuwärmen. Sind Leim und Platte gehörig warm, so rührt man in laue- Wasser soviel besten Modellgip- ein, um einen dünnflüssigen Brei herzustellen und gießt unter tüchtigem Rühren den Gipsbrei in den heißen Leim. Dann streicht man mit Spachtel den Kilt auf die Zarge, drückt die warme Platte darauf und beschwert das ganze gehörig, sodaß der Überflüssige Kitt zur Seile hei austritt. Practischer noch ist, da- ganze umzudrehen, d. h. die Platte mit der aufzuleimenden Seite nach oben zu legen und den Tisch mit Zarge daraus setzen. So geleimte Tische halten bester, als nur mit Leim verbundene, denn der Gips verbindet sich innig mit dem Marmor.
Verkehr, Land- und
Grünberg, 13 October. Fruchtpreise. Weizen 12,04, Korn X 11,88, Gerste X 10.30, Hafer X 10,00, Erbsen X 00,00, Linsen 00,00, Wicken X 00,00, Lem X 00,00, Kartoffeln X 0,00, Samen X 00,00.
-pielplav der Bereinigten frankfurter Stadtthenür
Oper«ha«S.
Dienstag den 16. October: Die luftigen Weiber von Windsor. Mittwoch den 17. October: Concert unter Mitwirkung des Violinisten Henn Ondriegek. Donnerstag den 18. October: Tannhäuser. Freitag den 19. October: Flick und Flock. Samstag den 20. October: Margarethe. Sonntag dm 21. October, Nachmittags 3Vi Uhr: Flick und Flock. Abmds 7 Uhr: Mignon.
EHonspielhirnS,
Dienstag den 16. Oclober: Madame Sans-Göne. Mittwoch den 17. October: Fie-co Donnerstag den 18. Oclober: CharleyS Tante. Vorher: Furcht vor der Freude. Freitag den 19. October: Der Obersteiger. Samstag den 20. October: Die Dragoner. Othellos Erfolg. Sonntag dm 21. October, Nachmittags 3*/o Uhr: Madame Sans-Güne. Abends 7 Uhr: Charleys Tante. Vorher: Furcht vor der Freude. Montag den 22. October: Käihchen von Heilbronn.
^Barometerstand
ee
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Thermometer: min. 4- 2° R., max. 4- S’/jOR.
Hygrometer: Feucht.
lianettneg: Die pimttirte Linie hei der Barometerscala gibt den Stand bei vorhergehenden Tages an.
witterrrngraAsfichten
am 15. October Morgens 8 Uhr (Wetterhäus chen in der Südanlage).
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73
75
74
76
77
Verfälschte schwarze Seide.
Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort ^u Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verloscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschtm nicht. Die Seidenfadrik €L Henneberg (f. u. k. Hoflieferant) Zürich versendet gern Muster von ihren echten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und steuerfrei in die Wohnung 8081
— Daß sich tn den Spitälern ur.b Kliniken Deutschlands die Marken der Deutsch-Italienischen W ei N-Jmport-Ge feilsch ast Daube, Donner, Kinen L Co. immer mehr einbürgern, kann als der beste Beweis dafür dienen, daß diese Weine allen Anforoe- rungen, welche man an einen guten reinen, unb abgelageiten Rothwein zu stellen berechtigt ist, in jeder Beziehung entsprechen. Man lasse sich durch die billigen Verkauf-preiie dieser Weine nicht abhalten, die Tischweinmarken Marca Italia, Vlno da Paato rc. einmal zu kosten. In Gießen sind die Weine der G fellschaft zu haben bei G. & A. Wallenfels, Earl Schwaab, Wilh. «chomber, Eberh. Dort.4826
TavsendfacheS Lob, notariell bestät., über den Holl. Tabak von B. Becker tn Deese« a. H. Ein 10 Pfd. - Beutel fco. 8 Mk. hat die Exp. 0. Bl. eingesehen. 7830
Ausschreibung. FchaichanstMGrimberg.
Für die Menage der Unteroffiziere und Mannschaften des 2. Bataillons Jnfanterie-Negiments Kaiser Wilhelm soll für die Zeit vom 1. November 1894 bis 31. October 1895 die Lieferung des Bedarfs an Fleisch- waaren, Kartoffeln, Gemüsen, Colonial- waaren rc. auf dem Submissionswege contractlich zur Vergebung gelangen.
Angebote sind unter der Aufschrift : „Angebot auf Menage- Lieferungen" verschlossen an die unterzeichnete Commission bis zum 20. Oktober d. I. einzureichen.
Die Menage-Commission des 2. Bataillons Infanterie - Regi- ments Kaiser Wilhelm. [8407
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Durch vorschriftsmäßige neue Einrichtung unseres Aichlocals sind wir in den Stand gesetzt, allen Anforderungen zu entsprechen und halten wir solches allen Jntereffenten bestens empfohlen.
Grünberg, am 12. October 1894. Großh. Bürgermeisterei Grünberg.
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