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heute schon ein schlechtes Prognostikon ausstellen und bereits Berechnungen über die Höhe des nach ihrer Ansicht unzweifel­haften Defictts machen, muß man es den lebenslustigen Mainzern nachrühmen, daß ihnen das regnerische Wetter auch noch nicht im Allergeringsten den Muth benommen hat und sie mit einer Ruhe und Sicherheit die letzten Vorbereitungen zu dem Feste treffen, als wenn es keinerlei Zweifel unterworfen wäre, daß der Regengott vor dem Sonntag seine Thätigkeit einstelle und die ankommenden Schützen von einem Hellen, heiteren Himmel begrüßt würden. Das Glück, welches Mainz bei seinen Festen noch immer mit dem Wetter hatte, trägt einen großen Theil zu diesem hoffnungsvollen Ver­trauen bei.

Die ganzen Arbeiten und Vorbereitungen, die noch zu bewerkstelligen sind, erstrecken sich auf die Decoration des Innern der Stadt, zu deren Fertigstellung gegenwärtig Tausende von Händen in Thätigkeit sind. Die großen Straßenzüge, welche der Festzug passirt, stehen bereits in vollem Schmuck und gewähren mit ihren endlosen Reihen mit Blumen und Kränzen umrankten Flaggenmasten einen präch­tigen Anblick. Auf vielen der freien Plätze begrüßen mit frohen Willkommsprüchen künstlerisch ausgeführte Empfangs­pforten und Triumphbogen die Schützen. Bis zu dem Auf- hiffen der Fahnen und Banner ist auf dem Festplatz selbst Alles vollendet und harret nur der Ankunft der Schützen und Gäste.

Neben dem Gabentempel und dem Hauptportal gewahrt die Festhalle nach ihrer jetzigen Fertigstellung einen groß­artigen Anblick und zwar derart, daß es sich verlohnt, die­selbe etwas näher zu beschreiben. Dieselbe ist ein dretschiffiger Bau von 145 Meter Länge und 37 Meter Breite, das Mittelschiff ist 24 Meter breit und 17 Meter hoch, die beiden Seitenschiffe je 6i/2 Meter breit und 9 Meter hoch. Alles in Allem bietet die Halle Sitzplätze für 4200 Personen. In der Mitte der vorderen Langseite ist ein giebelgekrönter Vor­bau, von zwei 27 Meter hohen Thürmen flankirt, vorgelegt, in welchem sich der Haupteingang befindet, bestehend aus einer Vorhalle mit drei weilen Thüröffnungen, darüber die Musik- tribüne. Zu beiden Seiten schließen sich niedere Anbauten an, die Garderoben, Post und Telegraph rc. 2c. enthalten. Ue&er den Dächern dieser Anbauten erheben sich die Flaggen der letzten sechs Feststädte: Berlin, Leipzig, München, Frank­furt, Düsseldorf und Stuttgart. Ein Fries, in welchem der deutsche Reichsadler mit den Wappenschildern der Bundes­staaten wechselt, zieht sich unter dem Dachgesims hin. Die Flächen der großen Thürme zeigen zwei Schützen aus dem 17. Jahrhundert mit den Sprüchen darunter:

Freunden zum Schutz, Feinden zum Trutz! Blank sei die Wehr! Rein sei die Ehr!

Betritt man die Halle durch den Haupteingang, so er­blickt man das erhöhte Podium mit der Ehrentafel, in der Mitte die Rednerbühne mit den Büsten des Kaisers und des Großherzogs, überragt von dem Banner des deutschen Schützen­bundes.

Von der Decke in der Mitte der Halle schwebt die Reichskrone mit dem Reichsbanner darunter, umgeben von den Flaggen der fremden Länder, aus denen Schützen erwartet werden, vor Allem der verbündeten Reiche Oesterreich Ungarn und Italien, ferner der Schweiz, Belgien und Amerika. Die Fenster an den beiden Langseiten des Mittelschiffs sind mit Stoff bespannt, welche eine bleigefaßte Verglasung in grün­lichem Ton imitirt. Die beiden großen Fenster an der Stirn­seite der Halle haben Glasmalereien, auf der einen Seite die Germania, umgeben von Schildhaltern und den Figuren des Kriegs und des Friedens, auf der anderen Seite die Maguntia, zu den Füßen des Rhein und des Main gelagert.

Außer der Festhalle verdient die Schießhalle auf dem Festplatz noch einer besonderen Erwähnung. Dieselbe ist ein offener Hallenbau von 253 Meter Länge und 14 Meter Breite, woran sich an beiden Enden 20 Meter lange, geschlossene Bauten anschließen, welche die Waffendepots, die Büchsen- machereien und die Toiletten enthalten. Zu beiden Seiten des bogenförmigen, mit einer Rheinlandschaft geschmückten Haupteingangs befinden sich zwei Restaurationen. An die Schießhalle schließt sich das Schußfeld an und ist dasselbe eingetheilt in 145 Schießstände und zwar für 4 Jagdscheiben zum Schießen auf laufendes Wild in 60 Meter Entfernung, für 48 Feldscheiben, 5 Feldmeisterscheiben und 9 Feldfeft- fcheiben auf 300 Meter Entfernung, für 60 Standscheiben und 6 Standfestscheiben auf 175 Meter Entfernung und 6 Pistolenscheiben auf 35 Meter Entfernung. Das Schußfeld selbst ist durch umfangreiche Anlagen von Kugel­fängen, Hoch- und Seitenblenden nach außen hin abgeschloffen, um die Umgebung gegen ein etwaiges Durchgehen der Kugeln zu sichern.

Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß der Festplatz und fämmtliche Bauten durch 100 Bogenlampen und 500 Glüh­lampen eleetrtsch beleuchtet werden. Die Beleuchtungsanlage ist von der Firma Schuckert u. Cie. in Nürnberg aus­geführt.

Eocaler tmö ptovittsieHe».

Gießen, den 15. Juni 1894.

** Oberhesfischer Geschichtsvereiu. Wie bekannt sein dürste, hat der Oberhessische Geschichtsverein einen Theil des Geländes, in dem das Castrum Alteburg liegt, pachtweise übernommen und zum Zwecke der Erhaltung der Nordseite des Castells einfriedigen laffen. Bis jetzt sind einzelne Theile der Mauer an dieser Stelle blosgelegt, das Uebrige soll im Laufe des Jahres noch ausgegraben werden. Als Beitrag zu den be­trächtlichen Kosten, die hierdurch dem Verein erwachsen sind, hat der Herr regierende Graf zu Solms-Laubach in überaus liebenswürdiger Weise dem Verein einen nam­

haften Betrag zur Verfügung gestellt, wofür dem Herrn Grafen die Dankbarkeit aller Alterthumsfreunde gesichert ist.

** Kirchliche Dienstuachricht. Am 10. April wurde dem Pfarrverwalter Engelhard zu Engelthal, Dec. Vilbel, die kath. Pfarrstelle daselbst Übertragen.

** Schuldieustnachrichteu. Am 8. Mai wurde dem Schulverwalter August Hahn zu Liederbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst Übertragen,- am 12. Mat wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein auf die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wenings präsentirte Schulamtsaspirant Gustav Kauß aus Allmenrod für diese Stelle bestätigt.

** Prozeß Bachrach. Nachdem nach den eingeholten ärztlichen Gutachten sich herausgestellt hat, daß Aron Bachrach von Gießen nicht nur zur Zeit geisteskrank ist, sondern auch bereits zur Zeit der Begehung der ihm zur Last gestellten strafbaren Handlungen sich in einem Zustand krankhafter Störung der Geiftesthätigkeit befunden hat, durch den seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen war, hat die Strafkammer Großh. Landgerichts beschlossen, daß das Verfahren gegen Bachrach wegen betrügerischen Vankerotts i und Betrugs einzustellen sei.

** Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: zwei Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Dornheim, Kreis Groß-Gerau, mit einem jährlichen Gehalt von je 900 Mk. Mit der einen dieser Stellen ist Organistendienst verbunden,- eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Leeheim, Kreis Groß. Gerau, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk. - die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Ober-Kinzig, Kreis Erbach, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mark. Dem Herrn Fürsten zu LöwensteiN'Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grasen zu Erbach-Schönberg ,steht das Präsentationsrecht zu derselben zu- die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gersprenz, Kreis Erbach, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk. Dem Herrn Grafen zu Erbach- Erbach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu,- eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der gemeinsamen Musterschule zu Friedberg mit einem Anfangsqehalt von 1100 Mk. jährlich.

** Militärisches. Das bei den Fußtruppen zu ver­wendende Fahrrad, zu dessen Beschaffung im laufenden Etat über 100 000 Mark als einmalige Ausgabe ausgeworfen sind, ist ein Niederrad mit Rahmengestell, Vorderradbremse und staubfreien Kugellagern. Heber seine Verwendung sind von der Heeresverwaltung folgende vorläufige Grundsätze aufgestellt worden. Auf dem Marsche dienen die Fahrräder zur Ver­bindung zwischen einzelnen Gliedern der Marschsicherung, bei den Vorposten zur Uebermittelung von Meldungen zwischen einzelnen Gliedern der Vorposten. Im Quartier sind die mit Fahrrädern versehenen Mannschaften zu jeder Art des Ordonanzdienstes zwischen allen Dienststellen, die nicht beständig über Cavallerie - Ordonanzen verfügen, bestimmt. Besonders nützlich erweisen sich die Fahrräder im Relais- und Etappendienst, bei dem sie insbesondere die ohnehin stark in Anspruch genommene Cavallerie wesentlich entlasten. In den großen Festungen haben die Radfahrer den Meldedienst vollständig zu übernehmen und die Cavallerie zu ersetzen.

** Darlehen nach Wunsch besorgen, wie fast täglich in deutschen Blättern zu lesen ist, verschiedene Firmen in Pest. Ein Handwerksmeister brauchte nun 3000 Mark und wandte sich an einen der menschenfreundlichen Herren. Er erhielt bald ein Antwortschreiben, in welchem zu lesen war, daß man ihm das gewünschte Geld besorgen werde, vorher aber möchte er 12 Mark 40 Pfg. einsenden alsInformations- Gebühr". Der Mann sandte die verlangteInformations- Gebühr" ab und erhielt schon wenige Tage darauf einen weiteren Brief aus Pest mit der erfreulichen Mitthetlung, daß das Geschäft im Gange sei- er habe nur noch 10Mark 20 Pfg.Stempelgebühr" einzusenden, dann werde der Ab­schluß sofort erfolgen. Wirklich wurde auch diese Summe noch abgesandt. Die Rückantwort traf wiederum postwendend ein und bestand in einer Empfangsbescheinigung! Manche Leutewerden nie alle".

** Von der Witterung. Diejenigen, welche berufen und unberufen für dieses Jahr einen heißen Sommer prophezeiten, warten bis jetzt noch vergeblich auf die Erfüllung ihrer Vorhersage. Die erste Hälfte des Juni hat sich bis jetzt in unserer Gegend recht kühl angelassen. Bemerkenswerth ist, daß im höchsten Norden Europas schon seit längerer Zeit das schönste Sommerwetter herrscht. So hatte vorgestern früh 8 Uhr bei heiterstem Himmel Christiansund 12 Grad Wärme aufzuweisen, Petersburg 16, Moskau 12 und Haparanda gar 18, während bei uns die Maximaltemperatur schon seit Wochen sich höchstens auf 1314 Grad erhebt! In Newyork war der 11. Juni der heißeste Tag, dessen man sich erinnern kann. Die Temperatur stieg auf 90 Grad Fahrenheit im Schatten. Es kamen viele Fälle von Hitzschlag vor. Der Wetterbericht der Deutschen Seewarte verzeichnet schon seit Anfang dieser Woche: Aufklären wahrscheinlich diese läßt aber immer noch auf sich warten.

F. Aus dem Kreise Friedberg, 14. Juni. Der gestrige Viehmarkt zu Friedberg brachte mit die günstigsten Schweinepreise, welche wir seit längerer Zeit erzielten. Ein Nachbar des Einsenders brachte für 10 Stück Ferkel im Alter von 51j2 Wochen 246 Mark, sage und schreibe zwei- hundertsechsundvierzig Mark nach Hause. Ein anderer erzielte für 8 Stück sechs Wochen alter Ferkel netto 200 Mk. Die Dinger sind factisch nicht größer, als daß man eins bequem in die Rocktasche schieben kann. Für drei Monate alte Schweine zahlt man 70 bis 80 Mk. pro Paar und so graöattm weiter in Alter und Preis bis zu 120 Mk. Die Kartoffeln sind billig, daher die Schweine theuer- erstere haben zwar im Preise stark angezogen, das ist aber immer so kurz vor der Zeit, wenn es neue gibt. Die Aussichten hinsichtlich der

1894er Kartoffelernte sind recht gut. Das naßkalte Wetter, welches nun seit 14 Tagen anhält, äußert sich sehr nachtheilig auf das junge Geflügel, besonders auf dasjenige, welches noch weniger als halbwüchsig ist. Die Thierchen leiden an Ruhr und Rheumatismus und gehen zahlreich zu Grunde. Wer ihnen den Zutritt zu den warmen Kuhställen gestatten kann, sollte dies nicht versäumen, denn dadurch kann er sich manches Stück retten. An verschiedenen Orten wurde bereits vor acht bis zehn Tagen Heugras gemäht, welches sich als von großer Güte erwies. Das ununterbrochene Regenwetter hat das Futter leider arg verdorben.

Mainz, 14. Juni. Zum erstmaligen Besuch von Mainz traf heute Nachmittag unter Glockengeläute und Kanonen­donner per Schiff von Gernsheim kommend, der Groß­herzog von Hessen mit seiner jungen Gemahlin hier ein. Bürgermeister Dr. Gaßner war dem jungen Paare bis gegen Weisenau entgegengefahren und fand dorten die erste Begrüßung statt, bei welcher Bürgermeister Dr. Gaßner zum Oberbürgermeister ernannt wurde. Bei der Landung am Ufer fand Empfang durch die Militärbehörde statt, woraus der Großherzog nebst Gefolge unter Vorantritt einer Schwadron Husaren nach dem Bahnhofsplatz fuhr, wo an einer dorten errichteten Ehrenpforte, an welcher die Stadt­verordneten nebst einem reizenden Flor junger Damen Stellung genommen hatten, Oberbürgermeister Dr. Gaßner folgende Ansprache au das Großherzogliche Paar richtete: Eure Königlichen Hoheiten überbringe ich Namens der Stadt Mainz ehrerbietigen Gruß, Willkommen aus vollem Herzen'. Als wir die erfreuliche Kunde von der Verlobung Eurer Königlichen Hoheit, unseres geliebten und verehrten Landesherrn, vernahmen, eilte sich Mainz, jubelnd seine Glückwünsche auszu­sprechen, und unter denen, die am Vermählungstag Eure Königl. Hoheiten allen Segen auf die neugeschlossene Verbindung herabflehten, standen die Mainzer aufrichtigen Sinnes unter den Vordersten des Hessenlandes. Unsere Dankbarkeit und unsere Freude war daher eine herzliche und wahre, als die Nachricht von der Hierherkunft Ew. König!. Hoheiten zu unS drang. Und der Ehrentag für die Stadt Mainz ist ange­brochen: heute haben wir das Glück, unmittelbar, offen und laut unteren bewegten Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Es sind die Gefühle heißen Dankes für den Aller­höchsten Besuch, der Freude Ew. Königlichen Hoheiten begrüßen zu können und unsere Allergnädigste Groß­herzogin zum ersten Mal bewillkommnen und ihr unsere hohe Verehrung darbringen zu dürfen, es sind die ehr­erbietigsten Segenswünsche für die Zukunft Ew. Königlichen Hoheiten, es ist die rechte Versicherung unserer Aufrichtigkeit und steten Treue, die wir unserem Fürstenhaus halten und fürderhin unwandelbar bewahren werden. Ihre Königlichen Hoheiten unser Großherzog .und die Großherzogin leben hoch, hoch, hoch!" Unter herzlichem Händedruck erwiderte der Groß­herzog, daß es ihm leider zum längeren Aufenthalt in Mainz an Zeit fehle, daß er aber bald mit feiner Gemahlin für längere Zeit wiederkommen werde. Nach dieser Begrüßung fuhr das Großherzogliche Paar nach dem Palais, gefolgt von einem endlosen Zug der Stadtverordneten und der spalierbildenden Vereine und der gejammten Schuljugend von Mainz, die in Sonntagskleidung, Knaben wie Mädchen, Abzeichen, Fahnen und Blumen tragend, ein reizendes, farbenprächtiges Spalier gebildet hatte. Alle Straßen und Plätze, welche das Groß­herzogliche Paar passirt hatte, waren auf das Reichste geschmückt und von einer gedrängten Menschenmenge besetzt und allenthalben äußerten sich lebhafte Sympathiekundgebungen.

* Frankfurt a. M , 14. Juni. Der Schluß der Früh­jahrsrennen zu Frankfurt a. M. findet am nächsten Sonntag, den 17. Juni, Nachmittags 3 Uhr, statt. Auf dem Programm stehen diesmal sieben Nummern, darunter zwei Flach-, zwei Hürden-Rennen und 3 Steeple-Chascs. Alle Rennen werden gut bestritten sein und der Schlußtag den besten Sport des ganzen Frühjahrs bringen. Der Große Preis von Frankfurt", die bedeutendste Steeple- Chase, welche in ganz Süd- und Westdeutschland gelaufen wird und mit 6000 Mark an Geld und 5 Ehrenpreisen aus­gestattet ist, dürfte von 9 Pferden bestritten werden, wie man es bet uns noch nicht gesehen hat.

* Hanau, 13. Juni. Ein schreckliches Ende fand gestern das vierjährige Söhnchen des Bijouteriefabrikanten Schüler dahier. Das Kind stürzte beim Spielen im Hofe in ein dort stehendes Gefäß mit kochendem Waschwasser und wurde dermaßen verbrüht, daß es nach zweistündigem qual­vollen Leiden starb.

* Meiningen, 14. Juni. Ein Hoboist des 32. Regi­ments hat sich, angeblich weil er nicht befördert worden, heute Nacht mit einem Revolver erschossen.

* Berlin, 12. Juni. Ein mißverst andenes Theer- bad versetzte dieser Tage, wie diePost" erzählt, eine Bade-Anstalt in Aufregung. Ein Herr forderte ein Wannen­bad und verschwand in seiner Zelle. Nach etwa einer halben Stunde schreckte ein fürchterliches Läuten den Bademeister aus seiner Ruhe auf. Unheil ahnend stürzt er nach der Zelle, öffnet eilends die Thür und fährt entsetzt zurück. Eine teuflisch anzusehende Erscheinung bringt mit wilden Geberden auf ihn ein, bei näherer Betrachtung ein Mensch von Kopf bis zu Fuß mit Theer beschmiert, der ihm verzweifelt zürnst:So helfen Sie mir doch - es geht ja nicht wieder ab!" Allmählich klarte sich das Wunder auf. Der Badegast hatte ein ihm ärztlich verordnetes Theerbad nehmen wollen, sich zu diesem Zwecke eine Flasche Theer gekauft und mit ihrem Inhalt den ganzen Körper eingerieben. Dann hatte er sich wohl- gemuth ins Bad gelegt und geglaubt, daß sich nun alles in Wohlgefallen auflöfen würde. Wie groß aber war sein Schrecken, als er nach längerm bangen Harren sich davon überzeugte, daß sich kein Tüpfchen löste. Nun war guter Rath theuer. Man versuchte alles Mögliche, den Unglücklichen von der Theerkruste zu befreien, bearbeitete ihn mit Tüchern