sichtigung deS allgemeinen Wohles deS Vaterlandes. Angenehm habe es ihn in den letzten Tagen berührt, daß die Kampfweise der Gegner in den letzten Tagen eine erträglichere geworden sei. Dem Reichskanzler hält der Redner alsdann vor, daß das Wohl und Wehe der Landwirthschaft nicht abhänge von einzelnen landwtrthschaftltchen Ministern, sondern vielmehr von der Politik des Reiches. Die Landwirthschaft müsse zu Grunde gehen, wenn die Reichsregierung in ihrer Politik davon ausgehe, daß Deutschland ein Industriestaat sei. Falsch sei namentlich die Behauptung, Deutschland könne die Ge- tteloe - Einfuhr nicht entbehren. Dem gegenüber sei nichts leichter, als daß die deutsche Landwirthschaft alles productre, was der deutsche Consum benölhige. Falsch sei auch, daß der Roggenpreis von Rußland abhängig sei und sich nur nach dem Weltmarkt richte. Woher käme dann die Stärke der agrarischen Bewegung, welche sogar die patriotischen Conservattoen selbst überrascht habe? Nur von der Erkenntntß, daß die Interessen der Industrie der Regierung allen anderen Interessen vorangingen! Gehe der Vertrag durch, so halte <r das für ein nationales Unglück.
Abg. Graf Arnim (R. P.) tritt ebenfalls für den Antrag 9. Frege ein. Bet Berathung des rumänischen Handelsvertrages hätten auch die Anhänger der Handelsverträge, und auch die Regierung selbst, offen zugegeben, daß bet Roggen die Sache etwas anders liege, als bei Wetzen. Wenn jetzt im Gegensatz hierzu die Regierung behaupte, daß auch bet Roggen Rußland nicht domtnire, sondern der Roggenpreis nur vorn Weltmarkt abhänge, so sei das eine durch die Thatsachen widerlegte Behauptung, daß der Unterschied im Roggenpretse zwischen unverzolltem und verzolltem Roggen niemals mehr als 30 Mk. betragen habe, selbst nicht zur Zett des Kampfzolles von 75 Mk., wie v. Marschall behauptet habe, werde durch die tabellarischen Ausstellungen der Regierung selbst widerlegt, denn da biffertrten Mannheim und Amsterdam um 60 Mk. Wie die Börsen- vresse in Rußland selbst mittheile, lagerten dort große Vorräthe und Alles richte sich, um sie nach Deutschland zu werfen. Nach Allem stehe fest, daß der Roggenpreis sich nach Rußland richte und kein anderes Land zu so niedrigen Preisen liefern könne. Die kleinen Mühlen im Lande seien mit den großen Mühlen, welche russischen Roggen vermahlen, nicht mehr concurrenzfähtg, sie müßten eingeben, und die Bauern müßten deshalb den Händlern in die Hände fallen. Schon die bloße Aussicht aus den Vertrag habe die Preise gedrückt. Angesichts der 10 jährigen Dauer des Vertrags schwebe ihm das Bild von den Bauern und Gutsbesitzern vor, welche zum Proletariat derabsinken oder auswandern würden. Der Vertrag sei ein dunkles Blatt in unserer Geschichte. Und wer dieser Ansicht sei, habe die Pflicht, nicht zu pacttren, sondern nach seiner Ueberzeugung zu votiren. (Beifall rechts.)
Staatssecretär v. Marschall: Die Ausführungen beider Vorredner sowie der vorliegende Antrag characterisiren sich mit dem Worte: „fort mit dem Handelsverträge: es lebe der Zollkrieg!" Denn wenn Herr v. Stauby uns vorschlägt, wir sollten in neue Verhandlungen mit Rußland etntreten, um auf der Basis des Differentialzolles Vortheile von Rußland zu erlangen, so kann doch Herr von Staudy nur einen schlechten Scherz gemacht haben. Wie lange -der Zollkrieg dann dauern würde, sagen die Herren nicht, weil sie es selbst nicht wissen. Es kommt eben Alles daraus an, wer hält es am längsten aus? Eine solche Politik möchte ich mit dem Hazard- spiel vergleichen. Das kann ein einzelner Mann mit seinem Vermögen machen, nicht aber die Regierung mit den wichtigsten Interessen des Landes. (Verfall.) Heutzutage ist die Handelsvertrags- polittk drr General-Sündenbock für alle Gebrechen des Landes. Dabei ist aber der heutige Tiefstand der Preise die Folge davon, daß der liebe Gott uns zwei Jahre gute Ernte geschenkt hat und daß wir ferner in Folge unserer bisheriaen Politik und der Politik Anderer verhindert sind, auszusühren. Nicht das Ausland verdirbt uns die Preise, sondern wir dem Auslande. Wir haben in 2 Jahren an Roggen mehr producirt, als wir consumiren können. Daß uns der Differentialzoll von 7Vi Mk. nichts genutzt hat, giebt ja selbst Herr v. Staudy zu. Wie soll uns da der Zoll von 5 Mk. solchen Nutzen bringen, wie Sie es behaupten ? In Widerspruch zu den Herren muß ich wiederholt feststellen, daß auf den russischen Märkten zum Export nur 2 Mill. Pud bereit liegen, also nicht so „ungeheure Vorräthe", wie Sie behaupten? Es liegt das mit daran, daß das Gesetz über die Getreide-Reserven der Landgemeinden gerade in neuester Seit, seit dem 1891 er Nothstande, den Gemeinden zur Innehaltung auf das strengste eingeschärft worden ist. Lehnen Sie den Vertrag ab, so haben unsere Müller und unsere Landwirthschaft nichts: und unsere Industrie hat nebenbei die hohen Kampfzölle Rußlands. Dem Grafen Arnim muß ich dabei noch bemerken, daß unsere Berichte über die Verhältnisse in Rußland amtliche Eonsulats- berichte sind, und ich muß die Annahme zurückweisen, als ob da irgend welche Spcculationen dahinter steckten. Wenn Sie den Vertrag angenommen haben werden, so wird sich ja Herausstellen, daß die Landwirthschaft auch ohne den 5 Mk.-Zoll, bei dem 3'/, Mk.- Zoll bestehen kann!
Abg. v. Plo etz (cons.): Die Majorität im Laude ist gegen den Vertrag. (Große Heiterkeit.) Ja, die Herren auf der Linken sind allerdings niemals zu überzeugen. Bei Annahme des Vertrages würde Deutschland mit russischem Getreide überschwemmt werden, zumal die russische Production enorm gestiegen ist. Ein soz.-dem. Wochenblatt hat bereits die Stunde vorausgesagt, wo es mit den Herren Grundbesitzern zu Ende sein werde. Nun, diese Stunde wird allerdings bald kommen, wenn dieser Vertrag durchgeht. Mit der Getreide-Ueberschwemmung werde auch die Ueberschwemmung mit russischen Juden kommen, (Heiterkeit links) und ihm sei ein Bauer lieber, als 100 russische Juden. Gelangt der Vertrag zur Annahme, so ist zwar für uns „diese Schlacht verloren, aber die Ehre gerettet." (Beifall rechts.)
Abg. Schultz-Lupitz (Rp.) ist für den Vertrag. Die Ablehnung desselben würde die Mühlentndustrie rutniren, die doch der beste Abnehmer der Landwirthschaft sei. Ihm sei nicht bange um die deutsche Landwirthschaft; dieselbe werde aus der schlimmen Lage, in der sie sich befinde, wieder herauskommen. Aber der Bund der Landwirthe, der ihr den Frieden nehme und ihr den Eredit raube, schädige sie.
Abg. Berger (Ctr., Bayer) spricht Namens seiner engeren politischen Freunde für den Antrag Frege. Der deutschen Industrie werde am besten geholfen, wenn man ihr eine kaufkräftige Land- wirthschast verschaffe.
Abg. Graf Holstein (cons.) hat s. Z. für den österreichischen und die anderen Verträge gestimmt, um der Industrie Stabilität und damit eine bessere Periode zu bringen. Der Schwerpunkt lag jedoch damals in politischen Gründen. Inzwischen ist aber ein Preisrückschlag eingetreten, der unmittelbar an den österreichischen Vertrag anknüpste. Wer die Politik fortsetzt, der übernimmt daher eine Verantwortung von ungeheurer Tragweite.
Abg. Dr. Bachem ((Str.) spricht für den Vertrag. Der Differentialzoll von P/> Mk. (5 gegen 3Vs Mk.) nütze der Landwirthschaft nichts, da sogar anerkanntermaßen der Kampfzoll von 7'/, Mk. der Landwirthschaft nichts genützt habe. Und Angesichts besten sei es von Werth, die Unsicherheit, welche der Zollkrieg für alle Theile schaffe, endlich beseitigt zu sehen.
Angenommen werden zunächst die Positionen Flachs und Weizen.
Bei Position Roggen wird ebenfalls der Zollsatz von 31/? Mk. angenommen, nachdem zuvor der Antrag Frege u. Gen. (aus 5 Mk.) in namentlicher Abstimmung mit 205 gegen 151 Stimmen abgelehnt worden. Drei Elsässer enthielten sich ausdrücklich der Stimmenabgabe, während im Uibrigen die Parteien so stimmten, wie beim Artikel I. — Graf Herbert BiSmarck stimmte für den Antrag Frege.
Wie Roggen, so werden sodann auch die übrigen Positionen der Tarifnummer Getreide unverändert in der Höhe, wie sie im Vertrage festgesetzt sind, angenommen.
Bei Tarifnummer Holz rc. spricht sich nochmals Abgeordneter v. Hammerstein gegen den Vertrag aus, im Interesse verdeutschen Wa'des.
Abg. Kröber (südd. Volk-p.) bemerkt dem Vorredner, von der norddeutschen Holzverarbeitungsindustrie werde derselbe wenig Dank ernten, da diese Industrie zum großen Theile auf russisches Holz angewiesen sei.
Die Position Holz wird genehmigt.
Bei Position Fleisch rc. klagt Abg. Sali sch (cons.) über die Zunahme der Einfuhr russischer Fleischproducte, worauf Staats- fecretär v. Marschall ziffermäßig barlegt, daß bei diesem Artikel von einem Anwachsen der Einfuhr nicht die Rede sei.
Damit ist der deutsche Taris erledigt.
Zur Berathung stehen dann 'nur noch die Artikel 6 — Meistbegünstigung für beide contrahirende Theile — und Artikel 7, wonach neue innere Abgaben von den Maaren des anderen Staates nur in derselben Höhe wie von den inländischen Maaren erhoben werden dürfen.
Abg. Leuschner (Rp.) beklagt die Schädigung, welche einzelne Industrien, so die Kupferverarbeiiurgs-Jndustrien, durch den Vertrag erfahren. Ebenso die Landwirtkfichaft, welche schon so geschädigt sei, daß sie noch mehr gar nicht geschädigt werden könne.
Abg. Graf Kanitz (cons.) weist auf die Zollausfälle infolae des Vertrags hin und wünscht, daß bei deren Deckung die Landwirthschaft freigelassen werde.
Staatss cretär v. Marschall: Di« Herren befinden sich ja andauernd in einem vollkommenen W versprach. Entweder die Einfuhr wächst, wie Sie behaupten, bann können boch bie Zolleinnahmen des Reiches nicht darunter leiden; oder die Zolleinnahmen nehmen erheblich ab, dann kann doch von einer Ueberschwemmung mit russischen Maaren nicht bie Rede sein.
Artikel 6 und 7 werden genehmigt.
Zu dem Schlußprotocoll zum Zollreglement beklagt
Abg. Marcour (Ctr.), daß bei Schließung der Zollstellen an Feiertagen nicht auch auf die katholischen Festtage hinreichend Rücksicht genommen sei.
Geh. Rath Henle: An unserer russischen Grenze werden schon jetzt keine anderen Festtage begangen, als die im Schlußprotocoll verzeichneten.
Das Schlußprotocoll wird genehmigt, ebenso die über Finnland gewechselten Noten.
Damit ist die zweite Lesung des Vertrages beendet.
Morgen 12 Uhr: Fortsetzung der zweiten Etatsberathung (Zölle rc.) und dritte Berathung der Aushebung des Identitäts- Nachweises.
Verhandlungen der Zweiten Kammer der Landstände.
nn. Darmstadt, 13. März.
Unter dem Heutigen trat bie Zweite Stünbekammer zu einer etwa zwei- bis breitägigen Tagung zusammen. Das Haus ist nur mäßig besetzt.
Nach Verkündigung einer Reihe neuer Einläufe unb Berichtsanzeigen erfolgt bie Wahl ber beiben Präsidenten für die übrige Dauer ber Landtagsperiobe. Auf Antrag des Abg. Reinhardt-Worms unb im Einverstänbniß bes Hauses erfolgt bie Wahl burch Zuruf unb werben bie seitherigen Präsidenten Weber-Offenbach und Wolfskehl-Darmftabt einstimmig wiebergewählt. Beide Gewählten banken der Kammer für bas entgegengebrachte Vertrauen unb geben bie Versicherung ber größten Unparteilichkeit.
Nunmehr tritt bas Haus fh bie Berathung ber stattgehabten Wahlen ber Lanbtagsabgeorbneten, hier Gültigkeitserklärung berselben. Sämmtliche Wahlen werben für gültig, diejenige bes Abg. Kramer wirb einstimmig für ungültig erklärt unb ber Wahlprotest über bie Wahl bes Abg. O rbig- Gießen auf Antrag Metz-Gießen nochmals an ben Ausschuß zurückverwiesen, um in ber Angelegenheit, insbesondere wegen ber Staatsangehörigkeit bes Wahlmannes Passavant, nochmals genaue Erhebungen zu machen.
Die Verlängerung bes Finanzgesetzes erfolgt einstimmig auf weitere zwei Monate.
Staatsminister Finger beantwortet bie Interpellation bes Abg. Dr. Schröber über ben Reichsweinsteuer-Gesetz- entwurf bahin, baß ber Vertreter ber Regierung im Bundes- rath beauftragt worden sei, Stellung gegen die projectirte Einführung einer Reichsweinsteuer zu nehmen. Abgeordneter Dr. Schröder bankt ber Regierung für bie in biesem Sinne ergriffene Initiative.
Nunmehr tritt bas Haus in bie Berathung ber Anträge bes Abg. Ullrich unb Genossen unb bes Abg. Pennrich unb Genossen über bas Reichsgesetz ber Tabakfabrikat- unb Weinsteuer, sowie bes Abg. Haas in gleichem Betreff unb Frachtbrief- unb Quittungssteuer. Die Antragsteller wünschen, baß die Kammer die Regierung ersuchen möge, alle Mittel aufzubieten, um bie geplanten Steuern fern zu halten, event. zu Fall zu bringen. Der Ausschuß beantragt, bie Anträge sür erlebigt zu erklären. Gegen biesen Antrag sprechen bie Adgg. Pennrich, Metz-Gießen, Wasierburg, Schmidt, Dael von Köth, Jöst unb Haas, währenb bie Abgg. Friebrich, Heidenreich, Bergsträßer, Metz-Darmstabt unb Hechler sür ben Ausschußantrag eintreten, weil sie es nicht für richtig halten, baß sich das Haus mit noch nicht gelösten Reichssteuer- projeeten beschäftige. Staasminister Finger unb Finanzminister Weber theilen bie gleiche Ansicht. Hierauf wirb ber Antrag bes Ausschusses mit 22 gegen 17 Stimmen angenommen.
Morgen früh 9 Uhr Sitzung.
Nerreste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 13. März. Zu bem heutigen Diner beim Finanzminister Dr. Miquel erschien ber Kaiser um 7 Uhr. Unter ben Eingelabenen befanben sich hohe Reichs- unb Staatsbeamte unb Parlamentarier, barunter Erffa, Bennigsen, Hodrecht, Buol. — Wie bie Abenbblätter melden, ist der Präsident des Oberkirchenraihs, Barkhausen, zum Mit- gliede des Herrenhauses ernannt.
Nom, 13. März. Nach einer Meldung der „Agenzia Stefani" aus Rio be Janeiro bot Abmiral Salbanna ba Garna unter folgenben Bedingungen seine Capi- tulation an: Rückgabe der Forts und Schiffe der Aufständischen in der Bai und Auslieferung ber Gefangenen. Der Abmiral und die Offiziere ziehen sich unter dem Schutze der portugiesischen Regierung ins Ausland zurück. Den aufständischen Soldaten und Matrosen wird bas Leben gewährleistet.
Depeschen deS Bureau .Herold*.
Berlin, 13. März. Die Steuercommission des- Reichstages hat heute mit großer Mehrheit bie in ber Börsensteuervorlage vorgeschlagene Besteuerung von Quittungen, Checks, Giroanweisungen und Frachtpapieren abgelehnt.
Berlin, 13. März. Nach ber „Nordd. Allgem. Ztg." finden am 16. unb 17. März hier Besprechungen von Arbeitgebern unb Arbeitnehmern der Glasindustrie mit den Vertretern des Reichsamts des Innern und des Handelsministeriums über die für diesen Gewerbezweig ausgearbeiteten Bestimmungen für die Sonntagsruhe statt.
Wien, 13. März. Die „Polit. Corresp." meldet aus Rom, daß sich der Papst einer bedeutenden Persönlichkeit gegenüber kürzlich in sehr befriedigter Weise über die Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland ausgesprochen habe, wobei er betonte, daß diese Annäherung für die Befestigung des europäischen Friedens eine neue Garantie bilde.
Paris, 13. März. Der Anarchist Vernarb würbe gestern von bem Assisenhof in Montbrison wegen Aufreizung zum Mord zu einem Jahr Gefängniß unb 100 Francs Buße verurteilt. Derselbe war bereits nach einer früheren Ver- urtheilung flüchtig geworben unb hatte sich in ber Schweiz, in Italien und in Barcelona aufgehalten. Er würbe beschuldigt , an bem Attentat im Liceotheater in Barcelona theilgenommen zu haben.
Rom, 13. März. Wie von offiziöser Seite gemeldet wirb, finb alle circultrenben Gerüchte über angebliche Pläne ber Regierung, in ben Alpen neue Festungswerke zu errichten, welche 150 Millionen erforbern sollen, vollständig erfunden.
Abbazia, 13. März. Nachmittags 2 Uhr traf der Hofzug mit der Deutschen Kaiserin in Mattugli ein und war die Begrüßung überall eine enthusiastische. Nach der Begrüßung fuhren die hohen Gäste in Landauern nach Abbazia. Wie verlautet, wird der Aufenthalt des Deutschen Kaisers in Abbazia ebenfalls einige Wochen dauern, da auch er erholungsbedürftig ist.
Venedig, 13. März. Die „Gazette be Denetia" versichert, daß allen Dementis entgegen bie Entsenbung eines italienischen Escabres zur Begrüßung bes Kaisers von Oesterreich in Pola beschlossene Sache sei.
London, 13. März. In maßgebenden Kreisen mißt man ber Aeußerung Lorb Roseberrys, baß Englanb erst von ber Gerechtigkeit ber Homerule Bill überzeugt sein müsse, ehe bas Parlament bieselbe annehmen könne, bie größte Wichtigkeit bei. Die irischen Abgeorbneten geben ihrer Bestürzung barüber Ausbruck.
Sofia, 13. März. Der Zustanb der Fürstin hat sich wieder verschlimmert. Es ist ein operativer Eingriff nölhig geworden, da das Leben der Fürstin hart bedroht ist.
Rio de Janeiro, 13. März. Die brasilianische Regierung hat gestern dem diplomatischen Corps angezeigt, daß nach 48 Stunden der Kampf gegen die Insurgenten in Rio be Janeiro beginnen würde. Ferner ersuchte die Regierung durch Maueranschläge bie Bürger, bie Stadt zu verlassen, da das in Kurzem zu erwartende Bombardement der treu gebliebenen Forts auf die Jnsurgentenschiffe dcr Stabt gefährlich werben könne.
Cocales rrnd provinzielles.
Gießen, ben 14. März 1894
** Dem soeben erschienenen Jahresbericht des GrM Realgymnafinms und der Realschule ist beigegeben eine Abhandlung der Herren Realgymnasiallehrer Geiger unb Dr. Pitz über „Practische Hebungen zum mathematischen Unterricht." — Das Realgymnasium wurde im letzten Vierteljahr des Berichtsjahres besucht von 298 Schülern in 9 Klaffen, die Realschule von 298 Schülern in 9 Klaffen, die Vor schule von 134 Schülern in 3 Klassen. Die Gesammt- schülerzahl beider Anstalten einschl. Vorschule betrug sonach 681, im Vorjahre 685. Unter ben Schülern sind 531 Einheimische, 137 auswärtige Hessen, 61 auswärtige Reichsangehörige. Der Religion nach gehören an: ber evangelischen 634, ber katholischen 36, ber israelitischen 65. Von ben 13 Abiturienten bes Realgymnasiums zu Ostern 1894 wollen sich wibmen: dem Baufach2,demPostfach l,derChemie2,derCameralwiffenschaft5, ber Mathematik 1, ber neueren Philologie 2. Von ben Abiturienten ber Realschule im Herbst 1893 widmen sich 3 ber Kaufmannschaft, 1 bem Postfach. Die öffentlichen Prüfungen beginnen, nach am Donnerstag ben 15. März vorausgegangenem Schauturnen, am Freitag den 16. März, Vormittags 8 Uhr, bie ber Vorschule Nachmittags 2 Uhr und am Samstag ben 17. März, Vormittags 8 Uhr. Die An- melbungen neuer Schüler werben am 7. April, von 9 bis 12 Uhr Vormittags, im Schulgedäube entgegengenommen.
♦* Nach dem Jahresbericht der höheren Mädchenschule war ber Anfangsbestand während des am 10. April v. I- begonnenen Schuljahres in den Klassen I bis X 324, gegen 306 des Vorjahres; die Klassen 1 d bis 8d der erweiterten Schule wurden im gleichen Zeitraum von 233, gegen 244 im Vorjahre, besucht. Der Gesundheitszustand war im ver- floffenen Jahre kein guter, es kamen, besonders in den unteren Klassen, viele Erkrankungen an Scharlach, Diphtherie und Keuchhusten vor. Durch Todesfälle verlor die Anstalt einen Lehrer (Herrn Anbei) und zwei Schülerinnen. Lehrerin Frl. Dora Amend wurde neu in ben Dienst eingewiesen, bie Lehrer Herren Dr. Zimmer unb Kromm za Assessoren ernannt. Die Lehrmittel wurden theils durch Ankauf, theils durch Schenkungen erheblich vermehrt. Die Prüfungen der erweiterten Mädchenschule finden am Donnerstag den 15. März, diejenigen der höheren Mädchenschule am Freitag ben 16. März, Vormittags 9 Uhr beginnenb, statt. Das neue Schuljahr beginnt Montag ben 9. April, Morgens 8 Uhr, die Anmeldungen erfolgen an biesem Tage, Morgens von 10 bis 1 Uhr.


