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13/05/1894 Erstes Blatt
 
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Nr 110 Erstes Blatt.Sonntag den 13. Mai

totales unb provinzielles.

vietzeu, den 12. Mai 1894_

♦♦ ProviuzialauSschuh Sitzung. SamStag den 19. Mai. d. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im RegierungS« gebäude dahier eine öffentliche Sitzung des ProvinzialausschuffeS der Provinz Oberheffen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. RecurS des OrtSvorstandeS Alten-Buseck wegen Unterhaltung der Ortsdurchfahrt im Zuge der Kreisstraße DaubringenAlten-Buseck. 2. Klage des OrtsarmenverbandeS Warburg, sowie deSgl. des Orrsarmen- Verbandes Iserlohn gegen den Landarmenverband des Kreises Gießen wegen Unterstützung des hülfsbedürftigen August Stoppler auS Cöln. 3. Klage des OrtSarmenverbaudes Kaiserswerth gegen den OrtSarmenverband Ruhlkirchen wegen Unterstützung des Michael Simon auS Ruhlkirchen. 4. Klage des OrtSarmenverbandeS Eaffel gegen den Landarmenverbond des Kreises Lauterbach wegen Unterstützung deS Friedrieb Füllgrabe auS Abterode.

** In der letzten Sitzung der hiesigen mediciuifcheu Ge» fellfchaft widmete der Vorsitzende, Herr Professor Löhle'fu, dem am 20. März d. I. an Erysipel verstorbenen lang­jährigen Mitglied der Gesellschaft, Herrn Prof, extraord. Dr. Friedrich Birnbaum, warme Worte ber Erinnerung. Am 17. October 1833 in Freiburg i. Br. geboren, i» August 1858 in Gießen zum Doct. med. promovirt, hatte sich Birnbaum nach einer längeren Studienreise zum Be-

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Ausland.

Was will das werden?

zu werden.

Alle Innoium-Burreu; H In- und luilenk« n«#em eojtigtn für den«iegenrr Injcigtr" mtgtgaL

Einstweilen liegen über die betreffenden Entschließungen der maßgebenden Madrider Factoren noch keine Meldungen vor.

liulBt wen Anzeigen zu der l'a^mittagi für d«n tag erfchnaenden «umner dis Bern. 10 Uhr.

befunden. 1 Taschenmesser. 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Spazierstock, 1 Visitenkartentäschchen, 1 Brosche, 1 Peitsche, 1 Scheere, 1 Päckchen Haarnadeln und 1 Stück Sammtband.

Gießen, den 12. Mai 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Das ungarische Oberhaus hat am Donnerstag die Eivilehe-Vorlage nach nochmaligen stürmischen Der- Handlungen mit 139 gegen 118 Stimmen abgelehnt, also sein Votum gegen das Ministerium Wekerle abgegeben. In- folge dieser Niederlage ist Ministerpräsident Dr. Wekerle nach Wien abgereist, um dem Kaiser Vortrag über die entstandene Situation zu halten; darüber, ob Herr Wekerle hierbei zu­gleich die Demission seines gesummten CabinetS einreichen wird, lauten die Nachrichten indeffen noch unklar. Bei der ungarischen Opposition im Magnatenhause wie im Ab­geordnetenhause hat der Fall deS CivilehegesetzeS großen Jubel hervorgerufen und zwar nicht nur wegen des Scheiterns dieses kirchenpolitischen Gesetzes an sich, sondern auch wegen deS auS diesem Anlasse zu erwartenden Rücktritts deS Cabi­netS Wekerle. Dagegen herrscht in den liberalen Streifen Ungarns infolge der Entscheidung des Oberhauses große Er- regung, die sich namentlich in der Hauptstadt Budapest selbst durch Maffendemonstrationen gegen die oppositionellen Mag­naten und für die Regierung und deren Anhänger kundgibt.

Neueste Had^rid^cn.

Wolffs telegraphisches Eorrelvonden;- Bureau

Berlin. 11. Mai. DerNordd. Allgem. Ztg." zufolge haben die Verhandlungen der Landes-Kun st commisson

gierung soll fest entschlosien sein, nur dann in eine noch­malige Verlängerung des Handelsprovisoriums mit Spanien | einzuwilligen, wenn spanischerseitS bis zu dem genannten Zeit- i punkte bestimmte Garantien für das endliche Zustandekommen ; des deutsch-spanischen Handelsvertrages in denkbar kürzester , Frist geboten werden- andernfalls will Deutschland unverzüg- lich seinen autonomen Zolltarif gegen Spanien anwenden.

geordnete PernerStorfer griff hierbei die Regierung in heftigster Weise an und beschuldigte zugleich die betreffenben Behörden Deutsdrer Seid». I gröblicher Pflichtverletzung. Der Minister des Innern,

* Marquis Bacquehem, trat den Ausführungen PernerStorfers

Berlin, 11. Mai. Der BundeSrath ist mit seinen entgegen und erklärte, eS sei bereits eine strafgericht- Arbetten noch immer nicht zu Ende, vielleicht wird er auch ^che Untersuchung in Sachen der Ostrauer wie der Falkenauer

nach Pfingsten nochmals zusammentreten müssen. In der am Affaire eingeleitet worden Die weitere Debatte gestaltete

letzten Donnerstag abgehaltenen gewöhnlichen Plenarsitzung sich mc^r .u einer Erörterung über die Befugnisse deS

des BundeSratheS gelangten nur Gegenstände von nicht all- Parlaments in solchen Fällen. Die gesammten Verhand-

gemeinerem Interesse zur Erledigung. langen endeten nach mehrfachen Abstimmungen damit, daß

Das bestehende handelspolitische Provi- ejn Antrag des liberalen Abgeordneten Ruß, den Gewerbe- sorium zwischen Deutschland unb Spanien lauft auSschuß zu beauftragen, den Regierungsbericht über die in diesen Tagen, am 15. Mai, ab, eS muß sich nun auch Verhältnisse in den nördlichen Kohlengebieten entgegenzunehmen entscheiden, was dann weiter werden soll. Die deutsche Re-j unfo hierüber dem Hause zu berichten, einstimmig ange­nommen wurde.

So hieß eS am ersten Pfingsttage. Dort standen schlichte Männer vor dem Volk, so wunderbar, so gewaltig redend. DaS war eine neue Sprache. Allen, die sie hörten, ging eS durch» Herz. WaS ist baS? WaS will daS werden?

Schier zwei Jahrtausende sind vergangen, wir sehen'S jetzt, waS damals werden sollte. Großartig, unvergleichlich liegt die Geschichte der christlichen Kirche vor uns. DaS hat der Geist gechan, der in ihr lebt. Unaufhaltsam drangen feine Boten vor. Die Erde hatte keine Grenzen für sie. Unb die Geschichte bezeugt: in allen völkerbewegenben Stürmen, __________

in allen Geisteskämpfen war dieser Geist siegreich; trotz allen | Möglicherweise läßt sich Herr Wekerle noch zum Bleiben im Widerspruchs, trotz aller Feindschaft kann er nimmer unter- I Amte bestimmen, besonders, da er sich darauf stützen kann, gehen. DaS Evangelium ist die Wahrheit, daS Licht der tn der Frage des Civilehegesetzes die große Mehrheit Menschheit, der unvergängliche Leitstern der Völker. deS Unterhauses von Anfang bis zu Ende entschieden auf

WaS will daS werden? Auch heute möchten wir so I jeiner Seite gestanden hat. Sollte aber der jetzige leitende fragen. Schwer und bang liegt diese Frage über unserer Staatsmann Ungarns es doch vorziehen, zu gehen, so würde Zeit. Wie ein tiefer Seufzer ringt sie sich aus unserer I nachher für das Magyarenland sicherlich nur eine Zeit neuer Brust. Ein großer Riß ift's, der unsere Gesellschaft spaltet, I schwerer innerer'Krisen anheben, denn zur Zeit ist in Ungarn eine tiefe sociale Kluft, die sich aufthut zwischen den Söhnen I Niemand da, der den Dr. Wekerle an politischer Begabung unseres Volkes unb ber Völker. Dürfen wir theilnahmlos I wte an staatsmännischer Gewanbtheit unb Energie ersetzen zusehen, wie dieser Riß sich erweitert? Können wir, die I könnte, wie sich auch Niemand mit ihm an Popularität im Söhne unseres geliebten deutschen Volkes, dieser größten I ^nbe zu messen vermöchte. Am allerwenigsten dürfen aber gemeinsamen Noth uns verschließen? Hier liegt jetzt das I die Oppositionsführer im Unterhause, die ja schon seit Langem große Problem der Gegenwart, hier ist die schmerzlichste I darnach trachten, endlich einmal an die Regierung zu gelangen, Wunde, auS deren Wehe die bange, brennende Frage sich ! jhre Zeit nunmehr als gekommen halten- ein Cabinet Apponyi- erhebt: WaS will das werden? I Karoly ist angesichts der liberalen Mehrheit in der ungarischen

Niemand hat die Antwort. Aber darum nicht fürchten, I Volksvertretung noch heute wie schon zu den Zeiten TiSzaS sondern hoffen, denn noch lebt ber Geist der Pfingsten. Er I unmöglich.

mar ber rechte, sichere Führer der Völker, er wirb bie rechten I Die blutige Katastrophe von Polnisch Ostrau. Wege weisen auch unserer Zeit. Darin gerabe beweist er I JU welcher bie Strikebewegung unter ben Bergleuten bes seine Macht, baß er Menschen, bie geschieden unb in Selbst- I mährisch-schlesischen Kohlenreviere« geführt hat, stellt sich noch sucht getrennt waren, zusammenführt und eint. Die erste | umfangreicher heraus, als dies schon nach den ersten Nach- Pfingftgemeinschaft bleibt für alle Welt ein unvergleichliches richten hierüber zu erkennen war. Im Ganzen sind durch Zeichen harmonischer Gemeinschaft. Nur dieser Geist, nur I ö|e kugeln der Gensdarmetie 10 Personen gelobtet unb diese Kräfte können auch heute Heilung unb Versöhnung I 35 Personen schwer verwunbet worden- unter den Getödteten bringen. Wir blicken auf unsere neuen socialen Gesetze- I sollen sich nicht lediglich Bergarbeiter, sondern auch ein Kutscher mögen sie noch mancher Derbessernng bedürftig sein, sie nnd ein Dienstmädchen befinden. Ist dieser blutige Vorfall sind doch ein entschiedener Schritt vorwärts auf dieser hoff- | schon wegen der so großen Zahl von Opfern, die er forderte, nungSvollen Bahn'. Der Geist ber Ehrisienliebe, ber Der- | untcr allen Umständen tief bebauerlich, so wirb bieses Be- söhnung regt sich mit neuer Kraft im Staat, in Kirche unb I dauern burch bie kaum mehr zu bezweifeinbe Thatfache noch Gesellschaft. Die Aufgaben christlicher Mission, die unser vermehrt, baß bie GenSbarmen unb ihre Vorgesetzten mit Volk an sich selbst zu vollziehen hat, sinb gewachsen, aber bie I unnöthiger Schärfe vorgegangen sind. Wenigstens läßt sich Kraft dieser Mission, daran mahnt uns bas Pfingstfest,ach neueren Berichten über die Vorfälle in Polnisch-Ostrau ist dieselbe geblieben, die sie am ersten Pfingstfeste war: die I annehmen, baß bereu so blutiger AuSgang wohl vermieben Kraft der in Christo geoffenbarten Liebe, die uns treiben I worden wäre, wenn die GenSbarmen eine ruhigere und kalt­will, aus Liede zu Ihm, ber sein Leben für unS bahinzegeben blütigere Haltung beobachtet hätten. Im österreichischen Ab­hat, unsere Nächsten zu lieben als uns selbst. I georbnetenhause hat benn auch bas Blutbab von Polnisch-

Was will daS werben? Wer dieser Liebe folgt, der Ostrau zu einer sehr erregten Debatte geführt, die sich zu­zweifelt nicht, sondern glaubt, daß ber Geist Christi baS Felb g(c(^ über ben Conflict zwischen Arbeiter unb Gensbarmerie behalten wirb unb ringt banach, fein geheiligtes Werkzeug (n Falkenau a. b. Eger erstreckte. Der bemokratifche Ab-

mit bem gestrigen Tage ihr Tube erreicht. Gegenstände der Berathung waren: bie plastische Ausschmückung der Kaiser- Wilhelm.Gedächtnißkirchc, der Wettbewerb um den ©rurtnen zu Stettin, dessen Ausführung einstimmig Bildhauer Mangel zugefprochen wurde, die Ausmalung der Friedenskirche von Potsdam durch Professor Gefelfchap unb ber Ankauf von Kunstwerken auf der Kunstausstellung. Letzteres unterliegt bekanntlich ber Entfcheibung beS EultuSministerS.

Berlin. 11. Mai. DiePoft" bestätigt, baß beadsichttgt werbe, bei Samoa eine größere Anzahl Kriegsschiffe zusammenzuziehen. In erster Linie kämen bie in ben austra- Uschen Gewässern kreuzenben SchiffeFalke" unbBussarb" in Betracht, bann auch bie gegenwärtig in Südamerika ver­wandten KreuzerAlexandrine",Marie" unbArkona".

Berlin. 11. Mai. DerReichsanzeiger" veröffentlich: bas Gesetz über ben Hanbel mit Antheilen und Abschnitten von Loosen zu Privatlotterien unb Au«- spielungen.

Wien. 11. Mai. DaS Cistercienser-Stift Rein kaufte baS Gebiet ber Lueloch grotten an, vermuthlich behnss Absperrung. Der an ber Rettungsaction beteiligte Pfarrer Dr. GaSparitz unb Pater Bruno gehören dem Stifte an.

Budapest. 11. Mai. DemBudapester Corresp." zu­folge beantwortete ber türkische HanbelSminifter eine Anfrage der ungarischen Regierung, ob in Konstantinopel 1896 eine Ausstellung stattfinde, dahin, daß der Sultan mit Rücksicht auf die im gleichen Jahre in Budapest stattfindende Ausstellung, worin der Sultan selbst der hervorragendste Aussteller fein werde, die ursprünglich für 1896 in Kon­stantinopel geplante Ausstellung nicht zuließ, fonbern sich Vorbehalte, biefelbe ein ober zwei Jahre später stattfinden zu lassen.

Mährisch-Ostrau. 11. Mai. Die Ruhe wurde im Lause des Tages nicht gestört- ber Strike bauert fort. Im Hubertfchacht in Hruschau ist ein geringer Theil, im Haupt- fchachte in Orlan sinb 70 pCt. ber Belegschaft eingesahren. In Karwin sinb zwei Bataillone Infanterie eingetroffen, morgen trifft eine Escadron Dragoner ein. Der Strikeführer Kolarz würbe verhaftet.

Devefchen be* Bureau ,$)eroU)*.

Berlin. 11. Mai. Präsibent v. Levetzow erläßt eine Einlabung zu einer Sitzung bes ßentralcomiteß für das Bismarck-Denkmal auf ben 23. Mai, wo über die Platzfrage entschieden werden soll.

Mährisch-Ostrau. 11. Mai. Gestern kam es an ber preußischen Grenze zu einem Conflict, weil bie österreichischen Ausständigen aus Preußen kommende Arbeiter nicht über die Grenze ließen. Die Gendarmerie stellte bie Ruhe wieder her. Wahrscheinlich schließen sich heute bie Arbeiter der Larischgruben bem Ausstanbe an.

Pari*. 12. Mai. Gestern Adenb IP/2 Uhr fanb auf der Avenue Kleber ein Dynamitattentat statt. Die Bombe explobirte vor ber HauSthüre bes Sammtfabrikantet-. Massing, ber gerabe abwesenb war. Der Materialschaben blieb auf Thür unb Fenster beschränkt.