des jetzigen Commandeurs derselben, Generallieutenant Blecken v. Schmeling ist noch nichts bekannt.
Berlin, 8. Juni. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die Reichs einnahmen im Jahre 1893/94 aus den Zöllen betrugen Mk. 364,430,353 gegen das Vorjahr 13,486,775 weniger. Die Tabaksteuer brachte Mk. 11,788,650 (mehr 3639), die Zuckersteuer Mk. 79,567,692 (m. 5,606,908), die Branntweinmaterialsteuer Mk. 284,650,769 (mehr 352,824), die Brausteuer Mk. 26,648,065 (m. 848,224), in Summa Mk. 671,192,652 (m. 53,776,238), ferner ergab die Post« und Telegraphenverwaltung Mk. 256,466,748 (m. 9,880,307), der Stempel für Werthpapiere Mk. 4,166,208 (m. 515,290), für Kauf- u. Anschaffungsgeschäfte Mk. 8,164,790 (w. 1,155,477).
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz, betr. den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege.
Berlin, 8. Juni. Dr. Karl Peters hat anfangs voriger Woche seine Bestallung als Retchscommissar nebst Gewährung einer Gehaltserhöhung erhalten. Dr. Peters kehrt in absehbarer Zeit nicht nach Afrika zurück, sondern tritt in die Colonialabtheilung des Auswärtigen Amtes ein und wird als Vertreter der Regierung bei allen colonialen Verhandlungen mit Colonialmächten ausersehen.
Berlin, 9. Juni. Eine größere Anzahl bedeutender Industriellen drückte den Brauereien und Gastwirthen ihre Zustimmung aus zu den Maßnahmen gegenüber dem Boykott. Ein Großindustrieller stellte die Schließung seiner Fabrik, in der 800 Arbeiter beschäftigt werden, in Aussicht, falls der Kampf der Socialdemokraten gegen die Brauereien noch lange fortdauere. 16 Industrielle boten den ketheiligten Gastwirthen 600000 Mk. an, um mit den Brauereien Hand in Hand zu gehen.
Berlin, 9. Juni. Der gegen den Reichstagsabgeordneten Ahl warbt auf heute anberaumt gewesene Termin zur Hauptverhandlung wegen Beleidigung des Finanz- ministers ist aufgehoben worden, da der Minister, nachdem die in Frage stehende Angelegenheit durch den Proceß gegen Plack und Gen. vollständige Aufklärung gefunden, auf eine Bitte des Angeklagten den Strafamrag zurückgezogen hat.
Berlin, 9. Juni. Landgerichtsdirector Brausewetter hat nunmehr auch gegen den Chefredacteur der „Rat.-Ztg." und gegen den Verfasser des in diesem Blatte kürzlich erschienenen Artikels über die Vereidigung eines Zeugen im „Gummischlauch - Prozeß" durch Brausewetter Strafantrag wegen verläumdertscher Beleidigung gestellt.
Berlin, 9. Juni. Betreffs der Verhandlungen in der Untersuchungssache gegen den Kanzler Leist schreiben die „B. N. N.", es erscheine in betheiligten Kreisen jetzt schon feststehend, daß in Kamerun seit längerer Zeit bereits unhaltbare Zustände vorlagen,'es dürfe heute schon ausgesprochen werden, daß dem Auswärtigen Amte die Verantwortung zufällt, diese Zustände so lange ruhig geduldet zu haben.
Bochum, 9. Juni. Laut „Bochumer Anz." gerieth gestern auf Zeche „Dannenbaum" ein ausfahrender Förderkorb aus der Führung. Von 18 im Korbe befindlichen Jn- saffen wurden zwei getödtet, indem ihnen der Kopf vom Rumpf gerissen wurde, vier schwer und mehrere leicht verletzt.
Ausland.
Budapest, 9. Juni. Der Kaiser empfing heute Mittag Dr. Weker le in Audienz. Der Monarch behielt sich aber neuerdings seinen definitiven Entschluß vor, angeblich deshalb, weil der liberale Club in der Mittagssitzung beantragt hat, beim Kaiser nochmals auf die Beibehaltung Szilagyis im Cabinet hinzuwirken. Unter den Liberalen verlautet, Szylagyi werde nur unter der Voraussetzung in das Ministerium eintreten, daß er nach Durchdringung der ktrchenpolitischen Vorlage von seinem Posten wieder zurücktritt.
Czernowitz, 9. Juni. In Szamuszin sind zwei Cholerafälle vorgekommen.
London, 9. Juni. Die „Times" meldet aus Washington, daß Deutschland gegen daS Votum des Differentialzolles von J/i6 Cent auf das Pfund Zucker oiflB prämienzahlenden Ländern protestirt hat. Wenn der Zoll ausrechterhalten werde, wolle Deutschland Repressalien gegen amerikanische Producte ausüben.
Constantivopel, 9. Juni. Die Meldung verschiedener Blätter über das Auftreten der Cholera in Constantinopel wird von competenter Seite für unrichtig erklärt.
Neueste
Wolffs telegraphisches Correspondenz- Bureau.
Berlin, 10. Juni. Der Minister des Innern hat, wie die „Post" hört, den Polizeipräsidenten aufgefordert, einen Bericht einzureichen über denBerlinerBrauereiboykott. Der Bericht soll alsdann Sr. Majestät dem Kaiser auf eigenen Wunsch überreicht werden.
Brüsiel, 10. Juni. Die Abstimmung über den Antrag des Finanzministers, an die Spitze der nächsten Tagesordnung den Gesetzentwurf betreffend die Eingangszölle zu setzen, wurde gestern in der Repräsentantenkammer dadurch unmöglich gemacht, daß die Liberalen den Sitzungssaal verließen. Die Liberalen scheinen entschlossen zu sein, sich den Sitzungen fernzuhalteu, wenn die Kammern nach dem 12. Juni noch tagen sollten, und sich dadurch dem Tagen nach dem 12. Juni, das sie für nicht-constitutionell halten, zu widersetzen.
Petersburg, 10. Juni. An Cholera erkrankten bezw. starben: Vom 20. Mai bis 2. Juni in Warschau 19 bezw. 13 Personen, im Gouvernement Tula 5 bezw. 1; vom 27. Mat bis 2. Juni in den Gouvernements Warschau 58 bezw. 27, Petrikau 1 bezw. 1, Radom 3 bezw. 1 - in Kowno erkrankte 1 Person- vom 20. bis 26. Mai in Plotzk 56 bezw. 33- vom 24. bis 30. Mai kam in Podolien kein Cholerafall vor.
Pest, 11. Juni. Die Ernennung der neuen Minister ist vollzogen. Fejervary übernimmt provisorisch das Portefeuille des Ackerbauministeriums.
Locales uttfc
Gießen, den 11. Juni 1894.
** Schwurgerichtsverhandlung vom 9. Juni 1894. (Fortsetzung.) Netscher veräußerte im Hausirhandel die mitgenommenen Waaren. In Klein-Steinheim und Hanau will er sein Pferd und seinen Wagen wegen der theueren Futterpreise an einen ihm nickt bekannten Hausirer um 140 Mark verkauft haben. Die Waaren habe er dann in zwei Ballen verpackt nach Offenbach per Bahn geschickt und sie dorten im „Darmstädter Hof" in einem gemieteten Zimmer untergebracht. Er wollte die Waaren nach und nach in Wirths« Häusern umsetzen. In Offenbach hielt sich Netscher vom 10. November bis 16. December auf. Er hatte die mitgebrachten Waaren in dieser Zeit vollständig verkauft, zum geringen Theil auch in dem städtischen Pfandhause versetzen lassen. Der Verkauf erfolgte in Wirths- und auch in Privat- Häusern durchweg weit unter dem wahren Werthe der Sachen. Behülflich waren ihm beim Absetzen der Waaren die Handels» teilte Maus und Jung, die er in Wirthshäusern kennen lernte. Diese machten ihn mit Kauflustigen bekannt und schlossen auch selbstständig und in seinem Auftrage Händel ab. Der Ge« sammtwerth der von Netscher in Offenbach veräußerten Waaren betrug, soweit dies ermittelt werden konnte, 743 Mk. Das Geld, das er aus dem Verkauf der Waaren sofort baar erlöst hatte, verwandte er zum Theil für sich, um seine Lebensbedürfnisse zu bestreiten. Er hatte aber auch der Ehefrau seines Stiefsohnes Philipp Molter, Josephine Molter in Würzburg, sehr erhebliche Summen zugeschickt. Letztere lebt mit ihrem Mann im Eheschetdungs-Proceß, hatte im October 1892 Friedberg verlassen und sich nach Würzburg zu ihrer Mutter begeben. Bet der Trennung erhielt sie von Netscher zur Abfindung für ihre in dessen Geschäfte etwa ein halbes Jahr lang geleisteten Dienste 120 Mark, außerdem Möbel im Werthe von etwa 80 Mk. Damit sollte sie entlohnt sein. Nichtsdestoweniger hatte Netscher ihr im August, October und November noch nach Würzburg die Summe von 380 Mk. geschickt, außerdem für sie an Kosten des Ehe- scheidungsprocesses gegen ihren Ehemann an Rechtsanwalt Seyd in Friedberg 130 Mark. Hiernach betrug der den Gläubigern Netschers erwachsene Schaden iw Ganzen etwa 1300 Mk. Netscher hatte weiter seine Handelsbücher so unordentlich geführt, daß sie keine Uebersicht seines Vermögensstandes gewährten, auch die vorgeschriebene Bilanz nicht gezogen. Die Geschworenen (Obmann: Herr Wilhelm Plank II.) bejahten die an sie gerichteten Fragen, worauf der Gerichtshof den Angeklagten wegen betrügerischen Bavkerotts unter mildernden Umständen in eine Gefängnißstrafe von einem Jahre und drei Monaten unter Anrechnung von vier Monaten Untersuchungshaft verurtheilte.
* * Schwurgerichtsverhandluug vom 11. Juni 1894. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Johannes Friedrich von Angenrod wegen Meineids und Johannes Bernhard I. von da wegen Verleitung zum Meineid. Die Anklage wird vertreten durch Großh. Ersten Staatsanwalt Jöckel, den Angeklagten Friedrich vertheidigt Herr Rechtsanwalt Dr. Fuhr, den Angeklagten Bernhard Herr Rechtsanwalt Holzapfel, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren Johannes Kromm I., Ludwig Schadeck II., Emil Willems, Johann Georg Schmidt, Johannes Seim, Johannes Schepp I., Gustav Friedrich Patz, Johannes Schwarz III., Johannes Weber V., Friedrich Herdt, Wilhelm Balser und Heinrich Wilhelm Bender II. Der Dienstknecht Johannes Friedrich von Angenrod steht unter der Anklage, daß er am 8. Mai 1894 vor Großh. Strafkammer zu Gießen in der Strafsache gegen Heinrich Bernhard III. und Genossen von Angenrod wegen Körperletzung den vor seiner Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt habe - Johannes Bernhard I. von Angenrod dagegen, daß er den Johannes Friedrich zur Begehung eines Meineids vorsätzlich bestimmt habe. — Die heutige Verhandlung ergab im Wesentlichen Folgendes: Johannes Bernhard I. war gleich seinen Eltern und seinem Bruder Karl Bernhard von Angenrod wegen Körperverletzung des Ludwig Meyer von Angenrod, in Gemeinschaft und mittels gefährlicher Werkzeuge verübt, durch Urtheil Großh. Schöffengerichts Alsfeld vom 6. November 1893 verurtheilt und in eine Gefängnißstrafe von sechs Monaten verfällt worden, nachdem durch den Verletzten und eine größere Anzahl von Zeugen die Schuld desselben festgestellt worden war. Gegen dieses verurtheilende Erkenntniß erfolgte von Johannes Bernhard I. mit seinen Angehörigen die Berufung und fand der Verhandlungstermin am 8. Mat l. I. vor Großh. Strafkammer statt. In diesem Termin wurde von Johannes Bernhard I. als Entlastungszeuge Johannes Friedrich von Angenrod sistirt und sagte dieser nach vorheriger Eidesbelehrung und Meineidsverwarnung eidlich aus, daß Ludwig Meyer, sein Schwager, den Johannes Bernhard I. bei dem zwischen beiden stattgehabten Streite zuerst mit einem Prügel geschlagen habe. Diese Aussage stand in directem Widerspruche mit den eidlichen Aussagen der übrigen bei dem Vorfälle anwesenden Zeugen und wurde derselben keinerlei Glauben betgemessen. Die Strafkammer verwarf dem Anträge der Staatsanwalschaft entsprechend die Berufung des Johannes Bernhard I. und seiner Angehörigen, ferner erließ sie Haftbefehl gegen Johannes Friedrich wegen Meineids und Johannes Bernhard I. wegen Verleitung hierzu. Schon am anderen Tage ließ sich Friedrich der Staatsanwaltschaft gegenüber zu dem Geständntß herbei, daß er es nicht gesehen habe, daß Ludwig Meyer den Johannes Bernhard geschlagen und daß er diese unwahre Angabe gegen besseres Wissen auf Zureden und Anstehen des Johannes Bernhard gemacht habe- dieses Geständntß hat er auch heute aufrecht erhalten.
(Fortsetzung folgt.)
* * Schwurgericht. Nachdem die Acten vom Reichsgericht zurückgelangt sind, wird die nochmalige Verhandlung gegen Bonifacia Brühler von Oberfeld wegen Mords Mittwoch den 13. l. Mts., Vormittags 9 Uhr stattfinden.
* * Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß- h erzog empfingen am 9. Juni u. A. den Oberstlieutenant v. Wartenberg, etatsmäßigen Stabsoffizier im Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116.
* * Das Personal-Bestands- Verzeichuiß der Univerfit'äl ist soeben erschienen und zum Preise von 20 Pfg. bei Herrn C. v. Münchow zu haben.
* * Stabsarzt Dr. Proelß vom Infanterie - Regiment Kaiser Wilhelm ist am SamStag in Berlin, wohin er auf kurze Zeit beurlaubt war, an Hirnhautentzündung gestorben. Der Verstorbene war sowohl im Regiment, wie in allen Kreisen der Civilbevölkerung sehr beliebt.
* * Gießener Zitherclub. Das gestern vom Citherclub arrangtrte Volksfest erlitt trotz dem fast ununterbrochenen Regenwetter nicht die geringste Einschränkung. Der bedeutend vergrößerte Gärten war verhältnißmäßig gut besetzt. Als der Regen zu arg herniederrieselte, schaffte man aus den Carousseltüchern eine Ueberdachung da, wo die Sitzplätze nicht von den Bäumen gedeckt waren. Die verschiedenen Be- lusttgungsbuden erlitten trotz dem Regen ebenfalls keine Unterbrechung. Am meisten frcquenttrt war die Bayerische Original-Restauration „zum Münchner Kindl", welche von einer feschen bayerischen Kellnerin in Nationalcostüm bedient wurde. Daselbst musicirte eine Italienische Concert«Gesellschaft in National - Costüm mit ziemlichem Erfolg. Daß das Unwetter auch die gute Laune £ber Theilnehmer nicht beeinträchtigte, ersah man aus der Besetzung des völlig freiliegenden Tanzbodens, der trotz dem immerwährenden Regenwetter überfüllt war. Ein weniger freundliches Gesicht zeigte der Festwirth, denn der Bierumsatz war durch die kühle Temperatur selbstverständlich ein nicht sehr großer. Heute Morgen von 10 Uhr an concertiert die Festcapelle (ein Theil der Capelle des Großh. Hess. Feld-Artillerie-Regiments Nr. 25) auf dem Festplatz. Abends 6 Uhr findet eine Wiedereröffnung der Belustigungsbuden und der Tanzbelustigung statt. Zum Schluß folgt Abbrennen eines Riesen- Brillant-Feuerwerks.
* * DaS 22. Gauturnfest in Marburg hatte schon am Samstag Abend wesentlich unter der Ungunst des Wetters zu leiden, trotzdem war der Besuch von turnerischer Seite ein außerordentlich starker. Sonntag Morgen zeigte sich der Himmel etwas günstiger und so konnte das Einzelwettturnen programmmäßig abgehalten werden, ja hierzu war gerade die eingetretene Kühle sehr günstig. Auch hierbei war die Betheiligung eine entsprechende, 144 Turner waren zum edlen Wettstreite angetreten und wurden im Allgemeinen sehr günstige Resultate in der turnerischen Ausbildung erzielt. — Conrad Günther vom Marburger T.-V. errang mit 697« Punkten den 1. Preis- ihm folgte mit nur einem Punkt Differenz, also mit 687s Punkt, Wilh. Ziegler vom T.-V. Gießen mit dem 2. Preis, den 3. Pr. mit 65 P. erhielten die Turner Wilh. Honen, Bad-Nauheim, L. Hammel, Männer- T.-V. Gießen, Georg Nesseldreher, T.-V. Heuchelheim, den 4. Pr. mit 612/b P. Hch. Cramer Ak. T.-V. Marburg, den 5. Pr. mit 6O’/6 P. Hch. Fischer, T.-V. Marburg, den 6. Pr. mit 592/3 P. Emil Marx, T.-V. Gießen, den 7. Pr. mit 5972 P- Louis Kracht, Wetzlar, und Emil Steinmetz, Usingen, den 8. Pr. mit 5876 P. Hch. Weller, M.-T.-V. Gießen, den 9. Pr. mit 57 76 P. Paul Schüler, Wetzlar, und Albrecht Simon, Wetzlar, den 10. Pr. mit 567e P« Otto Bergen, M.-T.-V. Gießen und Hch. Peter, T.-V. Marburg, den 11. Pr. mit 56 P. Ph. Höffel, T.-V. Gießen. Weitere Preise erhielten von Gießener Turnern: den 13. Pr. mit 54 P. Hern.. Kröcker, den 17. Pr. mit 53 P. Heinr. Pieper, beide vom Turnverein, den 20. Pr. mit 52 P. Fr. Nennftiel, den 21. Pr. mit 505/g P. Adolph Schäfer, den 22. Pr. mit 507e P- Fr. Otto, alle drei vom Männer- Turnverein, den 24. Pr. mit 495/g P. Carl Weidig, den 29. Pr. mit 485/e P- Wilh. Brühl, beide vom Turnverein, den 34. Pr. mit 475/e P- Wilhelm Krämer, Männer-Turnverein, den 54. Pr. mit 42 P. Carl Ziegler, Turnverein, den 56. Pr. mit 41 P. Th. Baumann und den 59. Pr. mit 40 P. Chr. Franz, beide vom Männer-Turnverein. — Der Nachmittag stattgefundene Festzug war vielfach durch anhaltendes Regenwetter beeinflußt, welches nach Eintreffen desselben auf dem Festplatze noch zunahm, so daß sich der Turnplatz in Pfützen verwandelte und das Musterriegenturnen zum Schaden unserer Turnsache ausfallen mußte. Möchten alle unsere Gießener rüstig und eifrig weiter turnen, eingedenk des im nächsten Jahr abzuhaltenden Kreisturnfestes. „Gut: Heil!"
* * Der Getreidemarkt. Der Stand des Getreidemarktes ist noch immer ein ziemlich mißlicher. Allerdings machte sich im Laufe der jüngsten Berichtswoche an verschiedenen Plätzen eine etwas günstigere Tendenz bemerklich, dieselbe war indessen nicht von längerer Dauer. Denn schließlich sanken die Preise für die Hauptartikel auf das tiefe Niveau der Vorwoche zurück, auch die erzielten Umsätze waren im Allgemeinen nicht sonderlich erheblich. Vom Auslande sind zwar in den letzten Tagen ziemlich günstig lautende Berichte eingegangen, ob dieselben indessen auch auf den einheimischen Getreidemarkt endlich belebend einwirken werden, das bleibt zum Mindesten noch abzuwarten. Preisnotirungen an der Berliner Productenbörse: Weizen per 1000 Kilogramm 123 bis 133 Mk., Roggen 105 bis 114 Mk., Gerste 90 bis 105 Mark, Hafer 126 bis 162 Mk.
* * Zur Getreideeinfuhr. Die Getreideeinfuhr in das deutsche Zollgebiet ist nach den amtlichen Ausweisen in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres erheblich größer als in derselben Zeit des Vorjahres gewesen. Beispielsweise hat die Einfuhr von Roggen 1894 893098, 1893 422475 Doppelcentner, von Weizen 1894 2410862, 1893 2177 829 Doppelcentner, von Gerste 1894 3197 366, 1893 1963818 Doppelcentner betragen. Ein großer Theil dieser Mehrein-


