Ausgabe 
12.5.1894 Erstes Blatt
 
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Siehe«, den 11. Mat 1894.

** Für die am 4. Juni 1894 unter Vorsitz des Großh. Landgerichtsrath Scriba beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts wurden die Namen folgender tzauptgeschworeneu für die Spruchliste gezogen: 1. Johannes Seim in Heidelbach. 2. Wilhelm Balser in Büdingen. 3. Johannes Schepp I. in Pohlgöns. 4. Konrad Schmidt in Ermenrod. 5. Ludwig Schön in Staufenberg. 6. Johannes Schwarz III. in Rutters­hausen. 7. Heinrich Wilhelm Bender in Hungen. 8. Johannes Hensel in Dortelweil. 9. Ludwig Lang in GroßewLinden. 10. Wilhelm Plank II. in Gießen. 11. August Montanus in Gießen. 12. Friedrich Herdt in Altenburg. 13. Peter Stein in Climbach. 14. Gustav Patz in Gießen. 15. Johannes Weber V. in LanggönS. 16. Heinrich Emil Schneider in Alsfeld. 17. Jacob Nicolaus T. in Steinbach. 18. Friedrich Grebe a. d. Erbacher Hof. 19. Albert Kaufmann in Gießen. 20. Karl Wilhelm Wallenfels in Gießen. 21. Ludwig Schadeck II. in Lollar. 22. Friedrich Keil in Melbach. 23. Heinrich Hermann Bausch in Nieder-Wöllstadt. 24. Emil WillemS in Grünberg. 25. Johannes Wilhelm Stein in Hopfgarten. 26. Heinrich Sehrt II. in Bernsfeld. 27. Adam Jacob in Eichenrod. 28. Johannes Georg Schmidt in Klein- Linden. 29. Johannes Kromm I. in Schotten. 30. Otto von Helmolt in Fauerbach.

** Oberhesfischer Geschichtsverei«. Am dritten Pfingst- feiertage, Dienstag den 15. Mai, unternimmt der Mar­burger Geschichtsverein, günstiges Wetter voraus­gesetzt, einen Ausflug nach Schloß Etsenbach bet Lauter­bach und hat den Oberhessischen Geschtchtsverein zur Betheiligung freundlichst eiugeladen. Der Besuch des alter- thümlichen Schlosses, dessen Sehenswürdigkeiten den Thetl- nehmern von den Besitzern, Fretherrn von Rtedesel, zugänglich gemacht werden, wird ohne Frage für den AlterthumSfreund ein sehr genußreicher sein. Der Marburger Verein trifft 7 Uhr 50 Min. Vormittags in Gießen ein; um 8 Uhr 20 Min. folgt die Fahrt nach Lauterbach. Für die Rückkehr ist der Fuldaer Abendzug in Aussicht genommen.

** Pfiugst-Reiseverkehr. Auf der Strecke Köln-(Deutz)- Gießen werden morgen (Samstag den 12. Mat) außer den auf dem Plakatfahrplan aufgeführten Sonderzügen nachstehende Sonderzüge gefahren: Gießen ab 6 Uhr 10 Min. Abends, in Wetzlar 629 , in Dillenburg 718, in Betzdorf 827, in Eitorf 935, in Siegburg 1000, in Köln 1050; Deutz ab: 12 Uhr 18 Min. Mittags, Siegburg l08, Eitorf l39, Betz­dorf 246, Dillenburg 355, Wetzlar 441, Gießen an 457. Die Züge halten außer auf den obenbezeichneten Stationen auf allen Zwischenftationen und führen 1.4. Wagenklasse.

** Streit. Gestern Abend kam es zwischen einem Haus­besitzer in der Hundsgaffe und seinem Miether zu einem Streit, wobei letzterer eine stark blutende Kopfwunde davontrug. Schon seit einigen Tagen wurden zwischen beiden Familien, weil dem Miether gekündigt worden war, alle möglichen Liebenswürdig­keiten ausgetauscht- der gereizte Hausbesitzer schlug endlich mittelst eines Messingleuchters auf den Miether ein. Auch die beiden Frauen blieben nicht unthätig- sie brachten durch ihr Geschrei einen Menschenauflauf zu Stande.

** Verhaftet wurden gestern drei Personen wegen Bettelns und ein junges Bürschchen wegen Entwendung von Cigarren.

** Ei« Bad im Schoorgrabe« nahm gestern Abend ein Mann, welcher anscheinend des Guten etwas zu viel ge­nommen. Taucherübungen, wie böswillig gesagt wird, wollte der Mann nicht vornehmen, er konnte nur nicht mehr allein heraus und mußten ihm Arbeiter zu Hilfe kommen.

** Darmstädter Frühjahrspferdemarkt. Bet der vorgestern Nachmittag 5 Uhr stattgefundenen Verloosung fielen die ersten 19 lebenden Gewinne der Reihe nach auf folgende Loosnummern: 16,389, 16,180, 22,511, 15,586, 758, 14,062, 16,219, 35,842, 26,530, 7954, 1727, 1400, 35,331, 24,534, 33,899, 12,332, 26,876, 2569, 2761.

** Die fechswöchentliche militärische Uebung für Volks- fchullehrer beginnt in diesem Jahre am 29. Juni und wird am 9. August beendet sein. Die betreffenden Militärpflich ttgen werden wieder zu einigen Lehrer-Compagnien zusammen­gezogen werden, nachdem sich diese Einrichtung im vorigen Jahre zu allseitiger Zufriedenheit bewährt hat.

** Vorsicht bei Verwendung von Wechselstempeln! Bei einem in Speyer unter Prorest eingegangenen Wechsel war die verwandle Stempelmarke 11 Millimeter vom Rande ent­fernt aufgeklebt, weßhalb der Wechsel seitens der Steuer­behörde als nicht gestempelt angesehen worden ist. Eine Strafverfügung über den fünfzigsachen Betrag der hinter­zogenen Stempelgebühr von 10 Pfg. also 5 Mk. für jeden der Betheiligten war die Folge. Die angetragene richterliche Entscheidung hat in zweiter Instanz die Ansicht der Steuerbehörde bestätigt mit der Begründung, daß die Gesetzesvorschristunmittelbar an einem Rande" buchstäblich auszulegen sei. Hiernach Müsse sich der Rand der Marke und des Wechsels genau decken. Jedenfalls mahnt dieser Fall von Neuem, in der Befolgung der Wechselstempel-Vorschriften ganz correct zu verfahren.

** Gebildete« Jungfrauen, Frauen und Wittwen im Alter von 20 bis 40 Jahren wird durch den soeben begründeten Evangelischen Diaconiaverein" Gelegenheit geboten, die Krankenpflege zu lernen. Denjenigen, die die Kranken­pflege zu ihrem Lebensberufe machen wollen, öeimittelt und sichert der Verein zugleich ihre Anstellung, die volle Freiheit und Selbständigkeit ihnen gewährleistend. Die Ausbildung findet imDiaconia-Seminar" statt, welches mit dem städtischen Krankenhause zu Elberfeld verbunden wird. Unterricht, Wohnung und Kost kann während des einjährigen Curses zunächst ganz unentgeltlich angeboten werden, ohne daß damit für später irgendwelche Verpflichtung übernommen wird; auch der Austritt steht jederzeit frei. Der Vorsitzende des

Vereins, Prof.vr. Z immer, Director des Prediger-Seminars in Herborn, Regierungsbezirk Wiesbaden, ist zu näherer Aus­kunft gern bereit.

** Warnung! Vor dem Ankauf von Prämieuloosen in Raten oder gar Antheilen von solchen ist in der Presse schon wiederholt gewarnt worden. An sich ist der Handel mit Loosen, sofern sie vor Inkrafttreten des Gesetzes vom Juni 1871 ausgegeben sind, erlaubt- ebenso auch mit aus­ländischen, wie z. B. Barletta- und finnländtschen Loosen, wenn sie abgestempelt sind. Ein großer Theil der Loose wird auch an der Börse gehandelt. Mit dem Ratengeschäft aber befassen sich nur Bankiers der untergeordnetsten Gattung, die vielfach nicht einmal im Besitze der Werthpapiere find, über die sie den Käufern Bezugscheine avsstellen. Sie über­schwemmen mit Agenten das platte Land und kleine Städte und versetzen die Käufer, in Börsensachen unerfahrene Leute, in Jrrthum über die Gewinnaussichten, namentlich durch Fassung der Bezug- oder Verkaufsscheine. Der Käufer macht unter allen Umständen ein sehr schlechtes Geschäft, da er die Loospaplere durch Vermittelung eines soliden Bankgeschäfts viel billiger an der Börse kaufen kann.

** Kirchliche Dieustuachrichten. Ueber den Besitz der nach Art. 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchenamtes nothwendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich der Candidaten der evangelischen Theologie: Friedrich Axt aus Elsheim, Jakob Biegler aus Nidda, Karl Bolitsch aus Aulen- Diebach, Wilhelm Fress en tu s aus Gießen, Albrecht Hart­mann aus Auerbach, Adolf Kalb Henn aus Burg-Gräfen- rode, Georg Koch aus Schwanheim, Ludwig Krauß aus Nauheim, Kreis Groß Gerau, Otto Schäfer aus Laubach, Konrad Schlunk aus Gambach, Gustav Schuck aus Buben­heim, Karl Stotz aus Gießen, Heinrich Wagner aus Lich und Johannes Scherf aus Darmstadt.

** Erledigte Lehrerstelle. Erledigt ist: eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Volksschule zu Offenbach mit einem Ansangsgehalt von 1200 Mk. jährlich. Dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Btrstein steht das Präsen­tationsrecht zu derselben zu.

i Verrrris<htes.

Ms. Kassel, 10. Mai. Einhessischer Jurist" veröffent­licht in der hiesigen Localpresse Folgendes: Es wird seit vielen Jahren von allen Seiten und von allen Parteien über folgende Mißstände in Deutschland besonders geklagt: 1. Die Zunahme der Verbrechen an Zahl und an Rohheit- 2. Die Uebersüllung der Gefängnisse und Zuchthäuser- 3. Die Concurrenz dieser An­stalten für das freie Handwerk und die freie Industrie- 4. Die geringe Rentabilität unserer Colonien. Alle diese vier Uebelstände könnte man mit einem Schlage, wenn auch nicht ganz, abstellen, so doch wesentlich verbessern also gewissermaßen vier Fliegen mit einer Klappe schlagen wenn sich nach wohlerwogener ge­setzlicher Vorlage und nach reiflicher Berathung der Reichstag dazu entschlösse, deutsche Straf Colonien in Afrika oder Neu- Guinea anzuiegen. Hierdurch würde erreicht: 1. Eine Ver­minderung der Verbrechen durch die Abschreckung vor dem Aufenthalt und den Arbeiten in den Colonien- 2. Eine Ent­lastung der Gefängnisse und Zuchthäuser in Deutschland- 3. Ein Aufschwung des freien Handwerks und der freien Industrie- 4. Eine raschere und gewinnbringendere Ur- und Nutzbarmachung unserer Colonien.

tt Hanau, 10. Mai. Die hiesige Strafkammer ver­handelte während dreier Tage die umfangreiche Anklage gegen den Cassirer und Rechner Philipp Maisch von Wachenbuchen. Derselbe wurde beschuldigt, zum Nachtheil der dortigen Spar­und Leihkasse den Betrag von 7419 Mark veruntreut und in seinem Nutzen verwandt zu haben. Maisch galt früher für einen vermögenden Mann, er wurde zum Leiter der Sparkasse in Wachenbuchen bestellt und bekleidete dieses Amt von 1885 bis 1891. Er bestritt, etwas unterschlagen zu haben, doch wußte er über den großen Fehlbetrag keine Auf­klärung zu geben. Das Gericht hielt die Schuld des Maisch für hinreichend erwiesen und erkannte aus eine Gesammtstrafe von einem Jahr und drei Monaten Gefängniß.

* LudwigShafeu, 10. Mai. Die Taglöhnersfrau Keller steckie absichtlich ihre Wohnung in Brand, in der sie ihre zwei kleinen Kinder eingesperrt hatte. Die Kinder sind lebensgefährlich verletzt. Die Rabenmutter wurde sofort verhaftet.

* Posen, 10. Mat. Heute Vormittag erschoß ein Wachtposten am Pulvermagazin No. 4 eine unter der Sittenpolizei stehende Person, die sich der Verhaftung durch die Flucht zu entziehen suchte. Der Schuß ging durch den Kopf.

* Augsburg, 10. Mai. Während der Maiandacht entstand gestern Abend im Dome eine Panik, weil wie ange­nommen wird eine Person ohnmächtig wurde und die Nächststehenden erschreckte. Alles flüchtete in wilder Hast- mehrere stürzten hin und wurden durch die Nachdrängenden leicht verletzt.

* Altena,9. Mai. Der Communalsteuerzuschlag war von den hiesigen Stadtverordneten auf 235 Procent fest­gesetzt. Nun stellt sich nachträglich heraus, daß bei der Addirung der Einkommensteuer ein Fehler untergelaufen ist, nach dessen Berichtigung jetzt der Einkommensteuerzuschlag erhöht werden muß, gewiß keine angenehme Ueberraschung für die Steuerzahler unserer Stadt.

* Schwabeastreiche. Auf der Bahnlinie Metzingen-Urach besteht für die Haltestelle Güterstein die Verordnung, daß der Zug nur halten dürfe, wenn sich fünf Personen während der ' Fahrt zum Aussteigen beim Zugmeister melden. Nun wollten 1 jüngst, wie dieBayer. Verkehrsblätter" berichten, drei Personen an genannter Haltestelle aussteigen - alle Bitten

halfen jedoch nichts. Da kamen die Drei auf einen rettenden Gedanken. Sie kauften sich miteinander noch ein viertes Billet und ein fünfter Passagter erbietet sich endlich von selbst zum Aussteigen. Also hält der Zug. Die Drei mit ihrem vierten Billet steigen aus, der Vierte auch. Aber ehe der Zug zur Wetterfahrt pfeift, steigt er lächelnd wiederein, um ruhig nach Urach zu fahren. Dem Buchstaben der Verord­nung war Genüge geleistet.

* Monte Carlo, 8. Mai. Der russische Fürst Georges Kara iw hat sich am Friedhöfe von Condamina durch zwei Revolverschüsie getödtet. Er hatte im Lause der letzten Woche an der Spielbank von Monte Carlo 800000 Lire verloren. Eine reiche Engländerin, Miß Wattson, welche in Monte Carlo die horrende Summe von zwei Millionen verspielte, vergiftete sich in ihrer prachtvollen Villa Sourve mit Opium und wurde am Montag tobt aufgesunden. Die Spielsaalpächter ließen sofort das Gerücht verbreiten, daß Frau Wattson sich irrtümlicherweise vergiftet habe- da sie an einer unheilbaren Krankheit gelitten, habe sie die Gewohn­heit angenommen, bevor sie sich zu Bett legte, Laudanum zu nehmen, um besser schlafen zu können. Eine eingelettete Untersuchung ergab jedoch, daß die Wattson sich freiwillig vergiftet hat, weil sie sich im Spielsaale, zu dessen eifrigsten Besucherinnen sie gehörte, vollständig ruinirt hatte.

* Paris, 9. Mai. Im Jrreuhause von Bicetre bei Paris kam ein 45jähriger Kranker Namens Auguste Tabottier auf furchtbare Weise ums Leben. Der Kranke war in ein Bad gebracht und die Wanne mit einer Kautschukdecke überspannt worden, aus welcher der Kranke nur den Kopf herausstrecken konnte, ohne sich sonst rühren zu können. Der Wärter vergaß, den Hahn für das heiße Wasser zu schließen, und als er nach einer Viertelstunde zurückkam, fand er Tabottier buchstäblich gekocht im Wasser. Der Unglückliche starb nach wenigen Minuten. Der Wärter wird wegen fahrlässiger Tödtung verfolgt werden.

* Der Herr der Heerschaareu. Gelegentlich der 30. Wieder­kehr des Tages von Düppel bringen dieBerl. N. N." folgende Erinnerung. Nachdem König Wilhelm die Nachricht vom Falle der Düppeler Schanzen erhalten, richtete er an den Prmzen Friedrich Karl nachstehendes Telegramm:Nächst dem Herrn der Heerschaaren verdanke ich meiner herrlichen Armee und Deiner Führung den glorreichen Sieg des heutigen Tages. Sprich den Truppen meine höchste Anerkennung auS und meinen Königlichen Dank für ihre Leistungen." AlS der Prinz Friedrich Karl die Depesche des Königs dem großen Hauptquartier vorlas, verbeugte der alte Feldmarschall Graf Wrang el sich mehrmals geschmeichelt und bat dann, der Prinz möge dem Könige seinen (Wrangels) ehrerbietigsten Dank melden. Als Friedrich Karl sich diScret erkundigte, weshalb denn? sagte Wrangel:Nu, mit demHerrn der Heerschaaren" meint er doch mir!"

* I« hohe Regionen. Mit Hilfe vom Kaiser bewilligter Mittel will der Deutsche Verein zur Förderung der Luft­schifffahrt im Laufe der nächsten Monate einige kleinere Luft­ballons mir selbstschreibenden meteorologischen Apparaten in solche Höhen aufsteigen lassen, welche dem Menschen infolge der Luftverdünnung nicht mehr zugänglich sind. Amtlich wird jetzt um möglichste Förderung deö Unternehmens gebeten und eine Belohnung von 50 Mark Demjenigen zugesagt, welcher einen solchen Ballon in gutem Zustand und den Apparat unbeschädigt und uneröffnet zurückliefert.

* Auch tu Amerika macht Reichthum nicht glücklich. Die Erfahrung hat auch der Chicagoer Millionär Pullmann, der Besitzer der größten Eisenbahnwagenfabriken, welche seinen Namen führen, gemacht. Man schätzt sein Vermögen auf 50000000 Dollar. Einem Zeitungsmanne sagte er kürzlich: Ich glaube nicht, daß ich besser daran bin, gewiß nicht glücklicher, als zur Zeit, wo ich keinen Dollar mein eigen nennen konnte und von früh bis spät hart arbeiten mußte. Damals hatte ich auch einen guten Anzug, und meine drei täglichen Mahlzeiten mundeten mir besser als heutigen Tages. Ich hatte weniger Sorgen, ich schlief besser und glaube, daß ich im Allgemeinen glücklicher war, als seitdem ich ein Millionär bin. Und doch ist es ein schönes Gefühl, reich zu sein."

Spleen. Einen drehbaren Thurm, der freilich nur als Vixirthurm dient, hat Lord Arundel in einem seiner Schlösser. Im ersten Geschosse dieses Thurmes befinden sich vier Schlafzimmer: ein roihes, ein blaues, ein gelbes und ein grünes. Jedes Schlafzimmer hat einen kleinen Alkoven, in welchem das Seit steht. Sobald Gäste in den Zimmern einquartiert sind, wird der drehbare Theil des Thurmes mit den Zimmern um die seststehenben Alkoven gedreht und jeder Gast liegt nun in einem anderen Zimmer und hat natürlich auch das fremde Gepäck und fremde Toiletten darin. Darüber natürlich großes Staunen, große Empörung und große Ver­wirrung bei den Gästen und außerordentliche Heiterkeit bei Lord Arundell und den Eingeweihten, denen dieser interessante" Scherz immer wieder eine Quelle ungetrübten Vergnügens ist.

* Unsere große« Städte. Von 1871 bis 1890 hat sich die städtische Bevölkerung im Staat Preußen fast verdoppelt. Als Großstadt gilt eine Stadt mit mehr als 100000 Ein­wohnern. Eben diese Großstädte haben enorm zugenommen. Im Jahre 1871 zählte man noch die bescheidene Zahl von 3, im Jahre 1890 waren es nicht weniger als 15. Von allen im preußischen Staat lebenden Personen leben mehr als 41 Procent in großen Städten. Gerade die größten Städte nehmen am raschesten zu. Berlin zeigt einen jährlichen Zu­wachs von 3 bis 4 Procent- auch die nächst größeren Städte nehmen in den letzten Jahren um mehr als 3 Procent zu. Dabei ist es außerordentlich merkwürdig, daß die eigentlich eingeborene Bevölkerung der größten Städte unheimlich rasch ausstirbt. Man hat herausgerechnet, daß z. B., wenn Paris nicht eine ständige Zuwanderung von außen her aufzuweisen hätte, diese Millionenstadt in 120 Jahren nur noch 140000 Menschen zählen würde. Schon jetzt sei es unmöglich, einen Pariser aufzufinden, dessen Vorfahren drei Generationen lang