Ausgabe 
11.5.1894 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Belgrad, 9. Mai. Der König erklärte gestern Ava- kumovic gegenüber in einer Audienz, er sei fest entschlossen, bte jetzige Regierung, welche sein volles Vertrauen genieße, trotz aller Jntriguen im Amte zu belassen.

Athen, 9. Mat. Der türkische Gesandte Gadban- Effendi, welcher kürzlich zurückberusen wurde, ist Plötzlich in Konstantinopel verstorben. Ebenso unaufgeklärt wie die plötzliche Abberufung ist das schnelle Hinscheiden deS Ge­sandten.

Newyork, 9. Mai. Heute ist der DampferNorrnannia" mit 50000 Dollars Gold nach Deutschland abgegangen.

Cocales unfc Provinzielles,

Hießen, den 10. Mai 1894.

** Theaterverein. Nachdem die Besprechung der Auf­führung von MoretosDonna Diana" gestern wegen Raummangels zurückgestellt werden mußte, bringen wir die­selbe nachstehend. Wir haben bereits in dem Feuilleton der Nr. 103 den Inhalt dieses geistreichen Lustspiels skizzirt, weshalb wir uns mit diesem Hinweis begnügen und sogleich auf die Darstellung selbst eingehen können. Die Wiedergabe der Titelrolle, die in den Händen von Frau Kothe-Haacke lag, verdient uneingeschränktes Lob. Die Gefühle, die die mit künstlicher Kälte gepanzerte Donna Diana vom ersten Ausmerksamwerden auf den ungewöhnlichen Mann bis zur heißesten Liebe durchlaufen hat, gelangten in allen Nüancen zu natürlichem und glaubhaftem Ausdruck. Besonders lobend müssen wir die Haltung der Darstellerin in der Scene mit Cesar, da ihr dieser seine Liebe verräth, hervorheben. Der Triumph über die vermeintliche Niederlage des Gegners ge lang Frau Kothe vortrefflich und doch klang etwas durch wie leises Bedauern, daß sich gerade dieser Mann so schnell besiegt gegeben, ein Anzeichen, daß auch bet ihr schon das süße Gift" zu wirken begonnen habe. Den Glanzpunkt aber fand ihre Darstellung zweifellos in dem Moment, da sich Donna Diana ihrer Liebe zu Cesar bewußt wird, wie sie geblendet von dem Glanze des plötzlich auf sie eindringenden Lichtes sich nicht zu helfen weiß und tastend den Ausweg sucht aus dem selbstgeschaffenen Labyrinth. Ihr Partner, Herr Fuchs, führte seine Rolle von Anfang bis zu Ende mit vornehmem Anstande durch. In den ©eenen, da er die Hoffnungslosigkeit seiner Liebe beklagt, hätten wir ihn ein klein wenig mehr als Held gewünscht- dagegen gelang ihm die Darstellung des Kampfes zwischen Kopf und Herz in den ©eenen mit Donna Diana vortrefflich. Das gilt in erhöhtem Maße von dem schon erwähnten Austritt, in dem er der Ge­liebten seine Liebe gesteht und mit wunderbarer Fassung schließlich dieses Geständniß als Scherz erklärt. Zu gutem Ausdruck gelangte die geistige Ueberlegenheit, mit der er nicht nur die beiden Nebenbuhler, sondern auch Diana selbst be­handelt. Die Rolle des Perin, des Gracioso des Stückes, war vertreten durch Herrn Oppmar. Gerade diese Rolle bietet nicht geringe Schwierigkeiten, da sie leicht den Darsteller verleiten kann, ins Possenhafte zu fallen- auch ist es bei der Doppelstellung Perins als Diener und Vertrauter nicht eben einfach, das richtige Maß zwischen Vertraulichkeit und dem Herrn schuldigen Respect zu halten. Herr Oppmar hielt sich von diesen Fehlern frei und wenn auch hier und da z. B- im Verkehr mit Florette seine Komik etwas derb war, so hat er es doch ausgezeichnet verstanden, den Zuschauer in jene behagliche Stimmung zu versetzen, die ebensoweit von tosenden Heiterkeitsausbrüchen, als von Langeweile entfernt ist. In Anbetracht der großen Schwierigkeit seiner Rolle müssen wir Herrn Oppmar unser volles Lob zollen. Die Nebenrollen waren durchweg gut besetzt. Fräulein E i ch e l S - heim als Donna Laura machte ihre Sache in der Scene mit Diana, in der sie von dieser zum Verzicht auf Cesar veranlaßt werden soll, besonders gut. Fräulein Barteldes als Donna Fenisa war ein etwas backfischhafter Naseweis und Fräulein Berella ein allerliebstes Kammerkätzchen Florette. Von den Herren können wir im Allgemeinen nur Gutes sagen. Doch hätten wir den Don Diego des Herrn Johow hoheitsvoller gewünscht. Auch schien uns der Bart zu Philisterhast gewählt. Die Herren Kothe (Don Luis v. Bearne) und Jaritz (Don Gaston v. Foix) entledigten sich ihrer Aufgabe in angemessenster Weise. Der letztere hatte aus dem etwas beschränkten Grafen von Foix einen treuherzigen Burschen zu machen gewußt, wodurch diese Figur an Sympathie gewann. Wenn schon West sagt,daß die vollkommene Ausführung dieses dramatischen Concertant- Stückes zu den schwersten Aufgaben der Schauspielkunst ge­hört," so dürfen nir mit dem, was uns die Kasseler Dar­steller geboten haben, durchaus zufrieden sein. Das Zusammen­spiel klappte Prächtig und dieser Umstand trug nicht zum Wenigsten dazu bei, daß der Gesammteindruck des Stückes der denkbar Vortheilhafteste war. Alles in Allem können wir mit gutem Gewissen sagen: Der fünfte Theaterabend bildete einen würdigen Abschluß der Gedenkfeier für unseren großen Mitbürger Friedrich Diez und gereichte Dar­stellern sowohl wie dem Theaterverein zur hohen Ehre.

* * Gewerbevereiu. In der gestern Abend im Cafe Balzer abgehaltenen Generalversammlung des Ge­werbevereins wurde vom Vorsitzenden der umfangreiche Geschäftsbericht des Vereinsjahres 1893/94 erstattet. Die Jahresrechnung wurde genehmigt und dem Rechner Decharge ertheilt. Die statutgemäß ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wurden wieder-, Herr Uhrmacher Schmidt neu in den Vorstand gewählt. Eingehender Bericht folgt.

* * Experimental - Vortrag R4uau. Ueber den morgen (Freitag) Abend stattfindenden Vortrag über Suggestion, Tetamie u. s. w. des Herrn Rvnau entnehmen wir dem Leipz. Tagebl." Folgendes: Ein zahlreiches Publikum hatte sich gesterrn Abend im Festsaal des Hotel du Prusge einge­sunden, um die Suggestion von Herrn Rvnau zu sehen. Namentlich bemerkten wir viele Aerzte, welche den Vor­führungen voll Aufmerksamkeit folgten und sah man Anfangs

den Zweifel auf vielen Gesichtern- desto größer aber war der Erfolg, denn er gestaltete sich zu einem wahren Triumph selbst über die ungläubigsten Gemüther. Herr Rvnau ver­steht es, durch sein sicheres und gewandtes Auftreten, aus der Reihe der ihm zur Verfügung gestellten Herren in kurzer Zeit seine Versuchspersonen zu finden und nun beginnt eine Reihe von Vorführungen, welche Staunen und gerechte Ver­wunderung bei sämmtlichen Anwesenden hervorriefen. Den Glanzpunkt bildete für den heutigen Abend die Vorführung der Tetamie (Scheintodt). Das Publikum war den Experi­menten mit großem Interesse gefolgt, zumal ein Jeder ein- sah, daß er es hier nicht mit Schwindel zu thun habe und man Jedermann den Besuch der Vorstellungen em­pfahlen kann.

* * Verhaftet wurde ein junger Mann von auswärts wegen Erpressung, Betrugsversuchs und Führung eines falschen Namens.

* * Militärdienstnachrichten. Winter, Unterarzt vom Infanterieregiment Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 116, unter gleichzeitiger Versetzung zum 3. Großh. Hess. Infanterieregiment (Leibregiment) Nr. 117, zum Assistenzarzt 2. Kl., die Unterärzte der Reserve Dr. Kretschmar, Dr. Deile vom Landwehrbezirk Gießen, Dr. Peters vom Landwehrbezirk II Darmstadt, zu Assistenzärzten 2. Kl. be­fördert. Dr. Zelle, Assistenzarzt 2. Kl. vom 3. Großh. Hess. Jnfantericregiment(Leibregiment) Nr. 117, zum Husaren­regiment v. Ziethen (Brandenburg) Nr. 3 versetzt.

* * Postpersoual - Nachrichten. Versetzt sind: Der Post­meister König von Wabern nach Nidda, der Postsecretär Quenzlein von Straßburg (Els.) nach Mainz, die Ober- Postassistenten L a n g e n f e l d von Worms nach Kreuznach und Keller Son Conftanz nach Darmstadt, der Postassistent Schäfer von Alsfeld nach Alzey. Angestellt sind: als Post­secretär der Postpracttkant Klein st euber in Darmstadt, als Postassistenten die,Postanwärter Fuchsin Friedberg (Hessen), Guthier in Offenbach (Main) und bl er in Mainz, als Telegraphenassistent der Telegraphenanwärter Wolf in Offenbach (Main) und als Postverwalter der Postanwärter Jörg in Bürgel (Hessen). Ernannt sind: Der Ober-Post- assistent Strauß in Lampertheim zum Postverwalter, die Postassistenten Haupt in Kastel (Rhein) und Gärtner in Mainz zu Ober-Postassistenten. Der Telegraphenassistent Krauß in Darmstadt ist gestorben.

* * Zur Ztalieufahrt der deutschen Turner wird uns aus Mainz geschrieben: An der Pfingstturnfahrt der deutschen Turner nach Italien betheiligen sich aus ganz Deutschland nur 105 Personen. Von Mainz, von wo das Project aus­gegangen, machen nur 5 Turner den kostspieligen Ausflug mit. Die Abfahrt der Turner findet am 10. Mai, Abends 11 Uhr 35 Min. von dem hiesigen Centralbahnhof statt.

* * Das vollständige Programm des in der Pfingstwoche in Frankfurt a. M. stattfindenden evangelisch-sozialen Con- greffeS lautet folgendermaßen. Dienstag, 15. Mai: Haupt­versammlung der evangelischen Arbeitervereine (Schäfergasse 17) Sitzung des Actionscomitees des Congresses (Neue Mainzerstraße 41). Oeffentlicher Empfangsabend für Ein­heimische und Gäste (zwei Säle in derAllemannia" am Schillerplatz). Mittwoch, 16. Mai: Eröffnung der Verhand­lungen, die sämmtlich im Saalbau stattfinden, durch den Vor­sitzenden, Landesökonomierath Nobbe. Jahresbericht durch den Generalsecretär Paul Göhre. Vortrag von Professor Cremer von Greifswald über die christliche Predigt gegenüber den sozialen Bewegungen. Debatte. Vortrag von Professor Dr. Max Weber von Berlin und Generalsecretär Göhre über die Lage der ländlichen Arbeiter auf Grund der vom evangelisch- sozialen Congreß veranstalteten Enquete. Debatte. Abend­versammlung, veranstaltet vom Frankfurter evang. Arbeiter­verein. Ansprachen auswärtiger Redner. Donnerstag, 17. Mai: Vortrag von Amtsrichter Kuhlemann von Braun­schweig über die Bedeutung der Gewerkschaften und Fach­vereine. Debatte. Vortrag von Prof. D. theol. Harnack von Berlin über das Verhältniß von Religion und Wirth- schaftsordnung in der alten Kirche. Debatte über practische Leitsätze. Der Aufruf des Localcomitees wird in der nächsten Zeit erscheinen. Im Anschluß an den evangelisch­socialen Congreß findet Freitag, 18. Mai, und Samstag, 19. Mai, eine christliche Studentenconferenz im Evangelischen VereinshausWestend" statt, wofür bis jetzt Vorträge zu­gesagt sind von. Professor Cremer in Greifswald, Director Bauer in Nisky und Pfarrer Naumann in Frankfurt. Der Zweck dieser Studentenconferenz ist die Vertiefung des prak­tisch-christlichen Geistes bei der studirenden Jugend.

§ Aus dem Ohmthal, 9. Mai. Bei den letzten dies­jährigen Holzversteigerung^n war das Brennholz im Vergleich zu den Preisen früherer Jahre recht billig. So wurden gestern bei der letzten diesjährigen Holzversteigerung in den Freiherrlich Riedesel'schen Revieren der Försterei Ober-Ohmen 4 Raummeter Buchenscheit durchschnittlich mit 1618 Mk. gegen 2628 Mk. früherer Jahrgänge gesteigert, 4 Raummeter Buchenprügel galten 1214 Mk. gegen früher 2024 Mk., 6 Raummeter Buchenreisig 34 Mk. gegen 56 Mk. früher und 2 Raummeter Stöcke 45 Mk. gegen 68 Mk. früher. Der sehr gelinde Winter hat wenig Brennmaterial verschlungen, daher geringerer Bedarf und hieraus resultirend billige Preise.

O Vom westlichen Vogelsberg, 9. Mai. Nach dem nunmehr beendeten Setzen der Kartoffeln und der dadurch verringerten Nachfrage sind dieselben sehr billig ge­worden. Während man beim Beginn des Kartoffelhandels durchschnittlich 5,50 Mark für den Doppelcentner bezahlte, gilt derselbe jetzt nur 3,20 bis 3,50 Mark. Da die Kartoffeln stets als ein gutes Futtermittel auch für daS Rindvieh zu betrachten sind, so hatte man einen solch billigen Preis kaum erwartet. Auch die Grasversteigerungen solcher Wiesen, die gleich zur Grünfütterung verwandt

werden, zeigten bei anderen Jahrgängen, in denen nicht ein solcher Futtermangel geherrscht, höhere Preise al- gegenwärtig.

- 11. EckartSborn, 8. Mai>. Auf der Bahnstrecke Stockheim- Gedern, in unmittelbarer Nähe unseres Dorfes, wurde gestern Abend ein hiesiger Einwohner überfahren. Der Körper war schrecklich zerfetzt und gewährte einen schauderhaften Anblick.

B. Ans dem Kreise Büdingen, 9. Mai. Es hat zwar in der letzten Zeit einigemal geregnet, trotzdem genügt die Feuchtigkeit noch nicht, wie wir aus unserer gestrigen Brunnen- und Wasserstandsmessung deutlich ersehen konnten, denn fehlen noch 10 Zentimeter für den mittleren Stand. Dies drückt sich auch dadurch aus, daß der Erdboden im Allge­meinen noch rasch trocken wird, besonders aber, daß die Aecker alsbald wieder trocken erscheinen, wenn es geregnet hat, weil der Erdboden die Feuchtigkeit sehr rasch verschluckt.

L. Liudheim i. d. W., 9. Mai. Die Aussichten in Feldern und Wiesen sind so prachtvoll, wie sie Einsender seit Jahren nicht gesehen hat. Das Halmgetreide wird In den meisten Lagen zu mastig, besonders der Roggen, welcher sich lagert und dann einen schlechten Körneransatz bieten wird. Manche Bauern mähen ihn ab, füttern ihn und machen Dick­wurzel auf die Aecker. Die Sommerfrüchte: Gerste und Hafer sind schon handhoch geworden und bestocken sich zu­sehends. Wer dieses Jahr, bei solchem Wachswetter, nicht zu dicht gesäet hat, wird gute Resultate erzielen. Der Roggen ist schon fast ausgewachsen, in warmen geschützten Lagen sind die Aehren bereits vollständig vorhanden, was in der ersten Maihälfte eine große Seltenheit ist. Der Luzerneklee ist an vielen Stellen 4050 Centimeter hoch. Die Obstbäume fangen an, sich zu putzen, d. h. sie stoßen überflüssige Fruchtansätze ab. Es ist saft unglaublich, welche enorme Massen von Früchten die Bäume angesetzt haben. Wenn nur der vierte Theil davon hängen bleibt, sind die Aeste nicht im Stande, die Last zu tragen. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag (5./6. Mai) hatten wir Frost- die bereits aufgegangenen Kartoffeln, Bohnen und sonstige zarte Freiculturen wurden auch etwas gezwickt, der Schaden ist aber erträglich.Nur jetzt keine Nachtfröste mehr!" hört man überall wünschen, sie würden entsetzlichen | Schaden anrichten. Die Ansicht: dem abgeblühten, schon er- I stärkten Obste könnten die Nachtfröste nicht schaden, ist un­richtig, denn wir hatten in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1893 (also viel später als jetzt) einen Nachtfrost, der die Bäume in weniger geschützten Lagen ihrer Früchte beraubte. DaS Jahr 1894 zeigt immer wieder Neigung zu trockener Witterung mit nordöstlichen Winden und klarem, wolkenlosen Himmel. Die Wiesen versprechen gute Er­träge, doch fehlt daS BodengraS. ES wird also gutes und genügendes Futter, aber keine reichen Erträge geben. Die Viehpreise, besonders diejenigen des Hornviehes, steigen langsam weiter. Wir werden im Laufe des Sommers theueres Rind- und Kalbfleisch bekommen. Merkwürdig ist, daß da und dort über geringen Zuwachs der Spargel geklagt wird. Das Gartengepflänze sieht gut aus. Zum Schluffe möchten wir die Aufforderung dieser Zeitung: Landwirthe! Versichert die Feldfrüchte gegen Hagel schlag!" aufs Wärmste unterstützen. Wir haben nach den jetzigen Aussichten eine anderthalbfache Ernte zu erwarten. Sie kann die vorjährigen Verluste zum großen Theile ersetzen- darum sollte der Bauer den letzten Groschen daran wenden, damit er diese Ernte auch glücklich unter Dach bringt.

+ Vom Rhein, 9. Mai. In Aßmarmshausen findet am 19. Mai eine ® ebenff ei er für ben Dichter Ferdinand Freiligrath statt. * In dem dortigen Gasthauszur Krone" hat Freiligrath vor 50 Jahren längere Zeit gewohnt und ben größten Theil feiner Zeitgedichteim GlaubenSbekenntniß" geschrieben hat. Bei der Gedenkfeier wird nach einer ent­sprechenden Festrede von Emil RitterShaus eine Erinnerungs­tafel in dem damaligen Z-mmer Freiligraths angebracht.

Mainz, 9. Mai. Der sattsam erwähnte Antrag auf Errichtung eines Heine-Denkmals in Mainz sollte denn heute in der Stadtverordnetenversammlung nach unzähligen Ver­tagungen endlich zur Berathung kommen. Schon lange vor Beginn der Sitzung war die Galerie von Zuhörern dicht besetzt, doch dieselben wurden abermals bitter getäuscht, denn bei Aufruf des Gegenstandes wurde zur allgemeinen Ueber» rafchung plötzlich wieder ein Antrag auf Vertagung gestellt, der ohne Debatte fast einstimmig von der Versammlung an­genommen wurde. Wie wir erfahren haben, ist der Antrag auf den Umstand zurückzuführen, daß man in verschiedenen Stadtverordnetenkreisen vermeiden wollte, in dem Augenblick, wo das Schützenfest vor der Thür steht, politische ober reli­giöse Zwietracht unter ber Bevölkerung hervorzurufen, waS nach der heftigen Polemik in der Presse allerdings nicht auS- geblteben wäre.

A Nierstein, 9. Mai. Heute fand die Versteigerung der 1890r und 1891r Crescenz aus dem weithin renommirten Philipp Fink'fchen Weingut, zu welchem der weltberühmte Niersteiner Glück" gehört, statt. Während die übrigen dies- maligen FrüjahrSversteigerungen in der diesseitigen Provinz bis jetzt zum größten Theil einen sehr unbefriedigten Verlauf genommen haben, war das Resultat der heutigen Auction ein für den Versteigerer durchaus gutes. Bei sehr zahl­reichem Besuch und flottem Verlauf wurden gelöst für ben nicht sehr hochwertigen Jahrgang 1891 Mk. 720 bis Mk. 1010 für baS Stück unb Mk. 570 bis Mk. 1050 für baS Halbstück. Ein HalbstückGlöck Auslese" von dem gleichen Jahrgang erzielte Mk. 1240. Für die 1890r würben bezahlt für baS Stück Mk. 800 bis Mk. 1090 unb für daß Halbstück Mk. 590 bis Mk. 1270. Neben Vertretern der ersten Weinfirmen und großen Hotels war auch die Hof­kellerei in Darmstadt Steigerin.