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11.5.1894 Erstes Blatt
 
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m Neubau in der üid- it Stockwerke mit allem iethen. Nähere« durch Bleichstrahe. tcker, Maurermeister. 16, mitll. Stock, HW ehär, ju vermieihen. f. 20 im Mansardenfiock. t von 6 Zimmern und fort zu vemielheu, lanpt, Aftewea A LoO, mittlerer Kdck miethen.

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! Stock der ViaiflitMb z ist mit oder che Mw« nebst Gartengelände t, nt ttten lenbausede/^erri'HOtz. ?euban, Steinstrohe UL, ige, ist der zweite Stock und asten motxxa\tti>a\- tt, T^chra^e 7, H Wohvvvg, besteh, au» .Zubebär, sowie schonm ; Wunsch auch mit Stall, er Südattlage, per bau jcrlS iu ötrm. Dfftria 8, an die Elpediltou. ztzhalber ist der 2. SW termiethen. ntvarr, Stdnftr. 4£_ »tage 17

zu vermiethen.__

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Freitag den 11. Mai

1894

Nr 108 Erstes Blatt.

Der »»glich. M>elwekirt de« Wantag«.

Dt» Gießener »e*trt«elC4t(«t wrV* dem Inzeiger »Gchtii'ttch drei »al dchWlegi.

Gießener Anzeiger

Kmerat-Mnzeiger.

MmaMtmatet

2 «er! 90 ft«» Brmgerlod«.

Dur* die Po« txg^M

2 Rar! 50 DG.

Rrtechen, und Druckerei;

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Jmi(H*er 54.

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

Innah«» een Ingtigen zu der Bachantta«« ftr den folfrabai lag erschemmdm Nummer di« Dorrn. 10 Uhr.

Kratisöeikage: Hießener Kamikienökätter.

2lmtiid?er Theil.

Gießen, am 7. Mai 1894.

Betr.: Erlaß von Dienstvorschriften für das Verfahren der Zwangsvollstreckung im Verwaltungswege.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

m >WrtfU». ViLrgerur elfter eie» kl ÄwtM.

In einer der nächsten Nummern des Regierungsblattes werden die Dienstvorschriften für das Verfahren der Zwangs­vollstreckung im Verwaltungswege erscheinen.

Indem wir Sie hierauf aufmerksam machen, empfehlen wir Ihnen mit. Rücksicht darauf, daß mit dem 1. Mai l. I. das Gesetz vom 30. September 1893, das Verfahren der Zwangsvollstreckung im Verwaltungswege betreffend, und die zugehörige Verordnung vom 7. März 1894, in Kraft ge. treten sind, sich mit dem Inhalt der rubr. Dienstvorschrift soweit erforderlich alsbald vertraut zu machen. Die nach denselben vorgeschriebenen Formularien können von der Ioh. Konr. Herbert'schen Hofbuchdruckerei in Darm« stadt bezogen werden, sofern eine darauf bezügliche Bestellung Innerhalb kürzester Frist bei der genannten Buchdruckerei angemeldet wird. Die noch vorhandenen Vorräthe der seither im Gebrauche befindlichen Formularien können zunächst auf­gebraucht werden, insoweit solche nach den jetzigen Dienst» Vorschriften überhaupt noch verwendbar sind.

Separat-Abdcücke der amtlichen Handausgabe der Dienst­vorschriften können Sie durch die Ioh. Konr. Herbert'sche Hofbuchdruckerei in Darmstadt, 90 Pfennig pro Exemplar, beziehen.

v. Gagern.

Deutsche» Reich.

Berlin, 9. Mai. Von einer projectirten neuen Gon» serenz der deutschen Finanzminister im kommenden Sommer ist während der jüngsten Zeit viel die Rede ge­wesen, welche Gerüchte in Hinblick auf die obwaltenden Ver­hältnisse gerade nicht als unwahrscheinlich gelten konnten. Inzwischen wird aber versichert, daß man in den Kreisen der verbündeten Regierungen durchaus nicht an die Einberufung einer abermaligen Finanzmintster-Conferenz denke. Es wird hierbei betont, daß zwischen den Finanzministern der Einzel- ftaaten keinerlei Meinungsverschiedenheiten bestünden, während

man zugleich darauf hinweist, daß die Zeit seit Schluß des Reichstages zu kurz sei, um etwaige neue Steuer- und Finanz­pläne zur Sprache zu bringen. Nun, es dürfte wohl nirgends besondere Betrübniß darüber herrschen, daß eS mit einer neuen Finanzminister-Conferenz nichts zu sein scheint, wir sind in Deutschland während deS vergangenen parlamentarischen Winters mit steuer- und finanzpolitischen Debatten, Plänen, Preßerörterungen usw. doch wahrlich genug heimgesucht worden, einstweilen kann daher eine allgemeineSchonzeit" auf diesem Gebiete nur willkommen sein!

Neueste Nachrichten.

WolffS telegr«phtscheS Correspondmz-Bureau-

Berlin. 9. Mai. Die Berliner Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie feierte heute ihr fünfzig­jähriges Bestehen unter Theilnahme vieler wissenschaftlichen Koryphäen aus der ganzen Welt, darunter auS Berlin Waldeyer, Leyden, Bardeleben und Virchow, ferner Chrobak- Wien, Vuillat-Genf, Zweifel-Leipzig, Staude-Hamburg, SlawjanSky-PeterSburg, Lawson und Tait aus Birmingham, Pozzi-PariS, Pasqualt-Rom, Jacobs-Brüssel, Rohe-EatonS- villc (Amerika). Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt: Ehrobak, Winkel, Fritsch, Dohren, B. S. Schultze, Czerny, Hegar, SlawjanSky, KrassowSki, Staiscldt, Priestey, Simpson, Williams, Pozzi, PaSqualt, Parvin, Thomas.

Graz, 9. Mai. Der deutsche Kaiser richtete heute an den Statthalter Kuebeck folgendes Telegramm :Empfangen Sie meine herzlichsten Glückwünsche zur glücklichen Rettung der im Lueloch eingeschloffen Gewesenen, deren Schicksal ich täglich mit der eifrigsten Theilnahme verfolgt habe. Wilhelm I. R."

Athen, 9. Mai. Der österreichische Gesandte überreichte dem HülfScomitv für die durch die Erdbeben Geschädigten NamenS seiner Regierung 5000 Francs.

Deveschen bei Bureau .Herold*.

Berlin. 9. Mai. DerReichsanzeiger" veröffentlicht ein Gesetz betreffend Abänderung deS Gesetzes über die Ab­wehr und die Unterdrückung von Viehseuchen.

Berlin. 9. Mai. Der Hauptmann Morgen, welcher Mitte April mit den von ihm in Egypten angeworbenen etwa 70 Sudanesen in Kamerun eingetroffen ist, wird wahrscheinlich noch im Laufe dieses Monats nach Deutschland zurückkehren. Er hatte von vornherein nur die Anwerbung und lieber-

Ille Innonren»Bureout b<« In. unb lullenbH n*ew Inzeigen für den .Gießenrr Injetger" mtfegr*.

führung der Sudanesen übernommen und seine Aufgabe auf einige Monate berechnet.

Kiel. 9. Mai. Ein Tagesbefehl der kaiserlichen Werft lautet, weil weniger Geldmittel zur Verfügung ständen, sei die Werft genöthigt, weitere Arbeiterentlassungen vor­zunehmen.

Wien. 9. Mai. Der Strike der Bauarbeiter wird bald beendet sein, da auf sämmtlichen Neubauten bereit- wieder zu den alten Bedingungen gearbeitet wird. Gegen diejenigen Ausständigen, welche die arbeitenden Genossen zur Arbeitsniederlegung zwingen wollen, schreitet die Polizei scharf ein. Neue Ruhestörungen sind nicht mehr vorgekommen.

London. 9. Mai. Nachdem eine große Anzahl Bergleute in Glasgow in einer Conferenz über die Lohnerhöhung darüber einig geworden waren, daß die jetzt gezahlten Löhne durchaus unzureichend sind, wurde in einer gestern stattgehabten Versammlung der Aus st and beschlossen. Das Executiv- comite der Bergarbeiter in London dürfte diesen Beschluß gutheißen.

London, 9. Mai. DieTimes" meldet aus BuenoS- Ayres, daß in Argentinien eine große finanzielle und handelspolitische KrisiS ausgebrochen sei. In den letzten zehn Tagen fanden für 20 Millionen Dollars Fallimente statt. Gleiche Nachrichten kommen aus Monte­video.

Brüssel. 9. Mai. König Leopold hat den früheren Ministerpräsidenten Burlet beauftragt, mit dem vom deutschen Kaiser bevollmächtigten Herrn v. Alvensleben den HeirathS» vertrag zwischen der Prinzessin Josephine und dem Prinzen Karl von Hohenzollern zu vollziehen.

Paris, 9. Mai.Eclair" läßt sich aus Petersburg telegraphiren, daselbst sei ein neues Complott entdeckt und eine Geheimdruckerei mit Beschlag belegt worden. Achtzig Nihilisten sollen in polizeilichen Gewahrsam gebracht worden sein, welche in Fühlung mit Pariser und Londoner Anarchisten gestanden haben. Durch die rechtzeitige Entdeckung deS Complotts soll eine große Katastrophe verhindert worden sein.

Paris, 9. Mai. Alarmtrende Artikel der conservativen Preffe besagen, daß die Socta listen beabsichtigen, unter der Landbevölkerung energisch Propaganda zu machen. Die Blätter verlangen Seitens der Regierung Gegenmaßregeln, um die Anstrengungen der Socialisten abzuschwächen.

Rom, 9. Mai. Beim Papste ist die osficielle Mit­theilung eingegangen, daß Iswolsky zum russischen Gesandten am Vatican ernannt worden sei.

Feuilleton.

Meine erste Rede.

Erinnerungen an 1848. Von Earl B.

(Schluß.)

Ich?" sagte ich,ich gehe auch nicht 'rauf, das hätten Sie wenigstens früher sagen müssen."

ES wurde dem pflichtvergessenen Kameraden von allen Seiten stark zu Leibe gegangen, ja, eS wurde ihm im Falle beharrender Widerspenstigkeit ein DutzendEchtes" alS Strafe zudictirt, es half nichts, er blieb dabei:Ich gehe nicht''rauf!"

Da war nun guter Rath theuer. Unser Oberst huldigte den Musen schon seit einigen Monaten in den Tyroler Bergen und man preßte dann mich so lange, bis ich sagte:Ja, ich werde reden."

Ein Duckmäuser bin ich nun zwar mein Lebtag nicht gewesen, im Stillen habe ich meine Dummheiten auch ge­macht, wie Andere, aber vor aller Welt dumme Streiche machen, das sollte mir zum ersten Male passiren. Für meine Tollkühnheit diente entschuldigend nur, daß bei dem Appell aus einem gewohnten Frühschoppen deren einige ge­worden waren.

Ich ging sofort an die Arbeit. Mein Studierzimmer war der große Garten meiner Schwiegereltern in spe, ich durchmaß ihn mit gewaltigen Schritten. Da horch!Karl, komm zum Effen!" Donnerwetter, entfuhr eS meinen Lippen, der schöne Gedanke ist nun wieder futsch! Doch ich gehorchte der sanften Stimme meiner Liebe. Das Mittagessen dauerte beute auch länger als sonst und mir war doch jede Minute so wcrthvoll. Endlich, gesegnete MahlzeitUnd ich ging sofort wieder hinaus, um zu memortren. Aber, du lieber Gott, ein voller Bauch studirt nicht gern, ich schaffte nichts GescheidteS und malte mir schließlich meine Rede nur in großen Umrissen auS, vertrauend, daß mich der große Geist

im rechten Augenblicke schon mit dem nörhigen Spiritus be­schicken würde.

Noch war ich mitRede machen" beschäftigt, als Generalmarsch geschlagen wurde, es war 2 Uhr. In wenigen Minuten war ich in Uniform und nach etwa einer Viertel­stunde hatte ich meine Compagnie auf den Feftplatz geführt und hatte in zunehmender Aufregung auf den rechten Fuß Halt" commandirt, anstatt auf den linken. Meine Leute sahen offenbar meine Seelenangst, denn ein naseweiser Bursche grinste mich mit den Worten an:Herr Hauptmann, Sie bebbern jo sau." Wäre ich ein Schweizer gewesen, dann hätte das nichts Auffallendes an sich gehabt, weil dort die Gemütlichkeit auch unter Gewehr bis ins Komische geht,- mir aber, dem strammen preußischen Soldaten, war eine so schnodderige Anrede ein Stich ins Fleisch.

Die Aufstellung wurde genommen. Zunächst der Kanzel das aus der Nachbarschaft von NeuhaldenSleben gedungene Musikchor und unsere Spielleute, hierauf die- einen Kreis schließende Bürgerwehr und dahinter daS Volk ohne Waffen, Männer, Weiber und Kinder, mehrere tausend Köpfe stark, denn alle umliegenden Ortschaften hatten starke Kontingente gestellt.

Das Fest beginnt. Unter den Fittigen deS noch ver- hüllten mächtigen AarS werden mit Musikbegleitung einige Verse eines Chorals gesungen, die Geistlichkeit hätt die Fest- und Weiherede und hierauf werden die Schlußversc deS Chorals gelungen. DaS Herz Pochte mir stärker und stärker und ich mußte erinnert werden, daß der Gesang gleich zu Ende sei. Ich fasse mich und eins, zwei, drei, befinde ich mich oben auf der Kanzel. Meine Blicke schweifen noch einen Augenblick umher und was sehe ich? Zwischen den nächst- stehenden Musikanten steht mein biederer Freund, dieser herkulische Erzdemokrat. Daß dieser Feftgaft nichts Gutes im Schilde führte, war mir sofort klar, die Kinnlade hielt er so gesperrt, daß mir das Schicksal deS armen JonaS vor die Seele trat, der vom Hainsch verschlungen wurde.

Der Gesang war verstummt. Mit dem gewöhnlichen

Meine Herren" durste ich an diesem Tage nicht beginnen, daS wäre zu trivial gewesen. Die AnredeFestgenoffen" kam mir nicht in den Sinn. Ich räuSperte mich und rufe lautKameraden!" Lautlose Stille, also stiller Beifall. Ich räuSperte mich noch einmal und rufe zum zweiten Male Kameraden!" Da kann sich mein Freund und Maurer­meister nicht länger halten und sagt halblaut zu mir herauf: Na, schießen Sie doch los!" Der kleine Sporn war nicht übel. Ich raffte mich auf und bringe es bisKameradenl Der große Tag ist da."Wie schön!" echoete der Böse. Ich hätte dem Kerl auf den Kopf springen mögen, ich war nicht mehr bei Sinnen.

Zum Schluffe wollte ich ein Hoch ausbringen, dem Könige nämlich, und die Musik unb die Tambours waren dahin instruirt, daß sie beim Hoch mit einem Tusch einfallen sollten. Ich ermanne mich noch einmal und auf schlotternden Beinen mit zitternden Lippen rufe ich hinaus:Dieses Denkmal sei dem Schutze deS Publikums empfohlen (so etwas hatte ich einmal an einer Tafel gelesen, die an einer mit jungen Obstbäumen bepflanzten Landstraße stand), eS sei Euer Eigenthum! Der Adler lebe hoch, hoch, hoch!"

Ach, waS war ich glücklich, als daS ranS war! Die Umhüllung fiel, Musik und Tambours thaten ihre Schuldig­keit und Alles schrie mit:Hoch, hoch, hoch!" Und das war in der That genug, Stimmung war gemacht und ich war erlöst.

In zwei Sprüngen war ich wieder auf Gottes neutraler Erde. Wirkliches Bcrdienst wird selten gewürdigt unb so warS auch biesmal. Mein Freund, der Maurermeister, war der Einzige, der seinen Respect vor meinem oratorischen Talent mit den Worten auSdrückte:Na, B....., der

Weg thut mir gar nicht leid, man hört solche Reden nicht alle Tage. Sie haben doch von Uhlich profinrt."

Dieser Schalk!

Na, aber in Wahrheit will ich nur noch bemerken, daß es 22 Jahre Zeit bedurfte, ehe mich Jemand dazu kriegte wieder von einem Emporium zu sprechen.