Ausland.
Dünkirchen, 6. October. Französische Fischer bemächtigten sich einer englischen Fischerbarke, deren Bemannung ihnen die Netze zerrissen und die Bezahlung des Schadend verweigert hatte. Die Fischerbarke wurde nach dem Hasen von Gravelingen gebracht.
Pest, 6. October. Das Magnatenhaus lehnte mit 122 gegen 96 Stimmen den Abschnitt des Gesetzentwurfes über die freie Reltgionsübung ab, welcher die Frei- gebung der ConfessionSlosigkeit betrifft.
London, 6. October. Einer Meldung des „Daily Telegraph" zufolge soll der Czar mit der Abfassung einer Art politischen Testaments beschäftigt sein.
London, 6. October. AuS Shanghai wird telegraphisch gemeldet, daß sich die chinesischen Truppen eilig aus Mulden zurückziehen. Einerseits heißt eS, die Chinesen fliehen vor den heranziehenden Japanern, andererseits erklärt man den Rückzug damit, daß die chinesischen Truppen zum Schutze des Hafens von Petschilt, welchen die Japaner zu besetzen drohen, nach dort enteilen. In der Richtung nach Nutschwang wurden 70 japanische Transportschiffe, von mehreren Kriegsschiffen eScortirt, beobachtet. 10000 Koreaner sind von den Japanern angeworben worden, um von den japanischen Offizieren ein- exercirt und für den Garnisoudtenft in den coreantschen Städten verwendet zu werden.
Athen» 6. October. Die Quarantäne für Schiffe von Neapel wurde von zwei auf fünf Tage erhöht.
Athen, 6. October. Das Vorgehen der Offiziere gegen das Journal „Akropolis" wurde in der heutigen Verhandlung von dem staatlichen Commiffar sehr getadelt- ebenso wurde die unpatriotische Haltung der „Akropolis" mißbilligt. Die Urtheilspublikation wird höchst wahrscheinlich morgen erfolgen.
Petersburg, 6. October. Hiesige Blätter bestreiten den besorgnißerregenden Zu st and des Czaren. Derselbe reist in kürzester Frist nach Corfu und wird dort in dem Schlöffe des ehemaligem englischen Commiffars Wohnung nehmen.
Petersburg, 6. October. Es sind bereits Verhandlungen mit der Pforte wegen der Jncognito Durchfahrt des Czaren durch die Dardanellen eingeleitet worden. — Nach heute hier auS Ltvadia eingetroffenen Depeschen ist eine Besserung im Befinden des Kaisers eingetreten.
Neueste Nacheßchten.
Wolffd telegraphische« Correspondenz-Bureau.
Paris, 7. October. Der Präsident Casimtr-Perier fuhr heute mit seiner Gemahlin in einem vierspännigen Landauer ohne Escorte nach dem Longchamps, um den Rennen beizuwohnen. Infolge des schönen Wetters und wegen des vom Gemeinderath gestifteten neuen Preises hatte sich eine außerordentlich große Menschenmenge eingesunken. Der Präsident wurde auf der ganzen Fahrt, namentlich auf dem Longchamps, lebhaft begrüßt.
Depeschen Dtfc Bureau ,Herold*
Berlin, 7. October. Der fünfte Parteitag der norddeutschen Demokraten wurde heute Mittag in den hiesigen Concordiasälen eröffnet. Anwesend waren 30 Delegirte aus Berlin, Potsdam, Leipzig, Düffeldorf, Duisburg, Ottweiler und Jena. Nach mehrstündigen Debatten wurde ein Antrag einstimmig angenommen, worin der Parteitag den Ausschuß der demokratischen Partei beauftragt, die demokratische Agitation in Norddeutschland zu unterstützen und den Anschluß an die deutsche Volkspartei zur Abstimmung unter den Mitgliedern in den einzelnen Wahlkreisen zu bringen.
Berlin, 7. October. Heute Vormittag fanden Hierselbst fünf große öffentliche Versammlungen statt mit dem Thema: „Die Mehrbelastung des Tabaks oder fünfzigtausend Arbeiter brodlos!" In den Versammlungen wurde betont, daß durch die Annahme der dem Reichstage Seitens der Regierung neuerdings zugehenden ziemlich unveränderten Vorlage etwa 50000 Arbeiter brodlos würden. Die Versammlungen nahmen einstimmig eine Resolution an, worin die ueue Steuervorlage für unannehmbar erklärt wird.
Cocofc* nttb ^ESvLirzlelles
Gießen, den 8. October 1894.
* * Fahrplauänderuug. Vom 15. d. M. ab treten auf der Main Weser-Bahn Aenderungen in den Fahrzeiten ein- zelner Züge ein. Wir verweisen auf die diesbezügliche in vorliegender Nummer enthaltene Bekanntmachung der Köntgl. Eisenbahndirection Hannover und bemerken dazu, daß Deckblätter zum Aushang« und Taschenfahrplan vom 15. ab an den Fahrkarten-VerkaufSstellen auf Wunsch unentgeltlich ab« gegeben werden.
H Neues Theater. Mit ihrem neuesten Stück „Der Herr Senator" hat die Firma Schönthan und Kadelburg ein Lustspiel geschaffen, das seinen Platz auf den deutschen Bühnen voraussichtlich lange behaupten wird. Die beiden ersten Acte sind wirkungsvoll aufgebaut, der dritte und letzte dagegen fällt etwas ab. Das Ganze ist durchweht von einem frischen Humor und entbehrt nicht einiger guten Pointen - im übrigen fehlen auch nicht altbewährte Mittel und Mittelchen, die aber ihren Zweck erreichen- sie wirken, besonders wenn sie ein so dankbares Publikum finden wie heute. Die Vorstellung war flott und das Zusammenspiel klappte dank der guten Regie trefflich. Das Hauptinteresse beanspruchte natürlich der Gast, Herr Alex. Otto vom Hoftheater in Sondershausen. Herr Otto verbindet mit einer stattlichen
Erscheinung eine unfehlbare Sicherheit des Auftretens, die ihm von vornherein die Gunst des Publikums sichert. Wir stehen nicht an, seine Darstellung des Dr. Gehring als mustergiltig zu bezeichnen, und sehen seinem weiteren Auftreten mit großen Erwartungen entgegen. Ein würdiger Partner des Gastes war Herr Hacker. Schon neulich hatte uns dieser junge Künstler als Candtdat der Theologie in „Medicinische Kuren" gut gefallen. Heute freuen wir uns, '
' unser erstes Urtheil bestätigt zu finden und seine Leistung als „Schwiegersohn des Herrn Senator" uneingeschränkt loben zu dürfen. Wir werden seinen weiteren Leistungen mit Jn- tereffe ffolgen. Den Beifall, den wir der Jnscenirung des Herrn Baum zollen müssen, können wir seinem „Senator Andersen" leider nicht in dem vollen Umfange zu Theil werden lassen. Herr Baum übertrieb die so dankbar angelegte Rolle stellenweise ins Possenhafte. Der Hamburger, wie er hier geschildert wird, ist kühl bis ans Herz hinan und seine Zornesausdrücke sind maßvoll- ein Senator, dessen Vater gleichfalls Senator war, ist gewiß wohlerzogen — in seinem Hause herrscht ja auch die „Wohlanständigkeit" — deshalb darf sein Zorn nicht bei jeder Gelegenheit zur Wuth werden. Gut war Herr Baum entschieden in den Momenten, da die Rolle eine ruhige, überlegene Haltung verlangte. Hier blieb Herr Baum in den Grenzen der Natürlichkeit — und sein Spiel wirkte. Sollte das Stück wiederholt werden, so möchten wir noch bemerken, daß ein eingeborener Hamburger nicht sächsischen Dialect redet. — Von den Damen ist an erster Stelle Fräulein Hamm zu nennen. Ihre Darstellung der fischblütigen Hamburgerin, die sich erst nach und nach erwärmt, dann aber umso wärmer bleibt, war überzeugend. Frau Reiners scheint für Backfischrollen geschaffen zu sein- wie neulich war sie auch heute ein reizendes Exemplar dieser Gattung. Fräulein Wohlbrück als Frau Senator Andersen war gut. Die Nebenrollen waren zur Zufriedenheit besetzt. Die zahlreich erschienenen Zuschauer nahmen Stück und Darstellung mit großem Beifall auf, so daß die Darsteller widerholt erscheinen durften.
* * Neues Theater. Wie uns mitgetheilt wird, findet auf mehrfachen Wunsch das gestern mit großem Betfall aufgenommene Lustspiel „Der Herr Senator" morgen, Dienstag Abend, seine Wiederholung. Wir können nur wünschen, daß der Besuch eines solch genußreichen Abends, wie ihn dieses Lustspiel bietet, ein recht guter sein möge.
* * Viehunfall. Am SamStag Abend trieb ein Viehhändler eine Heerde Schlachtochsen, sogen. Wetdevteh, vom Bahnhose aus nach dem Schlachthause. Vor der Bahnüberbrückung am Neustädterthor sprang ein Theil der Thiere den Bahndamm hinauf- während versucht wurde, sie herunterzutreiben, sprang ein Thier von der Ueberbrückung herunter auf die Straße und mußte daffelbe infolge der erlittenen Verletzungen alsbald getödtet werden. Die anderen Thiere waren noch eine Strecke dem Geleise entlang gelaufen und wurden in der Schwarzlach etngefangen.
* * Durchgegaugene Pferde. In der Wtlhelmstraße gingen am Samstag Vormittag zwei Pferde mit einem Bierwagen durch. In der Ludwigstraße wurden dieselben zum Stehen gebracht, ohne daß außer der abgebrochenen Wagendeichsel Schaden entstand.
* * Unfall. Am Samstag Mittag fuhr ein schwer beladener Wagen die Frankfurterstraße herab. Die Pferde konnten den anscheinend mit ungenügender Bremsvorrichtung versehenen Wagen nicht hallen und stürzte infolgedessen ein Pferd, jedoch ohne Schaden zu nehmen.
* * Gestohlen wurde am Samstag auf dem Wochenmarkt einem Händler ein Butterweck und aus einem Kaufmannsladen ein Korb mit Inhalt.
* * Kohlendiebstahl. Ein Hausbewohner in den Neuen- bäuen hatte in letzter Zett einen allzu starken Abgang an seinen Steinkohlen bemerkt. Nachdem er der Polizei hiervon Kenntniß gegeben, entpuppte sich als Diebin eine in demselben Hause wohnende Frau. Ein Theil der Kohlen fand sich noch in deren Wohnung vor.
* * Körperverletzung. Der Leiter der Dampfstraßenwalze in der Marburgerstraße gerieth mit einem seiner Arbeiter am vorigen Samstag in Conflict. Er will von diesem angegriffen worden sein und zur Abwehr eine sogen. Steingabel vor sich gehalten haben- in diese sei der Arbeiter hineingerannt. Die Angaben des Arbeiters, welcher mehrere Stichwunden am Halse hat, lauten im entgegengesetzten Sinne und wird die Untersuchung erst Licht in die Sache bringen.
* * Schlägerei. In verflossener Nacht fand in der Marktstraße eine Keilerei zwischen zwei Arbeitern statt, wobei es blutige Köpfe setzte. Der Haupturheber wurde verhaftet.
* * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Sattler Marrin Gröninger aus Grünberg i. O. vom Amtsgericht Offenbach wegen Diebstahls- Bahnarbeiter Martin Häuser aus Okertshausen von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Diebstahls- Schmied und Ruffensteinmacher Gustav Schmidt aus Cönon, zuletzt in Rodheim v. d. H., von derselben Brhörde wegen Diebstahls- Dienstknecht Ludwig Krämer aus Gammelsbach, zuletzt in Olfen, vom Amtsgericht Beerfelden wegen Diebstahls- die Dienstmagd Elise Lauser aus Worms, zuletzt in Mainz, von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Diebstahls- Drechsler Fritz Schillhanneck auS Berlin vom Amtsgericht WormS wegen Strafvollzugs- Johanna Spahn aus Carlsbach vom Amtsgericht Offenbach wegen Strafvollzugs.
* * Zn Amerika verstorbenaHessen. GiardClaytenCo., Iowa: Johannes Mann, 77 Jahre alt, aus Busenborn. — Green C^o'unty, Pa.: Heinrich Horr aus Hessen- Darmstadt. — Jersey City Heights, N. I.: Carl Schleuning, Apotheker aus Nidda, 51 Jahre alt. — New-Bremen, O.: Wittwe Louise Wagner, geb. Lei« dorf, 91 Jahre alt, auS Nauheim.
* * Eheschließung von Milit'ärperfooen. Der Kaiser hat bestimmt, daß die Prüfung der militärischen Vorgesetzten bet Ertheilung des Heirathsconsenses an Personen des Soldaten« standeS vom Feldwebel abwärts sich nicht auf die Vornahme der Trauung in einer bestimmten Confession zu erstrecken hat und die Ertheilung des ConsenseS von der Art der kirchlichen Trauung nicht abhängig gemacht werden darf, sowie daß die zur Ertheilung deS Heirathsconsenses zuständigen Stellen, bei Offizieren indessen die Regiments-Commandeure, bezw. die entsprechenden Vorgesetzten angewiesen werden, von jedem Falle der ConsenSerthellung dem zuständigen Militär-Geistlichen, bezw. mit der Militär Seelsorge betrauten Civil-
geistlichen alsbald Mittheilung zu machen. Diese Anordnung hat auch auf die Angehörigen der Landgensdarmerie Anwendung zu finden.'
** Das sogeuaume „vlaumachen" ist nach einer Entscheidung des Bromberger Gewerbegerichts ein Grund zur sofortigen Entlassung. Ein Schuhmachergeselle hatte gegen seinen Meister wegen Entlastung ohne Kündigung geklagt. Der Beklagte wendete ein, daß er zur sofortigen Entlastung berechtigt gewesen, da dieser ohne Erlaubniß einen Tag lang von der Arbeit ftrngeblieben sei. Das gab der Kläger zu mit dem Bemerken, man könne doch einmal einen Tag in der Woche „blau" machen. Das Gewerbegericht ließ diesen Einwand nicht gelten und erkannte auf Abweisung des Klägers.
+ AuS dem Kreise Gießen, 5. October. Zu dem Kirchengesangfest, welches am 14. October in Beuern abgehalten wird, ist im Anschluß an die Mittheilungen in Nr. 233 des „Gießener Anzeiger" noch zu bemerken, daß in der um 2 Uhr beginnenden Hauptfeier acht Lieder von den Vereinen gemeinsam gesungen werden, während in einer nach einer Pause beginnenden Nachfeier die .verschiedenen Vereine einzeln auftreten und auch Frau Pfarrer Volp aus Allen- dorf an der Lumda zwei Solo-Gesänge vortragen wird.
h- Wieseck, 8. October. Am Samstag feierte die hiesige Firma Meyer & Günther (Ctgarrenfabrik) mit ihren Arbeitern, wie alljährlich, den Geschäftsgründungstag in der Restauration Karl Dorfeld. Dem frugalen Nachtmahle folgten Tanz und Vorträge bis zum Tagesgrauen. Das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und ihren Leuten zeigte sich auch hier wieder wie bei den früheren Festen. Dies ist ein Beweis, daß wenn, obwohl in einer kritischen Zeit für die Cigarren-Jnduftrie, beiderseits ein guter Wille gezeigt wird, auch eine gegenseitige Zufriedenheit entsteht, welche, wie wir wünschen, noch recht lange bestehen und sich noch manches Fest den vorhergegangenen anreihen möge.
M.W, AuS der mittleren Wetterau, 7. October. Wenn der Landmann dieses Jahr über die Ungunst der Witterungs- Verhältnisse klagt, dann kann es ihm nicht übe5 genommen werden. Mitte Juli stand alles herrlich in Flur, Wiesen und Feld — — aber was ist nach und nach daraus geworden ! Es ist ein Unsegen, ein trübes Verhängniß über das landwirthschaftliche Gewerbe gerathen- die schönsten Aussichten fallen ihm zum Opfer, oder werden doch so reducirt, daß kein rechter Erfolg mehr sichtbar ist. Durch die schlechte Witterung ist die Herbstsaatbeftellung schwer beeinträchtigt, an vielen Stellen ganz unmöglich, denn die Gespanne versinken in dem breiartigen Boden. Wo dieser leichter ist, taugt die Saat doch nicht viel, denn sie wird eingeschmiert, der Acker wird klosig und klumpig für das folgende Jahr. Etwas erfreulicher zeigt sich das Obst- geschäst. Da die unaufhörliche Näste die Ackerbeftellung hindert, benutzen viele unserer Landwirthe ihre Gespanne, um Kelterobst nach Frankfurt zu liefern; sie erhalten 50 bis 60 Pfennig pro Centner Fuhrlohn, je nach der Entfernung. Da ein Zweispänner 45 bis 55 Centner laden kann, ist der Verdienst annehmbar- es gehen aber auch beinahe zwei Tage darüber hin, denn in Frankfurt stehen ost Hunderte von Wagen hintereinander und warten auf Abfertigung. Das Malter (Doppelcentner) Kelterobft wurde dorten mit Mk. 7.50 bis Mk. 8.50 bezahlt. Wir warnen davor, nach Frankfurt mit eigenem Obste zu fahren, ohne daß es definitiv verkauft ist, weil die schlauen Frankfurter Händler einen unerfahrenen Landmann leicht überS Ohr hauen. — Mit dem Ernten von Spätgrummet und dem Herstellen von Kleeheu aus Stopp elklee haben unsere Landwirthe kein Glück, denn beide Futterarten sind jämmerlich zu Grunde gegangen. Die Gründüngungspflanzen: Erbsen, Wicken, Senf, Lupinen u. a. wollen nicht recht voran, es ist ihnen zu naß. Die Dickwurzeln werden hohl. Das Ernten der Zuckerrüben ist auf den breiartigen Aeckern mit den schweren Fuhrwerken eine furchtbar mühselige Arbeit- der Zuckerstoff hat sich in den letzten Wochen noch erhöht, aber die Rüben sind nur äußerst schmutzig aus dem Boden zu bringen, so daß 25 % Schmutz keine Seltenheit und an den Fuhren in Abzug gebracht werden.
* * KirchgöuS, 6. October. Der langjährige, um unser Gemeinwesen sich hochverdient gemachte Großh. Bürgermeister, Herr Weber, hat bei Großh. Kreisamt Friedberg wegen vorgerückten Alters seine Amtsentlaffung eingereicht. AuS diesem Grunde fleht für unsere Gmeindeangehörtgen im Laufe der nächsten Woche ein hochwichtiger Act bevor, nämlich die Wahl eines neuen Bürgermeisters. Möge aus der Urne ein Mann hervorgehen, der wie Herr Bürgermeister Weber die vielseitigen Interessen unseres Gemeinwohls auf das Beste zu wahren versteht.
* * Schlitz, 4. October. Einen stattlichen Auerhahn in feinem Hofschuppen einzufangen, so märchenhaft dies auch klingen mag, hatte Herr Stationsführer Achenbach das Glück. Der seltene Vogel kam am Samstag Mittag hoch über die Hainbuche und den Grabenberg geflogen und ging in dem erwähnten Schuppen nieder, wo er von Herrn A. dingfest gemacht und dem Gräfl. Forstamt eingeliefert wurde. Das Thier, welches am Hals verletzt war, ist dann im Wald ausgesetzt worden, da es aber nicht aufzufliegen vermochte, mußte es abgeschoffen werden.
△ Mainz, 7. October. In den Parterreräumen des kurfürstlichen Schlosses wird nächster Tage ein Denkmal des vor zwei Jahren verstorbenen Dicectors des römisch-germanischen Centralmuseums, Prof. Dr. Ludwig Linden- s ch mi tt, zur Aufstellung kommen. Dasselbe besteht aus einer Büste aus carrarischem Marmor nud ist ein Meisterwerk des verstorbenen Bildhauers Scholl. Die Büste wird von einem edel gegliederten Postament aus gelbgrauem Marmor in eigenartiger Farbenschattirung getragen. .
* * Bingen, 7. October. Die Stadt prangt in reichem Flaggcnschmuck und zeigt, welche Antheilnahme dem Fest deS 50jährigen Bestehens des OrtsgewerbevereinS und der Gewerbeschule entgegengebracht wird. Alle


