voraus. Die Altistin Fräulein Ottilie Fellwock, eine geborene Wienerin, erregte bereits als blutjunge Schülerin der berühmten Aglaja Orgeni auf dem Königlichen Conser- vatorium in Dresden durch ihr hervorragendes Talent Aufsehen. Nach Beendigung ihrer Studien auf dem Stern'schen Conseroatorium in Berlin — speciell als Schülerin der Gesangmeisterin Jenny Meyer — hat sie sich vermöge ihrer prachtvollen Stimmmittel, ihrer ausgezeichneten Schule und ihres außergewöhnlichen Vortragstalents im Laufe weniger Jahre einen der ersten Plätze unter den bedeutendsten Concert- sängerinnen der Gegenwart gesichert. Herr Sally Liebling ist von seinem vorjährigen Auftreten als Claviervirtuose von großem Rufe hier noch in guter Erinnerung. Als Schüler von Franz Bendel und Professor Kullack concertirte er schon in seinem zwölften Jahre in fast allen größeren Städten Deutschlands mit vorzüglichem Erfolg und unternahm dann eine mehrjährige Tourne durch ganz Amerika. Nachdem er noch bei Franz Ltßzt seine Ausbildung vollendet hatte, gründete der Künstler im Jahre 1888 in Berlin das Neue Conservatorium der Tonkunst, dem er noch heute als Director vorsteht. Große Sauberkeit der Technik und Gleichmäßigkeit im Spiel, gediegene Tonbildung, eigenartige Auffassung und ein ausgezeichnetes Gedächtniß sind die Vorzüge, welche Herrn Liebling besonders nachgerühmt werden. Die uns vorliegenden Kritiken, welche der schönen, besonders in den tiefen Lagen klangreichen Altstimme, dem ernsten abgerundeten und wohl- rhuend einfachen Vortrag der Sängerin, sowie der immensen Fertigkeit, der Kraft und Bestimmtheit im Ausdruck des Pianisten ungetheilten Beifall zollen, lassen einen hervorragenden Kunstgenuß erwarten.
k. Alsfeld, 5. Juli. Der diesjährige (32.) Verbandstag hessischer Vorschuß- und Creditvereine wird am 11. und 12. d. M. hier abgehalten werden. Am 11. Abends sinder die Vorversammlung zur Aufstellung der Tagesordnung in der „Krone" und am 12. von Morgens 9 Uhr ab die Hauptversammlung im „Deutschen Kaiser" statt. Dem Verbände gehören 25 Vereine Schultze-Delitzsch'scher Richtung an, die zum größten Theile vertreten sein werden. Den Schluß Nachmittags nach den Verhandlungen bildet ein gemeinschaftliches Mittagessen.
-ck. Aus dem Kreise Alsfeld, 6. Juli. So ungewöhnlich reiche Honigernte im vorigen Jahre die Imker hielten, so ungemein schlecht ist bis jetzt das Honigergebniß und es dürfte auch schwerlich sich noch bemerkenswerth bessern. Wohl hatten die Bienen zu Beginn des Frühlings einen recht guten Ansatz, indem sie Raps und Obstbaumblüthe aufs beste benutzen konnten. Infolge der guten Frühjahrstracht gab es auch so viele Schwärme. Aber seit dieser Zeit haben die Bienen fast nichts eingetragen, trotz des guten Flugwetters. Es fehlt eben die Haupternte, die der weiße Klee liefert. Statt diesem sieht man nur Kamillen auf den Aeckern. Ueberhaupt „honigt" es, wie der Imker zu sagen pflegt, in diesem Jahre sehr schlecht. Wenn Linden, die jetzt zu blühen beginnen, und Sommerraps nicht noch etwas Honig liefern, so dürften die Bienenschwärme kaum den nöthigen Wintervorrath zusammenbringen. Der diesjährige Bienenhonig dürfte in Folge dessen ein viel selteneres Product auf dem Markte sein, als der vorjährige.
§ Vom Vogelsberg, 6. Juli. Es fängt nachgerade an, wieder zu trocken zu werden. So sehr man zur Heuernte den Sonnenschein begehrt, so gerne hätte man jetzt einen gründlichen Regen. Vor allem thut er der Gerste am nöthigften. Bei dem trocknen Wetter vermag sie nicht herauszuwachsen. Wie beim Korn zeigen sich auch bei ihren Aehren oft Lücken, in denen ein Jnsect die weichen Körner zerfressen. Am dringendsten wäre der Regen für den Garten. Bohnen und Gurken ist es längst zu trocken. Die Zuckererbsen beginnen schon falb zu werden und Gemüse und Küchengewächse sind im Wachsthum gehemmt. Das Obst fällt massenweise herunter,- es schadet aber dieser Abfall nichts, indem die Bäume vielfach mit Früchten überladen waren. Im Felde wird der Boden zum Bearbeiten für Dickwurz, Kraut und Mais gleichfalls zu trocken und hart.
§ Grebenhain, 4. Juli. Der hiesige, in den 70er Jahren stehende Invalid Valentin Bopp wurde heute beim Viehhüten von einem Schlaganfall getroffen, welcher seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Bopp hatte den Badischen Krieg 1848 und 1849 mitgemacht und bezog wegen einer unbrauchbar gewordenen Hand Invalidenrente.
Mainz, 5. Juli. Nach einer kriegsministeriellen Verfügung wurde der einzige noch lebende Sohn des Herrn Christoph Falk, dessen ältester Sohn vor Kurzem durch einen Unfall bei der Felddienstübung des 13. Husaren-Regiments von einem Nebenmann erschossen wurde, für immer von dem Militärdienst befreit. Das Kriegsministerium hat dies in einem Schreiben dem bekümmerten Vater mit- getheilt.
A Mainz, 6. Juli. Die gegenwärtig in Kronberg weilende Kaiserin Friedrich wird demnächst Mainz einen Besuch abstatten. Zweck des Besuches ist hauptsächlich die Kunftschätze von Mainz zu besichtigen und wird der hohen Dame hierbei Domcapttular Dr. Schneider als Führer dienen.
A Ans Rheinhessen, 6. Juli. Die zur Zeit in einem großen Theil der diesseitigen Provinz herrschende Schweinepest hat in einzelnen Gemeinden schon stark unter dem Borstenvieh aufgeräumt. So sind in Hechtsheim Anfangs dieser Woche an einem Tag über 50 Schweine au der Deuche crepirt. Die an der Krankheit erlegenen Schweine stammen sämmtlich von einem Transport aus Posen und will man jetzt den Händler für den Schaden haftbar machen. — Mit dem Schneiden des Kornes hat man hier begonnen. Die Frucht steht durchschnittlich ausgezeichnet. — In den Tagen vom 23. bis 26. August findet in Sprendlingen eine größere landwirthschaftliche Ausstellung statt.
Vermischtes.
* Marburg, 6. Juli. Von dem von der Gräfin v. Bose, geb. Gräfin v. Reichenbach-Lessonitz, der medicinischen und der chirurgischen Universitäts-Klinik zugewendeten Vermächtnisses im Betrage von 55 230.28 Mk., wovon 16 800 Mk. auf Prtvathypothek, 38 300 Mk. in staatlichen rc. Werthpapieren, 130.28 Mk. bet der hiesigen Sparkasse angelegt sind, wurden anZinsenantheilen im Jahre 1893/94 1924.37 Mk. zur Verpflegung je zur Hälfte für die medicinische und chirurgische Klinik verwendet. Die Zahl der Verpflegungstage kranker Kinder betrug 3777 und deren Verpflegung (60 Pfg. pro Tag) 2266.20 Mk.
* Fulda, 4. Juli. Bezeichnend für den derzeitigen großen Mangel an Schlachtvieh und der dadurch bedingten ungünstigen Geschäftslage der Metzger ist der Umstand, daß gestern früh in einer größeren Anzahl hiesiger Geschäfte kein frisches Fleisch zu haben war.
* Berlin, 6. Juli. Der Rentner Gartz in Groß- Lichterfelde feuerte gestern Nachmittag auf den Agenten und niederländischen Reserveoffizier Antonius Dagnelie, den Verführer seiner Frau, einen Schuß ab. Die Kugel drang dicht unter dem Herzen ein, schlug aber an einer Rippe an und erhielt dadurch eine andere Richtung- sie wurde durch einen Schnitt entfernt. Der Verwundete lebt, Gartz wurde verhaftet.
* Berlin, 6. Juli. Der neunjährige Sohn des hiesigen in Ahlbeck weilenden Sächsischen Gesandten Grafen v. H oh ent Hal und Bergen wurde dort von einem Omnibus todtgefahren.
* Der Bierkrieg wird auch in den westlichen Vororten Berlins von den Socialdemokraten bis auf's Aeußerste fortgeführt. In Steglitz ist am Sonntag vor Beginn des Gottesdienstes ein Zettel mit den Worten: „Trinkt kein boykottirtes Bier!" an die Kirchenthür geklebt worden.
* 13,452 Kreuzottern sind nach einer die letzten fünf Jahre umfassenden Statistik allein im Bezirke der Amtshauptmannschaft Oelsnitz, Königreich Sachsen, gegen eine Prämiensumme von 3670 Mk. 20 Pf. an die Behörde eingeliefert worden. 1889 wurden 2140 Stück für 1070 Mk., 1890 3378 Stück für 1013 Mk. 40 Pf., 1891 2513 Stück für 502 60 Pf., 1892 2480 Stück für 496 Mk. und 1893 2941 Stück für 588 Mk. 20 Pf. gefangen und ge- tödtet. Die Fangprämie ist im Laufe der Jahre von 50 auf 30 und 20 Pf. pro Stück herabgesetzt worden.
* Das Fahrrad in den Dienst der Feuerwehr zu stellen, erstrebt seit längerer Zeit der in Altona stationirte Branddirector Reichel, dem die dortige städtische Feuerwehr bereits verschiedene vortreffliche Neueinrichtungen zu danken hat. Diese Neuerung tritt in einigen Tagen in Thätigkeit. Die Feuerwehr in Altona wird die erste auf dem Continent sein, die sich des Rades bedient, um die Brandstelle schneller zu erreichen. Der Branddirector hat ein zweisitzges Dreirad beschafft, welches nach seiner Angabe mit Laterne, Fackelhalter und Signalglocke versehen wird. Dieses Fahrzeug wird in der Remise direct neben dem Telegraphistenztmmer stationirt und hat bet einer Feuermeldung sofort nach der Meldestelle auszurücken. Das Fahrrad hat vor dem nachfolgenden Zuge einen Vorsprung von mindestens einer Minute, der sich mit der Entfernung vergrößert. An der Meldestelle angekommen, springt der Vordermann vom Rade ab und stellt sich nach erhaltener Mtttheilung, wo das Feuer ist, an der eventuell vom nachfolgenden Zuge zu passirenden Straßenecke auf, ruft hier dem Fahrer des ersten Fahrzeuges Straße und Hausnummer zu, wodurch ein möglicher Weise durch Umkehren entstehender Verzug vermieden wird, und begibt sich sodann ebenfalls sofort zur Brandstelle. Inzwischen ist der andere Mann schon an der Brandstelle angelangt, orientirt sich, beruhigt die Hausbewohrer und hält sie nöthigenfalls von Thor- heiten ab. Beim Eintreffen des Löschzuges ruft er dem Führer zu, wo der Herd des Feuers, ob Menschen in Gefahr, ob das Sprungtuch zu benutzen sei u. s. w., so daß die Mannschaft sofort in Thätigkeit treten kann und wiederum eine Verzögerung der Rettungsarbeiten vermieden wird. Zum Fahrraddienst werden selbstverständlich nur die intelligentesten Feuerwehrleute genommen. Noch weiter anzuftellende Versuche und die Praxis werden ergeben, ob das Fahrrad auch noch mit Sprungtuch oder sonstigen Rettungswerkzeugen oder Löschgeräthschaften auszurüften ist.
* Ein technisches Kunststückcheu erregte kürzlich in Freiburg i. S. Aufsehen. Es handelte sich um die Verwandlung von Fichten in Papier in 12 Stunden. Früh V26 Uhr wurden die zu verarbeitenden beiden grünen Fichten gefällt, sofort in die Fabrik gebracht, dort entrindet, zerkleinert und gedämpft. Nachmittags wurde das braungedämpfte Holz zu Holzstoff geschliffen, die nassen Bogen wurden mit Dampf getrocknet und geglättet, und schon um 3 Uhr war ein Theil des Papiers fertiggestellt und kam um 5 Uhr unter die Presse des Buchdruckers. Die Fichten, die noch vor wenigen Stunden sich am Abhange des romantischen Flöhathales im Morgenwinde wiegten, wurden somit am Nachmittag in Gestalt einer gedruckten Zeitung dem Leser dargereicht.
* Ueber die Sichtbarkeit der Farben sind mit Rücksicht auf die Trefffähigkett der weittragenden kleinkalibrigen Gewehre kürzlich von der Gesellschaft der Civiltngenieure in Parts interessante Versuche unternommen worden, über deren Ergebntß die „T. R." Folgendes berichtet: Zur Bezeichnung der Sichtbarkeit der Farben auf große Entfernungen wählte man die Zahlen 1 bis 8, so daß 8 den gänzlichen Mangel an Sichtbarkeit bezeichnet. Es wurde für zweckmäßig erachtet, anzugeben, wie sich die Zahlen bei Hellem und bet düsterem Wetter und bei Nacht stellen. Das Resultat der Beobachtung auf 600 Meter Entfernung wird wie folgt angegeben: Bet Hellem Wetter ist Weiß am sichtbarsten (1), dann kommt das Husarenblau (2), Krapproth (3), Grün (4). Grau und die Farbe von dürrem Laub sind beinahe unsicht-
1 bar und erhielt die Ziffer 7. Dunkelblau erhielt Ziffer 6.
Bet trübem Wetter ändert sich nichts bei Weiß, Blau und Braun, das Husarenblau wird weniger sichtbar (3), ebenso Krapproth (4). Dagegen wird Grün sichtbarer (3). Bei Nacht waren die Resultate die gleichen wie bei trübem Wetter, nur daß Weiß unsichtbar wird und von Ziffer 1 auf 8 übergeht. Die Farben der deutschen und italienischen Infanterie (dunkelblau und eisengrau) wurden auf 6 classifizirt- in Frankreich erhielt man in Folge des rothen Käppis, des dunkelblauen Capots und der krapprothen Hosen die Durchschnittsziffer 4</2. Man meint aber, daß sich in Wirklichkeit für die französische Infanterie der Nachtheil geringer stellen wird, weil man von den rothen Hosen nur das Stück zwischen dem untereren Theil des Capots und dem oberen Theil des Halbstiefels sieht, und dieser schon nach den ersten Märschen meist so schmutzig ist, daß das Leuchten der Farbe aufhört. Das Leuchten der Kürasse, Helme und Säbel ist hierbei nicht berücksichtigt. Das Brüniren derselben wird sich jedenfalls empfehlen.
* Der Hund am Telephon. „Ein schnurriges Ex. periment hat", so schreibt allen Ernstes das „Berl. Jnt.- Bl.", „der in der Brunnenstraße wohnhafte Bäckermeister M. gemacht, welcher einen äußerst gelehrigen Pudel besitzt. Dieser hielt sich häufig bei einem Verwandten des Bäckermeisters, der in der Danzigerstraße wohnt, auf, da dort eine Pudel- hündtn war- wenn bei dem Bäckermeister Phlox vermißt wurde, konnte man sicher sein, daß er einen Ausflug nach der Danzigerstraße gemacht hatte. M. hatte nun den Pudel zu einem Spaziergange nach Pankow mitgenommen. Als er auf dem Heimwege in die Nähe der Danzigerstraße tarn, war Phlox plötzlich verschwunden. Von seinen Kindern darauf aufmerksam gemacht, daß der Pudel möglicher Weise zum Onkel in der Danzigerstraße gelaufen sein könne, begab sich M. ans Telephon und fragte seinen Verwandten, ob sein Hund sich dort eingefunden hätte. Auf die bejahende Antwort bat er, den Hund aus dem Hause zu jagen. Es verging geraume Zeit, aber Phlox kam nicht. Dagegen wurde M. die Mtttheilung gemacht, daß Phlox heute außerordentlich widerspenstig sei und alle Bemühungen, ihn nach Hause zu schaffen, mit einer bewundernswerthen Schlauheit zu vereiteln wisse. M. mußte sich wohl oder übel entschließen, noch einmal in die Stiefel zu fahren, um den Hund zu holen. Nicht wenig darüber erbost, sann er nach, wie er sich dieser Unbequemlichkeit entziehen könne. Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Mit schnellen Schritten war er wieder am Telephon, verständigte seinen Verwandten damit, Plox das eine Hörrohr an ein Ohr zu setzen, und ließ nun den gellenden, dem pflichtvergessenen Hund nur zu bekannten Hundepfiff ertönen. Sogleich setzte Phlox zur Stube hinaus und rannte in gestrecktem Laufe der Heimath zu, wo er zehn Minuten nach Ertönen des Pfiffes anlangte. In Anbetracht dieses Erfolges ließ M. den Stock noch einmal ruhen."
* Einen eigenartigen Kniff für den Kundenfang wandte ein Liverpooler Geschäftsmann an. Er veröffentlichte in einem dortigen Blatte folgendes Inserat: „Kauft nur bet James Duffer Scroodge. Er kann Alles billiger geben, weil er Junggesell ist und weder für hungrige Kinder- mäuler, noch für ein putzsüchtiges, Aufwand treibendes Weib zu sorgen hat. Beeilt Euch jedoch, denn er ist nicht abgeneigt, dennoch bald zu heirathen, wenn er die passende Ehegenossin findet." — Der Mann hat in Folge dieser Annonce colossalen Zuspruch aller heirathslustigen Damen Liverpools!
* Ueber die Krokodile auf Ceylon schreibt man der „Köln. Volksztg." aus Colombo: Ein erwachsenes Mädchen ging, um Wasser zu holen, zum Teiche nahe der Stadt Kaludara auf Ceylon. Als es sich bückte, um die Krüge zu füllen, schoß plötzlich ein Krokodil aus dem Wasser hervor und packle das Mädchen. Auf dessen Hilferufe sprangen einige Männer herbei und hinderten das Thier, mit seinem Raub zu verschwinden. Trotzdem diese Männer mit wuchtigen Knütteln auf das Krokodil losschlugen, ließ es seine Beute nicht eher los, als bis der in der Nähe wohnende Jnspector mit einem Gewehr hinzueilte und das Thier durch einen Schuß ins Auge tödtete. Jetzt erst konnte man das Mädchen aus dem Rachen des Krokodils befreien und zum Hospital schaffen, woselbst es nach zwei Stunden von seinen Schmerzen durch den Tod erlöst wurde. Beide Beine, sowie der Unterleib waren von den Zähnen des Thieres zermalmt. Das Krokodil hatte sechszehn Fuß Länge. Dies Unglück ereignete sich um 10 Uhr Vormittags. Die Einwohner sprachen noch davon, dem unglücklichen Mädchen eine anständige Beerdigung zu verschaffen, als (es war 3 Uhr Nachmittags) plötzlich die Nachricht verbreitet wurde, daß ein Kmd von einem Krokodil ins Wasser gezogen worden sei. Leider war es so. Mehrere Kinder, welche dicht am Teiche spielten, wurden von einem Krokodil überrascht; blitzschnell hatte das Thier eines ersaßt und war damit zurück ins Wasser geeilt. Trotzdem auch jetzt Leute herbeieilten, kamen sie zu spät- sie sahen nur, wie das Thier mit seiner Beute wegschwamm. Vom Kinde konnte man nur die Hände über dem Wasser sehen. Wohl wurde sofort ein Boot bemannt, jedoch konnte keine Hilfe mehr gewährt werden. Das Krokodil hatte sich wohl mit seinem Raub im Schlamme des Teiches verkrochen. Früher zahlte die Regierung für jedes getödtete Krokodil eine Prämie, jetzt nicht mehr, und deshalb vermehren sich die Thiere so, daß sie eine Landplage sind. Auf der ganzen Insel giebt es keinen Fluß oder Teich, welcher frei von Krokodilen wäre.
Amdwirthschastliche Winke und Rathschläge.
△ AuS Oberhefsen, Anfang Juli.
Ueber Behandlung der ObstbLume im Sommer 1894 und über richtige Berwerthung des Obstes.
Es hat den Anschein, als würde das Jahr 1894 Manches von Demjenigen gut machen, was das Jahr 1893 verdorben hat, denn wenn man sich gegenwärtig — zu Anfang des Monats Juli — in Wiesen, Flur und Feldern umschaut, muß man mit Freuden ge-


