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8.7.1894 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 8. Juli

Erstes Blatt

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Zlints- und Zlnzeigeblatt für den Ureis Gieren

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Bierteljähriger Zöonnementsprei«: 2 Mark 20 Pfg, mit Sringerlolnt.

Durch die Post biogen 2 Mark 50 Pfg.

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SchntKrahe ^Zr.7.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borin. IO Uhr.

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Gießen, den 7. Juli 1894.

** Gymnasium. Nachdem in den letzten Wochen Herr Director Bergquist und Herr Dr. Astrand auS Schweden dem hiesigen Gymnasium und dem damit verbundenen päda­gogischen Seminar einen Besuch abgestattet hatten, nahmen in diesen Tagen von den Einrichtungen und dem Unterrichts­betrieb der Director der Franke'schen Stiftungen, Herr Dr. Fries, und Herr Gymnafialdirector Friedel aus Wernigerode Kermtniß.

** Aus dem Zustizdienst. Durch Entschließung Groß­herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 3. Juli wurden beauftragt: a. mit Wahrnehmung der Dienft- verrichtungen eines Staatsanwalts: 1) bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg der Gerichtsassesior Gerl ach in

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Verleumdung erhoben worden. Die Verhaftung sei er­folgt auf Grund von Vorschriften der Militärstrasprozeß- ! ordnung, da Collusionsverdacht vorgelegen habe. Nachdem ! die Untersuchung nun beendet, die That selbst sich aber nur als Vergehen, nicht als Verbrechen darstellt, sei die Unter- suchungshaft aufgehoben worden, woraus sich noch nicht die ; Unschuld KotzeS ergebe. Die Freilasiung erfolgte, weil mit Beendigung der Untersuchung der Collusionsverdacht besei-

Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehm:» Anzeigen für denGießener Anzeiger" r".

Neueste Nachrichten.

Wolff- telegraphisches Correspondenz- Bureau.

Berli«, 6. Juli. DieAllgemeine Fleischerzeitung" will aus zuverlässiger Quelle wissen, die seit dem 28. April über den Berliner Viehmarkt verhängte Schweinesperre werde in den nächsten Tagen, sicher jedoch Anfang nächster Woche aufgehoben werden.

Berlin. 6. Juli. DerReichsanzeiger", veröffentlicht einen Bescheid des Cultusministers an eine Anzahl von Apo- thekern, wonach das Laboratorium feuersicher, d. h. die Holztveile an den Wänden zwei Centimeter stark überputzt sem, die Decke aber feuerfest, d. h. ganz gemauert oder durch Wellblech geschützt sein muß. Doch soll es für die be­stehenden Apotheken genügen, wenn etwaige Holztheile an der Decke überputzt sind.

Rom, 6. Juli. DieAgenzia Stefani" meldet: Durch ein heute erlassenes Decret ist das Strafverfahren wegen Ueberlretung der Verordnung betreffend die Ablieferung von Waffen aus der Insel Sizilien aufgehoben und die von den Kriegsgerichten anläßlich solcher Uebertretungen verhängten Strafen sind erlaffen worden.

Loudon, 6. Juli. Im Unterhause erklärte bet der Beratung des Kriegsbudgets Wosdall, daß die Einführung des Achtstundentages für die Arbeiter in den Arsenalen erfolgreicher gewesen sei, als man erwartet habe. Es habe sich eine große Z eitersparniß ergeben und die Arbeiter seien im Stande gewesen, unter dem neuen System mehr Lohn zu verdienen als früher.

Loudon, 6. Juli. Der bekannte englische Staatsmann, Alterthumsforscher und Schriftsteller Henry Layard ist gestorben.

Stockholm, 6. Juli. Die bacteriologische Untersuchung der Excremente von vier Passagieren des Dampfers Doebeln" ergab Cholera asiatica.

Petersburg. 6. Juli. Die kaiserliche Familie reiste heute nach den sinländtschen Skaeren ab.

Chicago. 6. Juli. Eine zahlreiche Volksmenge empfing gestern den Bürgermeister und den Polizeichef, welche bemüht waren, einen Eisenbahnzug abgehen zu lassen, mit Pfeifen. Die Eisenbahnbeamten, welche die Hinderniffe von den Schienen beseitigten, wurden verhöhnt und ebenfalls mit Pfeifen em­pfangen. Die Behörden befahlen darauf den Truppen, auf Alle zu feuern, welche versuchen sollten, die Züge ausein­ander zu koppeln. Die Strikenden brachten nun einen Zug zum Stehen und nahmen die Polizeibeamten fest. Der Locomotivführer gab Revolverschüffe ab, wurde aber von der Polizei entwaffnet. Später waren die Polizeibeamten geuöthigt, auf die Strikenden Feuer zu geben, wobei mehrere der Letzteren verwundet wurden. In Sacra- mento weigerten sich die Truppen vorzugehen, da der Marschall ihnen nicht gestattete, aus die Menge erforderlichen­falls zu schießen. Der Strike in Indianapolis ist beendet.

Gießener Anzeiger

Keneral'-Anzeiger.

Depeschen de- Buresu .Herold*.

Berlin, 6. Juli. Abweichend von anderen Meldungen erfährt dieVoss. Ztg." aus militärischen Kreisen, daß zu den diesjährigen Manövern als Gäste des Kaisers der Großsürft-Thronfolger von Rußland, der Erzherzog Albrecht von Oesterrelch und der Erbgroßherzog von Sachsen Weimar erwartet werden.

Berlin, 6. Juli. DerVorwärts" veröffentlicht aber­mals ein streng vertrauliches Schreiben des Landraths vom Niederbarnimer Kreise, in welchem er die ihm unter­stellten Behörden auffordert, ihm innerhalb einer gewiffen Frist alle diejenigen von den zu dem Militär Ausgehobenen bekannt zu geben, die Anhänger der Socialdemokratie oder des Anarchismus sind.

Berlin. 6. Juli. DasBerl. Tagebl." erfährt, gegen Herrn v. Kotze sei vor dem Kriegsgericht Anklage wegen

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tigt sei.

Berlin, 6. Juli. Der Kaiser hat dem Manöver-Ge­schwader einen silbernen Aufsatz mit der Bestimmung verliehen, daß derselbe stets bei dem Commandanten des- jenigen Schiffes des Manöver-Geschwaders Aufstellung finden soll, welches bei der jedesmaligen letztjährigen Uebungßperiode die besten Leistungen im Schießen mit der Schiffsartillerie aufzuwetsen gehabt hat.

Berlin, 6. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Abberufung des außerordentlichen Gesandten und bevollmäch­tigten Ministers am Großherzoglich hessischen Hofe Freiherrn von Plessen behufs anderweiter dienstlicher Verwendung.

Budapest. 6. Juli. Der französische Consul in Fiume erhielt einen Drohbrief, der ihn dazu veranlaßte, seinen Posten niederzulegen.

Budapest. 6. Juli. Großes Aufsehen erregt der S e l b st - mord des liberalen Magnaten Grafen Gabriel Beniczky. Aus welchen Gründen der Graf Hand an sich gelegt hat, ist noch nicht festgestellt. Er war sehr reich und lebte in den glücklichsten Familienverhältnissen.

Prag. 6. Juli. Bei der Vorfeier des Todestages von Johann Huß kam es auf dem Bethlehemplatze, wo Huß gewohnt hat, zwischen zahlreichen jungen Leuten und der Polizei zu heftigen Zusammenstößen- es erfolgten mehrere Verhaftungen.

Paris. 6. Juli. Caserio, der Mörder Carnots, hat an den Präsidenten Casimir Perier einen Brief gesandt, worin er um eine Geldsumme bittet, da er die Gefängntßkost nicht genießen könne. Diese kleine Gefälligkeit sei ihm der neue Präsident schuldig, da er doch nur ihm (Caserio) die Präsidentschaft zu verdanken habe.

Lyon. 6. Juli. Im Verlaufe der Untersuchung gegen Caserio hat es sich herausgestellt, daß ein Onkel desselben im Jrrenhause gestorben ist, daß sich eine Tante desselben gegenwärtig im Jrrenhause befindet nnd daß sein Vater auch nicht im Vollbesitz seiner Geisteskräfte ist. Das Acten- material wird übermorgen an das Justizministerium ein- gereicht.

Lüttich. 6. Juli. Der Gemeinderath faßte heute den Beschluß, wegen der immer drohender werdenden Anar­chisten gefahr die Polizeimacht um ein Drittel zu ver- stärken.

Brüffel, 6. Juli. DieJndependance belge" erhielt ein anonymes, aus ausgeschnittenen Buchstaben zusammen­gesetztes Schreiben folgenden Inhalts:Die Beseitigung des gemeinen Halsabschneiders Carnot scheint Sie zu überraschen. Jeder Fürst wird an die Reihe kommen. So wird der Des­potismus ausgeroltet. Unsere Verbindungen sind mächtig. Bald fällt ein anderes Opfer." Unterzeichnet ist: Ein entschlossener Anarchist."

Sofia, 6. Juli. Das RegierungsblattSwoboda Slovo" bringt einen bemerkenswerthen Artikel, in welchem betont wird, Bulgarien werde die Entwickelung der Weltpolttik ab­warten und seine freundlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten suchen. Mit dem officiellen Rußland könne keine Aus­söhnung stattfinden, so lange dort keine Verfassung bestehe. Man kenne die Jntriguen der russischen Diplomatie zu gut und werde sich nicht einer Wiederholung des 9. August aussetzen.

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Wallenfels.

NvlatzA. getaner Iwein Tommerlad, 47.

Der Hichener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS.

Die Gießener Aamitienktalter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt.

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Darmstadt, 2) bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen der Gerichtsassessor Zimmermann in Gießen- b. mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines AmtsanwaltS. 1) bei dem Amtsgericht Darmstadt II der GerichtSasfrssor Gläßing tu Gießen, 2) bei dem Amtsgericht Gießen der Gerichtsaffessor Steinberger daselbst, 3) bei dem AmtS- gericht Mainz die Gerichtsaffefforen Rausch in Mainz und Härtner in Alzey, 4) bei dem Amtsgericht Alzey der Gerichtsassessor Pirsch in Mainz- c. mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines HtlfSgerichtsschreibers: 1) bei

dem Landgericht der Provinz Oberhessen der Gerichtsaffessor Sell he im in Friedberg und 2) bei dem Landgericht der Provinz Rheinheffcn der Gerichtsaffessor vr. Schneider in Oppenheim. ,

» Verhaftungen. Ein Arbeiter, welcher dringend ver­dächtig ist, die Bäumchen an der Leihgesterner Straße in der Nacht vom 1. auf den 2. d. Mts. abgebrochen zu haben, wurde heute gefänglich eingezogen. Ferner wurde ein junger Handwerksbursche verhaftet, welcher aus der Herberge seinem Schlascollegen 2 Mark gestohlen hatte.

** Betrunken. Ein Arbeiter aus Westphalen, der sich gestern in der Klinik untersuchen lassen wollte, hatte sich vor- her mit Freunden so benebelt, daß er auf der Straße lag und in das Polizeigewahrsam gefahren werden mußte. Nach­dem er hier seinen Rausch ausgeschlasen, wurde er von seinen Freunden abgeholt und konnte dann die ärztliche Untersuchung stattfinden.

* Der Getreidemarkt. In der abgclaufenen Berichts­woche bekundete der Getreidemarkt tm Vergleiche zur Vorwoche eine im Allgemeinen etwas größere Festigkeit. Dieselbe drückte sich durch ein nicht unerhebliches Anziehen der Preise für Weizen und Roggen aus und wirkten hierbei theils bessere Meldungen vom amerikanischen Markte, theils die nach einigen schönen Tagen wieder unsicher gewordenen Witterungsverhält­nisse ein. Dabei waren die Umsätze, wenigstens im Roggen- geschäst, nicht unbedeutend. Hafer dagegen blieb vernach­lässigt, nur hintere Sichten notirten etwas höher. Notirungen an der Berliner Productenbörse, alles per 1000 Kilogramms: Weizen 134-147 Mk., Roggen 120-127 Mk., Gerste 96 bis 165 Mk., Hafer 130163 Mk.

** Aluminium-Kochgeschirre. Nach mehrjährigen Versuchen ist es gelungen, für die Fußtruppen ein Aluminium- Kochgeschirr herzustellen, welches den ursprünglich bei Ver­wendung von Aluminium zu ähnlichen Zwecken beobachteten Nachthetl eines unangenehmen Beigeschmacks der Speisen nicht mehr aufweist, in Folge seiner Leichtigkeit in hohem Maße zur Entlastung der Mannschaften beiträgt und auf Grund feines dunklen Farbentones gegenüber den früher eingeführten Kochgeschirren den Vortheil besitzt, daß es aus einige Ent­fernung sich nicht mehr von der übrigen Ausrüstung des Mannes abhebt - hierdurch wird die Erkennung des in Deckung liegenden oder versteckten Mannes wesentlich erschwert. Um der Truppe diesen letzteren, für das Feldverhältniß so außer­ordentlich wichtigen Vortheil schon vor Abschluß der natur­gemäß längere Zeit beanspruchenden Beschaffungen der neu- eingeführten Aluminium-Kochge,chirre zu sichern, ist beabsichtigt, auch die bisherigen blanken Kochgeschirre, so lange sie noch im Gebrauch sind, zu schwärzen, zu welchem Zwecke zur Zeit Versuche mit einem einschlägigen haltbaren Schwärzungsver­fahren im Gang sind.

Lich, 6. Juli. Bei dem wegen dem bei Gastwirth Heiland dahier verübten Gelddtebstahl verhafteten Menschen wurde der größte Theil des entwendeten Geldes vorgefunden. Derselbe, schon mehrfach wegen Einbruchsdiebstählen vorbestraft, soll bereits ein umfassendes Geständniß abgelegt haben. Die rasche Ermittelung bezw. Verhaftung des Verbrechers ist das Verdienst der hierbei stattgefundenen besonderen Rührigkeit unserer hiesigen Polizeiorgane.

g. Bad-Nauheim, 6. Juli. Dem Lehrer unsererKleinen", Herrn Goppelt, wurde eine Schulstelle an der Stadtschule in Gießen übertragen. In ihm verliert die hiesige Schute einen gewiffenhaften und pflichttreuen Lehrer, dem zur erfolg­reichen Ausübung seines schweren, aufreibenden Berufes practische wie theoretische Kenntniffe zur Seite standen. Der hiesige Turnverein ließ es sich nicht nehmen, seinem bewährten Dirigenten, Herrn Goppelt, eine solenne Abschiedsfeier in der letzten Singstunde zu veranstalten, wobei besonders der Verdienste des Scheidenden um die Hebung des Gesanges gedacht wurde. Möge es Herrn Goppelt beschieden sein, an seiner neuen Wirkungsstätte die Herzen der ihm anvertrauten Schüler so schnell zu gewinnen, wie dahier.

n. Bad Salzhause«, 5. Juli. Den nächsten Mittwoch concertirenden Künstlern geht ein ausgezeichneter Ruf

Amtlicher Theil.

Gefunden: 1 goldene Kette mit Medaillon, 1 Geld­beutel mit Inhalt, 2 Schirme, 1 Spazierstock, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 3 Taschentücher, 1 Filzhut, 1 Fltegenmutze, 12 Hefte, 1 Tabaksbeutel, 1 Wagenkapsel, 1 Kleiderbürste, 2 Paar und 1 einzelner Schuh, 1 Theil eines Musikinstru- mente und 1 Korb Kirschen.

Zugeflogen: 1 Papagei.

Gießen, den 7. Juli 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. 23.: Roth.