Ausgabe 
7.12.1894 Erstes Blatt
 
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Graz (Steiermark), 5. December. Das Reetorat der Universität untersagte den Studenten die gegen den Professor Ferrara beabsichtigte Demonstration.

Triest, 5. December. Die Bora wüthet hier noch immer. Zahlreiche Unglücksfälle werden fortwährend ge­meldet.

Rom, 5. December. Die Meldung, daß England im Vereine mit Italien im Frühjahre gegen den Mahdi vorgehen werde, wird von osficiöser Seite als unbegründet bezeichnet.

Brüssel, 5. December. Nach zweitägiger Debatte wurde in der heutigen Kammersitzung die von den Soctaltsten ge« forderte Amnestie für alle politischen Vergehen von 1884 ab mit 79 gegen 41 Stimmen abgelehnt.

Paris, 5. December. Ferdinand Less eps ist be­denklich erkrankt.

Loudon, 5. December. Englische Bankhäuser boten der chinesischen Regierung die ganze etwa zu zahlende Kriegs- cntschädigungSsumme in Form einer sechsprocentigen Goldanleihe an und verlangen alSSicherstellung die unbelasteten Einkünfte der Dertragshäfen.

Petersburg, 5. December. Es wird allgemein sehr bei­fällig bemerkt, daß daS Czarenpaar ohne jede militäri­sche Begleitung von dem Markt nach dem Warschauer Bahn­hof durch die Stadt fuhr, um sich von den fremden Fürst­lichkeiten, dem Könige von Dänemark, dem Prinzen von Wales, dem Herzog von Aork und dem Prinzen Waldemar von Dänemark zu verabschieden. Auf der Rückfahrt ließ der Kaiser Nikolaus den Wagen durch die belebtesten Straßen fahren und die Polizei ließ daS Ovationen darbringende Publikum gewähren. Es verlautet, der Kaiser habe den energischen Befehl ertheilt, den ihm lästigen Polizetschutz auf- zuhebeu.

Shaughai, 5. December. Ein englischer Dampfer traf gestern mit einer bedeutenden Kriegsmunition hier ein.

Shanghai, 5. December. Major von Hanneken organisirt eine Armee von einer Million Mann mit euro­päischen, hauptsächlich deutschen Offizieren, v. Hanneken sandte 7000 Mann Verstärkung von Chefoo nach Schangshow.

H . Darmstadt, 6. December. Die Ueberreichung des dem Großherzoglichen Paare gewidmeten Hochzeits- geschenkes der fünf größten hessischen Städte fand heute Vormittag statt. Der Großherzog empfängt am Nach­mittag den österreichischen Gesandten Okolicsanyi zur Ent­gegennahme seines Abberufungsschreibens.

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Vietze«, den 6. December 1894.

* Empfang. Seine Köuigl. Hoheit der Großherzog empfingen am 6. December u. A. den Handelsrichter Schirmer aus Gießen, den Baurath Stegmaher, den Hauptsteueramtsrendanten Dern aus Gießen.

* * Sitzuugeu des Schwurgericht» der Provinz Oberhessen vom 5. December 1894. (Fortsetzung.) Als zweite Sache kommt heute zur Verhandlung die Strafsache gegen Caspar H e r b st von Roßdorf wegen Versuchs der Nothzucht. Die Anklage vertrat der Großh. Erste Staatsanwalt Dr. Güngertch, vertheidigt wurde der Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Dr. Fuhr, die Geschworenenbank wird von denselben Herren, welche in der Verhandlung gegen Martin Bindewald von Ober-Seibertenrod als Geschworene fungirt hatten, gebildet. Der schon mehrfach, insbesondere wegen Brandstiftung und Diebstahls vorbestrafte 28jährige Taglöhner Caspar Herbst von Roßdorf ist eines Versuchs des Verbrechens der Nothzucht angeklagt. Er ist vollständig geständig und wurde, nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Georg Adam Kißner) die ihnen vorgelegte Schuldfrage bejaht hatten, in eine Zuchthaus­strafe von einem Jahre und sechs Monaten, sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurthetlt.

* * Schwurgerichtsfitzuug vom 6. December 1894. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Johannes Schröder III. von Nieder-Bessingen wegen Meineids. Die Anklage vertritt der Grobherzogliche Staatsanwalt Zimmermann. Die Vertheidigung des Angeklagten führt Herr Rechtsanwalt Metz. Der schon vorbestrafte Pflästerer Johannes Schröder IIL aus Nieder-Bessingen, 37 Jahre alt, steht unter der Anklage, daß er am 8. März 1894 vor Großh. Schöffengericht Laubach, sowie am 24. Juli und 7. August 1894 vor der Strafkammer des Landgerichts der Provinz Oberheffen zu Gießen wissentlich den vor feiner Vernehmung geleisteten Eid durch ein falsches Zeugniß ver­letzt habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sach­verhalt: Johannes Schröder III. erhob am 5. November 1893 bei der Gendarmeriestation Laubach Anzeige gegen den Wirth Karl Diehl von Ettingshausen wegen Körperver­letzung, begangen dadurch, daß Diehl ihn wider einen Wagen geworfen habe, so daß dadurch nach Aussage des behandelnden Arztes 4 Rippen aus dem Rückgrat gerückt seien. Nach stattgehabtem Ermittlungsverfahren wurde An­klage gegen Diehl erhoben und stand am 8. März 1894 Hauptverhandlungstermin vor Großh. Schöffengericht Laubach an. In demselben wurde Schröder als Zeuge vernommen und vorschriftsmäßig beeidigt. Er sagte aus:Am frag­lichen Tage habe ich bet Johannes Keil XVI. in Ettings­hausen gepflastert und wurde von demselben so gegen 2 Uhr nach Fertigstellung meiner Arbeiten, um ein Glas Bier zu trinken, nach der Diehl'schen Wirthschaft verwiesen. Dort­selbst wurden bei einemWinkuf" zwischen L. Jox und Johann Kühn II. zwei Fässer Bier getrunken. Ich habe nicht viel davon getrunken, von dem ersten Faß 34 Glas und von dem zweiten 23 Glas und war daher auch nicht betrunken. Diehl war auch meistens in der Wirthsstube anwesend, er war nur zeitweise außerhalb beschäftigt. In der Wirths­stube war auch der etwa 12 jährige Sohu des Diehl an­wesend. Derselbe saß in meiner Nähe auf der Banklehne,

5 er war sehr ungezogen und schimpfte mich:Nichtsnutzer, : schlechter Schräder, warum sitzest Du hier und schaffst nichts." Hierauf gab ich dem Jungen einen ganz unbedeutenden Backenstretch, welches der junge Hahn dem gerade draußen beschäftigten Diehl erzählte. Als ich dann einmal hinauS- ging, stand Diehl an der HauSthüre und forderte mich, nachdem er mich erst über den Vorfall mit seinem Jungen zur Rede gestellt hatte, zum Verlaffen seines Locals auf. Ich ging nun in die Wirthsstube wieder hinein, holte meine Sachen und wollte fortgehen, als Diehl -mir nachging, und mir auf der Straße einen Stoß in den hohlen Rücken gab, sodaß ich in einen daselbst stehenden mit Kartof­feln beladenen Wagen und zwar ins Vorderrad fiel. Ich fiel so heftig wider das Wagenrad, daß sich die Nabe in meinen Kleidern und dem Körper abdrückte. Als ich wieder auf wollte, sagte Diehl, indem er mir einen zweiten Stoß gab:So, wenn du noch aufkannst, komm her." Ich habe 7 Tage im Bette gelegen. Einige Zeit nach dem Vorfall theilte mir der Gehilfe des Dr. Seipp in Ltch auf Befragen mit, es hätten sich 2 bis 3 Rippen im Rücken ausgefügt, hätten sich aber durch Athmen wiederhergestellt. Da ich überall Schmerz hatte, ist es möglich, daß mir noch weitere Mißhandlungen zugefügt wurden, kann es aber nicht sagen, denn ich war momentan besinnungslos. Der Wagen, Etgenthum des Wilhelm Mohr, stand etwa 4 Schritte vom Haus. Es kann möglich sein, daß ich dem Jungen gesagt habe, er soll meinen Stock holen." Insbesondere auf Grund dieser Aussage wurde Diehl wegen Körperverletzung, be­gangen durch lebensgefährdende Behandlung oder doch mittels gefährlichen Werkzeuges in eine Gefängnißstrafe von zwei Monaten zwei Wochen und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt. (Fortsetzung folgt in nächster Nummer.)

* * Gewerbeverein. Gestern Abend hielt Herr Regierungs- baumetster Schmtck von Frankfurt a. M. im Saale des Cafä Ebel einen Vortrag über die Gießener Quellwasser­leitung. Wir haben das Wesentlichste über die Anlage dieses Werkes in einer besonderen Beilage in voriger Woche bereits mitgetheilt und können uns darauf beschränken, Einiges von dem, was in Anbetracht des uns knapp zugemeffenen Raumes in der Sonderausgabe desGießener Anzeigers" nicht mitgetheilt werden konnte, hier noch mitzutheilen. Der Herr Vortragende ging zunächst auf die Ausdehnung Gießens hinsichtlich seiner Bevölkerungszahl ein, die sich besonders in den 20 Jahren von 1870 bis 1890 verhältnißmäßlg sehr stark vermehrt habe,' er stellte dabei Vergleiche zwischen Hanau und Gießen an. Hanau habe ca. 3000 Einwohner mehr wie Gießen, aber in seinen socialen und wirthschaftlichen Verhältniffen viel Ähnlichkeit mit letzterem. Entwickele sich Gießen in dem Verhältniß, welches der Vortragende durch graphische Darstellungen erläuterte, weiter, so habe es im Jahre 1905 Hanau überholt und im Jahre 1920 etwa 35 000 Einwohner, entwickele es sich aber in dem Verhältniß wie zwischen 1870 und 1890, so würde es 1920 eine Ein­wohnerzahl von 46 000 erreichen. Räumlich habe sich Gießen hauptsächlich nach der Höhe zu entwickelt (auf dem Gebiet zwischen Frankfurterstraße, Ludwigsstraße und Kaserne) und aus dieser Entwickelung nach der Höhe habe sich daS Bedürfniß nach einer Erweiterung der Wasserwerksanlagen, nach einem höheren Druck in der Leitung ergeben, denn eine Wasserleitung habe nur dann Werth in Beziehung auf Gesundheitspflege, wenn sie unter hohem Drucke arbeite, gleichzeitig aber die Garantie für wirksame Bekämpfung von Feuersgefahr biete. Bei Anlage der Queckborner Wafferleitung sei Rücksicht auf die weitere Entwicklung der Stadt genommen worden, und habe man nach den bisher anderwärts gemachten Er­fahrungen an dem Grundsatz festgehalten, daß die Anlage für 20 Jahre ausreiche; auf längere Zeit hinaus reichende Anlagen zu machen, sei finanzwirthschaftlich unrichtig. Normen für den täglichen Wasserverbrauch auf den Kopf der Bevölker­ung habe man im Allgemeinen nicht aufgestellt, der Verbrauch richte sich in den Städten nach der Dichtigkeit der Bevölke­rung und nach den Wasserpreisen; in Berlin sei z. B. der Wafferoerbraach ein verhältnißmäßig niedriger, er betrage 46 Liter im Durchschnitt pro Kopf und Tag. Bei Anlage des Gießener Wafferwerks habe man 100 Liter durch­schnittlichen täglichen Verbrauchs per Kopf der Bevölker­ung von 35000 Einwohnern angenommen (zur Zeit beträgt er allerdings nur 30 cbm). Auf die Nachforschung nach Quellengebieten übergehend, theilte Herr Schmick mit, daß man in verschiedenen Gegenden nach Waffer gesucht habe, sowohl in der Nähe wie im hohen Vogelsberg, auch die Grundwafferversorgung aus dem Neustädter Feld sei in Er­wägung gezogen worden. Die ebenfalls ins Auge gefaßten Quellen bei Beuern hätten nur 1800 cbm täglich ergeben, während an einer Ergiebigkeit von 3000 cbm festgehalten werden mußte. So sei man endlich nach Queckborn gelangt, wo das doppelte Quantum (6000 cbm täglich) gefunden wurde. Der Herr Vortragende ging hierauf auf den Bau der Leitung ausführlich ein, schilderte die Schwierigkeiten, die sich während desselben ergeben und hob die trotzdem erfolgte schnelle Herstellung des Werkes, das am 11. Dezember 1893 begonnen wurde, hervor. Mit der Rohrlegung konnte am 12. März 1894, mit dem Bau des Hochbehälters bei Annerod im Juni begonnen werden. Besondere Schwierigkeiten bot in erster Linie die Quellfaffung, infolge des überaus leichten Bodens,- es folgte eine ausführliche Beschreibung des Brun­nenschachtes nebst Brunnenkammer bei Queckborn. Für den Wafferreichthum spricht der Umstand, daß die Kammer einen Ueberlaus von 1900 cbm täglich aufweist, wenn die Pumpen sttllstehen. Was die Höh nlage betrifft, so wurde mitgetheilt, daß der Gießener Bahnhof 30 Meter, der Marktplatz 46 Mtr. tiefer wie die Queckborner Quellen liegen. Die Förderung der durch Dampfmaschinen bewegten Pumpen beträgt je 1800 cbm pro Tag. Erläutert wurde ferner die Anlage und der Zweck der Ueberlaufkammer auf der Höhe von Queckborn, die Ablaßschieber und Luftventile, der 3000 cbm fassende Hochbehälter bei Annerod mit seinen Einbauten, die den Zweck haben, daS Waffer in steter Bewegung zu erhalten.

' Die Vertheilung in der Stadt Gießen erläuternd, legte Her" Schmick den Unterschied zwischen Hoch- und Niederdruck leitung, daS System der Verbindung beider Leitungen an der Gabelung der Licher- und Grünbergerstraße und das Ver­breitungsgebiet beider Leitungen bar; das Hochdruckgebiet erstreckt sich über 159, das Ntederdruckgebiet über 151 Hectar Flächengehalt; der Verbrauch im Niederdrucknetz belaufe sich auf 2300, derjenige im Hochdrucknetz auf 1900 cbm per Tag. AuS den Mittheilungen über den Wafferdruck ging hervor, daß derselbe betspielsweije vom alten, eben im Umbau begriffenen Hochbehälter bis zum Marktplatz drei Atmosphären, vom Hochbehälter bei Annerod sechs Atmosphären habe, vier Atmosphären Druck seien am Bahnhof, zwei auf derSchönen Aussicht" vorhanden. Um einen Ueberlaus des Wassers aus dem alten Hochbehälter zu verhindern, wenn derselbe mit der Queckborner Leitung ver­bunden, sei ein Rückschlagventil in Nähe des alten Hochbehälter- angebracht, dessen Einrichtung ebenfalls vom Vorsitzenden erläutert wurde. Herr Regierungsbaumeistee Schmick schloß seinen lehrreichen Vortrag mit dem Ausdruck der Freude darüber, daß sich während des Baues der Wasserleitung kein Unfall ereignete und daß die, mit Ausnahme der Maschinen und Leitungsrohre, von hiesigen Unternehmern ausgeführten Bauten zur Zufriedenheit der Bauleitung ausgefallen seien. Herr Commerzienrath Hehligenstaedt, als Vorsitzender, stattete Herrn Regierungsbaumeister Schmick den Dank der Anwesenden, welche dem Vortrage bereits reichen Beifall gespendet, ab. Herr Oberbürgermeister Gn au th nahm Veranlassung, unter Hinweis auf die Verdienste, die sich sowohl der Vortragende, wie dessen Vater um das Zustandekommen des Werke- erworben und deren Anerkennung noch an anderer Stelle Vorbehalten sei, ein Hoch auf die Herren Regierungsbaumeister Schmick auszubringen. Herr Schmick dankte für sich und seinen Vater für die ehrenden Worte, wie für das ihnen dargebrachte Hoch, bemerkend, daß sie bei Ausführung der übernommenen Arbeiten lediglich ihre Pflicht gethan, und trank auf das Wohl der Stadt Gießen. Es fand noch eine kleine Besprechung des Vortragthemas statt, in deren Verlauf Herr Schmick Veranlassung nahm, auch die Einrichtungen zn erläutern, welche unter weitgehender Indienststellung der Electricität zur Controlle des Wasserstandes in den Hoch­behältern, in Bezug auf Nachrichten zwischen Queckborn und dem Verwaltungsgebäude des Wasserwerkes, sowie zur Beob­achtung des Verbrauchs getroffen wurden.

* * Vortrag Jens Lützen. Auf den heute Abend 8l/2 Uhr stattfindenden Vortrag des Herrn Jens Lützen von Berlin über:Ein Tag auf dem Monde" machen wir hiermit besonders aufmerksam. Der Kaufmännische Verein hat der Einwohnerschaft Gießens Gelegenheit gegeben, gegen ein billiges Eintrittsgeld einen Vortrag zu hören, der nach vor- liegendenMeldungen überall mit großem Beifall aufgenommen wurde. Wie im Jnseratentheil ersichtlich, haben nach einem Abkommen der beiden Vereine die Mitglieder des Gewerbe­vereins freien Zutritt. Der Vortrag findet im Cafe Leib statt.

* * Turnerisches. Wie uns von unterrichter Seite mit­getheilt wird, veranstaltet die Vorturnerschaft des hiesigen Turnvereins am kommenden Samstag, den 8. l. M., Abend- 9 Uhr, im Cafe Schnell eine musikalische Kneipe.

W. Befitzwechsel. Der Wiener Hof ist gestern mit allem Inventar für den Preis von 80000 Mk. in den Besitz de- Architecten Kockerbeck übergegangen.

* * Unfall. Gestern Nachmittag vergnügte sich ein neun< jähriger Junge am Seltersthor damit, daß er auf der Ein­friedigungsmauer des SchoorgrabenS hin und her lief. Hierbei trat er fehl und stürzte in den ziemlich tiefen Graben. Er erlitt eine schwere Verletzung am Kopf und mußte in die Klinik gebracht werden.

* * Etnbruchsversuch. In verflossener Nacht wurde der im Sekretariat des Landgerichts befindliche Kassenschrank und ein Pult zu erbrechen versucht. Der Dieb, welcher sich im Gebäude hatte einschließen lassen und dasselbe durch ein Fenster wieder verließ, ist mit leerer Hand abgezogen.

* * Postalisches. Eine erhebliche Porto-Ersparniß läßt sich in Vielen Fällen bei Versendung von Postpacketen erzielen, woraus bei der jetzt herannahenden Weihnachtszeit und dem damit reger werdenden Packetverkehr hingewiesen sei. Bekanntlich richtet sich das Porto für die über 5 Kilo­gramm schweren Packete nach der größeren oder geringeren Entfernung vom Versendungsorte aus, zu welchem Zwecke 6 Zonen angenommen sind, deren erste eine Entfernung bi- zu 10 geographischen Meilen, die zweite von 1020, die dritte von 2050, die vierte von 50100, die fünfte von 100150 und die sechste die Entfernungen über 150 Meilen hinaus in sich schließt. Für jedes angefangene Kilogramm über 5 Kilogramm wird nun ein Zuschlag von 10, 20, 30, 40 oder 50 Pfg. (in der 6. Zone) erhoben. Durch Theilung größerer Packete, hauptsächlich der über 8 Kilogramm schweren, in zwei ober mehrere, kann man sich nun eine ganz wesentliche Verringerung des Portos verschaffen, vorausgesetzt natürlich, daß die nöthig werdenden Verpackungskosten (wie etwa Holz­kisten 2C.) diese Ersparntß nicht wieder aufheben. Ein gegen 9 Kilogramm wiegendes Packet &.| B. würde nach der 4. Zone (50100 Meilen), in eine Sendung verpackt, 1 Mk. 70 Psg. kosten, dagegen getheilt pro Packet 50 Pfg., waS eine Ersparniß von 70 Pfg. ausmacht. Bei einem Packet von 910 Kilogramm macht diese Ersparniß bereits in der 3. Zone 50 Psg., in der 4. Zone 1 Mk. und in der 6. Zone gar 2 Mk. aus, wenn die über 10 Kilogramm schweren Packete in drei Packete und mehr getheilt werden. Bis zu drei Packete werden auf eine Packetadresse befördert.

* * Neue Briefmarken des CougostaateS. Der Congostaat steht, wie man derKöln. Ztg." mittheilt, im Begriff, eine Reihe neuer Briefmarken von künstlerischem Geschmack herauszugeben. Sie sind im Werthe von 5, 10, 25, 50 . Centimes sowie von 1 und 5 Franken, von der Form eines ' Rechteckes und zeigen, den von den Vereinigten Staaten bei der letzten Säkularfeier der Entdeckung Amerika- angefertigten Postwerthzeichen nachgeahmt, Ansichten aus dem Congoftaate