Nächst in Papparbeit), haben eine weitere Ausdehnung des Unterrichts und des Besuchs namentlich auch von Schülern der höheren Lehranstalten zur Folge gehabt.
Die Frequenz der Handwerkerschule hat in allen Gruppen eine erfreuliche Steigerung erfahren. Es besuchten die Tag schule 23 Schüler im Sommer 1892, 64 im Winter 1892/93, die A b e n d s ch u l e 50 Schüler, die Sonn- ragsschule im Sommer 1892 212, im Winter 1892/93 188 Schüler, den Modellirunterricht 5 Schüler.
Erfreuliches wird auch von dem Besuch der Alice- schule berichtet. Es nahmen Theil am Weißzeugnähen 43, am Sticken 26, am Kleidermachen 42, am Bügeln 30, am Lehrerinnencursus 24, am Weihnachtscursus 8, am Koch- cursus 35.
An dem unter Leitung des Herrn Pfarrer Dingeldey stehenden sonntägigen Feierabend für Lehrlinge nahmen Theil im Winter 1892/93 im Ganzen 232 Lehrlinge, der stärkste Besuch an einem Abend betrug 138, der schwächste 52 Lehrlinge.
Die Zahl der in die Kleinkinderschule aufgenommenen Kinder im Alter von 21/2 bis 6 Jahren betrug im Sommer 1892 170, im Winter 1892/93 200 Kinder. (Fortsetzung folgt.)
Cocale* nttö provinzielles.
Siebe«, 5. Februar 1894.
* * Z. Nene8 Theater. Um der ihrem Höhepunkte nahe- gekommenen Fastnachtsstimmung Rechnung zu tragen, hatte die Direction für den gestrigen Sonntag - Abend Räders vieractige Posse mit Gesang und Tanz: „Robert und Bertram" auf den Spielplan gesetzt. Und wir glauben, die Direction hatte damit einen glücklichen Griff gethan, denn das Publikum war in großer Anzahl herbeigekommen und amüsirte sich köstlich. Die Posse har ja viele und große Mängel, vor Allem ist der Zusammenhang ein recht loser, von Unwahrscheinlichkeiten, abgedroschenen und faden Wttzchen wimmelt es nur so, die komischen Situationen sind oft arg plump und an den Haaren herbeigezogen, aber man lacht darüber „und," würde der lustige Bertram sagen, „weiter hats ja keinen Zweck". — Die Aufführung selbst war eine nach allen Seiten hin glückliche. Die beiden Bagabonden waren in Herrn Reiners und Stückel vorzüglich vertreten, ersterer der gewöhnliche heruntergekommene Landstreicher, letzterer der eigentlich abgefeimte Hallunke, der gern den Nobelen spielen möchte, was bei seiner schäbigen Verfassung jedoch immer nur theilweise gelingt und deßhalb um so komischer wirkt. Herr Niemeier (Strambach und Jpelmeyer) sowohl wie Herr Reiff (Schildwache, Gensdarm und Corduan) beherrschten ihre verschiedenen Partieen vollkommen und trugen zum Gelingen des Ganzen nicht wenig bei. Auch die anderen kleineren Rollen waren in guten Händen. Der musikalische Theil des Stückes war unter der bewährten Leitung des Herrn Capellmeisters Polster trefflich einstudirt und wurde unter seiner Direction aufs Beste durchgeführt.
* * Dritter Kammermufikabend. Der brüte Kammermusikabend in der Loge, der sich eines guten Besuches erfreute, zeugte aufs Neue von dem eifrigen Studium und dem ernsten Streben sämmtlicher Mitwirkenden. Das vorgestrige Concert hatte als Hauptnummer Streichquartette von Mozart (Es-dur) und Haydn (G-dur, op. 54, Nr. 1) und wir berichten mit Freuden, daß die Herren Bauer, Krahn, Krauße und Schulze trotz bet großen Hitze, welche ben Saal erfüllte unb eine sehr nachteilige Wirkung auf bie Stimmung der Instrumente ausübte, ihre Aufgabe mit Geschick und Glück gelöst haben. Der Vortrag beider Streichquartette ließ in Bezug auf Exactheit kaum etwas zu wünschen übrig und auch in der Auffassung zeigte sich deutlich der schöne Erfolg eines ernsten Studiums, der um so höher anzurechnen ist, als die Künstler erst kurze Zeit zusammen spielen. Herr Schulze, der sich diesmal als Solist hören ließ, rechtfertigte die Er- Wartungen, die wir nach seinen bisherigen Leistungen in Trio und Quartett an sein vorgestriges Auftreten knüpften, in schönster Weise. In den Solostücken von Bruch (Kol Nidrei) und Moszkowski (Guitarre) hatte er weniger Gelegenheit, eine glänzende Technik zu zeigen, sondern konnte sich vielmehr als ein Künstler von gediegener Auffassung und geschmack- vollem Vortrag bewähren. Die Wiedergabe des Kol Nidrei war vorzüglich und die an und für sich wenig bedeutende Composition von Moszkowski wurde durch seine feinsinnige Interpretation ein ganz reizendes Salonstückchen. Einen tüchtigen Partner hatte Herr Schulze in Herrn Polster, der sich in der Clavierbegleitung aufs Innigste an das Solo- Instrument anschmiegte und dadurch den Genuß beider Vorträge wesentlich erhöhte. Die beiden Märchenerzählungen von Schumann für Pianoforte, Violine und Viola wurden von den Herren Polster, Bauer und Krauße in abgerundetem, klarem und verständnißvollem Vortrag zu Gehör gebracht und reihten sich ben übrigen Vorträgen in würdiger Weise an. Namentlich dos Andante espressivo con tenerezza gelang »ortreffnd) und wurde durch lebhaften Applaus ausgezeichnet.
Der Besuch des Concerres war, wie schon bemerkt, ein guter, und der reiche, herzliche Beifall des Publikums wird den Künstlern der beste Beweis dafür sein, daß ihr Unternehmen einen günstigen Boden gefunden hat.
* * Verhaftung und Beschlagnahme. Am vorigen Samstag wurde in Folge Requisition dahier ein Kaufmann aus Neuheiligen verhaftet, welcher des Betrugs bezw. Veräußerung von Waaren, die einer Concursmasse gehörten, verdächtig ist Es wurden mehrere Kisten Waaren beschlagnahmt.
* * Verhaftet. Gestern Morgen wurde ein hiesiger Dachdeckergeselle wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung verhaftet.
' ** Unfall. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich gestern Morgen in einem hiesigen Geschäftsladen. Ein junger Mann spielte mit einem Terzerol, dasselbe entlud sich und ging der
Schuß einem anwesenden Kinde ins Gesicht. Mehrere Schrote sitzen dem Kind um das eine Auge herum, glücklicher Weise ist das Auge selbst unversehrt geblieben.
* * Schlägerei. Die hiesigen Metzgerburschen scheinen gestern ihren guten Tag gehabt zu haben. Abends lO1^ Uhr prügelten sich mehrere derselben in der Neustadt unter sich und um 1 Uhr fand man wieder einige bei einer Schlägerei am Marktplatz betheiligt. In beiden Fällen wurde Anzeige wegen Körperverletzung erhoben.
* * Aus.dem Kreise Gießen wird der „Darmst. Ztg." geschrieben: In unserem Kreise ist man in ben letzten Jahren an maßgebenber Stelle eifrig bemüht, bahin zu wirken, baß an Stelle ber noch vielfach anzutreffenben sehr mangelhaften Schulhäuser neue, in jeber Hinsicht zweckentsprechenbe Bauten geschaffen werben. So sinb denn auch bis jetzt in vielen Gemeinden theils neue Schulgebäude entstanden, theils sind bie alten durch Anbau vergrößert und dadurch in besseren Zustand versetzt worden. Drei Gemeinden des Kreises, die bisher überhaupt die Wohlthat einer eigenen Schule entbehrten und ihre Kinder oft eine halbe Stunde weit in die des Nachbardorfes schicken mußten, haben jetzt ihr eigenes hübsches Schulhäuschen und ihren eigenen Lehrer. Auch im Laufe dieses Jahres werden wieder einige Neubauten ihrer Bestimmung als Schulhäuser übergeben werden, während in anderen Gemeinden im kommenden Frühjahre mit dem Bau begonnen werden soll. Unserer Kreis Schul-Commission gebührt deßhalb für ihre eifrigen Bemühungen in dieser Beziehung alle Anerkennung.
* * Postalisches. Ob sich eine Bahnpost im Eisenbahnzuge befindet, interessirt den Reisenden oft recht sehr, wenn er unterwegs eine Mittheilung niedergeschrieben hat und wissen will, wann und wo kann er dieselbe der Post übergeben. Deßhalb wird eine darauf bezügliche Neueinrichtung des Reichs - Cu^sbuches willkommen sein. Durch zwei Linien zwischen Stunden- und Minutenzahl der Fahrpläne soll angegeben werden, ob sich eine Bahnpost im Zuge befindet. Dajür wird die Strichbezeichnung für die Durchgangswagen wegfallen.
* * Der Weltpostverein umfaßt nach dem inzwischen erfolgten Beitritt der australischen Colonien ein Gebiet von 100 Millionen Quadratkilometer mit 1000 Millionen Menschen. Der Telegraphenvertrag setzt über Tarife für Drahtnachrichten und über andere einschlägige Verhältnisse einheitliche Normen fest. Die unterseeischen Kabel sind durch den Kabelvertrag strafrechtlich geschützt.
* * Erledigte Lehrerstelleu. Erledigt sind: Eine mit einem deutsch katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Volksschule zu Offenbach mit einem jährlichen Gehalte von 1200 Mk. Dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gerneinde- schule zu Krcidach mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eine mit einer katholischen Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Kostheim mit einem jährl. Gehalte von 1010 Mk. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Liederbach mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit dir Stelle ist Organtstendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rodheim mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
* * Die Prüfungen für die Stellen der Werkmeister (Arbeits-Jnspectoren) an ben Strafanstalten — Lanbeszucht- Haus, Zellenstrafanstalt unb Gefängnissen — und am Arbeits- Hause sollen Montag den 5. März 1894, Vormittags 9 Uhr, in Darmstadt beginnen. Die Anmeldungen um Zulassung zu diesen Prüfungen sind spätestens vierzehn Tage vor dem anberaumten Termine bei Großh. Oberstaatsanwaltschaft einzureichen.
* * Zn Amerika verstorbene Hessen. New-York City, N.-A.: Margaretha Koeth, geb. Knispel, 70 Jahre alt, aus Darmstadt- bie Gattin bes aus Heibelbach, Kreis Als- selb, stammenben August Schmibt. Bellevillc, Jll.: Katharina Heinzelmann, geb. Alt, 69 Jahre alt, aus Metzlos Gehag. Carroll County, Jll.: Conrab Plock unb besten Ehefrau von Schmitten- Heinrich Seim, Johannes Müller VII. unb Conrab Traum II., alle drei aus Sellnrob- Jacob Auth aus Laubach. Chicago, Jll.: Margaretha Burkharbt, geb. Gröbe, 55 Jahre alt, aus Westhofen. Lyons, Ja.: Heinrich Diehl aus Ruppertsburg. Philabelphia, Pa.: Louis Kirn, 47 Jahre alt, aus Mainz.
* * Frauen unb Mädchen aus Baben, Hessen unb ber Rheinpfalz werden dem Fürsten Bismarck zu seinem 79. Geburtstage am 1. April eine Glückwunfch-Abresse in kunst- unb geschmackvoller Ausstattung überreichen. An allen größeren Orten werden Damenausschüsse zur Förderung der Angelegenheit eingesetzt.
* * Deutscher und österreichischer Alpenverein. In ben „Mittheilungen" wirb soeben der Kassenbericht für 1893 veröffentlicht, ber sehr erfreulich ist. Die Zahl ber Mitglieber stieg auf 29 286 (-j- 2586). Die Einnahmen betrugen 208 338 Mk. 35 Pf., die Ausgaben 199 424 Mk. 69 Pf., sodaß eine Erübrigung von 8913 Mk. 66 Pf. verbleibt.
- h. Lollar, 5. Februar. Gestern Abend feierte ber hiesige Turnverein sein Winterfest. Eröffnet wurde basselbe burch eine kernige Ansprache des ersten Sprechers Herrn Hch. Rohrbach IV., welcher, unter ber Leitung bes Turn- warts Schmibt, die turnerischen Aufführungen, bestehend in Freiübungen, Riegen- unb Kürturnen, Ringen rc. folgten. Ungetheilten Beifall fanben bie gut einftubirten Stab- und Müllerreigen, bei welch'^letzterem bie Turner im Müller- costüm erschienen. Die turnerischen Hebungen boten manch' hübsche Leistung unb ba bem Turnwart eine willige und befähigte Schaar junger Leute zur Verfügung steht, so ist zu
erwarten, baß aus derselben auch recht tüchtige Preisturner hervorgehen werden. Dos Fest, welches auch Herr Bürgermeister Geisler mit seiner Anwesenheit beehrte, nahm einen recht schönen Verlauf und wird den Theilnehmern gewiß stets eine angenehme Erinnerung sein. Dem Turnverein Lollar aber wünschen wir ein frisches, fröhliches Weitergedeihen und rufen ihm zur Bekräftigung unseres Wnnsches- ein „Gut Heil!" zu.
Grüyberg, L Februar. Durch die auf der Nordseite vorbeisührcnde Oberhessiiche Eisenbahn wird der in dieser Richtung befindliche sehr ausgedehnte Theil unserer Gemarkung geradezu abgeschnitten. Besonders während des Sommersmacht sich dieser Umstand für untere zum großen Theil ackerbautreibende Bevölkerung unangenehm fühlbar, da bie in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs gelegenen Bahnübergänge wegen Haltens unb Rangirens ber Züge öfters gesperrt werben müssen, was für bie Fuhrwerke unb Passanten eine beträchtliche Zeitversäumniß bedingt. Da durch bie nun zu erbauende Nebenbahn Grünberg—Londorf der Verkehr auf unserem Bahnhof eine bedeutende Steigerung erfahren unb infolgebeffen ber oben angeführte Mißstand immer noch empfindlicher fühlbar werden dürfte, hat die Stadtverwaltung vor einigen Wochen ein Gesuch um Herstellung eine& Tunnels unter dernBahnbamm bei Großh. Regierung eingereicht. Wie in biefen Tagen durch Großh. Kreisamr Gießen mitgetheilt wurde, soll dem Ansuchen der Stadt entsprochen werden. Das zu erbauende Tunnel wird eine Breite von 4 unb eine Höhe von 4,5, bezw. 5 Meter erhalten. D. Zrg.
F. Von der Feldkrücker Höhe, 4. Februar. Die Nachrichten, welche Ihre geschätzte Zeitung kürzlich über Holz- preise aus ber Oberförsterei Ortenberg brachte, treffen auch für unsere Gegenb zu. In ben Districten Seeberg unb Steinköpfel würben Eichen, Fichten unb Kiefern, theils Stammholz, theils Knüppelholz versteigert, welches nicht blos Abnehmer aus ber Umgegenb, fonbern sogar aus ber Rheinprovinz herbeilockte. Eichenstammholz wurde bis zu 18,50 Mk., Fichten zu 15 Mk. und Kiefern zu 11 Mk. pro Frstmeter versteigert. Das Knüppelholz, welches nur als Brennholz verwendbar ist, ging zu den mäßigen Durchschnittspreisen von 2,70 Mk. für Eichen unb 3,90 Mk. für Fichten ab. Das Stammholz wirb vielfach als Grubenholz verwendet. Die Versteigerung hat, wie auch in Ortenberg, 25 bi8 30 % über ben Tarispreis ergeben, unsere Forstproducte sind also auch in unserer Gegenb im stetigen Steigen begriffen, was für unsere Finanzen unb bernnach auch für unsere Steuerzahler recht erfreulich ist.
Michelstadt, 2. Februar. Gestern wurde dahier ein 3jähriges Kind zu Grabe gebracht, das von seinem in Steinbach wohnhaften, von auswärts gebürtigen Stiefvater, in Abwesenheit der Mutter, körperlich derart mißhandelt wurde^ daß es nach ganz kurzer Zeit starb. Auch der Verdacht der Vergiftung liegt vor. Der ruchlose Mann wurde alsbald gefänglich eingezogen und sieht der verdienten Strafe entgegen. Auch die Mutter des Kindes, die dasselbe unehelich geboren, hat Line Liebe zu ihrem Kinde gezeigt. Erb. Krsbl.
* Frankfurt a. M., 31. Januar. Einen interessanten Einblick in das internationale Verbrecherth um mit seinen vielfachen Verzweigungen lieferte die Verhandlung, die sich heute vor der hiesigen Strafkammer abspielte. Jiw Januar 1890 war von dem Postdampfer - der .wischen Boulogne und Folkestone verkehrt, ein großes Packet mit Werthpapieren im Betrage von über 100000 Mk. verschwunden. Die Beute wurde nach London geschafft unb ihre Versilberung übernahm ber dort lebenbe Noel Laterner, e n alS Baron auftrtfenber, in Warschau geborener Abenteurer- Mitte Februar fuhr er nach Frankfurt unb setzte hier 61 Stück Lombarben bei einem Bankhause unb bei ber Effecten- unb Wechselbank ab. Daß bie Papiere gestohlen waren, wußte man hier noch nicht, aber bie Bank schöpfte boch Verbucht, weil bie Stücke alle eine verschiedene Littera trugen. Man verständigte die Polizei, und» Laterner, ber mit bem Abenb- schnellzug nach Lonbon zurückfuhr, würbe auf telegraphische Weisung in Aachen angehalten. Allein er wußte die Sache als Mißverstänbniß hinzustellen unb unter Zurücklassung seines Gepäcks über die belgische Grenze zu entkommen. Am 12. Mai würbe in Paris von einem Angestellten eines Ministeriums ein großer Betrag an französischer Rente gestohlen. Die französische Regierung ermittelte, baß auch biese Beute nach Lonbon zu Laterner geschafft worben war, unb forderte dessen Auslieferung wegen Diebstahls. Jndeß ber Buchstabe des Gesetzes rettete ihn - er hatte sich ja nicht des Diebstahls, sondern ber Hehlerei schulbig gemacht unb würbe deßhalb von bem englischen Gerichte wieder auf freien Fuß gesetzt. Am 21. November desselben Jahres wollte er dann von London nach Konstantinopel fahren, um dort und in Wien bfe gestohlenen Werthpapiere abzusetzen. Er verkaufte auch in Wien für 7000 fr. französische Rente, 5 Stück Mexikaner und 20 Stück Türken, wurde aber Nach dem Verkauf fest- genommen und zu 2 Jahren Kerker verurtheilt. Nach Verbüßung dieser Strafe wurde er im verflossenen Sommer an Deutschland ausgeliefert und nach Frankfurt geschafft, wo er sich heute wegen Hehlerei zu verantworten hatte. Es stellte sich jedoch heraus, daß der Abenteurer nicht verurtheilt werden konnte. Er ist russischer Hnterthan unb bie Erwerbung ber gestohlenen Papiere hat wahrscheinlich in Lonbon, jebenfalls im Auslanbe ftattgefunben. Nach bem deutschen Strafgesetze kann aber ein Auslänber nur wegen einer im Jnlande begangenen strafbaren Hanblung bestraft werben, unb so mußte der Angeklagte, ber sechs Monate hier in Untersuchungshaft gesessen hat, freigesprochen unb auf freien Fuß gesetzt werden.
Ms. Kassel, 4. Februar. Das große Loos gewonnen zu haben, bildete sich gestern ein Kaufmann in der Hohen- zollernstraße ein. Er stellte sich in die Ladenthür seines Manufactur- und Weißwaarengeschäftes unb lub bie Straßen»


