Ausgabe 
6.2.1894 Erstes Blatt
 
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pafsanten ein, näher zu treten und Geschenke entgegenzunehmen, da er aus einmal unbändig reich geworden sei, weil er das große LooS gewonnen habe. Dos ließen sich natürlich die Leute nicht zweimal sagen und bald berrschte ein solcher Andrang vor dem Geschäft, daß ein förmlicher Menschen­auflauf entstand. Der Kaufmann hatte es namentlich auf die Soldaten abgesehen und einigen hat er nicht nur die gekauften Sachen geschenkt, sondern noch mehrere Thaler baar Geld dazu gegeben. Auch verließ er daS Geschäft und warf mit Händen voll Geld um sich, auch Goldstücke, Kronen und Doppelkronen befanden sich darunter. DaS Gerücht von dem Geldwegwerfen hatte sich so rasch verbreitet, daß that- sächlich Leute auS der Unterneustadt herbeieilten. Schließlich stellte eS sich heraus, daß der Kaufmann, ein Junggeselle, plötzlich geistesgestört worden war- die Polizei schritt ein, schloß de« Laden und brachte den Unglück ichen in eine Anstalt.

* Berlin, 3. Februar. Die einzige Tochter deS Finanz­ministers Miquel hat sich mit Herrn Rudolf v. Scheliha verlobt, der in Schlesien angesessen und Lieutenant der Reserve im schlesischen Kürassierregiment ist.

* Berlin, 3. Februar. AuS Posen wird berichtet: Die Borkosthändlerin GalinSki inJnowrazlaw wurde gestern mit durchichnittenem Halse in ihrem GeschäsSlocale ermordet ausgefunden. Neben der Le.che log ein blutiges Zdüchenmesier, mit dem die Th« anscheinend verübt wurde. Ein kleiner Geldbetrag wird vermißt. Man vermuthet, daß der getrennt von seiner Frau lebende Ehemann der Ermordeten selbst die Thal begangen habe, weöhalb seine Verhaftung erfolgte.

* Gleiwitz, 3. Februar. Hierselbst sind drei Kinder eines Drechslermeisters der Genickstarre erlegen. Gegen die Ausbreitung der Epidemie sind Maßregeln angeordnet worden.

* Auch ein Jubiläum. Ein Kohlenhändler in Erfurt befaß ein Pferd, welches ihm 25 Jahre hindurch treue Dienste leistete Vor einigen Tagen ließ er es bekränzen, photographieren und dann durch die Stadt nach dem Schlacht Hause führen. Das war für die treue Rosinante in der Thar einDienstjubiläum" mit tragischem Abschluß.

* Getreidevorrathe in den Vereinigten Staaten. Nach telegraphischen Berichten aus New Aork betrugen die sicht­baren Weizen-Vorräthe am 29. Januar 80.27 Mill. Bushels gegen 80.38 Mill. Bush, vor acht Tagen und 81.49 Mill. Bush, zur gleichen Zeit des Vorjahres. Die Maisbestände sind von 13.86 Mill. Bush, auf 14.81 Mill. Bush, gestiegen, während sie sich im Vorjahr auf 12.54 Mtll. Bush, beliefen.

* Ein großes Ereigniß wird aus dem Pariser Elises gemeldet: Frau Carnot wechselt ihren Küchenmeister. Dieser ist eine Berühmtheit ersten Ranges, heißt Louis Tabernat, hat an dem großen WerkDictionnaire de la Cuisine et de lHygi^ne mitgearbeitet und war früher bei dem Herzog von Manchester, dann bei Grevy. Deßhalb sind ihm auch einige Seiten inAus dem modernen Babylon" von Hermann Kuhn gewidmet. Die Ursach: des Wechsels dürfte in der nothwendigen größeren Sparsamkeit zu suchen sein. Wie aus diesem Buche zu ersehen ist, geht es hoch her bei Carnot, wenn er Gäste hat und Feste giebt. Schon längst haben sich alle gewundert, wie Herr und Frau Carnot bei ihrem Aufwand und ihrer Freigebigkeit bei jedem Anlaß mit den

1200000 Francs auSkommen können, welche die Republik ihnen auswirst. Carnot setzt zu, dies ist unzweifelhaft.

* Ein Sescheidter. Bei schneidender Kälte schritt ein Herr über die Straße. Sein Ueberzieher war bis über die Ohren zugeknöpft und der bloße Gedanke, ihn aufzuknöpfen, flößte dem Eiligen Schauder ein. Und doch hätte er gern gewußt, wie spät eS war, aber auf seiner Uhr nachzusehen, d'.e im Westentäschchen lag brr! Nein. Grade jetzt tauchte ein wohlgekleideter Herr tn einiger Entfernung vor ihm auf. Immer näher kam dieser Herr, und der andere Herr, der gern wisien wollte, wie spat es war, richtete sich mit der Frage an ihn:Wisien Sie vielleicht, mein Herr, wie spät wir haben?" Der Fremde blieb stehen, zog seinen rechten Handschuh ab, knöpfte seinen Ueberzieher von oben bis unten auf und zog die Uhr aus der Tasche, während der schneidende Wind um seine unbeschützte Brust fegte. Er hielt die Uhr in die Höhe, so daß der Laternenschein auf sie fiel, sah einen Augenblick genau nach und sagte dann:Jawohl, jetzt weiß ich's." Sprach- und ließ den Andern ohne ein weiteres Wort stehen.

*Ich heiße Jhering!" In der ArtikelreiheAus meinem Leben", die Eduard Hanslick in derDeutschen Rundschau" veröffentlicht, erzählt er von dem ihm befreun­deten Billroth nachstehende Anecdote: Jhering, als Professor an die Wtener Untversitüt berufen, machte seine Antritts­besuche und kommt auch zu Billroth während der Ordinations­stunde.Ich heiße Jhertng."Womit kann ich dienen?" Ich heiße Jhering." Pause.Jo, was fehlt Ihnen?" Ich habe Ihnen doch gesagt, ich heiße Jhering!" ruft barsch und gereizt der Profeffor des römischen Rechts, dreht sich um und stürzt davon. Billroth hat diese Ordinations­scene oft lachend erzählt und mit Recht gemeint, daß ein Mediciner doch nicht nothwendig die Namen aller bedeutenden Juristen kennen müsse. Die beiden Herren haben sich übri­gens später tn geselligen Kreisen ganz gut gesprochen. War doch Jhering, bei gewiß hitzigerem Temperament als Billroth, ein ebenso geistvoller Mann und großer Musikfreund wie dieser.

* Am Postschalter. Ein Holsteiner Bauer, so erzählt dieNord-Ostsee-Zeitung", tritt ans Schalterfenster im Post- hause eines kleinen Landortes. Der einzige Beamte, der Postverwalter, ist gerade mit der Abgabe eines Telegramms beschäftigt und giebt deßhalb dem Bauern durch Winke und Gebärden zu verstehen, er möge warten. Dieser glaubt aber die Grimassen des Postmeisters dahin deuten zu müsien, er sei an die verkehrte Thür gerathen, dreht sich also schnurr- stracks um und öffnet die gegenüberliegende Thüre, die aber zum Allerheiligften der Frau Postmeister führt in die Küche. Hier bringt er sein Anliegen vor, worauf die Frau Postmeister fragt:Ist denn Niemand drüben?"Ne," sagt der Bauer,dor |eet bloß en Snider an de Neihmaschin und sneed Fratzen!" (Nein, dort sitzt bloß ein Schneider an der Nähmaschine und schneidet Fratzen!)

* Das Dienstmädchen al8E.bin. In Cah ors hinterließ eine junge Frau, die kinderlose Wittwe eines Deputirten, ihr ganzes Vermögen, bestehend aus sechshunderttausend Francs und einem schönen Schlosse, ihrem Dienstmädchen Therese

Pulger. Die Erbin ist 24 Jahre alt und diente erst seit fünf Jahren bei der Wittwe.

Falsch verstanden.Der deitsche Sprach'," sagt JanoS, ist ein sehr drolliger Sprach, mancher Wort hat drei Artikel, z. B.:DaS die der Deiwel hol!"

S d> i ff sn ad) richten des Nord-. Eloyd.

In Gießen oertreten

durch die Agenten Earl Laos und I. M. Schulhof.

Bremen, 1. Februar. Im Jahre 1893 wurde nach Aufgabe der Einwanderunatzbehörde der Vereinigten Staaten von Nordamerika von den verschiedenen Dampsergesellfchaften nachfolgende Anzahl Pasiagiere In Newyork und Baltimore gelandet:

Eajüte

Zwischendrck

Norddeutscher Lloyd

19 421

110 458

Hamb.-Amer. Packelsahrt Actien-Gesellschaft

13 233

47 209

Ntederl.-Amer. Dampf.-Gefellschaft

6 235

30 514

White Star-Linie

13 327

28 876

Anker-Linie

8 542

25 938

Eunard-Linie

18462

25 103

Red Star Linie

7 015

24 483

General TranSatlantic Co.

10 205

16 559

Fabre-Linie

24

13 000

Thingvalla-Ltnie

1575

12 818

American-Linie

14 374

12100

Allan-State-Linie

3 439

10298

Eomp. Nationale de Navigation

34

9 297

Florio Rubatino-Linie

21

7 195

Guion-Linie

5 557

6 515

Verschiedene

1498

4 993

Verkehr, Land- und Volkswirthfchafi.

Grünberg, 3. Februar. Fruchtpretse. Weizen X 14.80, Korn X 14,00, Gerste X 14.00, Hafer X 16,00, Erbsen X 00,00, Linsen 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00.00, Kartoffeln X 00,00, Samen X 00,00.

Spltlplao der vereinigten Frankfurter Ltadttheater

Vpernhav».

Dienstag den 6. Februar: Der Wildschütz. Mittwoch den 7. Februar: Fünftes AdonncmentS-Eoncert. Erste Abtbeilung unter Leitung von Siegfried Wagner und Mitwirkung von Fri. Meilhoc aus Karlsruhe. Zweite Abtheilung unter Leitung von Dr. Rottenberg. Donnerstag den 8 Februar: Die verkaufte Braut. Freitag den 9 Februar geschlossen. Samstag den 10. Februar: Tann­häuser. Sonntag den 11. Februar, Nachmittag- 3/i Ubi: Dornröschen. Abends 7 Uhr: Mignon. Montag den 12. Fe­bruar geschlossen. Dienstag den 13. Februar: Lohengrin.

Schauspielhaus.

Dienstag den 6. Februar: Der ungläubige Thomas. Durch den Kaufmännischen Verein. Mittwoch den 7. Februar: Gastspiel des Herrn Porth vom Stadttheater in Königsberg. Kabale und Liebe. Donnerstag den 8 Februar: Durchs Ohr. Eharleys Tante. Freitag den 9. Februar: Der arme Jonathan. Samstag den 10. Februar: Die KarlSschüler. Sonntag den 11. Februar, Nachmittags 3Vs Uhr: Eh ar ley s Tante. Abends 7 Uhr: Dasantasena.

AirchlicheAnzeigen der evang. Gemeinde.

Bibelstunde am Montag den 5. Februar, Abends 8 Uhr, im Consirmandensaal der Johanneskirche. Marcus, Cap. 10, von VerS 46 an: Hilfe und Herrlichkeit auf dem LeidmSweg. Pfarrer Dr. Nau mann

Holz - Versteigerung!

im

Steinbacher Gemeindewstd.

Donnerstag den 8. Februar soll in dem hiesigen Gemeindewald, Diftrict Helgenwald und Gesang nach- verzeichneteö Holz versteigert werden: 177 Fichten- und Lärchenstämme von 1534 cm Durchmesser, 1117 m Länge, 77 fm, 18 Eichen-Stämmevon 1554 cm

Durchmesser, 614 m Länge, 10 fm, für Wagner und Glaser geeignet,

17 Eichen Stämme von 2237 em Durchmesser, 412 m Länge, 8,50 fm,

3 Eichen-Stämme von 4769 orn Durchmesser, 610 m Länge, 6 fm,

6 Kiefern-Stämmevon 2338 cm Durchmesser, 410 m Länge, 4,20 fm,

370 Fichten-Derbstangen, bis 11 m Länge, 28 fm,

220 Fichten-Reisstangen, bis 9 m Länge.

Sodann kommen

Freitag den 9. Februar in denselben Districten zur Versteige­rung:

40 rm Buchen-Knüppel,

4200 starke Buchen - Durchfoi ftungs- wellen,

3600 erste Eichen- und Buc^en-Durch- forstungswellen,

68 rm Eichen-Knüppel,

20 rm Eichen-Stöcke, 1800 Fichten-Wellen,

10 rm Fichten-Stöcke.

Der Anfang an beiden Tagen Morgens von 9*/, Uhr und zwar am ersten Tage im Helgenwald und am zweiten Tage im Gesang.

Steinbach, am 2. Februar 1894. Großb. Bürgermeisterei Steinbach. 999 Krämer.

Holzversteigerung in brn Ualbmigkll brr Stabt sch.

Donnerstag den 8. Februar I. I. sollen in der Focstwartei Großehäuserberg, Districten Kirch- boden und Häußergericht versteigert werden:

450 rm Buchen-Scheiter,

285 Buchen- und 4 rm Linden- Knüppel,

498 Buchen- und 4 rm Linden- Stöcke,

11493 Stück Buchen-, 335 Stück Fichten- und 150 Stück Linden-Wellen,

1391 Stück Reisstangen (Bohnen­stangen) mit 1294 fm Inhalt.

Zusammenkunft und Anfang im District Häußergericht, an den Wiesen, bei Abzählungsnummer 1, Vormittags 10 Uhr.

Lich, am 1. Februar 1894.

Großh. Bürgermeisterei Lich. ___________Walz.________942 3agÖoerpad)tung. Freitag den 16. Februar d. I.,

Bormittags 11 Uhr kommt im Rathhaufe dahier die der Gemeinde zustehende Jagd und zwar 1000 Hectar Feld- und I010Hectar Wald-Gemarkung, mit vorzüglichem Rehstand, in drei Abtheilungen oder zusammen meistbietend auf weitere sechs Jahre, vom 16. Februar an, zur Verpachtung.

Büdingen, den 23. Januar 1894. Großh. Bürgermeisterei Büdingen.

Kri^af. 720

Buchwesien-Kaisermehl

bei [1047] I. «. Stiulhof.

Medic.-Leberthran

empfiehlt

1906 Rmil Fischbach.

Holz-Versteigerung.

Obersörsterei Gladenbach.

Freitag den 9. Februar d.J. in den Staatswalddistricten Wo^fs- garten Nr. 4, 5, 6, Morgens 10 Uhr im Distr. Nr. 6 be- ginnend.

Eichen: 22 Stämme 1459 cm stark, bis 10 m lang (darunter Schreinerholz), 5 Stangen II. Kl., 11 rm Schichtnutzholz, 13 rm Scheit und Knüppel.

Buchen: 4 Stämme 2537 cm stark, bis 10 m lang, 8 rm Schicht­nutzholz, 296 rm Scheit und Knüppel, 614 rm Reiser II. und III. Kl.

Nadelholz: 4 Stämme III. Kl- zus. 1,14 fm. [1026

Gladenbach, 3. Februar 1894. Der Kgl. Oberförster: Kirschbaum.

Mittwoch, 21. Februar, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Heinrich Michael Merz Ehe­leuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur I Nr. 99"/,«r 368 qm Hofraithe auf dem Reichensand,

Flur I Nr. 99"/,«, 493 qm Hofraithe auf dem Reichensand und die Wallgätten,

Flur I Nr 99«'/,oo 195 qm Grab­garten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden Gießen, 5. Februar 1894

Großh. Octsgericht Gießen.

I. A-: Bogt. 1025

Aeilgebotenes.

Delieiöse Cigarre FEAH

(unübertroffene 5 - Pfg.. Eigarre), 1000 Etück Mk. 85. Probesendung 200 St. Mk. 7.50 franco Statin. Zurücknahme bei Nichtzusage. [33 Cigarrenfabrik - Rohtabak - Zmporthaus F. E. A. Hesse, Düsseldorf.

The Imperial - Wine - Company

C. Rühlmamr & Co., Köln.

EryeS EpecialaeschLft in Portwein, Sherry, Madeira, Malaga, Marsala, Vermouth, Bordeaux, Tokayer etc.

Verkauf zu Originalpretsen und Niederlage in Gieße» bei

1027 A. & G. Wallenfels.

Bismarck.

Die Buchhandlung von Karl Krebs, Sonnenftrafte Nr. 25, empfiehlt die Bismarck-Nummer der Leipziger lllustr. Zeitung. Preis Mk. 1. ' 1034

Vermischte Anzeigen.

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