Ausgabe 
4.12.1894 Erstes Blatt
 
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Die seit einigen Monaten zwischen beiden Regierungen herrschenden ausgezeichneten Beziehungen seien in keiner Weise getrübt.

London, 1. December. Wie dieTimes" telegraphisch aus Kobe melden, ist die japanische Nation zur Fortsetzung des Krieges entschlossen. Es werden Vorkehrungen für den Winterfeldzug getroffen. Die Einnahme von Port Arthur hat in ganz Japan großen Jubel hervorgerusin.

Petersburg, 1. December. Der liberale Graf Jgna- tieff ist behufs Uebernahme deS Portefeuilles des Innern auS Kiew hier eingetroffen.

Neueste Nachrichten»

Depeschen der Bureua »Herold*.

Berlin, 2. December. In einer öffentlichen Tabak - arbetter - Versammlung sprach heute Bebel über die beabsichtigte Mehrbelastung des deutschen Volkes durch die drohende Tabakfabrikatsteuer. Der Redner wieS darauf hin, daß durch die letztere tausende von kleineren Existenzen ver« nichtet würden und die Arbeitslosigkeit sich vermehre. Es fei Pflicht der Tabakarbeiter, gegen die Tabaksteuer zu pro- testiren. Sie könnten dann auf die Unterstützung der socia- listischen Abgeordneten im Reichstage rechnen. Die Ver­sammlung nahm eine Resolution an, worin gegen jede Ver­mehrung der indirccten Steuern, insbesondere gegen b#e projectirte Tabakfabrikatsteuer protestirt wird.

Dresden, 2. December. Heute Mittag fand die Nagelung der Fahnen für die vierten Bataillone statt. Der König hielt eine Ansprache bei der Uebernahme der Fahnen.

toeafc# nn6 prsvknztelle».

Gießen, den 3. December 1884.

* * Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 1. December u. A. den Hauptmann Goldmonn vom Infanterie Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, den Reichsgerichtsrath Dr. Gilmer, den Landrichter Best von Gießen, den Rechnungsralh Wimmenauer.

* * Au8 dem Zustizdienst. Se. König!. Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigst geruht, am 30. November den OberlandesgerichtSrath Dr. Karl Gilmer unter Anerkennung seiner seitherigen treuen und guten Dienstführung, mit Wir­kung vom 1. December l. I., auf sein Nachsuchen seines Diensies zu entlassen.

* * Der Entwurf eines neuen TabakstenergefeheS ist nun« mehr, wie diePoft" hört, festgesetzt und wird dem Bundes­rath in diesen Tagen zugehen. Wie bereits jetzt verlautet, ist für C garren und Cigarrctten eine Steuer von 25 pCt., für Kau- und Schnupftabak eine solche von 40 pCt. und für Rauchtabak eine solche von 50 pCt. in diesem Entwurf in Aussicht genommen. Die Steuer soll erhoben werden, sowie die in den bestimmten Räumen hergestellten Waaren diese verlassen- zur Zahlung der Steuer soll jeder Fabrikant ver­pflichtet sein.

* * Zum Schutz des einheimischen Gewerbes hat der Orts­gewerbeverein von Darmstadt vor Kurzem unter den sämmt- lichen Ortsgewerbevereinen des Landes eine Enquete darüber veranstaltet, ob und in wie weit nachgewiesenermaßen hessische Gewerbetreibende bei Vergebung von Staatsarbeiten durch auswärtige Concurrenz verdrängt worden sind. Dieses Vor­gehen hat jetzt bereits seine Wirkung gezeigt, indem die oberste Baubehörde in Darmstadt den KretSbauämtern mittelst Rund­schreiben ausgegeben hat, dafür zu sorgen, daß bei Vergebung staatlicher Bauarbeiten soweit thuulrch nur hessische Gewerbe­treibende in Betracht gezogen werden.

* * DaS Leicheubegängniß des am Donnerstag durch Sturz vom Pferde verunglückten Premierlieutenants und Bataillonsadjutanten v. Klipstein sand gestern Nachmittag 3 Uhr statt. Das Zusammentreffen dieser großen, vor­wiegend militärischen Characier tragenden Trauerfeter mit einem Sonntag trug dazu bei, daß in den Straßen, die der Trauerzug nahm, besonders aber am Friedhof ein zahlreiches Zuschauerpublikum sich aufgestellt hatte. Der Friedhof selbst blieb für das Publikum bis nach Beendigung der Feier geschloffen. Den Zug eröffneten das Musikcorps und die Spielleute des Regiments, abwechselnd die Chopin- schen und Beethoven'schen Trauermärsche blasend. Der Musik folgte die zur Abgabe des Ehrensaluts bestimmte Compagnie, hinter welcher das Pferd des Verstorbenen geführt wurde. Vor, neben und hinter dem mit Blumen bedeckten Leichen­wagen schritten Unteroffiziere, welche Kränze trugen, dem Wagen folgten die Leidtragenden, das gesammte Osfiziercorps des Regiments, die Offiziere des Beurlaubtenstandes, sowie eine Deputation des Marburger JägerbataillonS; hinter den nun folgenden Leidtragenden in Civil und Uniform schloffen die Mannschaften des Kaiser Wilhelm-Regiments, die in der ungefähren Stärke eines Bataillons freiwillig an der Feier theilnahmen, den Zug. Die Grabrede hielt Herr Pfarrer Dingeldey. Nach der Einsegnung spielte das Musikcorps einen Choral, worauf die dazu befohlene Compagnie die Ehrensalven abgab.

* * Versicherung gegen Wasserschaden. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung des städtischen Gas- und Wasser­werks, betr. den Anschluß und die Inbetriebnahme des Queckborner WafferwerkS, verfehlen wir nicht, darauf hin- zuweisen, daß die bei jeder Wasierleitungsanlage bestehende Gefahr der Rohrbrüche und Wasserschäden infolge deS ge­steigerten Druckes eine bedeutend größere geworden ist. Vorsicht und genaue Befolgung der bekannten Vorschriften sind deshalb doppelt nöthig. Die Hausbesitzer speciell machen wir darauf aufmerksam, daß ihnen Gelegenheit geboten ist, sich gegen die Folgen etwaiger Katastrophen durch Versicherung zu deck n, und verweisen wir dieserhalb auf das . Inserat der Frankfurter Versicherungs GesellschaftNeptun" ' in heutiger Nummer.

* * Neue» Theater. Morgen (Dienstag) Abend gelangt auf vielseitigen WunschDer Veilchen fresser" zur Aufführung. Das Stück zählt zu den besten, die Moser geschrieben und fand bei der ersten Wiedergabe hier eine ungetheilt anerkennende Aufnahme. Hoffentlich wird die Wiederholung aufs Neue recht zahlreich die Verehrer Moser- scher Muse vereinigen.

* * Turnerisches. Nachdem vor 14 Tagen die Mitglieder des Kreis-Ausschusses die Vorbereitungsarbeiten zum nächst­jährigen Mittelrheinischen Kreisfeste dahier mit den beiden hiesigen Turnvereinsvorständen begonnen, tagten gestern in Steins Garten der Gau- und Technische Turn-Ausschuß des Gaues Hessen, um die nothwendigen turnerischen Vorbereit' ungen zum Feste im Gau zu berathen und zu beschließen. Die Gliederung und das Jneinandergreifen des deutschen TurnwesenS und deffen einheitliches Zusammenwirken zur Er­reichung des vorgesteckten und erhabenen Zieles der Turnerei gab auch bei dieser Verhandlung die bedingte Richtschnur zu den gemeinsamen und gerade durch das nächstjährige Kreis- fest besondere Anregung erhaltenden Arbeiten. Der Turn- gau Hessen zählte laut Statistik am 1. Januar 1894 41 Ver­eine mit 5712 Mitgliedern, darunter 1896 active Turner und ist der zweitgrößte Gau des Mittelrheinkreises. Letzterer hat 17 Gaue mit 49 441 Mitgliedern und 21 696 active Turner.

* * Die Freiwillige Gail'sche Feuerwehr feierte am Sams­tag im Festlocale des Cafe Leib ihr 39. Stiftungsfest, an welchem der Vorstand der Gießener Freiwilligen Feuerwehr, Herr Branddirector ^tmnnbt, einige Mitglieder der Stadtverordneten > Versammlung (Herr Oberbürgermeister Gnautb war entschuldigt), sowie sonstige geladene Gäste theilnahmen. Das Fest, welches in Theater (ausgesührt von der Gesellschaft Reiners) und Tanzunterhaltung bestand, nahm einen schönen Verlaus.

* * Bürger Gesellschaft. Das am Samstag Abend in Steins Garten abgehaltene 30 jährige Stiftungsfest konnte sich in seinem ganzen Verlaufe den früheren, mit vielem Ge­schick arrangirten Festlichkeiten würdig anreihen. Die ein eifriges Studium verrathenden Gesangsvorträge für gemischten Chor, Solo und Männerchor wurden von den zahlreich an­wesenden Mitgliedern und Ehrengästen sehr beifällig aus­genommen- ebenso die nach einem kleinen Theaterspiel er­folgte Ueberreichung einer von den Frauen und Jungfrauen des Vereins gestifteten Fahnenschleife. Den Schluß deS Programms bildete ein lebendes Bild. Drei dem Verein seit seiner Gründung angehörende Mitglieder, die Herren M. Flett, G. Trän kn er und H. Schelper wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt, und jedem derselben ein pracht­volles Diplom überreicht. Ein Tänzchen beschloß die Feier.

* * Zum Capitel:Wettbewerb" meldete vor Kurzem derMainzer Anz.":Bei der Eröffnung der Submission auf die Bänke für die neuerbaute evangelische Garnisons­kirche zu Mainz betrug das Höchstgebot 11,000 Mark, und das niedrigste Gebot 4000 Mark. Es ist also eine Differenz von 7000 Mark zu verzeichnen.

* * Platzkarten betr. Von der Königlichen Eisenbahn Dircction Hannover wird uns mitgetheilt, daß die bei Be­nutzung der D (Durchgangs-)Züge außer den eigentlichen Fahrkarten tarifmäßig zu lösenden Platzkarten, welche gegen­wärtig nur auf den Änfangsstationen der D Züge und in den Zügen selbst verabfolgt werden, vom 15. Decemb er ds. Js. ab bei den D-Zügen 73/74 der Strecke Frankfurt a. M.-Hamburg II und 75/76 der Strecke Frankfurt a. M.-Altona auch auf den Halte­stationen dieser Züge zur Ausgabe gelangen und zwar in der Weise, daß jedem Reisenden, welcher eine Fahrkarte zu einem der genannten Züge löst, gleichzeitig eine Platzkarte gegen Entrichtung der tarifmäßigen Platzgebühr verabfolgt wird. Die Eintragung der Platznummer in die Karte erfolgt jedoch erst im Zuge. Reisende, welche sich bereits im Besitze der Benutzung der D Züge berechtigenden Fahrtausweise (Zeitkarten, Fahrscheinheft, Rückfahrkarten zc.) befinden, können die tarifmäßig erforderliche Platzkarte entweder am Fahrkartenschalter ober im Zuge lösen. Gebührenfreie Platzkarten werden nur in den Zügen verabfolgt.

** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Johann Ducka aus Ober-Roden vom Gefängntß Darmstadt (nicht von der Zellenstrafanstalt Butzbach) wegen Strafvoll­zugs- Schuhmacher Karl Wilh. Engel aus Aschersleben vom Amtsanwalt in Friedberg wegen Diebstahls und Unter­schlagung- Keffelschmied Martin Gähn aus Frankenthal und Schneider Gottfried Klüber aus Kaiften (Unterfranken) vom Amtsgericht Offenbach wegen Strafvollzugs- Korb­macher Andreas Günther aus Carlsberg vom Amts­gericht Pfeddersheim wegen Strafvollzugs - Taglöhner Peter Hilbert aus Niedernhausen von der Staats­anwaltschaft zu Darmstadt wegen Unterschlagung- Schreiner­meister Adam R o t h e r m e l, gebürtig in Merlenbach, wohnhaft in Seligenstadt, von derselben Behörde wegen Contraventlon gegen § 176 pos. 3 des Str.-G. B. - der angebliche Taglöhner Nicolaus Kröte aus Breckendorf in Holstein von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Dieb­stahls; Gärtner Anton Würzburger aus Kastel von der­selben Behörde wegen Betrugs und Unterschlagung- Färber August Rinneberg aus Mühlhausen i. Th., zuletzt in Mainz vom Untersuchungsrichter I daselbst wegen Diebstahls - Taglöhnerin Amalie Auguste Stein aus Oschatz vom Amts­anwalt in Gießen wegen Diebstahls- der rumänische Major der Cavallerie, Basilc Poenaru (etwas kahlköpfig und mit dem rechten Bein leicht hinkend) vom Kreisamt Mainz wegen Unterschlagung von rumänischen Staatsgeidern.

* Altenburg, 30. November. Die Verlosung zu Gunsten der Errichtung einer Klein-Kinderschule dahier ist auf Mittwoch den 9. Januar k. I. verschoben worden.

-6. Neu-Ulrichstein, 1. December. Monatsbericht j der Arbeiter-Colonie pro November 1894. Ende ' November 1894 sind in der Colonle stellen-, resp. arbeitslos

90 Mann. Dieselben Vertheilen sich auf das Groß-- Herzogtum Hessen 20, Regierungsbezirk Kassel 12, Regierungs­bezirk Wiesbaden 6. Königreich Preußen: Provinz Rhein­lande 7, Provinz Westfalen 4, Provinz Hannover 1, Provinz, Sachsen 7, Provinz Berlin I , Provinz Brandenburg 1, Provinz Posen 2, Provinz Schlesien 4, Provinz Pommern 1. Königreich Bayern 6, Königreich Sachsen 6, Königreich Württemberg 1- Großherzogthum Baden 2- Sachsen-Alten­burg 2, Schwarzburg-Sondershausen 1, Sachsen Meinigen 1, Reichslande 1, Hamburg 2- Ausland: Böhmen 1, Schweiz 1. Hiervon waren: Arbeiter 39, Anstreicher 3, Bäcker 3, Brauer 1, Eisendreher 1, Färber 1, Former 1, Gärtner 1, Graveure 2; Gürtler 1, Kaufmann 4, Lackirer 1, Maurer 5, Metzger 2, Maschinenschlosser 4, Bauschlofser 1, Sattler 1, Schmiede 1, Schneider 8, Schreiber 1, Schuh­macher 3, Schreiner 2, Tüncher 3, Zimmermann 1. Gearbeitet wurde an 1734 Tagen. Verpflegt hat die Colonie an 1990 Tagen. Im Monat November wurden entlassen 14 Mann, und zwar zur Familie 1, wegen Arbeits­unfähigkeit 1, auf eigenen Wunsch 5, wegen Contractbruchs 7. Seit Bestehen der Colonie sind aufgenommen worden im Ganzen 2683, dagegen abgegangen im Ganzen 2593 Manu, bleibt Bestand am 30. November: 90 Mann.

Darmstadt, 1. December. Heute fand die feierliche Ent­hüllung des von der Stadt errichteten Grabdenkmals für den verstorbenen Oberbürgermeister Ohly auf dem hiesigen Friedhof statt. De- Centralausschuß des Odenwald-Clubs schloß wegen eines Denkmals für Ohly in Neunkirchen Ver­träge mit der Gemeindevertretung und dem Bildhauer Habicht in München ab, wodurch die Errichtung für nächsten Mai gesichert wird.

A Mainz, 2. December. Eine Fernsprechver­bindung zwischen Mainz und den süddeutschen Städten steht jetzt auch in Aussicht. Der hiesigen Handelskammer wurde nämlich auf ihre diesbezügliche Eingabe an die Oberpost- birection in Darmstadt mitgetheilt, daß nunmehr, nachdem über die Herstellung einer Fernsprechverbindung zwischen Mainz und Mannheim und die Zulaffung des Fernsprech­verkehrs zwischen Mainz einerseits und den Städten Karls­ruhe und Pforzheim anderseits im Verein mit der Oberpost- blrection in Karlsruhe von Neuem Ermittelungen gepflogen worden sind, dem Reichspostamt in Berlin zur Entscheidung vorgelegt worden ist.

Ä Mainz, 2. December. Bei den letzten Manövern hat ein Soldat des hier garnifontrenben 13. Husarenregiments unfern von Hochheim aus Unvorsichtigkeit einen Kameraden erschossen. Der unglückliche Schütze, der über das Unglück, welches er verursachte, vollständig untröstlich war, wurde damals von dem hiesigen Militärgericht zu acht Monaten Ge- fängniß verunhellt, von welcher Strafe, nachdem fünf Monate davon verbüßt, ihm der Rest von dem Kaiser auf dem Gnadenweg geschenkt worden ist. Die in der letzten Zeit mit wenig Lov vielgenannte deutsche Vtehverficherungs- Anstalt hat die längste Zeit bestanden, indem eine Liquidation unvermeidlich. Eine nochmalige Revision der Bücher und Acten hat wiederum Berge von Unregelmäßig­keiten zu Tage gefördert, wobei sich auch herausstellt, daß der gelammte Verwaltungsrath der Gesellschaft von dem nunmehr entlassenen Director in der schmählichsten Weise dupirt und hintergangen worden ist. Der geschäftsgewandte Director hat mit den meist ländlichen Verwaltungsraths- mltglledern ganz gemacht, was in seinen Belieben stand.

Mainz, 30. November. Der Pionier Hechinger des Pionier-Bataillons Nr. 11 in Kastel ist heute Nachmittag bei den Fahrübungen auf dem Rheine ertrunken. Der­selbe wollte ein vorbeitreibendes Fahrgeräthe rasch aus dem Waffer holen, verlor das Gleichgewicht und stürzte auS dem Ponton in den Rhein. Obgleich schnellste Hilfe zur Hand war, verschwand er vor den Augen seiner Kameraden. Trotz sofortigen und eifrigsten Suchens konnte seine Leiche nicht gefunden werden. Eine Schuld an dem Unglück kann Niemand beigemeffen werden.

Verrnischtes.

* Berlin, 1. December. Im Palais der Kaiserin Friedrich brannte heute- die kostbaren Oelgemälde und die Mobilien wurden von der Feuerwehr, um sie vor Wasser zu schützen, aus dem Zimmer herausgeschafft. Die Kaiserin Friedrich war mit dem Herzog von Coburg bei dem Brande zugegen. Größere Bedeutung hatte daS Feuer nicht.

* Posen, 1. December. In der Colonie Zurawiniec, Kreis Kempen, erstickte, wie diePosener Zeitung" meldet, in der Nacht ein junges Ehepaar durch Kohlcnoxydgas in Folge der versehentlich geschlossenen Ofenklappe.

* Grandenz, 1. December. Nach zweitägiger Verhand­lung verurtheilre das Schwurgericht den Arbeiter August Huse aus Nitzwalde wegen Mordes zum Tode. Der Ser* urtheilte hatte am 23. Mai d. I. seine kränkliche Ehefrau mit Phosphorlatwerge vergiftet, um ein Mädchen heirathen zu können, mit dem er schon vor seiner Mordthat den Ver­lobungsring verabredet hatte.

* Lübeck, 25 November. Ein eig en t mlicher Strike ist in dem benachbarten Ostseebade Travemünde ausgebrochen. Der dortige Armenarzt hatte einer Wittwe, die Armcnunterstützung bezieht, bis auf Weüeres täglich P/2 Liter lac vaccinum bonum (gute Kuhmilch) verordnet und dieselbe aus her Apotheke beziehen lassen. Die Wittwe hat nun,die Milch drei Monate lang täglich aus der Apotheke erhalten und der Apotheker berechnete für U/z Liter 40 Pfg., in Summa 36.80 Mk. Das Armencollegium weigerte sich nun, diese 36.80 Mk. zu zahlen mit der Begründung, daß dieseMedicin" bet jedem Milchhändler um die Hälfte zu beziehen gewesen sei und daß der Fall, daß Kuhmilch als Arznei aus der Apotheke bezogen werde, wohl einzig dastehe. Der Apotheker hat nunmehr gegen das Armencollegium den Rechtsweg beschritten.