• «nl der Pfalz, 30. November. Heber den im vorder- pfälzischen Dorfe Kletn-Bockenheim verübten Mutter- mord wird Folgendes bekannt: Der 34jährige Landwirth Johannes Lauerman, Vater von vier Kindern, gilt in der sehr wohlhabenden Gemeinde als einer der reichsten Besitzer. Seit längerer Zeit hat sich Lanermann dem Trunk ergeben. Am letzten Sonntag war er schon in aller Frühe in daS WirthShau» gegangen, von wo den schwer Berauschten seine Mutter, die bei ihm wohnte, unter heftigen Scheltworten und Vorwürfen nach Hause abholte. Lanermann, wüthend darüber, daß er vor der ganzen Gemeinde so blosgeftellt wurde, ergriff in seiner Wohnung ein geladenes Jagdgewehr und drohte, die alte Frau zu erschießen, wofern sie nicht sofort das Haus verlaffe. Kaum hatte diese, die Gefahr erkennend, die Thür hinter sich zugezogen, so fiel ein Schuß, die Frau brach, in den Unterleib getroffen, zusammen und starb sofort. Ohne sich auch nur im Entferntesten um die Mutter zu bekümmern, legte sich der Mörder auf ein Bett und schlief. Die herbei- g rufenen Gensdarmen mußten ihn erst wecken. Er wurde soiort verhaftet. Der Mörder erklärte, in vollständig betrunkenem Zustande gehandelt zu haben und will sich an nicht« mehr erinnern, was am Sonntag sich zuget agen hat.
* Szegedin, 1. December. Heute Morgen bestieg hier ein betrunkener Locomotivsührer eine geheizte Maschine und fuhr in rasender Geschwindigkeit einem vor einer halben Stunde abgeloffenen Personenzuge nach, mit welchem die Locomotive beiVasarhely zusammenstieß. Die Letztere, sowie mehrere Waggons wurden total zertrümmert. Der Lokomotivführer des Personenzuges und ein Reisender wurden schwer verletzt, mehrere andere Paffagiere leicht verwundet. Der Verkehr auf der Strecke ist unterbrochen.
* Brüffel, 2. December. Gestern Abend wurde eine in der Nähe der Burg Leopold belegene Sprengstoff- Fabrik durch Explosion gänzlich zerstört. Drei Arbeiter sind tobt, zwanzig schwerverwundet.
* Großes Aufsehen erregt in Altona das plötzliche Verschwinden des Inhabers des alten Hamburger Hauses Lübeck & Schildknecht, des Kaufmanns Schildknecht. Der in der Mitte der 30 er Jahre stehende Inhaber hatte nebenbei eine Annahmestelle für Gelder, die für die Sparkasse des Altonaischen Unterstützungs Instituts, eines mit mehreren Millionen arbeitenden Bankinstituts, bestimmt waren. Mit Voi liebe belegten namentlich Helgoländer ihre Gelder bei der erwähnten Sparkaffe und bedienten sich dabei der Schild- knecht'schen Annahmcstklle als Vermittlung. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß Schildknecht nahezu 100000 Mk., anstatt sie zu deponireu, für sich verbraucht uud an der Börse verloren hat.
* Die Well im Zeichen des Verkehrs! Auf diese geflügelten Worte unseres Kaiser- kann sich kein anderes der modernen Verkehrsmittel mit gleicher Berechtigung berufen,
wie da- Telephonwesen. Welch gewaltigen Aufschwung daffelbe im Laufe der letzten Jahre genommen hat, beweist die Thatsache, daß man in den Vereinigten Staaten von Nordamerika gegenwärtig eine halbe Million Telephonlinien mit 250,000 Abonnenten zahlt. Die Gesammizahl der Apparate beträgt 600,000, von denen jeder etwa 1000 Gespräche pro Jahr übermittelt. — DaS System der Central« Rationen war ein gewaltiger Fortschritt im Telephonwesen, ohne sie würde der Raum der großen Städte nicht auS reichen, um alle Drähte anzubringen. So zählen beispielsweise Newyork und (Stnctnnatt je 1000 Abonnenten- um die Abonnenten dieser Städte durch einzelne Drähte miteinander zu verbinden, hätte man 100 Millionen Drähte nöthig. Wollte man diese Drähte zusammenpacken, so würden dieselben im Querschnitt etwa 2500 Quadratmeter einnehmcn, und wenn man dieselben aufhängen müßte, so würde die Stadt mit einem ganzen Walde von über 100 Meter hohen Telephonftangen bedeckt, was gewiß einen seltsamen Anblick gewähren müßte. Das CentralisationSshstem hat es ermöglicht, die Länge der z. B. in Newyork benutzten Cabel um etwa 400 Kilometer zu verkürzen und das ist gewiß ein hübsches Resultat.
Literatur und Aunst.
Quellenkunde. Lehre von der Bildung und vom Vorkommen der Quellen und des ©runbmafferä von Professor Dr. Hyppo lyt I. Haas. Mit 45 in den Text gedruckten Abbildungen. Preis 4 Mk. 50 Pfg., in Leinwand gebunden 6 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Die „Quellenkunde" von H. HaaS ist seit längerer Zeit wiederum das erste deutsche Buch, das sich unter Berücksichtigung der neuesten diesbezüglichen Forschungen eingehend mit den Quellen und dem Grundwasser in geologischer Beziehung beschäftigt. Vierzehn Jahre sind verflossen, seit Lersch seine „Hydrophystk" schrieb, und welche Fortschritte hat seither gerade die Geologie auf dem Gebiete der Quellenkunde zu verzeichnen gehabt! Das Bestreben des Verfassers, seinen Text allgemein verständlich zu halten, ohne denselben das geringste an Wissenschaftlichkeit einbüßen zu lassen, tritt deutlich hervor. Somit wird das Buch ohne Zweifel auch einem größeren Leserkreise willkommen sein. Das Buch zerfallt in eine ausführliche Einleitung und fünf gesonderte Abschnitte nebst Beilagen, so über die Quellen im Allgemeinen, über die Thermalquellen, die Mineralquellen, das Grundwasser und über die Kunst, Quellen zu finden. Im letzterwähnten Abschnitt erfährt auch Die Wünschelruthe als Quellensucherin besondere Berücksichtigung.
— <eat#iÄlbnm. Zwölf Original - Zeichnungen von Otto Andres. Mit Dichtungen von Richard Schmid t - Cabanis. Preis in Original-Leinendand 5 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — In einem soeben erschienenen „Scat-Album" läßt Richard Schmidt-Cabanis seine volltönenden Reime erklingen und seine originellen Rhythmen tanzen zu Ehren des Scatipiels und seiner Jünger. Mit humoristtscher Lebhaftigkeit schildert er die Scatbrüder in allen Schichten der Gesellschaft, Offiziere und Reisende, Studenten und Jäger, und er vergißt auch die Scatschwestern nicht. Mannigfaltig, wie] das Scatspiel selbst, sind die Ders- i für men, in denen der Dichter die verschiedenen Situationen beleuchtet, , feine Rhytmen wechseln wie die Karten und »eigen sich wie diese l bald leicht gefügt, wie zum raschen Ausspielen herausfordernd, bald
kunstvoll verfettet, wie zum Nachsinnen fesselnd. Schmidt - Cabanis ist Meister in der sogenannten feierlichen Komik. Im Gewände deS stolzesten Pathos verbirgt er den ubermüthigsten Schalk, der dann lustig aus allen Falten hervork'chert. Den Dichtungen würdig zur Seite stehen die Originalzeichnungen von Otto Andres. Die Scat- spieler sind so lebenswahr characbrisirt und ihre Freuden und Leiden mit so prächtigem Humor wiedergegeb-n, daß die Bilder wie Erinnerungen an selbsterlebte Scenen wirken
Apirlplau der vereinigte« frankfurter Ltadttheater
Opernhaus.
Dienstag den 4. December: Die verkaufte Brant. Mittwoch den 5. December: Hänsel und Gretel. Cavalleria rusiieana. Donneistag den 6. December: Armida. Freitag den 7. December geichlossen. Samstag den 8. December: Armidla. Sonntag den 9. December, Nachmittags 3Vi Uhr: Obersteiger. Abends 7 Uhr: Aida.
Schauspielhaus.
Dienstag den 4. December: Haubenlerche. Mittwoch den 5. December: Wohlthäter der Menschheit. Donnerstag den 6. December: CharleyS Tante. Vorher: Millionär a. D. Freitag den 7. December: Egmont. Samstag den 8. December: Wohlthäter der Menschheit. Sonntag den 9. December, Nachmittags 31/, Uhr: Kabale und Liebe. Abends 7 Uhr: Wohlthäter der Menschheit. Montag den 10. December: Braut von Messina.
Verkehr, Land- nnd Volkswirthschaft^
Srünberg, 1. December. Fruchtpreise. Weizens. 119^, Korn JL 11,64, Gerste 9,68, Hafer 'JL 9,62, Erbsen JL 12,00, Linsen v* 00,00, Wicken 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln JC 0,00, Samen «X 00,OO
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Airchttche Anzeigen der evang. Gemeinde.
Montag den 3. December, Abends 8 Uhr: Bibelstuupe im Confirmandensaal der Johannen kirche. Erster Brief de« Johannes, Cop 2, von Vers 18 an: Der Schutz gegen die Widerchristen. Pfarrer Dr. Naumann.
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