Loudon, 1. October. Der „Pall Mall Gazette" wird aus Tschifu von heute gemeldet, daß die englische Flotte sich im Golf von Pechili, welcher offen ist, befindet. Wettere ausländische Kriegsschiffe werden erwartet. — Nach in Tschifu eingegangenen Nachrichten ist in der Küstenprovinz Shangtung eine aufständische Bewegung aus* gebrochen. Weitere Einzelheiten fehlen.
Koustaotiuopel, 1. October. Mmtral Avellan ist heure Vormittag an Bord eines Kanonenbootes eingetroffen.
Nagasaki, 1. October. Meldung des Bureau Reuter. Die Ausbefferung der in der Schlacht an der Dalumündung beschädigten japanischen Schiffe wird eifrig betrieben, alle Werften sind überfüllt.
Tokio, 1. October. Meldung des Bureau Reuter. Die japanische Regierung erklärte Blei als Kriegscontre- ba nd e.
Depeschen des Bure«, „Herold".
Berlin, 1. October. Der General der Cavallerie zur Disposirion v. Rausch, General-Adjutant des Kaisers, erhielt in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mittels sehr gnädiger Cabinetsordre vom 7. Juli d. I. die Büste des Kaisers in Marmor.
Berlin, 1. October. Die in verschiedenen Zeitungen verbreitete Nachricht, daß der General-Major Prinz zu Salm- Horsimar, Commandeur der 1. Garde-Cavallerie-Brigade, feinen Abschied nachgesucht habe, ist der „Kreuzztg." zufolge, vollständig unbegründet.
Berlin, 1. October. Der Colonialrath tritt Mitte October zusammen behufs Berathung über den Colonialetat und über die Berichte der in der letzten Sitzungsperiode eingesetzten Ausschüffe.
Berlin, 1. October. Die „Post" erfährt, der Kaiser von Rußland sei gestern bereits in Livadia angekommen.
Berlin, I.October. Zu der V e r h a f t u n g der Schüler der Oberfeuerwerkerschule wird noch gemeldet, daß gestern früh weitere zwanzig und im Laufe des Vormittags noch einige verhaftet wurden. Die Kaserne der Oberfeuerwerkerschule ist seit gestern Abend ziemlich verödet.
Berlin, 1. October. Das bekannte Duell zwischen dem Legationsrath v. Kiderlen-Wächter und dem Redacteur des Kladderadatsch Polstorff hatte heute sein gerichtliches Nachspiel. Beide Duellanten erhielten vier Monate Festungshaft.
München, 1. October. Die facultative Einführung des achten Schuljahres in München ist von dem Cultus- minister genehmigt worden.
Budapest, 1. October. Der ehemalige Abgeordnete Stephan Nillos ist mit Hinterlaffung von 12,000 Gulden Wechselschulden und 600,000 Gulden anderer Schulden nach Amerika geflüchtet.
Paris, 1. October. Die Polizei entfernte in vergangener Nacht mehrere an der Elisabethkirche befindliche Mauer- an schlüge, welche die Worte enthielten: „Hoch Caserio! Nieder mit der Bourgerifie!"
Paris, 1. October. Wie „Gaulois" meldet, soll der Deutsche Kaiser kürzlich einem Franzosen gegenüber in Berlin geäußert haben: „Wir werden uns auf der Ausstellung in Paris im Jahre 1900 Wiedersehen!" Als der Franzose hierüber sein Erstaunen bekundete, habe der Kaiser gesagt, er kenne den Character der Franzosen und wisse, was er zu thun habe, um nach Paris zu gehen. (?)
Loudon, 1. October. Prinz Kung, der Onkel des Kaisers von China (s. Z. in Ungnade gefallen), ist jetzt zum Präsidenten des Auswärtigen, der Admiralität und neben Li-Hung-Tschang zum Mitleiter der Kriegsoperationen ernannt worden. 25000 von Europäern ausgebildete Soldaten sollen zur Deckung nach Peking entsandt werden. Die in Tientsin lebenden Ausländer sind gewarnt worden, nach Peking zu gehen. Der Dolmetscher der britischen Gesandtschaft in Peking ist angegriffen worden.
Loudon, 1. October. Ein Telegramm aus Port Said meldet, daß die Unterhandlungen wegen Beendigung des Strikes am Suezkanal gescheitert sind. Der Chefingenieur vom Suezkanal wurde gestern von einem Ausländer durch eine Kugel am Kopfe lebensgefährlich verletzt.
Coustautiuopel, 1. October. Der Sultan hat zur Begrüßung des russischen Admirals Avellan die Dacht //Jzzedin", mit dem General Achmed Ali Pascha an Bord, an die Einfahrt in die Dardanellen entsandt.
CocoUs tmö Lrovinzrelles.
Gießen, den 2. October.
** Ernennung. Se. Königl. Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht, am 29. September den Ministe- rialsecretär bei dem Ministerium des Innern und der Justiz Karl Schliephake zum Kreisamtmann bei dem Kreisamte Friedberg mit Wirkung vom 1. October d. I. zu ernennen.
** Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu am 2. Oktober 1894. Zur Verhandlung kam heute die Strafsache gegen Peter Grodevendt Ehefrau von Ilbenstadt wegen Meineids. Die Anklage vertrat der Großh. Erste Staatsanwalt Jöcke l, vertheidigt wurde die Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Dr. Stein. Die Jury bildeten die Herren Andreas Lepper III., Johannes MöbS III., Karl Heil II., Dr. August Trapp, Johann Heinrich Jhring, Johann Heinrich Ortwein,Ludwig Friedrich Harth, Wilhelm Schwenklll., Wilhelm Schudt, Heinrich Schmalbach IV., Anton Rompf VII. und Hermann Kratz. Magdalene Grodevendt, Ehesrau des Dienstknechts Peter Grodevendt von Ilbenstadt, ist angeklagt, daß sie am 18. Mai l. I. den vor der Strafkammer Großh. Landgerichts der Provinz Oberheffen vor ihrer Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein fasches Zeugniß verletzt habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Auf dem Friedhöfe von Ilbenstadt befindet sich etwa 20 Schritte in gerader Richtung vom Eingang entfernt das Grab der Peter Andreas Mahler Ehefrau- dasselbe wurde in früheren Jahren von der Wilhelm Pohl Ehefrau, einer Schwester der
Verstorbenen, unterhalten und am Allerheiligentag bestehender Sitte gemäß geschmückt. Im Jahre 1893 wurde dies Seitens der Frau Pohl verabsäumt und übernahmen deshalb die Söhne der Verstorbenen Heinrich und Peter Andreas Mahler beziehungsweise des Letzteren Ehefrau die Schmückung des Grabes am Allerheiligentag. Hiervon erfuhr die Frau Pohl und eilte aufgeregt auf den Friedhof, sprach sehr laut und heftig in zänkischem Tone, rupfte die von den Söhnen der Verstorbenen gesetzten Blumenstöcke aus und beseitigte allen Schmuck. Dieserhalb wurde Frau Pohl wegen 'Beschädigung eines Grabes angeklagt und am 18. Mai 1894 von der Strafkammer Großh. Landgerichts Gießen wegen groben Unfugs mit 3 Tagen Hast bestraft. Zur Hauptverhandlung hatte Frau Pohl die Magdalene Grodevendt als erste Entlastungszeugin geladen. Dieselbe sagte Folgendes aus: „Ich bin am fraglichen Tage, Nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr, auf dem Friedhof gewesen und stand auf dem Weg, etwa drei Schritte vom Eingang, in unmittelbarer Nähe der Frau Reichert, Falk, Lempert und Hof. Die Frau Pohl habe ich nicht in den Friedhof kommen sehen, ich bemerkte sie erst, als sie der Frau Zimmermann zurief, ob sie ihre Gräber zurecht gemacht habe. Als die Unterredung mit Frau Zimmermann beendet war, forderte mich Frau Pohl auf, mit ihr nach dem Grab ihrer Schwester zu gehen. Ich ging etwa 15 bis 20 Schritte mit ihr bis in die Nähe des Grabes des Pfarrers Schneeberger. Dort kehrte ich um und ging nach Hause. Ich hörte die Frau Pohl nicht schimpfen. Als ich etwa 5 Minuten zu Hause war, sah ich die Frau Falk und Frau Mahler durch den Scheerer'fchen Garten nach dem Friedhof gehen." Spätere Ermittelungen ergeben, daß Magdalene Grodevendt sich, als Frau Pohl den Friedhof betrat, überhaupt nicht mehr dorten befand.
(Fortsetzung in der nächsten Nummer.)
** Zur gefälligen Beachtung. Wir machen die verehr- lichen Jnjereuten von Vermiethungen, vielfach ausgesprochenem Wunsche nachkommend, darauf aufmerksam, daß wir von morgen ab unter der Rubrik: Wohnungen sürStudirende alle hierauf bezüglichen Vermiethungen aufnehmen. Die unter genannter Rubrik erscheinenden Vermiethungsanzeigen werden täglich in der Aula, im Kanzlei gebäude am Brand, sowie in der alten und neuen Klinik am schwarzen Brett angeschlagen.
Expedition des „Gießener Anzeiger".
** Ermäßigung des Wafferpreifes betr. Wie man uns von zuständiger Seite mittheilt, wird, entsprechend dem Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 18. Januar ds. Js. — ungeachtet der noch ausstehenden Vollendung der Erweiterung des Wasserwerks — der Wasser preis doch schon mit dem 1. October ds. Js., bezw. von dem mit der gegenwärtigen Quartalsaufnahme der Wassermeffer beginnenden Vierteljahr an, auf 25 Pfennig für den Cubikmeter ermäßigt.
* * Gießener Adreßbuch. Da in den ersten Tagen das Material zum neuen Adreßbuch in Druck gegeben werden soll, gegenwärtig aber noch viele Umzüge stattfinden, ist es zum Zwecke der Richtigstellung des Adreßbuchs erforderlich, daß jeder Umziehende seine neue Wohnung alsbald auf dem Meldebureau des Gr. Polizeiamts angibt.
* * Knabenhaudarbeit. Morgen, am 3. October, beginnen im Schulhause an der Schulstraße zwei Unterrichtscurse für erziehliche Knabenhandarbeit. Indem wir die Eltern und Erzieher schulpflichtiger Knaben auf die in voriger Nummer befindliche Bekanntmachung an dieser Stelle aufmerksam machen, empfehlen wir ihnen die Betheiligung ihrer Pflegebefohlenen angelegentlichst. Heber die erzieherischen Ergebnisse des Handfertigkeitsunterrichtes werden wir Näheres in nächster Nummer mittheilen.
* * Reuter-Abend. Wie im Vorjahre, wird auch in diesem Jahre wieder der berühmte Reuterdarsteller August Junkermann, dec dem Gießener Publikum von seinem früheren, mit dem größten Beifall aufgenommenen Besuch her noch in guter Erinnerung sein dürfte, einen einmaligen Vortrag halten. Derselbe ist auf den 1. November festgesetzt, und zwar im Saale des Gesellschaftsvereins- die Eintrittskarten werden, wie früher, von der Ferber'schen Universitätsbuchhandlung (C. Koch) ausgegeben werden. Hoffen wir, daß das neue Programm, welches Herr Junkermann für dieses Mal zusammengestellt hat, ihm, wie im Vorjahre, ein volles Haus sichern wird, wie es seine großartigen Leistungen mit Recht verdienen.
* * Kruses letzte Streich Quartett-Soiree. Morgen Donnerstag, Abends 8 Uhr, findet auf dem „ConcerthauS Lahnstein" die letzte Streich-Quartett-Soirse start.
* * Sachbeschädigung. In der Nacht vom Sonntag auf Montag wurde an dem Pumpbrunnen in der Bahnhofstraße von rohen Händen der Schwengel abgebrochen.
* * Verhaftet. Ein früherer Dienstknecht des Oeconomen Kennel, welcher im Verdacht stand, den in voriger Woche abgebrannten Heuschober angezündet zu haben, wurde heute Morgen verhaftet und hat theilweise Geständniß abgelegt.
* * Unfall. In verflossener Nacht wollte sich ein Fremder, der einige Glas über den Durst getrunken hatte, nochmals in eine Wirthschaft begeben, wurde aber abgewiesen und stürzte darauf rücklings die Treppe herab. Der Mann verletzte sich hierbei derart am Hinterkopf, daß er In die Klinik gebracht werden mußte.
* * Das juristische Staatsexamen hat gestern begonnen. Es unterziehen sich demselben diesmal 18 Herren.
* * Falsche Zehnmarkstücke. Gewarnt wird vor Annahme falscher Zehnmarkstücke, die anscheinend aus Blei gefertigt, leicht vergoldet und den ächten Zehnmarkstücken sehr ähnlich sind. Sie tragen das Bildniß des Großherzogs von Hessen und die Jahreszahl 1880.
* * Obstmarkt in Friedberg. Wir machen hier nochmals darauf aufmerksam, daß am Mittwoch den 3. Oct ob er im Saalbau zu Friedberg in der Wetterau ein Obstmarkt des Oberhessischen Obstbauvereins stattfinden wird. Bei dem reichen Ostsegen Oberhessens und dem schönen Tafelobst dieses
Landstriches wird es einerseits den Landwirthen leicht werden, ihr Obst zu verkaufen, andererseits ist den Händlern Gelegenheit dort geboten, das beste und für sie geeignetste auszusuchen.
* * Die besten Schützen des 11. Armeecorps. Die vom Kaiser für jedes Armeecorps gestifteten zwei Schieß- preise sind beim 11. Armeecorps für dieses Jahr nach Hildburghausen an das dort garnisonirende 2. Bataillon des 6. Thüringischen Infanterie - Regiments Nr. 95 gefallen. Premier-Lieutenant v. Lengerke erschoß den Ehrendegen und Sergeant Zeth von der 8. Compagnie die goldene Uhr.
* • Der Getreidemarkt. In der bisherigen Stimmung des Getreidemarktes will sich im Allgemeinen noch immer keine Veränderung, resp.j eine Dauer verheißende Wendung zum Besseren zeigen. Trotz mancher Anläufe in dieser Richtung verhinderten in der abgelaufenen Woche umfangreiche Realisationen in Weizen wie Roggen, die an mehreren Hauptplätzen vorgenommen wurden, den erhofften Umschwung und wachte sich in beiden Artikeln immer wieder eine matte Tendenz geltend. Dabei fehlte es fast gänzlich an Anregungen seitens des Auslandes, eher trugen spec'ell die erneuten niedrigen Notirungen vom amerikanischen Markt zur Verstärkung der herrschenden Verstimmung bei. Im Hafer machte sich dagegen einige Nachfrage gellend, was eine gewisse Belebung im Hafergeschäft zur Folge hatte. Preis- notirungen vom Berliner Productenmarkte: Weizen pro 1000 Kilo 120—137 Mk., Roggen 110-121 Mk., Gerste 95—180 Mk., Hafer 107—146 Mk.
-e. Neu - Ulrichstein, I.October. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro September 18 9 4. Ende September 1894 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 33 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 8, Regierungsbezirk Kassel 5, Regierungsbezirk Wiesbaden 1. Königreich Preußen: Provinz Rheinlande 2, Provinz Westfalen 1, Provinz Sachsen 2, Provinz Hannover 1, Provinz Brandenburg 1, Provinz Schlesien 2, Provinz Posen 1 , Provinz Ostpreußen 1. Königreich Bayern 1, Königreich Sachsen 2; Thüringische Staaten 4. Ausland: Böhmen 1. Hiervon waren: Arbeiter 12, Bäcker 2, Färber 1, Gärtner 1, Kellner 1, Kaufmann 3, Maurer 1, Maschinenschlosser 1 , Präger 1, Schreiber 2, Schlaffer 1, Schuhmacher 1, Schneider 4, Tüncher 1, Zimmermann 1. Gearbeitet wurde an 1076 Tagen, hierunter 52 Tage für fremde Rechnung. Verpflegt hat die Colonie an 1216 Tagen. Im Monat September wurden, entlassen 28 Mann, und zwar auf eigenen Wunsch 17, wegen Contractbruch 9, wegen Faulheit 1, wegen schlechten Betragens 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2597, dagegen abgegangen im Ganzen 2564 Mann, bleibt Bestand am 30. September 1894: 33 Mann.
M. Herbstein, 28. September. Heute Mittag zog eine ganze Truppe Zigeuner mit vier Wagen dahier ein. Alsbald verbreiteten sich Jung und Alt der Bande in allen Straßen und Gäßchen unserer Stadt, um Einkäufe zu machen, resp. richtiger gesagt, auf Raub ausgehend. Eine Zigeunerin trat in ein Haus, in dem nur eine Frau anwesend war, angeblich um Hafer für die Pferde zu kaufen. Auf diesem Gebiete war nun nichts zu machen, weßhalb die Abenteurerin auf eine andere Art und Weise einen Vortheil zu erringen suchte. Sie lenkte das Gespräch geschickt auf Krankheiten. Die Hausbewohnerin klagte auch in ihrer Gutgläubigkeit der Zigeunerin, daß sie öfters mit Kopfschmerzen zu thun habe. Sofort wußte die Zigeunerin ein sicheres Mittel und brachte es unter allerhand faulen Vorspiegelungen dahin, daß die Frau ihr ganzes baares Geld, ca. 50 Mark, der Heilkünstlerin auf die Hand zählte. Unter allerlei HocuspocuS erhielt die Frau ihr Geld zurück, mit der Versicherung, daß ihr Leiden nunmehr gänzlich geheilt sei, während sich die Zigeunerin mit einem Geschenk unter den dernüthigsten Bücklingen empfahl. Unser Patient kam nun doch auf den glücklichen Gedanken, seine Baarschaft einmal nachzuzählen und siehe da, dieselbe hatte sich um ca. 6 Mk. vermindert. Die Frau schrie alsbald um Hülfe und liest nach der Polizei, welche die Haftnahme der wunderbaren Heilkünstlerin veranlaßte.
§ Bermuthshain, 29. September. Der seit mehreren Jahren hier in Diensten stehende geisteskranke Andreas Gutermnth ist seit 14 Tagen plötzlich von hier verschwunden. Es wird ein Unglücksfall vermuthet.
Nidda, 29. September. Wegen der niederen Holzpreise hat das Salzhauser Bergwerk einen wesentlichen Preisabschlag ein treten lassen und kosten 100 Stück Braunkohlenpreßklötze (etwa 1 Ctr.) jetzt nur noch 40 Pfg.
Büdingen, 30. September. Unser allverehrtes Fürstenpaar, Fürst Bruno und Gemahlin, feierten heute das Fest der silbernen Hochzeit, welche Feier sich zu einer wahrhaft großartigen Kundgebung gestaltete und den deutlichsten Beweis dafür erbrachte, welcher Verehrung und Hochachtung sich das hohe Paar in den weitesten Kreisen erfreut. Zur Erinnerung an die Feier Ihrer silbernen Hochzeit hat Ihre Durchlaucht die Fürstin für die hiesige evangelische Kirche eine schöne Abendmahlsdecke aus seinem Leineubattist, mit kostbarer breiter Klöppelspitze gestiftet. Die sinnvolle Gabe wurde am vorigen Sonntag zum ersten Male in Gebrauch genommen.
§ Vom höheren Vogelsberg, 1. October. Seit den letzten Tagen konnte hier infolge Regenwetters an Feldarbeiten nichts gethan werden, obwohl die Arbeiten gegen frühere Jahre bedeutend zurück sind. Mit dem Kornsäen ist nur ein kleiner Anfang gemacht worden, auch liegt noch viel Grummet auf den Wiesen, welches wohl nicht mehr heimgebracht werden kann, da die Witterung schon zu kalt und winterlich, der Erdboden zu naß zum Dörren ist.
A Mainz, 1. October. Die heftige Oftwind, der heute den ganzen Tag über tobte, hat um die Mittagsstunde am


