Rheine hier ein Menschenleben als Opfer gefordert. Tin auS Neuendorf bet Koblenz gebürtiger Matrose des Personendampfers „Ooerstolz" wollte zu dem Reinigen des Verdecks aus dem Strome Wasser mit einem Eimer in die Höhe ziehen, wobei letzterer von dem Sturm erfaßt wurde und zwar derart, daß der Matrose die Straft verlor und mit in das Wasser gerissen wurde. Der des Schwimmens unkundige Matrose verschwand sofort in den hochgehenden Wellen und kam, trotzdem sich mehrere Nachen alsbald zu seiner Rettung in Bewegung setzten, nicht mehr aus dem Wasier zum Vorschein. — Neben der hier bestehenden freiwill. Feuerwehr beabsichtigt unsere städtische Verwaltung eine Berufsseuerwehr zu schaffen. Dieselbe soll nicht sehr zahlreich werden und nur dazu dienen, ständige Feuerwache zu unterhalten. Eine diesbezügliche Vorlage wird demnächst an die Stadtverordnetenversammlung gelangen. — Bei der kürzlich beendigten Gartenbauausstellung hat man dieselben Erfahrungen gemacht, wie bei dem Bundesschießen, indem die die Lieferungen bethätigenden Geschäftsleute derartige Rechnungen gemacht haben, daß trotz der hohen Einnahmen noch ein Defizit resultirte. — Das von hier nach Diez verlegte zweite Bataillon des Regiments Nr. 88 ist gestern nach seiner neuen Garnison abgerückt. — Pfarrer Kneipp von Wörrishofen sprach heute Abend hier. Die große Zahl der Zuhörer, die sich eingefunden hatte, deutet darauf hin, daß dessen Lehre hier viel Anhänger hat.
Vermischtes.
♦ Saalfeld, 30. September. In der Nähe von Probstzella ist ein Schieferbruch zusammengestürzt, wodurch 5 Personen getödtet wurden.
* Hamburg, 29. September. In dem Proceß gegen den HauSmakler Peters und Genossen, welche beschuldigt waren, gegen völlig werthlose Hypotheken vertrauensvollen Leuten gute Grundstücke abgelockt zu haben, ist heute nach sechS- tägiger Verhandlung das Urtheil gefällt worden. Peters junior wurde zu sechs Jahren Gefängniß und 6000 Mark Geldstrafe verurthetlt, PeterS sen. zu 3 Jahren Gefängniß und 4000 Mark, Hollmann und Hanse zu je 2 Jahren Gefängniß, Schmidt zu 18 Monaten, Neunheuser zu 4, Liebenow und Pagels zu je 2 Monaten Gefängniß.
♦ Der LuxuS in der deutschen Armee. Ueber dieses in der letzten Zeit in den deutschen Blättern viel besprochene sociale Thema veröffentlichen die in Leipzig erscheinenden „Militärisch - Politischen Blätter" einen bemerkenswerthen Aufsatz, in welchem es heißt- „Die Bedeutung des Besitzes, des ReichthumS ist auch in der Armee zusehends gewachsen. Man täusche sich doch nicht! Der Eintritt in den Militärdienst auf Beförderung zum Offizier, die höhere Militär- Carriöre überhaupt, geschweige denn der Eintritt bei der Cavallerie oder auch bei der Garde ist heute für Viele schon zu einer bloßen Geldfrage geworden, und wo das Wagniß bei mangelndem Besitz doch unternommen wird, da liegt demselben in sehr vielen Fällen eine stillschweigende Specu- lation auf eine durch die Uniform später ermöglichte gute Partie zu Grunde. Es muß anders werden! Es muß Abhilfe geschaffen werden, wenn nicht die Armee, wenn nicht mit ihr der Staat, das Vaterland, einen unwiederbringlichen, dauernden Schaden davontragen soll. Mögen hie und da Einzelintereffen v i letzt werden, wenn man dem Luxus in der Armee grundsätzlich den Krieg erklärt und die Rückkehr zur Einfachheit erzwingt." Der Verfasser macht dann auch eine Reihe von Vorschlägen, die er für geeignet hält, dem Uebel zu steuern, und richtet fein Augenmerk besonders auf das Gardecorps, indem er schreibt: „Nach Berlin richten sich die Blicke aus dem ganzen Lande- was in Berlin geschieht, waS in Berlin gemacht wird, ist draußen in der Provinz Mode und Muster. Und in der That soll ja das GardecorpS auch nach seiner inneren Bedeutung nicht eine Elitee-, wohl aber eine Mustertruppe sein, an der sich die Provinzialtruppen bilden sollen. Dazu befähigt sie in der That auch das Offizier- und Mannschaftsmaterial, über das sie gebietet. Eine besondere Repräfentationspflicht der Garde- Regimenter vermögen wir beim besten Willen nicht anzuerkennen. Dazu Hot unser Offiziercorps kein Geld. Wird eine solche in kostspieligen Formen ausnahmsweise aus politischen Höflichkeitsgründen höheren Orts für angezeigt gehalten und befohlen, so müssen die Kosten auch aus anderweitigen Fonds bestritten werden und dürfen dem Offiz'ercorps nicht zur Last fallen."
Citeratar unb
witterrrngraurfichten
— Uns geht soeben der III. Ouartalband der im Verlage von Carl Grüninger tn Stuttgart erscheinenden »Neuen Musik- Zeitungs »u. Dieses beliebte Familienblatt, das sich auch in den Kreisen der Fachmufiker außerordenllicher Gunst erfreut, bietet reichen Stoff zur Belehrung und Unterbaltung auf dem Gebiete der Tonkunst in Gestalt von Novellen, Humoresken, fachwissenschaftlichen, muftkgeschichtlichen, kritischen, pädagogischen und biographischen Artikeln; dasselbe bringt Berichte über bedeutende Opern- und Concert-Neu- beiten aus allen größeren Städten (London und Paris mitinbegriffen), Heiteres aus dem Künftlerlebcn, Besprechungen von Büchern, Mustkalien rc. rc. Wer singt, Klavier oder Violine resp. Cello spielt, dem wird die Zugabe der zahlreichen werthvollen Musikbeilagen ebenso willkommen sein als Demjenigen, der in das Wesen der Musik tiefer eindringen will, die Gratisbeilage: William Wolss Musikästhetik, von welchem Werke jedes Vierteljahr zwei Bogen beigesügt werden. Probenummern dieser im VerhSltniß zum Gebotenen überraschend billigen Familienzeitschrift (der Abonnementspreis betragt nur 1 Mk. vierteljährlich) werden von der Verlagshandlung an jede ausgegebene Adresse kostenfrei versandt.
— Wie der Vogel Phönix, von dem die Sage erzählt, daß er in einem gewissen Alter sich selbst verbrennt, um au8 seiner eigenen Asche verjüngt und herrlicher als zuvor wieder zu erstehen, so gewähren uns auch einzelne Journale, wenn sie einen Jahrgang vollendet haben, das erfreuliche Schauspiel eines neuen, schöneren Erstehens. Zu diesen Journalen gehört in allere« ster Linie das weitverbreitete und allgemein beliebte Familienblatt »Jllustrirle ®elt* (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), von welchem kürzlich das erste Heft seines 43. Jahrganges erschienen ist. Die Gediegenheit des mannigfaltigen Textes hält mit der wahrhaft künstlerischen Pracht des reichen BilderschmuckeS gleichen Schritt. Zwei größere erzählende Dichtungen eröffnen den neuen Jahrgang, der überaus fesselnde Roman : „Was ist Glück?" von Alexander Römer, dessen Name für sein Werk bürgt, und die tannenduftige, echte Schwarzwaldnooelle: „Auf dem Abtsberg" von A. Steindorf. Eine rührende Geschichte vom „Kleinen dummen Henner" erzählt uns in zu Herzen gehender Schlichtheit M. Herbert. Alexander Kircher schildert tn höchst lebendiger Weise „Da8 Sch!achtschiff in Thätigkeit" und ist in der glücklichen Lage, seine Ausführungen durch vortreffliche, lebenswahre Illustrationen zu veranschaulichen. Es ist nicht möglich, hier die Fülle der unterhaltenden, anregenden und belehrenden Artikel dieses ersten Heftes des neuen Jahrganges der „Jllustrirten Welt" einzeln aufzuführen. Auch alle die ausgezeichneten Illustrationen aufzuzählen, wäre eine vergebliche Mühe, nur der wundervollen Kunstbeilage wollen mir noch kurz Erwähnung thun, es ist eine in Farben auS- gefübrte Wiedergabe des porsieoollen Bildes „Maienlust" von E. Niczky. Die „Jllustririe Welt" wird auch in dem neuen Jahrgang sich als eine Freundin und Beratherin für Familie und Haus erweisen, bei der Jedermann gerne Erholung, Belehrung und Rath suchen und immer finden wird. Das erste wie auch jedes der folgenden Hefte ist durch jede Sortiments- und Colportage-Buchhandlung für den überaus billigen Preis von nur 30 Pfennig zu erhalten.
Schrff-nachvichten.
Hamburg, 28. September. Der Hamburger Doppelschrauben- Schneudampfer „Fürst Bismarck", Capitän Albers, der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt-Acticn-Gesellschaft, welcher am 21. Sep^ tember von Southampton abgegangen, ist am 27. September, 7 Uhr Abends, wohlbehalten in Ncwyork angekommen. Reisedauer von Hamburg bis Newyork 7 Tage 7 Stunden 45 Min., Oceansahrt von Southampton 6 Tage 9 Stunden 25 Min., von Queenstown aus gerechnet nur 5 Tage 18 Stunden 25 Min.
Hamburg, 28. September. Der Hamburger Dampfer „Grimm", Capitän Krech, von der Hamburg-Amerikanischen Packe'.fahrt- Acticn-Gesellschast, ist am 23. September wohlbehalten von Hamburg in Philadelphia angekommen.
Hamburg, 28. Septbr. Der Hamburger Dampfer „Prussia", Capitän Karlowa, von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Actien Gesellschaft, ist am 28. September, 11 Uhr Morgens, von Hamburg in Newyork angekommen.
Verkehr, £an&« unb Volkswirtschaft.
Gieße«, 2. Octbr- Marktbericht Aut dem heutigen Wochenmackt kostete: Butter pr. Pfd. X —.90—1,10, Hüdnerece pr Stück 6—7 A, 2 Stück 13-14 H, Käse pr. St. 4-8* Käsemet e pr. Et. 8 * Erbsen vr. Liter 17 * Linsen pr. Liter 28 * Tauber pr Vaar X 0,50—0,75, Hühner pr. Stück .« 0,90—1,20, Hahnen pr.St. X 0,50—0,85, Enten pr. St- X 1,60 bis 1,93, Ochsensteisä pr. Pfd- 74—78 A, Kuh- u. Rindfleisch pr. Psd. —70 A. Schwein«, fletsch pr. Psd. 66-76 A, Kalbfleisch pr. Psd. 68-70 \ Hammrl fletsch pr. M. 58-68 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,00-6,00 X, Weißkraut pr. Stück--«3, Zwiebeln pr. Eentner 3,80—4,00 X,
Milch ot. Liter 16 20 A, Enteneier 2 — A, Gänseeier — A, '
Zwetschen pr- Ctr X 2,50—4.00
Grünberg, 29. September. Frachtpreise. Weizen 12 18, Korn X 11,50, Gerste X 10,40, Hafer 9,92, Erbsen X 00,00 Linsen 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 000 Samen X 19,20.
Amtliche Prüfung der Lichtstarke des Leuchtgases.
Vorschriftsmäßige Lichtstärke bei 150 Liter stündlichem Gasverbrauch 13 bis 15 deutsche Vereins-Paraffinkerzen.
Monat September 1894: 133/4 Kerzen.
Buchner.
am 2. October Morgens 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage).
Barometerstand.
Thermometer: min. 4- 3* R., mikx. 4- 4o R.
Hygrometer:
Trocken und schön.
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