Rom, 1. August. Der König unterzeichnete ein Decret, wodurch der Belagerungszustand über Sicilien aufgehoben wird.
Paris, 1. August. Casimir-Perier kommt am Samstag hierher, um einem Ministerrath zu präsidiren, der den Urlaub der einzelnen Minister feftsetzt und die Stellvertreter bezeichnet. — Am 22. September beginnt die extraparlamentarische Marineuntersuchungscommission ihre Rundreise durch die Arsenale, mit Cherbourg anfangend.
Loudon, 1. August. Die Nachricht von einem neuen Seegefecht, das mit dem Verlust des chinesischen Dampfers „Chen Yuen" geendet haben sollte, bestätigt sich nicht. Nach neueren Meldungen soll auch Hauptmann Hanneken gerettet worden sein.
Loudon, 1. August. Die „Times" meldet aus Peking, daß die chinesische Regierung durch die Zerstörung des chinesischen Transportschiffes aufs Aeußerste erbittert ist und in Folge besten wenig versöhnlich gegen Japan ist.
Loudon, 1. August. Nach einer Meldung aus Hongkong ist dort seit drei Tagen keine Erkrankung an der Pest mehr vorgekommen.
London, 1. August. Von der Insel Kreta wird gemeldet, daß auf den Gouverneur, als er beim Finanzminister zum Besuch war, von außen durchs Fenster ein Schuß abgegeben wurde, der ihn am Kopf verletzte. Vom Thäter fehlt noch jede Spur; ebenso ist noch unbekannt, ob es sich um ein politisches Verbrechen oder einen persönlichen Racheact handelt.
Madrid, 1. August. Wolkenbrüche richteten in der Nähe der Stadt Teruel großen Schaden an.
Washington, 1. August. Meldungen aus China besagen, daß in den südlichen Provinzen Chinas eine gefährliche Agitation gegen die Fremden ausgebrochen ist. Die europäischen Missionen sind besonders bedroht. Mehrere katholische Kirchen wurden zerstört. Es ist noch unbekannt, ob sich unter den Ermordeten europäische Missionare befinden. Die Missionen konnten nur durch das Eingreifen chinesischer Truppen vor Ueberfällen geschützt werden.
Lsealer «n- provinzielle».
Gießen, den 2. August 1894.
* * Von der Universität. Der „Saalezeitung" zufolge ist der Director des Hygienischen Instituts hierselbst, Herr Professor Dr. Gaffky, zur Leitung des Instituts in Halle berufen worden und hat den Ruf angenommen.
* * Laudtagswahl. Bei der Nachwahl im 15. Hessischen Laudtagswahlbezirk wurde nach zwei resultatlosen Wahlen der Socialdemokrat Cramer durchs Loos wiedergewählt.
* * Omnibus-Fahrten. Der Passagierverkehr bei den gestrigen Fahrten war namentlich am Nachmittag ein sehr starker. Es fuhren etwa 1350 Personen. Die Fahrgästezahl wäre entschieden eine größere geworden, wenn nicht ein großer Theil derselben zu ihrem Vergnügen die vollen Strecken, namentlich die der Marburger Straße—Bahnhof, voll ausnutzten und infolge dessen in verschiedenen Fällen Fahrlufttge bet den zahlreichen Haltestellen auf den Omnibussen keine Aufnahme mehr finden konnten. Wie wir erfahren, geht man mit dem Plane um, auch Schaffner anzustellen, denn es hat sich herausgestellt, daß dieselben zur Bequemlichkeit des fahrenden Publikums nolhwendig sind. Leider vernehmen wir Wetter, daß von bekannter Seite aus gegen den Omnibusverkehr Machinationen stattgefunden haben, um den Passagieren durch ungezogenes Benehmen jedenfalls dazu engagirter schlecht gekleideter Fahrgäste das Fahren zu vergällen. Einige Excedenten mußten mit Gewalt aus dem Wagen entfernt werden. Sollten sich derartige Manöver wiederholen, so werden wir keinen Anstand nehmen, die Handlungsweise der Anstifter hierzu öffentlich an dieser Stelle zu besprechen.
* * Gefährliche Lage. Am vorigen Freitag wollte ein Fuhrknecht seinen Wagen in der Lahn waschen und fuhr unterhalb des unteren Wehrs in dieselbe. Er hatte jedoch die seichte Stelle verfehlt und gerieth in einen tiefen Kessel, sodaß Pferd und Wagen zu schwimmen begannen. Der Fuhrknecht befand sich auf dem Wagen und war des Schwimmens unkundig, weshalb er um Hilfertef. Student Kölle, welcher im Männerbad badete, begab sich zunächst mit einem Nachen an die Stelle, schwamm dann an den Wagen, tauchte unter und löste das Pferdegeschirr, sodaß das Pferd frei wurde, auf dieses bugsirte er dann den zu Tode erschrockenen Knecht und brachte ihn mit dem Pferd ans Ufer, während der Wagen, welcher umgeschlagen war, erst am andern Tage aus der Lahn geschafft wurde. Student Kölle hatte sich bei der Rertungsarbeit einige Hautabschürfungen zugezogen.
* * Die gestern entlaufene geisteskranke' Frauensperson wurde in verflossener Nacht von Arbeitern zwischen Wteseck und Alten-Buseck betroffen und wieder hierher verbracht.
* * Der falsche Geheimpolizist. Ein herumziehender Arbeiter, welcher sich gestern und vorgestern am Bahnhofe als „Geheimpolizist" aufspielte, wurde verhaftet. Das Geschäft wird ihm auf einige Tage gelegt sein.
* * Militärdievstnachrichten. Ehrich, Sec. - Lt. vom 1. Aufgebot des 3. Garde-Landw.-Regts. (Worms), v. Löhr, Sec.-Lt. von der Res. des 2. Großh. Hess. Drag.-Regts. (Leib - Drag. - Regts.) Nr. 24 (IV. Berlin), Weißflog, Sec.-Lt. von der Res. des Großh. Hess. Train-Bats. Nr. 25 (Gera), Matthaei, Sec.-Lt. von der Res. des Jnf-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 (Kiel), Klinker, Sec.-Lt. von der Res. des 1. Großh. Hess. Drag.-Regts. (Garde-Drag.-Rgts.) Nr. 23 (I. Darmstadt) zu Pr.-Lts., Mornewe g, Pr. - Lt. von der Cav. 1. Aufgebots des Landw.-Bezirks I. Darmstadt, v. Herget, Pr.-Lt. von der Cav. 2. Aufgebots desselben Landw.-Bezirks, zu Rittmeistern, Weyell, Sec.-Lt. von der Inf. 1. Aufgebots des Landw. Bezirks Gießen, Wallau, Sec.-Lt. von der Res. des 2. Bad. Drag.-Regts. Nr. 21 (Mainz), Stoltz, Schott, Sec.-Lts. von der Inf. 1. Aufgebots des Landw.-Bezirks
Mainz, Schmidt, Sec.--Lt. von der Cav. 2. Aufgebots des Landw.-Bezirks Worms, S ch uchardt, Sec - Lt. vom Train 1. Aufgebots des Landw. - Bezirks I. Darmstadt, zu Pr.-Lts., Sieben, Pr.-Lt. vom Train 2. Aufgebots des Landw.-Bezirks Worms, zum Rittmeister — befördert.
* * Die Manöver - Postsendungen werden bald beginnen, und es dürfte ein Hinweis auf dieselben willkommen sein. Die Sendungen an Manövertruppen bedürfen, damit sie auf schnellstem Wege in die Hände des Empfängers gelangen, einer genauen Aufschrift, welche Dienstgrade und Namen desselben, die Benennung des Truppenthetls (Regiment, Bataillon, Compagnie, Escadron, Batterie, Collonne u. s. w.) enthält- aber von besonderer Wichtigkeit ist dabei die Bezeichnung des festen Garnisonsortes des Adressaten. Der Garnisonsort muß angegeben werden, um eine präcise Beförderung zu bewirken. Es ist also die Adresse so zu halten, als ob Adressat sich in seiner ständigen Garnison befindet. Die vielfach übliche Angabe „im Manöverterrain" oder eines Marschortes als Bestimmungsplatz muß vermieden werden. Auch aus dem Garnisonorte stammende Postsachen müssen die Bezeichnung des letzteren enthalten.
* * An der neu zu errichtenden Großherzoglichen Wein- uud Obstbaufchule zu Oppenheim kommt im Herbst d. I. die Stelle eines Directors und gleichzeitigen Lehrers für Wein- und Obstbau, ferner im Frühjahr 1895 die Stelle eines Lehrers für Naturwissenschaften zur Besetzung. Das budgetmäßige Diensteinkommen beträgt: a. für den Director 3500—4500 Mk. nebst freier Wohnung im Anstaltsgebäude; b. für den Lehrer für Naturwissenschaften 3000 Mk. Bewerbungen sind bis zum 20. l. I. an die Großherzogltche Obere landwirthschaftliche Behörde in Darmstadt zu richten.
Seligenstadt, 31. Juli. Das neunjährige Töchterchen hiesiger Bürgersleute verzehrte am Sonntag eine größere Anzahl Pflaumen und trank dann ein starkes Quantum Wasser dazu. Nach einigen Stunden qualvollen Leidens war das bedauernswerthe Kind eine Leiche.
Babenhausen, 31. Juli. Der etwa 60jährige Peter Gohr aus Seligenstadt ließ sich heute Mittag bei der Gemarkung Zell Hausen von dem nach Seligenstadt abgelassenen Güterzuge überfahren. Der Unglückliche hinterläßt eine Wittwe und mehrere erwachsene Kinder in geordneten Verhältnissen.
Vermischtes.
* Berlin, 1. August. Ueber den Beweggrund, der die Familienkatastrophe in der Swtnemünderstraße veranlaßt hat, gibt der folgende Brief Aufschluß, den Pätsch owsky an die Polizei gerichtet hat. Er lautet: „Um Ihnen die Recherchen zu erleichtern, theile ich Ihnen ergebenst mit, daß ich mich und meine Familie im Einverständntß mit meiner Frau entleibt habe. Grund ist meine schwere Krankheit, Lungenschwindsucht und Wassersucht. Meine Frau war kränklich und meine Kinder waren scrophulös. Ich bitte, mich und die Meinigen in einem gemeinsamen Grabe beerdigen zu lassen. Hochachtungsvoll Max Patschowsky." — Die That muß in der Nacht zum Samstag ausgeführt worden sein, denn am Freitag wurde Frau Patschowsky noch gesehen. Der ausführende Theil scheint die Frau gewesen zu sein, denn der Ehemann war durch Krankheit bereits so geschwächt, daß er den Mord an den beiden Knaben nicht hätte vollbringen können.
* Hohenlimburg, 31. Juli. Ein Schachtmeister, der Streit mit einer Wittwe hatte, schoß einem zur Beilegung des Streites herbeigerufenen Arbeiter eine Kugel in den Kopf. Im hiesigen Krankenhause erlag der Getroffene bald der Verletzung. Der Thäter ist verhaftet.
* Hamburg, 1. August. In einem Speicher auf der Großen Reichenstraße wüthet seit 4 Uhr Nachmittags ein bedeutender Brand. Große Quantitäten Baumwolle brennen, der furchtbare Qualm erschwert die Löscharbeilen. — Der Sp eicher bran d dauert fort, doch gelingt es jetzt, das Feuer auf den einen, allerdings sehr großen Speicher zu beschränken, wo Baumwolle, Wein, Stückgüter, Pelze und Federn lagern. Der Schaden ist unübersehbar, er wird auf über eine Million geschätzt. Die in dem Nebenspeicher lagernden großen Quantitäten von Maaren haben durch den Rauch bedeutend gelitten.
* München, 1. August. Gestern fuhren zwei Knechte mit ihren Fuhrwerken unter der Ludwigsbrücke in die Isar, um die Pferde zu schwemmen. Sie wurden durch das hochgehende Wasser fortgeriffen - einer der Knechte und vier Pferde ertranken, der andere wurde gerettet.
* In Uelzeu wurde der seit dem Jahre 1818 dort wohnende Rechtsanwalt Justizrath Carl Stegmann am 28. Juli 100 Jahre alt. Der würdige Greis, am 28. Juli 1794 zu Lüneburg geboren, hat erst vor einigen Jahren seine Praxis völlig eingestellt und seine Wohnung, die er mieth- weise seit Michaelis 1826 in demselben Hause bewohnt, nicht mehr verlassen können, da ihm das Gehen schwer fällt. Geistig rüstig ist der alte Herr noch jetzt, nur hat sich Schwerhörigkeit bei ihm nach und nach eingestellt. Verheiraihet ist Justizrath Stegmann nicht gewesen und Verwandte hat er nicht- er wird von der Familie des jetzigen Eigenthümers des Hauses, das er nun seit 68 Jahren bewohnt, in freundlichster Weise verpflegt.
* Die Schlachtfelder um Metz. Aus Metz schreibt man: „Der Besuch auf den Schlachtfeldern ist immer noch ein sehr lebhafter und wird wohl noch viele Jahre hinaus andauern. Die meisten Besucher bedauern es lebhaft, daß von keinem Punkte aus ein Ueberblick auf das sehr unebene, vielfach von Waldungen durchschnittene Gelände möglich ist. Diesem Uebelftande soll nun durch die Erbauung eines Aus- sichtsthurmes abgeholfen werden. An der Spitze des zu diesem Zwecke gebildeten Comitös stehen der commandirende General Graf v. Häseler, der bereits einen geeigneten Platz für den etwa 30 Meter hoch gedachten Thurm ausgesucht
hat, Generallieutenant v. Arndt und Bezirksprästdent' v. Hammerstein. Die Sache soll so beschleunigt werden, daß die Einweihung am 18. August 1895, dem 25. Jahrestage der Schlacht von Gravelotte St. Privat, stattfinden kann. Ein Theil der erforderlichen Mittel ist bereits aufgebracht. Am 18. August d. I. wird der in der Nähe des Pachthofes Mogador errichtete Denkstein eingewetht, der die Stelle bezeichnet, bei der Kaiser Wilhelm I. während der Schlacht von Gravelotte mit Granaten beschossen wurde. Am 15. August d. I. veranstaltet ferner die „Vereinigung zur Schmückung und dauernden Unterhaltung der Kriegergräver" wie alljährlich in der Schlucht von Gravelotte eine patriotische Gedenkfeier.
* Ein eigeulhümlicher Preis ist durch die letzte Nummer der „Deutschen Fischerei-Zeitung" vom Bayerischen Landes- Fischzuchtverein ausgesetzt worden, nämlich 100 Mk. für jeden männlichen Flußaal, der in einer Länge von 55 bis 60 Ctm. aufgewiesen werden kann. Es ist nämlich ein heftig geführter Streit zwischen Herrn Dr. v. Brunn in Hamburg und dem Fischzüchter Vogel in Lauenbruch bei Harburg ausgebrochen. Ersterer, und mit ihm alle Autoritäten der Fischzucht, behauptet, daß männliche Aale nie länger als 45 Ctm. werden. Vogel kündigt nun an, daß seine aus der Elbe entnommene Fischbrut 55 Ctm. lang würde. Das Schiedsrichteramt hat Dr. Hermes in Berlin übernommen, der dem Dr. v. Brunn in Hamburg (45 Ctm.) vollständig zustimmt. Nur einmal, in der venettanischen Lagune, sei ein 48 Ctm. langer männlicher Aal gefunden worden.
* Mädchen • Distanzgehen. Eine emancipationslustige Mädchenschaar in Wien unternahm kürzlich, angestachelt durch den Ruhm, welchen verschiedene männliche Distanzgänger, zuletzt die als Schnelläufer auftretenden Greise in einem salz- burgischen Dorfe, in Sportkreisen geerntet haben, eine Distanztour auf zwölf Kilometer. Die nichts weniger als einladende Temperatur der letzten Tage vermochten den gefaßten Vorsatz nicht zu stören. Um 5 Uhr Morgens stellten sich in der Märzstraße dreißig Diftanzgängerinnen dem als Starter fungitenben Fräulein Hermine Wallner, welches den gruppen* weisen Abmarsch der Concurrentinnen überwachte. Das Ziel war Purkersdorf. In Breitensee, Baumgarten, Hütteldors, Hadersdorf und Ober - Weidlingen waren Controlstationen errichtet. Eine Stunde 37 Minuten betrug die Zeit der ersten, während die achtzehnte erst nach zwei Stunden 39 Minuten durch das Ziel ging. Zwölf Teilnehmerinnen hatten in Hütteldors den Wettbewerb aufgegeben und waren mit der Eisenbahn nach Purkersdorf gefahren. Bemerkt sei noch, daß keine Geldpreise ausgesetzt waren, sondern lediglich um den Meisterschaftstitel gerungen wurde.
* Zu wenig Sträflinge. Aus Temesvar wird dem „Wiener Fremdenblatt" telegraphiert: Der Justizminister forderte die Strafgerichte dringend auf, die Verurtheilten aus den Kerkern der Bezirksgerichte in die Strafhäuser abzuliefern, da diese beinahe leer stehen! — Die Verordnung dürfte jedoch schwerlich Erfolg haben, da beispielsweise das Temesvarer Gefängniß, in dem sonst 150 Sträflinge untergebracht sind, kaum 30 Gefangene besitzt. — In Ungarn giebt es also zu wenig Sträflinge — kein schlechtes Zeichen!
* Die lieblichen Tauben vom Marcusplatz in Venedig, die auf Staatskosten öffentlich gefüttert werden, erlagen am 20. Juli einem grausigen Schicksal. Nach mehrtägigem Sturm entlud sich nämlich an diesem Tage über Venedig ein Hagelwetter. Die Schloßen glichen an Größe wälschen Nüssen und häuften sich auch dermaßen an, daß die Straßen und die Dächer der Häuser noch mehrere Stunden nach dem Aufhören des Unwetters wie nach einem dichten Schneefall aus- sahen. Auf den Lagunen wurden mehrere Botte vom Sturme umgeworfen. Der Blitz schlug in den Thurm der Kirche Santa Maria Formosa und am Lido gelang es den Badegästen nur mit genauer Noth, sich in das Dampfboot zu retten, das den Dienst zwischen der Badeanstalt und der Stadt versieht. Am schlimmsten aber kamen die Tauben der Venetianer bei dem Unwetter weg. Hunderte vom Hagel erschlagene Tauben wurden theils auf dem Marcusplatze, theils weiter aufgelesen und wer weiß, ob durch dieses Unheil nicht die ganze Rasse dieser historischen Tauben vernichtet und Venedig um eines feinet Wahrzeichen ärmer geworden ist.
* Die einzige Frau, welche in der englischen Kirche zur Vornahme gottesdienstlicher Handlungen berechtigt ist, ist die Königin Victoria. Die hohe Frau wurde im Jahre 1837 zum „Domherrn" an der St. Davids-Kathedrale ernannt, hat aber niemals das Gehalt eines solchen bezogen, und zwar wahrscheinlich deßhalb nicht, weil sie die Regel nicht erfüllte, nach welcher jeder Domherr eine gewisse Anzahl Gottesdienste im Jahre abzuhalten hat.
* Die Geschenke des Czaren an das dänische Kronprinzenpaar anläßlich der silbernen Hochzeit und an die königliche Familie sind von einem Courier des Czaren überbracht worden. Diese bestehen aus den prächtigsten und kostbarsten Seiden- und Sammetstoffen, die die berühmten kaiserlichen Fabriken haben produciren können. Die Stoffe sind mit den feinsten Gold- und Silberstickereien ausgestattet und repräfen* ttren einen ungeheuren Werth. Der Liebling des Czaren, die Prinzessin Marie von Orleans (mit dem Prinzen Waldemar verheirathet), hat eine außerordentlich prachtvolle Seidenrobe mit Silberstickereien erhalten. Alle diese Costüme sollen zur silbernen Hochzeit benutzt werden. — Der Herzog von Cumberland hat seinem Schwager als Festgeschenk ein prächtiges Viergespann mit hannoverschen Vollblutpferden geschickt.
* Die Nabobs unter allen Polizeileuteu der Welt sind die Newyorker Poltccrnen. Ein einfacher Patrolman dritter Klaffe bezieht ein Einkommen von circa 4000 Mk., ein Sergeant 6000 Mk. und ein Polizeioffizier gegen 10,000 Mk. Die Bezahlung ist zwar reichlich, allein Geldstrafen sind bet Nachlässigkeiten an der Tagesordnung. Früher konnte in den Straßen Newyorks ein Pferd fallen, ohne daß sich die Polizei um die Wegschaffung des tobten Körpers kümmerte.


