Ausgabe 
3.5.1894 Erstes Blatt
 
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Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin. 1. Mai. Der Kaiser begibt sich morgen nach seinem Eintreffen im Neuen Palais nach Potsdam, um im dortigen Lustgarten die drei Bataillone des 1. Garde-Regi­ments zu besichtigen. Die Kaiserin wird mit ihren Kindern von den Gemächern des Stadtschloffes auS der Besichtigung beiwohnen.

Berlin, 1. Mai. Daß Landgericht I verurtheilte heute Ahl warbt wegen Beleidigung der Gesammtheit des preuß. Beamtenstandes in einer am 29. October 1891 zu Essen ge­haltenen Rede zu dreimonatlichem Gefängniß.

Berlin, 1. Mat. Die Lufts chiffer-Abtheilung soll im nächsten Jahre um mehr als die Hälfte der bisherigen Stärke erhöht werden.

Berlin, 1. Mai. Bis jetzt, Vormittags 10 Uhr, ist von der Maifeier nichts zu bemerken- die Arbeiterviertel tragen die gewöhnliche Physiognomie. Von besonderen poÜ» -etlichen Maßregeln ist noch nichts zu sehen. Das Wetter ist regnerisch.

Berlin, 1. Mai. Die socialistische Maifeier ver­lief hier in ziemlich ruhiger und unauffälliger Weise. Nur die organisirten Möbelpolirer, Putzer und Bauhandlanger, so­wie die Angestellten der socialdemokratischen Blätter feierten geschlossen, sonst war kaum wahrzunehmen, daß irgendwo die Arbeit ruht. Es waren etwa 60 Versammlungen angesagt, von denen besonders die Gewerkschaftsversammlungen der Bild- Kauer und der Arbeiter der Metallindustrie stark besucht waren. Die Arbeiter wurden an der Bildung von geschlossenen Zügen durch die Polizei verhindert und mußten in kleinen Gruppen nach den Versammlungslocalen gehen. Eine im Saale der Ressource" abgehaltene Versammlung von Anarchisten wurde polizeilich aufgelöst, da aufrührerische Aeußerungen gefallen waren. Auf den Straßen bot sich das gewohnte Bild, nur das stärkere Aufgebot an Schutzmannschaft fiel in die Augen.

Berlin, 1. Mai. Die große Anarchisten-Ver- sammlung wurde heute Mittag aufgelöst, als ein Redner ausführte, die Arbeiter müßten ihr Recht mit Säbeln und Flinten erkämpfen. Der Polizeilieutenant warnte die Ver­sammlung vor Ausschreitungen.

Cronberg, 1. Mai. Der heutige Morgen ließ sich ziem­lich stürmisch an, was zur- Folge hatte, daß an dem schönen Feftkleide der Stadt manche schöne Decoration arg zerzaust wurde. Eifrige Hände besserten aber bald den Schaden wieder aus. Das Hauptinteresse am heutigen Vormittage drehte sich um den erwarteten Besuch des Kaisers in Cronberg und eine erwartungsvolle Menge harne stunden­lang auf den Straßen und an den Fenstern. Die Hoffnung der Cronberger Einwohnerschaft, den Kaiser in ihren Straßen zu sehen, wurde aber getäuscht, denn der Kaiser, der gegen 11 Uhr Schloß Friedrichshof verließ, kam nicht in die Stadt, sondern stattete zu Fuß in der Jnterimsuniform der Garde- kürassiere, die Mütze aus dem Haupte und den grauen Mili- rärmantel umgehängt, in Begleitung der Kaiserin Friedrich, des hessischen Prinzenpaares und der beiden Flügeladjutanten dem alten Schlosse einen kurzen Besuch ab, wobei er den directen Weg am Kriegerdenkmal vorbei nahm. Auch der Rückweg wurde in gleicher Weise gewählt. Die Festesfreude der Cronberger erfuhr dadurch momentan eine kleine Trübung, da man für den Nachmittag nicht mehr hoffen kann, den Kaiser vor seiner Abreise noch einmal zu sehen. Die Ab­fahrt des Kaisers erfolgte pünktlich um 8 Uhr bei sehr reg­nerischem Wetter. Trotzdem hatten sich außer den Militär- Vereinen und den Kriegetoereinen von Cronberg, welche in corpore mit Fahnen und Musik erschienen waren, mehrere hundert Personen am Bahnhofe eingefunden, die den Kaiser, welcher mit seiner Mutter in halbverdecktem Landauer an­langte, stürmisch begrüßten. Der Kaiser verabschiedete sich von der Kaiserin Friedrich im Fürstenpavtllon. Auf die Hoch­rufe des Publikums zeigte sich der Kaiser grüßend am Fenster. Die Kaiserin Friedrich schritt nach Abfahrt des Zuges die Front der Kriegervereine ab und fuhr, von Hochrufen begleitet, durch Cronberg nach Schloß Friedrichshof zurück.

Cronberg, 1. Mat, Nachm. 6 Uhr. Nach der Frühstücks- tafel, welche um 1 Uhr stattfand, erledigte der Kaiser Regierungsgeschäste. Nach 4 Uhr unternahm der Kaiser, nur von der Kaiserin Friedrich begleitet, eine Spazierfahrt nach Oberursel und kehrte durch das überaus prächtig geschmückte Städtchen Schönberg nach Schloß Friedrichshof zurück. Prinz Ludwig von Battenberg, der zur Vorstellung besohlen und gestern mit dem letzten Zuge hier angekommen war, hat Cronberg heute Nachmittag um 3 Uhr 15 Min. wieder ver­lassen. Das Wetter ist stürmisch, es sällt starker Regen.

Hamburg, 1. Mai. Das von den Socialdemokraten ver­breitete Flugblatt wurde beschlagnahmt und in der Buchdruckerei Auer zur Ermittelung des Verfassers eine Haus­suchung gehalten. Die Staatsanwaltschaft hat ein gericht­liches Verfahren wegen Aufreizung zu G^waltthätigkeiten eingeleitet.

Hamburg, 1. Mai. Hier und in den Vororten ist von der Maifeier äußerlich wenig bemerkbar. In vielen Fab­riken und Werkstätten wird jedoch nicht gearbeitet; zahlreiche Arbeitervereine unternahmen Ausflüge. Am Abend sollen in 28 Localen Festversammlungen abgehalten werden. Zwei rothe Fahnen, welche aufgehisst waren, wurden von der Polizei entfernt.

Wien, 1. Mai. Die Agentur der Donau-Dampfschiff fahrts-Gesellschaft in Braila berichtet telegraphisch: Bei dem gestern erfolgten Einsturz der dortigen Dampfschifflandungs­brücke wurden sieben Personen getödtet. Das Per­sonal der Gesellschaft konnte 60 Personen retten. Privat­meldungen zufolge sollen ca. 200 Menschen in das Wasser gestürzt sein, von denen Viele ertranken. In Braila herrscht die tiefste Trauer über den Unglücksfall.

Wien, 1. Mai. Heute Nachmittag sind die Arbeiter nach dem Prater marschtrt. Die Ririgstraße war dicht mit Menschen angefüllt, welche rothe Cravatten und socialistische Embleme trugen. Die zahlreich anwesende Polizei hatte keinen Anlaß zum Einschreiten.

Graz, 1. Mai. Die in der Höhle von Luchef bei Souriack in Folge des Hochwassers eingeschlosseuen acht Mit­glieder des Vereins für Höhlenerforschung dürften leider nicht zu retten fein, da die Ableitung des Wassers bisher vergeblich gewesen und eine Felsensprengung den Etngeschlossenen noch größere Gefahr bringen könnte.

Bruun, 1. Mai. Eine von mehr als 20,000 Personen am weißen Berge abgehaltene Volksversammlung verlief durchaus ruhig. Auch sonst sind keine Zwischenfälle vor­gekommen.

Paris, 1. Mai. In einer gestern Abend hier stattge­habten Versammlung socialistischer Studenten hielt der Abgeordnete Miller and eine längere Rede, in der er betonte, daß es höchst nothwendig fei, den Arbeitern durch ihre studentischen Gesinnungsgenossen mehr Aufklärung und Bildung zu verschaffen. Die Versammlung beschloß eine Resolution zu Gunsten des Achtstundentages.

Paris, 1. Mai. Die Straßen der Stadt bieten den gewohnten Anblick. Vor dem Ministerium des Innern und dem Palais Elysee waren die Wachtposten verstärkt. Eine größere Anzahl von Arbeitslosen, welche sich auf dem Con­cordia-Platze den f oci alistifchen Delegationen an­schließen wollte, wurde von der Menge zerstreut. Die Dele­gationen wurden allein durchgelassen und begaben sich nach der Kammer, wo sie von einigen Abgeordneten empfangen wurden.

Amsterdam, 1. Mai. Das heute Mittag abgehaltene Meeting ist ruhig verlaufen- daffelbe war von tausend Arbeitern besucht. Heute Abend sollen weitere Meetings stattfinden,

Brüssel, 1. Mai. Bisher ist hier alles in ruhiger Weise verlaufen. Oeffentliche Kundgebungen haben nicht stattgefunden.

Lissabon, 1. Mai. Der spanische Arzt vr. Montaldo constatirt, daß die Cholera in Lissabon bereits seit Novem­ber vorigen Jahres grassirt. Die Seuche soll durch ein von den Cap Verdi'schen Inseln kommendes Schiff, auf dem die Cholera herrschte, eingeschleppt worden sein.

Washington, 1. Mai. Die Polizei ertheilte den Arbeits­losen die Erlaubniß, einen Umzug veranstalten zu dürfen. Tie Menge nimmt gegen ihre Führer eine drohende Haltung eii, weil es an Lebensmitteln mangelt.

totales nnd provinzielles.

Gießen, den 2. Mai 1894.

* Se. Durchlaucht der Fürst von Schwarzburg Sonders- hausen nebst Gemahlin passirten heute früh 5 Uhr 24 Min. auf der Durchreise nach Frankfurt die hiesige Station.

* * Geistliche Mufikaufführuug. Wir wollen nicht verfehlen, an dieser Stelle die Aufmerksamkeit unserer Leser auf das bevorstehende Kirchenconcert zu lenken, welches am 8. d. Mts. in der Johanneskirche stattfinden wird. Die in historischer Folge vorzutragenden Chöre sind von Fräulein Buff einstudirt, und hat Herr Professor Baldensperger sich freundlich bereit erklärt, die Direction für Hauptprobe und Concert zu übernehmen. Außer der gefälligen Mitwirkung hiesiger mit Recht geschätzter Dilettanten, wird das Concert noch durch den vorzüglichen Organisten Herrn W o l f r a m aus Dillenburg unterstützt, der, wenn auch bisher nicht in Gießen, so doch in vielen anderen Städten seine Meisterschaft im Orgelspiel glänzend bewährt hat. Der volle Ertrag des Concertes soll für die Ausschmückung der Stadtkirche ver­wendet werden. Es ist diesem schönen Unternehmen daher gewiß ein reicher Erfolg zu wünschen.

* * Oberhessischer Geschichtsverein. Der beabsichtigte Familienausflug nach dem Gleiberg muß leider mit Rücksicht auf die regnerische Witterung, die den Frankfurter Verein zur Absage bestimmt hat, unterbleiben oder vielmehr auf eine günstigere Zeit verschoben werden.

* * Musikalisches. Herr Hermann L e v i (ein Gießener), der berühmte Wagner - Dirigent und Generaldirector der Königl. Capelle zu München, ist unlängst zum Generalmusik­director ernannt worden. Für das im Juli in Darmstadt stattfindende Mittelrheinische Musikfest sind als Gesangs- solisten die Damen Elisabeth Leisin ger und Charlotte Huhn, sowie die Herren B irr e n k o v e n und M e s sch a e rt gewonnen worden.

* * Kuustuotiz. Wie aus dem Jnseratentheil ersichtlich, findet Freitag den 4. d. Mts. in unserer Nachbarstadt Mar­burg im dortigen Saalbau ein großes Vocal- und In­st rumental-Concert des Academischen Concert-Vereins statt. Wir unterlassen nicht, die Musikfreunde unserer Stadt hierauf besonders aufmerksam zu machen, da die Bahnanschlüsse zur Hin- und Rückreise es leicht ermöglichen, dem Concert von hier aus beizuwohnen. DieOberhess. Zeitung" bringt einen Artikel über dieses Concert, dem wir folgendes ent­nehmen : Imschönen Monat Mai" pflegen für gewöhnlich die Concertsäle, außer für besondere Musikseste, geschlossen zu sein. Wenn demgegenüber der hiesige Academische Concert- verein für den 4. Mai sein fünftes Concert ankündigt, so werden die Liebhaber guter Musik darüber nicht böse sein, zumal Allen bekannt ist, daß der genannte Verein qualitativ immer Vorzügliches leistet. Auch diesmal tritt Herr Musik- birector Barth wieder mit einem Programm hervor, das zu den höchsten Erwartungen berechtigt. Den Anfang und das Ende des Concerts werden zwei symphonische Werke bilden, die zwei entgegengesetzte Pole darstellen. Zu Beginn des Abends kommt nämlich Joseph Haydn mit einer feiner beliebten Londoner Symphonieen zu Wort, einer G-dur, die zum Unterschied von anderen die Bezeichnungmit dem Paukenschlage" führt - den Schluß des Abends werden Liszts Präludien bilden, ein Werk der sogenannten Programmmusik, das von seinem Schöpfersymphonische Dichtung" genannt worden tft. Als drittes Jnstrumentalwerk gesellt sich den beiden erstgenannten eine Serenade für Streichorchester von Robert Volkmann an, welcher äußerst liebliche musikalische

Schönheit und Feinheit nachgerühmt werden. Außer dem Orchester wird eine Sängerin mitwirken, Fräulein Sophie Schröter aus Bonn, die nach Zeitungsreferaten sowohl das kunstsinnige Publikum der niederrheinischen Musikstädte als auch das weniger kunstsinnige, aber desto kritischere Pub­likum der Reichshauptstadt befriedigt und zu lebhaftem Bei­fall hingerissen hat. Auf dem Programm stehen für Fräulein Schröter eine Beethoven'sche und eine Meyerbeer'sche Arie. Alles in Allem sehen wir, daß in dem bevorstehenden Concert auserlesene musikalische Genüsse geboten werden sollen, und es ist daher eine große Betheiligung mit Sicherheit zu er­warten. Das Concert findet im Saalbau statt.

* * Ein bedauerlicher Unfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich gestern Nachmittag im hiesigen Bahnhofsgebäude. Ein Reisender, der 71jährige Privatier Joh. Struth aus Nieder-Jngelheim, hatte in der Vorhalle des Bahnhofs jedenfalls nach einer Bedürfnißanstalt gesucht. Hierbei ist er an eine zum Keller führende Thür gekommen und die Treppe hinabgestürzt. Struth wurde bewußtlos aufgefunden und nach der Klinik verbracht, doch konnte dort nur der Tod des Verunglückten festgestellt werden.

* * Die Abgeordneten Vogt und Genossen haben nach­stehende Interpellation, die Erhaltung der Sonntagshand- werkerschulen unseres Landes betr., bei der Kammer ein­gebracht : Nachdem die Hoffnung der Gewerbevereine unseres Landes auf eine weitere Fristerlangung in Hinsicht der Er­haltung der Sonntagszeichenschulen durch den ablehnenden Beschluß des Reichstags vom 17. ds. getäuscht worden, tritt die Frage des Bestandes dieser Schulen, deren große Be­deutung für unfern Handwerkerstand erwiesen ist, um so dringlicher an die Regierung heran. Die Unterzeichneten er­lauben sich deshalb an Großherzogliche Regierung die An­frage zu richten: ob dieselbe Willens ist, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln gegen diese Gefährdung der Hand- werkerschulen einzutreten? Speciell richten wir unsere An­frage darauf, ob Großh. Regierung eventuell bereit ist, einen der beiden Wege, welche hier zum Ziele führen könnten, zu betreten, nämlich entweder die oberen kirchlichen Behörden zu veranlassen, daß sie allgemein für Orte, wo sich solche Schulen befinden, dem Nachmittagsgottesdienst den Character eines Hauptgottesdienstes verleihen, ober ob Großh. Regie­rung in der Richtung vorzugehen geneigt wäre, welche der preußische Minister v. Berlepsch in der Sitzung des Reichs­tags vom 17. d. M. andeutete und die bei uns wohl nicht gleichen Schwierigkeiten wie in Preußen begegnen möchte, nämlich den Handwerkerzelchenunterricht offiziell aus der Cate- gorie der Fortbildungsschulen herauszunehmen wodurch, als auf einen Fachunterricht, die Bestimmungen der Gewerbe­ordnung auf diese Schulen nicht mehr in Anwendung ge­bracht werden könnten.

* * Lebensmittel-Preise Ende März 1894. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes- statistik kosteten:

Ochfenfleisch per Pfund

Rindfleifch per Pfund

Kalbfleisch per Pfund

Schweinefl. per Pfund

Hammelfleisch per Pfund

Gemischtes Brod

Roggen- Brod

Butter per Pfund

Milch 1 Liter

Eier 1 Stück

Städte mit Octroi Darmstadt

72

66

70

70

66

13

11,5

106114

18

5-7

Mainz

68

56

70

75

48

12,5

11,5

102-109

21

5-6

Offenbach

70

56

60

70

60

13

12,5

113-123

21

4-8

Worms

68

64

70

68

60

11

11

116-127

17

5-7

Gießen

Städte ohne

70

60

60

69

60

13

11

96-106

18

5-6

Octroi Bingen

70

60

60

70

50

12

11

118-133

19

5-7

Bensheim

68

60

68

64

60

12,5

10

111120

17

6-7

Alzey

60

60

60

60

60

15

10

107117

17

6-7

Friedberg

70

60

55

60

55

12

10,5

110130

18

6

Alsfeld

60

40

60

59

12,5

10

100-110

16

5

Lauterbach

60

60

50

60

50

12

9

120

16

5

* * In Gebrauchsmustern wurden Eintragungen voll­zogen: Mit einer durch Hebel oder Zahnräder betätigten Reguliervorrichtung versehenes Mischventil für Dampf und Wasser oder kaltes und heißes Wasser: H. Schaffstaedt in Gießen, 12. Februar 1894. Bierglasumeriatz mit Controllvorrichtung, gekennzeichnet durch einen drehbaren Hebel mit Sperrklinke, die in Sperrzähne einer mit Zahlen versehenen Scheibe greift: Heinrich Hansel, Schlosser- meister in Gießen, 1. März 1894.

Friedberg, 29. April. Im Anfänge vorigen Monats stand die Ehefrau des I. Sch. von Melbach, der boshaften Thierquälerei angeklagt, vor dem hiesigen Schöffengericht, wurde aber, trotzdem ein direct belastendes eidliches Zeugniß einer Wittwe W. von Melbach vorlag, kostenlos freigesprochen. Am vorigen Freitag hat nun der Erste Staatsanwalt bei Großh. Landgericht Gießen die Zeugin W. unter dem Ver­dachte des Meineids, sowie die H. Sch. Eheleute von da unter dem Verdachte der Verleitung zum Meineide ver­haften lassen.

G. Darmstadt, 30. April. Zum Redacteur desSchul­boten für Hessen" wurde heute Herr Stadts ch ulinsp ect o r Scherer von Worms von der Delegiertenverfammlung des hessischen Landeslehrervereins gewählt.

-t Darmstadt, 30. April. Vor fünfunddreißig Jahren im April 1859 verließen 47 Zöglinge, von 50 ein* getretenen, das Seminar zu Friedberg mit dem Zeugniß der Reife. Sie kamen in Amt und Würden, wobei sie das Schicksal nach allen Windrichtungen zerstreute. Fünfund­zwanzig Jahre später, auf den 3. Pfingstfeiertag 1884 gaben sie sich ein Rendezvous im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. Gestern, nach fünfunddreißig Jahren, von 1859 an gerechnet, trafen sie sich wieder hier in Darmstadt und verlebten einen köstlichen halben Tag zusammen. Beim Appell ergab es sich, daß 9 Freunde von den 47 im Jahre 1859 entlassenen jungen Männern in das bessere Jenseits