Ausgabe 
3.1.1894 Erstes Blatt
 
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Paris, 31. December. Nur einige Morgenblätter be­sprechen das freisprechende Berdict in dem Prozesse gegen die wegen der Ruhestörung in Aigues -Mortes Angeklagten. Der Correspondrnt desFigaro" findet das­selbe verblüffend und meint, es würde von allen unparteiischen Gemüthern verdammt werden.Libre Parole" undJn- transigeant" billigen dagegen die Freisprechung, welche das Journal des Debats" damit erklärt, daß die Geschworenen ungewiß darüber gewesen seien, ob sie die wahren Schuldigen °vor sich hätten. DerMatin" meint, die Anwesenheit des italienischen Generalconsuls bei dem Prozesse in Angouleme habe gewiß wesentlich zu der Entscheidung der Geschworenen beigetragen. Der socialistische boulangtstische Deputirte Mery hat eine Liga zum Schutze der nationalen Arbeit gegründet mit der Devise:Keine fremden Arbeiter in unseren Werkstätten, keine fremden Erzeugnisse in unseren Geschäften."

Loudon, 29. December. Alpheus Morton reichte dem Unterhaus einen Antrag ein, in welchem die Königin ersucht wird, den Theil des Gesetzes vom Jahre 1873 zu annulliren, in welchem dem Herzog von Sachsen-Coburg- Gotha eine jährliche Apanage von 10000 Pfund Sterling gewährt wird.

Angoulöme, 30. December. Sämmtliche wegen der Ruhestörung in Aigues - Mortes Angeklagten sind frei- gesprochen worden.

Barcelona, 30. December. Ein Italiener, Namens Daccherini, ist verhaftet worden, bei dem Papiere vor­gefunden wurden, aus welchen desien Mitschuld an dem Attentat in dem Teatro Liceo hervorgeht.

Rom, 29. December. Der' preußische Gesandte beim Vatican, v. Bülow, brachte heute dem Papste Glückwünsche zum Jahreswechsel dar.

Trapani (Sicilien), 31. December. Arbeiter, welche an der neuen Vicinalstraße von Castelvetrano arbeiteten, griffen gestern die militärischen Posten und zwei Posten vor dem Steuerhäuschen an, und steckten die Wachthäuser in Brand. Hierauf legten sie Feuer an das Centralsteuer-Bureau, an das Bureau des Steuereinnehmers, an das Kataster-Bureau ; und an das Bureau des Friedensrichters. Den Soldaten ! gelang es, das Feuer zu löschen. Die Ruhestörer befreiten I sodann die Gefangenen, welche seit mehreren TcWen in Haft gehalten wurden. Das Rathhaus, das Bankgebäude, sowie Post- und Telegraphengebäude konnten vor den Ruhestörern geschützt werden. Letztere trugen vor den Soldaten die Bilder des Königs und der Königin her und acclamirten dieselben. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Nach Castel­vetrano, wohin sich auch der Präfect und der Staatsanwalt begaben, sind Verstärkungen gesandt worden.

Athen, 30. December. Auf die Terrasse der Deputaten- kammer wurde heute ein mit Erplosivstoff, dessen Zusammen­setzung noch nicht bekannt ist, gefüllter Behälter geschleudert und explodirte- die Kammer setzte indessen ihre Sitzung fort. Die später vorgenommene Untersuchung ergab, daß der Inhalt des geschleuderten Gegenstandes wenig gefährlich war.

Athen, 31. December. Die auf die Terraffe der Deputirtenkammer geschleuderte Bombe enthielt Dynamit, jedoch nur in geringer Menge.

Cocalt* nnb provinzielle-.

Sietzeu, 2. Januar 1894

** Die diesmalige Neujahrsnacht gehörte wohl zu den lebhaftesten, die Gießen je erlebt hat. Das trockene, nicht allzukalte Wetter war der Ansammlung größerer Menschen- maffen günstig und diese bewegten sich denn auch, als der Zeiger der Scheidestunde des alten Jahres näher rückte, im Mittelpunkte der Stadt, zwischen dem Kreuz- und Linden­platze in sehr geräuschvoller Weise. Daß es dabei ohne mancherlei Unfug nicht abging, ist angesichts der sich am Abend vieler Krakehlgeister bemächtigenden gehobenen Stimm­ung nicht zu verwundern. Zunächst war es das widerliche Schießen, welches zur Vermehrung des Scandals beitrug. Gegen 26 Personen wurde Anzeige erhoben, die geschossen, Feuerwerkskörper abgebrannt und sonstigen Unfug verübt hatten. Einen Hauptunfug bildete auch dasFroschwerfen" in den verschiedenen Wirthschaftslocalitäten; manche der Wirths- ftuben glichen mehr einer explodirten Pulverkammer als einem anständigen Gastzimmer. Daß man sich als Wirth solche Rohheiten bieten lassen kann? Die unvermeidlichen verschie­denen Holzereien blieben auch diesmal nicht aus, Chatten jedoch keine üblen Folgen.

** Neues Theater. Wir machen an dieser Stelle noch* mals auf das heute Dienstag Abend stattfindende zweite und letzte Gastspiel des Herrn Hofschauspielers Leon Rese- mann aufmerksam. Herr Resemann wird inDie Jour­nalisten" denKonrad Bolz" verkörpern. Möge recht zahl­reicher Besuch die hier schon zur Evidenz bewiesenen künst­lerischen Leistungen des Herrn Resemann lohnen, zumal der geschätzte Künstler heute zum letzten Male hier aufttitt.

** Weihnachtsbescheerung. DieGießener Freiw. Feuerwehr" hielt gestern Abend in den Räumen des Concerthaus Lahnstein" ihre Weihnachtsbescheerung ab. Er­freulich war es, daß die Kameraden sich zahlreich eingefunden hatten. Der Hauptmann des Corps, Herr Grün, begrüßte die Anwesenden, indem er u. A. bemerkte, daß der Christbaum schon seit Jahrhunderten in jeder Corporation und in jeder christlichen Familie brenne. Es sei auch unter den Kameraden ein Bedürfniß geworden, sich unter dem brennenden Christ­baume, dem Symbole des Friedens, zusammenzufinden. Der Chriftbaum solle uns die Lasten und Schicksalsschläge des vergangenen Jahres vergessen lassen, er solle uns aber auch für das kommende Jahr mahnen, daß wir keine Ungerechtigkeit an unseren Nebenmenschen verüben sollten. Er hoffe, daß auch unter den Kameraden Ruhe und Frieden herrschen möge, denn bei einer Feuerwehr sei es um so nöthiger, da doch einer des anderen Lebensretter sei, zu allem

j diesen möge der Friedensbaum, unter dem sich heute die Kameraden mit ihren Familien vereinigten, beiträgen. Herr Wie g a n d sprach hierauf einen schönen Prolog, nach welchem das LiedStille Nacht, heilige Nacht" gesungen wurde. Hieran schloß sich die Verloosung der Geschenke. Die Ver­steigerung des Christbaumes trug die Summe von ca. 34 Mk. ein.

I Unter Concert-Vorträgen des Herrn Kruse verflossen allzu­rasch die schönen Stunden.

* * Jubiläum. In diesen Tagen sind es 25 Jahre, daß Fräulein Johanna Koch ihre Wirksamkeit als Lehrerin an der höheren Töchterschule unserer Stadt begann. Sie hat während dieses Zeitraums und durch die Liebenswürdigkeit ihres Wesens sich allgemeine Anerkennung und Liebe erworben. Möge es der verdienten Lehrerin noch lange vergönnt sein, ihre Kraft der genannten Schule zu widmen!

* * Das gestrige Militär Concert inSteins Garten" war von einem sehr zahlreichen Publikum besucht. Die ein­zelnen Nummern des reichhaltigen Programms wurden mit großem Beifall ausgenommen und wußten verschiedene Stücke, u. A.Historische Märsche",Das erste Herzklopfen" 2C. wiederholt werden. Hoffentlich sind unsere tüchtigen Musiker, sowie Herr Stein für das Gebotene reichlich entschädigt worden.

* * Explosion. Gestern Abend explodirte in einem Re­staurant der Wallthorstraße das Gas, wobei der Wirth an Gesicht und Händen verletzt wurde. Der Wirth hatte in -einem kleinen Raum den Gashahnen offen gelassen und später in dem Raum ein Streichholz angezündet und so die Explosion herbeigeführt'. Außer den übrigens geringen Verletzungen des Wirths ist weiterer Schaden nicht entstanden.

* * Ein roher Act von Thierquälerei wurde gestern zur Anzeige gebracht. Ein Arbeiter, der in einem Hose in der Schloßgasse von dem an der Kette liegenden Hofhund angebellt wurde, ergriff das Messer, stach dem Hund ins Maul und verletzte ihn schwer.

* Die Gelegenheit des Neujahrstrubels haben wahr­scheinlich wieder dieselben rohen Burschen benützt, um das Wetterhäuschen in der Südanlage abermals zu erbrechen und den darin befindlichen Barometer zu zertrümmern.

* * Verhaftung. In verflossener Nacht wurden zwei junge Leute wegen Trunkenheit und Ruhestörung verhaftet.

* * Unsere Damenwelt, so schreibt dasW. T.", machen wir darauf aufmerksam, bei Frostwetter keinen Schleier zu tragen. Der warme Hauch, der dem Munde entströmt, wird durch den Schleier gewissermaßen gefesselt, der eisige Wind krystallisirt ihn und die Nase hat den Schaden davon - man kann sich nämlich auf diese Weise die Nase erfrieren, ohne daß man es merkt. Zum Schutz gegen Staub und Luft mag man den Schleier tragen, nicht aber bei Frost­wetter.

* * Ein Schützeugruß soll eingeführt werden, ähnlich dem Gut Heil" der Turner. Von ernsthaften Vorschlägen kommen besonders in Frage:Gut Ziel" undHalt fest". Die Zahl der scherzhaften Vorschläge ist weit größer als die der ernstgemeinten.

K. Stockheim, 1. Januar. In der Neujahrsnacht ist der einzige Sohn des Pachters Holzmann auf Hof Leustadt aus Unvorsichtigkeit von einem Freunde desselben erschossen worden.

-e. Neu - Ulrichstein , 1. Januar. Monatsbericht der Arbeiter-Colo nie pro December 1893. Ende December 1893 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 128 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 36, Regierungsbezirk Kassel 21, Regierungs­bezirk Wiesbaden 16. Königreich Preußen: Provinz Rhein­lande 7, Provinz Westfalen 5, Provinz Hannover 1, Pro­vinz Sachsen 2, Provinz Brandenburg 4, Berlin 2, Pro­vinz Schlesien 5, Provinz Posen 1, Provinz Pommern 2 - Thüringische Staaten 4- Königreich Bayern 8, Königreich Württemberg 1 , Königreich Sachsen 4. Großherzogthum Baden 4, Großherzogthum Sachsen-Altenburg 2. Fürstenthum Reutz 1. Ausland: Luxemburg 1, Böhmen 1. Hiervon waren: Arbeiter 62, Anstreicher 3, Barbier 1, Bäcker 4, Bauzeichner 1, Bergmann 1, Brauer 1, Brenner 1, Buch­binder 2, Conditor 1, Färber 1, Hasenhaarschneider 1, Heizer 1, Kaufleute 5, Kesselschmiede 1-, Maurer 3, Mechaniker 1, Metalldrücker 1, Metzger 1, Porzellanmaler 1, Sattler 1, Schiffer 1, Schlosser 7, Schmiede 1, Schneider 6, Spengler 1, Schreiner 2, Schriftsetzer 1, Schreiber 1, Steindrucker 1, Steinhauer 1, Stuckateur 1, Schuhmacher 1, Tuchscheerer 1, Tüncher 3, Vermessungsgehilfe 1, Wagner 1, Weber 1, Zimmermann 3. Gearbeitet wurde an 2859 Tagen, hierunter an 212 Tagen für fremde Rechnung. Verpflegt hat die Colonie an 3733 Tagen. Im Monat December wurden entlassen 7 Mann, und zwar auf eigenen Wunsch 5, in die Familie zurück 1, wegen Contractbruchs 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2414, dagegen abgegangen im Ganzen 2286 Mann, bleibt Bestand am 31. December 1893 128 Mann.

A Mainz, 1. Januar. Welchen bedeutenden Einfluß die geplante Weinsteuer jetzt schon auf das gesammte Weingeschäft ausübt, läßt sich sehr deutlich aus den eben bekannt gegebenen officiellen Zahlen über die Einfuhr inlän­discher Weine in hiesige Stadt im verflossenen Monat No­vember erkennen. Nach diesen Angaben wurden in dem be­zeichneten Monat nämlich nur 9346 Hectoliter Wein hier eingeführt, während in dem gleichen Monat im Jahre 1892, obwohl der Herbstertrag bekanntlich ein viel geringerer war, die Einfuhr 16,435 Hectoliter, also nahezu das Doppelte betrug. Diese Zahlen sind sehr bezeichnend. In einer größeren Versammlung hiesiger Kaufleute, welche am letzten December hier stattfand, wurde beschlossen, wegen der in Aussicht stehenden Quittungs- und Frachtbrief­steuer eine dringende Eingabe um Ablehnung an den

Reichstag zu richten. Zur Unterstützung der Agitation soll mit der Handelskammer in Verbindung getreten und in allen Kreisen der Handel-, der Industrie- und der Gewerbetreibenden die Petition zur Unterzeichnung in Circulation gesetzt werden. Seit gestern bringt der Main starkes Treibeis und "zwar in solcher Masse, daß sich viele Schiffe schon in die SicherhettShäfen geflüchtet haben. Verflossene Nacht und am heutigen Morgen hatten wir hier leichten Schneefall. Mit dem heutigen Tag ist Mainz osficiell in das Zeichen deS Carnevals getreten. Mit großem Umzug wurde, wie üblich, dieKasse" derNarrhalla" in den Straßen der Stadt herumgefahren und später fand das erste carnevalistische Concert in der närrisch decorirtenStadthalle" statt.

Vermischtes.

* Gladenbach, 29. December. Ein imposanter Leichen­zug bewegte sich gestern durch die Straßen unserer Stadt. Es galt, dem allbeliebten, im 83. Lebensjahre verstorbenen Kreisphysikus a. D. Sanitäts-Rath Dr. Stirn die letzte Ehre zu geben. Philipp Christian Ludwig Stirn war ge­boren zu Biedenkopf im Jahre 1810. Im Jahre 1835 ließ er sich in seiner Vaterstadt als practischer Arzt nieder und zwar zunächst als Allopath, um dann später zur Homöopathie überzugehen. Im Jahre 1866 wurde er kurz vor Ausbruch des Krieges als großherzoglich hessischer Kreisarzt nach Gladenbach versetzt, woselbst er auch nach der Einverleibung unseres Kreises in das Königreich Preußen als Königl. preußischer Kreiswundarzt verblieb.

* Berlin, 30. December. Die Kutscher der Taxa­meterdroschken haben in einer in der vergangenen Nacht abgehaltenen Versammlung beschlossen, die weißen Hüte, welche das Königliche Polizeipräsidium vom 1. Januar 1894 vor­schreibt, nicht zu tragen und so lange zu striken, bis diese Verfügung wieder zurückgenommen ist. Die übrigen Kutscher Berlins haben den Strikenden materielle Unterstützung zu­gesagt.

* Elberfeld, 30. December. Der Solinger Mädchen­mörder Bläsing gestand gestern dem StaqZsanwalt die That ein, er will dieselbe jedoch ohne Ueberlegung ausgeführt haben.

* Zweimal Soldat. In Würzburg ereignete sich der wohl seltene und deßhalb erwähnenswerthe Fall, daß ein junger Mann zweimal Soldat werden muß und zwar in zwei verschiedenen Armeen. Ein Schriftsetzer Triltsch wurde, im September d. I. nach einer zweijährigen Dienstzeit im dortigen 9. Infanterie-Regiment zur Disposition entlassen­er glaubte damit seiner Pflicht Genüge gethan zu haben. Die Sache sollte aber anders kommen. Der Vater des jungen Mannes, ein einfacher Taglöhner, ist österreichischer Nationalität; er wußte natürlich nicht, daß er dies bei der damaligen Aushebung seines Sohnes Seitens der deutschen Behörde hätte geltend machen müssen. Vor einiger Zeit nun schrieb der Vater an seine österreichische Heimathsgemeinde, daß er von ihr zur Erledigung einer Familienangelegenheit Papiere brauchte. In Oesterreich erinnerte man sich nun, daß dieser Mann bereits einen gestellungspflichtigen Sohn haben müsse. Diese Erinnerung wurde für den Sohn sehr unangenehm, denn er erhielt eine Gestellungsordre von Eger, die ihn auf vier Jahre zu einem österreichischen Artillerie- Regiment berief. Die Proteste des jungen Mannes halfen nichts, und es wurde ihm sogar mit demAbschube" gedroht. Er ließ nun durch einen Rechtsanwalt ein Gnadengesuch an den österreichischen Kaiser anfertigen. Wie es scheint, liegt der Fehler auf Seite der bayerischen Aushebungscommission, die sich zuerst über die Nationalität des Einzustellenden zn vergewissern hatte.

* Hochherzige Spende. Die weltbekanntenFliegenden Blätter" begingen am 29. d. Mts. mit der Ausgabe deS 100. Bandes das Jubiläum ihres fünfzigjährigen Bestehens. Aus Anlaß dieser seltenen Feier hat der Verlag der Fliegenden Blätter" Kaspar Braun & Jul. Schneider in München derPensions - Anstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller", demKünstlerunterstützungsverein" und dem Unterstützungsverein der deutschen Buchhändler und Buch­handlungsgehilfen" in Berlin, die Summe von je 3000 Mk. zur Förderung ihrer Humanitären Zwecke überwiesen.

* Denkstein. Der Großherzog von Baden beabsichtigt, an der Stelle, von welcher weiland Kaiser Wilhelm I. die Schlacht bei Gravelotte leitete, einen künstlerisch ausgearbeiteten Granitstein errichten zu lassen. Der Hofbildhauer H. Kaffen­berger in Baden-Baden ist mit der künstlerischen Herstellung des Denksteins beauftragt.

* Von der Feier des Weihnachtsfestes in der kaiserliche« Familie berichtet derHamb. Corr.": Im Muschelsaale des Neuen Palais stand zwischen den Tischen des Kaisers und der Kaiserin ein herrlicher Weihnachtsbaum. Die ganze Breite der Saalwand nahm eine lange Tafel ein, auf der die Geschenke für die Prinzen und die Prinzessin lagen. Auf jedem Platze stand ein Weihnachtsbaum, die vom Kronprinzen bis zur Prinzessin immer kleiner wurden. Dem Tische des Kaiserpaares gegenüber stand ein Tiich mit einem Baum für die Hofdamen und die Gouvernante der kleinen Prinzessin. Der Tafel der Prinzen gegenüber stand ein Tisch für die Hvfmarschälle, die Kammerherren vom Dienst und die Lehrer der Prinzen. Im rechten Winkel zum Kaisertisch war der Tisch für die Adjutanten und den Chef des Civilcabinets aufgestellt. Um 3 Uhr 15 Min. wurde im blauen Zimmer den Mitgliedern des Leibdienstes bescheert. Die Kaiserin trug die Prinzessin auf dem Arm und die Schaar der Prinzen stand im Kreise um die Mutter. Alle zusammen sangenStille Nacht, heiligt Nacht," und dann ging die Kaiserin mit den Prinzen an die Tische und rief die Namen der zu Beschenkenden auf. Nach der Tafel, kurz nach 5 Uhr, wurden die Thüren deS Muschelsaales geöffnet, der im Lichte der zehn Weihnachts­bäume und aller Kronleuchter und Wandarme strahlte. Die Kaiserin sührte die Prinzen hinein, während die Prinzessin